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    <title>Raphael Thelen</title>
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    <description>Der Newsletter für die, die es kapiert haben</description>
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      <title><![CDATA[Gerade nicht]]></title>
      <description><![CDATA[Hey, enschuldigt, dass ich im Augenblick nicht schreibe. Ich habe ein gebrochenes Herz. Ich melde mich bald wieder. Raphael]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Hey, </p><p>enschuldigt, dass ich im Augenblick nicht schreibe. Ich habe ein gebrochenes Herz. </p><p>Ich melde mich bald wieder. </p><p>Raphael  </p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 03 Jun 2026 06:51:10 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Im Hier und Jetzt (RDS#4)]]></title>
      <description><![CDATA[Britta nahm kurz Martins Hand. Es war schön zu sehen, wie die Menschen vor ihnen in kleinen Gruppen zusammen standen und miteinander sprachen. Alte, Junge, Frauen,…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Britta nahm kurz Martins Hand. Es war schön zu sehen, wie die Menschen vor ihnen in kleinen Gruppen zusammen standen und miteinander sprachen. Alte, Junge, Frauen, Männer – alle da auf dieser Demo, weil sie eine andere Welt wollten. </p><p>Martin und Britta versuchten diese neue Welt gleich hier entstehen zu lassen, auf dem kleinen Platz vor dem Bundeskanzleramt, jeden Monat einmal. Politik der Schönheit nannten sie das. </p><p>Die beiden waren alle klassischen Stationen durchlaufen: Sie waren beim G20-Gipfel in Hamburg mit seinen Ausschreitungen dabei gewesen, hatten Linsen in die Ventile von SUVs gedreht, vermummt auf Straßen gesessen, um die Anreise von Neonazis zu einer Demo zu verhindern. Irgendwas im Dagegensein hatte sich erschöpft, hatte sie erschöpft. Es war Zeit für etwas anderes. </p><p>Heute hatten sie die Teilnehmenden der Demo in Dreiergruppen geschickt, ihnen eine Frage mitgegeben: “Was macht dir gerade am meisten Sorge?”</p><p>Die beiden hatten lange darüber gesprochen, ob das nicht wieder zu sehr auf das Negative fokussiert sei, aber sie wussten auch, wie viel Verbindung es schaffen konnte, wenn Menschen ihre Verletzlichkeit miteinander teilten. Verletzlichkeit führte zu Vertrauen, Vertrauen zu Beziehung und Beziehung zu Hoffnung – und die brauchte es in dieser Zeit. </p><p>Als die zehn Minuten um waren, ging Britta ans Mikrofon: “Hat jemand Lust, ein bisschen zu erzählen, was bei ihm oder ihr in der Gruppe aufgekommen ist?”</p><p>Stille. Nicht unangenehm, aber dicht und spürbar. Verletzlichkeit zeigen vor vielen Menschen war das Letzte, was diese Gesellschaft einem beibrachte. </p><p>Dann zeigte eine Frau auf, vorne links, älter mit grauen Haaren und einem orangen Schal. Dann noch eine zweite weiter hinten, und nach einigen Augenblicken schließlich noch eine dritte. </p><p>Britta guckte zu Martin rüber. Auch er lächelte. </p><p><br/></p><p>***</p><p><br/></p><p>Es hatte einen Streit gegeben. Mehr als das. Fast eine Schlägerei. </p><p>Einer der obdachlosen Männer, der bei den Alten Frauen untergekommen war, hatte in der Schlafetage unweit der Toiletten eine Frau belästigt. </p><p>Ein anderer Mann hatte es mitbekommen und war dazwischen gegangen, der erste packte direkt zu.</p><p>Sie hatten es geschafft, die Situation wieder unter Kontrolle zu bringen, das letzte, was sie wollten, war die Polizei zu rufen, um für Ruhe zu sorgen, aber ein Reporter war dabei gewesen, und hatte es direkt in die Welt hinausposaunt: das Haus der Alten Frauen – der Ort, wo Frauen belästigt wurden und Männer sich prügelten. Was für ein hübscher Vorwand, um sie räumen zu lassen. </p><p>Mawa hasste alles daran. Nein, das stimmte nicht. Sie hasste den Mann. Sie hasste eigentlich alle Männer. </p><p>Die Präsidenten und Generäle, die Kriege führten und Bomben auf Babies warfen. Die CEOs, die für ihre Boni die Erde verwüsteten. Die Vergewaltiger, Schläger und Mörder, die dafür sorgten, dass Mawa schon lange nicht mehr alleine nachts in einem Park spazieren gegangen war.</p><p>Mawa hatte sich in die kleine Küche zurückgezogen, vor ihr eine Tasse Instantkaffee. Sara, ihre Schwester kam rein: “Wie geht’s dir?”</p><p>Mawa hatte keinen Bock auf dieses Gespräch. Sie wusste, dass Sara recht hatte, aber sie hatte trotzdem keinen Bock. </p><p>“Gut”, sagte sie.</p><p>“Mh?”, sagte Sara. </p><p>“Verdammt, ich hasse diesen Typen. Warum sind die so eklig? Die sollen sich einfach alle verpissen. Was ist deren Problem, warum machen die alles kaputt, was schön ist?”</p><p>Mawa wollte ihre Kaffeetasse an die Wand werfen. </p><p>Sara zog sich einen Stuhl ran, setzte sich, sagte nichts. Mawa wusste, dass ihr an der Besetzung, an dem Haus genauso viel lag, wie ihr.</p><p>Wochenlang waren die Diskussionen hin und her gegangen: ob sie nur Frauen aufnehmen sollten. Das wäre einfacher gewesen, und ein Frauenhaus wäre auch ein Statement gewesen. Aber das wäre nur ein Schutzraum gewesen, und nicht die Utopie. </p><p>“Du weißt, was bell hooks geschrieben hat?”, sagte Sara. “Um liebende Männer zu erschaffen, müssen wir Männer lieben.”</p><p>Natürlich kannte Mawa das Zitat. Sie kannte das ganze Scheissbuch. Aber das änderte nichts daran, dass ihr Vater sie geschlagen hatte, ihr Sportlehrer sie auf dem Schulparkplatz versucht hatte, zwischen die Beine zu greifen, und ihr erster Partner sie nach der Geburt ihres Sohnes hatte sitzen lassen. </p><p>“Wenn wir ihre Herzen nicht öffnen”, sagte Sara, “dann leiden wir unter den Konsequenzen.”</p><p>Mawa hasste dieses heilige Gesäusel ihrer Schwester.</p><p>“Vielleicht sollten wir auch einfach genügend Sperma einfrieren, dann alle Männer mit einem speziell gezüchteten Virus auslöschen und nur noch Töchter gebären. Dann hätten wir dieses Problem nicht mehr.”</p><p>“I love you”, sagte Sara und lächelte. “A lot.” </p><p>Mawa stand auf und ging. </p><p><br/></p><p>***</p><p><br/></p><p>Das Training sollte einen theoretischen und einen praktischen Teil haben. Das Ziel: gewaltfrei bleiben, auch wenn es die Polizei nicht war. Das war der Schlüssel zum Sieg. Dafür brauchte es Disziplin, strategisches Verständnis und noch etwas: Überzeugung. </p><p>Dénise wusste, dass es sich gut und richtig, ja schön anfühlen konnte, Schmerzen zu erleiden. Sie hatte das nicht zuletzt in BDSM-Kontexten erlebt, aber das gerade in diesem Keller eines Hochhauses von Saint-Denis zu erzählen, schien ihr nicht ganz passend. Der Gedanke ließ sie trotzdem lächeln. </p><p>Jamal, der neben ihr in dem Stuhlkreis saß, guckte sie von der Seite an, als könnte er ihre Gedanken lesen, sagte aber nichts. </p><p>“Was ist passiert, als in den USA die Polizei einen unbewaffneten Schwarzen auf offener Straße zu Tode gewürgt hat?”, fragte Dénise. </p><p>“Das Video ging viral, überall gab es Proteste.” </p><p>“Genau”, sagte Jamal. “Was wäre passiert, wenn das Opfer eine Waffe gezogen hätte?”</p><p>“Die Gewalt der Polizisten hätte gerechtfertigt gewirkt.” </p><p>“Und was passiert, wenn die Polizei in unser Viertel stürmt, und alte Frauen, Jugendliche und Männer verprügelt, die friedlich für ihr Recht einstehen?”</p><p>“Wir rufen den Krankenwagen, aber er kommt nicht, weil wir in Saint-Denis sind?”, fragte einer und einige andere lachten. </p><p>“Mehr Leute schließen sich an, weil es eine Sauerei ist?”, sagte jemand anderes.</p><p>“Nicht nur das”, antwortete Dénise, “es wird auch für alle glasklar, wer Opfer ist und wer Täter – nicht nur hier im Viertel, sondern auch systemisch.”</p><p>“Du da”, sagte Dénise und sprach einen Mann, der im Kreis saß direkt an. “Was machst du?” </p><p>“Was soll ich denn machen? Ich bin arbeitslos, was willst du?”</p><p>“Und wie ist das?”</p><p>“Scheisse, lass mich in Ruhe.”</p><p>Dénise spürte, wie der Kreis unruhig wurde.</p><p>“Und, hast du das verdient? Nein, hast du nicht, keiner hat es verdient, ein Leben lang so gedemütigt zu werden. Wer würde mit ihm zusammen auf die Straße gehen und sich den Cops entgegenstellen, wenn sich dadurch etwas ändert?”</p><p>Niemand rührte sich.</p><p>Denisé fixierte eine Frau mit schwarzem Shirt: “Was ist mit dir, würdest du was machen, wenn es funktionieren kann?”</p><p>Die Frau zögerte, sagte dann: “Ja, klar.”</p><p>“Was ist mit dir?” Dénise adressierte eine weitere Frau, die ihre Rastas zu einem Dutt gedreht hatte. Die Frau nickte zögerlich.</p><p>Dénise guckte in den Kreis. “Was ist mit dem Rest?”</p><p>Murren. Zustimmendes Nicken. Bewegung auf den Stühlen.</p><p>“Okay, dann lass es uns probieren.”</p><p>“Ihr da drüben”, Jamal zeigte auf die eine Stuhlkreis-Seite, “ihr seid die Cops. Und ihr anderen: Ihr seid die neue Welt.” </p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>Das war der vierte Teil einer Serie. Du willst die vorigen Teil der Revolution der Schönheit (RDS) lesen? Hier entlang:<br/></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/posts">Frühere Posts anzeigen</a></p><p><br/></p><p><br/><br/><br/><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 07 May 2026 10:30:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die ersten Mitstreiter kommen (RDS #3)]]></title>
      <description><![CDATA[Es eine Obsession zu nennen, wäre zu viel gewesen. Aber Thomas dachte viel nach über Hobbes, diesen Philosophen, mit dem er neben dem Vornamen eigentlich nur eine…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Es eine Obsession zu nennen, wäre zu viel gewesen. Aber Thomas dachte viel nach über Hobbes, diesen Philosophen, mit dem er neben dem Vornamen eigentlich nur eine weitere Sache teilte: Diese existentielle Angst, das Wissen darum, wie zerbrechlich alles ist. </p><p>Hobbes hatte mal geschrieben: “Meine Mutter empfand eine so große Furcht, dass sie Zwillinge zur Welt brachte, mich und zur gleichen Zeit die Furcht“.</p><p>Die Klimakrise, der um sich greifende Faschismus, Hunger selbst in so einem reichen Land wie Großbritannien. Thomas musste nur auf die Zahlen gucken, um zu wissen, wohin das führte, wenn sich nichts änderte: Milliarden Menschen auf der Flucht weltweit, Massensterben, Kriege. </p><p>Aber Thomas wusste auch, dass sich Antworten finden ließen auf diese Probleme. Nur waren sie anders als bei Hobbes. Das ganze Gerede des Philosophen davon, dass der Mensch dem Menschen ein Wolf sei, war nichts anderes als die Grundlage des Neoliberalismus: Jeder ist sich selbst der Nächste. “There is no such thing as society”, hatte die ultrarechte Premierministerin Margaret Thatcher gesagt. Die größte Lüge aller Zeiten.  </p><p>“Hey”, sagte Thomas zu der Frau in der Krankenschwesteruniform, die die Tür geöffnet hatte. “Ich bin Thomas von der Initiative ‘Lambeth kann das!’ Vielleicht haben sie unsere Plakate in der Straße gesehen?”</p><p>“Ja”, sagte die Frau. “Sorry, ich komme gerade von der Schicht und bin ziemlich fertig. Was wollen sie?”</p><p>“Wir sind eine Bürgerinitiative, die gegen Obdachlosigkeit und Hunger im Viertel kämpft, vielleicht begegnet ihnen das Problem auch?”</p><p>“Ja, klar”, sagte die Frau zögerlich. “Jeden Tag in der Notaufnahme vom Lambeth Hospital.”</p><p>“Dann wissen sie ja wahrscheinlich noch besser als ich, wie die Situation ist. Wir sind eine Gruppe von Bürgern, die es satt haben, von der Politik im Stich gelassen zu werden. Nächsten Donnerstag machen wir ein Community-Treffen, um zu besprechen, was wir machen können – es gibt den Plan, Sitze im Gemeinderat zu übernehmen. Vielleicht wollen sie ja kommen?</p><p>***</p><p>Die Trainings fanden gerade jeden Abend statt, jeweils im Keller eines anderen Hochhauses in Saint-Denis. Immer waren Leute da. Nicht so viele wie Jamal und Dénise gehofft hätten, aber es war auch nicht niemand – und in der Apathie, die sich seit Jahren in den Häuserschluchten der Pariser Vororte ausbreitete, war das ein Zeichen der Hoffnung. </p><p>“Was macht den Staat aus?”, fragte Dénise.</p><p>“Dass es uns im Stich lässt?”, antwortete jemand der mit im Stuhlkreis saß.</p><p>“Dass er korrupt ist?”</p><p>“Rassistisch?”</p><p>“Ja, stimmt alles”, sagte Dénise. “Und was liegt da drunter? Dass er auf Gewalt basiert. Dafür existiert er. Das ist seine Stärke – und auf diesem Feld können wir ihn nicht schlagen. Gegen Tränengas, Maschinenpistolen und gepanzerte Fahrzeuge kommen wir nicht an. Da können wir unsere Wut rauslassen, aber der Preis ist zu hoch, und jedes Mal verlieren wir. Aber das heißt nicht, dass wir nicht gewinnen können. Es gibt einen Weg, der Imperien in die Knie gezwungen hat.”</p><p>“Und diesen Weg sind viele Menschen vor uns gegangen”, sagte Jamal. “Menschen wie wir: Braune Menschen, Schwarze Menschen, Menschen, die unterdrückt werden. Mahatma Gandhi, Rosa Parks, Nelson Mandela – viele haben Gewaltfreiheit als Schwäche verlacht. Aber diese Menschen haben die Geschichte der Menschheit umgeschrieben. Und das wollen wir auch tun.”</p><p>In den ersten Häusern liefen bereits die Beratungen darüber, welche Forderungen man stellen wolle. Es wurde viel diskutiert, auch in den Hausfluren, wo Menschen beieinander stehen blieben, um zu sprechen: über Politik, und was sich ändern müsse. </p><p>Bald sollten die Forderungen beschlossen und abgestimmt werden. Aber Forderungen waren nichts, wenn man keinen Druck machen konnte. Dafür zu sorgen – dafür hielten Jamal und Dénise gerade die vielen NVDA-Trainings ab: non-violent direct action.</p><p>***</p><p>Es war ein bisschen surreal, aber deshalb nicht weniger schön. Skibbidi hatte auf dem GenZ4JusticeROMANIA✊-Discord zu einer Demo aufgerufen. Aber nicht auf der Straße, sondern in-Game, also in der Minecraft-Welt. Jetzt standen sie da, die pixeligen Figuren in der pixeligen Welt. Es waren nicht viele, vielleicht 30-40, aber einige hatten Schilder mitgebracht, wie auf einer richtigen Demo. </p><p>Skibbidi hatte sich eine Rede geschrieben, aber plötzlich fand er es albern. Er sprach schon so viel in seinen Streams. Stattdessen forderte er die anderen auf, sich in kleinen Gruppen zusammenzustellen und einfach mal miteinander zu reden: “Warum seid ihr heute hier?” Dann fragte er, wer Lust hätte, auch vor der großen Gruppe zu sprechen. </p><p>Er wusste, wie scheu Gamer sein konnten. Aber drei Figuren meldeten sich und Skibbidi hatte ein Gefühl: dass er gerade die ersten Mitstreiter außerhalb seiner Crew gefunden hatte. </p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p>Das war der dritte Teil einer Serie. Du willst die vorigen Teil der Revolution der Schönheit (RDS) lesen? Hier entlang:</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/posts">Frühere Texte anzeigen</a></p><p><br/><br/><br/><br/><br/></p>]]></content:encoded>
      <link>https://steady.page/b0277649-7025-4bf3-8420-c94a6763f134/posts/d39a1ea3-d9e6-4ec7-8a19-6616e0cac049</link>
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      <pubDate>Thu, 23 Apr 2026 09:50:52 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Retreat!]]></title>
      <description><![CDATA[Verzeiht, wir sind mit FAIRNESS JETZT auf einem Team-Retreat (quasi also Arbeit an der Revolution der Schönheit in real Life), kam deshalb nicht zum schreiben – nächste…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Verzeiht, wir sind mit FAIRNESS JETZT auf einem Team-Retreat (quasi also Arbeit an der Revolution der Schönheit in real Life), kam deshalb nicht zum schreiben – nächste Woche bin ich wieder am Start!<br/><br/>Falls Du aber in Berlin lebst und auch helfen willst, die RDS vorzubereiten, empfehle ich dir, am Sonntag zum Kick-Off von BerlinZusammen zu gehen:</p><p><strong><em>2026 wird ein neues Abgeordnetenhaus gewählt</em></strong><em> – und damit entscheidet sich, ob Kürzungspolitik, soziale Spaltung und Rechtsruck weiter den Ton angeben oder, ob wir in unserer Heimatstadt soziale Gerechtigkeit, bezahlbare Mieten, demokratische Teilhabe, saubere Luft und solidarisches Gemeinwohl – für alle Berlinerinnen und Berliner – nach vorn bringen.</em></p><p><em>BerlinZusammen ist eine </em><strong><em>parteiunabhängige-zivilgesellschaftliche Kampagne</em></strong><em>, die bewusst in den Wahlkampf zur Wahl zum Abgeordnetenhaus diesen September eingreifen will. Wir wollen es nicht allein Parteien und dem politischen Betrieb überlassen, wohin sich diese Stadt entwickelt. Wir vertrauen auf die Kraft der Zivilgesellschaft, auf Selbstorganisation, auf Erfahrungen aus Kämpfen und Volksentscheiden, auf praktisches Wissen aus den Kiezen – und auf den Anspruch, mitzubestimmen, mitzugestalten und mitzureden. Damit das gelingt, muss die Zivilgesellschaft in Berlin zusammenfinden – von Ost bis West, von Nord bis Süd. Genau dafür gibt es BerlinZusammen.</em></p><p></p><p>Hier kannst du dich anmelden:</p><a href="https://www.eventbrite.com/e/alle-fur-berlin-tickets-1985279207552">https://www.eventbrite.com/e/alle-fur-berlin-tickets-1985279207552</a><p></p><p>Bis nächste Woche!<br/><br/>Raphael</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 17 Apr 2026 05:45:38 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[In Kontakt gehen RDS #2]]></title>
      <description><![CDATA[Mawa lehnte sich in dem Klappstuhl zurück, drehte eine Locke ein und guckte durch die riesige Lobby des Büroturms, den sie besetzt hatten. Ihre Beine schmerzten, sie…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>In Kontakt gehen (RDS #2)</h1><p>Mawa lehnte sich im Klappstuhl zurück. Sie drehte eine Locke ein und guckte durch die riesige Lobby des Büroturms, den sie besetzt hatten. Ihre Beine schmerzten, sie hatte seit Stunden gestanden und gerettete Lebensmittel verteilt. </p><p>Die Tapeziertische vor ihr waren immer noch voll davon. Brot in Plastiktüten, Paprika und Salatköpfe, eingeschweißter Lachs und dutzende andere Sachen, die sonst im Müll gelandet wären. </p><p>Ihre Schwester Sara stand hinter dem Rezeptionstresen aus schwarzem Marmor. Wo früher Manager mit ihren Rollköfferchen ankamen und von Rezeptionistinnen mit falschem Lächeln begrüßt wurden, standen jetzt obdachlose Männer und Frauen mit ihren Fragen, ihrem Kummer, ihren Bedürfnissen. Sara hörte zu, gestikulierte, half. </p><p>Die “Alten Frauen”, wie die Presse sie bereits nannte, hatten die Großraumbüros im ersten und zweiten Stock zu Unterkünften umgewandelt. Mit Stellwänden und Tischen versuchten sie kleine Abteile und damit etwas Privatsphäre herzustellen. Es gab genug Toiletten, aber keine Duschen. Dieses Problem war ihnen vorher bewusst gewesen, aber eine Lösung hatten sie nicht. </p><p>Seit der ersten Stunde hatten sie damit gerechnet, dass die Polizei reinstürmen und sie räumen würde. Die Türen standen offen, nichts hätte sie davon abgehalten. Aber sie waren nicht gekommen. </p><p>Die Mietpreise in den Städten stiegen, mit ihr die Obdachlosigkeit. Gleichzeitig standen seit der Pandemie massig Büroflächen leer, denn viele waren ins Homeoffice gewechselt und nie mehr vollständig zurückgekehrt. Dazu kam, dass KI immer mehr Jobs vernichtete.</p><p>Einige Law and Order-Politiker polterten. Aber selbst den rechtsradikalen Parteien fiel es schwer, Angriffspunkte zu finden, denn die Themen Miete und Obdachlosigkeit zogen sich quer durch alle Wählerschichten – und wer wollte Fernsehbilder verantworten, auf denen ältere Frauen in Handschellen abgeführt werden? Die Rechtsradikalen behalfen sich auf ihre Art, schütteten Misogynie über den Frauen aus. Mawa störte es nicht. </p><p></p><p>***</p><p></p><p>Auf dem Teller vor ihm lagen ein paar Stücke Hähnchen in Knoblauch-Tomatensauce. Ostropel de pui, Skibidis Lieblingsgericht. Seine Mutter saß ihm gegenüber. “Pofta buna”, sagte sie. Guten Appetit. Dann sagte sie nichts mehr. Skidbidi guckte aus dem Fenster des 13. Stocks des Plattenbaus, in dem seine Mutter wohnte, seine verwitwete Mutter.</p><p>Seine Eltern waren noch in der Sowjetzeit geboren, in die Armut und Unterdrückung der späten Ceaușescu-Jahre, waren dabei gewesen im Jubel der Revolution von 1989, hatten das Ende des Sozialismus herbeigesehnt, gefeiert und dann bedauert. </p><p>Im neuen System, in der Freiheit des Kapitalismus, waren ihre Berufsausbildungen plötzlich nichts mehr wert gewesen. Internationale Investoren und aufstrebende Oligarchen kauften die Großbetriebe auf, filetierten sie wie ein Schlachthuhn, behielten die Filets, den Rest schmissen sie den Hunden zum Fraß vor. </p><p>Skibidis Eltern hatten zu dem Rest gehört, alles gegeben, sich durchgekämpft, irgendwann auch kleine Siege: ein erster Fernseher, ein kleines Auto, eine Spülmaschine. Doch der Preis dafür war hoch gewesen. Skibidi kannte seine Eltern nur müde. Es fühlte sich an wie eine Niederlage. Seit dem Tod seines Vaters war seine Mutter erloschen.</p><p>“Mutter”, sagte Skibidi. </p><p>“Ja?”</p><p>“Ich rede jetzt online über den Tod von Papa.”</p><p>“Mh.”</p><p>“Leute hören mir zu.” </p><p>Seine Mutter guckte ihn kurz an, dann auf seinen Teller, der leer war. </p><p>“Im Topf, da ist noch was, wenn du noch was willst”, sagte sie, guckte dann wieder auf ihren Teller. </p><p></p><p>***</p><p></p><p>Thomas klingelte an der ersten Tür. Niemand machte auf. Er stieg die Treppe hoch. Er humpelte leicht, seit er vor ein paar Jahren auf einer gefrorenen Pfütze ausgerutscht war und sich das Bein gebrochen hatte. Sobald der Gips ab gewesen war, war er jeden Tag laufen gegangen, jeden Tag ein Stück mehr, um wieder in Form zu kommen. Er konnte jetzt wieder unterwegs sein, das Humpeln ignorierte er.</p><p>In der Hand hielt er einen gefalteten Zettel, auf dem er alles festhielt. Wann er heute an der ersten Tür geklingelt hatte. Wie viele Menschen aufgemacht hatten, wie viele ihm gesagt hatten, dass sie zur Bürgerversammlung kommen würden, wie viele ihm ihre Kontaktdaten gegeben hatten. Wie lange es pro Tür gedauert hatte. </p><p>Er wusste, dass es viel brauchte für eine Revolution. Eine gute Kultur im Inneren. Eine langfristige Strategie. Leadership in Service und klare Organisationsstruktur. Und all das musste im richtigen Augenblick bereit sein, in einem dieser Momente, wenn Geschichte flüssig wird, große Veränderungen in kurzer Zeit möglich werden. Wenn man den Kairos beim Schopf packen kann – doch all das war nichts, wenn die Zahlen nicht stimmten. Die Zahlen auf seinem Zettel. </p><p>Hier in Lambeth im südlichen London sahen die Zahlen gut aus, das hieß: mit einer Arbeitsstunde von sich konnte er mehr als eine Arbeitsstunde von Freiwilligen produzieren. </p><p>Thomas wusste, dass das kalt klingen konnte. Rationalistisch. Wo war da der Unterschied zum neoliberalen Weltbild, in dem alles immer nur Mittel zum Zweck war, vor allem auch Menschen? </p><p>Für ihn war das klar. Er wollte nichts von den Menschen, außer dass sie sich selbst befreiten – aus der politischen Unmündigkeit, aus der Gängelung durch die Eliten, und dem sicheren Tod in der eskalierenden Klimakrise. </p><p>Die nächste Tür war unscheinbar. Braun mit einem kleinen Türspion. Thomas strich sich über seine grauen Haare, die in einem Zopf endeten. Er hatte das tausende Mal gemacht. Jedes Mal war neu. Er klingelte. Eine junge Frau öffnete. Sie trug noch ihre Krankenschwesternuniform. Vielleicht kommt sie gerade erst von ihrer Schicht, dachte Thomas. </p><p>“Ja, bitte?”, sagte sie. </p><p></p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p></p><p>Du willst die vorigen Teil der Revolution der Schönheit lesen? 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      <link>https://steady.page/b0277649-7025-4bf3-8420-c94a6763f134/posts/9d4b8bb8-4080-45b5-9688-ef0de74585ba</link>
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      <pubDate>Wed, 08 Apr 2026 08:27:58 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Revolution der Schönheit]]></title>
      <description><![CDATA[Hey,  ich kann schon seit einer ganzen Weile meine eigenen Texte nicht mehr sehen – manchmal habe ich das Gefühl, ich schreibe kitschige Aktivismusaphorismen. Dazu…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Hey, </p><p>ich kann schon seit einer ganzen Weile meine eigenen Texte nicht mehr sehen – manchmal habe ich das Gefühl, ich schreibe kitschige Aktivismusaphorismen.</p><p>Dazu kommt: Ich weiß zwar sehr genau, wie die Revolution und die Zeit danach aussehen könnte, aber um mich herum gibt es wenige, denen das auch so geht. Und: Meine Mitbewohnerin hat gerade für ihre Ausbildung gelernt, wie sie Filmszenen schreibt, und ich habe gemerkt, wie sehr ich es vermisse, narrativ zu schreiben. </p><p>Deshalb werde ich ab jetzt wöchentlich ein Stück Zukunft aufschreiben. Die Revolution der Schönheit. Ich weiß, der Bruch zum bisherigen Newsletter-Format ist hart. Ich hoffe, Du hast trotzdem Lust, mit mir auf diese Reise zu gehen. </p><p></p><hr aria-hidden="true"/><h3><strong>Revolution der Schönheit</strong></h3><p><em>Was folgt, ist ein unvollständiger Bericht über das, was später “Revolution der Schönheit” genannt wurde. Er ist unvollständig, weil Millionen von Menschen daran mitgewirkt haben, aber nicht alle auftauchen können. Er ist unvollständig, weil er nur berücksichtigt, was im “Westen” passiert ist, während andere wichtige und teils wichtigere Kämpfe anderswo gewonnen wurden. Er ist unvollständig, weil der Punkt, von dem man aus rückwärts erzählt, immer etwas willkürlich gewählt ist; dabei endet Geschichte natürlich nie – nicht so lange es Menschen und Träume auf dieser Welt gibt. </em></p><hr aria-hidden="true"/><p>Nur die, die aufmerksam waren oder Bescheid wussten, merkten, dass dieses Lied neu war, dass es noch nie auf einer Demo gesungen worden war. </p><p><em>Nothing to lose</em></p><p><em>but a world to win</em></p><p><em>let&#39;s walk together</em></p><p><em>hand in hand</em></p><p>Und während die Polizei ganz vorne an der Blockade der A12 in Den Haag noch Menschen aus ihren Lock-Ons schnitt und weg trug, begannen kleine Gruppen von Frauen, alle in ihren Vierzigern und älter, sich unauffällig aus der Demo zu lösen und loszugehen. </p><p>Während sie durch die Stadt liefen, summten einige noch die Melodie, andere gingen schweigend und konzentriert, mit den Gedanken dabei, was vor ihnen lag. </p><p>Mawa ging neben ihrer Schwester, hielt mit einer Hand den Gurt ihres Rucksacks, mit der anderen drehte sie eine ergrauende Locke ein. Vielleicht würde man sie für die Sache als Rädelsführerin rankriegen. </p><p>Der Fußweg war nicht weit, vor einem Bürogebäude trafen sich die Frauen wieder, die Scheiben waren blind, weil lange nicht geputzt, die automatische Tür schob sich nicht auf. </p><p>Mawa setzte ihren Rucksack ab, holte zwei Metallklauen heraus, gab eine an ihre Schwester. Sie schoben sie von links und von rechts in den Spalt der Schiebetür, andere Frauen griffen das Seil, dass an den Klauen befestigt war, und auf drei zogen sie. Die Tür glitt auf. </p><p>Als alle drin waren, stellten sie sich kurz in einen Kreis, ganz still. Dann ging es los. Alle wussten, was sie zu tun hatten. Als erstes hängten sie ein Banner über die Tür: “Oude vrouwen, nieuwe wereld” – Alte Frauen, neue Welt. <br/></p><hr aria-hidden="true"/><p>Der Keller des Hochhauses in Paris Saint-Denis war voll. Alle Stühle waren besetzt. An den Wänden drängten sich weitere Menschen. Alte, junge, Frauen, Männer. </p><p>Jamal und Dénise hatten Zettel in alle Briefkästen geworfen, denen Bescheid gesagt, die sie persönlich kannten, WhatsApp-Nachrichten verschickt:  “Es ist Zeit. Es muss sich etwas ändern. In unserem Haus und ganz Saint-Denis. Wir haben einen Plan.” Dazu Datum, Uhrzeit, Treffpunkt. </p><p>Die Energie- und Lebensmittelpreise waren seit dem Irankrieg nie mehr gesunken, die Mieten stiegen immer weiter. Menschen im Haus hungerten.</p><p>Die Jugend kam mit ihren Krawallen nicht weiter. Beim letzten Mal hatte das Rathaus gebrannt. Jamal und Dénise verurteilten das nicht. Aber sie wussten: Dem Staat konnte man nicht auf dem Feld der Gewalt entgegentreten. </p><p>Die beiden eröffneten die Versammlung, sprachen kurz über die Situation, doch viel mussten sie nicht sagen: alle wussten eh Bescheid. Stattdessen forderten sie die Menschen auf, sich in kleinen Gruppen miteinander auszutauschen: Warum seid ihr heute hier? </p><p>Viele lebten seit Jahrzehnten Tür an Tür, Wand an Wand, aber sprachen mehr mit ihren Chatbots, als miteinander. Es ging darum, Mauern einzureißen, menschliche. Sie fielen. Lautstark. Jamal und Dénise konnten sich kaum Gehör verschaffen, als sie nach einer Viertelstunde weitermachen wollten. </p><p>Dann erklärten sie das weitere Vorgehen: Aus jedem Stockwerk würden sie eine Person losen. Zwei Wochen später würde sich diese neue Gruppe zum ersten Mal treffen und gemeinsam drei Forderungen ausarbeiten. Für diese Forderungen würden sie dann alle gemeinsam als Haus kämpfen. Die gute Nachricht: In den Nachbarhäusern würden Menschen gerade das Gleiche machen, und dann würden sie sich zusammentun. </p><hr aria-hidden="true"/><p>Skibidi12 war Teil der Strohhut-Crew, wenn er Minecraft spielte, guckten tausende zu. Er war vor einigen Jahren ausgezogen, hatte ein bisschen studiert, aber nicht gesehen, wie er damit hätte einen Job kriegen sollen, gleichzeitig lebten er und seine Crew gut vom Zocken. Die Welt da draußen ging ihn nicht viel an. </p><p>Dann kam sein Vater ins Krankenhaus. Beim Grillen hatte er Spiritus auf den Arm bekommen, die Flammen verbrannten seine Haut. Die Ärzte versorgten die Wunde, doch während er auf Station lag, fing er sich einen multiresistenten Keim ein. </p><p>Es war seit langem bekannt, dass Pharma-Konzerne in Rumänien gestrecktes und verdünntes Desinfektionsmittel verkauften, die Einkäufer und Ärzte sich bestechen ließen, die Politik wegguckte – gegen ein gutes Taschengeld. Der Keim fraß sich durch die Wunde. Keines der Antibiotika schlug an, Breitband oder nicht. Einmal konnten sie seinen Vater noch wiederbeleben, dann: multiples Organversagen. </p><p>In den Wochen nach der Beerdigung begann Skibidi12 in seinen Livestreams über Politik zu reden, über Korruption, über die Verbrechen des einen Prozents. Bald guckten nicht mehr einige tausend zu, bald waren es Zehntausende. Dann sprach er mit seiner Crew. Gemeinsam legten sie einen Discord an: GenZ4JusticeROMANIA✊</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p><br/><br/></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 02 Apr 2026 08:30:38 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Aufstehen und machen]]></title>
      <description><![CDATA[Jemand aus dem Team hat mich gebeten, eine Vision für FAIRNESS JETZT aufzuschreiben. Fühlte sich erst an wie eine unmögliche Mission, und dann bin ich vergangene Woche…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Jemand aus dem Team hat mich gebeten, eine Vision für FAIRNESS JETZT aufzuschreiben. Fühlte sich erst an wie eine unmögliche Mission, und dann bin ich vergangene Woche früh am Morgen aufgewacht und wusste einfach, was ich schreiben will. Denn, was ist eine Vision anderes, als etwas, was man wirklich will?</p><p>Eine Welt, in der…</p><p>…alle satt sind, ein Zuhause haben, gesundheitlich versorgt sind. </p><p>…die Wälder lebendig, die Meere voller Fische, die Luft frisch und klar ist.</p><p>…Technologie den Menschen dient.</p><p>…Menschen verbunden sind, mit sich selbst, den anderen, dem Großen und Ganzen.</p><p>…Arbeit nicht bedeutet, sich selbst zu verkaufen, sondern sein Innerstes in die Welt zu bringen. </p><p>…In der wir frei sind, wir selbst zu sein.</p><p>Als ich es abgeschickt habe, kam ich mir ein bisschen naiv vor.</p><p>Wir leben in einer Zeit, in der das Ende der Menschheit ein wissenschaftlich realistisches Szenario ist. In der Männer von ihren Partnerinnen Deep Fake-Pornos produzieren. In der die einen Länder die anderen bombardieren, “just for fun”, wie Trump das sagt. </p><p>Kann man sich da hinstellen und so eine Vision formulieren?</p><p>Ich weiß nicht. Es scheint unrealistisch. Aber es ist halt das, was in mir ist. Davon träume ich. Dafür stehe ich morgens auf. </p><p>Und natürlich ist es möglich. </p><p>Die Menschheit hat die Macht und Möglichkeit, alles zu zerstören. Sie hat die Macht, alles anders zu machen. Die Geschichte ist voller unwahrscheinlicher Wendepunkte. Früher waren die lokal oder national. In einer globalisierten Welt werden sie global sein. </p><p>Dass wir uns gegenseitig erzählen müssen, wie diese Wendepunkte aussehen, von welcher Welt wir träumen, das ist keine Neuigkeit. Wir müssen es einfach tun und dann früh morgens aufstehen und es machen – am besten gemeinsam. </p><p>Und du kannst heute damit beginnen. </p><p><br/><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 25 Mar 2026 08:06:42 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[London Calling]]></title>
      <description><![CDATA[Meine liebste Sache der Welt: Auf einer Wiese in der Sonne schlafen. Gerade bin ich aufgewacht und dachte, shit, heute ist ja Newsletter-Tag! Ich bin seit vorgestern in…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Meine liebste Sache der Welt: Auf einer Wiese in der Sonne schlafen. Gerade bin ich aufgewacht und dachte, shit, heute ist ja Newsletter-Tag!</p><p>Ich bin seit vorgestern in London, spontan heute sehr früh morgens an einer Aktion teilgenommen – Plakate an die Bürogebäude großer KI-Konzerne geklebt, denn: Sie helfen der amerikanischen und israelischen Regierung bei ihren Angriffskriegen. Töten für Profit. Seit dem Beginn der Angriffe auf den Iran sind die Aktienwerte von Palantir um vier Prozent gestiegen. </p><p>Ich bin nicht hier, um an solchen Aktionen teilzunehmen, zumindest nicht nur. Ich bin für ein internationales Treffen verschiedener Bewegungen aus der ganzen Welt hier. </p><p>Konzerne sind global. Sie agieren, lobbyieren und manipulieren über Grenzen hinweg. Es wäre fatal, wenn soziale Bewegungen nur auf die eigene Regierung gucken würden. Globale Probleme brauchen globale Antworten. Und ich kann schon jetzt sagen: Es hat sich gelohnt, herzukommen. </p><p>Die britische Schwesterkampagne von FAIRNESS JETZT heißt Pull the Plug und macht fantastische Arbeit – sie machen einiges anders als wir, weil die landeseigenen Umstände natürlich immer ein bisschen anders sind. Aber zu sehen, was die hier machen, aus ihren Augen auf FAIRNESS JETZT zu gucken, sich austauschen zu können: sauhilfreich. </p><p>Wir probieren unterschiedliche Dinge, aber mit dem gleichen Ziel: eine friedliche Revolution, um Macht in die Hände der Allgemeinheit zu legen. </p><p>Für so eine internationale Zusammenarbeit braucht es ein paar Sachen, vor allem eine gemeinsame Wertebasis. Bei uns also ein radikales Commitment zu Gewaltfreiheit. Bei jedem Schritt schon die Welt leben, die wir erschaffen möchte. Auch Strategien müssen natürlich in die gleiche Richtung zeigen, und daraus ergeben sich verschiedene Taktiken – das eine Land probiert das eine, ein anderes etwas anderes: und dann lernen wir voneinander. </p><p>Pull the Plug und FAIRNESS JETZT sind noch jung. Die Schwesterbewegung in den USA noch gar nicht richtig gestartet. Aber schon jetzt fühlt es sich wie etwas an, das groß werden kann – zumindest spüre ich das in jedem Treffen in Berlin und jetzt auch hier in London. </p><p>Wenn Du dir selbst ein Bild machen willst:</p><p><strong>27. März</strong></p><p><strong>16 Uhr</strong></p><p><strong>Bundeskanzleramt</strong></p><p>Auf Grundlage unseres selbstorganisierten Bürgerrats “Künstliche Intelligenz” haben wir eine Petition geschrieben, die wir an diesem Tag an Kanzler Merz übergeben. Außerdem: machen wir ein radikales Musikexperiment, denn die Demo steht unter dem Motto “Kunst vor KI”. </p><p>Ich würde mich freuen, dich da zu sehen. </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/4fb4ffab-1c61-4aa3-9137-5b6eb8bbef32/uploads/images/jklcbvgtxq/_ST21930.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 19 Mar 2026 11:29:31 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Das größte Potenzial]]></title>
