KINDER (Si apre in una nuova finestra)-SACHBUCH-KRITIK (Si apre in una nuova finestra)
Wenn wir vom „Brücken bauen“ sprechen, kann damit zweierlei gemeint sein: Im übertragenen aka metaphorischen Sinne kann gemeint sein, dass wir zwischenmenschliche Verbindungen schaffen (Si apre in una nuova finestra), emotionale Hindernisse (Si apre in una nuova finestra) oder wirtschaftliche beziehungsweise politische Distanzen überwinden wollen (Si apre in una nuova finestra). Oder es geht „schlicht“ um den Bau einer physischen Brücke, die, gebaut aus Stahl, Beton, Holz, etc., Selbes vollbringen soll. Also verbinden, das Leben erleichtern oder gar retten, die Welt besonderer, schöner und übersichtlicher gestalten und natürlich Entfernungen verkürzen.

Dass eine Brücke bestenfalls nicht mal einfach so gedankenlos ins Land und über Schluchten und Gewässer, Gebirge und Auto-/Bahntrassen gepackt werden sollte, dürfte vielen klar sein - die Chinesen etwa haben erst Ende September mit der 625 Meter hohen Huajiang Grand Canyon Bridge die höchste Brücke der Welt eröffnet. Welch mannigfaltige Möglichkeiten und Fallstricke, Gestaltungsoptionen und Besonderheiten es gibt, illustriert der wahrlich fantastische, großformatige Band BRÜCKEN. In ansprechenden Texten von Magda Garguláková, die Mirko Kraetsch aus dem Tschechischen übersetzt hat, und gespickt mit zahlreichen eindrücklichen Illustrationen von Jakub Bachorik ist das im Juli im Karl Rauch Verlag erschienene BRÜCKEN-Buch eine so unterhaltsame wie informative Spezialität, die unvorhergesehenes Interesse zu wecken weiß.
Auf siebzig Seiten gehen die Macher*innen zunächst der Notwendigkeit von Brücken nach, zeigen und erläutern Formen sowie besonders „lange, hohe, berühmte und viele andere“ Brücken inklusiver diverser Statistiken und Informationen, etwa zur Anzahl von Brücken in Städten, Flussbrücken oder besonders langen, beweglichen, hohen, gefährlichen, merkwürdigen oder berühmten Brücken und Brückenarten, die die Katapult-Karten-Kreator*innen mindestens interessiert bis neidisch sein lassen dürften oder einem Weg-Suchspiel. Einen großen und lebendigen Teil nehmen die „Brücken als Zeugen der Geschichte“ von vor unserer Zeitrechnung (Si apre in una nuova finestra) über Mittelalter und Neuzeit bis in die letzten Jahrhunderte und die Zukunft ein. Hier werden detaillierter noch der unfassbar smarte Bau der Prager Karlsbrücke sowie die bewegte Geschichte der Brooklyn Bridge, die ohne eine Frau namens Emily Roebling womöglich nie vollendet worden wäre, porträtiert.

Anschließend geht es von der Theorie zur Praxis. Also jedenfalls theoretisch mit dem „Handbuch für den Brückenbaumeister“ von Dipl.-Ing. Hugo Beton und dessen Team. Über allem steht natürlich die große Frage „Wie baut man eine Brücke?“ Neben Vorbereitung, Bauprozess und Kontrolle erfahren wir zunächst, wie's nicht gemacht wird. Warum brachen 1297 die Stirling Brücke und gar zwei Male (1907 und 1916) die Québec-Brücke in Teilen zusammen?! Was also müssen Brücken aushalten, welche Natur- und Wirkkräfte müssen bedacht werden, wie wird all dies angewendet und schließlich verziert und genutzt. Eine feine Doppelseite führt uns auf die Baustelle, wir sind aufgefordert eine Spaghettibrücke zu bauen und lernen berühmte Brückenbaumeister*innen wie Apollodor von Damaskus, Thomas Telford, Ralph Modjeski oder Norman Foster, Zaha Hadid und Gustave Eiffel kennen. Von Emily Roebling war bereits die Rede.

Abschließend sehen wir die Brücke „in der Hauptrolle“ in Buch und Film, Musik und Zeichenkunst. Lernen, wie sie nicht zuletzt auch als Symbol (der Macht) funktioniert und welche Wirkung sie durch Sagen und Mythen (Si apre in una nuova finestra) und in Geschichte(n) hat. Passend für all jene, die jene Art von vermeintlich unnützem Wissen schätzen, das zu hohen Gewinnschwellen in Quiz-Sendungen ohne Joker trägt. Ein wissenswertes, wildes Durcheinander und andere Arten von Brücken (Piercing, Esels-, Luft- oder Zahnbrücke) sowie eine Liste von im Buch abgebildeten Brücken, in der wir unseren Besuch und Besuchswunsch ankreuzen können, runden den erbaulichen BRÜCKEN-Band stilgemäß mit einem Augenzwinkern ab (Si apre in una nuova finestra).

Dass das Sach-Bilderbuch neben aller informativer Anschaulichkeit und wirklich generationenübergreifend wirkenden Texten (Si apre in una nuova finestra) (empfohlen ist BRÜCKEN ab 9 Jahren, passt) so hochwertig aufgemacht – etwa ein Struktur-Einband bei einem Format von 24,0 x 31,0 Zentimetern oder das farblich auf den blau-orange/rot-gelben Band abgestimmte Leseband – und voll detaillierter Entdecker*innenfreude steckt, macht ihn zu einem ganz besonderen Buch, das unbedingt wertgeschätzt werden sollte. So individuell wie die Rolling Bridge in London, so schön wie die Ganterbrücke in Brig, so einprägsam wie die Rialtobrücke in Venedig – und wesentlich zielführender als die Pont Saint-Bénézet im französischen Avignon.
AS

PS: Entdeckt haben wir das Buch übrigens auf dem Sachbuch-Blog Elementares Lesen (Si apre in una nuova finestra) von Petra Wiemann (auch auf Instagram zu finden (Si apre in una nuova finestra)). Sie arbeitet sich regelmäßig durch die Verlagsprogramme und erstellt eine „Vorfreuden für Leseratten (Si apre in una nuova finestra)“-Liste. Schaut da mal rein (Si apre in una nuova finestra)!
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Eine Leseprobe findet ihr hier (Si apre in una nuova finestra).
Magda Garguláková (Texte), Jakub Bachorik (Illustrationen): BRÜCKEN (Si apre in una nuova finestra); Juli 2025; Aus dem Tschechischen von Mirko Kraetsch; 72 Seiten, durchgehend farbig illustriert, mit vielen Grafiken; Hardcover, gebunden mit Schutzumschlag; Format: 24 x 31 cm; ISBN: 978-3-7920-0388-6; Karl Rauch Verlag; 28,00 €