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Hessen als verdienstvolle Darmwindförderungsregion

Logo »TITANIC-Wochenrückblick. Der endgültige Newsletter«

Liebe Leser*innen,

ein Gespenst geht um in Europa. Die Mächte des alten Europa können sich nicht zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verbünden, denn den Papst hat es schon dahingerafft und den ungarischen Zar zu Tode erschreckt. Nun stellt sich der gesamte Kontinent die bange Frage:

JD Vance winkt von einer Bühne ins Publikum, daneben sind die Namen "Franziskus" und "Viktor Orbán" mit einem Haken versehen. Darunter steht der Text: "Wen besucht JD Vance als nächstes?" Neben der Frage sind die Gesichter Marine Le Pens, Wladimir Putins und Wolfgang Kubickis abgebildet, dahinter jeweils ein Fragezeichen
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Aus Sorge, dass Vance sie als Heimsuchungsopfer auserkiesen wird, trauen sich viele Medienmenschen nicht, die Causa Orbán zu kommentieren. Nur einige wenige Promis waren mutig genug:

»Herzlichen Glückwunsch an die Magyar-Bewegung! Der korrupte Loser Orbán hat 16 Jahre lang das amerikanische Volk bestohlen. Ich erhöhe die Zölle für Ungarn auf drei Trillionen Prozent.«
Donald J. Trump, US-Präsi

»Endlich wieder ein ganz normaler Rechtsradikaler an der ungarischen Spitze, damit können wir arbeiten.«
Ursula von der Leyen, Nazi-Dompteurin

»Wenn Orbán für Narzissmus stand, steht Magyar für Narzissmus 2.0. Ich finde beide Männer gut.«
Denis Scheck, Literatur- und Frauenkritiker

»Wir können Orbán nicht mehr helfen. Aber wenn wir ihn in die Luft sprengen, muss er wenigstens nicht mehr so lange leiden.«
Sarah Connor, Wahl-Aktivistin

»So wie der Orbán gestern geguckt hat, lasse ich ihn in der nächsten Staffel von LOL gewinnen. Apropos, kennen Sie den? Wird ein Indianer an Ungarns Grenze erschossen. Ich lach mich tot, hahaha!«
Michael Herbig, Bully

»Wenn das Volk 16 Jahre unter einem autokratischen Gewaltherrscher leidet, wählt das Volk am Ende jeden, der ein anderes Gesicht hat. Aber hätten es unbedingt Schröder bzw. Scholz sein müssen?«
Angela Merkel, Helmut Kohls Pétra Magyar

»Freut euch nicht zu früh! Ein großer Mann, der einmal an der Spitze stand, kann jederzeit zurückkommen. Ich sag’s nur.«
Manuel Neuer, Diktator auf dem Platz

Während der Rest der Welt damit beschäftigt ist, das Wohnzimmer mit Salbei auszuräuchern, um sich JD Vance vom Leib zu halten, hat die Crew der Artemis 2 nichts vom ganzen Spuk mitbekommen. Die Astronaut*innen haben auch gar keine Zeit, sich den Nachrichten zu widmen, da sie unzählige Gespräche führen müssen. Mit dem NASA-Leitfaden »Powersätze für ›Artemis 2‹-Heimkehrer*innen« sind sie auf alle Fragen vorbereitet:

  • »Hey, na wie ge- (auf den Raumanzug zeigend, den man anhat) Ach, das alte Ding?! Lange Geschichte, aber wir haben ja Zeit.«

  • »Also ich träume ja mittlerweile intergalaktisch.«

  • »Hinterm Mond, da ist so ein ganz bestimmtes Lebensgefühl, kann man schlecht erklären.«

  • »Hui, was herrscht hier unten denn für eine angespannte Atmosphäre?«

  • »Cool, auf dem Everest wart ihr? Wie weit ist man da vom Meeresspiegel entfernt? Drei Meter? Vier? Sorry, wir ›da oben‹ zählen erst ab 30k.«

  • »Ratet mal, was ich die letzten drei Minuten gemacht habe. Ein Tipp: Ich habe noch meine Astronautenwindel an.«

