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»Howdy-Servus, liebe Talibaner! Wie hängt’s?«

Logo »TITANIC-Wochenrückblick. Der endgültige Newsletter«

Liebe Leser*innen,

was muss ich tun, damit ein Taliban mich mag? Diese Frage beschäftigt nicht nur Sie gerade. Sie stellt sich dieser Tage auch Alexander Dobrindt und seinen Mitarbeitern. Doch keine Sorge, mit diesen einfachen Kniffen gewinnen Sie auch noch den grimmigsten Taliban für sich:

  1. Starten Sie jedes Gespräch mit einem Bart-Kompliment. Werden Sie dabei gerne kreativ. Farbe, Fülle und Textur sind hier gute Ansatzpunkte.

  2. Kommunizieren Sie immer in Ich-Botschaften. Ihre Aussagen können sonst schnell als vorwurfsvoller wahrgenommen werden, als sie tatsächlich gemeint sind.

  3. Seien Sie keine Frau oder homosexuell. Diese Eigenschaften gelten unter Taliban als nicht cool und können bei Verhandlungen schnell zum Dealbreaker werden.

  4. Bauen Sie einen oder mehrere der folgenden Sätze in Ihr Gespräch ein:

Mehrere Taliban an einem Verhandlungstisch.

Powersätze für die Taliban-Verhandlungen

  • »Howdy-Servus, liebe Talibaner! Wie hängt’s?«

  • »Mann, Mann, hier ist ja ein Internetempfang wie in der Lausitz!«

  • »Schon mal was von Geschlechtergleichstellung gehört? Jeder Vierte von euch sollte eine Frau sein.«

  • »Wir hatten unsere Meinungsverschiedenheiten und haben beide verletzende Dinge gesagt. Schwamm drüber!«

  • »›Schwamm drüber‹ wäre dann auch der Wortlaut des ersten Artikels unseres Abkommens. Wenn Sie da kurz unterschreiben?«

  • »Internationale Anerkennung als Gegenleistung? Wir dachten an ein paar Windräder, Panzerhaubitzen und Kuckucksuhren.«

  • »Was ihr auch macht: Sorgt dafür, dass sie sich nicht an die zurückfliegenden Flugzeuge hängen wie damals.«

  • »Schön war’s! Zur Feier des Tages stechen wir nun das 50-Liter-Weißbierfass aus Herrn Dobrindts Heimatstadt an.«

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Leider besteht das Leben nicht nur aus guten Gesprächen mit bärtigen Männern. Es hält immer wieder auch Tiefschläge bereit, wie zum Beispiel den Tod weltberühmter britischer Primatenforscherinnen. Doch bis zuletzt ließ sich Jane Goodall nicht von ihrem Beruf und ihrer Berufung abhalten:

Jane Goodall steht neben Richard David Precht in einem Garten. 
Oberzeile: Machtgehabe, Kotwürfe, Gekreisch

Unterzeile: So war Jane Goodalls letzte Primatenbegegnung.

Die Begegnung sei teilweise unübersichtlich und chaotisch verlaufen. Dennoch behielt die Forscherin laut Beobachtern zu jedem Zeitpunkt die Kontrolle über die Situation, auch dank ihres berüchtigten Anthropoiden-Hakens, mit dem sie ihr Gegenüber sekundenschnell außer Gefecht setzen konnte.

Außer Gefecht gesetzt ist seit dieser Woche auch Gaga-Kolumnist Franz Josef Wagner, dessen letzte Post TITANIC exklusiv vorliegt:

Franz Josef Wagners (†82) letzte Post

Lieber Bad Bunny,

Sie sind 31 Jahre alt und der erfolgreichste Rapper der Welt. Ich kenne kein einziges Lied von Ihnen. Sie singen Spanisch, sollen nun bei der Halbzeitshow des Super-Bowls auftreten. Meine Jugend ist spanisch. Paella, Mallorca, mit dem Dacia Octavia an die Algarve. Amerika, das war mal amerikanisch.  

