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Social-Media-Verbot bis 14 in Österreich ist fix

Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!

Zum Ende der Woche möchte ich noch einmal über den Fall der Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes sprechen, der in diesen Tagen viele Menschen bewegt. Gestern Abend demonstrierten in Hamburg tausende Menschen für mehr Schutz vor sexualisierter Gewalt. Auch Collien Fernandes selbst, die digitale sexualisierte Gewalt durch ihren Ex-Ehemann Christian Ulmen öffentlich gemacht hat, hielt eine Rede. Wegen Morddrohungen trug sie eine schusssichere Weste.

„Da muss man sich nicht mehr wundern, dass so viele Frauen einfach auch den Mut nicht haben, rauszugehen und zu sagen, dieses und jenes wurde mir angetan“, sagte sie. Gestern Abend veröffentlichte Fernandes auch auf Instagram eine neue Stellungnahme. Sie bekomme von der Presse, schreibt (Abre numa nova janela) sie, „im 5-Minuten-Takt 30-seitige Fragebögen“, die sie „bitte schnellstmöglich beantworten“ solle. Und aus jeder nicht beantworteten Frage werde „eine Verschwörungstheorie gestrickt“.

Das zeigt recht eindrucksvoll, was in der Berichterstattung über sexualisierte Gewalt falsch läuft. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.

Harter Schnitt und noch kurz zu den leichteren Dingen des Lebens: Am Wochenende ist Zeitumstellung! In der Nacht von Samstag auf Sonntag wird die Uhr um eine Stunde nach vorne gestellt. Die Tage werden länger, die Abende heller. Angeblich sind 80 Prozent der Österreicher*innen gegen die Zeitumstellung (ich auch). Die meisten wollen immer Sommerzeit (ich bin eher eine Freundin der Winterzeit).

Außerdem geht es heute um das Social-Media-Verbot bis 14, die Brandmauer im EU-Parlament und die psychische Gesundheit in Europa.

Das Social-Media-Verbot bis 14 in Österreich ist fix

Nach langen Gesprächen einigte (Abre numa nova janela) sich die Regierung nun auf zwei Themen, die in den letzten Wochen viel debattiert wurden: Das Social-Media-Verbot bis 14 kommt, ebenso wie eine Reform des Lehrplans, bei der der Lateinunterricht in der Oberstufe etwas eingekürzt wird zugunsten eines Unterrichts in Medienkompetenz. Wie dieser genau aussieht und ob „Medienkompetenz“ als eigener Gegenstand gelehrt wird oder als Fächerbündel, entscheiden die Schulen selbst.

„Heute ist ein guter Tag für Kinder in Österreich“, so läutete Andreas Babler (SPÖ) die heutige Pressekonferenz zum Thema ein. Man müsse Kinder, die Gefahren wie das Suchtpotenzial von Social Media noch nicht entsprechend einschätzen können, auch politisch schützen, so wie es auch bei Alkohol und Tabak durch das Jugendschutzgesetz passiere. „Auch in der digitalen Welt muss es klare Regeln geben“, sagte Babler.

Welche Angebote und Plattformen betroffen sein werden, sagte Babler noch nicht. Die Klarnamenpflicht, die die ÖVP mit der Einführung des Social-Media-Verbots bis 14 forderte, wird nicht kommen. Einen konkreten Gesetzesentwurf soll es im Juni geben.

Wie es Menschen in der EU mit ihrer mentalen Gesundheit geht 

Es klingt erst mal gut: Rund 75 Prozent der Österreicher*innen schätzen ihre psychische Gesundheit als „gut“ oder „sehr gut“ ein. Das ist das Ergebnis einer groß angelegten Studie zur mentalen Gesundheit in elf europäischen Ländern, wie der ORF (Abre numa nova janela) berichtet. Österreich liegt damit auf dem zweiten Platz der Studie des mehrjährigen EU-Projekts „Infra4NextGen“.

Rund 16.000 Personen aus unterschiedlichen europäischen Ländern haben dafür von September 2024 bis Juni 2025 immer wieder Fragen zu ihrer psychischen Gesundheit beantwortet. Am besten geht es demnach den Belgier*innen. Dort schätzen 77 Prozent ihre mentale Gesundheit als gut und sehr gut ein. Am schlechtesten schätzen die Bewohner*innen von Großbritannien, Portugal und Ungarn ihre psychische Gesundheit ein. In Ungarn sagen weniger als 50 Prozent, ihre psychische Verfassung sei gut oder sehr gut. 

