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Mit der Rotbuche in den Frühling und den Sommer

Ein grüner Schimmer hat sich auf die Welt gelegt. Bäume und Sträucher wachen nach der Winterruhe langsam auf, Blätter entfalten sich, Baumblütenduft liegt in der Luft.
Hellgrüne Blätter im Frühling an einem Baum. (Si apre in una nuova finestra)
Junge Blätter der Rotbuche (Fagus sylvatica), Foto: Hans auf Pixabay
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Dabei ist die Rotbuche im Frühling meist spät dran. Egal ob der Frühling kühl oder warm ist, um Blatt und Blüte auszutreiben, braucht sie eine Tageslänge von mindestens 13 Stunden. Ist dieser Moment Ende April, Anfang Mai gekommen, entfalten sich die etwa 600.000 Blätter eines großen Baumes jedoch sehr rasch.

Fast zeitgleich erscheinen an den neuen Trieben auch die recht unscheinbaren männlichen und weiblichen Blütenstände. Die männlichen, hängenden Blüten setzen Pollenwolken frei, die der Wind zu den weiblichen Fruchtknoten trägt. Das Samenkorn kann sich nur dann bilden, wenn der männliche Pollenschlauch erfolgreich Kontakt mit dem Inneren der weiblichen Blüte aufgenommen hat.

Manchmal, gerade in höheren Lagen, kommt dem Baum selbst bei diesem späten Startschuss das Wetter in die Quere. So vom 25. auf den 26. April 2016 in den italienischen Abruzzen, als ein schwerer Nachtfrost mit Temperaturen unter minus 4 Grad Celsius die jungen Blätter von 70 bis 85-jährigen Rotbuchen auf einer Höhe von 1540 Metern komplett zerstörte. Ganze 53 Tage lang blieb der Baumbestand blattlos.

Ende Juni schließlich erschien die grüne Pracht ein zweites Mal. Die Photosynthese kam in Gang, jedoch erst zwei Monate später als eigentlich geplant. Die Bäume hatten an ihrer zweiten Garnitur aber keinesfalls gespart. Ihre durchschnittliche Blattfläche lag mit 5,37 Quadratmetern je Quadratmeter sogar noch höher als im vorausgegangenen Jahr (4,79 m2/m2), wie der italienische Forstwissenschaftler Ettore D’Andrea (Si apre in una nuova finestra) und seine Kollegen ausgerechnet haben.

Grüne Blätter entfalten sich im Frühling.
Die Hainbuche (Carpinus betulus) gehört zur Familie der Birkengewächse. Ihre Blätter entfalten sich meist vor denjenigen der Rotbuche. (Foto: U. Gebhardt)

Für diesen zweiten Austrieb griffen die Bäume auf Energie- und Nährstoffreserven zurück, die sie im Stamm, in den Wurzeln und Ästen eingelagert hatten. Die Vorräte – Zucker, Stärke, Fette – reichen aus, um den Verlust einer Blattkrone durch Frost mindestens einmal, laut mancher Experten sogar bis zu viermal, zu ersetzen.

Forschungen an Bäumen, die wegen des vor 14 Jahren über dem Atlantik tobenden Hurrikans Wilma entblättert worden waren, zeigen, welch langjährige Vorratshaltung Bäume pflegen. Das nach dem Sturm aussprießende Grün hatten Bäume mit Hilfe von Vorräten produziert, die sie teilweise zuvor bis zu 17 Jahre lang aufbewahrt hatten.

SOMMER

Alle 15 Sekunden ein Glas Wasser (Si apre in una nuova finestra), den Tag über 400 Liter, bei großen Bäumen sogar 600 bis 1000 Liter Wasser, so durstig ist eine Rotbuche an einem sonnigen Sommertag. Etwa die Hälfte (Si apre in una nuova finestra) ihres Durstes löscht die Buche durch Niederschläge, die das aktuelle Jahr gebracht hat.