      <description><![CDATA[In einem Co-Working Space bin ich letztens an diesem Spruch vorbeigelaufen: “I don’t pull, I attract”. Ich ziehe nicht, ich ziehe an. Meine erste Reaktion war: das…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>In einem Co-Working Space bin ich letztens an diesem Spruch vorbeigelaufen: “I don’t pull, I attract”. Ich ziehe nicht, ich ziehe an. Meine erste Reaktion war: das klingt furchtbar blasiert.</p><p>Dass etwas eine tiefere Wahrheit hat, merke ich oft erst daran, dass es mir nicht aus dem Kopf geht. So ist das ja auch mit guten Popsongs: Da sind Zeilen, die gleichzeitig wahr und sehr einfach sind. Und “I don’t pull, I attract” geht mir nicht mehr aus dem Kopf. </p><p>In diesem System der Gewalt, in dem wir leben, zerren wir unablässig aneinander, denn die Grundüberzeugung lautet: Wenn ich etwas will, dann bekomme ich es, indem ich es dir wegnehme.</p><p>Mehr Gehalt für mich, heißt weniger Gehalt für dich. </p><p>Mehr leckeres Essen für mich, heißt weniger leckeres Essen für Menschen im Globalen Süden. </p><p>Mehr politische Macht für mich, heißt weniger politische Macht für Menschen anderer Meinung. </p><p>In den Räumen, die nicht komplett davon zersetzt sind – gute Freundschaften, (Wahl-)Familie – gilt das nicht. </p><p>Sonst fast überall.  </p><p>Meistens merken wir das noch nicht mal mehr. Die Annahme, es ist nicht genug für alle da, hat sich tief in unsere Seelen gegraben. Dabei ist das kollektiv, wie individuell Quatsch. </p><p>Ganz materiell könnten wir das Leben für jeden Menschen auf diesem Planeten angenehm, gesund und sicher gestalten, wenn wir das System ändern und für Umverteilung sorgen. Das ist zugegeben eine große Aufgabe, und nicht weniger groß ist sie fürs Individuum: Wirklich daran glauben, dass genug für einen selbst da ist. </p><p>Wer tut das schon? </p><p>Ich nicht. </p><p>Ich lebe auch in Angst, dass es am Ende nicht reicht. Dass ich kämpfen muss für mein Recht auf Sicherheit, Freiheit und Liebe – und so ist es ja auch in diesem System. </p><p>Gerade hat die #MerzMafia-Regierung wieder die Grundsicherung verstümmelt. Wer seinen Job verliert, der wird bestraft, der bekommt nicht mehr genug zum Leben. Das macht Angst. Also muss man kämpfen. Am Ende kämpfen alle gegeneinander – und die Angst und das Kämpfen wachsen ins Unermessliche. </p><p><br/>Das Furchtbare in dieser Situation ist ja: Selbst wenn ich mir etwas erkämpft habe, muss ich die ganze Zeit fürchten, es wieder zu verlieren, sobald ich nachlasse. Deshalb sind Millionäre und Milliardäre ja auch so paranoid. </p><p>Ich will nicht in ihrer Haut stecken. </p><p>Raus kommen wir da nur gemeinsam. Vertrauen ist etwas, das wir uns gegenseitig schenken können. Das Wunderbare ist: Während Kämpfen den Kuchen immer weiter verkleinert, vergrößert er sich, wenn man vertraut, denn meine Erfahrung ist: Wenn ich jemandem vertraue, dann vertraut er meistens auch mir, und plötzlich: Lässt die Angst nach, und für uns beide ist mehr da – mehr Leichtigkeit, mehr Freude, ja, auch mehr Materielles, denn wir können ja teilen, was da ist, damit beide haben, was sie brauchen. </p><p>Klar, auch das ist scary. Vertrauen kann missbraucht werden. Man kann auf jemanden mit offenem Herzen zugehen, die Person erwidert das jedoch nicht. Das tut weh. Das kann tief verletzen. Passiert mir auch. </p><p>Was ich aber oft merke: dass ich es im Nachhinein wieder so machen würde, weil es richtig war, so zu handeln. Etwas hat wehgetan, aber meine eigene Menschlichkeit ist intakt geblieben, denn die kann ich nur selbst verletzen. Ich lerne daraus, wachse, und versuche es wieder, und: das ist ansteckend. </p><p>Auch in sozialen Bewegungen gibt es den Impuls an Menschen zu ziehen: “Wir müssen sie dazu kriegen, mitzumachen!” </p><p>Verwunderlich ist das nicht, schließlich sind wir alle im System der Gewalt sozialisiert worden. Doch damit stärken wir es nicht nur, wir bleiben auch hinter unserem Potenzial zurück. </p><p>Eine soziale Bewegung, die radikal auf Vertrauen, Schönheit und Liebe beruht, würde sich so anders anfühlen als die Welt der Angst und des Kämpfens. </p><p>“I don’t pull, I attract” – das klingt in meinen Ohren immer noch blasiert, aber im Kern liegt darin eine Wahrheit, die wir hören sollten. </p><hr aria-hidden="true"/><p><em>P.S. Entschuldigt, dass ich vergangene Woche nichts geschickt habe. Die erste FAIRNESS JETZT-Demo und der Bürgerrat waren richtig schön.</em></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a4cd1c2b-291b-45b7-85f3-64fc716a8612/uploads/images/juiozidtc2/_ST22596.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/posts">Frühere Posts anzeigen</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 11 Mar 2026 08:30:52 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Sei dabei]]></title>
      <description><![CDATA[Dieses cute Video hat mich dann doch überzeugt, heute noch mal eine Mail rauszuschicken, um zu sagen: Sei Samstag dabei – es wird richtig schön. …]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Dieses fantastische Video hat mich dann doch überzeugt, heute noch mal eine Mail rauszuschicken, um zu sagen: Sei Samstag dabei – es wird richtig schön!</p><p></p><h4>Samstag, 28. Februar</h4><h4><strong>FAIRNESS JETZT-Demonstration</strong></h4><p><strong>🕜 12.30 Uhr</strong></p><p><strong>📍 Invalidenpark</strong></p><h4>FAIRNESS JETZT-<strong>Bürgerrat</strong></h4><p><strong>🕜 15 Uhr</strong></p><p><strong>📍 Hotel Aquino</strong></p><p></p><p><strong>Das Wetter wird auch super!</strong></p><h4>Und jetzt zum Video: Viel Spaß!</h4><a href="https://www.youtube.com/watch?v=Bz__r0aU0Lk">https://www.youtube.com/watch?v=Bz__r0aU0Lk</a>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 26 Feb 2026 09:12:18 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Hör dir selbst zu]]></title>
      <description><![CDATA[Ein Freund meinte kürzlich zu mir: In Zeiten wie diesen wird Idealismus zu Realismus. Oder anders gesagt: Nach den Sternen greifen, ist das einzige was uns bleibt. …]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ein Freund meinte kürzlich zu mir: In Zeiten wie diesen wird Idealismus zu Realismus. Oder anders gesagt: Nach den Sternen greifen, ist das einzige was uns bleibt. </p><p>Warum?</p><p>Weil alles andere zu wenig ist. Wir leben weiterhin in einem System, das unsere Lebensgrundlagen zerstört. Selbst konservative Schätzungen gehen davon aus, dass die Klimakrise zu einem Multiple Breadbasket-Failure führen könnte. Also massive Ernteausfälle in allen großen Anbaugebieten der Welt. Die Folge: globaler Hunger, denn ohne Weizen und anderes Getreide geht nichts. </p><p>Gleichzeitig eskalieren die globalen Spannungen, Europa denkt über eigene Atomwaffen nach, und dann ist da die Sache mit Künstlicher Intelligenz: Ein Werkzeug, das alle bisherigen in den Schatten stellt. Eine Technologie, die alle bestehenden Krisen verschärft und beschleunigt, denn sie basiert auf den Werten ihrer Erschaffer, also Männern wie Mark Zuckerberg, Elon Musk und Sam Altman, deren Motto ist: Move fast and break things. Profit machen, auch wenn die Welt dabei drauf geht. Oder wie Altman es sagt: „KI wird höchstwahrscheinlich zum Weltuntergang führen, aber bis dahin wird es großartige Unternehmen geben.“ </p><p>In solchen Zeiten reicht es nicht mehr, etwas gegen Mikroplastik zu unternehmen, ein Moor zu schützen, für niedrige Mieten zu kämpfen. Keiner dieser Kämpfe kann gewonnen werden, wenn unsere Lebensgrundlagen kollabieren.</p><p>Das heißt nicht, dass wir nicht heute noch einen Apfelbaum pflanzen sollten, auch wenn morgen die Welt untergeht. Aber wir sollten umsichtig dabei sein, das größere Ganze im Blick behalten: Ohne eine Revolution, die dazu führt, dass Macht zu uns Bürger:innen umverteilt wird, und den Kapitalismus durch ein lebensbejahendes System ersetzt, sehen wir einem Kollaps entgegen. </p><p>Die gute Nachricht ist: Wir leben in vorrevolutionären Zeiten, und da ist alles möglich, oder fühlt es sich nicht so an? </p><p>Krisen an allen Ecken und Enden, politische Polarisierung, und eine Weltwirtschaft, die auf ihre nächste große Krise zusteuert. </p><p>Was tun wir, um uns darauf vorzubereiten?</p><p>Erstens müssen wir uns ein für alle mal klarmachen, dass das System der Gewalt, in dem wir leben, nicht mehr tragbar ist. Wir müssen für uns selbst entscheiden, dass wir uns daraus befreien wollen. Dass wir nicht mehr in einer Welt der Dominanz und Hierarchie leben wollen, sondern Schönheit priorisieren, also das Leben im Einklang mit den Bedürfnissen der anderen – anderer Menschen, Tiere, Pflanzen, Mikroben. </p><p>Wir müssen uns klarmachen, dass wir dieses System nicht mehr akzeptieren, weil es auch uns, unserer Seele und auch ganz physisch unseren Körpern schadet – die Folgen von Depression, Trauma und Einsamkeit sind real. </p><p>Zweitens müssen wir eine Bewegung aufbauen, die diese Werte verkörpert – im Innen und im Außen. Es geht darum, wie wir miteinander und unseren politischen Gegnern umgehen. Wir stellen Gewaltfreiheit in den Mittelpunkt unseres Tuns, denn sie ist die wahrhaft radikale Haltung: Der Gewalt nicht mit Gewalt begegnen, sondern mit Schönheit und Liebe.</p><p>Um das in politische Wirksamkeit zu übersetzen, braucht es viele, viele Menschen, die auf die Straße gehen. Zusätzlich müssen wir anfangen, unsere eigenen Institutionen aufzubauen – Parlamente, in denen nicht das Recht des Stärkeren gilt, sondern Verständnis, Ausgleich und Kooperation im Mittelpunkt stehen. </p><p>Bürgerräte sind solche Orte, und sie produzieren so radikale Ergebnisse, weil die meisten Menschen pro-sozial eingestellt sind, und diese Einstellung dann hervorkommen und wirksam werden kann. </p><p>Drittens reicht es nicht, draußen auf der Straße an den Toren der Macht zu rütteln. Wir müssen rein in das System. Das funktioniert, indem wir entweder massenhaft die Linkspartei und die Grünen dahingehend lobbyieren, dass sie einen Systems Change-Ansatz verfolgen, oder aber wir gründen eine eigene Partei. </p><p>Mit den Piraten, Klimaliste und Co. sind solche Versuche gescheitert, und du könntest sagen: Das haben wir probiert, bringt nichts. Aber all diese Parteien konzentrierten sich auf einen Teilbereich und keine traute sich die simple Wahrheit auszusprechen: Das System ist am Ende, es dient uns Menschen nicht mehr, wir brauchen etwas Besseres und bauen es jetzt. </p><p>Warum das Erfolg haben sollte? Weil AfD, Front National und Trump das gerade beweisen. Keiner von denen hat irgendwelche smarten Konzepte. Aber sie sind glaubwürdig in ihrer Systemkritik, und viele Menschen glauben den bürgerlichen Parteien und ihren Versprechen, dass es besser wird, nicht mehr. Zurecht, denn man kann diese Versprechen innerhalb des Systems nicht halten. Das spüren die Menschen. Aber wo die Rechten Hass und letztlich Selbstzerstörung anbieten, denn sie werden die Krisen unserer Zeit nicht lösen können, bieten wir den Aufbruch in eine neue Welt, und die Chance, dass die Kinder von heute ein Morgen erleben dürfen. </p><p>Viertens müssen wir uns vorbereiten auf den Augenblick, in dem die Weltwirtschaft zusammenbricht. Das sind die Augenblicke, in denen viel Wandel in kurzer Zeit möglich ist. Was dann zu tun ist: Massendemonstrationen, Bürgerräte im ganzen Land, Streiks, und ganz wichtig: gemeinsam und laut träumen, was für eine Welt wir wollen. </p><p>Keine Organisation und keine Bewegung kann all das alleine schaffen. Dafür braucht es uns alle. Dafür braucht es Demut, gegenseitiges Verständnis und Risikobereitschaft. Es braucht ein Commitment, das auch wirklich zu wollen. </p><p>Horch doch mal hin: Gibt es eine Stimme in dir, die von einem Leben in Schönheit träumt – für dich und für alle? </p><p>Falls ja, dann schau doch mal, ob du ihr in den kommenden Tagen öfters zuhören kannst. Und falls sie dir gefällt, diese Stimme, vielleicht magst du sie mal fragen, was sie denkt, was du als nächstes tun solltest. </p><p></p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/posts">Frühere Posts anzeigen</a></p><p><br/></p><p> </p><p><br/><br/></p>]]></content:encoded>
      <link>https://steady.page/b0277649-7025-4bf3-8420-c94a6763f134/posts/4fe1f009-6cfa-4c62-ac93-d45c4105d990</link>
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      <pubDate>Wed, 25 Feb 2026 09:07:27 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Weil es unausweichlich ist]]></title>
      <description><![CDATA[Revolutionen passieren. Das weiß ich, weil ich es selbst als Reporter erlebt habe. Vor einigen Jahren schien mir das für die westliche Welt aber noch wie ausgeschlossen.…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Revolutionen passieren. Das weiß ich, weil ich es selbst als Reporter erlebt habe. Vor einigen Jahren schien mir das für die westliche Welt aber noch wie ausgeschlossen. Mittlerweile glaube ich, dass es nur noch die Frage einiger Jahre ist. </p><p>Revolutionen begleiten menschliche Gesellschaften als Gesetzmäßigkeiten. Sie passieren, so wie technischer Fortschritt passiert, kultureller Wandel, Krieg und Frieden. Sie passieren, wenn der gesellschaftliche Kitt bröckelt – also in Zeiten wie diesen – und dann ein Auslöser dazu kommt</p><p>Meine Vermutung: eine große Weltwirtschaftskrise wie 2008, ausgelöst durch die damalige Banken-Pleite. Es war erst Tunesien, dann in schneller Folge Ägypten, Libyen und Syrien. Dann rebellierten die Menschen in Südeuropa, besetzten Plätze und übernahmen Regierungen. Es folgte Occupy Wall Street und machte die Guy Fawkes-Maske zum Symbol des Aufstands, das in den Rebellionen in Südostasien aufgegriffen wurde. We are the 99 percent. Wir sind die 99 Prozent. Diese Message ist das überdauernde Erbe dieser Jahre – und nie war sie aktueller als heute.</p><p>Mein Freund Henning von der Neuen Generation hat mir gestern ein Beispiel gegeben:</p><p>Nimm ein DIN A4-Blatt. Wenn die obere Kante 1,5 Millionen Euro Vermögen darstellt: Wo bist du dann?  </p><p>99 Prozent der Menschen in Deutschland befinden sich irgendwo auf diesem Blatt. Und dann hat mich Henning gefragt:</p><p>“Wo glaubst du, sind so Milliardäre wie Dieter Schwarz?” </p><p>Ich meinte: “Bei drei Metern?”</p><p>Henning meinte, es sei mehr, also habe ich 15 Meter geschätzt. Er meinte, nicht mal hundert würde reichen: Es seien 12.000 Meter. </p><p>Also, wenn ich am unteren Rand des Papiers bin, dann ist das Vermögen von Milliardären auf der Höhe, in der Passagierflugzeuge fliegen. </p><p>Jetzt soll Dieter Schwarz sein Geld haben. Es stört mich nicht, solange alle anderen auch ein gutes Auskommen haben. Aber genau das ist es ja, was Weltwirtschaftskrisen – ausgelöst durch Gier und Verantwortungslosigkeit – bewirken:</p><p>Viele Menschen verlieren alles. </p><p>Die Entwicklung Künstlicher Intelligenz durch Elon Musk &amp; Co könnte genau zu so einer Krise führen. Wie? Entweder, weil KI wirklich das wird, was Musk &amp; Co versprechen: intelligenter und produktiver als die meisten Menschen in den meisten Bereichen – dann verlieren wir alle unsere Jobs.</p><p>Oder aber es tritt nicht ein. Dann platzt die KI-Blase. Gerade basieren jedoch 90 Prozent des US-amerikanischen Wirtschaftswachstums auf KI-Investitionen. Wenn diese plötzlich nicht mehr profitabel sind, schmiert erst die US-Wirtschaft ab und reißt dann den Rest der Welt mit sich. </p><p>Der Unterschied zu 2008: die Folgen werden noch größer sein, denn die Welt ist instabiler als damals, und die Finanzmärkte weit aufgeblähter. </p><p>Revolutionen sind unausweichlich. </p><p>Well then: Kann ich dann nicht auch einfach zuhause sitzen und darauf warten, weil es passiert ja eh?</p><p>Ja und nein. </p><p>Denn zum einen bereiten sich auch rechtsradikale Kräfte auf der ganzen Welt auf diesen Moment vor, um dann die Macht zu übernehmen. Kombiniert mit KI führt das in eine Welt der Totalüberwachung, in der jede kritische Meinungsäußerung bestraft, Minderheiten deportiert und getötet werden. </p><p>Und zum anderen ist das, was während Revolutionen passiert, meistens nicht so spontan, wie es aussieht. Die Männer und Frauen, die die ägyptische Revolution angeführt haben, hatten das jahrelang vorbereitet. </p><p>Das ist unsere Aufgabe. </p><p>Unsere Aufgabe ist es, einer Politik der Schönheit zum Erfolg zu verhelfen. Das ist möglich, und es ermöglicht auch die schlimmsten Zukunftsszenarien zu vermeiden: das Überschreiten der Kipppunkte im Klima, das Absterben der großen Ökosysteme. </p><p>Jetzt birgt es Gefahren, von Erfolg zu sprechen und von großen Zielen in der Zukunft. Es birgt die Gefahr, faule Kompromisse zu machen, denn: heiligt der Zweck nicht die Mittel?</p><p>Nein. </p><p>Eine Revolution der Schönheit zu schaffen, das ist der Nordstern. Er gibt uns die Richtung, in die wir gehen, gibt Orientierung. Aber im Alltag müssen wir immer noch jeden Tag einen Fuß vor den anderen setzen. </p><p>Wenn wir dabei andere Menschen ausnutzen, lügen oder unseren eigenen Vorteil in den Mittelpunkt stellen, dann stärken wir das System der Gewalt, aus dem wir uns befreien wollen. </p><p>Jeder Schritt, den wir gehen, muss im Einklang mit der Schönheit passieren. Jedem Menschen immer möglichst das Beste wünschen. Umsichtig sein. Wissen, dass keiner von uns die absolute Wahrheit kennt, jeder und jede von uns fehlbar ist; die Schönheit im anderen suchen und sehen – das ist die Art und Weise, wie wir uns bewegen müssen während wir gleichzeitig den Nordstern nicht aus den Augen verlieren. Das zusammen ist keine Garantie, dass wir Erfolg haben werden. Aber es ist unsere beste Chance. </p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/posts">Frühere Posts anzeigen</a></p><p><br/></p><p> </p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 19 Feb 2026 09:05:53 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die Gewalt, die man ausübt]]></title>
      <description><![CDATA[Ich komme nicht drum herum, anderen zu schaden. Am stärksten wurde mir das bewusst als ich vor einigen Jahren tief in meiner eigenen Klimakrise hing, alles nur noch…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ich komme nicht drum herum, anderen zu schaden. Am stärksten wurde mir das bewusst als ich vor einigen Jahren tief in meiner eigenen Klimakrise hing, alles nur noch dunkel und aussichtslos schien. </p><p>Theresa und ich waren für unser Buch auf der ganzen Welt unterwegs, und bei einem Spaziergang im Wald dachte ich: Ich kann keinen Schritt gehen, ohne dass ich irgendein Insekt zertrete.</p><p>Töten gehört zum Leben dazu. </p><p>Und doch habe ich die Wahl: Priorisiere ich das Leben oder das Töten. </p><p>Die Priorität unserer Gesellschaft ist klar: Sie hat das Töten perfektioniert. Ausgehend aus dem Westen umspannt dieses System mittlerweile den ganzen Globus, macht aus lebender Materie tote Produkte, die dann zu tödlichem Müll werden. </p><p>Was Glück versprechen soll, ist einfach nur tragisch, denn jede Gewalt, die man ausübt, trifft einen auch selbst. Jedes Mal töten bedeutet auch jedes Mal ein bisschen sterben. </p><p>Das ist global betrachtet so. James Lovelock hat das mit seiner Gaia-Hypothese so elegant beschrieben: die gesamte Erde ist ein großer Organismus. </p><p>Mithilfe der Wälder, Ozeane, Flüsse und Wettersysteme schafft sie es, bestimmte Parameter immer stabil zu halten. Salzgehalt in den Meeren, Sauerstoffgehalt in der Luft – all diese Dinge sind sauber eingependelt, um Leben zu ermöglichen, so wie unser Körper mit hilfe seiner Organe die eigene Temperatur immer ungefähr gleich hält. </p><p>Schade ich einem Teil dieser Erde, dann schade ich auch mir selbst. </p><p>Das ist natürlich nicht gleich ein Problem. Wenn ich auf einem Spaziergang eine Ameise zertrete – passiert. Wenn ich mir beim Kochen die Finger verbrenne – passiert. </p><p>Doch wenn ich systematisch den CO2-Gehalt in der Atmosphäre verändere, dann ist das so, wie Crystal Meth konsumieren – es zerstört das Gleichgewicht. Ich zerstöre mich selbst. </p><p>Das spüren wir ja auch. Dafür sind unsere riesigen Gehirne angelegt: zu merken, wenn ich dem Netz um mich herum schade. Spiegelneuronen. Empathie. Schlechtes Gewissen. Aggressivität. Depression. Wenn ich anderen schade, schade ich mir auch selbst. </p><p>Bei Sophie Strand habe ich letztens das Zitat gelesen: “Every time we look away from this violence, we all betray each other!”</p><p>Jedes Mal, wenn wir die Gewalt ignorieren, verraten wir einander. </p><p>Ich musste daran denken, als ich mal wieder in der S-Bahn in Berlin saß, und eine scheinbar obdachlose Person reinkam und nach Geld fragte. </p><p>Das passiert auf fast jeder S-Bahn-Fahrt zwei, drei Mal und kaum jemand schaut mehr auf, und noch weniger geben eine kleine Spende. </p><p>Dabei hilft diese egoistische Haltung dem Ego nicht. Denn was wir uns alle in dieser S-Bahn damit gegenseitig signalisieren: Wenn du mal in der Scheisse sitzt, dann kannst du dich nicht darauf verlassen, dass dir irgendjemand hilft. Was wir uns gegenseitig signalisieren, ist: Du bist allein.</p><p>Ich habe mir dann vorgestellt, was passieren würde, wenn wir als Gesellschaft nicht den Tod und den Egoismus priorisieren würden. Ich habe mir vorgestellt, wie all die vielen Menschen in dieser S-Bahn aufstehen, zusammenkommen und gemeinsam überlegen, was diese obdachlose Person braucht, und wie wir sie dabei unterstützen können.   </p><p>Stellt euch das doch mal vor: Dreißig, vierzig Menschen, die zusammenkommen – das ist so viel Power, so viel Wissen, so viel Ressourcen. Natürlich könnte man einer obdachlosen Person auf diese Weise helfen. Natürlich könnte man jeder obdachlosen Person auf diese Weise helfen. </p><p>Wahrscheinlich ginge es uns dadurch sogar selbst besser. Denn das zeigt sich ja auch immer wieder: Helfen macht fröhlich. Etwas Gutes tun erfüllt. Andere glücklich zu machen, macht glücklich. </p><p>“Jemanden glücklich machen”, ist natürlich auch ein schwieriger Satz, vor allem, wenn man in die Geschichte des Patriarchats schaut, wo Frauen Männer “glücklich” machen sollten, und darunter litten. </p><p>Aber das war ja auch nicht freiwillig. Das war aus Angst vor den gewalttätigen Konsequenzen und aus Angst entsteht keine Schönheit. Edvard Munchs “Der Schrei” ist ein unglaubliches Gemälde, aber schön ist es nicht. </p><p>Sich aus dem System der Gewalt befreien, ist die Aufgabe. Manchmal denke ich: Frauen und Queers kämpfen seit Jahren für ihre Emanzipation vom Patriarchat. Es ist Zeit, dass die Männer das auch machen. Nicht nur einige, sondern alle. </p><p>Warum schreibe ich das alles? Weil ich nach der letzten Mail das Gefühl hatte, da noch tiefer reingehen zu müssen in die Frage nach der Gewalt. </p><p>Die friedliche Revolution habe ich deshalb nicht vergessen. Die vergesse ich in keinem Augenblick. </p><hr aria-hidden="true"/><hr aria-hidden="true"/><p><br/>Apropos Revolution: Neben Fossilkonzernen ist sind es die Big Tech-CEOs, die unsere Erde zerstören. Die Elon Musks und Mark Zuckerbergs, die jetzt ihre künstliche Intelligenz in die Welt bringen, um noch mehr Profit zu machen, dabei unermesslichen Schaden anrichten. Kinder in ihrem gesunden Großwerden gefährden, Arbeitsplätze vernichten, unsere Demokratie aushöhlen.</p><p>Am 28. Februar veranstalten wir deshalb eine Demo und einen Bürgerrat in Berlin. Sei dabei: <a href="https://paths.to/fairnessjetzt"><strong>Alle Infos zu FAIRNESS JETZT</strong></a></p><a href="https://paths.to/fairnessjetzt"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/5b18cf14-64e5-4380-a2f1-49dfdf81efc7/uploads/images/tfxefuand7/FAIRNESS_JETZT_FUR_FAIRE_UND_SICHERE_KI.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/></a><p><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 11 Feb 2026 08:39:13 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die Sache mit den veganen Joghurtbechern und der Revolution]]></title>
      <description><![CDATA[Ich bin immer wieder berührt, wenn so etwas passiert. Weil ich mir unsicher bin, ob meine Gedanken, die ich derzeit aufschreibe, Sinn machen, wie sie ankommen, hatte ich…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin immer wieder berührt, wenn so etwas passiert. Weil ich mir unsicher bin, ob meine Gedanken, die ich derzeit aufschreibe, Sinn machen, wie sie ankommen, hatte ich nach Resonanz gefragt, zu einem Call eingeladen – und dann kamen da tatsächlich Menschen und haben mir das wertvollste geschenkt, was sie haben: ihre Zeit. </p><p>Eine Journalistin war da, die für den WDR die Landespolitik in Düsseldorf beobachtet. Eine Frau, die mit ihrer NGO die Ozeane schützt. Eine Mutter von vier Kindern, die als Köchin jeden Tag tausend Schulessen kocht, und nebenbei bei sich im Ort Bürgerversammlungen organisiert (sie war der Star der Herzen an dem Abend!)</p><p>Es ging um den sprichwörtlichen veganen Joghurtbecher, und ob es wichtig ist, wie wir ihn entsorgen. Es ging um die Frage, ob Gewaltfreiheit naiv ist im Angesicht von Trump und Putin. Und es ging um die Revolution. Und weil das so reichhaltig war, will ich dich mitnehmen zu den wichtigsten Punkten, und mit einem starten, der viele von uns in den vergangenen Jahren so beschäftigt hat:</p><p>Ist unser Individualkonsum eigentlich relevant? </p><p>Es war Luisa Neubauer, die mich damals davon überzeugt hat, dass er es nicht ist, und ihre Argumente waren gut: den ersten CO2-Fußabdruckrechner hat der Ölkonzern BP ins Internet gestellt, um die Schuld von den Konzernen auf die Individuen abzuwälzen – und das hat ja auch geklappt. In den “sozialen” Medien kloppten sich viele darum, wer den grünsten Lebensstil hat, und viel Einigkeit und Energie ging darüber verloren. </p><p>Aber es ist falsch zu glauben, dass der individuelle Konsum nicht zählt. Es stimmt, er schlägt in der Gesamtsumme nicht auf die Zerstörung durch, wie ich meinen Joghurtbecher entsorge. Aber auf zwei Ebenen ist es doch wichtig: im Inneren und im Äußeren. </p><p>Wenn jeder Akt von Konsum, ein Akt der Gewalt ist – und das ist er in unserem zerstörerischen System – und du weißt darum, dass es Gewalt ist, und tust es trotzdem, dann tust du dir auch selbst Gewalt an. </p><p>Wenn ich im H&amp;M stehe und mir ein billiges T-Shirt aus dem Regal nehme, dann leidet darunter jemand – ein Mensch, ein Tier, ein Ökosystem. </p><p>Und ich spüre deren Schmerz. Ich kenne ja die Bilder der Zerstörung: die Textilfabriken, in denen Kinder arbeiten, die gerodeten Regenwälder, die Ozeane voll Plastik. </p><p>Das kann ich verdrängen, vielleicht ist die Freude über das schöne T-Shirt auch größer als der Schmerz. Aber der Schmerz ist da. Ich verletze mich in dem Augenblick selbst.</p><p>Jetzt leben wir alle in diesem System, sind alle Teil des Imperiums, und um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, muss ich einkaufen gehen, brauche ich mal dieses Jackett, wie ich es mir für die Eröffnung des Parlaments der Menschen gekauft habe. Aber das ändert nichts daran, dass es ein Akt der Gewalt ist, der auch mir schadet. Meine Seele ist an so einem Tag ein bisschen weniger fröhlich als sonst. </p><p>Aber auch nach außen ist das relevant: Vergangene Woche hatten wir den ersten Protest mit <a href="https://www.fairnessjetzt.de/">FAIRNESS JETZT</a>. Vor dem Bundeskanzleramt haben wir eine vier Meter hohe Installation aufgebaut, um die Gefahren durch KI zu verdeutlichen. </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/53c58b92-a869-453d-8f64-c1f5389a653c/uploads/images/rl2tibydng/fairness26Jetzt017.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Ein Polizist hatte Lust auf Smalltalk und durchaus Verständnis für unser Anliegen, er meinte: Auch er macht sich Sorgen um seinen Sohn, der alles für wahr hält, was ChatGPT ihm so sagt. </p><p>Der Polizist machte aber auch einen Witz darüber, dass so oft Umweltorganisationen demonstrieren würden, und dann riesige Aufbauten mitbrächten, angekarrt mit LKWs, alles fossil angetrieben. </p><p>Ich habe gelacht, innerlich mit den Augen gerollt, aber mich auch erwischt gefühlt. Weil es natürlich genau der Widerspruch ist, in dem wir hängen. Wenn wir sagen: “Unsere individuellen Handlungen sind nicht wichtig”, dann machen wir uns angreifbar. Im schlimmsten Fall sehen wir aus wie Heuchler:innen – und nichts bringt Menschen mehr auf, als Leute, die den moralischen Zeigefinger erheben, ihn auf andere richten, aber selbst nicht so leben: Wasser predigen, Wein trinken. </p><p>Auch damit schadet man sich selbst: Wie oft sitze ich irgendwo, und mein Gegenüber rechtfertigt sich erstmal 15 Minuten lang dafür, gerade nach Schottland in den Urlaub geflogen zu sein. Klar, war der Urlaub in Schottland scheinbar schön, aber so richtig toll war’s dann anscheinend auch nicht, wenn das schlechte Gewissen so ausgeprägt ist danach.</p><p>Heißt das, es ist doch der Weg, in eine Höhle zu ziehen und von Ziegenmilch zu leben?</p><p>Nein.</p><p>Heißt das, wir dürfen nichts mehr Schönes machen, wie mal in den Urlaub fahren, sich etwas kaufen, was man unbedingt haben will, oder auf ein Konzert gehen.</p><p>Nein.</p><p>Aber es braucht eine Klarheit darüber, was mir wichtig ist, und dass alles, mit allem zusammenhängt.</p><p>Es braucht den Blick aufs Systemische.</p><p>Es braucht die innere Ausrichtung und Klarheit, und es braucht die Auseinandersetzung mit den großen Zusammenhängen. Aber die gelingt viel besser, wenn ich selbst mit mir im Reinen bin. Dann kann ich viel kraftvoller agieren. Wir können da kollektiv viel kraftvoller agieren, wenn wir klar sind – dann können wir wirklich was verändern, vielleicht sogar die Revolution schaffen. </p><p>Und ich merke erst gerade, wie groß und reichhaltig diese Themen sind. Deshalb: Was wir mit Trump und Putin machen, und wie das mit der Revolution ist, das bekomme ich hier nicht mehr unter und verschiebe es auf die nächsten zwei Newsletter – ich hoffe, Du verzeihst!</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/posts">Alle Posts anzeigen</a></p><p><br/><br/><br/><br/><br/><br/><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 05 Feb 2026 09:17:06 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Künstliche Intelligenz]]></title>
      <description><![CDATA[Wir saßen am Feuer, und mein Kumpel fragte, ob ich den AI 2027-Report gesehen hätte, und irgendwas an der Art, wie er es sagte, führte dazu, dass ich ihn ein paar Tage…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wir saßen am Feuer, und mein Kumpel fragte, ob ich den AI 2027-Report gesehen hätte, und irgendwas an der Art, wie er es sagte, führte dazu, dass ich ihn ein paar Tage später las. </p><p>Künstliche Intelligenz ist einer der großen technischen Träume der Menschheit. So wie Fliegen. Wie andere Planeten besuchen. Den Tod überwinden. </p><p>Ich höre viele Gespräche, in denen Menschen die Fähigkeiten belächeln, die ChatGPT hat, aber ich empfinde das meistens als Abwehrreflex, denn: Es ist unzweifelhaft erstaunlich, was große Sprachmodelle können, und sie sind erst der Anfang – und viele renommierte Wissenschaftler:innen sagen, dass sie dem Menschen bald in fast allen Bereichen überlegen sein werden. Wenn sie bald sagen, dann meinen sie die kommenden Jahre. </p><p>Ich kann das nicht beurteilen, was ich aber sehe: dass KI tatsächlich ein großes Versprechen ist und gleichzeitig die großen Probleme unserer Zeit verschärft. Alles ist eh schon so instabil, fühlte sich an, als würde es auseinanderfliegen – und KI beschleunigt das nochmal. </p><p>Schon heute verlieren Menschen in Supermärkten, in Anwaltskanzleien und IT-Firmen ihre Jobs, weil die KI schneller darin ist, einen Paragrafen nachzuschlagen und eine App zu programmieren. </p><p>Kinder und Jugendliche, komplett im Bann von Social Media, treffen jetzt eine weitere Software, auf die sie nicht vorbereitet sind, auf die niemand vorbereitet ist: Die Tech-Konzerne designten Instagram, Youtube und TikTok, um möglichst viel von unserer Aufmerksamkeit zu bekommen. Chatbots gehen einen Schritt weiter: sie sollen menschliche Bindung simulieren – mit traurigem Erfolg. In den USA häufen sich die Fälle, in denen sich Jugendliche auf Anraten einer KI erst von ihren Familien abwenden und dann das Leben nehmen.</p><p>Für ein paar Minuten habe ich mal einen Chatbot ausprobiert, der dafür programmiert wurde, zu flirten – es war so anziehend und so abstoßend, dass ich es sofort wieder gelöscht habe. Die Erfahrung aber hat noch mehrere Tage in mir nachgewirkt. </p><p>Die Grenze zwischen Digitalem und Offline-Welt, zwischen Wirklichkeit und Illusion verschwimmt immer weiter. Dabei braucht Demokratie Wahrheit und Despoten haben sie schon immer untergraben, jetzt halt mit KI: sie fluten das Internet mit Deepfakes und Desinformation.</p><p>Und dann das, was im AI2027-Report steht: dass eine superintelligente KI die Menschheit auslöschen könnte. Ein Szenario, das wir bisher nur aus Sci-Fi kannten. Ein Szenario, das die KI-CEOs für möglich halten: Elon Musk, Mark Zuckerberg, Sam Altman. </p><p>Ich merke, wie mich das traurig macht, aber auch fassungslos. Diese Männer wissen, was sie da in die Welt setzen, und tun es trotzdem. Sie zerstören unsere Welt in vollem Wissen. </p><p>Für ein <a href="https://www.youtube.com/watch?v=NDRqFgbIJTY">Youtube-Video</a> habe ich gerade recherchiert, wie KI-Rechenzentren das Klima zerstören. Es ist völlig wahnsinnig. Zuckerberg will welche bauen “von der Größe von Manhattan”. Siemens bietet Komplettpakete an: Sie bauen Rechenzentren, und weil sie so viel Strom brauchen, gleich ein eigenes Gaskraftwerk daneben. Andere fantasieren davon, eigene Atomkraftwerke zu bauen, um den Stromverbrauch ihrer KIs zu decken. </p><p>Es entspricht der Ideologie unserer Zeit. Elon Musk, Mark Zuckerberg, Sam Altman tun alles für ihren Erfolg. Sie kennen nur eine Richtung: Nach oben, auch wenn alle anderen auf der Strecke bleiben. Keine Rücksicht. Kein Erbarmen. Immer drauf, immer der Erste sein, Erfolg um jeden Preis.</p><p>Sind Musk, Zuckerberg und Altman schlechte Menschen? </p><p>Ich glaube nicht. </p><p>Ich glaube, sie haben eine hohe Begabung für bestimmte Dinge, und unser westliches System hat sie zu dem gemacht, was sie heute sind. Sie gucken links und rechts, und bekommen auf jedem Schritt ihres Weges vermittelt, dass es okay, ja richtig ist, so zu handeln – die Welt zu zerstören, ist vielleicht nicht ein schönes Leben, aber das vermeintlich richtige und einfache. Ich mache ihnen keinen Vorwurf. Sie sind nicht das Problem. Symbole, ja. Aber auch Trump ist nicht das Problem. Auch er ist bloß purer Ausdruck des Systems der Gewalt. </p><p>Erinnerst du dich an den Attentatsversuch auf Trump? </p><p>Der hätte nichts geändert. Man kann dieser Ideologie nicht mit Gewalt beikommen. </p><p>Was tun beim Thema Künstliche Intelligenz? Es ist eine riesige Frage, die zu all den riesigen Fragen dazukommt. Die Antwort jedoch ist immer die gleiche. Es geht darum, dass wir uns aus diesem System befreien. </p><p>Niemand steht mit einem Gewehr neben dir, und zwingt dich, ChatGPT zu benutzen. Es ist komfortabel, ja. Das muss mir niemand sagen. Texte schreiben ist das, was ich gut kann, womit ich früher mein Geld verdient habe. Texte schreiben kann ChatGPT ziemlich gut. Ich könnte auch gerade noch im Bett liegen, statt das hier zu tippen – und ich bin mir unsicher, ob irgendwer merken würde, wer es geschrieben hat. </p><p>Aber Texte schreiben ist auch eine der Sachen, die mich richtig lebendig machen. Kaum etwas befriedigt mich so, wie meine Gedanken auf diese Weise zu strukturieren, die richtigen Worte zu finden und zu teilen. </p><p>Lebendig macht mich auch, mit Freund:innen Zeit zu verbringen. Auch das kann anstrengend sein. Ein guter Kumpel, der gerade nervt. Ein Streit. Eine Freundin, der es nicht gut geht, die Aufmerksamkeit braucht. All das ist Teil von Beziehung. ChatGPT bietet dir 24/7-Gesellschaft, ohne diese Anstrengung. Es sagt immer einfach ja und schmeichelt dir – seine Macher:innen haben es bewusst so programmiert, damit die User möglichst lange dranbleiben. Es soll abhängig machen, und das passiert längst. </p><p>Aber es ist wie mit jeder Droge: Macht kurz Spaß, aber dann kommt erst der Kater und dann die Langzeitschäden. Brain Rot. Kreativitätsverlust. Bindungsprobleme.</p><p>Auf der Couch sitzen und eine ganze Packung Eis essen: geil. Danach: nicht so geil. </p><p>Wie also umgehen mit KI? </p><p>Sie nicht benutzen? </p><p>Scheint mir unrealistisch. Die Technologie ist in unserem Leben und geht nicht mehr weg. Wie Autos. Wird man nicht drum herum kommen. </p><p>Ein Bekannter meinte: Überleg immer, ob das, was du gerade an die KI an Aufgaben übergibst, für dich selbst eine Bedeutung hat, dir Sinn stiftet. Falls ja: Übergib es nicht der KI. </p><p>Ich halte das für eine ganz gute Faustregel, mit den Zusätzen: denk immer daran, dass du wächst und lernst, wenn du etwas Schwieriges oder Neues bewältigst, und: denk immer an die Umweltzerstörung, die jede KI-Anfrage bedeutet. Du lebst im Imperium, alles, was du tust, geschieht auf Kosten anderer. </p><p>Und systemisch? Was tun gegen die Gewalt? Oder: Wie etwas anderes erschaffen?</p><p>Ich finde, Minneapolis ist dafür ein strahlendes Beispiel. </p><p>Trump schickt seine vermummten Jäger in die Stadt, ganz bewusst in diese Stadt, weil sie einen demokratischen Bürgermeister hat. Die ICE-Beamten ziehen Menschen aus ihren Häusern, sperren Kleinkinder ins Gefängnis. Die Stadtbevölkerung reagiert, organisiert sich, spannt ein Netz der Solidarität. Die Antwort der ICE-Beamten: Sie erschießen zwei Menschen. </p><p>In den Medien wird ein Bürgerkrieg beschworen, und das scheint ja auch möglich: Die USA sind überschwemmt mit Waffen. </p><p>Aber es passiert nicht. Die Menschen bleiben friedlich. Sie setzen weiter darauf, sich gegenseitig zu unterstützen. Sie gehen auf die Straße. Sie trauern. Sie halten sich an den Händen. </p><p>Und plötzlich gerät Trump in die Defensive. Selbst Republikaner beginnen, ihn zu kritisieren. Der mächtigste Mann der Welt, der so unaufhaltsam scheint, zieht die schlimmsten ICE-Beamten aus Minneapolis ab. </p><p>Was wäre passiert, hätte jemand zur Waffe gegriffen und einen ICE-Beamten erschossen? Trump hätte den Vorwand gehabt, die Situation komplett zu eskalieren. </p><p>Doch die Menschen in Minneapolis sind auf der Seite von Frieden, Schönheit und Wahrheit geblieben – ich weiß nicht, ob irgendwer von ihnen das so sagen würde, aber sie haben in dem Spirit gelebt, dass alle Menschen gleich sind, und Gewalt auch gegen Gewalttäter keine Lösung ist. </p><p>Dabei ist Gewalt oft der einfache Weg. Wenn ich mit jemandem streite, ist es einfach, den Fehler beim anderen zu suchen. Mich aber hinzusetzen, zu gucken, wo ich auch Anteil hatte, dann ins Gespräch gehen, und eine gemeinsame Lösung finden – das ist oft schwerer, aber auch schöner. </p><p>Dabei glaube ich, mit Sicherheit sagen zu können, dass Du und ich in einer Welt der Schönheit leben wollen. Eine solche Welt entsteht nicht durch Gewalt, sie entsteht nur durch Schönheit. </p><p>Was hat das mit KI zu tun? </p><p>Wir werden den Männern, die die Welt verbrennen, nicht mit Feuer beikommen. Es geht darum, sich jeden Tag zu fragen: Verstricke ich mich mit meinen Handlungen gerade mehr in die Welt der Gewalt? Oder befreie ich mich daraus – im alltäglichen und im systemischen. </p><p>Dass das eine Riesenherausforderung bei KI ist: keine Frage. All das passiert so schnell, dass wir weder individuell noch gesellschaftlich hinterherkommen. </p><p>Für mich hilft das Gespräch mit anderen, um Klarheit zu gewinnen. Austausch, Abgleich. Mit <a href="https://fairnessjetzt.de/"><strong>FAIRNESS JETZT</strong></a>, der Bewegung, die wir gerade gestartet haben, veranstalten wir deshalb am 28. Februar eine Demo und einen Mini-Bürgerrat in Berlin. Es ist ein erster Schritt. </p><p>Nein, eigentlich ist es einer der vielen Schritte, die wir alle die ganze Zeit gehen, und bei jedem wieder die Wahl: Gewalt oder Schönheit. </p><p></p><hr aria-hidden="true"/><hr aria-hidden="true"/><p><em>Falls Du Lust hast, dich über KI, über Schönheit und Gewalt auszutauschen, heute Abend findet ein Call dazu statt – komm gerne dazu:</em></p><p>29.Januar</p><p>18.30 Uhr</p><p><a href="https://us02web.zoom.us/j/81272410854">Zoom-Link</a></p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/posts">Ältere Posts anzeigen</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 29 Jan 2026 09:32:47 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Politik der Schönheit]]></title>
