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Tränen, Millionen & Kotze

Liebe Leserinnen und Leser,

warum ich mein Volontariat erst mit 30 Jahren mache, wurde ich vor drei Jahren gefragt. Ich denke oft an diese Frage zurück und meine, dass ich heute darauf eine etwas abgeklärtere Antwort habe, als die, die ich damals ganz geniert gegeben habe, nämlich, dass ich lange studiert und noch in anderen Branchen gearbeitet habe.

Dass ich mein Volontariat „erst“ mit 30 gemacht habe, obwohl ich immer schon Journalistin werden wollte, hängt damit zusammen, welche Zeitungen bei mir zuhause rumlagen (ich habe mich eben nicht mit 12 um ein Abo der Wiener Wochenzeitung Falter bemüht, indem ich dem Chefredakteur schreibe (Opens in a new window)). Ich bin in den Schweizer Alpen aufgewachsen, abseits von vielem, als Tochter einer Schweizer Lehrerin und eines irischen Grafikers. Meine Mutter las morgens zu zwei Milchkaffees die Lokalzeitung und mein Vater bestellte sich sonntags für 7 Franken die britische Sonntagszeitung The Observer an den Bahnhofskiosk. Letzteres ist zwar ein Leitmedium, aber eben kein deutschsprachiges, bei dem ich ein Praktikum hätte machen können. Also ging ich nach dem Gymnasium zur Lokalzeitung.

Im ähnlichen Alter hospitierten meine jetzigen Freundinnen und Freunde in Berlin bei der taz oder in Frankfurt bei der FAZ – wahrscheinlich, weil ihre Eltern andere Zeitungen lasen, städtischer wohnten und als Akademikerinnen und Akademiker ein anderes Selbstverständnis hatten als meine. Zu dem Zeitpunkt quälte ich mich als Schweizerin wahrscheinlich gerade durch den dicken Deutschlandteil meines ersten Spiegels und machte mir mental Notizen über einen Habitus, von dem ich dachte, dass er mich weiterbringen würde.

Ich habe mein Volontariat „erst“ mit 30 gemacht, weil ich zuerst herausfinden musste, für welche Zeitungen „man“ so schreiben wollte. Mein Kollege Henrik Schütz sagte es sehr schön, als wir uns über diese Anrede („erst“ meine erste) austauschten: „Bevor du dir den Weg erkämpfen kannst, muss du wissen, was er ist.“

Ein Leitspruch, der auch zu den drei Reportagen der Woche passt.

Ihre,

Elena Lynch

Schicksal in der Wiederholung

Eine Mutter und eine Tochter gebären je ein Kind mit Down-Syndrom. Dasselbe Schicksal zu einer anderen Zeit. Beim Lesen weint man, aber nicht aus Mitleid.

Pia Ratzesberger · SZ (€) · 26 Minuten (Opens in a new window)

Reichtum in der Aufzählung

Ein ehemaliger Häftling wird Lottogewinner. Ein Leben wie eine Legende. Er will, dass die Welt davon weiss.

Max Polonyi · Spiegel (€) · 24 Minuten (Opens in a new window)

Knutschen auf dem Kotzhügel

Ein Montag auf dem Oktoberfest. Szenen wie im Fiebertraum. Unterhaltsam wie weniges diese Woche.

Sylvie Gühmann · Spiegel (€) · 10 Minuten (Opens in a new window)

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#15 Wie stemme ich eine Auslandsreportage, Fiona Weber-Steinhaus? (Opens in a new window) 

Wie gelingt der Einstieg in den Auslandsjournalismus, gerade wenn man als freie Reporterin unterwegs ist? Worauf kommt es bei der Recherche in Krisengebieten an? Und wie kann man die Arbeit von Übersetzer*innen angemessen würdigen?

Darüber sprechen Alessandra Röder und Leon Meckler mit Fiona Weber-Steinhaus, inzwischen Leiterin der Außenpolitik (Online) bei Die Zeit. Für eine Recherche für GEO war sie 2018 im Ostkongo. Dort haben Ärzt*innen und Helfer*innen die Ebola-Epidemie mit einem neu entwickelten Impfstoff bekämpft – unter lebensgefährlichen Bedingungen, begleitet von Misstrauen, Gewalt und Verschwörungsmythen. Sie erzählt, wie sie aus dem Kongo berichtet hat – und was sie jungen Journalist*innen mit auf den Weg geben will. 

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Satz der Woche

„In Wahrheit ist Bodybuilding mehr eine Art Bildhauerei am lebenden Objekt.“

Yves Bellinghausen · DIE ZEIT (€) · 16 Minuten (Opens in a new window)

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