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Warum Kuh Veronika die Wissenschaft überrascht

Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!

Ein Jahr ist Donald Trump nun im Amt – und regiert wie im Dauer-Sprint. Er nutzt Tempo als Machtinstrument: um Fakten zu schaffen, Institutionen umzubauen, Gegner zu überrumpeln und Kritik mit Gegenangriffen zu ersticken. Diese Strategie erschwert es Opposition und Zivilgesellschaft erheblich, wirksam zu reagieren.

Ob sie dennoch ein Gegenmittel gefunden haben, entscheidet sich am 3. November bei den Midterm-Wahlen. Sie werden zeigen, ob Trumps Kurs gebremst werden kann – und ob sich damit bereits der Pfad für einen möglichen Machtwechsel im Jahr 2028 öffnet. Sicher ist das nicht, aber „schauen wir mal“.

Und noch ein Update zur Lage in Syrien: Neuerliche Verhandlungen zwischen der Regierung in Damaskus und der kurdisch geführten SDF-Allianz sind gescheitert. Gefechte dauern an und aus der kurdischen Bewachung sind bereits IS-Häftlinge entkommen.

Ansonsten geht es heute um: die Frage der Wehrpflicht, die Arbeitslosigkeit in der Medienbranche und Trumps „Bulldozer“-Politik.

Wehrpflicht: Kommission drängt auf Verlängerung

Am Tag der Wehrpflicht hat die von Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) eingesetzte Wehrdienstkommission ihre Ergebnisse vorgelegt (Abre numa nova janela). Ihr bevorzugtes Modell läuft auf eine Verlängerung von Präsenz- und Zivildienst hinaus – gekoppelt mit verpflichtenden Milizübungen. In der Regierung ist der Kurs jedoch umstritten, so der ORF (Abre numa nova janela)

Die Kommission favorisiert das sogenannte „Österreich-Plus-Modell“: acht Monate Grundwehrdienst plus zwei Monate Milizübungen. Alternativ schlägt sie ein Stufenmodell vor, das den Präsenzdienst bei sechs Monaten belässt, aber innerhalb von 18 Monaten eine zweimonatige Truppenübung und weitere 40 Tage Miliztraining vorsieht. Ziel ist eine dauerhafte Einsatzbereitschaft der Rekruten.

Ein drittes, am Schweizer System orientiertes Modell – vier Monate Grundwehrdienst und anschließend 140 Tage verpflichtende Milizübungen – lehnte die Kommission ab. Es würde eine tiefgreifende Systemänderung erfordern. Hintergrund der Debatte sind Zweifel an der aktuellen Einsatzfähigkeit des Bundesheeres.

Unabhängig vom gewählten Modell empfiehlt die Kommission eine Verlängerung des Zivildienstes von neun auf zwölf Monate. Zudem sollen Zivildiener künftig einen „Bereitstellungsschein“ erhalten, der sie für Aufgaben der zivilen Landesverteidigung im Krisenfall vorsieht.

Auch eine Wehrpflicht für Frauen wurde diskutiert – allerdings als längerfristige Perspektive frühestens ab 2030. Eine Stellungspflicht könnte jedoch schon früher eingeführt werden.

Seit Sommer traf sich die 23-köpfige Expertenrunde in 13 Sitzungen. Neben den drei Dienstmodellen legte sie 50 Empfehlungen und rund 40 Vorschläge für Anreizsysteme vor, um Wehr- und Milizdienst attraktiver zu machen.

Die Kommission drängt auf eine rasche Entscheidung: Verpflichtende Milizübungen, die seit 2006 ausgesetzt sind, sollen schnell gesetzlich wiedereingeführt werden. Eine Verlängerung von Präsenz- und Zivildienst soll bereits Anfang des kommenden Jahres greifen.

Verteidigungsministerin Tanner äußerte sich bislang zurückhaltend. Sie betonte, jede Entscheidung müsse im Interesse der Sicherheit Österreichs liegen. In der ÖVP – vor allem im Wirtschaftsflügel – gibt es jedoch Widerstand gegen eine Verlängerung. SPÖ und NEOS lehnen sie ebenfalls ab; die NEOS plädieren weiterhin für ein reines Berufsheer.

Arbeitslosigkeit in Österreichs Medienbranche erreicht Rekordniveau

Zum Jahresende 2025 hat die Krise im österreichischen Journalismus eine neue Dimension erreicht. Erstmals seit Jahren liegt die Zahl der arbeitslosen Journalist*innen, Autor*innen sowie Social-Media-Manager*innen auf einem historischen Höchststand: Ende Dezember waren laut Daten des Arbeitsmarktservice (AMS) 1.022 Personen aus diesen Berufsgruppen ohne Beschäftigung oder in Schulungsmaßnahmen. Damit übertrifft der Wert sämtliche Vergleichszahlen der vergangenen drei Jahre.

Zum Vergleich: Im Dezember 2024 waren 956 Medienschaffende arbeitslos gemeldet, ein Jahr zuvor 800. Die Entwicklung zeigt einen klaren, kontinuierlichen Aufwärtstrend – und spiegelt die strukturellen Verwerfungen wider, die den österreichischen Medienmarkt seit längerem prägen.

Die AMS-Statistik bündelt dabei mehrere Berufsgruppen unter einem Dach. Neben klassischen Journalist*innen zählen dazu auch Schriftsteller, Drehbuchautor*innen, Dramaturg*innen und Script-Writer. 

Ebenfalls in der Statistik enthalten sind Autor*innen, Korrektor*innen und Lektor*innen sowie technische Redakteur*innen. Eine Grauzone bildet die Gruppe der Social-Media-Manager*innen. Sie sind zwar im AMS-System erfasst, lassen sich jedoch nicht eindeutig dem klassischen journalistischen Arbeitsmarkt zuordnen.

