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Das Erfolgsrezept von Hidden Brain Teil 2

Hidden Brain setzt wie kaum ein anderer Podcast auf Storytelling. Die Show hat 2-3 Mio. Downloads pro Woche, als Wissenschaftspodcast. Wir können so viel davon lernen, dass 3 Tipps im vorletzten Newsletter nicht gereicht haben. Heute gibt’s 4 weitere.

Ein buntes Modell von einem Gehirn aus durchsichtigem Material.
Foto von Maxim Berg auf Unsplash.

Hey! Falls du die erste Ausgabe dazu noch nicht gelesen hast, bitte hol es hier nach. (Si apre in una nuova finestra) Ansonsten gehen wir direkt rein!

1. Ein gutes Gespräch ist eine Führung durch die Gedankenwelt des anderen

Oder im Fall von Hidden Brain: durch die Forschungsstory des anderen. Das ist nicht nur der Gamechanger für Interviews, sondern auch für Gespräche aller Art.

Es gibt zu viele Interviews, in denen der Moderator zu viel redet. Cringe! Bei Hidden Brain ist mir aber aufgefallen: Shankar Vedantam redet eigentlich auch nicht wenig. Doch hier funktioniert das sehr gut.

Warum? Es kommt nicht auf die Redeanteile an. Ein gutes Gespräch oder Interview ist eine Frage der Haltung:

👉 Ich rege meinen Gesprächspartner dazu an, mir eine Tour durch seine Gedanken oder Theorien zu geben

👉 Ich bin total wissbegierig; möchte Konzepte nicht nur verstehen, sondern richtig durchdringen

👉 Die Route und die einzelnen Stationen der Führung sind schon vorgegeben. Das ist schon in der Vorbereitung des Gesprächs passiert

👉 Meine Rolle: dafür sorgen, dass die Person ihre bestmögliche Führung gibt. Ich hake nach, fasse zusammen, vergewissere mich, das Gesagte richtig verstanden zu haben.

2. Story first

Wie würdest du ein Interview mit einem Wissenschaftler führen? Die Forschungsergebnisse auflisten und sie im Gespräch der Reihe nach abhaken?

Haben wir alle tausend mal gesehen. Hidden Brain macht etwas anderes: Das Team sucht den Erzählbogen hinter der Forschung

Erzählsatz: Forscher 🇦 will 🇧 herausfinden, weil (🇨) ihn seit Kindesbeinen an die Frage umtreibt, warum z.B. Menschen Smalltalk führen. Doch dann stößt er auf Schwierigkeiten 🇩…


Der Erzählsatz bringt den Kern der Story auf den Punkt - hier habe ich alles darüber geschrieben, was du dazu wissen musst (Si apre in una nuova finestra). Damit kannst du die Struktur deines Gesprächs bilden.

3. Leiter der Abstraktion

Du hast einen Erzählbogen? Super! Das ist die Handlung der Geschichte. Nur sind die meisten von uns hier, um Theorien, Konzepte, Gedanken maximal wirksam zu kommunizieren. Das geht im Storytelling mit der Leiter der Abstraktion

📐 Hier habe ich von der “Story - Idee - Story - Idee” - Form (Si apre in una nuova finestra)erzählt, die es bei This American Life gibt, aber im Grunde in jeder guten Predigt vorkommt. 👉 Wenn aus der Handlung eine Erkenntnis entsteht, steigt der Moderator die Leiter hoch und der Gast folgt. Zusammen schauen sie von oben auf seine Forschungsergebnisse: Was bedeutet das? Was nehmen wir mit?

4. Dieselbe Idee, immer wieder anders

💎 Oben auf der Leiter der Abstraktion nehmen sich Moderator und Gast den einen Gedanken vor und halten ihn ins Licht wie einen Diamanten. Mit jeder kleinen Bewegung leuchten verschiedene Farbbrechungen auf.