Um die 40 Prozent des benötigten Wassers stammen aus den Vorräten, die der Erdboden als Folge des vorangegangenen Herbstes oder Winters abgespeichert hat. Rund 10 Prozent stammen sogar noch von dem Regen, der 12 Monate zuvor oder noch früher auf die Erde rund um den Baum herniederging.

Starke Niederschläge in anderen Jahreszeiten können eine extreme Sommerdürre also einigermaßen abpuffern. Fehlt der Regen dagegen auch im Herbst und Winter, wird es brenzlig. Die Rotbuche reagiert besonders empfindlich auf trockenen Boden. Ist wenig Wasser da, schließt der Baum seine Spaltöffnungen, um die Wasserverdunstung zu minimieren. Das schränkt nicht nur die Photosynthese ein. Auch die Verdunstungskälte an den Blättern fehlt, diese leiden, vertrocknen bei andauernder Dürre und fallen ab.

Wie reagiert die Rotbuche auf die Klimaerwärmung? Rein theoretisch könnte sich durch einen früheren Blattaustrieb und einen späteren Blattfall die Biomasse-Produktion eines Baumes steigern. Tatsächlich gibt es diesen Effekt wohl eher nicht (Si apre in una nuova finestra). Denn im Sommer müssen die Bäume Photosynthese und Wachstum zurückschrauben, um überhaupt überleben zu können.

Ein wichtiger, unverzichtbarer Helfer für die Rotbuche – auch um Dürrezeiten zu überstehen – sind Pilze. Die Feinwurzeln der Bäume gehen unzählige, enge Verbindungen mit unterirdischen Pilzfäden ein. Dadurch vergrößert sich die Oberfläche, mit der der Baum Wasser und Nährstoffe aufnehmen kann.

1766 verschiedene Pilzarten (Si apre in una nuova finestra) wurden bisher als Begleiter der Buche entdeckt. Darunter finden sich neutrale „Tischgenossen“ (Kommensalen), Krankheitserreger (Pathogene), aber auch Symbionten, wie der Mykorrhiza-Pilz (für den Menschen ungenießbare) „Graugrüner Milchling“ (Lactarius blennius). Als Gegenleistung erhalten die Pilze meist im Spätsommer und Herbst (Si apre in una nuova finestra) einiges vom Überschuss des hoch oben in den Bäumen produzierten Zuckers.

Ganz, ganz oben in der Sonnenkrone herrscht ein besonderes Mikroklima. Nachts ist es häufig sehr kühl, tagsüber dagegen extrem heiß bei niedriger Luftfeuchtigkeit, weil die Blätter den ganzen Tag über der Sonne ausgesetzt sind. Die Blätter der Sonnenkrone sind kleiner und derber als die Buchenblätter der Schattenkrone und des Unterwuchses. Ganz offensichtlich schmecken sie auch den auf die Buche spezialisierten Rüsselkäfern und anderen Insekten nicht so gut.

Eine Frau klettert mit einem Kletterseil an einem Baumstamm herunter.
Stephanie Stiegel per Seilklettertechnik auf dem Weg hoch hinaus in die Baumkrone einer Rotbuche (Foto: Dank an Stephanie Stiegel)

Stephanie Stiegel (Si apre in una nuova finestra)von der Universität Hildesheim fand bei ihren Kletterstudien hoch hinauf in die Rotbuchenwipfel zumindest weniger Fraßspuren und Insekten als in Bereichen des Baumes mehr in Bodennähe. Neben des Blattgeschmackes werden aber wohl auch die Vögel eine Rolle spielen, warum sich hoch oben so wenig Insekten tummeln. Die auf der Sonnenkrone relativ ungeschützten Käfer, Läuse und Larven sind für die gefiederten Baumbesucher leichte Beute.

Mehr lesen:

Mit der Rotbuche durch das Jahr: (Si apre in una nuova finestra) Was passiert im Herbst und Winter?

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Argomento Natur + Rhythmus

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