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LöwenPost 36: Die Sino Kolumne

Wohnungspolitik ~ Koreanischer Staatsbesuch ~ Automarkt
KI-Bild erstellt mit Copilot

In der LöwenPost 33 (Si apre in una nuova finestra) habe ich das HDB-Programm zur Wohnungsrenovierung in Singapore vorgestellt und kritisch den Abstimmungsprozess kommentiert. Nachdem zwei Häuserblöcke in Tiong Bahru die erforderliche 75% Zustimmung der Wohnungsbesitzer nur knapp verfehlte, wobei bei der niedrigen Wohnungsanzahl pro Block in diesen Fällen nur eine bzw. zwei Stimmen den Ausschlag gaben, war die Diskussion darüber in Singapore entbrannt. Von den insgesamt 29 Wohnblöcken im Viertel haben die Eigentümer von 27 Wohngebäude den Renovierungsmaßnahmen mit einer Mindestzustimmung von 75% und damit den Arbeiten und Investitionen zugestimmt. Die Häuser wurden bereits 1949 vom Singapore Improvement Trust, dem Vorgänger von HDB, erbaut. Der für den Wahlkreis Tanjong Pagar im Parlament gewählte Politiker Foo Cexiang kündigte an, dass die Bewohner der beiden erfolglosen Blöcke 2026 eine zweite Chance bekommen könnten. Mit einem Gespräch mit den Bewohnern und Erforschung der Gründe zu den Nein-Stimmen könnte er bei positiver Rückmeldung eine Initiative zur Nachwahl starten: "Wenn die Bewohner stark unterstützend sind, werde ich die HDB um eine Nachwahl bitten." Auch der zuständige Minister für Nationale Entwicklung Chee Hong Tat kündigte an: "MND (Ministerium für nationale Entwicklung) und HDB werden sich das ansehen. Wir werden auch die Interessengruppen konsultieren, wie dieser Prozess besser gehandhabt werden kann." Außerdem kündigte der Minister eine neue Initiative zum vorzeitigen Rückkauf der Wohnungen vor Ablauf ihrer 99-jährigen Nutzungsfrist durch HDB an, so dass Bewohner mit einem fairen Kaufangebot neue Wohnungen zum Ausgleich erwerben können. Das würde neue Modernisierungsperspektiven ganzer Stadtviertel in Singapore bieten. Es zeigt, dass die Regierung sofort auf Anforderungen der Bevölkerung tätig wird und pro-aktiv die politischen Rahmenbedingungen gestaltet. Ein weiteres Beispiel für "Excellent Governance" im Stadtstaat.

Der politische Höhepunkt des angefangenen Jahres in Ostasien war der Staatsbesuch des koreanischen Präsidenten Lee Jae-myung in China, wo er von seinen Amtskollegen, den chinesischen Präsidenten Xi Jinping, empfangen wurde. Dies war der erste Besuch eines Präsidenten aus Südkorea in China seit mehr als sechs Jahren seit dem der ehemalige Präsident Moon Jae-in China besucht hat, was damals der erste Staatsbesuch in China seit neun Jahren war. Der jetzige Präsident hatte zuvor mit einem realistischen Blick für eine angenehme Gesprächsatmosphäre gesorgt. So betonte er nicht nur bei der Taiwan-Frage, dass er die Ein-China-Politik respektiert, sondern äußerte sich auch zur wirtschaftlichen Entwicklung pragmatisch. Lee Jae-myung betonte, dass China in Technologie- und Kapitalbereichen zu Südkorea in vielen Bereichen aufgeholt oder sogar überholt hat und dass dieser Wandel eine neue Grundlage der bilateralen wirtschaftlichen Zusammenarbeit formt. Lee schlussfolgerte, dass die bisherige wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen China und Südkorea eine vertikale Struktur verfolgte, wobei Südkorea fortschrittliche Technologie und Kapital bereitstellte, während China Arbeitskräfte beisteuerte. Durch die rasche Entwicklung in China verändert sich nun diese Beziehung und macht einen gleichmäßigeren, horizontalen Ansatz der Zusammenarbeit notwendig. China und Südkorea haben tief integrierte industrielle Lieferketten und Lee erkennt die Bedeutung, Konfrontationen in den Wirtschaftsbeziehungen zu vermeiden. Ein kluger, lebensnaher, friedlicher Ansatz, den sich Politiker aus Japan, den USA und Europa gern einmal ansehen sollten. Bei seinem Besuch in China hat der südkoreanische Präsident dann einige Kooperationsprojekte vorgeschlagen, die Nordkorea einbinden, wie eine HGV-Bahnstrecke Seoul-Pjöngjang-Peking. Diese Projekte sollen den Frieden auf der koreanischen Halbinsel stärken und dafür suchte er die Unterstützung von Präsident Xi. Die wohlwollende Antwort des chinesischen Präsidenten klang folgendermaßen: "Die beiden Länder tragen eine große Verantwortung, den Frieden in der Region zu schützen und die globale Entwicklung zu fördern und wir haben eine breite Interessenüberschneidung." Das Treffen hatte auch eine humorvolle Seite und wird als "Selfie-Diplomatie" in den Social Media diskutiert, denn nach einem Staatsbankett machte Lee ein Selfie mit seiner Frau und den Eheleuten Xi mit einem Xiaomi-Smartphone. Dass ein südkoreanisches Staatsoberhaupt ein chinesisches Smartphone nutzt, um ein privates Foto mit Xi Jinping zu machen, gilt als eine geschickte diplomatische Geste, um Vertrauen zu demonstrieren. Es ist ein äußerst positives politisches Zeichen für diese Region und den beiden herausragenden Kulturen. Es zeigt auch, wie Staatsoberhäupter respektvoll und friedlich miteinander kommunizieren und kooperieren, egal welche ideologischen Systeme beide Länder unterscheidet. Die Staatsoberhäupter der westlichen Länder und Japan können bei diesen beiden Regierungschefs gern noch einmal zur Schule gehen.

