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Wenn Gott geht

Liebe Leser:innen,

nicht nur meines Namens wegen stelle ich Ihnen heute die Gretchenfrage: Wie hast du’s mit der Religion? In Deutschland verliert das traditionelle Christentum an Boden – weshalb, wie in unserer ersten Empfehlung diese Woche, immer mehr Kirchen profaniert und für andere Zwecke genutzt werden. Auch ich selbst bin dem Katholizismus, wie so viele, voller Überzeugung und Zorn abtrünnig geworden. Auch wenn ich nicht vergessen habe, wie es in der U-Bahn auf dem Weg zum Münchner Kreisverwaltungsreferat nach Schwefel roch, und dass die Bescheinigung die Zahlenfolge „666“ enthielt. Kein Scherz!

Als ich in der Behörde sah, dass es für „Kirchenaustritt“ eine eigene Beschilderung gibt, wäre ich beinahe noch mal umgedreht. Es war ein unangenehmer Verdacht, der auch diesen Text prägt: Ist ein Deutschland ohne Gott vielleicht das größere Übel als der Verbleib in einer fehlerhaften Institution? Die Entscheidung fiel trotzdem, die Frage hat mich aber nicht losgelassen. Ich werde weiter darauf herumdenken.

Ein schönes Wochenende mit Zeit zum Grübeln und zum Lesen wünscht

Ihre
Margarethe Gallersdörfer

Jetzt hilft nur noch beten

Sankt Gertrud in Essen wird profaniert – die Kirche wird in Zukunft nur auf den ersten Blick noch aussehen wie ein Gotteshaus. Ihr Pfarrer, der Küster und eine Frau, die schon immer kam, nehmen Abschied. Und ein Politikwissenschaftler fragt bang: Was wird aus einer Gesellschaft ohne Gott?

Josef Wirnshofer (Text), Lorenz Mehrlich (Fotos) · Süddeutsche Zeitung (€) · 20 Minuten (Opens in a new window)

Was nicht vergehen will

Sexualisierte Gewalt ist eine Kriegswaffe, die jeden Menschen verletzen kann. Im Bosnienkrieg wurde sie auch gegen Tausende Männer eingesetzt, viele sind bis heute gezeichnet. Vier von ihnen erzählen – zitternd, fragmentiert und unzusammenhängend, oder offen und voller Trotz.

Esther Göbel (Text), Hannes Jung (Fotos) · Datum (€) · 30 Minuten (Opens in a new window)

Mit Schlaf Geld verdienen

Kapselhotels sind in Japan nichts Ungewöhnliches. Doch am Bahnhof Shinagawa im Süden von Tokio analysieren ein Bewegungssensor, eine Kamera und ein Mikrofon den Schlaf des Gastes. Und schürfen dabei einen Datenschatz. Ein Selbstversuch.

Felix Lill (Text), Martin Holtkamp (Fotos) · brand eins (€) · 15 Minuten (Opens in a new window)

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Satz der Woche

„Wenn Bašić von den Tagen in Gefangenschaft erzählt, scheint es, als verrutsche die sorgfältig gebaute Ordnung in ihm.“

Esther Göbel in ihrem Text „Was nicht vergehen will“ in Datum (€) · Lesedauer (Opens in a new window)

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