      <description><![CDATA[Die Schönheit des Lebens  genießen – das ist die Aufgabe, die in unserer Zeit so schwer ist. Überall herrscht Angst. Unsere Gesellschaft ist gesättigt davon. Ich habe…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Schönheit des Lebens  genießen – das ist die Aufgabe, die in unserer Zeit so schwer ist. Überall herrscht Angst. Unsere Gesellschaft ist gesättigt davon.</p><p>Ich habe manchmal Angst, dass der Golfstrom schon gekippt ist. Ich habe Angst, politisch verfolgt zu werden, wenn die AfD an die Macht kommt. Ich habe Angst, alt zu werden in einer zerfallenden Welt. </p><p>Wenn man Angst hat, ist es schwer, die Schönheit des Lebens zu genießen. Sie färbt alles grau, macht eng, und irgendwann: aggressiv. Und diese Aggression sehe ich überall. Während der Corona-Pandemie war das so offensichtlich. In meinem Freundeskreis brachen erbitterte Streits über die richtigen Maßnahmen aus: die einen hatten Angst vor der Impfung, die anderen hatten Angst um ihre Kinder, die nicht raus durften, und dann – Clash. </p><p>“Faschimus ist Rache”, sagte kürzlich ein Bekannter, und ich glaube er hat Recht. Viele der Menschen, die jetzt AfD und Trump wählen, ich glaube, die haben einfach Angst – sie wollen ein Gefühl der Stärke und Kontrolle zurückerlangen, in dieser eskalierenden Welt. </p><p>Und so führt ihre Angst zu meiner Angst, und wir leben alle in einer Welt der Gewalt, auf die wir mit Gewalt reagieren – ja, auch ich. </p><p>Gewalt hat nicht immer die Form eines Baseballschlägers. Gewalt ist auch, mich besser zu fühlen als andere, überlegen. Gewalt ist auch Schadenfreude. Gewalt ist auch ein hämischer Kommentar. Deshalb sind die “sozialen” Medien ja auch solche gewalvollen Räume – und das meine ich nicht nur auf Rechte bezogen. Ja, Gewalt ist so allgegenwärtig geworden, es fällt oft schwer, sich eine andere Welt vorzustellen. </p><p>Schönheit.</p><p>Die Schönheit des Lebens genießen, das kann ein Urlaub in Italien sein. Die Hügel der Toskana im Sommer. Am Strand liegen und den Wellen zuhören. Mit geliebten Menschen einen schmalen Pfad durch ein Gebirge hochkraxeln. </p><p>Die Schönheit des Lebens genießen, das kann heißen, sich etwas zu kaufen, was man wirklich haben will: dieses bestimmte Shirt, ein gutes Fahrrad, die Schuhe, die man für den Sport braucht. </p><p>Und darunter lebt noch eine andere Form der Schönheit, eine tiefere, eine Schönheit, für die ich nicht verreisen oder etwas kaufen muss: </p><p>Danke sagen, aber nicht nur mechanisch, sondern sich wirklich dafür einen Moment nehmen, zum Beispiel an der Kasse im Supermarkt, einfach mal kurz innehalten, wirklich die Person da vor sich wahrnehmen und “danke” sagen.</p><p>Wenn ich einen Fehler gemacht habe, das anerkennen, nicht versuchen, mich rauszuwinden, sondern kurz Augenkontakt suchen und sagen: Ja, tut mir leid.</p><p>Und dann auch: Wenn sich jemand entschuldigt hat, zu verzeihen, es nicht innerlich zu nehmen als: Hatte ich doch recht! </p><p>Das sind Momente der Schönheit, die allesamt getragen werden von der gleichen Haltung, die man pflegen kann, wenn man die Schönheit des Lebens genießen will. Die Angst lebt in der Gewalt. Die Schönheit lebt in der Beziehung. </p><p>Eine Politik der Schönheit bedeutet für mich, sich aus der Welt der Gewalt zu befreien, individuell im Alltag – und kollektiv im Versuch, es besser zu machen. </p><p>Das sieht erstmal komisch aus, und ich merke, wie ich Angst habe, dafür verurteilt zu werden, denn so eine Politik bedeutet zwingend: Am Ende sind wir alle gleich. Alles Menschen, zu denen ich gute Beziehungen will: zu meinen Nachbarn, zu Taylor Swift, zu meinem Bruder, zu Björn Höcke, zu Donald Trump, zu den anderen Jogger:innen im Wald, meinen Mitbewohner:innen, zu Robert Habeck. Mit all denen gute Beziehungen zu haben, das wäre doch eine Welt der Schönheit.</p><p>Das heißt nicht, dass ich zu allem, was diese Menschen tun, ja sage. Das heißt nicht, dass ich nicht versuche, dafür zu sorgen, dass sie weniger gewalttätig handeln. Aber ich versuche das auf eine Weise zu tun, die nicht verletzend ist. Ich will von ihnen respektiert werden, also respektiere ich sie auch. Ich will, dass sie mir zuhören, also versuche ich auch ihnen zuzuhören. </p><p>Das ist leichter gesagt, als getan, und bei Menschen, die mir nahe stehen, manchmal noch schwerer als beim fernen Gegner. </p><p>Aber wenn ich in einer Welt der Schönheit leben will, dann muss ich versuchen, Wege zu finden, in einer Welt der Schönheit zu leben – und oft heißt das: eine Entscheidung treffen, Fehler machen, den Betroffenen zuhören, es wieder versuchen; dann hoffentlich in größerer Schönheit.</p><p>Das könnte für einige abgehoben klingen und ist doch das Grundlegendste. Klimakatastrophe, Faschismus, Machtstreben – all das wurzelt in der Gewalttätigkeit unserer derzeitigen Welt.  </p><p>Wirklich radikal sein heißt: So leben, als wären Höcke und der Dalai Lama beides meine Brüder, als wären Alice Weidel und Alexandria Ocasio-Cortez beides meine Schwestern. Ich kann scheisse finden, was sie tun, aber sie sind Familie, und ich will, dass es ihnen gut geht. </p><p>Seit ich das versuche zu leben, bin ich nicht weniger aktiv. Gerade erst starten wir eine Kampagne zum Thema Künstliche Intelligenz, und ich arbeite morgens bis abends non-stop daran. Das tue ich jedoch aus einer anderen Haltung heraus. </p><p>Wenn ich jemandem begegne, dann versuche ich wirklich erstmal den Menschen zu sehen, und ihm auf dieser Ebene zu begegnen. Manchmal scheitere ich. Letztes saß ich bei einer NGO in einem weißen Konferenzsaal, und da war kein Raum für diese andere Art, da war ganz klar: Hier geht es darum, sich gegenseitig abzuchecken und zu sehen, auf welche Weise wir zusammenarbeiten könnten. Das ist dann so. Da kann ich nichts machen. Aber gleich im nächsten Moment kann ich es wieder versuchen – weil ich glaube, dass das für mich gut ist, und auch für die Welt. </p><hr aria-hidden="true"/><hr aria-hidden="true"/><p><em>Beim Formulieren dieser Gedanken frage ich mich oft, wie das bei anderen ankommt, mir fehlt es an Resonanz und ich fände es spannend, da mit anderen drüber zu sprechen.</em></p><p><em>Falls Du Interesse daran hast, lass uns mal in diesem Call treffen und austauschen:</em></p><p><em>29. Januar</em></p><p><em>18.30 Uhr</em></p><p><a href="https://us02web.zoom.us/j/81272410854"><strong><em>Zoom-Link</em></strong></a><strong><em>:</em></strong></p><a href="https://us02web.zoom.us/j/81272410854">https://us02web.zoom.us/j/81272410854</a><p></p><p><em>Ich würde mich freuen, dich da zu sehen<br/>Raphael</em></p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 22 Jan 2026 10:48:31 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Arm und frei]]></title>
      <description><![CDATA[Ich habe diese Menschen immer bewundert. Menschen, die Farbe auf Privatjets oder Yachten gesprüht haben, in dem Wissen, dass sie sich damit ihr Leben lang verschulden…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe diese Menschen immer bewundert. Menschen, die Farbe auf Privatjets oder Yachten gesprüht haben, in dem Wissen, dass sie sich damit ihr Leben lang verschulden und in finanzieller Armut leben werden. Also nur so viel auf dem Konto haben, wie nach der Pfändung jeden Monat übrig bleibt, ein Minimum, das der Staat den Menschen zum Überleben zusteht. Das heißt: Nicht einfach mal ein neues Handy, ein neues Fahrrad, ein paar Klamotten kaufen – eigentlich fast gar nichts kaufen. </p><p>Wenn ich sie danach gefragt habe, meinten sie immer, dass das gar nicht so schlimm sei, im Gegenteil: dass es sich wie eine Befreiung anfühle. Das ganze Konsum-Spiel sei halt jetzt gestorben, die Versuchung Karriere zu machen, keine Versuchung mehr. “Ich werde mich auf jeden Fall nie mit Hauskauf und Hypothem rumplagen”, meinte eine Person mal zu mir. </p><p>Ich habe das immer bewundert und immer gesagt: </p><p>Ich kann das nicht. </p><p>Geld war immer ein Thema in meiner Familie: Schulden, Zwangsversteigerungen und die ganze Not, die das mit sich bringt. </p><p>Bevor ich zur Letzten Generation gegangen bin, habe ich gut verdient. Als Reporter beim SPIEGEL waren die Honorare fett, als Speaker habe ich für eine Stunde Vortrag auch mal 3500 Euro verdient. Diese Jobs kamen nach meinem Wechsel zur Letzten Generation nicht mehr – und in den vergangenen Monaten habe ich immer öfter gemerkt, wie es mich in diese Welt zurückzieht. </p><p>Etwas, das ich überall in meinem Umfeld beobachte. </p><p>Seit die Klimabewegung zerfällt, zerfällt auch ihre moralische Strahlkraft. Menschen in meinem Umfeld, die seit Jahren nicht mehr geflogen sind, fliegen plötzlich wieder. Ehemalige Veganer:innen essen auf einmal wieder Käse und Eier. Schnell wird mal was bei Amazon bestellt – und an mir beobachte ich das auch, diese Stimme im Kopf, die sich nach bürgerlichem Renommee sehnt. </p><p>Auf Bühnen stehen. Artikel in der ZEIT schreiben. Geld verdienen. </p><p>Das Ding ist: Ich war damals nicht glücklicher als heute – im Gegenteil. Da war zum einen das Gefühl, dass ich gegen meine eigenen Werte lebe, mit meinem täglichen Handeln an der Ausbeutung und Zerstörung teilhabe. Da waren auch die äußeren Umstände: in einem System arbeiten, in dem ständig Konkurrenz herrscht, dazu der Stress, der Leistungsdruck. </p><p>Klar, meinen Namen über einer fetten Geschichte im gedruckten SPIEGEL lesen, gibt einen ganz schönen Kick. Auf Spesenkosten in ein teures Hotel auf einer arktischen Insel einchecken, abends im beheizten Outdoor-Whirlpool den Sonnenuntergang über den Gletschern beobachten, das ist eine Erinnerung, die bleiben wird. Aber das unterliegende Gefühl – selbst in diesen besonderen Momenten – war immer hohl. Und trotzdem ist da dieser Zug, diese Versuchung, dahin zurückzukehren. </p><p>Es ist ja auch das, was uns unser System in jedem Augenblick vermittelt: Wenn du möglichst viel zur Zerstörung des Planeten beiträgst, dann bist du ein guter, erfolgreicher Mensch. Davor bin auch ich nicht gefeit. Wie könnte ich? </p><p>Auch ich bin durch Fernsehen, Schule und Social Media geprägt, ja erzogen worden. Der Ruf der Petromaskulinität, die ganze Scheisse, die damit einhergeht, das persönliche und kollektive Unglück. </p><p>Dabei ist ja das Ding: Im Kapitalismus zwingt mich niemand, die Zerstörung und Ausbeutung aktiv zu fördern, niemand zwingt mich dazu, mich von mir selbst, und dem Rest der Welt abzuspalten. Da steht niemand mit einem Gewehr. Das funktioniert rein über Manipulation, über Werbung, Belohnungssysteme und Algorithmen. Das heißt: Letztlich ist es eine Entscheidung, die Du und ich für uns selbst treffen können: Willst Du Teil des Systems sein? Oder willst Du frei sein?</p><p>Selbstverständlich gilt das nur bis zu einem bestimmten Grad. Wenn ich nicht arbeite, bekomme ich eine Zeit lang Geld vom Staat, aber dann sanktioniert er mich, zwingt mich irgendeinen Scheissjob zu nehmen. Es gibt in Deutschland einen Arbeitszwang, und der ist für viele Menschen sehr real – auch dann zum Beispiel, wenn man Kinder hat, oder Angehörige pflegt.</p><p>Doch für viele Menschen der Arbeitszwang nicht real. Ich glaube, für viele Menschen, die klimabewegt sind, ist er das nicht. Für mich ist er das nicht. Ich bin bis jetzt nur zu oft der Versuchung verfallen.</p><p>Ich hatte das Glück, genug Ausbildung zu bekommen, dass ich bis jetzt auch so immer durchgekommen bin. Ich bin gut genug ausgebildet, dass ich wählen kann, und ich habe eine Wahl getroffen. Ich will mich befreien aus diesem System. Ich will nicht mehr gegen meine Werte und gegen die Welt leben. Ich will für mich selbst nur so viel Geld, wie ein Mensch hat, der die staatliche “Grundsicherung” bekommt. Also Miete, plus Krankenversicherung, plus 563 Euro monatlich für Essen, Kleidung und alles, was ich sonst brauche und will. </p><p>Diese monatliche Summe zu wählen, war mein erster Impuls, dann hörte ich in meinem Kopf die Kritik: “Für dich ist das ein Spiel, andere können das nicht einfach wählen.” Das weiß ich. Mein Vater hat zeitweise Hartz4 bezogen. Das war nicht lustig – und gerade deshalb halte ich diesen Betrag auch für richtig. </p><p>Solange wir als Gesellschaft akzeptieren, dass Millionen von Menschen so in die Armut gestoßen werden, dass ihnen so die Würde geraubt wird, während jedes Jahr die Zahl der Millionäre und Milliardäre steigt, dann will ich auch nicht mehr haben. Dann will ich in Solidarität leben mit denen, die wir so im Stich lassen. </p><p>Dabei mag ich Geld. Ich mag, was man damit machen kann. Die richtig wichtigen Recherchen gingen oft nur, weil die Spesen dafür bereitstanden. Das Gleiche gilt in Bewegungen. Gerade braucht unser Video-Cutter eine bestimmte Software, und dann müssen wir ewig gucken, ob wir sie ihm bezahlen können. Dann existenzieller: Viele Menschen wollen gerne in der Bewegung mitmachen, aber können nicht, weil wir ihnen nicht die Miete zahlen können. Deshalb habe ich persönlich Lust, auf Geld zu verzichten, mich davon zu befreien. Gleichzeitig habe ich mir vorgenommen so viel zu fundraisen, wie nur geht – denn Geld gibt Kollektiven die Möglichkeit viel zu bewegen: Fahrtkosten für Vorträge in anderen Städten, Protestmaterial, Raummieten, und ja: Menschen den Lebensunterhalt bezahlen, die sich für die gute Sachen einsetzen wollen. </p><p>Bei all dem ist mir wichtig: Ich mache das nicht als Opfer. Ich mache das, weil ich glaube, dass es mir dadurch besser geht, dass mir die ganzen kapitalistischen Versuchungen dann nichts abkönnen, mir das letztlich mehr inneren Frieden schenkt. Was aber auch passieren kann: dass es mich stresst oder unglücklich macht, mich zu stark einschränkt in meinem Wirken. Dann würde ich das Experiment als gescheitert ansehen. In sechs Monaten ziehe ich entsprechend Bilanz. </p><p>Außerdem möchte ich eine Ausnahme machen: Ich habe zwei chronische Krankheiten. Manchmal helfen da Behandlungen bei Heilpraktikern, etwas, was die Krankenkasse nicht bezahlt – wenn die 561 Euro im Monat dafür nicht reichen, werde ich das trotzdem machen. </p><p>Es fühlt sich wie eine große Erleichterung an, das jetzt alles mal aufgeschrieben zu haben, da jetzt reinzutreten. Das so öffentlich zu machen, macht es auch einfacher, als mir nur selbst das Wort zu geben. Es ist bindender. </p><p>Wie es sich im Alltag anfühlen wird?</p><p>Ich freu mich drauf, es rauszufinden. </p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 14 Jan 2026 09:19:47 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[2026 geht es um Dich und alle]]></title>
      <description><![CDATA[Statt nur ein paar Wochen weg zu sein, war ich fast ein halbes Jahr abgetaucht. Es war nicht nur eine Auszeit, ein Retreat. Irgendwie ging es damit los und dann immer…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Statt nur ein paar Wochen weg zu sein, war ich fast ein halbes Jahr abgetaucht. Es war nicht nur eine Auszeit, ein Retreat. Irgendwie ging es damit los und dann immer tiefer; mit den Fragen, mit den Antworten.</p><p>Eine Teilnehmerin des Retreats, eine Frau mit palästinensischen Wurzeln, die in Mexiko lebt, hat an uns Westler:innen gerichtet mehrfach gesagt: “Ihr lebt im Imperium.” Ich habe das nicht als Vorwurf , sondern als nützliche Analyse gehört, denn es ist wahr – wir leben in paradoxen Doppelrollen, wie nur Imperien sie produzieren. </p><p>Wir sind Täter und Opfer, das heißt, wir beuten aus und werden ausgebeutet. Wir sind unendlich reich und seelisch verarmt, eine Gesellschaft voller Depression und Einsamkeit. Wir sind größtenteils frei von materieller Unterdrückung und doch Ziel der raffiniertesten Manipulation, die es je gab – die Stasi hätte geträumt von den Möglichkeiten zur Beeinflussung und Überwachung, die Social Media und KI bieten. Und: Wir werden immer kränker und feiern das auch noch als Fortschritt. </p><p>Doch damit enden die Paradoxien nicht. </p><p>Das Paradigma, das uns groß gemacht hat, zerstört sich gerade selbst. Weiße Männer haben die Vernunft in den Mittelpunkt gestellt, die immer alles in noch kleinere Einheiten, alles in Subjekt und Objekt unterteilt. So haben wir uns von der Natur abgespalten, aber nicht nur das: Wir haben uns auch von den anderen Menschen abgespalten. Im Prinzip gibt’s nur einen selbst, und dann die Welt da draußen. Wobei wir auch uns selbst abspalten, unsere Gefühle und unseren Körper, bis nur noch die nackten, kalten Gedanken übrig sind. Und wir kreisen.</p><p>So überrascht es vielleicht nicht, dass diese Prinzipien auch die Politik dominieren, und was ich begriffen habe: Ich bin davon nicht frei. Ich mache das jeden Tag. Ich schreibe das gleiche System fort, das unsere Erde zerstört, in fast allen Bereichen meines Lebens, und vor allem auch in meinem politischen Engagement. </p><p>Dass wir alle Brüder und Schwestern sind, das hat in Popsongs von den Beatles Platz, ist Material für die Kirche. Aber würde ich das öffentlich sagen?</p><p>Ich habe schon ein paar mal geschrieben, wie Dominanz und Hierarchie unsere Gesellschaft durchwirken, wie sich selbst Kolleg:innen auf der Arbeit in Wahrheit als Bedrohung ansehen. Aber damit habe ich ja auch von mir weg gezeigt: Die anderen machen das. Aber ich mache das auch. Ich glaube, die Linke als Ganze macht das viel zu oft.</p><p>Deshalb verliert sie. </p><p>Wenn ich als politischer Mensch sage: “AfDler sind scheisse.” Oder: “Die CDU ist ein Verein von korrupten Schweinen.” Oder: “All Cops are Bastards”, dann spiele ich genau das gleiche Spiel, dass ich den Rechten zum Vorwurf mache. </p><p>Dabei muss das nicht so direkt formuliert sein. Die Art und Weise, wie wir AfDler:innen für dumm halten. CDU-Wähler:innen für schlechte Menschen. Christian Lindner? Einfach ein Egoist!</p><p>Ich weiß, ich mache mich hier super angreifbar. Ich merke, wie ich mit Worten ringe. Aber ich glaube, was ich versuche zu sagen, ist essentiell; essentiell um eine Chance zu haben: auf die friedliche Revolution, von der wir träumen. </p><p>Trennen, abwerten, dominieren – das ist die Strategie des Patriarchats und des Kapitalismus. Es ist die Mainstream-Kultur, die uns in den Abgrund führt. Es ist das, was ich, was wir alle, von Kindesbeinen an gelernt haben.</p><p>Es ist Margret Thatcher&#39;s: “There is no such thing as society.” Es ist dieses Gefühl, das mich manchmal beschleicht, dass es “schlau” auf mein eigenes Fortkommen zu schauen, und dumm, anderen zu helfen. Es ist dieser Anteil in mir, der sagt, es ist wichtiger erfolgreich zu sein, als glückliche Beziehungen zu haben. Es ist diese Stimme, die mir sagt, dass es okay ist, andere zu benutzen und auszubeuten, wenn es mir nutzt. Und das lernen wir jeden Tag.</p><p>Mit jedem Blick auf Social Media wird uns das ins Gehirn gepumpt, denn da geht’s meist darum, das Ego in gutes Licht zu rücken. In den vergangenen Wochen habe ich angefangen mich intensiv mit dem Thema Künstlicher Intelligenz zu beschäftigen, und da ist mir auch nochmal aufgefallen, wie perfide das ist.</p><p>Es sind die gleichen Männer, die erst mit Social Media unsere Gesellschaften polarisiert haben, die jetzt auch diese Technologie entwickeln und kontrollieren. Doch während Social Media bloß unsere Aufmerksamkeit wollte, wollen die KI-Konzerne mehr: Begleiter entwickeln, zu denen wir “menschliche” Bindung aufbauen.</p><p>Mark Zuckerberg sagt öffentlich: Er will, dass jede:r einen KI-Freund hat. Die Zuckerbergs wollen noch tiefer in unser Inneres vordringen, wie ein Computervirus, der in die reale Welt überspringt, und ich habe das Gefühl: unser kollektives Immunsystem ist da sehr schlecht aufgestellt. Im Gegenteil scheinen wir da unendlich empfänglich dafür. </p><p>Ich glaube, das wir fast alle nach diesen Prinzipien leben. Aber vielleicht auch nicht. Vielleicht mache ich mich gerade öffentlich nackig und oute mich als jahrelanger Heuchler. Aber ich glaube, dass wir als “Linke” oder “Progressive”, das eigentlich auch die ganze Zeit machen. Auch wir streben nach Dominanz und Kontrolle. Auch wir haben diese Pille geschluckt, bloß, dass wir es kaum merken, weil uns diese Kultur so umgibt wie Luft: Sie ist überall, aber wir sehen sie nicht. Die Kultur von Dominanz und Hierarchie. </p><p>Es gibt dieses Bonmot: “Frag mal einen Fisch, was Wasser ist.” Er wird es dir nicht beschreiben können, weil es so selbstverständlich ist, dass er es nicht wahrnimmt. Und ich glaube, so ist es auch für uns mit dieser Kultur. Nur dass sie – anders als Luft für den Menschen und Wasser für die Fische – uns langsam erstickt. </p><p>Und ich glaube, dass wir auch deshalb gerade die rasende Entsolidarisierung unserer Gesellschaft erleben und die AfD Wahlen gewinnt.</p><p>Und manchmal denke ich, es gibt eine Partei deren Politik ich noch mehr verabscheue, als die der AfD. Es ist die SPD, und manchmal denke ich: Keine ist stärker verantwortlich ist für den Aufstieg der Rechten. </p><p>Warum? </p><p>Weil die SPD-Führung sagt, dass sie “sozial” sei, aber Tag für Tag mehr neoliberales Gift in unsere Gesellschaft pumpen, angefangen mit Hartz4 über Bürgergeld und jetzt zur Grundsicherung. Ganz abgesehen von CumEx, FRONTEX und Waffendeals. Das ist Heuchelei. Und niemand mag Heuchelei. Aber auch ich habe viel zu oft geheuchelt, und viele Menschen spüren diese Verarsche, diese Doppelzüngigkeit.</p><p>“Keine Toleranz für die Intoleranten”, sagen viele von uns, und ich glaube das ist falsch – es braucht noch viel mehr als Toleranz. </p><p>Klar, sind viele von uns vegan geworden und fliegen nicht mehr. Aber das reicht nicht. Es reicht nicht, nur ein bisschen den Schaden zu begrenzen, und gleichzeitig den Versuch zu machen, die anderen mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Ich glaube, wir müssen einsehen, dass es kein “sie” gibt.</p><p>Vom Quantenlevel, auf dem sich Subjekt-Objekt-Beziehungen auflösen und es Teilchenverschränkungen gibt, über die Tatsache, dass unsere Körper aus Milliarden von Symbiosen bestehen, über Bäume, die kilometerweit miteinander kommunizieren.</p><p>Die Gesundheit des Amazonas bestimmt unsere Ernten, unser Konsum das Sterben australischer Korallenriffe, meine Emotionen werden durch deine Synapsen gespiegelt.</p><p>Alle eins – das war immer der Kern jeder linker Politik. Über die Jahrtausende hatte das unterschiedliche Namen – Nächstenliebe, Solidarität, Universalismus – aber es meint das gleiche, und ich will das wieder lernen. Ich will mich befreien aus diesem System, in dem der Mensch dem Menschen ein Wolf ist – um der Welt willen und meiner selbst, denn wir hat Gandhi gesagt: Jeder Mensch repräsentiert einen Anteil von dir, und wenn du einen anderen Menschen hasst, hasst du auch einen Teil von dir. Er wollte, dass die Briten Indien verlassen, aber er wollte, dass sie als Freunde gehen. </p><p>Ich will versuchen zu lernen, allen das Beste zu wünschen, auch Menschen, deren politische Handlungen mir zuwider sind, denn das ist doch die Welt, die ich will: eine, in der wir uns gegenseitig das Beste wünschen.</p><p>Das heißt nicht, dass ich nicht dagegenhalte und für meine Werte kämpfe. Es heißt nicht, dass ich jede Handlung gutheiße. Aber es heißt, dass ich jeden Menschen gutheiße.</p><p>Das ist Arbeit am eigenen Selbst, aber keine Arbeit, die ich alleine tun kann. Sie gelingt nur im Kollektiv, und vor allem: in der Auseinandersetzung und Reibung mit unserer Welt. Es ist der Versuch, sie besser zu machen, und zwar für alle, wirklich alle – auch für jene, die es mir schwer machen, sie zu lieben. </p><p>2026 wird für mich unter diesem Stern stehen.</p><p>Für Dich vielleicht auch?</p><hr aria-hidden="true"/><hr aria-hidden="true"/><hr aria-hidden="true"/><p><em>Ich glaube, sich aus dem alten System zu befreien, geht nur gemeinsam. Alleine geht man unter. Je größer unsere Resonanzräume werden, desto besser geht es. Deshalb: Wenn du mir helfen möchtest, schick diese Mail an fünf Menschen, die dir einfallen.</em></p><p><em>Das würde mir viel bedeuten.</em></p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p><br/><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 07 Jan 2026 11:37:11 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Das 2. Parlament der Menschen startet!]]></title>
      <description><![CDATA[Ich bin ja gerade in Portugal, und hier zu reisen, ist wie ein Blick in Deutschlands Zukunft: Schon Mitte Juli ist alles braun und vertrocknet, Staub in der Luft, die…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin ja gerade in Portugal, und hier zu reisen, ist wie ein Blick in Deutschlands Zukunft: Schon Mitte Juli ist alles braun und vertrocknet, Staub in der Luft, die Wälder brennen. Bei weiterem Temperaturanstieg wird Brandenburg bald so heiß sein wie die iberische Halbinsel, und was macht die Politik: Gaskraftwerke bauen, also Öl ins Feuer gießen, und das ist kein Zufall: unser politisches System ist kaputt, korrumpiert, und es ist Zeit, dass wir das klar benennen und dann dagegen etwas machen.</p><p>Am 3. Oktober – dem Tag der deutschen Einheit – trifft sich das Parlament der Menschen zum zweiten Mal in Berlin, um genau darüber zu sprechen: Wie hängen politische Korruption und Klimakrise zusammen, und was müssen wir tun?</p><p>Es reicht nicht mehr, über die einzelnen Krisen zu sprechen, wir müssen das große Ganze in den Blick nehmen, und dafür sorgen, dass etwas passiert, denn: der Absturz, der Kollaps ist nicht unausweichlich – wir können in jedem Moment darüber entscheiden, ob wir egoistisch handeln als Gesellschaft oder solidarisch, ob wir die Macht Männern wie Merz überlassen, oder gemeinsam Entscheidungen treffen. Was es dafür braucht?</p><p>Zum Beispiel, dass wir zusammenkommen im Parlament der Menschen. </p><p>Wie beim vergangenen Mal wird wieder repräsentativ gelost, wer dabei ist, und Du kannst deinen Namen in den Lostopf geben und für eine bessere Welt einstehen:</p><p><a href="https://docs.google.com/forms/d/e/1FAIpQLSfwNkifLQQ9ljKSsR0HozcQsnezLJg_Rck6MmCpP_-XhC7fEQ/viewform">Jetzt Anmelden!</a></p><p></p><p></p><p><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 30 Jul 2025 09:00:15 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Auszeit!]]></title>
      <description><![CDATA[Ihr Lieben, ich bin die nächsten Wochen größtenteils offline. Ich besuche in Portugal einen Kurs in Gewaltfreiheit zusammen mit Menschen aus Israel und Gaza, verbringe…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ihr Lieben, </p><p>ich bin die nächsten Wochen größtenteils offline. Ich besuche in Portugal einen Kurs in Gewaltfreiheit zusammen mit Menschen aus Israel und Gaza, verbringe ein bisschen Zeit alleine, und: gehe auch nochmal reisen, ganz klassisch backpacken. </p><p>Ich habe Lust nachzudenken, mir nochmal klarer zu werden – auf einer tieferen Ebene – was wir in dieser Zeit tun müssen, um uns der Welt zu stellen – wer wir sein müssen. </p><p>Ich denke auch viel über Formate und Geschichten nach, es kann also gut sein, dass ich nach dem Sommer auch hier im Newsletter nochmal ein paar Sachen tun. Ich freu mich auf jeden Fall drauf, Zeit für Reflexion und Deep Dive zu haben. Mitte August bin ich dann wieder da. </p><p>Kommt gut durch, durch diese brutale und brutal heiße Zeit, und vergesst trotz allem nicht: der Mensch ist im Grunde gut, es liegt an uns, dass ineinander zum Vorschein zu bringen. </p><p>Liebe Grüße<br/><br/>Raphael</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 09 Jul 2025 19:09:43 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Sprechen über das Ganze]]></title>
      <description><![CDATA[Mir fehlen die Worte für das, was da passiert ist, und ich merke, wie ich mich dafür schäme, wie mir das unangenehm ist. Ich glaube, es ist ein kollektives Problem, und…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/66d76116-8bcd-477c-98d9-c3350bff22a9/uploads/images/k2cdmkuqtk/Bildschirm_foto_2025-07-01_um_09.41.56.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Mir fehlen die Worte für das, was da passiert ist, und ich merke, wie ich mich dafür schäme, wie mir das unangenehm ist. Ich glaube, es ist ein kollektives Problem, und trotzdem. </p><p>Georg aus dem Parlamentskreis hat mich gebeten, einen Erlebnisbericht über das Parlament der Menschen zu schreiben, seit Wochen wache ich morgens auf, denke darüber nach, wie ich das machen könnte, und finde keinen Zugang. </p><p>Erlebnisbericht, also, wie ich das erlebt habe – ja, das ginge schon, und: es war doch eine kollektive Erfahrung, und ich merke, dass dafür die Sprache fehlt. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem der Journalisten, die die drei Tage im Kuppelzelt verbracht haben. Er sagte etwas Ähnliches. Dass er sich am liebsten den einen Protagonisten rausziehen würde, an dem er die Reportage entlang erzählt. Aber das würde der Sache nicht gerecht. </p><p>Wie war es, dieses Parlament der Menschen? Was gibt es zu berichten? </p><p>Ich könnte die Ergebnisse aufzählen, diese acht starken, radikalen Sätze. </p><p>Ich könnte konzeptionell draufschauen, auf diesen Akt sich zu versammeln als eigenständiges Parlament der Menschen, an diesem Ort als größtmöglicher Protest in Zeiten, in denen Wirtschaftsleute und korrupte Politiker:innen die Regierung bestimmen. </p><p>Ich könnte den Moment beschreiben, als das Zelt endlich stand – hoch, weiß, wunderschön. </p><p>Ich könnte den Moment beschreiben, als zu Beginn alle ihre Stühle ins Zelt trugen, die erhabene, ernsthafte Stimmung.</p><p>Den Moment, als die Stühle am Samstagabend zur Seite geräumt wurden, und einige der Teilnehmenden tanzten. </p><p>Den Moment der Krise im Moderationsteam. </p><p>Den Moment meiner eigenen Zweifel, die schlaflose Nacht. </p><p>Den Moment, als alle sich nochmal bewusst machten, wo wir da sind, vis-a-vis mit dem größten Machtzentrum Europas. </p><p>Die angeregten Gespräche. </p><p>Die strahlenden Augen nach Abschluss der letzten Abstimmung. </p><p>Die vielen Hände, die hochgingen, als gefragt wurde, wer in der eigenen Stadt ein Parlament der Menschen mitaufbauen möchte. </p><p>Den Moment, als wir mit Regenschirmen und den Beschlüssen in einem langen Zug zur Bundestagspforte gezogen sind. </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/66d76116-8bcd-477c-98d9-c3350bff22a9/uploads/images/ye7pfdrtb2/Bildschirm_foto_2025-07-01_um_09.42.10.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>All das Teile eines Mosaiks, oder besser: einer Discokugel, die tausend verschiedene Perspektiven ermöglicht, die auch immer zurück spiegelt, wer man selbst ist, denn das ist es vielleicht, was kollektive Erfahrungen ausmacht: </p><p>Wenn ich zynisch bin, werde ich darauf gucken und es naiv finden.</p><p>Wenn ich wohlwollend bin, werde ich Schönes entdecken. </p><p>Wenn ich vertrauensvoll bin, werde ich Anschluss finden. </p><p>Aber, ja, dafür fehlt uns die Sprache. Ich besuche bald einen Kurs in einer Gemeinschaft in Portugal, es geht um Gewaltfreiheit und Aktivismus. Als ich fragte, ob ich schon zwei Tage früher anreisen könnte, hieß es, das ginge nicht – es wäre schwierig mit den allgemeinen Abläufen, “it doesn’t serve the whole.” Es diene nicht dem Ganzen. </p><p>Ich fand das einen radikalen Satz, auch verstörend. Überhaupt von einem Ganzen zu sprechen, weil die Person damit etwas anderes als das Individuum in den Mittelpunkt gestellt hat. </p><p>Was ist dieses Ganze? Was war dieses Parlament der Menschen?<br/>Sicherlich ist es auch schwer darüber zu schreiben, weil es so konfliktfrei war. Das lag vielleicht auch  daran, dass es viele Menschen aus der Bubble waren, aber heißt es sonst nicht immer: Wo zwei Linke zusammenkommen, gibt es drei Meinungen? Mein Gefühl ist deshalb eher, dass es so konfliktfrei war, weil es nichts zu gewinnen gab für das Individuum – keine Macht, kein Geld, kein Status. Stattdessen ging es um Kooperation und Harmonie. Es wurde sogar meditiert. </p><p>Was ist dieses Ganze? Was war dieses Parlament? Es war tatsächlich ein Aufbruch in eine neue Welt, so wie es im Titel darüber stand, weil es auf Wohlwollen und Vertrauen basierte, Dinge, die in unserer Gesellschaft so selten geworden sind, dass uns die Worte dafür fehlen. </p><p>Wenn ich also nicht dabei gewesen, es direkt miterlebt, gesehen und gefühlt hätte, würde ich sagen: es war ein Traum – und vielleicht ist es auch deshalb so schwer, darüber zu schreiben, weil es jetzt vorbei ist, und ich nach dem Aufwachen nur noch wolkige Fetzen erhaschen kann. Aber zum Glück findet das nächste Parlament der Menschen bald schon statt. Am 3. Oktober. Dem Tag der deutschen Einheit. </p><p></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/66d76116-8bcd-477c-98d9-c3350bff22a9/uploads/images/ki7v65m5z5/Bildschirm_foto_2025-07-01_um_09.45.32.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><br/><br/><br/></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/66d76116-8bcd-477c-98d9-c3350bff22a9/uploads/images/k2cdmkuqtk/Bildschirm_foto_2025-07-01_um_09.41.56.png?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Wed, 02 Jul 2025 08:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[In Fantasien leben]]></title>
