Was am Ende gesagt wird, bleibt besser hängen. Der Schluss rundet die Geschichte ab, setzt das Krönchen, framt die Story. Stimmt — aber nur keinen Druck! Heute gibt es 5 einfache Lösungen für einen guten Abgang. Ganz ohne Micdrop, aber nicht weniger wirkungsvoll.

Damit das klar ist
Harry Potter endet nicht mit dem Sieg über Voldemort - obwohl der Erzählbogen da zu Ende geschlagen wird. Harry Potter endet Jahre später auf dem Gleis 9 3/4 am King’s Cross, als die Hauptfiguren ihren Nachwuchs nach Hogwarts schicken.
Wenn ich vom Schluss schreibe, dann geht es mir nicht um die Showdown-Szene. Mir geht’s um das danach: die Szene vor dem Abspann. Die ganze Handlung hat sich schon abgespielt, aber der Schluss framt erst die Geschichte. Er entscheidet, was das Publikum mitnimmt. Und ob es sich überhaupt noch mit dem vorigen Inhalt beschäftigen wird.
⚠️ Vermeide diese Fehler
❌ „Tja, c‘est la vie!“
Oder auch: Sag mir, du weißt nicht, was du sagen möchtest, ohne mir zu sagen, dass du nicht weißt, was du sagen möchtest. Ist ein bisschen, wie ein Witz zu erzählen, bei dem man die Pointe vergessen hat.
👉 Stattdessen: Vom Ende her denken. Überlege dir als erstes, was du sagen möchtest und richte deinen ganzen Inhalt darauf, diesen Schluss zum glänzen zu bringen.
❌ Die Welt geht unter und alle werden sterben
Würdest du jemandem Geld geben für einen Vortrag über eine scheinbar aussichtslose Krise und dem nahenden Weltuntergang? Und dennoch nimmt sich der Journalismus genau das heraus.
👉 Mache es besser, recherchier Lösungen, zeige Perspektiven auf.
Nie wieder ratlos auf den letzten Metern - 5 Lösungen für einen guten Schluss
1️⃣ Liste die wichtigsten Punkte auf
bei einem Vortrag von 15-20 Minuten sollten das nicht mehr als fünf Punkte sein. Frage dich: Was wäre das Minimum, was nach diesem Vortrag beim Publikum hängen bleiben sollte? Und bleib dabei.
Wenn etwas wirklich in Erinnerung bleiben soll, dann mach es so: 👉 Showing im Hauptteil, Telling zum Schluss.
2️⃣ Die Hauptthese auf den Punkt gebracht.
Was habe ich eigentlich die ganze Zeit erzählt? Nutze den Küchenzuruf, was so viel heißt, wie: reduziere deinen Vortrag auf eine Hauptthese und formuliere sie kurz, klipp und klar.
Beispiel:
Der Schluss der Rede von Kanadas Premierminister, Mark Carney, in Davos:
“Die Mächtigen haben ihre Macht. Aber auch wir haben etwas: Die Fähigkeit, aufzuhören, so zu tun als ob. Die Realität beim Namen zu nennen. Unsere Stärke im eigenen Land zu aufbauen und gemeinsam zu handeln. Das ist der Weg Kanadas. Wir wählen ihn offen und selbstbewusst. Und es ist ein breiter offener Weg, der allen offen steht, die bereit sind, ihn mit uns zu gehen.”
oder hier:
https://youtu.be/nzj7Wg4DAbs?si=Sxa5NsnT8mNTtz3g&t=795 (Abre numa nova janela)3️⃣ Was nehmen wir mit?
Höre ich in Storytelling-Podcasts mit starker emotionalen Wirkung besonders oft. Es erfordert ordentliche Reflektion und Textarbeit. Und dann kannst du die Frage “was nehmen wir mit?” auf zwei Arten beantworten:
Schlicht und geradeaus auf den Punkt gebracht
Oder du kann ein Sinnbild als Antwort geben: Eine Mini-Story, eine Metapher, ein Beispiel aus dem Alltag, ein Zitat, etc.
👉 Je bedeutungsschwangerer und emotionaler, desto schlichter und kürzer sollte es sein.
Beispiele
Heavyweight - Christina (Abre numa nova janela)
“Den besten Basketballspielern wird nachgesagt, sie besäßen die Fähigkeit, ein kleines Stück vorauszublicken – zu antizipieren, was als Nächstes geschieht. Doch Christina und Levi sind nicht so gut. Und so spielen sie wie zwei Kinder, denen die Zukunft ebenso gleichgültig ist wie die Vergangenheit. Und in diesem Raum dazwischen scheint es ein ziemlich gutes Leben zu sein.”
Telephobia - Lea und der Kunstbetrüger (Abre numa nova janela)
“Das hier war mal die Geschichte einer Kapitulation. Von einer Lea, die lächelte, die nickte, und Angst hatte und aufgab. Aber das ist sie nicht mehr. […] Die Geschichte ist zu etwas anderem geworden, etwas besserem. Sie handelt von Zweien, die auszogen, um Rache zu üben, zumindest ein bisschen. Und wie weit sie dabei kamen, das ist nicht so wichtig. Ich glaub’, das ist die eine Sache, die wir ändern können, wenn wir nichts ändern können: die Geschichte, die wir uns selbst erzählen. Und das geht nicht so gut allein. Das geht viel besser, wenn wir sie teilen.”
4️⃣ Das gebe ich euch noch mit
Einen Wunsch, eine Perspektive, einen Gedanken, eine Vision - “Was wäre wenn …?” Inspiration mobilisiert und ist am Schluss perfekt aufgehoben. Steve Jobs macht’s vor: “Stay hungry and stay foolish”
https://youtu.be/UF8uR6Z6KLc?si=jMaejXsr1GC8zwHM&t=786 (Abre numa nova janela)5️⃣ Der andere Call to action: Die Denk-Aufgabe
Der Filmemacher Ilker Catak hat mal gesagt, es komme ihm nicht darauf an, Fragen zu beantworten. Viel mehr gehe es ihm darum, die richtigen Fragen zu stellen.
Du willst, dass dein Beitrag nachhallt? Dann gib deinem Publikum zum Schluss eine konkrete Denk-Aufgabe. Sie sollte nicht sofort beantwortet werden können, aber auch nicht überfordern. So kann das Publikum die Herausforderung annehmen und darauf herum denken.
Und wenn du aus diesem Newsletter nur eine Sache mitnehmen sollst, dann die:
Ein unausgegorener Schluss ist wie ein Witz ohne Pointe. Wenn deine Worte Wirkung haben sollen, dann denk vom Ende her.
In diesem Sinne,
Teodora
P.S.: Dieser Newsletter wird gerade aus der Elternzeit geschrieben und hat sich in letzter Zeit etwas rar gemacht. Das bleibt erst mal so: aus zeitlichen Gründen kommt die nächste Ausgabe im Juli. Schreib mir gerne, wenn du Wünsche oder Fragen hast - ich beantworte jede Mail!