Hinter den nackten Zahlen steht eine Branche im Umbruch. Zahlreiche österreichische Medienhäuser haben in den vergangenen Monaten Stellen gestrichen – unter dem Druck stagnierender oder sinkender Werbeeinnahmen und der wachsenden Konkurrenz durch globale Digitalkonzerne wie Google, Meta und TikTok. Nach Angaben der Journalismusgewerkschaft sind zuletzt mehr als 300 journalistische Arbeitsplätze weggefallen.

Trump auf „Bulldozerfahrt“

Einmal im Jahr treffen sich mächtige Menschen aus Politik und Wirtschaft in Davos in den Schweizer Alpen. Gesetze werden dort keine beschlossen – es geht vor allem um Austausch über globale Probleme. Kritiker*innen sehen darin ein exklusives Treffen hinter verschlossenen Türen, das vor allem ein Symbol von Ungleichheit ist. Seit gestern ist es in Davos wieder so weit. Einige der Themen, um die es geht: US-Präsident Donald Trump droht, sich mit Grönland eine zu Dänemark gehörende Insel zu greifen; im Iran gibt es Massenproteste mit vielen Toten; der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine dauert an. Die FAZ (Abre numa nova janela) hat einen Live-Ticker.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hofft auf ein persönliches Treffen mit Trump in Davos. Nach dessen jüngsten Zollandrohungen äußerte sich der Kanzler gestern erstmals dazu – „vorsichtig, aber bloß nicht ängstlich“, nannte die Zeit (Abre numa nova janela) seinen Tonfall. Man wolle Eskalationen vermeiden, sei aber bereit, „angemessen“ zu reagieren. Für Europa ist das Ganze ein Balanceakt. Dänemark und Grönland bringen eine Nato-Mission auf der Insel ins Spiel – ein „Vorschlag zur Güte“, wie t-online (Abre numa nova janela) es nennt. Gleichzeitig bereitet die EU mögliche Vergeltungszölle gegen die USA vor. Wie genau das aussehen könnte, erklärt die Tagesschau (Abre numa nova janela). US-Finanzminister Scott Bessent nannte diese Planungen „sehr unklug“.

Trump selbst erklärte, Frieden sei nicht mehr sein wichtigstes Ziel. Als Grund nannte er in einem Schreiben an Norwegens Ministerpräsidenten, dass ihm nicht der Friedensnobelpreis gegeben worden sei. Von daher fühle er sich auch nicht mehr verpflichtet, nur an Frieden zu denken. ZDFheute (Abre numa nova janela) hat mehr dazu. Ob er Grönland notfalls mit Gewalt einnehmen würde, ließ Trump in einem Interview mit NBC News (Abre numa nova janela) offen: kein Kommentar. In der taz (Abre numa nova janela) heißt es, Hoffnung auf Vernunft beim US-Präsidenten sei unrealistisch. Er befinde sich auf einer „Bulldozerfahrt“. Es bleibe daher nichts anderes, als „nach den vereinbarten Regeln weiterzuspielen: reden, zusammenhalten und das bislang Undenkbare im USA-Kontext immer mitdenken.“ (Luzia Geier)

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

„Das hilft ja nur der FPÖ“

Armin Wolf hat auf seinem Blog den journalistischen Umgang mit  Politiker*innen analysiert – und festgehalten, dass keine andere Partei Interviewanfragen der ZIB2 so konsequent ablehnt wie die Freiheitlichen. Stattdessen setzt die Partei bevorzugt auf eigene, wohlwollende Medienformate. 

Der Beitrag provozierte eine Reaktion: FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker attackierte Wolf in einer Aussendung scharf und titulierte ihn unter anderem als „ORF-Bonzen“. Ein Tonfall, der mittlerweile Standard bei den Freiheitlichen ist.

https://www.arminwolf.at/2026/01/15/das-hilft-ja-nur-der-fpoe/ (Abre numa nova janela)

Die AfD will die Schulpflicht abschaffen und manche finden das gar nicht so verkehrt

Es gibt Gründe, warum Menschen in Deutschland gegen die Schulpflicht sind. Sie haben aber nichts mit dem Antrieb der AfD zu tun.

https://krautreporter.de/kinder-und-bildung/6221-die-afd-will-die-schulpflicht-abschaffen-und-manche-finden-das-gar-nicht-so-verkehrt#lesen (Abre numa nova janela)

Warum die Kuh Veronika die Wissenschaft überrascht

In Nötsch im Gailtal sorgt die 13-jährige Kuh Veronika für internationales Aufsehen in der Verhaltensforschung. Das Montafoner Braunvieh nutzt nachweislich einen Besen als Werkzeug, um sich gezielt zu kratzen – ein bislang weltweit nicht dokumentiertes Verhalten bei Kühen.

Auslöser war ein zufällig aufgenommenes Video, das eine Nichte des Bauern Witgar Wiegele im vergangenen Sommer filmte. Seitdem interessieren sich Medien von der Washington Post bis zum Guardian für das Tier.

Die Wiener Kognitionsbiologin Alice Auersperg bestätigte in Versuchen, dass Veronika den Besen differenziert einsetzt: Die Borstenseite nutzt sie vor allem für den Rücken, das glatte Stielende dagegen für empfindlichere Körperstellen wie das Euter. Für die Wissenschaft ist Veronika ein Hinweis darauf, dass auch Nutztiere komplexes Werkzeugverhalten zeigen können – und vermutlich noch viele unentdeckte Fähigkeiten besitzen. Videos und Fotos hat der ORF:

https://kaernten.orf.at/stories/3338423/ (Abre numa nova janela)

Hat sich über die Kuh-Story gefreut:

Markus

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