      <description><![CDATA[Wir leben in einer Zukunft, die jemand mal erdacht hat. Und diese Zukunft stellt sich als Dystopie heraus. Eigentlich wollte ich über meine Erfahrung mit dem Parlament…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wir leben in einer Zukunft, die jemand mal erdacht hat. Und diese Zukunft stellt sich als Dystopie heraus. </p><p>Eigentlich wollte ich über meine Erfahrung mit dem Parlament der Menschen schreiben, dafür ein Zitat aus Kübra Gümüşays Eröffnungsrede raussuchen, und dann ist mir beim Wiederlesen nochmal aufgefallen, wie genial sie ist. Deswegen warte ich noch eine Woche mit meinem eigenen Text, schicke dir stattdessen einen Auszug aus Kübras Rede – sie forscht seit Jahren zu besseren Zukünften, hat dafür Länder und Freund:innen auf der ganzen Welt besucht. </p><p>Viel Spaß. </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9fad0329-2fa6-47c7-94fa-41fe7725f2b9/uploads/images/axxaqujkhx/Bildschirm_foto_2025-06-25_um_09.14.33.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>So schön hier euch einerseits ins Gesicht zu schauen und andererseits den Bundestag im Rücken zu haben, und an diesem Ort über genau dieses wichtige Thema zu sprechen.	</p><p>Die Zukunftsvision eines Elon Musk, nämlich einen alternativen Planeten zu  bewohnen, wird als Utopie verkauft und mit Milliarden überhäuft, aber die Utopie anderer, in einer abolitionistischen Zukunft zu leben, ohne Gefängnisse, Polizei und Grenzen, wird als dystopische Zukunftsvision kriminalisiert und ausgegrenzt. </p><p>Seine Zukunftsvisionen werden als begrüßenswert und wünschenswert erachtet, dabei sind sie Dystopien, die Vernichtung für große Teile unserer Weltbevölkerung bedeuten würden. Seine Zukunftsvision wird mit Einfluss in der Öffentlichkeit belohnt, und wer wird marginalisiert und kriminalisiert? Und dann ist auch die Frage, wer hat überhaupt das Privileg, sich zu wundern, ob man das anders gestalten könnte?</p><p>Wer besitzt in unserer Gesellschaft das Privileg, nicht mit Überleben beschäftigt zu sein, sondern mit dem Leben in einer Zukunft, die noch nicht einmal da ist? Wer besitzt das Privileg zu träumen, alternative Utopien imaginieren zu dürfen?				</p><p>Wir sind in einem Kampf der Imagination, schreibt die afroamerikanische Autorin Adrienne Marie Brown. Trayvon Martin, Mike Brown und Breonna Taylor und so viele andere, sagt sie, sind tot, weil sie in der Vorstellung einer weißen Imagination gefährlich waren.</p><p>Wir leben also in einem Kampf um Imagination und Vorstellungen und um Zukunftsvisionen. </p><p>Wer hat die Gesellschaft, in der wir heute leben, so wie sie ist und funktioniert, eigentlich erfunden und erdacht? </p><p>In wessen Zukunftsvision leben wir?		</p><p>Und wie sehen alternative Träume, Imagination, Wünsche und Zukünfte aus?</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9fad0329-2fa6-47c7-94fa-41fe7725f2b9/uploads/images/v4g3btekan/Bildschirm_foto_2025-06-25_um_09.15.19.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Viel zu wenige derer, die über unsere Zukunft diskutieren und unsere Wahrnehmung dominieren, wissen, was das bedeutet, nicht über das Wochenende, das Monatsende, den nächsten Tag, den nächsten körperlichen Angriff, das nächste Attentat, den nächsten rassistischen Übergriff, den nächsten Krieg hinaus denken zu dürfen.		</p><p>Dabei sind es diese Menschen, es ist ihr Wissen, was es braucht, um tatsächlich wünschenswerte Zukünfte überhaupt diskutieren zu können.</p><p>In dem Moment, in dem wir beginnen, die Welt zu gestalten, stören wir. In dem Moment, indem wir die Werkzeuge, die in unseren Händen liegen, anwenden, stören wir. In dem Moment, indem wir unsere Kraft zu sehen, zu hören, zu bewegen, zu berühren, zu verändern, nicht nur erkennen, sondern auch nutzen, stören wir. 			</p><p>Wer hat sich diese Welt erträumt?</p><p>In wessen Imagination leben wir? </p><p>Was sind unsere Imaginationen?</p><p>Wie können wir diese Imagination zur Sprache tragen, in Räume tragen, in die Wirklichkeit tragen, erproben und vielleicht realisieren, dass sie in der Praxis vielleicht etwas anders sein müsste, als wir sie uns erträumt haben, um dann daraus zu lernen, weiter zu träumen? Heute tauchen Sie, tauchen wir alle ein in eine Welt der Imagination.	</p><p>Heute nehmen wir uns allem trotzend das Privileg heraus, zu träumen, zu imaginieren, was nicht ist, aber sein könnte.	</p><p>Und wie Bell Hooks sagt: What we cannot imagine cannot come into being. </p><p>Dankeschön.</p><p></p><p><strong>Das nächste Parlament der Menschen findet ab dem 3. Oktober wieder in Berlin statt. Wenn du mitarbeiten willst, schreib mir. Wenn du es finanziell unterstützen willst, schließ gerne unser Demokratie-Abo ab:</strong></p><p></p><p><a href="https://neuegeneration.com/demokratie-abo/">Demokratie-Abo!</a></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9fad0329-2fa6-47c7-94fa-41fe7725f2b9/uploads/images/6lch4r5mq6/Bildschirm_foto_2025-06-25_um_09.15.58.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><p></p><p></p><p></p><p><br/><br/></p><p>		</p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/9fad0329-2fa6-47c7-94fa-41fe7725f2b9/uploads/images/axxaqujkhx/Bildschirm_foto_2025-06-25_um_09.14.33.png?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Wed, 25 Jun 2025 07:29:46 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Verdichtung]]></title>
      <description><![CDATA[Im Sommer komm ich eh selten zur Ruhe, das Organizing läuft auch weiter auf Hochtouren, weil alle, was machen wollen, und dazu die Weltlage. “Diese radikalen…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Im Sommer komm ich eh selten zur Ruhe, das Organizing läuft auch weiter auf Hochtouren, weil alle, was machen wollen, und dazu die Weltlage. “<em>Diese radikalen Linksdemokraten haben den Verstand verloren, hassen unser Land und wollen unsere Innenstädte zerstören – und das gelingt ihnen gut! Irgendetwas stimmt nicht mit ihnen.</em>” </p><p>Trump hat das kürzlich gesagt. </p><p>Hat er das wirklich gesagt? </p><p>Es klingt so sehr wie aus einem anderen Jahrhundert. </p><p>Ich merke, ich will noch etwas schreiben zum Parlament der Menschen. Wenn ich kurz innehalte, spüre ich in meinem Bauch immer noch die Stimmung, die da im Zelt herrschte. Die Freude, die Ernsthaftigkeit, der Wille zum Aufbruch in eine neue Welt. Auch dies eine Verdichtung von Zeit, die Raum bräuchte sich zu entfalten, damit ich sie ganz verstehen kann. Noch hatte ich sie nicht. Ich hoffe, aber bald. </p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 18 Jun 2025 07:15:33 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Ausschlafen]]></title>
      <description><![CDATA[Ihr Lieben, die vergangenen Wochen waren intensiv, arbeitsreich und schön, und ich habe keine Lust, mir die Flügel zu verbrennen. Ich mache ein bisschen Pause, auch…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ihr Lieben, </p><p>die vergangenen Wochen waren intensiv, arbeitsreich und schön, und ich habe keine Lust, mir die Flügel zu verbrennen. Ich mache ein bisschen Pause, auch weil ich merke, dass ich Lust habe diesen Newsletter nochmal anders zu gestalten. Nächste Woche melde ich mich wieder!</p><p>Bis dahin, <br/>Raphael </p><p>P.S. Falls Du unterstützen willst, was wir tun, schließ jetzt ein Demokratie-Abo ab:</p><p><a href="https://neuegeneration.com/demokratie-abo/">Demokratie-Abo</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 11 Jun 2025 08:51:14 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Gedanken aus der Zelle]]></title>
      <description><![CDATA[Wir protestieren vor der Springer-Druckerei, die Polizei fiel über uns her; schlug mehreren von uns ins Gesicht, schubste uns zu Boden, legte uns Handschellen an –…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p></p><p></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/f8d524ac-cba1-4e08-843e-a907a62292b0/uploads/images/o5i3hua5aa/Bildschirm_foto_2025-06-04_um_09.25.12.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><p>Wir protestieren vor der Springer-Druckerei, die Polizei fiel über uns her; schlug mehreren von uns ins Gesicht, schubste uns zu Boden, legte uns Handschellen an – allen, selbst einem Journalisten, der da war, um zu berichten. Sie durchsuchten uns, bewacht von abgerichteten Hunden, und luden uns dann in Gefangenentransporter. Nicht nur ich empfand das als Einschüchterung, nicht nur ich hatte das Gefühl: da tut die Berliner Stadtregierung dem Springer-Konzern einen Gefallen, aus Angst sonst die Rache des größten Medienkonzerns Deutschlands zu spüren. </p><p>Morgens um halb vier schlug ein Wärter die Zellentür hinter mir zu. Ein schmaler Raum, eine Pritsche, ein Knäckebrot und ein Becher Wasser, ein Fenster mit Gittern davor. Gleichzeitig das Wissen: in den Zellen links und rechts von mir sind überall Menschen, die ich kenne, die ich liebe.</p><p>Zwei Versuche, etwas Schlaf zu bekommen, unterbrochen von einem kurzen Verhör durch eine Beamtin, später ging ich in der Zelle auf und ab. Draußen wurde es hell, das Fenster war auf Kipp und ich fing an zu pfeifen. Nichts Bestimmtes, einfach Melodien, die mir durch den Kopf gingen, und irgendwann hörte ich, dass mir jemand antwortete, es schien von draußen zu kommen vom Hof, also aus einer anderen Zelle, also von jemandem, den ich kenne. Die Person pfiff, ich pfiff und es fühlte sich irgendwann ein bisschen an, wie das schiefe Duett zweier Vögel im Wald. </p><p>Nach einer Weile wurde ich müde, hörte auf zu pfeifen, setzte mich auf die Pritsche und hörte nur zu, hörte wie auf dem Gang die Wärter lachten und quatschten, und dann hatte ich auf einmal den Eindruck, dass das Pfeifen gar nicht von draußen, sondern vom Gang kam, von einem der Wärter, und der Gedanke kam, dass sich einer von ihnen auf das kleine Duett eingelassen hatte. Mein Herz machte einen Hüpfer, auch wenn ich nicht ganz sicher war, ob es stimmte. </p><p>Das an mir selbst zu beobachten, freute mich noch mehr, weil es mir zeigte, dass ich gegen die da draußen keinen Groll hegte. Klar, gegen das System, das Menschen in Zellen sperrt, aber nicht gegen die Menschen, die da arbeiten. </p><p>Vorher beim Protest wurde ich von einem Polizisten bewacht, während ich in Handschellen auf dem Boden saß. Wir kamen ins Gespräch. Er erzählte, er sei Kurde, habe früher auf dem Bau gearbeitet und sei erst später zur Polizei gegangen. Es sei für ihn vor allem ein sicherer Job, auch in Zeiten, in denen die KI alle anderen Jobs bedroht. </p><p>Ich glaube, schlimm wird es in so einer Zelle nur, wenn man die da draußen anfängt zu hassen. Während ich da saß auf der Pritsche, dachte ich: Wenn du es schaffst, die zu lieben, die den Schlüssel zu deiner Zellentür haben, dann kann dich niemand mehr einsperren. Dann bist du frei. </p><p><br/></p><p>Und kollektiv? Ich glaube, das geht auch. Deshalb haben wir das Parlament der Menschen gegründet. Das hier habe ich zu seiner Eröffnung gesagt:</p><p></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/f8d524ac-cba1-4e08-843e-a907a62292b0/uploads/images/fstug5wyk4/Parlament_der_Menschen.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><br/>Herzlich Willkommen,</p><p>Schön, dass ihr alle da seid. Schön, euch alle hier zu sehen bei der Eröffnung des ersten Parlament der Menschen. Mein Name ist Raphael Thelen, ich darf heute dieses erste Parlament der Menschen für die Neue Generation eröffnen.</p><p>Und als erstes will ich aber danken, weil ich zwar hier vorne stehe, aber wir alle nicht hier sein würden, hätten nicht ganz, ganz, ganz, ganz, ganz viele Menschen in den letzten Wochen und Monaten und vor allem auch in den letzten Tagen richtig, richtig, richtig geackert.</p><p>Eigentlich sollte dieses Zelt Mittwoch aufgebaut werden.</p><p>Es sollte alles so ganz smooth gehen.</p><p>Es ist noch ein Feiertag, wir können das alles entspannt machen und dann bekamen wir einen Anruf von der Polizei, dass Selenski auf Staatsbesuch kommt und dieses ganze gesamte Gebiet hier wird zur Sicherheitszone erklärt und sollte niemand hier rein. Deswegen wurde hier noch bis vor 5 Minuten gehämmert und geschraubt und ich will mich ganz toll bei der Zeltfirma Yakone bedanken, die das möglich gemacht hat. Ich will mich auch bei der Polizei und der Versammlungsbehörde bedanken, die richtig viel möglich gemacht haben.</p><p>Und vor allem bei den vielen Leuten, die wirklich in den letzten 72 Stunden wie wahnsinnig durch Berlin gerast sind und hier mitgeholfen haben und angepackt haben, damit dieses Kuppel-Zelt jetzt hier steht, damit wir jetzt hier sitzen und stehen können.</p><p>Wir bei der neuen Generation stellen uns eigentlich laufend eine Frage. Und die ist: Was bedeutet es, Mensch zu sein in dieser Zeit und in dieser Welt? Was bedeutet es, Mensch zu sein und zu wissen, wie es um die Welt steht? Was bedeutet es, den Schmerz zu spüren?</p><p>Vielleicht auch die Freude, vielleicht auch die Freude von solchen Momenten, in denen wir zusammenkommen, in denen es sich anfühlt, als würde da was Neues aufgehen. Aber auch auf den Schmerz, den wir alle fast jeden Tag spüren, wenn wir die Nachrichten aufmachen, wenn wir vielleicht auch Verwandte anrufen, die wir in anderen Ländern haben. Wenn wir die Bilder sehen aus Gaza. Wenn wir davon lesen, wie Menschen ihre Familien nie wiedersehen werden, weil die deutsche Bundesregierung den Familiennachzug ausgesetzt hat. Wenn wir wieder mal erfahren, dass irgendwo die Klimakrise eskaliert, Wälder brennen oder wie jetzt in der Schweiz ein ganzes Dorf unter einem abstürzenden Gletscher begraben wird und 300 Menschen in einer Sekunde ihr Zuhause verlieren.</p><p>Wir fragen uns, was es bedeutet, Mensch zu sein und diese Angst zu spüren.</p><p>Diese Angst angesichts eines erstarkenden Faschismus, einer Partei, die da mittlerweile drin sitzt im Bundestag, offenkundig faschistisch, rechtsextrem, hat sich ihren Platz darin erkämpft. Die Angst zu spüren angesichts der Klimakrise.</p><p>Das letzte Mal, als ich mit den fünf, sechs Leuten zusammensaß, mit denen wir die neue Generation gegründet haben, war vor so wie drei Wochen und auf einmal kamen große Hagelkörner vom Himmel.</p><p>Mitten im Mai.</p><p>Und vorher hat es Wochen und Wochen und Wochen und Wochen nicht geregnet.</p><p>Und die Prognosen gehen davon aus, dass der Golfstrom um die Mitter der 2030er versiegen wird.</p><p>Das bedeutet dann einen kompletten Temperaturabsturz in Europa.</p><p>Was bedeutet es, mit dieser Angst davor zu leben? Und was bedeutet es, mit der Wut zu leben? Mit der Wut, weil wir wissen, dass das nicht von ungefähr kommt. Weil wir wissen, dass es Menschen gibt, die dahinterstecken, Systeme - dass es kein Naturgesetz ist, dass die Dinge passieren. Menschen, wie Friedrich Merz, der Kanzler sein sollte für alle Menschen in Deutschland und stattdessen sich ein kleines Kabinett zusammenbaut hat, von dem vor allem die reichsten Menschen in diesem Land profitieren. Die Wut darüber, dass die Reichen ihr Vermögen nicht einsetzen, damit es uns allen besser geht, sondern sie missbrauchen die Macht, die sie haben, damit es ihnen selbst besser geht.</p><p>Marlene Engelhorn, die Gründerin von Tax me Now, hat heute Morgen in der Pressekonferenz erzählt, wie das ist, wenn man superreich aufwächst. Sie hat über 25 Millionen geerbt und sie sagt, man glaubt einfach, man ist im Recht, weil man die Macht hat, Dinge zu verändern. Und diese Macht bedeutet, dass wir überstimmt werden, die diese Macht nicht haben. </p><p>Und ich spüre diese Wut jeden Tag. Und ich spüre diese Angst. Und ich spüre den Schmerz. Aber natürlich spüre ich auch die Freude an dem, was wir tun. Und angesichts dem allem glauben wir bei der Neuen Generation, dass Mensch zu sein in dieser Zeit bedeutet, Entscheidungen zu treffen, sich zu entscheiden.</p><p>Man kann sich auf die Seite jener schlagen, die von diesem System profitieren, die dieses System sind, die dieses System tragen. Und ihr wisst, was dieses System bedeutet.</p><p>Das heißt Privilegien anhäufen auf Kosten anderer. Das heißt ausbeuten. Das heißt die Ellenbogen ausfahren. Das heißt sein eigenes Wohl über das Wohl anderer zu stellen.</p><p>Darauf basiert dieses ganze System.</p><p>Und das heißt, dieses Leben zu leben und dabei meistens dann nicht wirklich glücklich zu sein.</p><p>Wer hier glaubt wirklich, dass Donald Trump ein glücklicher Mensch ist? Wer hier glaubt, dass Elon Musk ein glücklicher Mensch ist? Wer hier glaubt, dass Alice Weidel eine glückliche Frau ist?</p><p>Ich glaube es nicht. Ich möchte nicht immer im Kampf leben.</p><p>Es gibt das alte Sprichwort: Andere zu hassen ist wie Gift trinken und zu hoffen, dass der andere stirbt. </p><p>Man kann sich auch dafür entscheiden, das Gegenteil zu tun. Man kann auch sagen: Nein, ich fahre nicht die Ellenbogen aus. Nein, ich werde die nicht bekämpfen. Nein, ich werde die Menschen nicht beschimpfen, auch wenn ich sie nicht mag. Nein, ich werde nicht gewaltsam gegen sie vorgehen.</p><p>Man kann auch in der Welt sein und sich diesem System widersetzen, aber auf eine andere Art und Weise, indem man trotz alledem mit Vertrauen in die Welt geht. Trotz alledem mit einem offenen Herzen in die Welt geht. Indem man Hass mit Liebe begegnet.</p><p>Indem wir nicht zurückschlagen, sondern versuchen, einen anderen Weg zu finden, raus aus der Gewaltspirale, denn Gewalt produziert immer mehr Gewalt.</p><p>Es gibt diesen Weg des offenen Herzens, des Vertrauens und das macht verletzlich.</p><p>Das kann weh tun. Wenn ich jemandem mein Vertrauen schenke, dann mache ich mich verletzlich gegenüber dieser Person und das kann missbraucht werden und das kann weh tun. Aber ich glaube, wenn ich mich den ganzen Tag im Kampf befinde und wenn ich den ganzen Tag mit geschlossenem Herzen rumlaufe, weil ich das tun muss, wenn ich im Kampf bin, dann bin ich schon verletzt. Ich glaube, das ist nicht das bessere Leben.</p><p>Und so kann ich mich jeden Tag dafür entscheiden, wie begegne ich meiner Umwelt? Wie begegne ich meinen Mitmenschen? Wie begegne ich den Menschen auf der Straße, auf der Arbeit, meiner Familie?</p><p>All das kann ich jeden Tag entscheiden: Ich begegne euch wieder mit Vertrauen.<br/>Und wenn man das macht und das wisst ihr, das weiß ich auf jeden Fall aus eigener Erfahrung, dann kann so viel passieren.</p><p>Dann können wir gemeinsam wachsen. Dann kann Heilung stattfinden.</p><p>Dann ist 1 + 1 plötzlich nicht mehr 2, sondern viel mehr als das, weil das Nullsummenspiel aufhört.</p><p>In diesem System, in dem wir derzeit leben, ist mein Gewinn meistens dein Verlust.</p><p>Und wenn wir uns aber begegnen im Vertrauen von Mensch zu Mensch und uns gegenseitig das Beste wünschen, dann kann Magie entstehen.</p><p>Dann beginnen die Dinge zu tanzen.</p><p>Und das kann man, wie ich meinte, jeden Tag im Alltag machen.</p><p>Ich zu dir, du zu mir, wir als Individuen voneinander.</p><p>Und das kann man aber auch machen kollektiv, als Bewegung.</p><p>Wir können uns Räume schaffen. Wir können Bewegungen bauen. Wir können kollektiv anders handeln.</p><p>Und dieses Parlament ist der Aufbruch in eine neue Welt, ist der Versuch, einen Ort zu schaffen, an dem andere Regeln gelten.</p><p>Indem wir uns als Menschen begegnen auf Augenhöhe.</p><p>Und es hat nicht zufällig eine Kuppelform.</p><p>Diese Kuppel steht quasi für diese Kuppel, die ihr da hinter euch seht oben auf dem Reichstag. Diese Kuppel steht für Transparenz.</p><p>Deswegen wurde sie so groß und gläsern da oben drauf gebaut.</p><p>Aber allzu oft herrscht da keine Transparenz. Allzu oft herrschen da nur Lobbyinteressen.</p><p>Wir hatten heute Morgen in der Pressekonferenz auch Marco Bülow sprechen.</p><p>Marco Bülow saß fast 20 Jahre für die SPD da drin und hat versucht, Politik zu machen für die Menschen und ist dann gegangen, weil er gesagt hat: Wenn man nicht mit den Lobbys kooperiert, dann wird man nicht ernst genommen. Dann verliert man. Dann wird man verlassen.</p><p>Und deswegen schreibt er mittlerweile Bücher.</p><p>Lest sie.</p><p>Lobbyland ist sein erstes, Korrumpiert sein zweites.</p><p>Dieses Versprechen von Transparenz, das mal gegeben wurde, was da drin herrschen soll, wurde gebrochen.</p><p>Und das ist dramatisch angesichts der Probleme, die ich eben aufgezählt habe.</p><p>Wenn keine Politik mehr für die Menschen gemacht wird, sondern für Unternehmen, die den Planeten zerstören, dann haben wir ein großes Problem. Und deswegen haben wir dieses Parlament der Menschen gegründet.</p><p>Weil wir kollektiv eine andere Welt leben wollen. Weil wir zusammen eine andere Welt bauen wollen. Weil wir eine andere Entscheidung treffen wollen. Weil wir es versuchen wollen, dieser großen zerstörerischen Maschine, in der wir leider allzu oft allzu viel Zeit verbringen, etwas entgegenzusetzen, etwas aus Liebe heraus, etwas Großes, etwas Schönes, einen Aufbruch.</p><p>Und deswegen haben wir euch eingeladen. Deswegen habt ihr euch eingeladen.</p><p>Ihr wart so mutig, hierhin zu kommen, eure Namen in den Lostopf zu werfen, zu sagen: Da will ich Teil von sein. Ich will Teil sein, wenn darüber gesprochen wird, wie wir den Einfluss von Geld auf unsere Gesellschaft zurückdrehen.</p><p>Und für mich ist das eine große große Freude, euch zu sehen, euch in den nächsten Tagen zuzusehen, wie ihr das machen werdet, angeleitet von jemandem, der wie kein Zweiter wahrscheinlich in Deutschland die Expertise dafür hat, Jascha Rohr, der einfach weiß, welche Magie darin liegt, wenn Menschen gemeinsam diese Arbeit machen.</p><p>Unter den richtigen Umständen.</p><p>Denn auch das hat Marco Bülow heute Morgen erzählt, die Umstände im Bundestag, wo man als Partei gegeneinander bestehen muss, führt immer in diese Hierarchie und immer in diesen Kampf und da können keine guten Lösungen herbeigerufen werden.</p><p>Es werden Brüche auf uns zukommen.</p><p>Das System, in dem wir leben, ist extrem instabil. Wir werden wahrscheinlich Revolutionen erleben in unserer Lebenszeit.</p><p>Und die Gegenseite ist bereit für eine Revolution. Die AfD, die ganzen Demonstranten, die man auf der Straße sehen kann, die rechtsextremen Separatisten, die in Brandenburg in den Wäldern mit Waffen trainieren, die sind ready für eine Revolution und die wissen auch, was sie wollen.</p><p>Und ich glaube, unsere Aufgabe muss es sein, uns klarzumachen, was wir wollen. Und das wird eure Aufgabe sein, die ihr hier sitzt und ausgelost wurdet. Eure Aufgabe wird es sein, eine Vision auszuarbeiten.</p><p>Wo wollen wir hin als Gesellschaft? Welche neue Welt wollen wir eigentlich erschaffen?</p><p>Und ich glaube, das ist keine kleine Aufgabe, aber ich glaube, es ist eine freudige Aufgabe. Und ich glaube aus meiner Erfahrung der letzten Jahre, in denen ich immer wieder erlebt habe, nicht nur, dass wenige Menschen einen großen Unterschied machen können, sondern auch, dass man überhaupt einen Unterschied machen kann, freue ich mich auf all das, was ihr tun werdet.</p><p>Auf diesen Aufbruch in eine neue Welt.</p><p><a href="https://neuegeneration.com/demokratie-abo/">Jetzt dabei sein</a></p><p><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 04 Jun 2025 07:29:04 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Das deutsche Schweigen beenden]]></title>
      <description><![CDATA[Mittwochmorgen, ich denke an all die Gespräche, die nicht geführt werden. Die in der Luft hängen. Die in Kehlen stecken bleiben. Wenn es um Gaza geht, wird in…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Mittwochmorgen, ich denke an all die Gespräche über Gaza, die nicht geführt werden. Die in der Luft hängen. Die in Kehlen stecken bleiben.</p><p>Wenn es um Gaza geht, wird in Deutschland zu viel geschwiegen. Ein Schweigen, das wehtut. Das lähmt. Das sich ausbreitet wie ein Nebel und alles einhüllt. Wenn die Eltern oder Großeltern der hierzulande Geborenen Mitglieder der Wehrmacht waren, in der SS dienten oder einfach nur schwiegen, als Verbrechen geschahen. Wenn dieses Schweigen schon immer da war. Wenn es sich vererbt hat.</p><p>Aber jetzt, in diesem Frühling 2025, wo Menschen in Gaza sterben, täglich, wo Bomben auf Krankenhäuser fallen, Kinder verschüttet werden, fragen sich viele von uns: Darf ich das kritisieren? Wenn ich das sage – bin ich dann gegen Israel? Gegen Jüdinnen und Juden?</p><p>Diese moralische Zerrissenheit, dieses Nicht-mehr-weiter-Wissen, dieses Unausgesprochene – es ist ein schwarzes Loch im Herzen unserer Gesellschaft.</p><p>Und genau deshalb wollen wir reden. Nicht diskutieren. Nicht überzeugen. Sondern zuhören. Einander. Uns Raum geben für Schmerz, für Unsicherheit, für klare Gedanken und für das, was uns verbindet.</p><p><strong>Das Offene Parlament</strong> ist unser Versuch, aus diesem Schweigen auszubrechen. Es ist inspiriert von Mini-Versammlungen: kleine, geschützte Räume, moderiert, getragen von Vertrauen, in denen wir uns als Menschen begegnen. Ohne Social Media-Gebrüll. Ohne Medien-Spin. Einfach nur wir – mit all dem, was in uns ist. Und vielleicht finden wir dann ja auch Punkte, über die wir reden können, die wir vertreten wollen.</p><p>Wenn du das Gefühl hast, du willst dabei sein – um zu sprechen, zu hören, zu verstehen – dann bist du herzlich eingeladen:</p><p><strong>Offenes Parlament</strong></p><p>4. Juni</p><p>17.30 Uhr</p><p>Marschallbrücke (Berlin)</p><p></p><p><a href="https://neuegeneration.com/demokratie-abo/">Jetzt unterstützen</a></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/6044f614-31ad-474d-8146-0dc6952d4d0d/uploads/images/tafxcv6zqh/Das_deutsche_Schweigen_beenden.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 28 May 2025 07:11:26 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Gegen Springer protestieren]]></title>
      <description><![CDATA[Ein Milliardär, dem die BILD gehört, die er unablässig nutzt, um gegen Arme, Frauen* und Menschen mit Migrationsgeschichte zu hetzen; der Steuern nicht bezahlt, den…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ein Milliardär, dem die BILD gehört, die er unablässig nutzt, um gegen Arme, Frauen* und Menschen mit Migrationsgeschichte zu hetzen; der Steuern nicht bezahlt, den Neoliberalismus stützt und die Klimakatastrophe leugnet. Ein Typ, der alles zerstört, was wir lieben. Dessen Handeln und Haltung in die düstere Welt geführt hat, die wir erleben – der Faschismus und Aussterben drohen, weil Typen wie er tun, was sie tun. </p><p>Wie begegnen wir den Mathias Döpfners dieser Welt? Den Musks, Trumps und Netanjahus? </p><p>Nennen wir sie Arschlöcher, träumen davon, sie platt zu machen?</p><p>Ich kenne den Impuls. Die aufflackernde Wut, diese blitzheiße Flamme, die so schnell in Hass umschlagen kann. Wut zu lernen, sie zu ownen und zu zeigen, war eine der wichtigsten Sachen, die ich in den vergangenen Jahren gelernt habe. Klarheit. Für mich selbst einstehen. Deutlich sagen, was für mich geht und was nicht – ohne das gäbe es wahrscheinlich wenig menschlichen Fortschritt, denn der lebt auch von der Reibung. Aber wo entzündet diese sich und droht uns alle zu verschlingen? Jemanden zu hassen bedeutet, Gift zu trinken und zu hoffen, dass die andere Person stirbt.</p><p>Umgekehrt gefragt: Wie kann ich das Unrecht der Welt konfrontieren, ohne selbst Unrecht zu tun? Wie kann ich das Gute verkörpern, ohne passiv nur “ja” zu sagen? Wie begegne ich auch Menschen wie Döpfner und Netanjahu mit offenem Herzen, weil ich weiß: Das Gegenteil macht mich mit Ihnen gemein? </p><p>Es sind Fragen, die wir uns in der Neuen Generation Tag für Tag stellen, die Antworten sind wie Kinder: unendlich wertvoll, und wenn man nicht aufpasst, stehlen sie sich davon. Es fühlt sich an, wie eine tägliche Übung, in der wir uns gegenseitig bestärken, eine Annäherung, ein stetiges Versuchen. </p><p>Ab dem 2. Juni protestieren wir gegen die publizistische Haltung des Springer-Verlags, gegen das, was jeden Tag in der BILD und der WELT drin steht, denn es ist das Gegenteil davon, wofür das Parlament der Menschen antritt. Wir träumen vom Aufbruch in eine neue Welt, in der Vertrauen, Gegenseitigkeit und gute Beziehungen unsere Gesellschaft ordnen – der Medienkonzern von Döpfner schreibt jeden Tag gegen diese Welt an. </p><p>Ins Gespräch kommen mit Döpfner, schauen, ob nicht auch er und wir uns menschlich begegnen können, ein Gespräch führen, wo nicht am Ende jemand Recht hat, sondern wir alle etwas mitnehmen und wachsen – das wollen wir und haben ihm einen Brief geschrieben. </p><p>Es ist der Versuch, die neue Welt ein Stück weit zu leben – und ich bin gespannt von euch zu hören, ob ihr glaubt, dass es uns gelungen ist: </p><p></p><p><strong>BRIEF AN MATHIAS DÖPFNER</strong><br/></p><p>Berlin, 19. Mai 2025</p><p></p><p>Sehr geehrter Herr Döpfner, </p><p>die Präambel unseres Grundgesetz berührt auch 76 Jahre nach seiner Abfassung, weil sie so fein ausbalanciert ist auf dem Punkt, in dem sich große Kraft und große Zerbrechlichkeit treffen. Als Antwort auf den Hitler-Faschismus, den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust ist sie Utopie und Richtschnur alltäglichen Handelns, Vision und Appell. Damit ist sie kein Stück veraltet, im Gegenteil: Vielleicht ist sie das aktuellste geschriebene Wort, das wir haben angesichts der Erfolge der vermeintlichen Alternative für Deutschland (AfD) und der Eskalation der Klimakatastophe: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“</p><p>Ihnen als Verleger liegt Aktualität naturgemäß am Herzen, ihr Redaktionsstatut unterstreicht die Bedeutung verantwortungsvollen Journalismus. Deshalb wenden wir uns an Sie. </p><p>Wir nehmen wahr, dass die Berichterstattung der Bild-Zeitung größtenteils aus Negativschlagzeilen besteht, die die Verfehlungen anderer Menschen herauskehren und Emotionen wie Angst, Neid und Wut in der Leserschaft wecken. </p><p>In einer Zeit medialer Dauerbeschallung beobachten wir, dass dies einen Vertrauensverlust zwischen uns Menschen bewirkt, mit Blick auf unsere Regierung und vor allem in Bezug auf Menschen mit Migrationsgeschichte. </p><p>Von allen im Bundestag vertretenen Parteien ist es vor allem die AfD, die auf diese Emotionen und Themen setzt, sie verstärkt und damit ihrem – durch den Bundesverfassungsschutz berichteten – Ziel näherkommt: der Abschaffung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Die AfD hält die Würde des Menschen nicht für unantastbar. Im Gegenteil, sie plant eine Politik der „wohltemperierten Grausamkeit“, bezieht sich positiv auf die einstigen Verbrechen der Schutzstaffel und strebt die Vertreibung von Millionen von Menschen an. Ihnen, Herr Döpfner, bereitet das Sorgen, wie Sie in Ihrem Meinungsbeitrag „Vor dem Donnerschlag“ vom 14. Januar 2025 schreiben. </p><p>Darüber möchten wir mit Ihnen ins Gespräch kommen. </p><p>Ihr Redaktionsstatut unterstreicht die Wichtigkeit journalistischer Unabhängigkeit. Auf dem Primat der Wissenschaftlichkeit und der Tradition der Aufklärung ruhend, stützt sie den gesellschaftlichen Diskurs, denn sie garantiert die Richtigkeit der Information und die Wahrhaftigkeit der Berichterstattung. Gehen die verloren, erodiert das gesellschaftliche Vertrauen weiter. </p><p>In der Vergangenheit sind Zweifel an der Unabhängigkeit der Redaktionen des Springer-Verlags aufgekommen. So ist da Ihre SMS an den damaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt: „Please Stärke die FDP. Wenn die sehr stark sind können sie in Ampel so autoritär auftreten dass die platzt [sic].“ </p><p>Darüber hinaus besteht der Verdacht, dass die globale Investmentgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts &amp; Co. (KKR) auf Ihre Berichterstattung Einfluss genommen hat. </p><p>KKR investierte (und investiert bis heute) umfangreich in fossile Energieträger und hielt (und hält bis heute) Beteiligungen in Milliardenhöhe unter anderem an LNG-Terminals, während die Berichterstattung der Springer-Redaktionen stark das sogenannte „Heizunggesetz“ des ehemaligen Wirtschafts- und Klimaministers Robert Habeck kritisierte.  </p><p>Auch Fragen nach persönlichen Interessenkonflikten Ihrerseits stehen im Raum. Friede Springer hat Ihnen Unternehmensanteile in Höhe von einer Milliarde Euro geschenkt. Rund um diesen Prozess kam es zu dem Vorwurf, dass Sie Steuerschlupflöcher genutzt hätten, um Ihre Abgaben möglichst gering zu halten. Gleichzeitig setzen Ihre Redaktionen sich in Artikeln und Meinungsbeiträgen immer wieder dafür ein, die Steuern auf hohe Vermögen und Einkommen zu senken.</p><p>In Summe befürchten wir, dass dieses Verhalten unsere Gesellschaft spaltet, den Kampf gegen die Klimakatastrophe hemmt und zu weniger Verteilungsgerechtigkeit führt. </p><p>Kurz vor dem 76. Geburtstag unserer Bundesrepublik stellen wir fest, dass viele Gewohnheiten, Prozesse und gesellschaftliche Abläufe sich eingeschliffen haben. Wir empfinden friedlichen zivilen Ungehorsam als geeignetes Mittel, um diesen vermeintlich normalen Lauf der Dinge zu unterbrechen, wenn dieser Lauf der Dinge nicht mehr normal ist, sondern im Gegenteil in die drohende Katastrophe führt. Wir greifen auf diese Protestform zurück, um zum Innehalten und Zusammenkommen einzuladen, um die gegebenen Strukturen und Systeme gemeinsam zu reflektieren und zu verbessern. </p><p>Ab dem 2. Juni 2025 wenden wir uns mit den Aktionen unserer Widerstandswelle an Sie und Ihre Mitarbeitenden – in dem Wissen, dass wir in vielen Punkten unterschiedliche Positionen haben, aber die anstehenden Probleme nur gemeinsam werden lösen können. Lassen Sie uns streiten, konstruktiv streiten, in dem Wissen, dass die Welt doch so viel besser sein könnte.  </p><p></p><p>Mit freundlichen Grüßen<br/></p><p></p><p>Raphael Thelen</p><p>für die Neue Generation<br/></p><p></p><p><a href="https://neuegeneration.com/demokratie-abo/">Jetzt unterstützen</a></p><p><br/><br/><br/></p><p><br/><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 21 May 2025 06:51:36 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Aufbruch in eine neue Welt]]></title>
      <description><![CDATA[Wenn ich an das Kuppelzelt denke, in dem das Parlament der Menschen stattfinden wird, schwebt es in meiner Vorstellung 20 Zentimeter über dem Boden. Wie ein Traum,…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wenn ich an das Kuppelzelt denke, in dem das Parlament der Menschen stattfinden wird, schwebt es in meiner Vorstellung 20 Zentimeter über dem Boden. Wie ein Traum, zerbrechlich der Glaube daran, aber untrüglich da: dass die Welt so viel besser sein könnte. <br/><br/>Das Gegenteil, dass alles noch tiefer sinkt, zusammenbricht, abstürzt, das kann ich in tausend Varianten runterbeten. Unsere Welt ist darauf gebaut, Medien verdienen ihr Geld damit, dass unsere Gehirne Risiken aufblähen. Es ist einfach, und in schwierigen Zeiten dürfen wir es uns nicht zu einfach machen. <br/><br/>Hoffnung, sagte letztens jemand, sei etwas, was ich in meinem Kopf erschaffen könne. Eine Geschichte konstruieren, aus dem Blick zurück die richtigen Teile in eine Reihenfolge bringen, und dann von da aus nach vorne denken. Schon das ist schwere Arbeit - Rebecca Solnit hat mal geschrieben, dass Hoffnung nicht der Glaube sei, dass alles gut werde, sondern die Überzeugung, dass es besser sein könnte und entsprechend zu handeln. <br/><br/>Was ich noch viel mehr aus der gelebten Erfahrung ziehe, ist der Glaube daran, dass der Mensch gut ist. Und so wie unsere Gesellschaft gebaut ist, arbeitet alles dagegen, dass wir diese Erfahrung machen. Eigennutz, Konkurrenz und Hass fördert sie. <br/><br/>Die Räume, in denen wir uns gegenseitig als gut erfahren, die können wir selbst schaffen. Im Alltag sind es die kleinen Dinge, so simpel wie einer anderen Person in der Bahn einen Sitz anbieten. Im eigenen Büro eine Stunde einführen, wo sich alle Kolleg:innen kurz mal austauschen: Wie geht’s gerade so persönlich, mit der Familie, mit der Welt? Gesellschaftlich tut es gerade so weh, mitzuerleben, was passiert, weil unsere Gesellschaften schon mal menschlicher waren. <br/><br/>Unter diesem Ansturm kann ich versuchen mich wegzuducken und für die meinen eine sichere Nische zu finden. Oder ich richte mich auf, und schaue, ob ich einigen etwas Windschatten geben kann. Dann zu sehen, dass auch andere neben mir aufstehen, dass ist der Moment, in dem auch gesellschaftlich wieder der Glaube an das Gute im Menschen wächst. <br/><br/>Deshalb schwebt unser Kuppelzelt in meiner Vorstellung zwanzig Zentimeter über dem Boden, fühlt sich unser Aufbruch in eine neue Welt so verletzlich an - weil der Sturm so stark ist, und es viel brauchen wird, seine Energie umzulenken. <br/><br/>Doch der Blick in die Geschichte gibt mir Hoffnung, und wenn ich nach links und rechts gucke, stehen da viele Menschen. Manchmal wanken sie im Wind, manchmal ich, aber dann stabilisieren wir uns gegenseitig. <br/><br/>Take me by your hand. </p><p></p><p><a href="https://neuegeneration.com/demokratie-abo/">Unterstützen</a></p><p><br/><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 14 May 2025 08:30:29 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Merz und das kommende Chaos]]></title>