Doch nicht nur zwischen den einzelnen Ländern gibt es Unterschiede. Junge Erwachsene sind psychisch stärker belastet als ältere Menschen. So geben unter 35-Jährige aus allen Ländern in der Studie deutlich öfter an, von psychischen Problemen betroffen zu sein, als über 35-Jährige. Die Gründe dafür sind komplex, die Studienautor*innen nennen Faktoren wie den Zugang zu Hilfsleistungen sowie Krisen wie die Covid-19-Pandemie, die Klimakrise oder wirtschaftliche und politische Unsicherheit. Auch dürfte das gestiegene Bewusstsein für mentale Gesundheit eine Rolle spielen.

Für Österreich sieht Alexander Grabenhofer-Eggerth, Leiter der Abteilung psychosoziale Gesundheit bei der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) eher eine Stabilisierung der psychischen Gesundheit bei Jugendlichen bzw. sogar einen leichten Aufwärtstrend. Die EU-Studie empfiehlt Zugang zu zielgruppengerechter psychischer Gesundheitsversorgung, Maßnahmen zur Reduktion von Einsamkeit sowie Investition in Langzeitstudien und vergleichende Forschung.

„Return Hubs“ nehmen weitere EU-Hürde

Schon länger treibt die deutsche Bundesregierung mit den Regierungen anderer Staaten auf EU-Ebene sogenannte „Return Hubs“ voran – also Rückführungslager außerhalb der EU. Dorthin sollen abgelehnte Asylbewerber*innen gebracht werden, bis sie in ihre Herkunftsländer oder andere Staaten zurückgeführt werden. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International (Abre numa nova janela) warnen vor Menschenrechtsverletzungen. Sie befürchten, dass Betroffene dort unter geringer Kontrolle und mit wenig rechtlichen Möglichkeiten über Monate oder sogar Jahre festgehalten werden könnten.

Gestern billigte das Europaparlament einen entsprechenden Gesetzentwurf. Das Vorhaben wurde maßgeblich von der EVP-Fraktion vorangetrieben, zu der auch CDU und CSU sowie die ÖVP gehören – unterstützt von rechten Parteien wie der AfD. Mit der Billigung ist es zwar noch nicht endgültig beschlossen; der Entwurf bildet die Grundlage für den endgültigen Gesetzestext, wie der Tagesspiegel (Abre numa nova janela) berichtet. Eine Einigung soll aber noch vor Ende Juni erzielt werden. Brisant ist schon jetzt: Die Parteien stimmten nicht nur gemeinsam ab, sondern tauschten sich laut dpa-Recherchen auch in einer Chatgruppe und persönlich dazu aus. Die taz (Abre numa nova janela) kommentiert: „Dass die Rechtsextremen im Parlament das Votum mit Standing Ovations begrüßten, zeigt: Sie sehen es als Grundlage für eine weitere Zusammenarbeit mit den Konservativen in anderen Bereichen. Wahrscheinlich haben sie damit recht.“ (Luzia Geier)

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

Kennst du das Posturale Tachykardiesyndrom?

Wahrscheinlich nicht und damit bist du nicht allein. Auch die Wissenschaftlerin und Physiotherapeutin Verena Hackl kannte diese Krankheit früher nicht. Denn wie viele Krankheiten, die eher Frauen betreffen, ist das Posturalen Tachykardiesyndrom schlecht erforscht und wenig bekannt, was dazu führt, dass Menschen mit dieser Erkrankung oft nicht ernst genommen werden.

Heute ist Hackl auf PoTS spezialisiert und sagt: Wir müssen medizinisches Gaslighting bekämpfen.

https://ourbodies.at/welches-leid-ist-relevant/ (Abre numa nova janela)

Eine „Zucker-Diät“ ist verschwendete Zeit

Um Zucker und Kohlenhydrate kursieren viele Mythen. Studien und meine Erfahrung als Ärztin zeigen jedoch: Zucker ist nicht per se schlecht.

https://krautreporter.de/psyche-und-gesundheit/6265-eine-zucker-diat-ist-verschwendete-zeit#lesen (Abre numa nova janela)

Eltern am Limit: Erschöpfung liegt nicht an den Kindern

Unser heutiges Fundstück ist schon vor einem Monat in der Wochenzeitung Der Freitag erschienen, aber dem Thema entsprechend habe ich es erst heute geschafft, den klaren, persönlichen und kämpferischen Text der Autorin und Journalistin Saskia Hödl zu lesen.

Hödl schreibt über den dauerhaften Erschöpfungszustand vieler Eltern. Und man kann es nicht oft genug sagen: Schuld daran sind nicht die Kinder, sondern ein System, das keinen Wert auf die Gesundheit von Eltern legt. Der Artikel erklärt sehr gut, woran es liegt und was es braucht, um Eltern wirklich zu entlasten.

https://www.freitag.de/autoren/saskia-hoedl/eltern-am-limit-erschoepfung-liegt-nicht-an-den-kindern (Abre numa nova janela)

 Weiß jetzt schon, wie müde sie am Montag sein wird:

Anna

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