Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!
In Österreich hat Frank Stronach teilweise noch immer einen guten Ruf. Als Industrieller, als Geldgeber und als Politiker. In Österreich trat Stronach zuletzt als Geldgeber für den Bundespräsidenten-Kandidaten Tassilo Wallentin 2022 in Erscheinung – ohne Erfolg. Sein politisches Projekt „Team Stronach“ schaffte 2013 mit 5,7 Prozent den Einzug in den Nationalrat, verschwand aber fünf Jahre später wieder von der Bildfläche.
In Kanada muss sich Magna-Gründer Frank Stronach am Donnerstag wegen Missbrauchsvorwürfen mehrerer Frauen vor Gericht verantworten. Gerichtsdokumenten zufolge reichen die Anschuldigungen wegen versuchter Vergewaltigung bis ins Jahr 1977 zurück. Weitere Frauen werfen dem Milliardär Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe in den 1980er, 1990er und frühen 2000er Jahren vor.
Der 93-Jährige Stronach bestreitet die Vorwürfe und plädiert auf nicht schuldig. Ein Teil der Vorwürfe gegen Stronach soll bereits vor fast zehn Jahren bei den Behörden gelandet sein. Eine Frau habe sich damals an die Polizei gewandt und berichtet, der Milliardär habe sie als 20-jährige Mitarbeiterin sexuell missbraucht, schrieb der „Toronto Star“ 2024.
Sie habe auf einer Wache detailliert von einer „schrecklichen Nacht im Juli 1980“ berichtet – danach aber nie wieder etwas von den Ermittlern gehört. Auch deswegen ist der Prozess beachtlich.

Sonst geht es heute um das Social-Media-Verbot, das Urteil gegen Maya T. und den Kahlschlag bei der Washington Post.

Umfrage: Klare Mehrheit für Social-Media-Verbot unter 16
Ein Social-Media-Verbot für Jugendliche nach australischem Vorbild findet in Österreich breite Zustimmung. 84 Prozent der Befragten halten ein solches Verbot für „gut und wichtig“, nur elf Prozent sehen es als übertrieben, so eine repräsentative Online-Befragung für den ORF (Abre numa nova janela). Besonders hoch ist die Zustimmung unter Pensionist*innen: Mehr als 90 Prozent befürworten die Maßnahme. Aber auch zwei Drittel der unter 30-Jährigen sprechen sich dafür aus.
Experten mahnen jedoch zur Zurückhaltung. Ein Verbot könne helfen, sei aber kein Allheilmittel, sagt Thomas Prager von der Medienkompetenzorganisation Digitaler Kompass. Entscheidend seien Bildung und Medienkompetenz – und mehr Verantwortung der Plattformen.

Maja T. in Ungarn verurteilt
Im Februar 2023 sollen rund 20 deutsche und andere mutmaßliche Linksradikale in der ungarischen Hauptstadt Budapest mehrere mutmaßliche Rechtsextremisten angegriffen haben. Die Angreifer gingen offenbar davon aus, dass ihre Opfer am sogenannten „Tag der Ehre“ teilgenommen hatten – einem jährlichen Gedenken an die SS, das von den dortigen Behörden toleriert wird. Bei den Angriffen wurden nach Angaben der Ermittler neun Menschen verletzt, vier von ihnen schwer. Nun ist vor dem Budapester Stadtgericht im Prozess ein Urteil gegen Maja T. gefallen: acht Jahre Haft. T. soll an zwei Angriffen beteiligt gewesen sein. Ungarn hat zugesichert, dass die Strafe in Deutschland abgesessen werden darf, allerdings ist die Umsetzung an komplizierte Fragen gebunden. Gegen das Urteil kann noch Berufung eingelegt werden. Es berichten unter anderem die Tagesschau (Abre numa nova janela) und die Deutsche Welle (Abre numa nova janela).
Überschattet wurde das Verfahren von Vorwürfen politischer Einflussnahme und Bedenken hinsichtlich der Rechtsstaatlichkeit in Ungarn - das Urteil erfolgte trotz weniger Beweise. Der rechtsnationale Ministerpräsident Viktor Orbán und andere Regierungsmitglieder hatten öffentlich eine harte Bestrafung gefordert. Der Vater von T. sprach von einem politischen Schauprozess und einer unverhältnismäßigen Strafe. Er rief Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) dazu auf, sich dafür einzusetzen, dass T. nach Deutschland zurückkehren kann. T. war für einen Prozess nach Ungarn ausgeliefert worden, nachdem das von deutscher Seite nicht juristisch verhindert werden konnte.
Am 14. Februar soll es erneut einen „Tag der Ehre“ geben, zu dem – wie das RND (Abre numa nova janela) berichtet – tausende Neonazis und Rechtsextremisten erwartet werden. Friedliche Gegendemonstrationen von Antifaschist:innen, wie sie in den vergangenen Jahren stattfanden, könnten erstmals unter ein polizeiliches Verbot fallen, weil Orbán die „Antifa-Gruppierung“ als Terrororganisation einstufen ließ. (Luzia Geier)