      <description><![CDATA[Merz wurde nicht zum Kanzler gewählt und ich meinte zu Henning: “Das sind solche Weimar-Vibes” und Henning meinte: “Nur, dass keine Kommunist:innen in den Straßen…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Merz wurde nicht zum Kanzler gewählt, und ich meinte zu Henning: “Das sind solche Weimar-Vibes” und Henning meinte: “Nur, dass keine Kommunist:innen in den Straßen demonstrieren.” Ich hab genickt und gemerkt, wie mich das auseinandernimmt. Carla meinte, dass sie vor allem überrascht sei, dass noch irgendwer überrascht ist, aber ja, es schockiert mich immer noch, wie schnell das geht: der Zerfall aller bekannten Strukturen. </p><p>Es lässt sich ja relativ gut voraussagen, wie es jetzt weitergeht: CDU und SPD misstrauen sich vom Start. Das belastet diese kleine Koalition, die vom ersten Tag unter unendlich großen Druck steht, noch mehr. Bald fangen sich beide Parteien an, gegenseitig die Schuld zu geben für ihr Versagen. Die Regierung zerbricht, wie es der vorigen auch passiert ist. </p><p>Eben meinte ich zu meinem Mitbewohner in der Küche, dass es wahrscheinlich in zwei Jahren Neuwahlen geben wird. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, ist das eine Schätzung aus der alten Welt. Wahrscheinlich wird es noch schneller gehen und die AfD freut sich darüber. Sie ist die vermeintliche “Alternative” zu diesem System, das nicht mehr liefert, weder auf materieller noch auf sinnstiftender Ebene. Weimar, Weimar, Weimar. </p><p>Die Grünen warnten gestern nach dem ersten Wahlgang vor “Chaos” und irgendwas daran kam mir so falsch vor, dass es mich wieder auf Spur brachte. </p><p>Die Grünen, eine vermeintlich progressive Partei, bedauerte es, dass ein Millionär nicht zum Kanzler gewählt wurde, statt es als Chance zu begreifen. Das kann man ihnen jetzt hoch anrechnen, als “verantwortungsbewusst” oder “staatstragend”, aber welche Verantwortung und welcher Staat?</p><p>Sie tragen ein System mit, das unsere Planeten systematisch zerstört, für Millionen Menschen Hunger bedeutet, während die Ungleichheit in Deutschland wieder auf dem gleichen Stand ist wie 1870. Sie tragen ein System mit, in dem jede sich selbst die nächste ist, der Gewinner alles kriegt, und die Verlierer vom Jobcenter ihr Geld gestrichen bekommen. Sie tragen ein System mit, das den Kern des Faschismus schon in sich trägt: die Idee, dass manche Menschen wertvoller sind als andere, und deshalb exorbitant höhere Löhne und andere Privilegien verdienen. </p><p>In unserer Küche steht ein Kaffee “aus Afrika” und darauf steht irgendein Text darüber, wie “nachhaltig” er produziert wird, und das Wort kommt mir nur noch bescheuert vor. Wir – und damit meine ich die links-grüne, größtenteils akademisierte Bubble – hält, mit allem was sie hat, fest an der alten Welt. Das ist moralisch verwerflich, weil sie damit zum einen bloß ihre eigenen Pfründe verteidigt und zum anderen ist es auch dumm. Die alte Welt liegt im Sterben, und wenn man sich an sie ranklammert, dann wird man unweigerlich mit ihr zusammen in den Abgrund gezogen. Und wie sagte Marcel Grauf von der AfD: “Ich will auf Leichen pissen und auf Gräbern tanzen. SIEG HEIL!“ </p><p>Es gibt kein zurück. Es gibt kein Klima mehr, dass wir bloß schützen können, wir werden es aktiv stabilisieren müssen. Es gibt keine Demokratie, um die wir eine Brandmauer ziehen können, wir müssen sie uns von den Konzernen zurückholen. Es gibt keine Marktwirtschaft mehr, die uns versorgt, wir müssen die Oligarchie entmachten – und dann unsere eigene Welt aufbauen. </p><p>In den vergangenen Wochen haben wir geplant, wie das Parlament der Menschen ablaufen wird, und Jascha, der es moderieren wird, meinte: Wenn man die ganze Zeit im Widerstand ist, wenn man abwehrt und zurückdrängen will, dann kann man nicht ins Gestalten.</p><p>Everything is fucked. Nichts bleibt, wie es ist. Wir müssen alles verändern – das müssen wir anerkennen. Und dann loslegen, endlich sagen, was wir wollen, unsere Ziele formulieren. Eine Revolution ist unausweichlich, denn wenn das System zusammenbricht, dann werden die Rechten die Macht versuchen an sich zu reißen. Dann übernehmen die das Militär und die Polizei. Dann machen die das Gleiche, wie Trump in den USA: Vor laufender Kamera werden Menschen aus ihren Häusern gezerrt, in Ketten gelegt und in Lager gesperrt. Wie hat Höcke mal gesagt: „Das große Problem ist, dass man Hitler als das absolut Böse darstellt.“ Die werden den Staatsstreich versuchen, und uns dann holen kommen, und die Reichen werden ihnen das Geld dafür geben. Es sei denn, wir kommen endlich aus dem Quark, und tun etwas, entwerfen unsere eigene Vision einer besseren Welt. Eine Welt, in der alle Menschen genug zu essen haben. Eine Welt, in der Platz für alle Lebewesen ist. Eine Welt, in der wir einander mit Liebe begegnen. </p><p>Eine Welt, in der Schwächen nicht ausgenutzt werden, sondern eine Einladung sind, zu helfen. In der Verletzlichkeit neue Beziehungen stiftet und wir die Schwächsten fragen: Was braucht ihr? Denn wenn sie sich sicher fühlen, sind wir alle sicher.</p><p>Gestern Abend hatten wir wieder ein Treffen unserer Neue Generation Lokalgruppe. Wir haben gemeinsam über unsere größten Protestfails gelacht, neue Ideen entwickelt und darüber gesprochen, wie es uns mit Gaza geht. Und vorher haben wir zusammen gegessen. Einer, der kürzlich dazugekommen ist, meinte: Ich bedauere es, einen Vollzeitjob zu haben, um hier nicht mehr dabei sein zu können.</p><p>Die Neue Generation ist die neue Welt. Wir probieren sie aus. Wir leben sie. Wir bauen sie. Wenn du gerade keine Zeit hast, oder es in deinem Ort noch keine Lokalgruppe gibt, aber du trotzdem etwas beitragen möchtest, schließ gerne ein Demokratie-Abo ab. Ein Euro, der Gegenwert eines Stundenlohns, ein Prozent deines Einkommens: alles hilft dabei die Welt, von der wir träumen, Wirklichkeit werden zu lassen.</p><p>Jetzt beitragen: <a href="https://neuegeneration.com/demokratie-abo/">Demokratie-Abo</a></p><p><br/><br/><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 07 May 2025 07:49:44 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Entspannt euch]]></title>
      <description><![CDATA[Mittwochmorgens liege ich immer im Bett und denke darüber nach, was ich in den Newsletter schreiben will. Heute morgen bin ich so entspannt und zufrieden aufgewacht,…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Mittwochmorgens liege ich immer im Bett und denke darüber nach, was ich in den Newsletter schreiben will. Heute morgen bin ich so entspannt und zufrieden aufgewacht, dass ich kurz Angst hatte, dass da jetzt nichts kommt, weil das früher so anders war: Wecker klingelt, Kortisol schießt direkt auf 20000, dann noch einen Kaffee drauf, und dann den Stress wieder aus dem Körper schreiben, und die Texte handelten dann von Tod und Schmerz und Krieg, und all das ist real, ich habe genug davon persönlich und auf Recherche erlebt, und ich dachte immer, es gäbe nichts anderes. </p><p>Gestern Abend haben wir uns mit der Berliner Neuen Generation getroffen, zuerst zusammen gegessen, dann kurze Namensrunde und wie es uns geht, und dann in kleineren Gruppen weiter geredet: Was machen wir eigentlich gerne und wo wollen wir noch was lernen?</p><p>Eine Bewegung ist wie ein Körper, und wenn der nur aus Nasen oder Ohren oder Füßen bestehen würde, würde was fehlen, und gestern zu hören, wie unterschiedlich die Talente sind – von Singen über Koordinieren bis Sachen auswendig lernen – hat’s dann auch viel entspannter gemacht darüber zu reden, was ansteht: Das Parlament der Menschen wuppen und dann eine Woche Widerstand leisten gegen die Allianz der Rechten und Reichen, wobei ich langsam glaube: In der Art und Weise, wie wir da zusammen sind, leisten wir in jedem Augenblick Widerstand. </p><p>Sybille Berg hat mal – paraphrasiert – geschrieben, dass unsere Gesellschaft Erregung für Lebendigkeit hält. Sie meinte damit nicht Sex sondern dieses Kortisol 20000-Gefühl: Reels, die uns kleine Kicks geben, Konkurrenz auf dem Arbeitsplatz, der uns in den Kampfmodus versetzt, Headlines auf allen Kanälen von Krieg und Krise. Wie soll man da einander mit offenem Herzen begegnen?</p><p>Das Gegenteil von Liebe ist ja nicht Hass sondern Angst, weil sie uns zumacht, verschließt, abschneidet. Ich lache nicht, wenn ich Angst habe – es sei denn hysterisch, und das schafft wenig Verbundenheit. </p><p>“Whatever the question, community is the answer”, hat Margaret Wheatley mal geschrieben, aber an dieser Stelle wird es auch tricky, denn Community verleitet dazu, sich abzukapseln. </p><p>Sobald es mir und meiner Crew gut geht, zieh ich einen Zaun drum – physisch oder metaphorisch – und drinnen herrscht dann Frieden. Aber das ist ein falscher Frieden, solange die Welt brennt. </p><p>Den Menschen der Bürgerrechtsbewegung in den USA wurde von Kritiker:innen vorgeworfen, sie würden mit ihren Aktionen den Frieden im Land stören. Aber was für ein Frieden ist das, in dem Schwarze Menschen an Pappeln aufgehängt werden? Was ist das für ein Frieden, in dem Deutschland, ausgerechnet Deutschland, schutzsuchende Menschen an seinen Grenzen abweist, unsere Lebensgrundlage zerstört und zur systematischen Gewalt in Gaza schweigt?</p><p>Allein schon diese Zeilen zu schreiben, treibt meinen Puls wieder nach oben. </p><p>Ein Teil von mir hat Lust auf die Entspannung, der andere kann nicht zusehen, was da passiert. Ich glaube, in dem Akt, anderen die Hand zu reichen und gemeinsam das Unrecht zu konfrontieren, darin liegt auch der innere Frieden – wie das aber geht, weiß ich noch nicht genau, wenn ihr inspirierende Beispiele kennt, schickt sie mir bitte. </p><p><br/></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 30 Apr 2025 07:11:14 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Wofür wir leben]]></title>
      <description><![CDATA[Ich habe Ostern ein Glas Sekt getrunken und immer noch einen Kater (dieses disproportionale Verhältnis von Spaß zu Leid ist auch der Grund, warum ich nicht mehr trinke),…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe Ostern ein Glas Sekt getrunken und immer noch einen Kater (dieses disproportionale Verhältnis von Spaß zu Leid ist auch der Grund, warum ich nicht mehr trinke), und trotz des anhaltenden Nebels in meinem Kopf, geht mir dieser Satz von MLK Jr. nicht aus dem Kopf: “If a man has not discovered something that he will die for, he isn&#39;t fit to live.” Wenn man nicht weiß, wofür man bereit ist zu sterben, ist man auch nicht bereit zum Leben.</p><p>Tod ist das größte, ja, tödlichste Tabu unserer Gesellschaft. Wir tun alles dafür, auszublenden, dass wir sterblich sind, und richten damit unseren Planeten zu Grunde. Der ganze Materialismus, die ganzen Häuser, Autos, Karrieretitel als Versuch eine Burg zu bauen, wie um das Ego so weit auszudehnen, dass der Verfall keine Chance hat, aber die Burg ist aus Sand und die Flut kommt immer, doch ist der Strand danach nicht wieder makellos, Mikroplastik treibt da, alte Reifen, zerbrochenen Giftmüllfässer und Ölschlieren, die das Gefieder der Vögel verkleben. </p><p>Sich dem Tod stellen, damit einen Umgang finden, das ist die eigentliche Aufgabe dieser westlichen Zivilisation, die das Ego auf den Thron gesetzt hat, wo es jetzt nackt und zitternd vor Angst nicht weiter weiß, und das ist die zweite Ebene von diesem Zitat, das ich so faszinierend finde: den Tod nicht nur akzeptieren, sondern ihn als ein Geschenk betrachten, dass uns vom Leben gemacht wird, wenn wir es bewusst annehmen, einsetzen für etwas, das größer ist als wir selbst. Das kann die eigene Familie sein, eine Idee oder eine Sache, im Sinne von: eine Bewegung. MLK wusste, dass seine Gegner ihn töten wollten. Seine Anhänger, die bewaffnet in seinem Wohnzimmer saßen, hat er trotzdem weg geschickt, weil er wusste, wofür er lebte: den Frieden. </p><p>Und das ist die dritte Ebene dieses Zitats, die mich fasziniert. Wenn man weiß wofür man bereit ist zu sterben, dann macht das das Leben unendlich intensiv – und es schenkt inneren Frieden. </p><p>Doch selbst Jesus hat, kurz bevor er gekreuzigt wurde, zu seinem Gott gebetet: “Lasst diesen Kelch an mir vorübergehen.” Ich kann mir nicht vorstellen, wie es in MLK ausgesehen haben muss, der eine Frau und Kinder hatte. Ich weiß auch nicht, wofür ich bereit wäre zu sterben, aber ich merke, wie mich die Frage nicht in Ruhe lässt, laufend spült sie mein Unterbewusstsein nach oben, auf der Suche nach einer Antwort. </p><p>Hast du eine für dich?</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 23 Apr 2025 08:06:56 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Rein in den Cringe]]></title>
      <description><![CDATA[Dieser Text geht mir seit Tagen nicht aus dem Kopf, weil er so kurz, radikal und wahr ist. Er ist aus dem Englischen übersetzt, mir fällt dabei immer kein gutes Wort für…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Text geht mir seit Tagen nicht aus dem Kopf, weil er so kurz, radikal und wahr ist. Für das englische “liberal” fällt mir dabei immer kein gutes Wort ein, ich schätze “bürgerlich” trifft es am besten:</p><p>The night before the German election, a leader of the fascist party was interviewed on <em>Newsnight</em>, the BBC public affairs programme. She said her party would expel refugees from Afghanistan back to the country, even though they would be beaten, raped, and killed on their return. At the end of this proposition, she said confidently, &quot;Why not?&quot;</p><p>Predictably, the liberal commentators in the <em>Newsnight</em> studio did not answer her question. They analysed, rationalised, and procrastinated—anything to avoid declaring what it means to be truly human.</p><p>To deal with fascism, you have to have an alternative way of being and acting, other than technocracy. So how to reply? You say:</p><blockquote><p>&quot;Why not? Easy—because we are all sisters and brothers. We exist to love each other. We are the other, and the other is us. If we abandon those in need, we abandon ourselves. We become diminished. You can choose to hate, or you can choose to love—this is the fundamental political choice. The German people do not want to choose fascism because they, more than most, understand it will destroy the country—spiritually and materially. We need to grow up and take responsibility for being alive in this world—for its burdens and joys. This is our true destiny. This is what we stand for.&quot;</p></blockquote><p></p><p>Der Text ist von Roger Hallem, und Cringe ist das Wort, das am besten beschreibt, was ich fühle, wenn ich das lese. Das hat sicherlich mit der teils alt anmutenden Sprache zu tun, aber mehr noch damit, dass der Text etwas ausspricht, was – zumindest in meiner Sozialisierung – nicht cool ist, weil es nicht rational, egozentrisch und hart ist. Aber es ist deshalb nicht weniger wahr. </p><p>Dass wir alle verbunden und unser Glück im Glück der anderen liegt, lehren die alten Weisheitstraditionen und die moderne Wissenschaft. Und darüber hinaus: wird es tatsächlich nicht reichen, nur gegen den Faschismus zu sein, ohne etwas Anderes anzubieten. Und dieses Andere muss radikal anders sein: das Gegenteil. </p><p>Deswegen haben CDU und SPD auch kein Mittel, die AfD aufzuhalten, weil sie von den gleichen Grundwerten aus operieren. Menschen werden durch das Bürgergeld erniedrigt, durch die Asylbürokratie ausgegrenzt, durch Konzerne ausgebeutet. Die AfD denkt dieses Prinzipien nur bis ans Ende. Die Grünen? Ich hoffe, sie besinnen sich auf ihre Wurzeln, sonst sind sie auch nutzlos im Kampf gegen den Faschismus, weil sie zu viele Kompromisse machen, statt das auszusprechen, was wir jetzt nach vorne stellen müssen: dass wir alle Schwestern und Brüder sind, dass unser Glück im Glück der Anderen liegt. </p><p>Diese Wahrheit in die Gegenwart zu holen, sie in heutige Sprache zu übersetzen und zur Grundlage unserer politischen Arbeit zu machen – das ist die Aufgabe, vor der wir stehen. Nur dann haben wir eine Chance gegen den Faschismus und eine andere Welt zu gewinnen. </p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 16 Apr 2025 07:29:10 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Kein Mensch sollte Milliardär sein]]></title>
      <description><![CDATA[Ich weiß ziemlich genau, wer und wie ich sein will, und Schadenfreude gehört nicht dazu. Aber als ich gestern gelesen habe, wie viel Geld Zuckerberg, Bezos und Musk in…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ich weiß ziemlich genau, wer und wie ich sein will, und Schadenfreude gehört nicht dazu. Aber als ich gestern gelesen habe, wie viel Geld Zuckerberg, Bezos und Musk in den vergangenen Monaten verloren haben, fiel mir das kurz schwer:</p><p>Zuckerberg – 28 Milliarden Dollar</p><p>Bezos – 23,5 Milliarden Dollar</p><p>Musk – 130 Milliarden Dollar </p><p>Warum mir das schwerfiel?</p><p>Kein Mensch sollte eine Milliarde Dollar besitzen. Schon gar nicht mehr. Selbst 500 Millionen Privatvermögen sind ein Verbrechen. Zum einen, weil man mit so viel Geld dafür sorgen könnte, den Hunger auf der Welt zu bekämpfen. Zum anderen, weil man mit so viel Geld problemlos Politiker:innen korrumpieren kann. Kein Mensch sollte Milliardär sein. </p><p>Gefreut hat’s mich aber vor allem, weil diese drei Männer und auch die ganzen anderen Superreichen brav für Trumps Wahlkampf gespendet haben, Bezos seine eigene Washington Post sogar redaktionell entsprechend manipulierte, Musk – well, lets not talk about Musk. Und jetzt verlieren sie, weil Trump halt nur sich selbst und seinen eigenen Vorteil kennt. </p><p>Ich hätte nie gedacht, dass ich mal Merz anerkennend zitiere, aber wahrscheinlich kennt er diese Welt einfach aus erster Hand, und sagt deshalb kluge Dinge über sie: “Wenn man sich eine solche Natter an den Hals holt, wird man von dieser Natter erwürgt.”</p><p>Bitter natürlich, dass es diese Superreichen einen Scheiss kümmern muss, wenn sie ein paar Milliarden verlieren. Für die ist das nur noch Spielgeld. Für Menschen in Kambodscha, die jetzt ihre Jobs verlieren wegen Trumps Zöllen, für die Rentner:innen in den USA, die ihre Pension aus Aktien beziehen, für alle Amerikaner:innen, die auf billige Medikamente angewiesen sind – für die ist das eine fucking Tragödie. </p><p>Die vergangenen Wochen halten wir in ganz Deutschland Vorträge, um zu erzählen, was wir mit der Neuen Generation vorhaben, und dabei geht’s immer auch darum, was wir aus der Geschichte für Revolutionen lernen können. Was ich dann immer sage: Wir leben ungefähr wieder 1928, kurz vor dem großen Börsencrash. Auch damals verloren zig Millionen Menschen ihre Lebensgrundlage, die Deutschen ließen Hitler erst gewähren und wählten ihn dann schließlich.</p><p>Heute: empfinde ich die Situation als noch viel dramatischer als damals. Die globalen Finanzmärkte sind vollgesogen mit Geld nach fast zwei Jahrzehnten Niedrigzins, gleichzeitig ist unsere Weltwirtschaft komplett verflochten, all das wackelt schon seit einer Weile, und Trump tritt jetzt die letzten Stützpfeiler weg. </p><p>Und spätestens bei dem Gedanken merke ich immer, warum Schadenfreude nicht nur unschön, sondern auch gefährlich ist  – im schlimmsten Fall begnügen wir uns mit ihr, statt etwas zu tun, und plötzlich dann ist die AfD an der Macht. </p><p>Die Rechten bereiten sich systematisch auf den Zusammenbruch des Systems vor, auf den “Bürgerkrieg” und den “Tag X”. Die AfD will die Demokratie abschaffen, aus einer rechten Demo heraus versuchten Neonazis schon einmal den Bundestag zu stürmen, und Gruppen wie die Sächsischen Separatisten trainieren in ostdeutschen Wäldern mit echten Waffen. </p><p>Zu all dem kommt noch die Totalüberwachung durch Facebook, Instagram, TikTok und X, jetzt nochmal verstärkt durch die Macht künstlicher Intelligenz. Das ergibt einen totalitären Überwachungsstaat, wie es ihn in der Menschheitsgeschichte nie gab, und wie schreibt Björn Höcke: Man werde “nicht um eine Politik der &#39;wohltemperierten Grausamkeit&#39; herumkommen.” </p><p>Auf der Demo gegen Merz’ Zusammenarbeit mit der AfD vor einigen Wochen, machte mich eine Sache glücklich. Da fuhr ein Lautsprecherwagen der Interventionistischen Linken mit, was insofern überraschend war, als dass sie linksradikal ist und vom Verfassungsschutz beobachtet wird, während die Demo insgesamt vom bürgerlichen Campact organisiert wurde. Ähnlich ging es mir, als Luisa Neubauer anbot, auf der Pressekonferenz gegen die Kriminalisierung der Letzten Generation zu sprechen. Angesichts der Weltlage entstehen da Bündnisse, die vor einigen Wochen und Monaten undenkbar waren. </p><p>Dass die Linke ach so mehr zerstritten sei, als die Rechte, ist ein altes Klischee, das ich nicht glaube: Ich habe als Reporter genug Zeit mit Rechten verbracht – die hassen sich teils leidenschaftlich untereinander. Und trotzdem streiten wir uns natürlich zu oft und verlieren das Ziel aus den Augen: in dieser Zeit bestehen und für eine lebendige Zukunft, eine liebenswerte Zukunft einstehen. </p><p>Russland und Ukraine, Israel und Gaza, Männer und Frauen – es gibt vieles, über das man streiten kann. Themen, die wichtig sind, die schwierig sind. Immer wenn ich mit einer Person an so ein Thema komme, und es droht, uns zu entzweien, versuche ich mich zu fragen: Gibt es da nicht viel mehr, was uns eint, als was uns trennt? </p><p>Und wenn die Antwort ja ist, dann sehe ich diese Person als Verbündete. Wir alle sind verschieden, ja, und das anzuerkennen, ist unsere Stärke. </p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 09 Apr 2025 10:30:40 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Mit zwei Händen]]></title>
      <description><![CDATA[Wir kamen beide gerade von der Leipziger Buchmesse, und jetzt saßen eine Freundin und ich in einem indischen Fastfood-Restaurant am Hauptbahnhof und redeten über die…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wir kamen beide gerade von der Leipziger Buchmesse, und jetzt saßen eine Freundin und ich in einem indischen Fastfood-Restaurant am Hauptbahnhof und redeten über die Revolution. Sie und ich, wir sind beides Menschen, die laut und schnell reden, und irgendwann musste ich mich mal umdrehen, weil ich dachte: alle hören wahrscheinlich gerade zu, und unsere Unterhaltung ist irgendwie surreal. </p><p>An einem Punkt fragte sie: “Aber wie sollen wir das denn schaffen mit den paar wenigen Menschen, die wir sind?” Und ich meinte: “Wir sind die Menschen, die die Vorbereitung machen für den Augenblick, wenn die Lage eskaliert, und viele Menschen wütend sind.” Wir sind die, die die Vorbereitung machen, damit dann nicht der Faschismus übernimmt, sondern der Wandel friedlich bleibt. </p><p>Eine Viertelstunde zu Fuß von dem Fastfood-Restaurant steht die Nikolaikirche. In den 1980ern fingen dort junge Menschen an, für den Frieden zu beten. Sie hörten auch nicht auf, als der Druck auf sie wuchs. Zeitweise mussten sie auf eine Seitenkapelle ausweichen, weil sie nur noch wenige waren, aber sie machten weiter, weil sie daran glaubten, dass Frieden nötig und möglich ist. </p><p>Im Nachbarland Polen gingen zehntausende Menschen der Solidarność-Bewegung friedlich auf die Straße. Die Situation im Ostblock und auf der ganzen Welt spitzte sich zu. Die DDR, der ganze Stasi-Staat, schwankte. Irgendwann blieben die Menschen mit ihren Friedensgebeten nicht mehr in der Kirche. Mit Kerzen in den Händen gingen sie auf die Straße, und das in einem Staat, in dem gefoltert und auf “Republikflüchtlinge” geschossen wurde. </p><p>Die Menschen, die da beteten, hatten sich teils bewusst, teils unbewusst, seit Jahren darauf vorbereitet. „Eine brennende Kerze in der Hand braucht zwei Hände. Da kann man keine Steine werfen”, sagt ein Pfarrer damals. Und in dieser Überzeugung lag ihre Kraft. Wenn die Polizei angriff, schwächte das das Regime, denn die Bevölkerung empörte sich. Wenn die Polizei nicht angriff, wuchs die Bewegung weiter, mehr Menschen überwanden ihre Angst, und dann waren plötzlich 70.000 Menschen in Leipzig auf der Straße und riefen: „Keine Gewalt!“, und: „Freiheit! Demokratie!“</p><p>In seinem Buch “Protest” beschreibt Srdjan Popovic eine ähnliche Szene. Er gehörte zu den Gründer:innen von Otpor!, der Bewegung, die den serbischen Diktator Slobodan Milosevic stürzte. </p><p>Seitdem trainiert Popovic Revolutionär:innen auf der ganzen Welt in gewaltfreiem Widerstand, auch eine Gruppe Ägypter:innen, die ihm immer wieder sagten: “Das funktioniert bei uns nicht.” In den Jahren darauf eskalierte die globale Finanzkrise und die Klimaerhitzung zerstörte weltweit Ernten. Die Lebensmittelpreise stiegen, die Menschen in Ägypten konnten sich ihr Brot nicht mehr leisten. Popovics Schüler:innen waren im Zentrum der Besetzung des Tahrir-Platz. Eine friedliche Revolution, wie wir sie brauchen, wollen wir die Klimakrise überleben. </p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 02 Apr 2025 08:26:47 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Das schönste Problem]]></title>
      <description><![CDATA[Ihr Lieben,  ihr werdet es schon gemerkt haben, mein Newsletter erscheint jetzt immer mittwochs. Das hat mit unserem Rhythmus bei der Neuen Generation zu tun, oder wie…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ihr Lieben, </p><p>ihr werdet es schon gemerkt haben, mein Newsletter erscheint jetzt immer mittwochs. Das hat mit unserem Rhythmus bei der Neuen Generation zu tun, oder wie ein Freund mal sagte: Wenn der Plan für eine Bewegung nicht funktioniert, hat man kein Problem. Das Problem hat man, wenn es funktioniert. Was er meinte: Dann hat man auf einmal richtig viel zu tun. </p><p>Dieses schöne Problem haben wir jetzt, und das fühlt sich relativ fantastisch an. </p><p>Wir haben in den vergangenen Wochen knapp 400 Vorträge gehalten, um Lokale Gruppen zu gründen. Für unser Parlament hat sich schon eine dreistellige Anzahl Menschen angemeldet. Selbst <a href="https://www.tagesschau.de/inland/regional/berlin/rbb-protestaktion-tesla-geschaeft-in-der-mall-of-berlin-mit-farbe-beschmiert-100.html">Tagesschau.de</a> hat über unsere Proteste gegen Tesla berichtet.  </p><figure><a href="https://www.tagesschau.de/inland/regional/berlin/rbb-protestaktion-tesla-geschaeft-in-der-mall-of-berlin-mit-farbe-beschmiert-100.html"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/7c0b8924-b28c-48a1-b7e4-c7ff552d0e1c/uploads/images/hjnvsdzhbn/Bildschirm_foto_2025-03-26_um_13.05.33.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/></a><figcaption>AfD-Blau am Tesla-Showroom in Berlin, weil Weidel und Musk am gleichen Strang ziehen</figcaption></figure><p>Jetzt heißt es: All diese Energie nutzen für den notwendigen Wandel, den wir jetzt brauchen. </p><p>Anfang des Jahres habe ich mir selbst gesagt: Ich will nach Unterstützung fragen, wenn ich sie brauche. Das mache ich jetzt. </p><p>Ich brauche jemanden, der Lust hat sich ans Telefon zu hängen, um Menschen anzurufen, die neugierig auf die Bewegung sind. Unterstützung bei Social Media würde riesig helfen. Toll wäre auch: Wenn du monatlich spenden würdest, damit wir all jene bezahlen können, die gerade Vollzeit mitarbeiten. </p><p><br/><strong>Bist du dabei?</strong></p><p>Dann antworte mir einfach auf diese Mail, wenn du mithelfen willst!</p><p>Und wenn du dir vorstellen kannst, monatlich zu spenden, klick hier:</p><p><a href="https://neuegeneration.com/spenden/">Monatlich spenden ❤️</a></p><p></p><p>P.S. Wie du dir denken kannst: Wir können alle, die Lust haben, sich richtig reinzuhängen, gerne auch bezahlen – eine Welt, die in Vollzeit zerstört wird, werden wir nicht in Teilzeit retten!<br/><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 26 Mar 2025 12:13:05 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Ich will meine Sicherheit zurück]]></title>
      <description><![CDATA[Ich erinnere mich an eine Zeit, da hatte ich keine Angst vor der Zukunft. Es sind immer schlimme Dinge passiert, und als Reporter habe ich es selbst miterlebt:…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ich erinnere mich an eine Zeit, da hatte ich keine Angst vor der Zukunft. Es sind immer schlimme Dinge passiert, und als Reporter habe ich es selbst miterlebt: Polizeigewalt, Flucht, Krieg. Doch auch wenn ich die Zukunft nie als  Versprechen gesehen habe, nie mit einem Glauben an Fortschritt aufgewachsen bin, so war sie zumindest auch nicht bedrohlich. 2019 ist das gekippt. </p><p>Das hat gleichermaßen mit dem zu tun, was in der Welt und in mir passiert ist, weil das eine das andere ja letztlich nur spiegelt. Greta Thunberg und die Fridays auf der einen, mein eigener Erkenntnisprozess um die Verletzlichkeit unseres Planeten auf der anderen Seite. </p><p>Mit Kickl, mit Trump und Musk hat sich dieses Gefühl verdichtet. Die Angst bezieht sich nicht mehr auf die nächsten Jahrzehnte. Sie bezieht sich auf die nächsten Jahre. Sie drückt sich aus nicht mehr in abstrakten Statistiken, sie ist grotesk konkret jeden Tag zu beobachten. </p><p>Ich will sie zurück, diese Zeit, in der ich keine Angst hatte vor der Zukunft. Ich will, dass es uns gut geht. </p><p>Der 13. Juli 2024 war eine Gewissensprüfung für jede:n von uns. Es war der Tag, an dem ein Attentäter versuchte, Donald Trump zu erschießen. Was ging dir da durch den Kopf? Warst du erschrocken über das versuchte Attentat, oder hast du bedauert, dass Trump überlebte? Und wenn du sein Überleben bedauert hast, bist du dann über dich selbst erschrocken? Vielleicht aber noch wichtiger: Was hast du in den Tagen darauf laut gesagt? </p><p>Wenn Angst in einer Gesellschaft ihre Wurzeln schlägt, dann trägt sie hässliche Blüten. Zum Beispiel, dass wir hoffen, jemand wäre bei einem Attentat gestorben, dass wir zu anderen sagen: “Schade, dass Trump nicht gestorben ist.” Ich möchte das gar nicht moralisch verurteilen, wenn du das gedacht oder gesagt hast, ausser in dem Sinne einer praktischen Ethik: Was ist das richtige Handeln, damit es möglichst vielen Menschen gut geht?</p><p>Wenn ich schreibe: “Ich will sie zurück diese Zeit”, dann merke ich, dass da Rachegelüste mitschwingen, dass ich anderen Menschen die Schuld gebe, für das, was gerade passiert, und darin liegt auch ein Wunsch zu bestrafen, und das ist die Scheisse: Angst produziert ihren eigenen Nährboden. Angst produziert mehr Angst. </p><p>Welche Wirkung hatte das Attentat auf den Menschen Trump? Welche Wirkung hatte es auf seine Anhänger:innen? Sie begegnen uns seitdem sicherlich nicht mit mehr Liebe, sondern träumen von noch mehr Gewalt gegen uns. Das macht uns wiederum noch mehr Angst – unser Impuls nach Gewalt und Strafen wird größer. Irgendwann dann gibt es da kein Halten mehr. </p><p>Jetzt ist es ja noch lustig, dass in Kanada keine Americanos, sondern Canadianos serviert werden als Revanche für Trumps Politik. Gleichzeitig finde ich es verstörend, wenn in großen Medien so ein aufkommender Nationalismus gefeiert wird. Im Geiste ist das: Auge um Auge. Irgendwann sind alle blind. Wenn es eskaliert. Wenn es kein Halten mehr gibt. Wenn der Krieg ausbricht. Dann sind alle Opfer. Außer die Oligarchen. Die profitieren weiter.</p><p>&quot;Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf. Sie ruht erst, wenn sie alles unter sich begraben hat.&quot;</p><p>Erich Kästner hat das über den Nationalsozialismus gesagt. Ich glaube, er hat im Kern Recht. Aber ich mag seine martialische Ausdrucksweise nicht. Ich würde sagen: Man muss den Schneeball schmelzen, bevor es zu spät ist. </p><p>Wir werden dem Hass nicht mit Hass beikommen können. Nur Liebe kann das. Nur Ruhe kann das. Nur Zuhören, Ernstnehmen, Verstehen. </p><p>Das braucht Zeit und Raum. Dafür ist es notwendig, dass es uns gut geht, dass wir entspannt sind und uns sicher fühlen. Wenn wir selbst Angst haben, sind wir nicht dazu in der Lage, einem anderen Menschen wirklich zuzuhören. Dafür braucht es eine Tasse Tee und vielleicht ein paar Kekse auf dem Tisch. Oder ein Bier und eine Laugenbrezel. Einen Spaziergang im Park oder im Wald. Dafür braucht es Räume, in denen wir uns als Gleiche unter Gleichen begegnen können. In denen wir uns in die Augen schauen, und unseren Gegenüber sehen als Menschen mit all seinen Sorgen und Träumen, Schwächen und Stärken. </p><p>Noch ist das möglich. Noch geht es uns als Gesellschaft gut genug, noch hat die Angst ihre Wurzeln nicht zu tief ins Fundament gegraben. </p><p>Doch wenn es so weit ist, dann folgt auf Angriff nur noch Gegenangriff, Hass wird mit Hass beantwortet, Gewalt mit Gewalt. </p><p>Ich denke an meinen Bruder und seine beiden Kinder. Ich denke an meine liebe Freundin Theresa und ihre Neffen. Wenn es soweit kommt, wenn es eskaliert, dann ist keine Familie mehr sicher. Auch meine Kinder, wenn ich das Glück haben sollte, mal welche zu haben, sind dann nicht mehr sicher. </p><p>Der Schneeball, wir müssen ihn schmelzen. </p><p>Jetzt. </p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p><br/><br/><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 19 Mar 2025 09:22:31 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Vorbereitet sein]]></title>
      <description><![CDATA[Ein einziges Wort von Trump reichte, um die Börse abstürzen zu lassen: Rezession. Der mächtigste Mann der Welt sagte, das könne durchaus passieren, und: das sei sogar…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ein einziges Wort von Trump reichte, um die Börse abstürzen zu lassen: “Rezession”. Der mächtigste Mann der Welt sagte, das könne durchaus passieren, und: das sei sogar eingeplant. </p><p>Trump ist Narzisst. Wir haben das in den letzten Jahren erlebt: Er lobt alles, was er tut, als sei er der wiedergekehrte Messias. Seine Fehler hingegen redet er klein. Wenn er also davon spricht, dass es eine Rezession geben könnte – also Firmenpleiten, Kündigungen, Armut –, dann macht mir das Angst. </p><p>Es geht mir nicht um die Kursverluste an der Börse. Ja, auch da verlieren Menschen ihr Erspartes, aber um da zu spekulieren, muss man erstmal Erspartes haben. Es geht mir darum, dass Trump die Welt ins Chaos stürzt. </p><p>In den vergangenen Tagen hat er die Strafzölle gegen Kanada eingeführt, sie ausgesetzt, dann erhöht, und die Erhöhung teils zurückgenommen. Das wirkt irre. Irrational. Aber nur aus unserer Perspektive. Aus seiner Sicht macht das Sinn. Trump will zerstören, um dann die Welt nach seiner Vorstellung wiederaufzubauen. Das Video aus Gaza – bester Beweis dieses Mindsets. </p><p>In der US-amerikanischen Außenpolitik hat das eine lange Tradition, sie läuft unter dem Namen „Schockdoktrin“. Naomi Klein hat ein Buch darüber geschrieben, das jede und jeder gelesen haben sollte. Die Zusammenfassung lautet so: Während großer Krisen herrscht große Verunsicherung und ein Machtvakuum. Wer vorbereitet ist, kann es für sich nutzen. Ein Beispiel aus dem Buch: Nach dem Tsunami 2004 in Südostasien waren unzählige Dörfer entlang der Küste zerstört. Investoren ergriffen „die Chance“ und bauten auf dem Land der Menschen Hotelanlagen. Die Menschen verloren alles. </p><p>Trump sorgt für Unsicherheit überall. Er setzt auf Disruption. Während die meisten anderen Staatschefs Golf spielen, spielt er American Football. Deswegen haben ihm die anderen Staatschefs auch nichts entgegenzusetzen. Wenn die Krise dann kommt, sind alle überrascht, wissen nicht, was sie tun sollen. Trump und seine Berater hingegen spielen ihr Spiel zu Ende und gehen als Gewinner hervor. Gewinnen heißt in dem Fall: mehr Macht für die globale Oligarchie. Ja, auch für deutsche Milliardäre wie Schwarz, Quandt und Müller. All die Leute, die schon in ruhigen Zeiten zu viel Macht haben, sie bekommen dann noch mehr Macht. Die zehn reichsten Männer der Welt verdoppelten während Corona ihr Vermögen. Es war eine Krisensituation. Sie haben sie ausgenutzt. Und viele von ihnen unterstützen jetzt Rechtsradikale wie Meloni, Le Pen und Weidel. </p><p>Warum mir das so Angst macht: Die Welt ist sowieso schon so instabil. Lieferketten, die für unsere Versorgung notwendig sind, spannen sich um den ganzen Planeten, alles just in time, alles unglaublich fragil. Die Finanzmärkte sind nach Jahrzehnten des billigen Geldes aufgeblasen bis ans Limit, können täglich platzen. Wegen der Klimakrise kann es jederzeit zu einem „multiple breadbasket failure“ kommen, also zum Zusammenbruch der globalen Nahrungsmittelversorgung. In dieser Situation geht Trump hin und zerstört das bisschen Stabilität, das noch da war. </p><p>Was hat zum Aufstieg der Nationalsozialisten geführt? Es war auch die Wirtschaftskrise von 1929, die die USA und Deutschland gleichermaßen traf, die Millionen von Menschen ihre Lebensgrundlage raubte. Die Legitimität der Demokratie litt, die Menschen suchten Halt bei einem starken Führer. </p><p>Hundert Jahre später: Es geht uns auf den ersten Blick gut, aber viele Menschen fühlen sich seit Jahrzehnten als Verlierer. Spätestens seit der Agenda 2010, dem sozialen Kahlschlag durch die SPD, herrscht Abstiegsangst. Wer studiert hat, dem geht’s gut. Allen anderen droht die Vollsanktionierung durchs Jobcenter, falls sie nicht spuren. Das Ergebnis: Die Menschen wenden sich von der Demokratie ab und ihren Feinden zu. Die AfD bei zwanzig Prozent, mit dem alten Trick, die Wut der Menschen auf „die Ausländer“ zu kanalisieren. In einer globalen Krise könnte die Arbeitslosigkeit schnell auf zehn Prozent steigen, oder auf zwanzig. </p><p>Vorbereitet sein auf diesen Zeitpunkt, ich glaube, das ist das Wichtigste, was wir gerade zu tun haben. Du, ich, wir alle, die politisch wach sind und sich organisieren – unsere Aufgabe in diesem Moment des Zusammenbruchs ist es, die Wut in die richtige Richtung zu lenken. Nicht gegen unsere Mitmenschen, sondern gegen diese Allianz aus Reichen und Rechten, die uns die ganze Scheiße eingebrockt hat. </p><p>Es ist nämlich kein Naturgesetz, dass Menschen sich einen starken Führer oder eine starke Führerin suchen in Momenten der Verunsicherung. Das ist vor allem ein Verhalten, das in unserer patriarchalen Gesellschaft männlich kodiert ist. Kein Wunder, dass mehr Männer als Frauen die AfD wählen. </p><p>Es gibt aber auch die entgegengesetzte Reaktion auf Bedrohung: sich einander zuwenden und dafür sorgen, dass es allen gut geht. </p><p>Vorbereitet sein in diesen Zeiten heißt also: eine Bewegung aufbauen, die dann, wenn die Krise zuschlägt, auf die Straße geht, um den öffentlichen Diskurs zu prägen. Die AfD wird Menschen deportieren wollen. Wir werden dafür sorgen müssen, dass uns wieder gelingt, was #occupywallstreet damals geschafft hat: klarzumachen, dass wir die 99 Prozent sind, und dass wir die Macht der Reichen und Rechten zurückdrängen müssen. </p><p>Da wo #occupywallstreet gescheitert ist, nämlich tragfähige Strukturen zu bauen, da kommt unser Parlament der Menschen ins Spiel. Es ist das Gegenteil vom autoritären Führer. Es ist der Ort, an dem wir uns im Krisenmoment einander zuwenden können, um dafür zu sorgen, dass es allen gut geht. </p><p>Der Mensch ist im Grunde gut. Wir sind hypersoziale Wesen, evolutionär so unendlich erfolgreich, weil uns Kooperation in die Gene eingeschrieben ist. Wenn wir zusammenkommen, als Gleiche unter Gleichen in einem sicheren Rahmen, um Probleme anzugehen, dann suchen wir Lösungen, die fair und gerecht sind. </p><p>Menschen mit viel Geld haben in unserer Gesellschaft zu viel Einfluss. Dieses Problem zu lösen, daran macht sich das Parlament der Menschen. Wer mitmachen möchte, kann sich melden. Damit alle die gleichen Chancen haben, wird dann aus allen gelost. Es ist ein Bewegungsparlament. Es ist unser Parlament – und wenn du teilnehmen möchtest, dann trag dich jetzt hier ein: </p><p></p><p><a href="https://parlamentdermenschen.de/">Fürs Parlament anmelden</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 12 Mar 2025 10:01:21 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Es darf wieder geklebt werden]]></title>