Das kann so aussehen: Der Gast erklärt etwas wissenschaftlich. Vedantam überträgt das Konzept in den Alltag. Der Gast gibt ein anderes Beispiel. Vedantam findet eine Analogie und fragt, ob das vergleichbar ist. Der Gast hat noch einen anderen Anwendungsfall.
➡️Derselbe Gedanke - mehrere Kontexte, Blickwinkel oder Beispiele.

Warum muss man einen Gedanken auf so viele Arten und Weisen darstellen? Ist es nicht redundant?

🎧 Zum einen liegt’s am Medium. Audio ist flüchtig. Im falschen Moment beim Spaziergang von Sirenen abgelenkt, schon hat man 20 Sekuden verpasst. 🔬 Hidden Brain ist ein Wissenschaftspodcast. Unterschiedliche Kontexte und Beispiele helfen, schwere Kost zu durchdringen. Und Wiederholung ist einprägsam.

Beispiel

Die Idee, “koste den Moment aus” würde normalerweise auf ein Kalenderblatt passen. In der Folge “Designing a Life that Matters (Si apre in una nuova finestra)” geht es so lange um diese eine Idee, dass ich es hier nur gekürzt zeigen kann:

Dave Evans: (…) there is no perfect birthday cake, there is no perfect conversation with Shankar Vedantam. There's only the one I'm actually in. So thing one in making something is recognizing its limitation. (...) if all I want is the end result, then everything I did up to that simply doesn't matter. (...) However, was I present at the time? (...) And now I'm actually being a maker, not just I completed making. (…)

Shankar Vedantam: I mean, philosophers and spiritual traditions have told us for centuries that we have to live in the moment, and in some ways, that's what I hear you saying.

Dave Evans: It's exactly what we're saying. (...) We call it the flow world, not the transaction world. (...) That's entering into the fullness of the moment. So moment making turns out to be the critical task of people who want to design more meaning in their life. (...)

Shankar Vedantam: I'm also reflecting, Dave, that the process that you're describing to build a fire hydrant wrench also applies in some ways to interpersonal contexts and emotional situations. (...) All of these involve relationships that are under construction, and in fact, they are under construction all the time. (...) In some ways, it takes the pressure off the outcome and gives us more enjoyment in the process.

Dave Evans: Absolutely. (...) Our editor, who's working with us on this book, she's working at home remote one day, and her child is in the other room making a bunch of noise while she's about to go on to a Zoom call. And she started saying to herself, God, I need to find out how to get this kid to quiet down while I'm working. And then she suddenly remembered, she had just read the got to get to idea in the manuscript and said, no, no, no, I get to work at home now, which means I get to be in the presence of the effervescent sound coming out of this very alive child. I can put on my headphones and solve that problem easily. I'm so lucky that I get to be here and be a part of that. (…) So that's what we're looking for. See it a different way and have a surprising change of your psychic experience of your own life.

Shankar Vedantam: And of course, many of us discover this too late, Dave. You know, when we lose someone in our lives, we now say, we would give anything to have that person back with us, even though when they were with us, we were often frustrated by them or irritated by them, wishing that they would say or do something different.

Dave Evans:Yeah. You know, I had this experience in my 20s, in my career where I suddenly realized that I was living entirely in the future that I would never get to. And then there was a time I was talking with an intensive care unit nurse about this problem of, oh, what's the next thing (...) And she said, oh yeah, yeah, we have a term for that. We call it destination sickness. She goes, oh yeah, you know, here in the ICU, particularly at Stanford, we have all these highly accomplished people. (…) And it's always that next thing will make me happy. And she said, and some of the people here, like the ones in their mid 50s, who burned their heart out and now they're actually gonna die. They suddenly realize there is no next thing. And then they look back at all the things they ran through and they realized they missed the whole thing.

In diesem Sinne, bis in zwei Wochen!

Teodora

Wenn dir diese Ausgabe etwas gebracht hat, freue ich mich sehr, wenn du sie mit jemandem teilst, der sie auch lesen sollte ↪️.