SodaKlub, die Werbung und das Geld: Wie finanziert sich so ein Podcast eigentlich?
Wir haben diese Woche eine Kooperationsanfrage freundlich abgelehnt, in der uns ein Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln auf Kollagen-Basis vorgeschlagen hat, uns 1.700 Euro dafür zu geben, dass wir kostspielige Anti-Aging-Produkte bewerben.
Es ist uns sehr klar, dass wir keine Werbung für Anti-Aging Produkte machen werden, und es ist auch klar, dass das für SodaKlub als Brand in jeder Hinsicht eine schlechte Idee wäre. 1.700 Euro abzulehnen fühlt sich trotzdem nicht toll an.
Weil in letzter Zeit immer mal wieder die Frage kam, wie sich so ein Podcast eigentlich finanziert, ob man davon leben kann, wie das mit dem Werbegeld eigentlich ist, und wieso sich die Leute, die sowieso schon für Spotify Abos bezahlen, trotzdem noch nervige Podcast-Werbung anhören müssen, erklären wir mal, wie sich so eine Podcast Produktion finanziell zusammensetzt—am Beispiel des einzigen Podcasts, bei dem wir das bis ins letzte Detail wissen, nämlich SodaKlub. Aber erstmal kommen die Ankündigungen:
SodaKlub Live
07. Juli — Berlin | Talk Filmgespräch The Outrun im Freiluftkino am Franz-Mehring-Platz
09. 08. — München | OAMN-Sommerkongress (Si apre in una nuova finestra)
27. 09. — Leipzig | Recovery Walk (Si apre in una nuova finestra)
Mia Gatow Live
11.08 — Bad Eibling | Lesung Buchladen momo & frieda (Si apre in una nuova finestra), 19:00
21.08. — Zwickau | Lesung Alois Fußballkneipe, 19:00
25.09. — Alsdorf | Lesung Stadtbücherei, 19:30
13.11. — Lübeck | Talk Aktionstag Suchtberatung, Hansemuseum
Was kostet eine Podcast Produktion?
Das teuerste an so einer Podcast Produktion ist unsere eigene Arbeit. Planung und Aufnahme, Schnitt, Organisation, die Gestaltung der Cover, die Abstimmung mit den Gästen kosten uns mindestens fünf Stunden in der Woche — jeweils. Das sind also mindestens 40 Stunden Arbeit im Monat auf uns beide verteilt: würden wir den aktuell empfohlenen Freelancer-Stundensatz dafür nehmen, wären das insgesamt 4.000 Euro Honorar im Monat. Aber weil es niemanden gibt, von dem wir dieses Geld nehmen könnten und wir es nicht von euch nehmen wollen, ist dieses Honorar geschenkt. :)
Abgesehen von unserer Arbeitszeit halten sich unsere Ausgaben in Grenzen. Wir haben kein Studio, keine Marketing Agentur und keine Angestellten. Ingo bekommt für die Sound Post Produktion rund 350 Euro im Monat, wenn die Aufnahmen komplexer sind (mehr Gäste), auch mal mehr. Dazu kommen die ganzen Kleinigkeiten: unsere Hosting Gebühren unser Aufnahmetool, die Grafikprogramme und die Hardware (Mikros, Popschutz, sowas), Fahrtkosten, sonstige Spesen und der Steuerberater.
Unterm Strich kostet die Produktion von SodaKlub rund 4.500 Euro im Monat. Oder sie würde soviel kosten, wenn wir uns selbst bezahlen würden.
Für eine Weile haben wir tatsächlich drauf gezahlt, um den Podcast zu produzieren, und für eine weitere lange Zeit haben wir nur unsere Arbeitszeit for free zur Verfügung gestellt. Wir wollten aber, dass der Podcast für Hörer:innen kostenlos bleibt und gleichzeitig nicht so ganz leer ausgehen, weil das auf Dauer schlecht für unsere Energiebilanz ist. Der einfachste und schmerzfreiste Weg um beides zu erreichen: Werbung.
Wie viel Geld bringt Podcast Werbung?
Wir schalten erstens sogenannte Automatic Ads: Das sind Spots, die am Anfang, in der Mitte und am Ende automatisch eingespielt werden. Diese Art der Werbung ist eher Taschengeld-Niveau: sie bringt uns im Schnitt 300 Euro im Monat ein. Man kann nur grob entscheiden, was das für Spots sind, die da eingespielt werden. Es gibt eine Blockliste, wo man Kategorien von Produkten und Dienstleistungen ausschließen kann—in unserem Fall stehen auf der roten Liste logischerweise sowas wie Alkohol und Glücksspiel.
Werbung, die wir selbst einsprechen (Host-Reads) sind dagegen so ungefähr das lukrativste, was man machen kann. Wir bekommen ein Briefing, schreiben einen Spot, nehmen den auf und schneiden ihn, dann geht er zum Kunden. Das ganze kostet eine bis maximal zwei Stunden Arbeit. Dann läuft der Spot vier Wochen durch und wir haben 1.500 bis 1.700 Euro verdient. Verglichen mit allen anderen Arten, Geld zu machen, ist diese Art die mit Abstand effizienteste.
