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Wieso die Lueger-Kontextualisierung für manche unzureichend ist

Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!

Die Stadt Wien stellt am Donnerstag die Kontextualisierung des Lueger-Denkmals unter dem Titel „Schieflage (Karl Lueger 3,5°)“ vor – ohne öffentlichen Festakt. Die Skulptur des ehemaligen Wiener Bürgermeisters Karl Lueger, dessen Antisemitismus seit Jahren Gegenstand heftiger Debatten ist, wurde zuvor restauriert und wieder aufgestellt.

Die neue Statue
Die neue Statue/Foto: Markus Sulzbacher

Kritik kommt insbesondere aus Teilen der Zivilgesellschaft und der jüdischen Gemeinde. Diese hatten wiederholt die Entfernung des Denkmals sowie eine Umbenennung des Platzes gefordert. Stattdessen entschied sich die Stadt für eine künstlerische Intervention: Das Monument wurde um 3,5 Grad geneigt.

Kritiker*innen halten die rund 776.000 Euro teure Maßnahme für unzureichend. Die Neigung sei im Stadtbild kaum wahrnehmbar und werde der historischen Verantwortung nicht gerecht. Die Vorstellung wurde von Protesten samt Pfeifkonzert begleitet, zu denen die Jüdischen österreichischen Hochschüler*innen (JöH) aufgerufen haben. 

Protest mit Transparenten: Feige Lösung.
Polizei drängt den Protest ab. Foto: Markus Sulzbacher

JöH-Co-Präsidentin Lia Guttmann bezeichnet die 3,5-Grad-Neigung des Denkmals als inhaltlich unzureichend. Die Intervention sage wenig über das eigentliche Problem aus: den Antisemitismus Luegers. Auch Co-Präsidentin Milli Li Rabinovici kritisiert die Entscheidung der Stadt. Statt einer grundlegenden Lösung sei viel Geld in ein Projekt geflossen, das kaum Zustimmung finde.

Ansonsten geht es heute um Fußball, die ORF-Wahl und Bill Gates.

Heute startet die Fußball-WM

48 Länder nehmen ab heute bis zum 19. Juli an der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer teil, die dieses Mal über 16 Spielorte verteilt in den USA, Kanada und Mexiko ausgerichtet wird. Zur Eröffnung spielt Mexiko gegen Südafrika in Mexiko-Stadt; das erste Spiel der deutschen Nationalmannschaft findet am Sonntag im texanischen Houston statt. Einen WM-Liveblog hat unter anderem die Zeit (Abre numa nova janela) eingerichtet.

Das Turnier lässt sich gemeinhin schwer von Geopolitik trennen, aber dieses Jahr drängt die US-Präsidentschaft von Donald Trump den Sport ganz besonders in den Hintergrund. Ein paar Auszüge der vergangenen Monate: FIFA-Präsident Gianni Infantino umschmeichelte den Republikaner (Abre numa nova janela) (der inzwischen gemeinsam mit der israelischen Regierung einen Krieg gegen das WM-Teilnehmerland Iran führt) mit einem eigenen FIFA-„Friedenspreis“. Einem Schiedsrichter aus Somalia wurde die Einreise in die USA verweigert (Abre numa nova janela). Die horrenden Preise für den Transport zum MetLife Stadium in New Jersey (Abre numa nova janela) sorgten für große Kritik. Wie Trump den Sport für seine Politik nutzt, erklärt der Deutschlandfunk (Abre numa nova janela). Die Deutsche Welle (Abre numa nova janela) listet auf, was mit der Fußball-WM alles nicht stimmt. „Der Start in die Geldmeisterschaft“, titelt außerdem ZDFheute (Abre numa nova janela). Und unabhängig von der Situation in den USA nutzen verschiedene Gruppierungen in Mexiko das Sportgroßereignis als Gelegenheit, um auf Missstände in ihrem Land aufmerksam zu machen – etwa die 133.000 Menschen, die dort aktuell als vermisst gelten (Abre numa nova janela) und mutmaßlich Opfer des organisierten Verbrechens wurden.

