Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!
Als Onlinejournalist ist vielleicht weniger verwunderlich: Ich mag das Internet. Schon sehr lange. Ich muss aber sagen, dass es hier im Netz zunehmend schlechter wird. Hass, Werbung, Trash, Slop, Spam – es wird immer schwieriger die guten Sachen zu finden.
Also, das Lustige, das Nette, das Kluge, den guten Austausch unter Fremden. Für das alte tag eins habe ich mal recherchiert, warum soziale Medien keinen Spaß mehr machen (Abre numa nova janela).
Heute will ich aber mal eine Lanze brechen für eine Nische, die ich immer öfters ansteuere und wo ich immer wieder gutes finde: Reddit und hier insbesondere den Austria Channel (Abre numa nova janela). Dort gibt es eine lebendige Community, echte Menschen, die posten. Unternehmen oder Influencer sind dort (noch) verpönt. Es fühlt sich ein wenig an wie das Netz der Nullerjahre.

Außerdem geht es in diesem Newsletter um drei prominente Strafverfahren: die Benkos, Dmytro Firtasch und August Wöginger sowie den Eskalationskurs der USA gegen Venezuela.

Benko erneut schuldig gesprochen
Der gefallene Immobilienunternehmer René Benko wurde gestern Abend in Innsbruck im zweiten Strafprozess teilweise schuldig und teilweise freigesprochen; seine Ehefrau Nathalie Benko wurde freigesprochen. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft hatte dem Ehepaar quasi vorgeworfen, teure Uhren, Manschettenknöpfen und Bargeld auf die Seite geschafft zu haben und im Konkursverfahren unerwähnt zu lassen. Der Schöffensenat sah die betrügerische Krida bei René Beno im Fall von zwei Uhren und Manschettenknöpfen schuldig, die Aussage Benkos, dass er die Uhren seinen Kindern geschenkt haben, hielt das Gericht für lebensfern, da sie nur vom Ex-Milliardär getragen wurden, schreibt der Standard (Abre numa nova janela). Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
Freigesprochen wurde dagegen die Ehefrau Nathalie Benko, die der Beihilfe angeklagt war. René Benko wurde zu einer 15 monatigen bedingten Haftstrafe sowie einer unbedingten Geldstrafe in Höhe von 360 Tagessätzen zu zwölf Euro verurteilt. Die Tagessätze und damit die Geldstrafen fallen extrem niedrig aus, da Benko als Untersuchungshäftling ohne Einkommen ist und sich in Privatkonkurs befindet.
Schon im Oktober wurde Benko in einem separaten Verfahren zu 24 Monaten unbedingter Haft verurteilt. Beide Schuldsprüche sind nicht rechtskräftig. Indessen berichten News (Abre numa nova janela) und Kronen Zeitung über einen neuen, skurrilen, aber strafrechtlich relevanten Vorfall: René Benko soll seinem neunjährigen Sohn im Rahmen einer Jagd einen Hirsch erlegen haben lassen. Kinder mit Waffen schießen zu lassen ist streng verboten.

Wögingers Strafverfahren geht zurück an den Start, Firtaschs Auslieferung ist dagegen vom Tisch
ÖVP-Klubobmann August Wöginger muss sich nun doch vor Gericht wegen mutmaßlicher Postenkorruption verantworten. Das Oberlandesgericht Linz hat dem Rechtsmittel der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft gegen die Diversion bei allen drei Angeklagten zugestimmt. Im Oktober war der ursprüngliche Prozess überraschend schnell zu Ende gegangen, da Wöginger “Fehler” eingestand und eine Diversion beantragte. Nach lautstarker öffentlicher Kritik erhob die Staatsanwaltschaft ein Rechtsmittel gegen die Diversion. Das Oberlandesgericht urteilte nun, dass eine Diversion nur in “atypisch leichten Fällen” zugelassen sei.
Nun wird tatsächlich in Linz vor Gericht verhandelt, ob Wöginger sich vor rund neun Jahren bei der Empfehlung eines Parteifreunds für den Leitungsposten bei einem Finanzamt strafbar gemacht hat. Der Termin für die Neuansetzung steht noch nicht fest.
In einem anderen Verfahren (Abre numa nova janela) hat das Oberlandesgericht Wien entschieden, dass die Auslieferung des ukrainischen Oligarchen Dmytro Firtasch endgültig vom Tisch ist. Absurd: Letztlich entschied ein Formfehler, da der Oberste Gerichtshof den Antrag auf Verlängerung der Beschwerdefrist der Staatsanwaltschaft nachträglich als nicht zulässig erklärte.
Die US Justiz wirft (Abre numa nova janela) Firtasch vor, Bestechungsgelder in zweistelliger Millionenhöhe für Lizenzen zur Titangewinnung in Indien gezahlt zu haben. 2014 wurde der Milliardär in Wien auf Grund des US-Haftbefehls festgenommen. Nach Zahlung eine Rekordkaution in Höhe von 125 Millionen Euro kam Firtasch jedoch wieder frei. Der einflussreiche Milliardär Firtasch galt in der Ukraine als Mann Russland; besonders groß war sein Einfluss während der Amtszeit des Ex-Präsidenten Wiktor Janukowytsch.

