Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!
Schüsse vor dem traditionellen Korrespondent*innen-Dinner in Washington, D.C.: Während sich Politik, Medien und Prominenz versammeln, durchbrechen plötzlich Schüsse die Routine. Donald Trump, Mitglieder seiner Regierung und ihre Begleitungen bleiben unverletzt.
Der mutmaßliche Täter erreichte den Ballsaal nicht, Sicherheitskräfte überwältigten ihn zuvor. Der 31-Jährige soll eine Schrotflinte, eine Handfeuerwaffe und mehrere Messer bei sich getragen haben. US-Medien berichten, er habe vor der Tat ein Manifest an Angehörige geschickt und gezielt Regierungsvertreter*innen ins Visier nehmen wollen.
Kaum sind die ersten Fakten bekannt, wuchern im Netz die Gegenfantasien: alles gestellt, ein Fake, eine Inszenierung. Selbsternannte Ex-Geheimdienstler „wissen“ Bescheid, der rechtsextreme Sender AUF1 stellt suggestive Fragen. „War es ein inszenierter Attentatsversuch, wie einige Kritiker glauben?“
Neu ist dabei weniger die Verschwörung als ihr Ziel. In Teilen der rechten Parallelwelt bröckelt der Glaube an Trump. Ausgerechnet er gilt dort nun als Marionette „der Zionisten“ – befeuert durch den Konflikt mit Iran.
Auf Instagram und TikTok kursieren derweil ganz andere Bilder. Dort werden jene Journalist*innen gefeiert, die nach dem Vorfall gefilmt wurden, wie sie sich unbeirrt ungeöffnete Champagnerflaschen fladern – oder seelenruhig weiter ihren Salat essen.

Ansonsten geht es heute um Post-Covid-Betroffene, Rüstungsausgaben und Palantir.

Post-Covid-Betroffene in Österreich weiter schlecht versorgt
Zwei Jahre nachdem die Weltgesundheitsorganisation das Ende der Pandemie ausgerufen hat, fühlen sich Post-Covid-Betroffene in Österreich weiter schlecht versorgt, berichtet der ORF (Abre numa nova janela).
Eine Wiener Umfrage unter mehr als 300 Beteiligten zeigt deutliche Defizite. Informationen zu Therapien fehlen, Unterstützung durch Krankenkassen ist begrenzt. Der Ruf nach spezialisierten Zentren wird lauter – aus medizinischen wie volkswirtschaftlichen Gründen.
Die Studie erschien in der Wiener Medizinische Wochenschrift. Laut WHO entwickeln rund sechs Prozent der Infizierten anhaltende Beschwerden. Bei etwa sechs Millionen bestätigten Infektionen in Österreich betrifft das deutlich über 100.000 Menschen.
Die Zahlen sind drastisch: 82 Prozent bewerten ihre Lebensqualität als schlecht, nur 2,2 Prozent als gut. Über 90 Prozent berichten von Einschränkungen ihrer Arbeitsfähigkeit, zwei Drittel davon dauerhaft. Neun von zehn sind auf familiäre Hilfe angewiesen. 86,2 Prozent kritisieren fehlende Informationen, 67 Prozent mangelnde Kassenunterstützung.

Die Welt rüstet auf wie seit Jahren nicht
Laut dem Friedensforschungsinstitut Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) (Abre numa nova janela) stiegen die globalen Militärausgaben 2025 auf 2,89 Billionen Dollar – ein Plus von 2,9 Prozent. Das entspricht 2,5 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung und markiert den höchsten Stand seit 2009. (Abre numa nova janela)
Ausgerechnet die USA gaben weniger aus: minus 7,5 Prozent auf 954 Milliarden Dollar. Der Rückgang dürfte laut SIPRI nur vorübergehend sein. Als Ursache gilt der Stopp neuer Militärhilfen für die Ukraine durch Präsident Donald Trump. In den drei Jahren zuvor hatten sich die US-Hilfen auf 127 Milliarden summiert.
Treiber des weltweiten Anstiegs ist Europa. Die Ausgaben kletterten dort um 14 Prozent auf 864 Milliarden Dollar. Neben den weiterhin hohen Rüstungsetats von Russland und der Ukraine im vierten Kriegsjahr sorgten vor allem europäische Nato-Staaten für das stärkste Wachstum in Mittel- und Westeuropa seit dem Ende des Kalten Krieges.
Die drei größten Geldgeber – USA, China und Russland – vereinen mit 1,48 Billionen Dollar mehr als die Hälfte der weltweiten Ausgaben. SIPRI rechnet angesichts anhaltender Krisen und langfristiger Aufrüstungsziele mit weiterem Wachstum.