Aber weil wir nur die Werbung machen, hinter der wir auch stehen, schlagen wir immer wieder Angebote aus. Zu den Sachen, die wir bislang nicht gemacht haben, gehören ein Sofortkredit-Dienstleister, ein paar hochpreisige Nahrungsergänzungsmittel mit zweifelhafter Wirkung, ein Hersteller alkoholfreier Drinks (machen wir nicht, weil die auch alkoholische Drinks im Sortiment haben) und big bad Amazon.
Was übrig bleibt, sind eine handvoll Hostreads im Jahr. Wir haben bisher Werbeanzeigen für eine Sprachlern-App, eine Steuer-App, eine Sexual-Wellness-Plattform, einen bekannten Zahlungsdienstleister und für Südtirol gemacht (fragt nicht, wie Südtirol ausgerechnet auf uns kam).
Werbung einsprechen ist immer cringe, aber wir sind sehr im Reinen damit, das zu machen, denn wir finden, dass der Reward für uns relativ hoch ist, während der Preis, den die Hörenden zahlen (ein paar Mal auf die Überspringen-Taste drücken) minimal.
Wir bekommen manchmal—selten!— Nachrichten dieser Art: Die Werbung nervt! Die Werbung ist unerträglich! Ich bezahle doch schon mein Spotify-Abo, wieso muss ich dann auch noch Podcast Werbung hören?!
Die einfache Antwort: Wenn dir auf Spotify trotz Streaming-Abo Podcast Werbung eingespielt wird, dann liegt das daran, dass die Podcasts unabhängig produziert und finanziert werden und mit Spotify nichts zu tun haben.
Wir suchen schon länger nach einer Möglichkeit, die Werbung für euch, unsere Steady-Supporter:innen, auszublenden, aber bisher haben wir leider noch keine praktikable Art gefunden, wie das technisch geht. Sobald es eine gibt, machen wir das sofort.
Die zweite, allgemeinere Antwort: Wir sind kein großes oder auch nur mittelgroßes Unternehmen. Wir sind zu zweit und wir machen alles selbst, und wir machen das neben unseren Dayjobs. Wir sind unabhängig und machen nur das, was uns gefällt und richtig erscheint. Wir wollen nur nicht so ganz umsonst arbeiten. Und die meisten Leute, die selbstständig sind, verstehen, dass ein bisschen Werbung cool ist, wenn man alle Inhalte für lau kriegt.
Wie viel Geld bringt der Newsletter?
Weil viele fantastische Leute SodaKlub aber sogar enthusiastisch unterstützen wollen (das seid IHR! we love you back!!!), haben wir diesen Steady-Newsletter ins Leben gerufen. Das das hilft uns ganz enorm. Momentan kommen durch den Newsletter nach allen Abzügen rund 1.600 monatlich rein. Das über die letzten beiden Jahre langsam und stetig gewachsen, und seit dem letzten Sommer können wir uns ein kleines Gehalt auszahlen: 500 Euro pro Person. Wir sind also nach viereinhalb Jahren Podcast auf Minijob-Level angekommen.
(Dass der Newsletter auch wieder zusätzliche Arbeitsstunden bedeutet, habe ich in meiner Rechnung jetzt mal ignoriert, damit es nicht zu kleinteilig wird.)
Manchmal, wenn wir Hostread Kooperationen haben, wie gerade mit Holy, kommt ein bisschen extra Geld rein, von dem wir dann so Sachen wie unseren Urlaub und den Schreibworkshop bezahlen.
Um es kurz zu sagen:
Wir machen das für eure Liebe, für die gute Sache und für ein Taschengeld. Es ist zu wenig, um es des Geldes wegen zu machen. Aber es bringt andere Reichtümer mit sich.
Es macht erstmal ziemlich viel Spaß. Wir sind unsere eigenen Bosse und können tun und lassen, was wir wollen. Wir haben immer einen guten Vorwand, Leute anzuquatschen, die wir toll finden und mit denen zu reden. Und wir können alles, was wir sonst so machen—Bücher schreiben oder Vereine gründen beispielsweise—unkompliziert einem relativ großen Publikum mitteilen.
Wir bekommen noch dazu jede Menge immaterielle Geschenke. Es ist unbezahlbar, wenn von euch die Mails kommen, in denen ihr eure Storys erzählt, und uns sagt, was der Podcast euch bedeutet. Wie er euch beim Nüchternwerden geholfen hat. Dass ihr uns von Anfang an gehört habt. Dass ihr euch durch alle Folgen durchhört. Dass ihr uns zusammen mit euren Freund:innen hört. Dass wir euch wirklich helfen, euch nicht allein zu fühlen, sondern als Teil von etwas größerem.
Jede einzelne Story ist so, so toll. Für jede einzelne hat sich das alles schon gelohnt.
Das gilt für uns, aber für euch alle da draußen genauso: Wenn ihr nüchtern werdet, dann werdet ihr zum Leuchtturm für andere, die auf der Schwelle zur Nüchternheit stehen. Ihr seid Vorbilder für eure ganz eigene Sorte der Nüchternheit, ihr zeigt, was daran geil ist, worauf man sich freuen kann, wovor man keine Angst haben muss. Ihr alle, wenn eure Nüchternheit lange genug andauert, werdet eines Tages mal der Grund dafür sein, dass eine andere Person das letzte bisschen Mut und Zuversicht findet, die sie braucht, um diese Schwelle zu überschreiten und auf unsere Seite zu kommen.