Die „Washington Post“ und Bezos’ Schweigen
Die „Washington Post“, einst Bastion des US-Journalismus, baut massiv ab: Ein Drittel der Belegschaft soll gehen, das Sportressort wird gestrichen, Auslandsberichterstattung stark gekappt. Der Ärger in der Redaktion richtet sich vor allem gegen Eigentümer Jeff Bezos – der sich bislang nicht äußert und dem Nähe zu Donald Trump vorgeworfen wird.
Chefredakteur Matt Murray spricht von einem schmerzhaften, aber notwendigen Umbau, um die Zukunft des Hauses zu sichern. Doch nach AFP- und Reuters-Informationen trifft es besonders Auslandskorrespondent*innen, Lokalredaktionen und die Buchbeilage. Ein Reporter nennt die Einschnitte ein „Blutbad“. Ex-Chefredakteur Martin Baron sieht „selbst verschuldete Markenzerstörung“.
Bezos’ Schweigen verstärkt den Zorn. Mehrere Briefe der Belegschaft blieben unbeantwortet, Protestaktionen und eine Kundgebung sind geplant. Kritisiert wird auch, dass Bezos eine FBI-Razzia bei einer „Post“-Journalistin kommentarlos hinnahm.
Seit dem Kauf der Zeitung 2013 galt Bezos lange als zurückhaltender Eigentümer. Doch spätestens seit 2024 mehren sich Hinweise auf Einflussnahme – etwa die Blockade eines Leitartikels zugunsten Kamala Harris und eine programmatische Neuausrichtung der Meinungsseiten. Mitarbeiter verließen daraufhin das Blatt, die Abonnentenzahlen sanken.
Bezos verweist indirekt auf die Krise der Medienbranche: sinkende Werbeeinnahmen, veränderte Nutzung, Verluste. Kritiker*innen halten dagegen, der Milliardär könne die Zeitung problemlos stützen und zerstöre mit seinem Kurs ein journalistisches Kulturgut. Eine Stradivari mit dem Hammer zu bearbeiten – so beschreibt es eine frühere „Post“-Kolumnistin.

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

Wie viele Gisèle Pelicots es in Österreich wohl gibt – und was die Behörden tun, um sie zu schützen
In riesigen Chatgruppen tauschen sich Männer darüber aus, wie sie ihre Partnerinnen betäuben und vergewaltigen. Zehntausende Mitglieder, millionenfach geklickte Videos – ein digitales Milieu, in dem sexualisierte Gewalt nicht nur geplant, sondern zelebriert wird. Deutsche Journalistinnen haben das System offengelegt, ein Fall in Österreich wurde dadurch publik.
Doch bleibt es bei diesem einen? Haben Polizei und Justiz diese Parallelwelt im Blick – und verfügen sie über die Mittel, Täter zu identifizieren und zu stoppen? Oder läuft die Strafverfolgung dem digitalen Missbrauch hinterher? Eine Recherche vom Moment Magazin geht diesen Fragen nach.
https://www.moment.at/story/gisele-pelicot-vergewaltiger-netzwerk-oesterreich/ (Abre numa nova janela)
Ein Tag bei der Jobcenter-Coachin, die an Menschen glaubt
Jeanette Krupka arbeitet im Jobcenter von Dortmund. Wer ihr zuschaut, muss sich von zwei Klischees verabschieden: Dem von den faulen Langzeitarbeitslosen. Und dem vom bösen Jobcenter.
https://krautreporter.de/geld-und-wirtschaft/6235-ein-tag-bei-der-jobcenter-coachin-die-an-menschen-glaubt#lesen (Abre numa nova janela)
Informationsfreiheit vor Gericht: Noch keine Linie
Seit dem Inkrafttreten des Informationsfreiheitsgesetzes im September 2025 landet das Ende des Amtsgeheimnisses bereits vor den Gerichten. Knapp drei Dutzend Entscheidungen gibt es – doch eine klare Tendenz lässt sich daraus noch nicht ableiten, sagen der Medienrechtsexperte Hans Peter Lehofer und Markus Hametner, Vorstandsmitglied des Forums Informationsfreiheit im ORF (Abre numa nova janela).
Bislang handelt es sich um Einzelfälle. Wer Auskunft verweigert bekommt, kann vor Verwaltungsgerichte ziehen, die binnen zwei Monaten entscheiden sollen. Erstinstanzliche Urteile betreffen sowohl Behörden als auch staatsnahe Unternehmen.
Grundsätzliche Leitlinien könnten erst vom Verfassungsgerichtshof kommen – frühestens im Sommer, wahrscheinlicher im Herbst. Offene Fragen betreffen vor allem die Abwägung zwischen Geheimhaltung und öffentlichem Interesse.
Auffällig: Auch Politiker nutzen das Gesetz, mit gemischtem Erfolg. Gleichzeitig reagieren manche Behörden vorsichtig und warten Urteile ab. Die Zahl der Anfragen steigt dennoch deutlich.
Wer Anfragen stellen möchte: Vor einem Monat hat das Forum Informationsfreiheits- Anfrage-Guide veröffentlicht und sein Portal FragDenStaat.at (Abre numa nova janela) erweitert.
https://www.informationsfreiheit.at/ (Abre numa nova janela)Stellt jetzt eine Anfrage:
Markus