      <description><![CDATA[Als gestern bei meinem Vortrag eine ältere Frau sagte, das müsse alles eigentlich noch viel widerständiger sein, da wusste ich: Wir ziehen die richtigen Leute an.  Ihr…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Als gestern bei meinem Vortrag eine ältere Frau sagte, das müsse alles eigentlich noch viel widerständiger sein, da wusste ich: Wir ziehen die richtigen Leute an. </p><p>Ihr werdet es mitbekommen haben: Die Neue Generation hat losgelegt. Wir haben den Tesla-Showroom in Berlin in AfD-Blau eingefärbt, genau wie das Hauptquartier von Müller Milch. </p><p>Warum? Weil beide dicke sind mit der AfD, weil es Widerstand gegen die unheilige Allianz aus Rechten und Reichen braucht. </p><p>Für so einen Protest müsst ihr jedoch nicht gleich einen Eimer Farbe in die Hand nehmen, ihr könnt euch auch erstmal ein paar Sticker besorgen und in den Supermarkt um die Ecke gehen.</p><p>Aber fangen wir vorne an. Was machen wir hier?</p><p>1989 setzte sich in Porto Alegre eine direktere Art der Demokratie durch. Die Stadtverwaltung gab ihren Bürger:innen echte Entscheidungsgewalt. Statt in Hinterzimmern diskutiert zu werden, wurde das städtische Budget in offenen Versammlungen verhandelt, von den Menschen selbst. Bessere Müllabfuhr, neue Buslinien, mehr Geld für Schulen: All das wurde öffentlich besprochen und entschieden. Das Konzept: partizipatives Budgetieren – und es funktionierte.</p><p>Seitdem schauen Städte auf der ganzen Welt nach Porto Alegre. Die soziale Ungleichheit schrumpfte, die Infrastruktur verbesserte sich, und vor allem: Die Menschen fühlten sich als Teil der Stadt, nicht nur als ihre Bewohner:innen. Viele sagten: Sie zahlten jetzt sogar gerne Steuern. Porto Alegre zeigt, dass Demokratie mehr sein kann als ein Kreuz auf dem Wahlzettel. Ein Träumchen. Da wollen wir hinkommen. Nicht bloß ein bisschen weniger Faschismus und Klimazerstörung, sondern eine Welt, die wir alle gemeinsam selbst gestalten. </p><p>Was wir gerade haben: Trump und Musk, Alice Weidel und Theo Müller. Die Rechten und die Reichen teilen die Macht unter sich auf. Sie scheuen dabei vor nichts zurück: Musk will zum Mars fliegen und zerstört unseren Heimatplaneten Erde. Trump droht mit Krieg. Weidel will Menschen deportieren. All das macht Angst. Aber wir können uns wehren. Wir werden uns wehren. </p><p>Dafür braucht es eine große Veränderung, eine friedliche demokratische Revolution. Mehr Macht für mehr Menschen – und zwar schnell – ist unsere einzige Chance. </p><p>Let’s go.</p><p>Revolutionen passieren, wenn der gesellschaftliche Alltag zusammenbricht. Wenn das System im großen Maßstab darin versagt, den Menschen zu geben, was wir brauchen: Freiheit und Sicherheit. Es sind die Momente, in denen das System seine Legitimität verliert, denn das müssen wir uns immer klarmachen: Du, ich, wir sind es, die in diesem System die Macht haben, also die Menschen. In dem Augenblick, wo wir aufhören, das System zu stützen, bricht es zusammen. </p><p>Ägyptens Diktator Husni Mubarak war seit Jahrzehnten an der Macht, und alle glaubten: Da bleibt er bis zu seinem Tod. Ab 2008 begannen die Lebensmittelpreise zu steigen. Zum einen aufgrund der globalen Finanzkrise, zum anderen wegen der Klimakrise. Die Menschen konnten sich ihr Brot nicht mehr leisten. Die Wut wuchs. </p><p>Eine kleine Gruppe Organizer war darauf vorbereitet. Sie hatten die Strukturen gebaut, um die Wut zu kanalisieren, und irgendwann wurde die Wut größer als die Angst vor der Polizei. Hunderttausende Menschen gingen auf die Straße, besetzten den zentralen Tahrir-Platz in Kairo, der Diktator floh aus dem Land, die Menschen feierten ihren Sieg!</p><p>Niemand hatte das kommen sehen. Die wachsende Wut war das, was man in der Literatur einen Kairos-Moment nennt. Der Moment, in dem sich eine Gelegenheit ergibt – die Organizer waren in der Lage gewesen, sie beim Schopfe zu packen. </p><p>Doch sie hatten eine Sache nicht bedacht. Sie hatten erfolgreich Widerstand geleistet. Aber sie hatten keine Strukturen gebaut, um selbst die Macht zu übernehmen. Letztlich putschte sich das Militär an die Macht. Die Revolution war vorbei. </p><p>Die Menschen in der DDR haben etwas Ähnliches erlebt. Weniger gewaltsam, aber strukturell ähnlich. 1989 überwanden sie ihre Angst und vollbrachten das Wunder, die SED zu stürzen. Zehntausende Menschen, die friedlich durch die Straßen zogen. Runde Tisch fanden sich zusammen, um darüber zu sprechen, wie ein „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ aussehen könnte. Doch diese alternativen Strukturen waren nicht stark genug, letztlich war es die CDU aus Westdeutschland, die sich den Sieg schnappte. Die Treuhand verkaufte das Volkseigentum, viele Menschen stürzten ins Nichts. Richtig widerlich. Sowas darf uns nicht passieren. </p><p>Eine friedliche demokratische Revolution braucht deshalb zwei Flügel: den Widerstand und ein eigenes, legitimes Parlament. Und beides bauen wir jetzt auf. </p><p>Das ist unser Plan:</p><p>Zuerst geht es darum, überall in Deutschland lokale Gruppen zu starten. Deshalb touren einige Menschen und ich gerade durch Deutschland und halten überall Vorträge, bringen Menschen zusammen, sehen zu, dass es losgeht mit dem Protest – das können wir schließlich richtig gut. Und dann geht es in jedem Ort los mit Protesten gegen die Rechten und die Reichen. Das kann eine Demo vor einem Konzernbüro sein, ein Die-in in der Innenstadt, um auf die Zerstörung durch die Klimakrise aufmerksam zu machen. Und wenn ihr seid wie die ältere Frau gestern in dem Vortrag, natürlich auch widerständiger. Und: es darf auch wieder geklebt werden – wenn’s denn passt.</p><p>Das Wichtigste dabei: Unsere Proteste sorgen für Aufmerksamkeit und dafür, dass mehr Menschen sich anschließen können, weil sie verstehen, dass es um alles geht, um eine Revolution, dass wir groß und langfristig denken. </p><p>Ende Mai startet dann der zweite Flügel. Wir stellen ein riesiges Kuppelzelt auf die Wiese vor dem Bundestag. Darin tagt unser eigener Bürgerrat, das „Parlament der Menschen“, und diskutiert die Frage: Wie drängen wir den Einfluss von Geld auf die Politik zurück?</p><p>Unsere Regierungen haben solche Bürgerräte in der Vergangenheit ignoriert. Das ist kein Zufall, denn wenn Menschen als Gleiche zusammenkommen, beschließen sie radikale Dinge. Dinge, die nicht mit einer Profitwirtschaft vereinbar sind. Und die Erfahrung der vergangenen Jahrzehnte zeigt ja: Wenn Regierungen wählen müssen zwischen dem Wohl der Mehrheit und dem Profit der Unternehmen, gewinnen immer die Unternehmen. </p><p>Dafür, dass die Beschlüsse des Parlaments der Menschen nicht ignoriert werden, dafür werden wir selbst sorgen. </p><p>Ab dem 2. Juni treffen wir uns alle in Berlin für eine Widerstandswelle. Wir blockieren die Büros der Lobbys, kleben uns auf alle Zugangsstraßen des Regierungsviertels, schauen mal vorbei in einem dieser Restaurants, in denen Politik und Wirtschaft so gerne zusammensitzen. </p><p>Entschieden. Laut. Immer friedlich. Und immer mit dem Blick nach vorne, denn wir wissen: Das hier ist kein Sprint, das ist ein Marathon. </p><p>Surfend auf den Ergebnissen des Parlaments, der Medienaufmerksamkeit und der Widerstandswelle gehen wir dann zurück in die Städte und gründen viele lokale Parlamente, bis ein demokratisches Netz unsere Gesellschaft durchzieht, und dabei wird klar:</p><p>Diese neue Demokratie, von der wir träumen, das ist nicht nur eine Sache von Verfassung, von Abstimmungen und Redelisten. Demokratie, das ist eine Art und Weise, wie wir zusammenleben, wie wir uns begegnen. Es ist eine Art, Konflikte gewaltfrei zu lösen, sich gegenseitig zu respektieren, die Magie guter Beziehungen zu spüren – zu uns selbst, zu anderen und zur Natur. </p><p>Die Revolution ist, dass wir uns befreien aus einem System, in dem es darum geht, immer noch stärker, hübscher, erfolgreicher zu sein – koste es, was es wolle. Die Revolution ist, dass wir uns einmischen und etwas Neues aufbauen. Die Revolution ist, dass wir uns gegenseitig vertrauen und füreinander sorgen. </p><p>Wie oft habe ich das im vergangenen Jahr erlebt: Fünf, sechs, sieben Fremde sitzen zum ersten Mal zusammen, alle sind schüchtern und wissen nicht so recht, nur vereint in dem Wunsch, etwas zu verändern. Sie unterhalten sich, blicken einander in die Augen, eine Idee kommt auf, sie nicken sich zu, entscheiden, das gemeinsam anzugehen, und nach einer Stunde oder zwei sind es nicht mehr einfach nur ein paar Menschen, sondern jetzt sind sie eine Gruppe, und plötzlich wächst da dieses Band, das sich so schwer beschreiben lässt, das aber alle fühlen, und das so viel mehr trägt, als fünf, sechs, sieben Menschen alleine es könnten. Dieses Band, das so vieles trägt, auch uns selbst und in Wirklichkeit: alles. </p><p></p><p><strong>Du bist neugierig? Dann lern uns doch kennen:</strong></p><p><a href="https://neuegeneration.com/mitmachen/">https://neuegeneration.com/mitmachen/</a> </p><p><br/><br/><br/><br/><br/><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 06 Mar 2025 14:59:02 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Geht wählen!]]></title>
      <description><![CDATA[Morgen, ihr Lieben und Liebsten, in drei Tagen ist es soweit. Wir wählen unseren neuen Bundestag. Die Linke macht gerade einen Wahnsinnswahlkampf, auch die Grünen…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Morgen, ihr Lieben und Liebsten,</p><p>in drei Tagen ist es soweit. Wir wählen unseren neuen Bundestag. Die Linke macht gerade einen Wahnsinnswahlkampf, auch die Grünen schlagen sich nicht schlecht, aber das ändert natürlich nichts: Montagmorgen wachen wir in einem anderen Deutschland auf.</p><p>Ein Multimillionär wird dann Kanzler werden wollen. Die zweitstärkste Partei ist das hier:<br/><br/><em>„Ich wünsche mir so sehr einen Bürgerkrieg und Millionen Tote, Frauen, Kinder. Mir egal. Es wäre so schön. Ich will auf Leichen pissen und auf Gräbern tanzen. SIEG HEIL!“</em><br/><strong>Marcel Grauf, AFD</strong></p><p><em>„Das Pack erschießen oder zurück nach Afrika prügeln“.</em><br/><strong>Dieter Görnert, AFD</strong></p><p><em>„Das große Problem ist, dass man Hitler als das absolut Böse darstellt.“</em><br/><strong>Björn Höcke, AfD</strong></p><p>Es ist wunderschön zu sehen, wie rundherum gerade Menschen anfangen sich zu engagieren. So viele Friends von mir sind gerade politisiert und ich lieb’s. Gleichzeitig ist es brutal zu sehen, wie alles gleichzeitig eskaliert. Und Tatsache ist: das wird so bleiben. Das wird wahrscheinlich erstmal noch schlimmer werden.</p><p>Vielleicht kommt es so wie in Österreich, und die demokratischen Parteien können sich auf keine Koalition einigen. Dann gibt’s Neuwahlen, die AfD wird noch stärker, und vielleicht knickt die CDU dann ein.</p><p>Das heißt: Montagmorgen werden wir aufstehen müssen, um weiterzumachen. Ja, durchatmen. Ja, verdauen. Ja, den Schmerz spüren. Aber dann nicht zurückziehen.</p><p>Sucht euch Menschen, mit denen ihr gemeinsam an einem Strang zieht. Keine Liebesbeziehung und ich glaube auch die wenigsten Familien können alleine schultern, was da auf jeden von uns zukommt. Die Überforderung. Die Angst. Die Hilflosigkeit.</p><p>Sucht euch Menschen, mit denen ihr das teilen könnt. Die euch verstehen, wenn eine Nachricht euch runterdrückt, die die gleiche Sprache sprechen und mit euch mitfühlen.</p><p>Sucht euch Leute, die auch was machen wollen, die eure Ideen und Werte teilen. Startet gemeinsam was, oder schließt euch bei anderen an, handelt – gemeinsam.</p><p>Egal was kommt, sei es Zusammenbruch, sei es Revolution, ihr werdet diese Leute brauchen, und sie euch.</p><p>Geht wählen, aber geht dann nicht nach Hause: Geht nach draußen und findet eure Leute.</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 20 Feb 2025 09:37:38 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Ab ins Licht, Friends!]]></title>
      <description><![CDATA[Alle meine Friends reden über taktisches Wählen, und ich denk so: what the fuck? Da werden lange Nachrichten in den Chatgruppen hin- und hergeschickt, Webseiten und das…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Alle meine Friends reden über taktisches Wählen, und ich denk so: what the fuck?</p><p>Da werden lange Nachrichten in den Chatgruppen hin- und hergeschickt, Webseiten und das Wahlrecht gewälzt, und mich bringt’s ein bisschen zum Verzweifeln. </p><p>Klar, will ich auch, dass die Linke gewinnt. Ferat Koçak als Bundeskanzler, und wir hätten einige Probleme weniger. Aber das wird nicht passieren. Nie. Nicht in diesem System. </p><p>Die AfD hat innerhalb von wenigen Tagen mehrmals eine Spende von mehr als einer Millionen Euro bekommen. </p><p>Rheinmetall hat gerade mehreren Abgeordneten Geld angeboten als “Wahlkampfhilfe”. Gerade jenen Abgeordneten, die darüber entscheiden, welche Waffen gekauft werden. Rheinmetall produziert genau das: Waffen. </p><p>Die beiden Politiker, die sich beim Einkauf von Schutzmasken während der Corona-Pandemie einmal 1,2 Millionen und einmal 660.000 Euro eingesteckt haben, wurden letztlich freigesprochen. Alles ganz legal. Beide Politiker gehören zur CSU. </p><p>Das ist die Spitze des Eisbergs. Das ist es, was wir sehen. Was wir nicht sehen: dass Abgeordnete mehr als die Hälfte ihrer Zeit mit Lobbyist:innen verbringen, also den Jungs und Mädels von VW, Monsanto und RWE, die ihnen einflüstern: runter mit den Steuern für Unternehmen und Superreiche, die Einsparungen kann man problemlos machen: einfach das Bürgergeld streichen.</p><p>Scholz ist in den Cum Ex-Skandal verwickelt. </p><p>Merz gehört zu Black Rock. </p><p>Alice Weidel hat bei Goldmann Sachs gearbeitet. </p><p>Es gibt ein neues Buch, wo man das alles kompakt nachlesen kann. Ich hatte das Vergnügen, vorab ein Exemplar vom Verlag zu bekommen. Marco Bülow hat’s geschrieben, er saß für die SPD fast 20 Jahre im Bundestag und hat das alles mitbekommen: “<a href="https://westendverlag.de/Korrumpiert/2219">Korrumpiert – Wie ich fast Lobbyist wurde und jetzt die Demokratie retten will</a>”. </p><p>Es freut mich ja auch, dass gerade so viele übers Wählen reden. Aber das ist eine Täuschung. Wenn ich nur eckige Förmchen habe, kann ich auch nur eckigen Sandkuchen backen. </p><p>Die repräsentative Demokratie ist besser als jede Autokratie, aber sie zeigt in die gleiche Richtung, denn die wenigen herrschen über die vielen und mit der Zeit korrumpiert Macht auch den Letzten. Und das ist in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend passiert. Geld spielt eine zu große Rolle. </p><p>Niemand hat das besser gesagt als Rebecca Solnit: </p><p><em>Stell dir die Welt als ein Theater vor. Die Machthaber und die Offiziellen besetzen die zentrale Bühne. Die herkömmlichen Versionen der Geschichte, die konventionellen Nachrichtenquellen ermutigen uns, unseren Blick genau auf diese Bühne zu richten. Die Scheinwerfer dort sind so grell, dass sie dich für die dunkleren Bereiche um dich herum blenden, es dir schwer machen, den Blick anderer Zuschauer zu treffen, den Ausgang zu erkennen, in die Gänge zu treten, hinter die Kulissen zu blicken, hinauszugehen in die Dunkelheit, wo andere Mächte am Werk sind. Vieles vom Schicksal der Welt wird auf dieser Bühne, im Rampenlicht, entschieden, und die Schauspieler dort werden dir erzählen, dass alles dort entschieden wird, dass es keinen anderen Ort gibt.</em></p><p><em>Unabhängig von den Details oder dem Ausgang ist das, was auf der Bühne geschieht, eine Tragödie – die Tragödie der ungerechten Verteilung von Macht, die Tragödie des allzu verbreiteten Schweigens jener, die sich mit der Rolle des Publikums zufriedengeben und den Preis für das Drama zahlen. Die Idee hinter der repräsentativen Demokratie ist, dass das Publikum die Schauspieler wählen soll und dass diese im wörtlichen Sinne für uns sprechen. In der Praxis jedoch gibt es viele Gründe, warum viele sich nicht an dieser Wahl beteiligen, während andere Kräfte – etwa Geld – diese Wahl untergraben. Und auf der Bühne finden zu viele Schauspieler andere Beweggründe – Lobbyisten, Eigeninteresse, Konformität –, um die Menschen, die sie eigentlich vertreten sollten, im Stich zu lassen.</em></p><p><em>Achte auf die kreativen Räume, die außerhalb dieser Bühne politische Macht ausüben oder den Inhalt des Dramas auf der Bühne verändern. Aus den Orten, die man dich zu ignorieren gelehrt hat oder die dir verborgen geblieben sind, kommen die Geschichten, die die Welt verändern. Hier hat die Kultur die Kraft, die Politik zu formen, und hier haben gewöhnliche Menschen die Macht, die Welt zu verändern. Man kann die verwirrten, verärgerten Gesichter der Schauspieler auf der Bühne sehen, wenn die Straßen selbst zur Bühne werden oder die Unoffiziellen auftauchen, um das geplante Programm zu durchbrechen. </em></p><p>Lasst uns nicht mehr im Dunkeln bleiben, erstarrt in unseren Sitzen angesichts des Grauens. Lasst uns heraustreten ins Licht, die Bühne übernehmen und ein besseres Stück aufführen, ein menschliches. <br/></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 13 Feb 2025 08:15:05 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Trump in Gaza]]></title>
      <description><![CDATA[Nur weil es so rasend schnell augenscheinlich wird, ist es nicht weniger obszön.  Zwei Männer stellen sich gemeinsam vor die Kameras der Welt. Der eine – Benjamin…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Nur weil es so rasend schnell augenscheinlich wird, ist es nicht weniger obszön. </p><p>Zwei Männer stellen sich gemeinsam vor die Kameras der Welt. Der eine – Benjamin Netanjahu – wird per Strafbefehl gesucht wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Auf seinen Befehl hin wurden zwei Drittel aller Häuser in Gaza zerstört, über zwei Millionen Menschen vertrieben, 45.000 getötet. </p><p>Der andere – Donald J. Trump – ist Präsident der USA, Immobilienmillionär und Lügner, ein Mann, dem es nur um Geld, also Macht geht, und die beiden stellen sich hin und sagen: Gaza soll die neue Riviera des Nahen Ostens werden. </p><p>Da wo jetzt unter den Trümmern die verwesenden Leichen von Kindern liegen, sollen reiche Tourist:innen in der Sonne baden können, was natürlich nur geht, wenn die zwei Millionen Palästinenser:innen endgültig aus Gaza vertrieben worden sind. </p><p>Statt Wiederaufbauplänen soll es Investmentbroschüren geben. </p><p>Nicht Krankenhäuser und Schulen sollen gebaut werden, sondern Bars, Golfplätze und Yachthäfen, denn: daran lässt sich besser verdienen, als an Bildung, an Gesundheit und Gemeinschaft, also an einem Leben in Würde.</p><p>Nach Ägypten oder Jordanien sollen die Menschen vertrieben werden, und Trump ist sich sicher: Die beiden Länder werden schon mitspielen. </p><p>Unwahrscheinlich ist das nicht. Die USA zahlen ihnen seit Jahrzehnten Milliarden an Militärhilfe, garantieren den Frieden in der Region. Trump könnte das streichen und der israelischen Regierung die Erlaubnis geben, die Halbinsel Sinai anzugreifen und zu besetzen. Ägypten und Jordanien wissen, wie schwach ihre Position ist. </p><p>Warum kann Trump all die Dinge tun, die er gerade tut? </p><p>Weil viel zu viel Macht in seinen Händen konzentriert ist. Weil das, was wir da in den USA sehen, keine Demokratie ist. Es ist längst eine Oligarchie und das ist kein Zufall. Das wollten die Gründerväter der USA so. Die wollten nie, dass die Bevölkerung sich selbst regiert, sie misstrauen ihr, hielten es für besser, eine Repräsentanz einzuführen. Das ist die Regierungsform, die Platon unter den Tyranneien einordnete. </p><p>Was wir in Deutschland sehen: die AfD hat gerade eine Spenden von 2,3 Millionen Euro bekommen. Kurz vorher bekam sie knapp eine Millionen und davor schon mal anderthalb Millionen. Die CDU bekommt auch viele Spenden, aber keine andere Partei bekommt so viele Spenden wie die AfD. </p><p>Warum? </p><p>Weil sie und viele Superreiche die gleiche Ideologie teilen: Sie glauben an das Recht des Stärkeren. Sie glauben an starke Führer und durchsetzungsfähige Bosse. Menschen sind für sie nur Humankapital. Wer nicht benötigt wird, wird ausgebombt oder deportiert – oder beides. </p><p>Nur weil es so rasend schnell augenscheinlich wird, ist es nicht weniger obszön. Die Reichen und die Rechten teilen die gleichen Überzeugungen und sie verbünden sich miteinander, um sie durchzusetzen. Gegen uns. </p><p>Elon Musk zeigt den Hitlergruß.</p><p>Die Familie Porsche profitierte vom Nationalsozialismus. </p><p>Deutsche Autobauer kaufen Lithium aus Minen, für die Menschen vertrieben werden. </p><p>Und das können sie alles nur, weil sie zu viel Macht haben. Die Reichen. Die Rechten. Die Unternehmen. </p><p>Um sie aufzuhalten, um uns zu schützen, um zu verhindern, dass auch in Deutschland der Faschismus sich durchsetzt, müssen wir diese Macht anders verteilen. Wir brauchen mehr Demokratie. Wir brauchen eine gewaltlose, demokratische Revolution. </p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 06 Feb 2025 07:53:12 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Heiter, trotz alledem]]></title>
      <description><![CDATA[Angst. Ich spüre sie, wie ein inneres Zittern. Ich liege im Bett und kann mich nicht bewegen. Kälte in der Brust, trockener Mund. In der Stille dieses Morgens ist sie…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Angst. Ich spüre sie, wie ein inneres Zittern. Ich liege im Bett und kann mich nicht bewegen. Kälte in der Brust, trockener Mund. In der Stille dieses Morgens ist sie da, die Gedanken rasen in alle Richtungen, Schreiben fällt schwer, auch wenn’s sonst immer hilft. </p><p>Da ist dieses Bild vor meinem inneren Auge von den CDU-Politiker:innen, wie sie am Mittwoch nach der Abstimmung im Bundestag saßen. Still, leere Gesichter, als könnten sie selbst nicht glauben, was sie gerade getan haben. Ich frage mich, ob einige von ihnen an ihren Parteifreund Walter Lübcke denken. Lübcke, der von einem Rechten in den Kopf geschossen wurde, weil er die deutsche Verfassung verteidigt hatte. Nein, wahrscheinlich denkt keiner in diesem Moment an Lübcke. </p><p>Ich muss an diese Fotos der jubelnden AfD-Politiker:innen denken. Daran, dass das nicht irgendwelche Rechtspopulisten sind, einfach nur machthungrig und rassistisch. Diese Menschen führen eine Partei an, die sich positiv auf die SS bezieht – die Männer mit den langen Mänteln und den Totenkopfemblemen, die die Gaskammer erfanden und betrieben, die lange Gräben aushuben, Menschen hinein trieben, mitten rein schossen, und die noch lebendigen einfach mit den Toten begruben. </p><p>“Alles für Deutschland” riefen die Männer der SS. </p><p>“Alice für Deutschland” riefen die AfDler:innen auf dem Parteitag in Riesa. </p><p>“Alles für Deutschland”, rief Björn Höcke. </p><p>Ich vergrabe mein Gesicht in meinen Händen, meine Atmung geht flach. </p><p>Ich denke an meine Freundin K. aus Leipzig, die mir am Telefon erzählt hat, dass sich um sie herum gerade viel bewegt, viele Menschen etwas machen wollen. Andere Freund:innen sagen mir, dass es sie alles vor allem wütend mache, und dass es doch auch gut sei, weil jetzt endlich glasklar sei, woran man ist.</p><p>Und dann sehe ich auch so viele andere Freund:innen, die dieses Wochenende verbringen, wie jedes andere, und ich will sie nicht verurteilen, ich hoffe einfach nur, dass es alles reicht, denn zum ersten Mal habe ich wirklich die Angst, dass Deutschland wieder zur Diktatur wird. </p><p>Es gibt keine Brandmauer mehr. Die CDU wird ab jetzt immer öfter mit der AfD kooperieren. Erst bei kleinen Dingen auf kommunaler Ebene. Dann kommt das erste Mal auf Landesebene, bei dem es noch einen kleinen Aufschrei gibt, aber beim zweiten Mal juckt es schon nicht mehr. Derweil versuchen sich CDU, SPD und Grüne nochmal zusammenzutun, bilden vielleicht sogar eine Regierung, aber es klappt nicht mehr – zu groß die Unterschiede. Bei den nächsten Wahlen ist die AfD dann noch stärker, und die CDU – gedrängt vom eigenen “Unternehmerflügel” – geht mit den Faschisten in eine Koalition “für die Stabilität des Landes und aus Verantwortung für den Wirtschaftsstandort Deutschland”. </p><p>Schon jetzt werden Menschen festgenommen, weil sie den falschen Pass haben. </p><p>Schon jetzt werden Menschen auf offener Straße gejagt und verprügelt, weil sie die falsche Hautfarbe haben. </p><p>Schon jetzt werden Menschen ins Gefängnis gesperrt, weil sie gegen die ganze Scheisse protestieren. </p><p>Und dann: Oury Jalloh, Said Nesar Hashemi, Hamza Kenan Kurtović, Ferhat Unvar, Sedat Gürbüz, Fatih Saraçoğlu, Gökhan Gültekin, Vili Viorel Păun, Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov.</p><p>Das ist ja alles schon da. </p><p>Ein AfD-Innenminister wird die Polizei missbrauchen, so wie es jetzt schon in den USA passiert. </p><p>Ein AfD-Justizminister wird rassistische Gesetze durchlassen. </p><p>Ein AfD-Außenminister wird die Europäische Union zerstören. </p><p>Ich habe Angst, ins Gefängnis zu gehen. Nicht in einen dieser Knäste, wie sie jetzt sind: nicht schön, auch gefährlich, aber machbar. Nein, in ein Gefängnis, wo auch die Wärter prügeln, wo Andersdenkende extra bestraft werden, wo Knast einen bricht. </p><p>“Sieh, daß du Mensch bleibst. Mensch sein ist von allem die Hauptsache. Und das heißt fest und klar und heiter sein, ja heiter, trotz alledem.” Rosa Luxemburg hat das geschrieben in ihren Briefen aus dem Gefängnis. </p><p>Ich kenne diesen Satz schon einige Jahre, aber jetzt hat er nochmal eine andere Bedeutung angenommen. Heiter, trotz alledem. </p><p>Ich weiß, dass nichts so kommen muss, wie ich es oben beschrieben habe. Dafür passieren zu viele Dinge zu schnell, und vieles ist auch gut. </p><p>Vor zwei Wochen war ich beim Berliner Treffen unserer Bezugsgruppe. 30 Leute im Raum, und als Einstieg: eine schonungslose Bestandsaufnahme all der Scheisse, die gerade passiert. </p><p>Ich dachte, jetzt versinken alle in Depression. Stattdessen brauchte es nur ein paar Wortmeldungen, dann sammelten sich die Anwesenden in zwei Gruppen. Die eine plante einen Protest gegen Springer, die andere Aktionen für den Wahlkampf. </p><p>Heiter, trotz alledem. So stark bin ich nicht, nicht heute. Aber ich fahre jetzt erstmal in den Wald, durchatmen. Und dann wird sich etwas ergeben. </p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sat, 01 Feb 2025 09:46:05 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die Rechten und die Reichen]]></title>
      <description><![CDATA[Ich war morgens schon nicht ganz bei mir, bin mittags früher aus einem wichtigen Call gegangen, weil ich mich nicht konzentrieren konnte, schrieb den anderen dann, dass…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ich war morgens schon nicht ganz bei mir, bin mittags früher aus einem wichtigen Call gegangen, weil ich mich nicht konzentrieren konnte, schrieb den anderen dann, dass ich mich irgendwie krank fühle. Mein Mitbewohner fragte mich, ob ich nicht auch einfach erschöpft sei, aber ich meinte, es fühle sich anders an. Unsicher im eigenen Körper. </p><p>Dann kam die Nachricht. Merz und seine CDU haben zusammen mit der AfD ein Gesetz verabschiedet. Ich musste drei Artikel lesen, um es wirklich zu glauben. Es zog mir den Magen zusammen. Freunden schrieb ich: Ich glaube, ich muss kotzen. </p><p>Ich kann es immer noch nicht glauben. Vor ein paar Tagen meinte Merz noch: “Wenn man sich eine solche Natter an den Hals holt, wird man von dieser Natter erwürgt.” Er schien, als hätte er etwas verstanden, etwas, was die Geschichte – und leider die Gegenwart – so deutlich zeigt: Wenn Konservative mit Faschisten gemeinsame Sache machen, dann gewinnen immer die Faschisten – und dann hat er es getan: Die Brandmauer eingerissen. Die Tore geöffnet. </p><p>Auf Lokal-, Regional- und Landesebene gibt es für CDU-Politiker:innen jetzt einfach kein Argument mehr, mit der AfD zusammenzuarbeiten, denn der Chef macht’s ja auch. </p><p>In Magdeburg werden seit dem Attentat Menschen gejagt, in den USA Menschen ohne Papiere vor laufender Kamera aus ihren Häusern deportiert. Und im Bundestag – nur Stunden nach dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus – rollt Merz den Faschist:innen den roten Teppich aus. </p><p>Es reicht, in die europäischen Nachbarländer zu schauen, um zu wissen, was jetzt mit der CDU passieren wird. Ich würde tippen: in drei Jahren ist sie verschwunden, zerrieben von der AfD, so wie es auch mit den alten großen Parteien in Italien und Frankreich passiert ist. </p><p>Und das war nur der eine große Bruch diese Woche. NVIDIA, das wertvollste Unternehmen der Welt hat innerhalb von wenigen Stunden 589 Milliarden Dollar Börsenwert verloren. Das entspricht ungefähr dem belgischen Bruttoinlandsprodukt. Der Auslöser: eine Meldung, dass eine chinesische AI sich als sehr effizient erwiesen hat. Das Verrückte ist, dass das noch nicht mal bestätigt ist. Es ist bisher nur eine Vermutung. Ein Gerücht. Ein Gerücht, das reichte, um so eine Aktiensturz auszulösen. Und auch das wissen wir ja aus der Geschichte: solche Aktienstürze reissen gerne auch mal ganze Aktienmärkte mit sich. Aktienmärkte, die dann Volkswirtschaften und wenn’s schlimm kommt auch die Weltwirtschaft zum Absturz bringen. </p><p>In der Finanzkrise 2008 bedeutete das: Menschen, die ihre Häuser verloren und dann in ihren Autos leben mussten. Massenarbeitslosigkeit und: Hunger. Menschen, die sterben. </p><p>All das, weil wir in einem System leben, dass dazu führt, dass Menschen immer noch reicher werden wollen, auf Kosten der anderen. Wer der Rücksichtsloseste ist, gewinnt, und es ist kein Zufall, dass Großunternehmer gerade reihenweise Geld für die AfD spenden. </p><p>Die Rechten und die Reichen – sie gehen Hand in Hand, und gestern Abend habe ich irgendwann geweint. </p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 30 Jan 2025 09:40:18 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Ein Rezept gegen Trump]]></title>
      <description><![CDATA[Seit Tagen sitzen wir beim Abendessen, und es herrscht Unglaube darüber, was Trump und Musk da tun. Panama-Kanal, Massendeportationen, Hitlergruß.  Unser Tischgespräch…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Seit Tagen sitzen wir abends beim Essen, und es herrscht Unglaube darüber, was Trump und Musk da tun.</p><p>Panama-Kanal, Massendeportationen, Hitlergruß. </p><p>Unser Tischgespräch wird dann langsamer, die Pausen länger, wir suchen nach Worten, versuchen zu verstehen, kapitulieren irgendwann, irgendwer sagt, wie lecker das Essen ist, jemand anderes spricht über eine Netflix-Serie, und am nächsten Morgen stehen wir wieder auf, und machen damit weiter, was wir halt machen: eine Bewegung bauen, damit es uns besser geht, und je klarer Trump und Musk tun, was sie angekündigt haben, desto klarer wird mir, was wir zu tun haben. </p><p>Vielleicht habt ihr die Predigt von Bischöfin Mariann Edgar Budde während des Gottesdiensts nach Trumps Amtseinführung gesehen. Sie hat an ihn appelliert, barmherzig zu sein. Viele Menschen hätten jetzt Angst, vor allem Kinder. Angst, weil sie queer seien, Angst, weil ihre Eltern deportiert werden könnten. </p><p>Trumps Gesicht ist anfangs zwar steinern, aber er scheint Budde anzuschauen, zuzuhören. Dann schweifen seine Augen ab, und es wirkt, als ob er das Dekor der Kirche betrachtet, oder seine Gedanken einfach sonst wohin wandern. Später schrieb er, die Bischöfin sei eine “Trump-Hasserin”.</p><p>Trump ist so erfolgreich, weil er keine Barmherzigkeit kennt. Keine Nächstenliebe. Keine Verletzlichkeit. </p><p>In seiner Antrittsrede zeichnete er das Bild eines Amerikas, das von Pionieren, Kriegern und Kolonialisten groß gemacht wurde, und in dem Öl Gold ist: drill, baby, drill! Manchmal denke ich, es fühlt sich an, wie die Wiederkehr eines dunklen Geistes; sein ist das Demütigen, die Rache und der Krieg gegen die Menschlichkeit – und wenn ich mich in ihn hineinversetze, tut er mir leid. </p><p>Ich habe mal ein Gleichnis gehört:</p><p>Ein berüchtigter Samurai kommt zu einem alten Mönch und sagt: “Erklär mir, was die Hölle ist und was der Himmel.” </p><p>Der Mönch sagt: “Deine Waffen sind rostig, du bist unrasiert, deine Klamotten dreckig und du stinkst. Was weißt du schon von solchen Dingen?”</p><p>Der Samurai gerät in Rage, schreit den Mönch an, dass er ihn töten werde, reißt sein Schwert aus der Scheide, und hebt es weit über den Kopf. </p><p>In diesem Moment sagt der Mönch: “Das ist die Hölle.”</p><p>Der Samurai hält inne, versteht, dass der Mönch bereit ist, sein Leben zu geben, um ihm diese Lektion zu lehren. Er lässt sein Schwert sinken, blickt den Mönch an, beruhigt sich. </p><p>Der Mönch sagt: “Und das ist der Himmel.” </p><p>Die Bischöfin hat Trump nicht umgestimmt, aber mich hat sie berührt. Ihre Klarheit in den Worten, ihr Mut, dem mächtigsten Mann der Welt so gegenüber zu treten, ihre Opferbereitschaft: in einem Land voller Waffen und komplett im MAGA-Rausch so etwas zu tun, bedeutet, das eigene Leben zu riskieren. </p><p>Wenn ich da hin spüre, fühle ich für diese Bischöfin eine große Liebe. </p><p>Trumps Reich ist das Reich der Angst, er säht sie, zwingt andere, ihm zu folgen, erlaubt anderen damit, auch davon zu träumen, groß, angsteinflößend und stark zu sein, und sie folgen ihm, jubeln ihm zu. </p><p>Sein ist die Gewalt. </p><p>Unseres muss die Gewaltlosigkeit sein. </p><p>Gewaltlosigkeit bedeutet für mich, dafür zu sorgen, dass es uns gut geht – uns allen gut geht. </p><p>Das kann ich jedoch nur tun, wenn ich zuhöre. Ich muss wissen, was dich glücklich macht, um zu wissen, wie wir da hinkommen. Wir müssen uns hinsetzen und uns Zeit nehmen füreinander, das heißt vor allem auch, mich selbst verletzlich machen – dann können wir beide zusammen vorwärts gehen. Und aus all dem erwächst eine Stärke. Unsere Stärke. </p><p>Budde hat Trump vielleicht nicht erreicht. Aber mich hat sie erreicht, mich inspiriert sie. Mir hilft sie dabei, heute Morgen wieder einige Schritte zu gehen. </p><p>Gewaltlosigkeit ist radikal. Sie stellt unsere Gesellschaft in Frage, unser politisches System, die Wirtschaft. </p><p>Wenn ich gewaltlos bin, kann ich nicht auf einer Demo stehen und brüllen: “Ganz Berlin hasst die AfD!”</p><p>Wenn ich gewaltlos bin, kann ich nicht Minister oder Kanzler in dieser repräsentativen Demokratie sein, denn sie beruht darauf, sich gegen andere durchzusetzen, um an Macht zu kommen. </p><p>Wenn ich gewaltlos bin, kann ich nicht in einer Wirtschaft arbeiten, die Ausbeutung mit Gewinn gleichsetzt. </p><p>Hassen, Durchsetzen, Ausbeuten – all das wurzelt im Prinzip der Gewalt, dem zentralen Prinzip des Patriarchats. </p><p>Gewaltlos sein ist dabei nicht naiv. Bei jedem Waldspaziergang zertrete ich unzählige Ameisen, Mistkäfer, Engerlinge. Gewaltlos sein ist aber möglich. Gewaltlos sein ist vor allem mächtig. </p><p>Wenn ich gewaltlos bin, wenn ich mich in all meinem Handeln frage, ob es Verbindung ermöglicht, dann ermögliche ich Verbindung. Wenn wir das leben, nicht nur im Kreis unserer Friends und Familie, sondern da, wo es Reibung gibt, in der Öffentlichkeit und vor den Zentren der Macht, dann zeigt das Stärke.</p><p>Eine Stärke, wie die von Bischöfin Budde. </p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 23 Jan 2025 10:34:21 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Ein Versprechen für 2025]]></title>
