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Deutscher Kaffee immer gefährlicher

Logo »TITANIC-Wochenrückblick. Der endgültige Newsletter«

Liebe Leser*innen,

Porno-Deepfakes sind Ihnen wahrscheinlich schon lange ein Begriff. Wer GROK noch nie gebeten hat, ein Nacktfoto seiner minderjährigen Nachbarin zu generieren, um es anschließend ins Internet zu stellen und sie ihr Leben lang zu demütigen, hat nicht gelebt. Die KI mag uns die Arbeitsplätze klauen, aber wenigstens muss niemand mehr nachts stundenlang im Busch kauern, um ein paar heiße Fotos zu knipsen.

Doch so praktisch die KI auch ist, es gibt Grenzen:

(Si apre in una nuova finestra)

Sie wären bestimmt froh, wenn Ihnen dieser Anblick erspart geblieben wäre, wie den Menschen im Iran, die seit Tagen nahezu komplett vom Internet abgeschnitten sind. Doch wie soll es nach dem landesweiten Digital-Detox weitergehen?

Fortsetzung des Mullah-Regimes

Kontra: Brutale Terrordiktatur, Menschenrechtsverletzungen, Videoqualität der Polizeigewalt ist eine Zumutung

Pro: Lustige Turbane, viel spirituelle Energie, klares Feindbild, Internetverbot für die Kinder 

Monarchie

Kontra: Unmodern, Blutlinie eventuell verwässert, Kalifen kaum zu vermitteln 

Pro: Glamour pur, Impulse für Architektur (Paläste, Prestigebauten), legaler Inzest-Kink, Netflix-Serie in Planung (The Turban) 

Militärdiktatur

Kontra: Strenge Hierarchien, viel Gebrüll, Kooperation mit Rheinmetall 

Pro: Die Uniformen!, klare Abläufe, Berufschancen für Incels 

Demokratie

Kontra: Langweilig, aufwendige Kompromisssuche, trendet nicht

Pro: Jeder hat eine Stimme (optional später auch Frauen), Parteien bieten spannendes Spielfeld für Vereinsmeierei und Intrigen, bessere Videoqualität bei Videos von Polizeigewalt 

Anhaltender Bürgerkrieg, Clanherrschaft, Anarchie

Kontra: Schlecht für den Wohlstand, viele verwirrende Namen wie »Ali Ben Ibn Ali, Sohn des Führers der Falken der Wüste, Bruder der flüsternden Winde«

Pro: Kreativer Flowzustand, bietet gleiche Chancen für alle, weniger Staat ist immer gut

Nicht nur im Iran ist was los. Die Südseeinsel Niue wurde diese Woche von Deutschland als eigener Staat anerkannt. Zur Begrüßung packte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier allen 1 500 Insulaner*innen ein kleines Willkommenspaket. Neben einem Tütchen Ahoj-Brause und einem 10-Euro-Rossmann-Gutschein enthielt jede Box den dringenden Hinweis, dass das Ganze bitte nicht als Einladung verstanden werden soll, nach Deutschland zu kommen.

Von dem jüngsten außenpolitischen Schachzug verspricht man sich hierzulande jedoch viel:


Ausbau des Tourismussektors

Direkte Flugverbindungen von Kassel-Calden und Düsseldorf-Weeze. Außerdem sollen fünf Maritim-Hotels, acht Bundeskegelbahnen sowie eine Premium-Bunkeranlage auf der Insel entstehen. 


Kulturelle Förderung

Deutschland hat in Sachen Inselkultur einiges zu bieten. FKK-Camping, Wattwandern, Kieler Woche und Klaasohm-Prügeln sollen das Südseeeiland künftig bereichern. Die Pony-Bar Niue soll noch 2026 mit einem Konzert der Seefahrerrockband Santiano eröffnet werden.


Politische Vorteile

Auch wenn Kanzler Merz sich bisher wenig schmeichelhaft über die südliche Erdhalbkugel geäußert hat, hat er gegen ein Steuerparadies zur Entlastung des deutschen Mittelstands gewiss nichts einzuwenden.


Handel

Volkswagen, Hornbach, Fressnapf – deutsche Traditionsfirmen sollen in Ozeanien Fuß fassen. Im Gegenzug will Deutschland endlich von schmutzigem Yams und Maniok wegkommen.