USA drehen an der Eskalationsspirale mit Venezuela
Seit Wochen fährt die US-Regierung einen Eskalationskurs gegen den mittelamerikanischen, sozialistischen regierten Staat Venezuela. In der Nacht auf Donnerstag (Mitteleuropäische Zeit) haben US-Soldaten, die sich aus Helikoptern abseilten, einen Öltanker vor der Küste Venezuelas geentert und beschlagnahmt. Laut New York Times (Abre numa nova janela) soll der Tanker Öl von Venezuela in den Iran transportieren, was gegen Sanktionen der internationalen Gemeinschaft verstöße. Eine US-Richter habe die Beschlagnahmung angeordnet.
“Die nächste Eskalationsstufe” nennt das der Spiegel (Abre numa nova janela). Seit Wochen behauptet US-Präsident Donald Trump, Krieg gegen sogenannte “Narco-Terroristen” zu führen und Streitkräfte haben völkerrechtswidrig insgesamt 22 Schnellboote im karibischen Meer angegriffen. Laut US-Angaben soll es sich dabei um Drogenschmuggler handeln. Trump fordert offen die Ablösung des sozialistischen Präsidenten Nicolás Maduro und hat ein 50-Millionen-Dollar-Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. “Wenn Washington erwägt, künftig noch mehr Schiffe zu beschlagnahmen, dann klingt es wie eine neue Strategie, die darauf abzielt, Maduro die Sauerstoffzufuhr zu kappen”, analysiert der Spiegel. Durch diesen gezielten Angriff auf die venezolanische Ölindustrie soll der Druck auf Maduro erhöht werden.

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

Hinter den Millionen
Marlene Engelhorn und Melissa Erkut haben einen neuen Podcast gestartet und reden über angebliche Selfmade-Millionäre und Menschen, die wirklich selbst gemacht sind. In der ersten Folgen erzählt Marlene Engelhorn, wie ihr Urururgroßvater zu seinem Vermögen kam. Überall, wo es Podcasts gibt, zum Beispiel hier:
https://podcasts.apple.com/at/podcast/hinter-den-millionen/id1852756952 (Abre numa nova janela)
Das solltest du wissen, wenn du für ein Social-Media-Verbot für Kinder bist
Australien verbietet allen unter 16 den Zugang zu Social Media. Viele feiern das, zum Schutz der Kinder. Dabei werden wichtige Aspekte übersehen. Zum Beispiel: woher die Idee überhaupt kam.
https://krautreporter.de/kinder-und-bildung/6154-das-solltest-du-wissen-wenn-du-fur-ein-social-media-verbot-fur-kinder-bist#lesen (Abre numa nova janela)
1.934 Archivbeiträge auf einer Landkarte
Unfall bei der Brücken-Baustelle aus dem Jahr 1956, Hochschulwoche Alpbach im Jahr 1963 oder ein Beitrag über das Kussverbot auf der Straße im Jahr 1972: Der ORF hat fast 2.000 Archivbeiträge veröffentlicht und an Hand einer Karte durchsuchbar gemacht. So kann man nachschauen, was einst über die eigene Gegend berichtet wurde. Mein Lieblingsbeitrag: “Reif für die Insel (Abre numa nova janela)” über die neue Wiener Donauinsel im Jahr 1979.
Wünscht einen schönen Nachmittag:
Dominik