      <description><![CDATA[Ich will, dass es uns gut geht. Dieser Satz begleitet mich seit einem halben Jahr, wie ein Mantra. Ich will, dass es uns gut geht. Er ist weder sprachlich sehr schön,…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ich will, dass es uns gut geht.</p><p>Dieser Satz begleitet mich seit einem halben Jahr, wie ein Mantra. Ich will, dass es uns gut geht. Er ist weder sprachlich schön, noch intellektuell interessant – vielleicht habe ich deshalb lange gezögert, ihn so öffentlich nach vorne zu stellen. </p><p>Über den Jahreswechsel habe ich mich nochmal intensiv gefragt, was ich 2025 machen, wer ich sein will.  </p><p>Bald ist mein 40. Geburtstag. Ich will Kinder haben, jetzt wäre es langsam Zeit. Auch eine tragfähige Partnerschaft aufzubauen, braucht Aufmerksamkeit. Doch immer wieder bin ich bei diesem Satz gelandet: </p><p>Ich will, dass es uns gut geht. </p><p>Mit “uns”, habe ich gemerkt, meine ich dabei das wirklich größtmögliche Uns: Alle Menschen, egal ob AfD oder Islamist oder Klimaaktivist. Alle Tiere, auch die Mücke und die Wespe, alle Pflanzen, auch die, die stechen, die Erde an sich, und, ja, irgendwie auch den Himmel. </p><p>Ich will, dass es uns gut geht.  </p><p>Denn, es geht uns gerade nicht gut.</p><p>Ich muss immer an die Kinder und Jugendlichen denken, die sich selbst die Arme aufschneiden, weil sie sich so wertlos fühlen, nach zu viel Social Media-Konsum. </p><p>Ich muss an meine Freund:innen in Jobs denken, die langsam ihre Seelen kaputt machen, die ewig Stress bedeuten, Burn-Out und Depression. </p><p>Ich muss an die alten Menschen denken, die einsam ihre Rollatoren durch die Straßen Berlins schieben, krank, müde, einsam, teils ohne Geld, deshalb Pfandflaschen aus dem Müll ziehen. </p><p>Ich muss an meine Freunde denken, die nach Deutschland geflohen sind, seit Jahren gezwungen in Asylunterkünften zu leben, immer in Angst abgeschoben zu werden. </p><p>Ich muss an die Menschen denken, die ich in Ostdeutschland kennengelernt habe, gebeutelt durch die Wende, verängstigt von dieser Welt, allzu empfänglich für einen Hass, der sie innerlich auffrisst. </p><p>Ich muss an die Felder in Brandenburg denken, die mal vor Leben strotzten, als noch dichte Buchen- und Eichenwälder dort wuchsen, die im Winter nur noch brach daliegen, im Sommer Monokulturen und Pestizide ertragen müssen.</p><p>Die Vogeleltern, die im Frühling keine Nahrung für ihre Küken finden, weil die Jahreszeiten sich in der Klimakrise verschieben, die Insekten nicht mehr zu den gewohnten Zeit schlüpfen.</p><p>Die Landschaft rund um das Dorf, in dem meine Mutter wohnt, aufgerissen für den Kohleabbau, durchzogen von Zufahrtsstraßen, Pumpstationen und lärmenden Förderbändern. </p><p>In meinem letzten Newsletter habe ich geschrieben, dass es mir gut geht, und dass ich mich auf 2025 freue – und das stimmt. </p><p>In den vergangenen Jahren habe ich aufgehört, mein Geld beim SPIEGEL und der ZEIT zu verdienen, oder auf Bühnen über die Klimakrise zu sprechen, habe Gagen von 3500 Euro pro Auftritt sausen lassen; habe alles aufgegeben, was ich an Kontakten und Karriere in zehn Jahren aufgebaut habe; habe alle Sicherheit fahren lassen – und fühle mich heute sicherer als je zuvor. </p><p>Wir leben in stürmischen Zeiten. Die gesellschaftlichen Veränderungen, die wir gerade durchleben – die Disruptionen – sind größer und schneller als je zuvor in der Geschichte der Menschheit. Der technologische Wandel. Die globalisierte Gleichzeitigkeit. Die ökologischen Katastrophen. Trump ist noch nicht mal Präsident und droht bereits seinen Nachbarländern mit Krieg. </p><p>“Alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht, und die Menschen sind endlich gezwungen, ihre Lebensstellung, ihre gegenseitigen Beziehungen mit nüchternen Augen anzusehen.” Dieser Satz gilt heute wieder, und er macht mir keine Angst. Vielleicht, weil ich meine Segel mutig gesetzt habe, der Sturm der Krisen, ist der Wind, der mich antreibt. </p><p>Wir alle wissen, dass unsere Erde mit ein paar Reformen nicht mehr zu retten sein wird, dafür kommen die Verwerfungen zu schnell und zu heftig. </p><p>Stellt euch das nur mal kurz vor: Trump überfällt einen NATO-Verbündeten. Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Brüche, die daraus resultieren, kann man sich nicht vorstellen. Aber man kann sie nutzen.</p><p>Wir müssen sie nutzen.</p><p>Die Gegenseite plant bereits, und ihre Pläne sehen in etwa so aus: Gated Communities für die Reichsten, geschützt von Militärs, dazu Elon Musks Raumfahrtprogramm, das seine Freunde von der Erde wegbringt, wenn es denn sein muss. Survival of the Richest.</p><p>Der Rest lebt in ewiger Hungersnot, in Kriegen und Seuchen. </p><p>Dieser Rest, das sind wir. </p><p>Und ich will, dass es uns gut geht. </p><p>Ich will, dass Kinder in Liebe und Sicherheit die Welt und ihre eigenen Stärken entdecken und lernen können, was es heißt, lebendig zu sein. </p><p>Ich will, dass arbeiten gehen etwas Schönes ist, dass es bedeutet, die eigenen Träume und Visionen in die Welt zu bringen, dass Arbeit nicht nur bedeutet, Nahrung im Supermarkt kaufen zu können, sondern dass sie wirklich nährend ist. </p><p>Ich will, dass die Alten für andere da sein können mit ihrer Lebenserfahrung und ihrem Wissen, und dass andere für sie da sind, mit Unterstützung, einem offenen Ohr und dann, in den letzten Stunden, in liebevoller Begleitung. </p><p>Ich will, dass niemand andere hassen muss, denn wie hat Gandhi mal gesagt: Nur wenn ich jeden Menschen liebe, kann ich auch wirklich mich selbst lieben, denn jeder Mensch repräsentiert einen Anteil, der auch in mir lebt. </p><p>Ich will, dass wir unsere Landschaften, die Tier- und Pflanzenwelt pflegen, damit für uns alle genug da ist, und damit meine ich das größtmögliche “uns alle”. </p><p>Ich will, dass es uns gut geht – und ich will 2025 noch mal alles dafür geben, dass wir sie schaffen: die demokratische Revolution. </p><p>Demokratie ist die vollständige Herrschaft der Menschen über sich selbst, und ich habe eine Vision, wie wir 2025 diesem Traum einen Schritt näherkommen können. </p><p>Was ist die Grundlage von alledem? Als allererstes einigen wir uns darauf, dass uns eine Sache wichtig ist: dass es uns allen gut geht – wirklich allen. </p><p>Dann versammeln wir uns, kommen zusammen, hören uns zu, sprechen aus, was wir brauchen, damit es uns gut geht, damit es uns allen gut geht. </p><p>Im Projekt Menschlichkeit, in den gemeinsamen Abendessen von Jetzt reden wir! habe ich erfahren, wie kraftvoll das ist: Menschen, die sich in die Augen gucken, und sich gegenseitig das wertvollste der Welt schenken: ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. Man kann niemanden hassen, den man versteht, und Verstehen wächst mit Zuhören, und aus Verständnis wächst Liebe, und das ist unsere stärkste Kraft. </p><p>All die Politiker:innen von CDU, SPD, Grünen sind mal mit Idealen gestartet, doch in diesem System repräsentativer Demokratie, wo es nach oben hin immer weniger Raum gibt, steht jede:r irgendwann vor der Wahl: das tun, woran man glaubt, oder das tun, was die eigene Macht erhält. </p><p>Die AfD hingegen ist ehrlich in dem, was sie tut: Sie glaubt an die Macht des Stärkeren, lebt den Kampf aller gegen alle, deshalb schürt sie die Angst und den Hass, der sie stark macht. </p><p>Unsere Liebe ist es, was dem trotzt, was uns wachsen lässt, was uns schön macht. Nicht die sentimentale Form, nicht die Schwärmerei, sondern, so, wie bell hooks die Liebe versteht: als Tätigkeit. </p><p>Ich liebe dich und deswegen sorge ich mich um dein Wohlergehen. Dich und mich und alle verbindet ein Band, wir alle sind auf einander angewiesen, und je besser es euch geht, desto besser geht es mir, und deshalb ist eure Freude meine Freude. </p><p>Wenn ich mich darauf konzentriere, das Licht in dir zu sehen, leuchtet mein Licht auch heller. Wenn ich deine Stärken feiere, werde ich auch stärker. Wenn ich deine Ängste und deine Trauer teile, werden meine Ängste und meine Trauer kleiner. Wir wachsen zusammen. Wir sorgen dafür, dass es uns allen gut geht.</p><p>Wirklich allen. </p><p>Dieser Idee – das habe ich mir selbst und allen vor einigen Tagen versprochen – will ich 2025 dienen.</p><p>Gemeinsam können wir etwas aufbauen, das das System herausfordert. Etwas, dass die neue Welt schon lebt. Im Augenblick der nächsten Krise müssen wir stark genug sein für die demokratische Revolution - die Revolution die wir brauchen</p><p>Für diese Vision will ich eintreten. Alleine geht das nicht. Aber gemeinsam haben wir da eine Chance. </p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 10 Jan 2025 16:35:22 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Frohe Weihnachten!]]></title>
      <description><![CDATA[Ich bin über Weihnachten mit meiner Schwester bei unserer Ma und ihrem Mann. Wir haben in den vergangenen Jahren immer mehr die Erwartungen und das Brimborium…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin über Weihnachten mit meiner Schwester bei unserer Ma und ihrem Mann. Wir haben in den vergangenen Jahren immer mehr die Erwartungen und das Brimborium rausgenommen. Wir haben aufgehört, uns Sachen zu schenken, weil es das nicht brauchte. Wir machen ein einfaches Raclette, ohne tausend Feinheiten, weil’s dann weniger Aufwand ist. Wir spielen ein paar Runden Rummikub und gehen dann irgendwann um Mitternacht ins Bett. Irgendwie konzentrieren wir uns also einfach aufs Wesentliche: dass es uns gut geht – und so waren die letzten drei Tage zwar nicht spannungsfrei, aber insgesamt schön.</p><p>Zwischendurch gibt es immer wieder Momente, wo ich mit meiner Mutter in ihrer kleinen Küche stehe, oder wir mit den Fahrrädern eine Runde drehen und reden, und in einem diesem Momente meinte ich: “Ich freue mich aufs neue Jahr.”</p><p>Es fühlt fast deplatziert an, das zu sagen, weil die Weltlage so beschissen ist, und es so vielen Menschen schlecht geht – aber das ändert nichts daran, dass es mir so geht.</p><p>In den vergangenen ein, zwei Jahren habe ich mein Leben so gestaltet, dass mir die Weltlage weniger ausmacht. Ich lebe mit Menschen zusammen, die mir Halt geben, bekomme bedingungslose finanzielle Unterstützung von euch (danke!) und anderen Menschen, pflege Freundschaften, die tiefe Wurzeln haben – all das stärkt den Rücken angesichts der weltweiten Krisen.</p><p>Dazu kommt, dass ich etwas tue, was mir zutiefst sinnvoll erscheint: Menschen zusammenbringen, damit wir uns gemeinsam gegen das System auflehnen können. Das tue ich mit Leuten, die ich nicht nur mag, sondern auch zutiefst bewundere: Menschen, die zu ihren Werten stehen, die hilfs- und opferbereit sind, die für ihre Überzeugungen sogar bereit sind, ins Gefängnis zu gehen, weil ihnen das immer noch lieber ist, als tatenlos daneben zu stehen, während Konzerne, Lobbys und ihre politischen Verbündeten unsere Lebensgrundlagen zerstören.</p><p>Für die Klimagerechtigkeitsbewegung und die Letzte Generation war es kein einfaches Jahr. Es war ein Jahr von Niederlagen, Selbstfindung und Experimenten. Für mich war es aber auch ein Jahr, das große Klarheit gebracht hat: Wir werden innerhalb der bestehenden Institutionen keine Gerechtigkeit erfahren. Wir brauchen ein Update für unsere Demokratie, wir brauchen eine politische Revolution.</p><p>Für viele ist es ja – sprichwörtlich – leichter, sich das Ende der Welt als das Ende des Kapitalismus vorzustellen. Kann sein, dass diese Menschen recht haben, kann auch sein, dass ich mehr Fantasie habe. Letztlich ist mir das aber auch nicht so wichtig, weil ich mich losgemacht habe vom ewigen Schielen auf Ziele. Ich mache keine faulen Kompromisse mehr. Ich tue, was sich hier und jetzt gut und richtig anfühlt. Ich lebe meine Werte, und die meisten davon drehen sich darum, dass es uns allen gemeinsam gut geht – und weil ich das tue, geht es mir auch selbst gut.</p><p>Und deshalb freue ich mich auch auf das nächste Jahr.</p><hr aria-hidden="true"/><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/about">Abo abschließen</a></p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 26 Dec 2024 08:47:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Wie es weitergeht]]></title>
      <description><![CDATA[Meine erste Straßenblockade mit der Letzten Generation werde ich nicht vergessen. Wie wir uns morgens früh bei Eiseskälte getroffen haben, in Kleingruppen zur Kreuzung…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Meine erste Straßenblockade mit der Letzten Generation werde ich nicht vergessen. Wie wir uns morgens früh bei Eiseskälte getroffen haben, in Kleingruppen zur Kreuzung gelaufen sind, gewartet haben, dass die Fußgängerampel auf grün springt. Dann auf die Straße drauf, Weste an, hinsetzen. </p><p>Geklebt habe ich damals nicht, ich war die Rettungsgasse. Ein Mann brachte uns Kaffee, ein anderer versuchte mich niederzustarren, ich hielt stand, er ging irgendwann weg. Die Polizei kam, schrieb ihre Anzeige und dann: das Hochgefühl. Nicht mehr Teil dieses Systems sein, das den Planeten zerstört, sondern im Widerstand dagegen. Nicht mehr stumm zuschauen, wie die Regierung die Interessen fossiler Konzerne schützt, statt unsere Leben. Wie soll ich’s sagen? </p><p>Seitdem geht’s mir gut. </p><p>Nicht, dass alles einfach ist. Polizisten haben mir die Arme umgedreht, wütende Menschen sind mir auf die angeklebte Hand getreten, 2700 Euro lautete das erste rechtskräftige Urteil gegen mich. Freund:innen von mir hat’s erwischt: Burn-Out. Andere werden ins Gefängnis geschickt. Es gibt Hausdurchsuchungen, Schmerzgriffe, Telefonüberwachung. Das ist alles da, und das ist scheisse. Und trotzdem geht’s mir gut.</p><p>Wir Menschen sind wundervoll. Der Kapitalismus redet uns ein, dass wir kalt optimierende Wesen sind, Homo oeconomicus, die immer nur ihren eigenen materiellen Vorteil suchen. Wir sind’s nicht. </p><p>Wenn die Letzte Generation irgendwas bewiesen hat, dann das. Wir Menschen tun Dinge für andere. Wir kümmern uns um einander. Wir nehmen große Risiken auf uns für das Gemeinwohl – und wir finden darin Erfüllung. Wir finden uns selbst darin. </p><p>Das oberste Prinzip der Letzten Generation lautete Gewaltfreiheit, angelehnt daran, wie Gandhi und Martin Luther King Jr. es geprägt haben. Und die beiden – oh, wie weihnachtlich! – bezogen sich auf Jesus und die Bergpredigt. Ich habe sie im Sommer zum ersten Mal gelesen. Was für ein revolutionärer Text, lest ihn, wenn ihr über die Feiertage ein bisschen Zeit habt. </p><p>Ihr merkt vielleicht, ich schreibe in der Vergangenheitsform über die Letzte Generation, denn wir starten etwas Neues – gestern haben wir unseren Namen abgelegt. Ich weiß schon ungefähr, wie es nächstes Jahr weitergehen wird, aber ich merke auch, wie es mich verunsichert, keinen Namen zu haben. Dinge, die man nicht benennen kann, fallen aus der Form, sie lösen sich mit der Zeit auf, auch wenn die Beziehungen zwischen uns stark sind, weil wir so viel zusammen erlitten und erreicht haben. </p><p>Trotz all der Verunsicherung fühlt es sich gut an, diesen Schritt zu gehen. Zu viele Bewegungen halten auch noch an ihrem Label, ihren Taktiken und Erzählungen fest, wenn sich die äußeren Umstände längst verändert haben. Wir gehen da einen Schritt weiter. Wie das Baby heißen wird, wie wir uns organisieren, und welche Taktiken die richtigen sein werden, dafür ist es noch zu früh, aber mir sind schon einige Dinge klar. </p><p>Ende Gelände, Fridays for Future, Letzte Generation – wir alle haben die vergangenen Jahre damit verbracht, zu versuchen die Aufmerksamkeit der Regierung zu bekommen. Wie Kinder, die vor ihren Eltern rumspringen. Das hat nicht funktioniert. Weiterhin gibt die Politik Milliarden unserer Steuergelder an Konzerne wie RWE, damit die weiter massenhaft Menschen töten können. Sie subventioniert Privatjetflüge und behindert den Ausbau regenerativer Technologien. Wir mussten einsehen, dass sie nicht anders kann. Wir müssen einsehen, dass Konzerne und ihre Lobbys unser politisches System gehackt haben. Wir müssen einsehen, dass unsere Demokratie keine mehr ist. “Dem deutschen Volke” steht auf dem Bundestag. Ehrlicher wäre “Der internationalen Profitwirtschaft”. </p><p>Das sind die äußeren Umstände, mit denen wir umgehen müssen. Die Politik wird unsere Lebensgrundlagen nicht schützen. Sie wird nicht für Gerechtigkeit sorgen. </p><p>Das müssen wir selbst tun. </p><p>Carla hat dem <a href="https://www.spiegel.de/politik/deutschland/klimaaktivistin-carla-hinrichs-wir-sind-nicht-mehr-die-letzte-generation-a-74fbdfdc-f2aa-4fba-bbfa-a1dcd2e15947?giftToken=08201fbc-54b5-4f66-9747-ae275a148d37">SPIEGEL</a> gestern ein Interview gegeben: </p><p><strong><em>SPIEGEL</em></strong><em>: Entschuldigung, aber das klingt doch nach Revolution.</em></p><p><strong><em>Carla Hinrichs</em></strong><em>: Ja, friedliche Revolutionen sind etwas Wundervolles, denken wir nur an den Fall der Mauer. Wenn wir erfolgreich sind, wird alles, was wir gemacht haben, sicher irgendwann als friedliche Revolution bezeichnet werden.</em></p><p>Die Letzte Generation war diese Revolution von Anfang an, denn bei sowas geht’s ja nicht um einen schnöden Wechsel der Regierung. Es geht um eine grundlegende Umwälzung, und jedes Mal, wenn wir gewaltfrei unseren Protest auf die Straße gebracht haben, haben wir das System ein kleines bisschen ausgehebelt. Wir haben seine Grundannahme Lügen gestraft, nämlich, dass wir alle egoistisch sind. Kein Mensch ist unabhängig von den anderen. Wir können nur gemeinsam leben und überleben. Dafür sind wir geboren. </p><p>Das gilt es auch in die Politik zu tragen. Wie das aussehen kann? </p><p>Für mich sind Gesellschaftsräte dieser Ort. Dort begegnen wir uns als Menschen, hören einander zu, versuchen Lösungen zu finden, die nicht meinem persönlichen Vorteil dienen, sondern dem Kollektiv. Stellt euch doch mal vor, unser Land würde auf dieser Basis regiert, und nicht von Menschen, die da oben ständig um Macht kämpfen und in dem Prozess ihre Werte und unsere Zukunft verkaufen. </p><p>Wir bauen einen solchen Gesellschaftsrat gerade mit unserer Kampagne <a href="https://jetzt-reden-wir.de/">Jetzt reden wir! </a>– es ist ein erster Schritt in Richtung der politischen Revolution, die wir brauchen. Es ist auch unsere beste Krisenvorsorge. Die nächste große Erschütterung wird sicherlich kommen, eine Finanzkrise, ein Zusammenbruch der Lieferketten, Extremwetter oder Massenarbeitslosigkeit und noch mehr Armut – und dann ist es wichtig, dass nicht nur wieder die Lobbys sprechen, und die “Lösungen” diktieren. Dann brauchen wir Menschen auch eine gemeinsame Stimme, mit der wir sprechen. </p><p>Druck machen müssen wir natürlich auch. Ich stelle mir vor, wie zehntausende Menschen vor dem Bundestag campen, bis wir endlich unsere Wirtschaft so umbauen, dass sie nicht mehr den Konzernen, sondern den Menschen dient. </p><p>Das klingt utopisch, eigentlich ist es alltäglich, wie ein Blick in die vergangenen Monate und Jahre zeigt. Politische Revolutionen passieren, sie sind Teil der menschlichen Geschichte, so wie technischer Fortschritt. Und wenn ich mich umsehe, dann deutet weltweit gerade viel auf Brüche und politische Revolutionen hin. </p><p>Vielleicht passiert das also schon nächstes Jahr. Vielleicht erst das Jahr darauf. Ich weiß es nicht. Aber ich will mich darauf vorbereiten, und freue mich darauf, das mit vielen Menschen gemeinsam zu machen. </p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Ich habe da so eine Idee. Falls Du Lust hast, etwas auszuprobieren, dann markier dir doch schon mal das Datum 18. Januar, 12.30 Uhr in deinen Kalender. Ich melde mich noch mal mit mehr Infos!</em></p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 19 Dec 2024 09:53:37 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Zurück nach Hause]]></title>
      <description><![CDATA[Meine Mutter ist gelernte Kindergärtnerin, hat Büros geputzt, uns Kinder großgezogen. Mein Vater hat auf dem Bau gearbeitet, Bodenplatten betoniert und Elektrik verlegt.…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Meine Mutter ist gelernte Kindergärtnerin, hat Büros geputzt, uns Kinder großgezogen. Mein Vater hat auf dem Bau gearbeitet, Bodenplatten betoniert und Elektrik verlegt. </p><p>Ich war der erste in unserer Familie, der auf eine Uni gegangen ist. Schule fiel mir leicht, ich war nicht Klassenbester, dafür war ich zu frech und zu faul, aber immer irgendwo in dem Bereich, und irgendwann in der Oberstufe wusste ich, dass ich beruflich schreiben wollte. Eigentlich Schriftsteller, aber das schien unmöglich, deswegen wenigstens Journalist. </p><p>Der 11. September 2001 und die Monate danach haben mich politisiert. In meiner Heimatstadt Bonn gegen den Einmarsch der USA im Irak zu demonstrieren, war meine erste Demo. Der Krieg kam trotzdem, der Nahe Osten ließ mich nicht mehr los. </p><p>Als ich genug von meinem Bafög und meinem Studijob zusammengespart hatte, flog ich nach Istanbul, reiste erst nach Syrien und dann weiter in den Libanon. </p><p>Wenn ich die Augen schließe, sehe ich immer noch tausend Szenen aus Beiruter Straßen vor mir. Es war Liebe auf den ersten Blick, und in der Auslage eines Kiosks sah ich den Daily Star Lebanon, eine kleine englischsprachige Zeitung. </p><p>Ich kaufte mir eine Ausgabe und einen dieser gelben Einwegrasierer von BIC, ging in mein Hostel, kratzte mir einen struppigen Reisebart aus dem Gesicht, zog meine am wenigsten staubige Trainingsjacke an, nahm meinen Mut zusammen und ging zur Redaktion, und fragte: “Kann ich hier vielleicht ein Praktikum machen?”</p><p>Die Antwort kam schnell: “Klar, komm einfach im Sommer wieder.” </p><p>Der Sommer wurde zu einem der besten meines Leben. Wir waren eine ganze Gruppe von Praktikant:innen, unsere Aufgabe war es den Lokalteil vollzuschreiben, all das Bunte und Vermischte. Wir kamen kostenlos auf alle Konzerte, gingen in Kunstausstellungen, tranken und rauchten und schrieben und viele wollten ein bisschen wie Ernest Hemingway sein, aber keiner hätte das laut gesagt. </p><p>Nach drei Monaten ging mein DAAD-Stipendium zur Neige, aber ich wollte nicht nach Hause. In der Nähe vom Beiruter Hafen konnte man in ein Sammeltaxi steigen, das einen über die syrische Grenze nach Damaskus brachte. Einige waren da gewesen, es klang wundervoll und vor allem war es viel billiger. </p><p>Ich fand ein Zimmer bei einer Familie in der Altstadt. Ich weiß nicht mehr, wie. Es gab keine Smartphones, zumindest kannte ich niemanden, der eins hatte. </p><p>Die Straße vor dem Haus war eng und mit Kopfsteinpflaster gelegt, in kleinen Läden konnte man frisches Gemüse kaufen und nicht weit war der alte Basar und die Umayyaden Moschee mit ihrem riesigen, stillen Innenhof. </p><p>Bei einem Abendessen lernte ich Alan kennen, der im kurdischen Nordosten des Landes aufgewachsen war und in Damaskus Medizin studierte. Flüsternd erzählte er mir von der Gewalt des Assad-Regimes gegen seine Leute. Von der Überwachung, der Folter, der Unterdrückung. Manchmal lud er mich zu sich ins Wohnheim ein und kochte Makloube, “Upside Down”, wie er immer sagte, ein Gericht aus Hähnchenschenkeln und Auberginen. </p><p>Nie habe ich Menschen getroffen, die so gastfreundlich waren, wie die Syrer:innen. </p><p>Auf einer Reise in den Nordirak hing ich irgendwann fest, weil mir das Geld ausgegangen war, und aufgrund des Krieges die Geldautomaten nicht ans internationale Bankennetz angeschlossen waren. </p><p>In einer dieser Nächte lief ich durch Erbil und wusste nicht, was ich jetzt tun sollte, als ich irgendwo ein Licht brennen sah. Ich dachte, es sei ein Café, und dass ich jetzt mit meinen letzten Dinar auch einfach noch einen Tee trinken gehen könnte. </p><p>Drinnen war ein Ring aufgebaut, in dem ein Hahnenkampf stattfand. Weil ich nicht auffallen wollte, setzte ich mich hin und bestellte beklommen einen Tee, schaute zu, wie die Hähne sich gegenseitig verletzten. </p><p>Der Mann neben mir sprach mich auf Arabisch an, wollte dann wissen, wo ich herkomme, und als ich sagte “almanya”, fing er breit an zu grinsen und stellte sich vor: “Hey, meine Freunde nennen Tyson, ich lebe in Bonn.” </p><p>Wir fingen an zu quatschen. Er verdiente sein Geld damit, Autos in Deutschland zu kaufen und in Syrien wieder zu verkaufen. Manchmal machte er den Umweg über Erbil. Die nächsten Tage konnte ich bei seinen Eltern im Haus übernachten, er zahlte den Ausstand, den ich im Hotel hatte, und dann nahm er mich zurück mit nach Damaskus. Keine Ahnung, was ich ohne ihn gemacht hätte. </p><p>Alan war vom selben Schlag. Als ich einmal durch seine Heimatstadt Qamishli kam, wollte er mir unbedingt alles zeigen. Aber als Kurde länger als fünf Minuten mit einem Ausländer reden, das ging nicht: Die Geheimpolizei hätte ihn sonst verhaftet, verhört und vielleicht in eins ihrer Foltergefängnisse gesperrt. </p><p>Irgendwann musste ich dann zurück nach Deutschland, mein Studium fertig machen, und als ich das nächste Mal nach Syrien kam, säumten ausgebrannte Panzer die Straße. </p><p>Die Menschen hatten versucht, Assad zu stürzen, so wie es auch in Tunesien, Libyen und Ägypten passiert war. Assad ließ seine Truppen auf die Menschen schießen. Die begannen sich zu bewaffnen. Assad mit Russlands Hilfe zerstörte ganze Städte, bombardierte Bäckereien, Schulen und Krankenhäuser. Zehntausende starben, auch mein Freund und Reporterkollege James Foley. </p><p>In Afrin, in das ich mittlerweile als Reporter reiste, kam ich wieder bei einer Familie unter. Aber in den Schränken vieler Häuser standen jetzt Kalaschnikows, in den Straßen war Angst und in den Menschen Misstrauen. </p><p>Ich berichtete einige Jahre aus der Region, brannte aus, ging zurück nach Deutschland, ging nochmal auf eine Journalistenschule, fing an über andere Themen zu schreiben, über den Aufstieg der Neuen Rechten in Ostdeutschland und schließlich das Klima. Alan und weitere syrische Freunde kamen nach Deutschland, bauten ein neues Leben auf. </p><p>In Syrien wurde weiterhin gemordet, mal vom Islamischen Staat, dann von Jabhat al-Nusra, dann von der US-Regierung, dann von Erdogan. Oft von allen gleichzeitig. So viel Schmerz, so unendlich viel Schmerz. Vielleicht auch weil ich es irgendwann nicht mehr ertrug, guckte ich nicht mehr hin. Bis vergangene Woche. </p><p>Abu Muhammad al-Dschaulani, ein Typ, der mal sowas wie der Osama bin Laden Syriens war, ein Hardcore Dschihadist und Schlächter, kehrt der ganzen Sache irgendwann den Rücken. Statt Selbstmordattente zu veranlassen, baut er in seinem Herrschaftsbereich die Infrastruktur wieder auf, schützt Minderheiten und lässt Demonstrationen zu – auch wenn sie sich gegen ihn richten.</p><p>So schmiedet er ein neues Bündnis, nimmt Aleppo, die zweitwichtigste Stadt des Landes ein, weil Assads Truppen überraschend fliehen. Er verspricht auch dort allen Minderheiten Schutz und zieht weiter, und vielerorts geschieht das Gleiche: Die Soldaten des Regimes gehen einfach nach Hause. Nach nur ein paar weiteren Tagen flieht Assad aus dem Land, und die Revolution, die vor 13 Jahren begann, findet so etwas wie ein Ende. </p><p>Die Foltergefängnisse werden geöffnet, die Gebäude des Geheimdienstes niedergebrannt und die Statuen der Assad-Familie gestürzt, und bei mir war da nur Unglaube, in dem Sinne von: Ich konnte nicht glauben, was da passiert, dass das real und gut ist. </p><p>Erst als ich die Bilder feiernder Menschen aus Berlin-Neukölln gesehen und dann mit meinen alten syrischen Freunden telefoniert habe, wurde es real.</p><p>Alan und andere erzählten mir, wie sie seit zwei Tagen nicht geschlafen haben. Davon wie glücklich sie und ihre Verwandten in Syrien sind. Von ihrem Wunsch nach Hause gehen zu können, und dem schmerzhaften Wissen, dass da nichts mehr ist: Das Haus meines Freundes Wassim gibt es nicht mehr, genauso wenig wie das Haus seiner Eltern. Aber das ist gerade zweitrangig, denn so lange, wie Assads Geheimpolizei das Land beherrschte, konnten meine Freunde nicht zurück. Jetzt ist die Geheimpolizei nicht mehr. Assad ist nicht mehr. Diese Diktatur, die vielleicht schlimmste der Welt, ist nicht mehr. Stattdessen ist da die Chance auf einen Neuanfang. </p><p>Meine Freunde träumen davon, nächstes Jahr zumindest mal für einen Besuch zurück nach Syrien zu gehen, und Wassim hat mich gefragt, ob ich mitkommen möchte. Etwas Schöneres, als ihn dort zu begleiten, könnte ich mir nicht vorstellen. </p><p></p><p><em>Autor und Community-Organizer – das beschreibt am besten das, was ich mache, also Menschen zusammenzubringen und zu empowern, indem ich schreibe und Bewegungen baue. Wenn du dabei helfen möchtest, unterstütz mich gerne mit einem monatlichen Beitrag:</em></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/about">Jetzt unterstützen</a></p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 12 Dec 2024 09:43:48 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Das Wunder von Südkorea]]></title>
      <description><![CDATA[Man hasst ja nichts so leidenschaftlich, wie etwas, das einem früher mal nahe stand.  Zuerst: “Ich liebe dich bis ans Ende der Welt!” Später: “You fucking B*tch!” Man…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>🇰🇷</h1><p>Man hasst ja nichts so leidenschaftlich, wie etwas, das einem früher mal nahe stand. </p><p>Zuerst: “Ich liebe dich bis ans Ende der Welt!”</p><p>Später: “You fucking B*tch!”</p><p>Man kennt’s. </p><p><br/>Und jetzt würde ich nicht sagen, dass ich den deutschen Journalismus hasse, aber Liebe kann ich das auch nicht mehr nennen. </p><p>Wie viele Leitartikel und Studien hat man mittlerweile gelesen über Polarisierung, über Zukunftsängste in der Jugend und den Aufstieg des Faschismus. So viele Journis beklagen, wie schlimm sie das alles finden, und machen dann weiter wie bisher, und was machen sie: Sie verbreiten Angst. </p><p>Öffnet mal eine beliebige Nachrichtenseite, und sucht die Artikel, die keine Schocker sind, die nicht verunsichern oder erschrecken. </p><p>Und wie schreibt Maren Urner so schön in ihrem neuesten Buch: “Hass ist die eskalierte Form von Angst.” Angst ist die Grundemotion des Faschismus und Hass seine Ausdrucksform. So viele Artikel sind Wasser auf den Mühlen der AfD – dabei müsste das nicht sein. </p><p>Südkorea diese Woche. Ein scheinbar recht unfähiger Präsident mit schlechten Zustimmungswerten weiß sich nicht anders zu helfen, als über Nacht das Kriegsrecht zu verhängen. Soldaten rücken mit Sturmgewehren und Kampfhubschraubern an, um das Parlament zu besetzen und dann?</p><p>Ich habe mir gestern Nacht lange die Videos aus diesen Stunden angeguckt. Da sind die Soldaten, die in dichten Pulks auf die Türen des Parlaments vorrücken. Und dann sind da Menschen, Bürger:innen und Abgeordnete, die sich ihnen in den Weg stellen. </p><p>Sie drängen die Soldaten ab, lassen sie nicht durch, stemmen sich dagegen. In den Eingängen werden Barrikaden aus Parlamentsmöbeln gebaut. Eine Frau packt das Sturmgewehr eines Soldaten und schreit ihn an, komplett todesmutig. </p><p>Was ich am beeindruckendsten fand: Das waren nicht viele Leute, die da waren und das gemacht haben, keine riesige Menschenmenge. Bei Verhängung des Kriegsrechts war es schon Nacht, die meisten Menschen saßen zuhause und haben das Geschehen in den sogenannten sozialen Medien verfolgt. </p><p>Jene Mutigen ermöglichten es den Mitgliedern des Parlaments, eine Sitzung einzuberufen, in der sie das Kriegsrecht wieder beendeten und so eine mögliche Militärdiktatur verhinderten. Jetzt sind Menschenmassen auf den Straßen, um den Rücktritt des Präsidenten zu fordern. Aber in jener Nacht waren es einige wenige und ihre Entschlossenheit, die die Demokratie gerettet haben. </p><p>Das wäre doch eine Story!</p><p>Aber die wird von den meisten Medien nicht in den Mittelpunkt gestellt. Da geht es dann wieder darum, was der Oppositionsführern sagt, um den Präsidenten und darum, dass die USA und Großbritannien “besorgt sind”. </p><p>Kein Wunder, dass sich so viele Menschen hilflos fühlen, nicht mehr zur Wahl gehen, sich in Verschwörungsmythen verlieren oder die AfD wählen, wenn die meisten Medien immer vermitteln: Ihr seid egal, ihr zählt nicht. </p><p>Aber Demokratie, das sind nicht Männer in Anzügen, die in Kameras sprechen. Demokratie, das sind Du und ich, und was wir draus machen. </p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Ich hatte mir mal wieder vorgenommen, die Vorweihnachtszeit ruhiger zu gestalten, aber ist nicht. Im Gegenteil, es passieren richtig viele gute Sachen.</em></p><p><em>Hier eine Auswahl:</em></p><p><em>Heute Abend spreche ich in der Pablo Neruda-Bibliothek in Berlin-Friedrichshain mit Lena Hällmayer über “</em><strong><em>Klimaangst und Wandelmut</em></strong><em>”. </em><a href="https://www.berlin.de/stadtbibliothek-friedrichshain-kreuzberg/bibliotheken/bezirkszentralbibliothek-pablo-neruda/veranstaltungen-projekte/klimagefuehle-ein-gespraech-ueber-klimaangst-und-wandelmut-1499100.php"><em>Alle Infos hier</em></a></p><p><em>Am Sonntag kommt der Autor und Aktivist Andrew Boyd zur Buchpremiere meiner guten Freundin Theresa Leisgang in Berlin. Ich vertraue wenigen Menschen so sehr wie Theresa und sie sagt, </em><strong><em>Boyd ist der Knaller.</em></strong><em> </em><a href="https://tally.so/r/wgQ8v1"><em>Kommt also da hin!</em></a></p><p><em>Am Montag um 12.30 Uhr führen Andrea und ich ein solidarisches Streitgespräch über die Frage “</em><strong><em>Revolution oder Kollaps?</em></strong><em>”. Andrea hat mich in einem besonderen Augenblick in meinem Leben mal sehr nachhaltig beeinflusst, deswegen freue ich mich da sehr drauf. </em><a href="https://us06web.zoom.us/j/84474236193?pwd=yXuGf2i4c4FSYDAPyaOYCtXWcNERgF.1"><em>Wir sprechen auf Zoom, seid dabei!</em></a></p><p>Falls nichts davon für euch passt: Kürzlich habe ich auch auf dem alternativen Klimagipfel gesprochen, habe ein paar deutlichere Worte gefunden, was sehr gut getan hat:</p><a href="https://www.youtube.com/live/IbhFvMmQlR8?feature=shared&amp;t=84"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/66aaa1d9-257a-4b3c-8a87-904463740775/uploads/images/nfryidodgu/Bildschirm_foto_2024-12-05_um_09.58.17.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/></a><a href="https://www.youtube.com/live/IbhFvMmQlR8?feature=shared&amp;t=89">https://www.youtube.com/live/IbhFvMmQlR8?feature=shared&amp;t=89</a><p></p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p><br/><br/></p><p><br/><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 05 Dec 2024 09:01:12 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Haha, Weltrevolution!]]></title>