Wer ist dieser junge Mann, vor dem Donald Trump Angst hat? Die Heimatschutzbeauftragte will einen ICE ins Stadion schicken. Zug fahren, das bedeutete einst: Freiheit, Interrail, Studentinnen in den Ausschnitt schauen durch ein Loch, das man in die Kabinenwand gebohrt hatte. Wenn ich heute zur Arbeit fahre, geht es nur durch lange Tunnel. Jetzt zum Beispiel, aber immerhin leuchtet ein Licht am Ende.

Bad Bunny heißt schlechter Hase, böser Hase. Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der der Osterhase ein Schuft ist. Es gibt so viele Schufte auf der Welt. Putin. Maduro. Der Zugbegleiter, der brüllt, Sie hatten genug Rotwein heute Morgen, Herr Wagner. Greta Thunberg. Von der kenne ich kein einziges Lied.

Ich denke, dass der Klimawandel real ist. Es ist Oktober, aber hier sind es 40 Grad, und ein roter Bocksmann stochert mit seinem Dreizack in einem Haufen Kohlen herum.

Herzlichst,

Ihr Franz Josef Wagner  

Zwei Todesfälle in einem Newsletter sind einer zu viel. Um Ihre Stimmung wieder zu heben, ist hier ein Cartoon von Kai Kühne:

Gezeichneter Cartoon. Ein Mann sitzt in einem Restaurant an einem Tisch und hebt den Finger in die Höhe. Die Kellnerin kommt mit einem Teller herein, auf dem viele Insekten krabbeln. Sie sagt: "Wer hatte das Kammerjägerschnitzel?"

Sie fühlen sich immer noch niedergeschlagen und möchten lieber an ein anderes Gericht denken als an Schnitzel? Dann lesen Sie jetzt schleunigst die neueste Ausgabe »Zweite Tasse, bitte!« von Torsten Gaitzsch:

Torsten Gaitzsch trinkt eine Tasse Kaffee und schaut in die Kamera

Heute: Drehspaß

Ich lief an einem parkenden Kleinbus vorbei, der mit dem Schriftzug »Döner-Farm« versehen war, und erging mich sofort in zauberhafter Tagträumerei. Auf der Dönerfarm, da tollen die Kebabwelpen ausgelassen über saftige Wiesen, eine wettergegerbte Kopftuchbäuerin streut handverlesenes Kebabfutter aus, über das sich die glücklichen Dönertiere hechelnd hermachen. Keine Antibiotika im Industriefraß, keine beengte Käfighaltung, dafür EU-subventionierte Auslaufflächen, regelmäßige Massagen, Strohgabe, Zuwendung, schöne junge Menschen im Freiwilligen Ökologischen Jahr.

Jäh wurde ich aus meiner Fantasie gerissen, indem ich von einem Transporter angefahren wurde, auf dem »Dürüm-Hofgut« stand. Nein, auch das war Teil meines Tagtraums. Zurück in die Realität! Kann es sein, dass seit ein paar Jahren auf den Speisekarten von türkischen Imbissen das Wort »Drehspieß« viel häufiger zu finden ist als schlicht »Döner Kebab«? Hat das was mit neuen gastronomierechtlichen Vorschriften zu tun? Mich verwirrt die Bezeichnung eher, denn man isst ja nicht den Spieß, sondern das, was auf dem Spieß steckt. Auf »Drehfleisch« würde ich mich einlassen, das ist schließlich die sinngemäße Übersetzung von Döner Kebab.

Bei »Drehfleisch« denkt man natürlich sofort an Gyros, und obwohl jenes bekanntermaßen die Griechen erfunden haben (ein Abfallprodukt der Demokratie), reklamieren diese bisweilen auch das anatolische Pendant für sich; zumindest habe ich einmal im außereurasischen Ausland eine Dönerbude gesehen, auf der in griechischer Schrift »Doiner« stand. In einem französischen Ferienort wiederum fand ich eine Döneria mit dem Namen »Kebab Berlinois« vor. Damit sollte bewiesen sein, dass der Döner letztlich etwas genuin Deutsches ist. Das haben wir unseren Gastarbeitern fein abgeluchst, hehe. Und können nun endlich mal ein Nationalgericht vorweisen, auf das sich alle einigen können. Sogar mit Gewürzen und scharf.

Verabschiedet sich und wünscht ein gut informiertes Wochenende:

Ihre TITANIC-Redaktion

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