Auch Dallmayr möchte nach Niue expandieren, vor allem weil das Geschäft mit dem Kaffee in Deutschland immer gefährlicher wird:

Cartoon von Kai Kühne

Um den Beruf trotz des hohen Sterberisikos attraktiv zu machen, möchte man sich Gerüchten zufolge ein Vorbild an einem bereits bestehenden Erfolgskonzept nehmen. Wie Soldat*innen in Uniform sollen Baristas die Bahn kostenfrei nutzen dürfen, solange sie eine Schürze tragen und mindestens drei sichtbare Tattoos haben.

Wenn Sie von Bahninnovationen nicht genug kriegen können, sollten Sie die dieswöchige Kolumne von Torsten Gaitzsch nicht verpassen:

Torsten Gaitzsch trinkt eine Tasse Kaffee und schaut in die Kamera
Heute: Die Not-Tasse

Liebe Newsletter-Fans! Aus Gründen fühle ich mich derzeit nicht in der Lage, zu kolumnieren. Damit ich aber meinen Streak nicht unterbreche – ich habe 84 Wochen lang hintereinander »geliefert« –, werde ich jetzt hier irge ndwas hineinkopieren. Nein, nicht irgendwas; einen Text, den ich aus den Untiefen meiner 2024 stillgelegten Facebook-Pinnwand gefischt habe und den ich durchaus für schmunzelig genug halte, um ihn an dieser Stelle (wieder) zu veröffentlichen. Und seien wir ehrlich: Es würde wahrscheinlich niemandem auffallen, dass es sich um recyceltes Material handelt, hätte ich es nicht gestanden. Nächstes Mal gibt’s wieder original content, versprochen!

Nach dem Deutschlandticket kommt die nächste Innovation: das Wollknäuelticket!

Das ist, wie der Name schon sagt, ein Wollknäuel und als Fahrschein in sämtlichen öffentlichen Verkehrsmitteln im Lande gültig. Bei der Ticketkontrolle schneidet die Kontrollperson ein Stück Faden ab, dessen Länge sich aus der zurückgelegten bzw. zurückzulegenden Strecke ergibt. (Hier sehe ich bereits das erste Problem: Was, wenn der/die Kontrollierte falsche Angaben macht, z. B. behauptet, »gerade erst in Kassel« zugestiegen zu sein, obwohl er oder sie bereits seit Flensburg an Bord ist? Na ja, da muss einfach an die Ehrlichkeit der Bevölkerung appelliert werden.) Kinder bis zum 6. Lebensjahr reisen kostenlos, bekommen aber trotzdem vor ihrem ersten Zustieg ein Knäuel ausgehändigt, erstens wegen des schon jetzt kultigen Spruchs »Noch nicht in der Schule? Da beißt die Maus keinen Faden ab!«, zweitens kann das Knäuel mit Erreichen des Beförderungsentgeltpflichtalters direkt genutzt werden (vorher aber auch – als Kopfkissen während langer Bus- oder Bahnfahrten).

Ist ein Knäuel aufgebraucht, holt man sich ein neues, natürlich nicht am Automaten, denn so große Automaten gibt’s ja gar nicht. Spezielle Verkaufsstellen sind zu nutzen, die sich bis spätestens 2085 in jeder Kleinstadt befinden sollen. »Pff, ich besorge mir einfach Wolle aus dem Wollladen, woher sollen die den Unterschied erkennen?!« wird so mancher Naseweis nun rufen. Nein: Das Wollknäuelticket ist mit einem Mittel gefärbt, das allein die Chemieabteilung der Deutschen Bahn nach einer streng gehüteten Geheimrezeptur herzustellen in der Lage ist. Die Farbe ist eine mit menschlicher Sprache nur schwer zu beschreibende Mischung aus Türkis, Metallic-Grau und Rostrot, und wer sie länger als 30 Sekunden betrachtet, wird von einer ungeheuerlichen Woge nie erlebter Glückseligkeit überwältigt; in Zugforen berichten Menschen, sie hätten nach intensivem Schauen in die »WKT-Kolorierung« zum ersten Mal tief in ihrem Innern gewusst, was sie wirklich wollen (!), und würden fortan ihr Streben und Handeln danach ausrichten. Die mysteriöse »Fahrradabteil-Epiphanie« auf der Regionalbahnstrecke zwischen Rhumspringe und Nörten-Hardenberg wird zu einem sogar wissenschaftlich untersuchten Phänomen.

Nachteil: Für Reisende aus dem nicht-deutschsprachigen Ausland ist das Wort »Knäuel« schwer auszusprechen.

Verabschiedet sich und wünscht ein gut informiertes Wochenende:

Ihre TITANIC-Redaktion

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Hamburger Allee 39
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