
Liebe Leser:innen,
in jeder journalistischen Ausbildung gibt es dieses eine Seminar mit der Frage: Was ist eine gute Geschichte? Was nicht fehlen darf – darin sind sich viele einig – ist der Konflikt. Denn er sorgt für Spannung, einen Anfang und ein Ende und damit für eine klare Dramaturgie. Jemand löst das Problem oder scheitert daran. Aber muss das so sein?
Die Geschichte von Julia Kopatzki und Roderick Aichinger „Endlich allein“, die vergangenes Jahr im SPIEGEL erschienen ist (Opens in a new window), zeigt, dass es genau das nicht braucht. Für die Geschichte haben sie eine Jugendgruppe beim Zelten in Italien begleitet. Und auch wenn sich natürlich immer wieder kleine Konflikte auftun, transportiert die Geschichte vor allem ein Gefühl von Nostalgie. Es reicht, dass wir wissen wollen, was Jugendliche tun, wenn sie unter sich sind. Was sie am Lagerfeuer besprechen, wenn sie sich sicher fühlen. Wie sie herumalbern und zum ersten Mal versuchen zu flirten.
Vielleicht ist diese Geschichte ein gutes Beispiel dafür, beim nächsten Pitch dafür einzustehen, dass es noch andere Gefühle gibt, die Leser:innen in eine Story ziehen können als die große Ungerechtigkeit.
Und damit ich auch dem Seminar aus der Journalistenschule gerecht werde, gibt es in der aktuellen Wochenauswahl auch noch einiges an Konflikt. Viel Spaß beim Lesen!
Eurer
Paul Weinheimer


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