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Drei Reportagen von der anderen Seite

Liebe Leser:innen,

man muss höllisch aufpassen als Journalistin. Über den alten Heuler „Einen guten Journalisten erkennt man daran, […] dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache“ habe ich lang die Augen verdreht. Sorry, dachte ich, aber mit Demokratie und Antirassismus zum Beispiel mache ich mich bedenkenlos gemein. Ich sehe es ja auch nicht als meine Aufgabe, Bestrebungen, die Rechte der Frauen oder von Minderheiten in frühere Jahrhunderte zurückzuschicken, neutral zu betrachten.

Aber in letzter Zeit musste ich an den Satz wieder öfter denken, im Kontext meiner eigenen Arbeit und der Frage: Wem schenke ich wie viel Gehör? Klopfe ich, was mir gesagt wird, wirklich jedes Mal gründlich ab? Kenne ich nicht nur den gesamten Kontext des Gesagten, und der Person, die ihn sagt – sondern frische ich dieses Wissen auch regelmäßig auf? Es ist in jedem Beruf leicht, in einen Sog oder auch nur den Trott des Alltags zu verfallen. Im Journalismus kann es gefährlich werden. (Oder, schlimm genug: dröge.)

Ich komme darauf wegen unserer zweiten Empfehlung diese Woche – ich glaube, hier hätte die Kollegin Stelzer leicht in eine Falle tappen können: zu konzentriert sein auf die Informationen, die der Protagonist des Textes ihr über seinen Sohn anbot, zu wenig achten auf den, der sie erzählt – und was seine wahre Geschichte ist. Sie hat es nicht getan, und ihr Text hat mich gebannt und ein bisschen verstört.

Und ich glaube, nicht nur im Journalismus lohnt es sich, vermeintlich Sicheres immer mal wieder zu drehen und zu wenden.

Ihre
Margarethe Gallersdörfer

„Laura, halte durch!“

Die Biathlon-Ikone Laura Dahlmeier, Olympiasiegerin und mehrfache Weltmeisterin, verlor im Juli 2025 bei einem Steinschlag am Laila Peak in Pakistan ihr Leben. Rekonstruktion eines Unglücks, mit Lauras Vater und dem Extrembergsteiger Thomas Huber.

Jonas Kraus, Gerhard Pfeil · Spiegel (€) · 30 Minuten (Opens in a new window)

Der Vater des Angeklagten

Dem Berliner Arzt Johannes M. wird zur Last gelegt, 15 Patienten getötet zu haben. Was ihn antrieb, weiß niemand, psychiatrisch lässt er sich nicht begutachten. Bei der Zeit meldet sich jemand, der glaubt, einen Einblick geben zu können. Und dann wird es seltsam.

Tanja Stelzer · Zeit (€) · 20 Minuten Lesezeit (Opens in a new window)

Ein Zimmer, Küche, Freibad

Dutzende Menschen dürfen in Österreich einen Kindertraum leben: Sie wohnen im Schwimmbad. Wenn die Tagesgäste verschwinden, gehört das Thermalbad Vöslau ganz ihnen. Wer sind die „Kabanesen“ – und wie lebt es sich an so einem Ort?

Text: Nele Sophie Karsten, Fotos: Mafalda Rakoš · SZ (€) · 15 Minuten (Opens in a new window)

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Satz der Woche

„Man muss sich Chinas Frauen als glückliche Menschen vorstellen.“

Jens Mühling in seinem Text „Sexueller Rohstoff“ in der Zeit (Opens in a new window)

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