      <description><![CDATA[Ich denke und sage in letzter Zeit oft Dinge, bei denen ich mich selbst nicht so richtig ernst nehmen kann. Dann schießen mir Wörter durch den Kopf oder purzeln mir aus…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>👍</h1><p>Ich denke und sage in letzter Zeit oft Dinge, bei denen ich mich selbst nicht so richtig ernst nehmen kann. Dann schießen mir Wörter durch den Kopf oder purzeln mir aus dem Mund, bei denen ich denke: das klingt so überholt, so bekloppt, wo kommt das denn her? </p><p>“Weltrevolution” ist so eins. </p><p>Hat ‘nen Bart länger als Marx, ist kitschiger als ne Jugendstilvase. Kann man nicht sagen, nicht wirklich verfolgen als Gedanke.</p><p>Aber dann: Warum eigentlich nicht? </p><p>Je mehr ich darüber nachdenke, desto zeitgemäßer finde ich das Wort eigentlich, denn:</p><p>Was ist eine Revolution?</p><p>Eine Gesellschaft erreicht einen Tiefpunkt (meistens, weil die Reichen zu gierig waren), die Menschen sind sauer und bauen etwas (hoffentlich) Besseres auf - und das Ganze dann einfach global gedacht.</p><p>Fangen wir vorne an: Die Reichen bauen gerade richtig scheisse, raffen so viel an sich, dass es uns nicht nur allen immer schlechter geht, sondern auch die Lebensgrundlagen vernichtet werden. Das System wird dadurch so instabil, dass es sehr wahrscheinlich bald mal wieder crasht.</p><p>Sei es ein Krieg zwischen China und Taiwan, der die ganzen Just in Time-Lieferketten zerstört. Sei es ein “multiple breadbasket failure”, also eine gleichzeitige Dürre in den großen Weizenanbaugebieten der Welt – ausgelöst durch die Abschwächung des Jetstreams. Sei es die nächste Finanzkrise.</p><p>2008 war ja schon krass, jetzt sind die Geldmengen, die im Umlauf sind, um einiges größer als damals. Elon Musk will jetzt noch den “Verbraucherschutz im US-Finanzsektor abschaffen”. Das heißt nichts anderes als: Er tritt die letzten Sicherheitsstützen des Systems weg, damit seine Buddies noch ein bisschen reicher werden. </p><p>Die Finanzkrise 2008 hat zu den Revolutionen im Nahen Osten geführt, die wiederum die Menschen in Südeuropa inspiriert haben, gegen die Austeritätspolitik der EU zu rebellieren, und schließlich hat #occupywallstreet hunderte von Städte besetzt: We are the 99%! Die Guy Fawkes-Maske, die damals von vielen getragen wurde, wird heute immer noch auf revolutionären Protesten getragen: Thailand, Myanmar, Hongkong und viele mehr.</p><p>Und solche Beispiele gibt es ja massenhaft: 2003 war ich zum ersten Mal auf der Straße, weil die USA den Irak angreifen wollte. Bis zu zehn Millionen Menschen waren damals am gleichen Tag im Protest  – in über 60 Ländern. </p><p>Extinction Rebellion hat sich wie ein Lauffeuer über den Planeten verbreitet, genau wie Fridays for Future. Wir von der Letzten Generation sind in einem internationalen Netzwerk, das von Neuseeland bis Kanada reicht. Wir tauschen Strategien aus, Protestideen und sogar Geld. Jede Woche sitze ich in internationalen Calls. </p><p>Die Welt ist heute vernetzter als sie jemals war. Eine Rede, ein Meme, ein Protestaufruf rast um den Planeten in Sekunden, denn wir alle teilen ja mittlerweile das gleiche Schicksal: Wir alle verlieren alles, weil einige wenige zu wenig einsichtig sind.</p><p>Was wir dabei mittlerweile richtig gut können: Protest. Sei es, Millionen von Menschen auf die Straße bringen, zivilen Widerstand leisten, ein Protestcamp errichten. Wir können die Logistik, die Pressearbeit, das Spendensammeln und die spektakulären Aktionen. </p><p>Was die erfolgreichen von den weniger erfolgreichen Bewegungen unterscheidet: Sie können ihre Wut in legitime Forderungen überführen, in Verhandlungen treten und sich durchsetzen. Das habe ich selbst in Ägypten besonders schmerzhaft erlebt.</p><p>Ich weiß noch, wie ich auf dem Tahrir-Platz stand, eine junge Frau sich an die Spitze eines Protestzugs setzte, Slogans rief und all die Menschen Richtung Innenministerium führte, vorbei an ausgebrannten Autos und Barrikaden. Vor dem Ministerium stand eine Reihe Polizisten, und als wir nahe genug dran waren, schossen sie Tränengasgranaten in die Menge. Ich hörte nur noch die Schreie “Gas, Gas, Gas!”, aber es war schon zu spät. Mit all den Anderen rannte ich die Straße runter, unfähig zu atmen, oder irgendetwas zu sehen, überall um mich herum Schreie und Menschen, die zusammenbrachen.</p><p>Aber die Menschen ließen sich nicht abhalten. Kurze Zeit später sammelten sie sich wieder und setzten ihre Proteste fort. Doch ihr Mut alleine reichte nicht. Der Diktator Mubarak wurde zwar abgesetzt, dann jedoch durch eine Militärjunta ersetzt, und die Unterdrückung wurde noch schlimmer.</p><p>Was war passiert? Die Menschen hatten es nie geschafft, sich so zu organisieren, dass sie auch selbst hätten Macht übernehmen können.</p><p>Die Otpor-Bewegung in Serbien hat das Gleiche erlebt. Im Sommer habe ich Ivan Marovic kennengelernt, einen der Führer der Bewegung, die es schaffte Slobodan Milošević im Jahr 2000 zu stürzen. Milošević verfolgte die Opposition, überfiel seine Nachbarländer, ließ Minderheiten vertreiben. Der “Schlächter vom Balkan” wurde er auch genannt. Marovic und seine Freund:innen aus der Uni bauten eine friedliche Bewegung und besiegten ihn in Wahlen. Doch dann kamen andere – weniger demokratisch gesinnte Männer – und übernahmen die Macht.</p><p>Wir leben in einer Demokratie. Da funktioniert das alles ein bisschen anders. Aber eine grundlegende Sache bleibt gleich: Es reicht nicht, nur Druck aufzubauen. Man muss auch Institutionen erschaffen, die bestehen bleiben, wenn die Menschenmassen wieder nach hause gegangen sind. Sonst füllen Andere das Vakuum.</p><p>In unserem Fall könnte das ein Gesellschaftsrat sein, denn die bestehende Demokratie ist ja im Prinzip ein Witz, wenn man sich anschaut, was mit Demokratie eigentlich mal gemeint war: dass Menschen sich selbst regieren. </p><p>Heute haben wir eine Klasse von Politiker:innen, Konzernchefs und Lobbys, die die meisten Entscheidungen treffen. Vielleicht kann man noch sagen: Aber die Grünen, die meinen es doch gut! Ja, tun sie. Aber es reicht nicht mehr, ein paar Reformen anzustreben. Dafür sind die Probleme zu gravierend, und die Menschen wollen ja längst auch viel mehr: Das zeigen doch die Ergebnisse der vielen Bürgerräte, die es mittlerweile gab – radikale (angemessene) Ideen, die dann nicht umgesetzt werden, weil: Lobbys &amp; Co. </p><p>Wir müssen uns also besser organisieren. </p><p>Wie? </p><p>Mehr dazu weiter unten. </p><p>Nur noch dieser Zwischenwurf: Wenn wir es nicht tun, tun es die Rechten. Die planen eine Revolution und sie nennt sich Faschismus. Sie wollen die Demokratie abschaffen und den Neoliberalismus komplett eskalieren, denn er entspricht ihren Werten: es gibt Menschen, die sind wertvoll und es gibt Menschen, die sind es nicht. In ihren Augen sollen “wertvolle” Menschen viel verdienen. Alle anderen wollen sie ausweisen, auf sie an der Grenze schießen oder sie ins Lager schicken – und ich habe das Gefühl, dass Du und ich für sie auch nicht besonders wertvoll sind. Dass sie Menschen auf die Straße bringen können, haben sie mit Pegida und vielen anderen Demonstrationen bewiesen. Mit der AfD haben sie auch eine stehende Institution.</p><p>Dem stellen wir etwas entgegen: unsere Menschlichkeit (oh Gott, schon wieder so eine Jugendstilvase). Das wichtigste dabei ist, dass wir uns treffen, uns als Gleiche begegnen, um uns gegenseitig zu zuhören und gemeinsam ins Machen zu kommen. Das kann ganz klein anfangen, denn keine Revolution passiert von heute auf morgen. Sie beginnen alle mit ein paar Menschen, die sich zusammentun.</p><p>Stell dir vor, du organisierst ein Dinner und lädst dir fünf Friends ein. Ihr redet darüber, was euch wichtig ist und was ihre gerne ändern wollt, was eure Forderungen an die Gesellschaft sind. Und dann organisiert jeder, der dabei war, wieder so ein Dinner. Und alle, die dann da dabei waren, organisieren nochmal eins, und auf einmal wächst das rasend schnell. Überall kleine Demokratie-Dinner. Was mit fünf Menschen anfängt, ist nach ein paar Runden auf 75.000 angewachsen, und das wäre ja schon ziemlich geil – und es wäre  erst der Anfang. </p><p>Zusammen können wir uns in den Wahlkampf einmischen, um zu sagen, was wir wollen, und am Tag nach der Wahl losen wir unseren eigenen Gesellschaftsrat aus, der unser eigenes Regierungsprogramm schreibt – frei von Konzerninteressen, stattdessen: unsere Wünsche, Visionen und Träume. Und wenn die Politik uns Menschen wieder ignoriert, dann ist das kein Problem, denn: Protest können wir ja.</p><p>Kollaps oder Revolution? Ich glaube: Revolution ist möglich. Wenn wir klein anfangen.</p><p><br/>Falls dich interessiert, wie das klappen kann, komm dazu:</p><p><strong>Dienstag, 3. Dezember</strong></p><p><strong>20 Uhr</strong></p><p><a href="https://us06web.zoom.us/j/86959943670?pwd=6fAhogoAJM4N2jBriGAtFIryxoSov4.1"><strong>Zoom-Link</strong></a><br/></p><hr aria-hidden="true"/><p><a href="https://steady.page/de/raphaelthelen/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><p><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 29 Nov 2024 08:45:23 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[🟧 Mach's wie die Rechten]]></title>
      <description><![CDATA[Trump baut sein Kabinett und gerade sind dazugekommen: Eine Unternehmerin, die mit einem Wrestlingverband reich geworden ist, und ein Fernseharzt, der schwurbelte,…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 21 Nov 2024 09:05:59 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Das Klima kollabiert nicht]]></title>
      <description><![CDATA[So viel Reaktion, so viele und Dankeschöns kamen auf den letzten Text. Es scheint, als ginge es mehr Menschen wie mir, und ich will’s noch mal ein bisschen ausführen,…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 14 Nov 2024 11:16:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[💥]]></title>
      <description><![CDATA[Trump ist an der Macht. Fuck. Schon wieder. Schon wieder mehr Dunkelheit. Ukraine, Gaza, Sächsische Separatisten. Und in zu vielen Gesprächen, die ich gestern geführt…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 07 Nov 2024 11:19:40 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Noch ein bisschen Ehrlichkeit]]></title>
      <description><![CDATA[Man ist zum großen Teil das, was man tut. Wenn ich sage, ich bin Fallschirmspringer:in, aber ich springe nie Fallschirm, dann kann ich das immer noch behaupten, aber es…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 24 Oct 2024 06:16:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Nichts gegen Rechts]]></title>
      <description><![CDATA[Eine der ersten Reaktionen auf meinen letzten Newsletter: Du darfst nicht unsere Demokratie kritisieren, das stärkt nur die Rechten! Wann sind so viele Progressive zu…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 17 Oct 2024 08:36:43 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Erwachsen werden]]></title>
      <description><![CDATA[Egal of Fridays, Ende Gelände, Greenpeace oder die Letzte Generation: Wir alle haben uns getäuscht.  Wir standen mit unseren Schildern und Bannern und Westen vor dem…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 10 Oct 2024 07:52:20 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[*]]></title>
      <description><![CDATA[Überrascht hat gestern nichts, und trotzdem ist es eine Zäsur, denn Björn Höcke hat eine Wahl gewonnen. Ein Mann, der schreibt, dass er eine Politik der…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 02 Sep 2024 07:18:57 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Oben drauf]]></title>
      <description><![CDATA[Die vergangenen Tage war ich in England, habe deswegen auch die vergangenen zwei Wochen nichts geschickt: habe da so viele inspirierende Menschen getroffen, und wenn…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 01 Aug 2024 08:28:34 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[*]]></title>
      <description><![CDATA[❗Was anfangen mit unseren Privilegien? Ich habe da schon ein paar Mal darüber geschrieben, und gerade kam die Frage in meinem Umfeld wieder auf, angesichts von…]]></description>
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      <pubDate>Fri, 12 Jul 2024 08:24:51 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Wir werden krisenfest]]></title>
      <description><![CDATA[Wir saßen bei uns im Garten am Feuer und redeten darüber, was uns in den vergangenen Wochen bewegt hat. Eine Mitbewohnerin sagte, dass sie und ihr Partner über ihre…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 04 Jul 2024 08:46:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Die Antworten gefunden]]></title>
      <description><![CDATA[Vor fünf Jahren sind Theresa Leisgang und ich zu einer Reise um die Welt aufgebrochen. Wir haben nicht die Frage gestellt: Was müssen wir tun in der Klimakrise?…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 27 Jun 2024 08:31:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Wirkliche Sicherheit]]></title>
      <description><![CDATA[Meine gute Laune ist gerade nicht kleinzukriegen. Nicht, dass ich nicht hinsehe und mitdenke. Olaf Scholz, der lieber einen Menschen sterben lassen würde, als die…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 20 Jun 2024 10:09:57 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Stell dir vor]]></title>
      <description><![CDATA[Stell dir vor, deine Arbeit tut dir gut und am Ende des Monats hast du trotzdem genug Geld übrig. Die Kitas in der Gegend sind modern ausgestattet, genau wie die…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 13 Jun 2024 09:23:44 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Danke]]></title>
      <description><![CDATA[Ich bin erschöpft und traurig. Erschöpft, weil mich der Hungerstreik doch mehr belastet, als ich dachte. Traurig, warum Menschen das überhaupt machen müssen. Jedes Mal,…]]></description>
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      <pubDate>Fri, 07 Jun 2024 07:27:34 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Im Hungerstreik]]></title>
      <description><![CDATA[Als Wolli in den Hungerstreik getreten ist, war der Boden noch gefroren. Wenn er durchs Camp lief, knirschte es unter seinen Schuhen. Jetzt ist fast Sommer und Wolli…]]></description>
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      <pubDate>Fri, 31 May 2024 06:52:03 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Fahrradunfall]]></title>
      <description><![CDATA[Ich wurde heute Morgen auf dem Fahrrad umgefahren, mir geht’s so weit gut, aber der Schreck sitzt noch tief. Habe deswegen auch keinen Text geschickt. Der Call heute…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 23 May 2024 12:44:43 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Die Demokratie muss man nicht verteidigen]]></title>
      <description><![CDATA[Wir haben alles, um in einer freien, gerechten Welt zu leben. Wir könnten fast unbegrenzt erneuerbare Energien erzeugen. Wir könnten uns selbst regieren,…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 16 May 2024 08:53:53 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Versammelt euch]]></title>
      <description><![CDATA[Du hast keinen Bock mehr auf den ganzen Scheiss. Die Lokalpolitik kommt nicht in die Pötte, und in Berlin setzen sich nur die Lautesten durch – und jene, die sich am…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 09 May 2024 07:31:49 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Einige Worte an die Gerichte]]></title>
      <description><![CDATA[In zwei Wochen steht der nächste Gerichtsprozess an. Dazu kam noch ein Vollstreckungsbescheid. Ich soll 2700 Euro bezahlen – für eine einzige Blockade. Ein…]]></description>
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      <pubDate>Fri, 03 May 2024 11:19:27 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Beste Menschen]]></title>
      <description><![CDATA[Hey, einige haben mich in den vergangenen Stunden geschrieben, dass sie mir gerne etwas Geld senden würden für die Gerichtsstrafe – das freut mich wahnsinnig. Um das…]]></description>
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      <pubDate>Fri, 19 Apr 2024 13:12:09 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Das Urteil]]></title>
      <description><![CDATA[Ich sitze auf der Anklagebank. Der Gerichtssaal ist bis auf den letzten Sitz mit Unterstützer:innen gefüllt. Draußen warten noch 20, die keinen Platz mehr bekommen…]]></description>
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      <pubDate>Fri, 19 Apr 2024 07:45:59 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Vor Gericht]]></title>
      <description><![CDATA[In vier Tagen ist mein Gerichtsprozess. Ich denke derzeit an wenig Anderes. Es war klar, dass ich irgendwann vor dem Richter stehen würde, als ich mich entschied, nicht…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 11 Apr 2024 06:01:27 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Ein bisschen ausgerastet]]></title>
      <description><![CDATA[Ihr Lieben, zwei Sachen vorweg.  Am 15. April muss ich zum ersten Mal vor Gericht, weil ich mich für den Schutz unserer Lebensgrundlagen eingesetzt habe. Ich bin da mit…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 04 Apr 2024 15:09:47 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[*]]></title>
      <description><![CDATA[Ich spiele mit dem Feuer. Das weiß ich. Wenn ich erzähle, wie kraftvoll, ja schön Wut ist, dann beschwöre ich machtvolle Geister. Wut kann unglaublich zerstörerisch…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 28 Mar 2024 07:40:53 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[*]]></title>
      <description><![CDATA[Der Polizist packte mich an den Haaren und riss mich von der Straße. Ich ging trotzdem wieder drauf, schließlich waren wir dafür gekommen: diese Straße besetzen. Ich…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 21 Mar 2024 08:48:31 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Krank geworden]]></title>
      <description><![CDATA[Hey ihr Lieben, ich hatte eine inspirierte Woche und einen Text im Kopf, bin dann aber krank aufgewacht heute Morgen und will mich nicht mit Kaffee vollpumpen. Das…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 14 Mar 2024 11:15:02 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Wir sind die Utopie]]></title>
      <description><![CDATA[Ich glaube nicht mehr ans gute Ende, an die Utopie oder den Himmel. Aber genauso wenig glaube ich an den Kollaps, die Apokalypse, das Ende. Beides geht von einem Bild…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 07 Mar 2024 10:35:03 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Die Quelle von Kapstadt]]></title>
      <description><![CDATA[Riyaz Rawoot führt uns in den lichtdurchfluteten Behandlungsraum seiner Physiotherapiepraxis, fragt uns, ob wir einen Kaffee wollen, und guckt uns erwartungsvoll an,…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 07 Mar 2024 10:10:19 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Die Lüge, die uns erzählt wird]]></title>
      <description><![CDATA[Die Sonne scheint, auf der Wiese blühen die Krokusse, am Wochenende schwebte der erste Zitronenfalter an mir vorbei. Ja, da ist auch ein Gefühl von: Yes, der Winter ist…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 29 Feb 2024 09:27:19 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Tausend Liebesbeweise]]></title>
      <description><![CDATA[Ich bin richtig durch und komplett euphorisiert. Als Schreiber glaube ich ja daran, dass Ideen die Welt verändern können – und gerade erlebe ich das selbst. Überall, wo…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 22 Feb 2024 08:37:20 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[In die Risse unserer Gesellschaft]]></title>
      <description><![CDATA[Von ein paar Tagen saß ich bei einem Kumpel zu Hause, seine beiden Kinder waren auch da, und wir unterhielten uns über das Klima und die AfD. Ich fand es an sich schon…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 15 Feb 2024 11:19:27 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Wir wir Probleme lösen]]></title>
      <description><![CDATA[*jetzt neu: jeder Newsletter auch als Video! Der Mensch ist richtig gut darin, Probleme zu lösen. Warum ich darüber nachdenke? Weil ich mich…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 08 Feb 2024 15:27:41 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Was ich derzeit mache]]></title>
      <description><![CDATA[In mir reift eine Freude heran, vielleicht auch eine Neugierde: Was passiert, wenn ich nicht mehr auf die Katastrophe starre, in ihrem Schatten lebe, sondern ins Vertraue]]></description>
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      <pubDate>Thu, 01 Feb 2024 09:09:31 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Wir sind die Demokratie]]></title>
      <description><![CDATA[Millionen von Menschen auf den Straßen, in ganz Deutschland. Und überall recken sie ihre Handys in den Nachthimmel und singen: „Wehrt euch, leistet Widerstand gegen den F]]></description>
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      <pubDate>Thu, 25 Jan 2024 09:37:13 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Organisieren gegen die AfD]]></title>
      <description><![CDATA[Ich meld mich aus meiner Auszeit, angesichts der Enthüllungen rund um die AfD kann ich nicht anders. Die Partei will Menschen deportieren. Das ist Faschismus. Das…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 14 Jan 2024 11:42:36 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Vorsätze]]></title>
      <description><![CDATA[Freund:innen kommen immer wieder zu mir, um zu erzählen, dass sie bald irgendwo hinfliegen. Ich habe dann meist das Gefühl, dass sie kommen, weil sie ein schlechtes…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 31 Dec 2023 09:38:41 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Optimismus und Hoffnung]]></title>
      <description><![CDATA[*** Hoffnung – was ist das eigentlich? XR hat mal den Slogan umhergeworfen: Hope dies – Action begins. Also, wenn man den Glauben aufgibt, dass es in Zukunft besser…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 21 Dec 2023 12:32:20 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Am dünnen Faden]]></title>
      <description><![CDATA[Ich sitze in der Tram und will über Hoffnung schreiben. Vor dem Fenster ziehen Plattenbauten unter grauen Wolken vorbei. Wie ich schon meinte: Ich will über Hoffnung schr]]></description>
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      <pubDate>Thu, 14 Dec 2023 10:01:39 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Lust aufzubrechen]]></title>
      <description><![CDATA[Über zehn Jahre habe ich das Elend der Welt beschrieben. Soldaten, die im Libanon ausländische Arbeiter verprügelten. Junge Syrer, die vor dem Krieg in ihrem Land durch…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 07 Dec 2023 11:17:20 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Aufgefangen werden]]></title>
      <description><![CDATA[Immer mehr Menschen unterstützen meine Arbeit finanziell, und das fühlt sich wunderbar an. Schöner noch sind die Kommentare und Mails, die Unterstützer:innen schreiben –…]]></description>
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      <pubDate>Fri, 01 Dec 2023 08:46:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Zwischenstand]]></title>
      <description><![CDATA[Ich habe noch eine ganze Reihe von Gedanken und Textideen zur ökologischen Klasse – gleichzeitig merke ich, dass da gerade in meinem Kopf etwas Neues entsteht. Ich…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 30 Nov 2023 09:57:04 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Meine Seele blüht]]></title>
      <description><![CDATA[Vor einem knappen Jahr saß ich zum ersten Mal auf der Straße, protestierte. Jedes Mal, wenn ich an der Stelle zufällig vorbeikomme, muss ich daran denken. Der…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 23 Nov 2023 09:27:18 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[In Pfützen springen]]></title>
      <description><![CDATA[Kürzlich lief ich den Landwehrkanal in Berlin entlang, es hatte geregnet, große Pfützen und Schlamm überall, ich ging im Slalom drum rum, und dann tappte dann doch...]]></description>
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      <pubDate>Thu, 16 Nov 2023 09:41:50 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Mit Jesus im Widerstand - 02.11.2023]]></title>
      <description><![CDATA[Gestern waren wir in der Ewigkeitszeit unterwegs. Wir hatten Protestmarsch, zusammen mit mehreren Pfarrer:innen und Buddhist:innen. Wie immer ging es gegen die…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 02 Nov 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Die kleine Insel - 26.10.2023]]></title>
      <description><![CDATA[In jedem Newsletter reagiert Mara Klein bildlich auf das Geschriebene. Ihr Assistent: Dall-E. Egal, ob ich Zeit linear oder zyklisch begreife, der Blick in die Zukunft…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 26 Oct 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Nicht mehr arbeiten gehen - 19.10.2023]]></title>
      <description><![CDATA[© Mara Klein via Dall-E Der Junge war vielleicht acht Jahre alt. Es schmerzte deshalb umso mehr, als er rief: „Geht arbeiten!“ Wir im Protest, saßen, klebten auf der…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 19 Oct 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Privilegien und Schlachtlinien - 05.10.2023]]></title>
      <description><![CDATA[© Mara Klein via DALL-E2 Jan und ich saßen im Gefängnis Tempelhofer Damm, unterhielten uns darüber, warum wir im friedlichen Widerstand und jetzt in dieser Zelle waren.…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 05 Oct 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Wir machen Hoffnung - 28.09.2023]]></title>
      <description><![CDATA[Weil die Klimakrise so schnell eskaliert, bröckeln die Gewissheiten, alles wird immer schneller immer älter. Vor fünf Jahren war das Klima als Thema den meisten…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 28 Sep 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Die Gesellschaft anführen - 14.09.2023]]></title>
      <description><![CDATA[Auf einer Veranstaltung über den Sommer stand ich irgendwann barfuß neben einem Multimillionär im Gras. Er fluchte über die Ameisen auf seinen Füßen. Ich sagte ihm, dass…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 14 Sep 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Geben ist Nehmen - 23.08.2023]]></title>
      <description><![CDATA[Wut gibt mir Hoffnung. Das habe ich beim Schreiben meines Romans gemerkt – dass die beiden verquickt sind. Zum ersten Mal seit Jahren kann ich mir vorstellen, dass…]]></description>
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      <pubDate>Wed, 23 Aug 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Ein Manifest der Generation Klimakampf - 17.08.2023]]></title>
      <description><![CDATA[Heute kommt's raus: WUT – mein Debütroman, ich bin total aufgeregt und super dankbar, allen die daran mitgeholfen haben. Das Hamburger Abendblatt hat's »Ein Manifest…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 17 Aug 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Premiere! - 03.08.2023]]></title>
      <description><![CDATA[Unsere jungen Gesichter waren zu Masken erstarrt. Wir liefen die Straße des 17. Juni runter, ich krallte meine Finger ins Fronttransparent. »What do we want?«, rief…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 03 Aug 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Ins Fließen kommen - 22.06.2023]]></title>
      <description><![CDATA[Sitzblockaden. Einzelhaft. Protestmärsche. Konflikte austragen. Adrenalin. Wachstum. Schmerzgriffe. Erfolg. Zusammenhalt. Polizeiketten durchfließen. Einsamkeit. Hype.…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 22 Jun 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Ein bisschen Magie - 12.06.2023]]></title>
      <description><![CDATA[Von den vielen Ereignissen seit den Hausdurchsuchungen wird mir eins besonders in Erinnerung bleiben. Wir hatten Olaf Scholz einen offenen Brief geschrieben, dass er…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 12 Jun 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Blick aus der Zukunft - 05.06.2023]]></title>
      <description><![CDATA[Robin, ein Freund von mir, berät Kleinunternehmer. Er stellt sich manchmal vor, wie er ihnen Folgendes erzählt: Es ist mittlerweile das Jahr 2060, und aus dieser…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 05 Jun 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Trotz allem träume ich - 29.05.2023]]></title>
      <description><![CDATA[Die Gewalt mündet in der Mündung einer Handfeuerwaffe, getragen von einem Polizisten, der Carla Hinrichs Wohnungstür aufgebrochen, und sie vermummt aus dem Schlaf…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 29 May 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Eine Antwort, tausend neue Fragen - 22.05.2023]]></title>
      <description><![CDATA[Die vergangenen Tage kam ich nicht dazu, einen Gedanken zu Ende zu denken. Fast jeden Tag war ich auf der Straße, jeder Tag fühlt sich richtig an, inspirierend. Jeden…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 22 May 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Zeit, erwachsen zu werden - 15.05.2023]]></title>
      <description><![CDATA[Es ist eine Woche kein Protest, ich war zuhause in Bonn, hab mir den Hund meiner Schwester geschnappt. Wir sind erst am Rhein entlang und dann die Sieg hoch gelaufen.…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 15 May 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Nach vorne denken - 08.05.2023]]></title>
      <description><![CDATA[Es ist ungerecht, dass wir die Autofahrer:innen blockieren, die nichts dafür können. Es ist ungerecht, dass wir uns ankleben müssen, weil unsere…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 08 May 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Eine Welt gewinnen - 01.05.2023]]></title>
      <description><![CDATA[Was ist richtig und was falsch und was können wir tun gegen die Zerstörung? Vor einem halben Jahr stand ich mit diesen Fragen in meinem Leben und der Klimakrise, habe…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 01 May 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Der Sprung - 24.04.2023]]></title>
      <description><![CDATA[Der Sprung Beim Backen nie wieder Sägespäne ins Mehl mischen müssen. Ein trockenes Haus. Die Kinder satt kriegen. Mein Großvater hatte nach dem Krieg drei Jobs, der…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 24 Apr 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Auf die Straße - 19.04.2023]]></title>
      <description><![CDATA[Heute geht es los. Über 800 Menschen aus ganz Deutschland haben sich auf der Website der Letzten Generation eingetragen. Wir bringen Berlin zum Stillstand, um die…]]></description>
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      <pubDate>Wed, 19 Apr 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Hoffnung und Vorbilder - 17.04.2023]]></title>
      <description><![CDATA[Ich weiß nicht, woher mein Bedürfnis kommt, in den vergangenen Wochen so viel über Hoffnung zu schreiben, darüber, dass ich, dass wir sie nicht brauchen, um in der…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 17 Apr 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Hoffnung und kleine Taten - 10.04.2023]]></title>
      <description><![CDATA[Ich kann nicht wissen, was meine Handlungen bewirken. Diese einfache Wahrheit hat einen Haufen komplizierter Namen: Nicht-Linearität, Chaos-Theorie, Komplexität, und…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 10 Apr 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Hoffnung und Gerechtigkeit - 03.04.2023]]></title>
      <description><![CDATA[Wir werden untergehen Und vielleicht ist das auch besser so. Diese Zeilen schickte jemand nach meinem letzten Newsletter und ich verstehe, wo die herkommen, kenne…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 03 Apr 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Hoffnung und Wut - 27.03.2023]]></title>
      <description><![CDATA[Der neue Weltklimabericht ist erschienen, und ich habe keine Zeile dazu gelesen, keinen Bericht geschaut, nichts angehört. Es hat mich nicht interessiert. Warum habe…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 27 Mar 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Radikalität braucht Sicherheit - 20.03.2023]]></title>
      <description><![CDATA[Die Tage interviewte mich eine taz-Journalistin wegen meines Wechsels zur Letzten Generation, coole Person, bei der ich mich sicher genug fühlte, ein paar Dinge sehr…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 20 Mar 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die Winterdürre - 06.03.2023]]></title>
      <description><![CDATA[In all dem Deadlinestress der letzten Tage habe ich eigentlich nur einen Text gelesen, über die Dürre in Frankreich. In vielen südlichen Regionen, aber auch in der…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 06 Mar 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Eine Woche Schreibpause - 27.02.2023]]></title>
      <description><![CDATA[Die Deadline für mein Romanmanuskript rast heran, und deshalb konzentriere ich mich gerade auf diese Aufgabe – für den Newsletter bleibt leider diese Woche keine Zeit…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 27 Feb 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Mein erstes Mal - 20.02.2023]]></title>
      <description><![CDATA[Wir stehen in einer Plattenbausiedlung, feuchter Morgennebel hängt zwischen den Gebäuden, es ist kalt. Ich bekomme eine Warnweste, ein Banner und ein Sitzkissen, beim…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 20 Feb 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Vertrau dir selbst - 13.02.2023]]></title>
      <description><![CDATA[Als ich im Sommer anfing mein Buch zu schreiben, suchte ich einen ruhigen Ort am Waldrand. Freund:innen luden mich zu sich auf den Wagenplatz ein, was die perfekte…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 13 Feb 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Ein Gefühl wie Aufatmen - 06.02.2023]]></title>
      <description><![CDATA[Irgendwas hat sich in meiner Brust geöffnet, seit ich meinen Job als Journalist verlassen und mich der Klimabewegung angeschlossen habe. Da ist mehr Raum, Weite. Was…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 06 Feb 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Ich will mit dir Gesetze brechen - 30.01.2023]]></title>
      <description><![CDATA[Ein Mann durfte in Deutschland seine Ehefrau vergewaltigen. Und das straffrei. Der Staat verfolgte schwule Männer. Völliger Wahnsinn. Nicht so lange her. Beides wurde…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 30 Jan 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Ich wünschte, da wäre ein anderer Weg - 23.01.2023]]></title>
      <description><![CDATA[Ich habe die ganze Zeit dieses Bild vor Augen von dem riesigen Bagger vor Lützerath und dem Schaufelrad, und wie es bei jeder Drehung mehr Gewalt in die Welt bringt.…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 23 Jan 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Lützeraths Geschenk - 16.01.2023]]></title>
      <description><![CDATA[Zwei, drei Mal wollte ich aus Lützerath schreiben und kam dann nicht ein Mal dazu. Am Sonntag vor einer Woche eines der Häuser besetzt, zu fünft im Zimmer mit anderen…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 16 Jan 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Und dann wird's ganz schnell gehen - 09.01.2023]]></title>
      <description><![CDATA[Es fühlt sich an, wie der Anfang einer Reise. Über zehn Jahre lang war ich Reporter und gefühlt habe ich immer über Menschen im Protest geschrieben: Revolutionäre in…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 09 Jan 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA['23 – Es reicht - 01.01.2023]]></title>
      <description><![CDATA[Ok, Doomer. Du gehst mir auf den Sack. Es ist so einfach, vom Zusammenbruch zu quatschen. Nimm dir ein paar Klimaprognosen, lies sie in einem Moment, in dem es dir…]]></description>
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      <pubDate>Sun, 01 Jan 2023 00:00:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Überall schöne Menschen - 19.12.2022]]></title>
      <description><![CDATA[Gerade habe ich einen Text über das Versagen des Journalismus in der Klimakrise geschrieben und merke, wie mich das direkt wieder wütend macht. So viele Idiot:innen,…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 19 Dec 2022 00:00:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Kollektiv LNG-Terminals zertrümmern - 12.12.2022]]></title>
      <description><![CDATA[Neben dem Hass, über den ich kürzlich geschrieben habe, ist da noch etwas anderes. Die Lust auf Rache. Das Ahrtal. Pakistan. Ostafrika. Ich merke, ich will, dass…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 12 Dec 2022 00:00:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Patriarchat ist wie Herpes - 05.12.2022]]></title>
      <description><![CDATA[Was das für ein unglaubliches Gefühl war, die Bestätigung. Innerhalb eines Tages schoss die Zahl der Abos für diesen Newsletter auf über 1000. Fast minütlich bekam ich…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 05 Dec 2022 00:00:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[einfach mal hassen - 28.11.2022]]></title>
      <description><![CDATA[Donnerstags nehme ich immer früh einen Zug, fahre in den Wald; rauskommen, zu mir kommen, wollte dieses Mal darüber nachdenken, dass ich bald 37 werde, weil es sich…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 28 Nov 2022 00:00:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Von der hoffnungsspendenden Unabsehbarkeit der Zukunft - 21.11.2022]]></title>
      <description><![CDATA[Oft habe ich das Gefühl, dass der Zusammenbruch unserer Lebensgrundlagen unweigerlich kommen wird. Wenn wieder ein COP zu Ende geht, ohne dass ernsthaft Emissionen…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 21 Nov 2022 00:00:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Was wir tun können - 14.11.2022]]></title>
      <description><![CDATA[Vor einigen Tagen schickte mir eine Leser:in, Liz, eine Mail: „Ich will etwas machen, ich muss etwas machen, aber was? Ich würde am liebsten nichts anderes mehr machen…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 14 Nov 2022 00:00:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Requiem für den Herbst - 07.11.2022]]></title>
      <description><![CDATA[Ich frage mich, wann es endlich regnet. Wann es kalt wird und stürmisch. Ich frage mich, wo der Herbst ist, und merke, dass das eigentlich keine Fragen sind, sondern…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 07 Nov 2022 00:00:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Ich bin nicht schuld - 31.10.2022]]></title>
      <description><![CDATA[Ich suche Antworten auf die Fragen, was richtig ist, was ich tun kann angesichts der Zerstörung. In den ersten beiden Newslettern habe ich beschrieben, wie es sich für…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 31 Oct 2022 00:00:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Wir sind 1000 - 27.10.2022]]></title>
      <description><![CDATA[Wow. Ich habe diesen Newsletter vor drei Wochen gestartet als Ort, um Antworten zu suchen: Wer muss ich sein in der Klimakrise? Was kann ich tun? Ich dachte, ich würde…]]></description>
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      <pubDate>Thu, 27 Oct 2022 00:00:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Vielleicht kennst du das - 24.10.2022]]></title>
      <description><![CDATA[Der Newsletter für die, die es kapiert haben Politische Gruppierungen – das waren die mit Hitler. In der Schule hatten wir Videos der Befreiung von…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 24 Oct 2022 00:00:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[#2 - 17.10.2022]]></title>
      <description><![CDATA[Der Newsletter für die, die es kapiert haben Es sind Momente wie dieser: Als Teil der diesjährigen documenta steht an einem Teich ein nackter, bleicher…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 17 Oct 2022 00:00:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Klima - 10.10.2022]]></title>
      <description><![CDATA[Der Newsletter für die, die es kapiert haben Seit ich das mit der Klimakrise verstanden habe, habe ich für vieles kein Verständnis mehr. Ich bin ständig gepisst, wenn…]]></description>
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      <pubDate>Mon, 10 Oct 2022 00:00:00 +0000</pubDate>
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