ORF-Wahl als Richtungsentscheidung

Der ORF steht vor einer Richtungsentscheidung: Heute  bestellt der 35-köpfige Stiftungsrat eine neue Generaldirektion. Neun Kandidatinnen und Kandidaten präsentierten ihre Konzepte, darunter Ex-APA-Chef Clemens Pig, Medienmanager Markus Breitenecker und ORF-Journalistin Lisa Totzauer. Als Favorit gilt in vielen Medien Pig, der den Sender zur „Plattform der Gesellschaft“ umbauen will.

Die Wahl erfolgt unter verschärften Transparenzregeln. Das Europäische Medienfreiheitsgesetz verlangt ein offenes und diskriminierungsfreies Verfahren. Die Stiftungsräte müssen ihre Entscheidung begründen, die Begründungen bleiben jedoch unter Verschluss. Beobachter schließen eine spätere Anfechtung nicht aus.

Für die künftige Führung geht es jedoch um weit mehr als Personalfragen. Die Bundesregierung streicht dem ORF eine jährliche Kompensation von 93 Millionen Euro. Interims-Generaldirektorin Ingrid Thurnher warnt vor Einschnitten, die das Publikum direkt spüren werde. Gleichzeitig bleibt der ORF-Beitrag bis 2029 eingefroren. Wer den Spitzenposten übernimmt, muss daher nicht nur Vertrauen zurückgewinnen, sondern vor allem einen harten Sparkurs verantworten.

Bill Gates: „Ich hätte Epstein niemals treffen dürfen.“

Im Zuge der Untersuchungen zum Fall Jeffrey Epstein hat sich nun auch Bill Gates den Fragen eines Kongressausschusses gestellt. Der Microsoft-Mitgründer wies bei einer nicht öffentlichen Anhörung in Washington jede Beteiligung an den Missbrauchstaten des verstorbenen Sexualstraftäters zurück.

Gates erklärte, er habe Epstein zwar mehrfach getroffen, jedoch nie von dessen kriminellen Aktivitäten gewusst. Er sei weder auf Epsteins Privatinsel noch auf dessen Anwesen in Florida oder New Mexico gewesen. Rückblickend räumte der 70-Jährige allerdings schwere Fehleinschätzungen ein: „Ich hätte Epstein niemals treffen dürfen.“

Besonders brisant: Gates bestätigte Berichte, wonach Epstein versucht habe, ihn wegen außerehelicher Affären unter Druck zu setzen. In kürzlich veröffentlichten Akten taucht der Name des Tech-Milliardärs mehrfach auf. Konkrete Hinweise auf eine Beteiligung an Epsteins Verbrechen enthalten die Dokumente jedoch nicht.

Die Aussage von Gates reiht sich in eine Serie prominenter Befragungen ein. Zuvor hatten bereits Bill und Hillary Clinton vor dem Ausschuss ausgesagt. Das Protokoll der Anhörung soll in den kommenden Tagen veröffentlicht werden.

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

Fünf Milliarden Euro Sparpaket: Wo die Regierung den Rotstift ansetzt

Mit dem neuen Doppelbudget verschärft die Bundesregierung ihren Sparkurs. Bis 2028 sollen zusätzlich fünf Milliarden Euro konsolidiert werden. Dafür greift die Koalition an zahlreichen Stellen ein – mit spürbaren Folgen für einzelne Bereiche.

Zu den größten Verlierern zählen der Klimaschutz und der Ausbau der Bahn. Das Profil hat eine Zusammenfassung.

https://www.profil.at/dasfruehstueck/marterbauers-sparprogramm-wo-das-doppelbudget-besonders-wehtut/403167933 (Abre numa nova janela)

Kommentar: Nein, KI muss nicht dein ganzes Leben bestimmen

Die CEOs großer Konzerne erzählen dir ein Marketing-Märchen.

https://krautreporter.de/internet-und-technologie/6422-nein-ki-muss-nicht-dein-ganzes-leben-bestimmen#lesen (Abre numa nova janela)

Männer im Fußball !?

Nadja Spennemann hat auf ihrem Instagram-Account im Rahmen der Reihe „Mittwochspoesie“ einen Beitrag über Männer im Fußball veröffentlicht. Der Post greift das Thema aus einer pointierten, kommentierenden Perspektive auf. Gleichzeitig verweist sie darauf, dass sie selbst vor allem normalen Fußball verfolgt. 

https://www.instagram.com/reel/DZaPtxZsOSw/ (Abre numa nova janela)

Hat heute dem „kontextualisierten“ Lueger einen Besuch abgestattet:
Markus

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