Laut der China Chamber of Commerce for Import and Export of Machinery and Electronic Products (CCCME) sind die Gespräche zwischen China und der EU zur Abschaffung der EU-Zölle auf chinesische Elektroautos auf einem guten Weg. So sollen laut dieser Institution in Zukunft Preisverpflichtungen der Automobilhersteller die Zölle ersetzen können. Das ist eine gute Nachricht für die Hersteller, wobei es allerdings bei den hohen Preisen für die europäischen Käufer bleiben wird. Der Markt für Elektroautos in China ist ein spannendes, innovatives und technologisches Feld, wer sich dafür interessiert, sollte den Newsletter meines Taibang Blogs abonnieren, denn dort stelle ich regelmäßig innovative E-Fahrzeuge auf dem chinesischen Automarkt vor: Taibang Blog (Si apre in una nuova finestra). An dieser Stelle möchte ich die veröffentlichten Verkaufsziele der chinesischen Hersteller für 2026 kommentieren, die einen harten Wettbewerb in diesem Jahr erwarten lassen. Denn die Ankündigungen strotzen vor Selbstbewusstsein und hohen Zielen. Dabei erscheint die 14%ige Steigerung der Absatzzahlen bei Geely und Cheery geradezu bescheiden. Denn Dongfeng, Great Wall Motor, Xiaomi, Nio und Leapmotor wollen in diesem Jahr über 30% mehr Autos verkaufen. Von den anderen großen Herstellern BYD, SAIC, FAW und Changan sind mir keine veröffentlichte Pläne bekannt. Und was sind die Markteinschätzungen? Die US-amerikanische Investmentbank Morgan Stanley prognostiziert einen Rückgang des PKW-Absatzes von 7%, weil es weniger EV-Steuerboni gibt, die internationalen Handelsbarrieren erhöht werden und ein intensiver einheimischer Wettbewerb Verkaufssteigerungen sehr schwierig gestalten. Im Jahr 2026 wird es also spannend zu beobachten, wie die Unternehmen durch Kostenreduzierungen und Innovationen weitere Käufer von der "Benzinerseite" auf die "Elektroseite" ziehen und somit Steigerungen im EV-Absatz erreichen können. Erahnen lässt sich eine solche Taktik schon jetzt, da BYD den Einsatz von Lidar (Radartechnologie) für seinen Kleinwagen angekündigt hat und somit diese Technologie weiter in kleinere Modelle verankern will. Auch Huawei setzt neuerdings auf ein weiteres ADS-System, was deutlich kostengünstiger als sein Hig-End-System Qiankun ist, um günstigere Autos damit ausstatten zu können. Den Käufern in China kann dieser Wettbewerb gefallen.

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