Palantir: Mitarbeitende sprechen von einem „Abstieg in den Faschismus“
Der US-Daten- und Rüstungskonzern Palantir steckt laut Mitarbeitenden in einer tiefen Krise, schreibt Wired (Abre numa nova janela). Interne Chats, Interviews und Stimmen aus dem Unternehmen zeichnen das Bild eines Konzerns, der sich zunehmend von seinen ursprünglichen Werten entfernt. Schon wenige Monate nach Beginn von Donald Trumps zweiter Amtszeit wuchs die Sorge: Palantir wurde zum technologischen Rückgrat harter Migrationspolitik – mit Software zur Überwachung, Verfolgung und Abschiebung.
Was früher als notwendiger Beitrag zur Terrorabwehr galt, fühlt sich für viele heute falsch an. Mitarbeitende sprechen offen von einem moralischen Bruch, manche sogar von einem „Abstieg in den Faschismus“. Besonders brisant: die Zusammenarbeit mit Behörden wie ICE und mögliche Verstrickungen in militärische Einsätze mit tödlichen Folgen.
Intern wächst der Druck. Fragen nach Verantwortung, Kontrolle und Missbrauch der Technologie bleiben oft unbeantwortet. Kritik wird zwar geduldet, verpufft aber wirkungslos. Gleichzeitig löscht das Unternehmen Diskussionen, verweist auf Geheimhaltung – und verteidigt seine Rolle offensiv.
Ein Manifest (Abre numa nova janela) der Führung gießt weiter Öl ins Feuer.

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

Wie die Rom*nja-Community für Sichtbarkeit und Erinnerungskultur kämpft
Rom*nja-Aktivist*innen laden Politiker*innen an einen Tisch – ins Schauspielhaus Wien. Ziel ist ein offenes Gespräch über politische Versäumnisse, fehlende Mitsprache und mögliche Zukünfte. Organisiert wurde der Abend vom Depart Collective, das sich mit dem Porajmos und dem Holocaust auseinandersetzt und Erinnerungskultur in konkrete Praxis übersetzen will.
Ein erstes Ergebnis: Am 23. April 2026 wurde die Errichtung einer Gedenkstätte vor dem Justizministerium angekündigt. Die Ausschreibung soll im Herbst starten.
Das Vorlaut Kollektiv berichtet:
https://www.instagram.com/reel/DXnvQgwB63L/?utm_source=ig_web_copy_link&igsh=MzRlODBiNWFlZA== (Abre numa nova janela)
Gut Ding will Langeweile haben
Die britische Verhaltenspsychologin Sandi Mann sagt, Langeweile sei ein wichtiges Gefühl. Hier erklärt sie mir, wie entspannend es sein kann, in einer schalldichten Kabine ohne Smartphone zu sitzen – und warum sie sich freut, wenn ihre Kinder sich langweilen.
https://krautreporter.de/sinn-und-konsum/1662-gut-ding-will-langeweile-haben?shared=188e6c1f-67db-4893-9efb-1501b130794d&utm_campaign=mailchimp-campaign-1172&utm_medium=editorial&utm_source=mailchimp.com&utm_source=Krautreporter+Newsletter&utm_campaign=a992f3f21b-irans-aussenminister-besucht-moskau-2026-04-27&utm_medium=email&utm_term=0_9ed711293a-a992f3f21b-220119791#lesen (Abre numa nova janela)
Läufer knackt historische Marathon-Marke
1:59:30 Stunden: Das ist die Zeit, in der Sabastian Sawe in London die Marathonstrecke über 42,195 Kilometer gelaufen ist – und mit der er als erster Mensch der Welt unter Wettkampfbedingungen die „magische Schallmauer von zwei Stunden“ durchbrochen hat, wie der Tagesspiegel (Abre numa nova janela) berichtet. Der bisherige Weltrekord lag bei 2:00:35 Stunden. Sawe, der aus Kenia stammt, erreichte in London eine Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 21,2 Kilometern pro Stunde. „In der Zeit, in der er den Londoner Marathon lief, hätte man gerade so David Lynchs Blue Velvet schauen können oder zwei Folgen Euphoria“, erklärt die Zeit (Abre numa nova janela) zur Einordnung. Nach seinem Zieleinlauf sagte Sawe, er werde sich an den Tag für immer erinnern. Seine persönliche Bestzeit lag bis dahin bei 2:02:05 Stunden. Zwar haben auch schon vorher Menschen die Strecke in unter zwei Stunden zurückgelegt, aber eben nicht unter Wettkampfbedingungen.
Versucht, wieder mehr Open-Source-Software zu nutzen, und geht wieder laufen:
Markus

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