  • »Wenn man einmal da oben war, kommen einem eure Probleme hier unten ganz klein vor.«

  • »Erzähl nur weiter vom Krebs deiner Mutter. Hier steht zwar jemand vor dir, der so weit von der Erde entfernt war wie kein Mensch vor ihm, aber okay ...«

Sie müssen aber nicht an die Reise der Artemis 2 denken, um Fernweh zu bekommen. Manchmal packt einen die Sehnsucht an den unerwartetsten Orten:

von Leo Riegel gezeichneter Cartoon: Ein schwitzender Handwerker verschraubt etwas an der Decke, unter seinen Armen sind zwei Schweißflecken mit auffälligen Umrissen zu sehen. Ein umschlungenes Paar sieht dem Handwerker bei der Arbeit zu. Der Mann sagt zu seiner Partnerin: "Hast du gesehen? Der eine Schweißfleck sieht aus wie Sardinien, der andere wie Korsika." Seine Freundin antwortet: "Hach, wir müssen mal wieder verreisen!"
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Falls das Geld nicht reicht, kann man auch Urlaub in der eigenen Stadt machen, die kulturell bestimmt einiges zu bieten hat. Allerdings nicht Frankfurt am Main:

Torsten Gaitzsch trinkt eine Tasse Kaffee und schaut in die Kamera

Heute: Pröt und Spiele

An der Bockenheimer Warte in Frankfurt gastiert derzeit wieder einmal das Gießener Figurentheater und führt in seinem Zelt unter anderem »Furzipups der Knatterdrache« auf. Dabei handelt es sich, wie das dazugehörige Plakat stolz verkündet, um »das einzige lizenzierte Figurentheater für ›Furzipups‹ in Hessen und Mecklenburg-Vorpommern«, was die Frage aufwirft, wie es sich wohl mit den übrigen Bundesländern verhält. Hat man dort gar nicht erst versucht, Furzipups-Lizenzen zu bekommen? Hessen als verdienstvolle Darmwindförderungsregion (Nationalgericht »Handkäs mit Musik«) liegt für Furzipups-Aufführungen natürlich nahe, doch inwieweit qualifiziert sich Meck-Pomm als Heimstatt der beliebten Kinderbuchfigur?

Und die wichtigste Frage abseits jener, ob Deutschlands Juniorliteraturbetrieb die anale Phase jemals wieder verlassen wird: Was kriegen Furzipups-Fans beispielsweise in Bayern stattdessen geboten? Ich stelle mir stümperhafte Off-brand-Inszenierungen mit konkurrierenden verdauungsgestörten Folklorereptilien vor – von denen sich das minderjährige Publikum freilich nicht beeindrucken lässt. »Das ist ja gar nicht Furzipups der Knatterdrache! Wir wollen Furzipuuuups!!!« brüllt die Kindermeute. »Der ist aber genauso toll«, versuchen die erwachsenen Begleitpersonen zu beschwichtigen. »Das ist Arschibläh der Flatulenzwyrm. Schaut, jetzt klaut er seiner Freundin Stinki Säbelzahn eine Dose Kidneybohnen!«

Doch das Stück will nicht recht in Fa(h)rt kommen, sehen selbst die Eltern alsbald ein. Der Hauptfigur fällt ein Auge aus dem Stoffschädel, eine Oberlichtglühlampe platzt, mehrmals klemmt der Vorhang, die Puppen verhaspeln sich in einer Tour, und in der Pause rast ein Büffel durch die Manege, der aus einer parallel laufenden Vorstellung (»Der Müffelo«) entkommen ist. Als Zeichen des guten Willens wendet sich hinterher eine Erziehungsberechtigte an den Zirkusdirektor: »Richten Sie ein Lob an den Tontechniker aus! Die Furzgeräusche waren wirklich authentisch.« Worauf der Direktor sagt: »Wir haben gar keine Tontechniker.«

Verabschiedet sich und wünscht ein gut informiertes Wochenende:

Ihre TITANIC-Redaktion

Wenn das der Führer wüsste …

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