Liebe Politikinteressierte
Kaum sind die Olympischen Winterspiele vorbei, holen wir bei Rathuus das Thema Hitzeminderung aus der Schublade. Wer jetzt bereits getriggert ist, soll doch einfach bis zum ersten Zwischentitel weiterscrollen.
Also, legen wir los: Wir befinden uns am Bucheggplatz in Zürich, einer eher hässlichen Verkehrsdrehscheibe. Der Stein des Anstosses ist ein betoniertes Bord an einer neu erstellten Mauer. Klar gibt es dringendere Probleme – aber das Beispiel steht für eine grössere Fehlentwicklung. Schon der Schaffhauserplatz glänzt nämlich mit einer reinen Asphalt- und Betonoberfläche.
Am Bucheggplatz sieht man erneut, wie herzlos die Planerinnen und Planer in der Verwaltung gegenüber der Natur sind. Begrünung, Hitzeminderung, Heimat für Sandwespen und Pionierpflanzen? Lieber nicht. Wir beantworten die Frage, warum die sich sonst ach so grün gebende Stadt keine bessere Lösung hat einfallen lassen. (Opens in a new window)
Die einen schrumpfen, die anderen wachsen
Die Zürcher Bevölkerung ist vergangenes Jahr um knapp 13’000 Personen gewachsen. Das tönt nach viel, die Tendenz ist aber sinkend. Rund 1,63 Millionen Menschen wohnten Ende 2025 im Kanton. Die Wachstumsrate lag bei rund 0,8 Prozent und hat im Vergleich zu 2024 nochmals abgenommen. “Abgesehen von den Jahren der Coronapandemie ist das der geringste Zuwachs seit dem Jahr 2005”, schreibt das Statistische Amt in einer Mitteilung.
Es ist eine statistische Atempause, für die Städte und Dörfer stellt das Bevölkerungswachstum nämlich eine Herausforderung dar. Denn dieses bringt finanzielle, gesellschaftliche und planerische Schwierigkeiten mit sich. Man denke da an neue Schulhäuser oder mehr Verkehr. Gleichzeitig stehen Gemeinden, die nicht wachsen, ebenfalls vor Problemen, weil dann irgendwann das letzte Restaurant die Lichter löschen muss und der Turnverein händeringend nach Mitgliedern sucht.
Eine neue Studie mit dem Titel “Zustand und Entwicklung der Zürcher Gemeinden” beschreibt, was die Kommunen ausmacht und wie sie aufgestellt sind. Erstellt hat die Untersuchung das Zentrum für Demokratie Aarau im Auftrag des Gemeindeamts des Kantons Zürich. “Es gibt mitunter gesellschaftliche Probleme, die von Gemeinden aufgrund von Arbeitsbelastung oder mangelnder Fachkompetenz kaum in angemessener Weise bewältigt werden können”, heisst es zum Beispiel in der Studie. Wir sagen, welche Ergebnisse ihr sonst noch kennen solltet. (Opens in a new window)
Bei der Velopolitik ist Gelassenheit Trumpf
Ist die Velosituation in der Limmatstadt wirklich so übel? Oder nervt einen die Sache einfach umso stärker, weil US-Präsident Donald Trump wieder spinnt und sich das Wallis mit dem Crans-Montana-Desaster einmal mehr selbst übertrifft? Die Legislatur neigt sich dem Ende zu – Zeit für eine ehrliche Bilanz. Lorenz Steinmann hat eine klare Meinung: “Besonders die Velopolitik des Zürcher Stadtrats fällt durch.” Trotzdem ist aus seiner Sicht Gelassenheit Trumpf – aufregen bringt wenig.
Das Problem lässt sich auf einen einfachen Merksatz herunterbrechen”, findet Lorenz in seinem Kommentar. (Opens in a new window)“Stadträtinnen und Stadträte kommen und gehen, die Verwaltungsmitarbeitenden bleiben.” Und er ergänzt: “Natürlich können Exekutivmitglieder die Chefbeamten auswählen, manchmal sogar auswechseln.” Doch das Heer der Zudiener, etwa im tonangebenden Tiefbauamt, bleibe über Jahre dasselbe. Womit wir wieder beim Artikel über den zubetonierten Bucheggplatz wären.
Wir wünschen eine angeregte Lektüre und ein geruhsames Wochenende.
Liebe Grüsse
Lorenz Steinmann und Pascal Turin