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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
eine der großen Fragen des (auf Deutsch) geschriebenen Journalismus ist, ob Ich-Reportagen erlaubt oder unangenehm sind. Besonders die Gegner dieser Form sind scharfzüngig, sprechen von Nabelschau und Eitelkeit. Ich fand das immer kleinlich, auch wenn meine eigene, längste Ich-Reportage schuldig im Sinne der Anklage sein dürfte: Ich schrieb über mein Verhältnis zum Hauptgebäude meiner Universität. Man traut sich ein bisschen mehr, wenn man sehr jung ist.
Gleichzeitig finde ich bis heute, dass Ich-Reportagen nur ehrlich sind: Es ist eine subjektive Form. Ich erzähle, warum also soll ich nicht „ich“ sagen? Ist das wirklich so viel grausliger als das krampfige „die Reporterin“, das „wir“ oder das schlechthin verbotene „man“, hinter dem Kolleginnen und Kollegen ihre Anwesenheit in der Situation verstecken? US-amerikanische Journalist:innen machen sich den Stress oft gar nicht. Ich empfinde ihre Texte deshalb nicht als weniger seriös – im Gegenteil. Mut zum Ich!
Ich wünsche viel Spaß beim Lesen der heutigen Wochenauswahl.
Ihre
Margarethe Gallersdörfer

Der Hobby-Agent
Bernd Athner spionierte als Zivilist zwei Jahrzehnte lang für die Amerikaner. Seiner Frau Monika sagte er davon nichts, aber im Stasi-Gefängnis landeten sie beide. Wie überlebt eine Ehe einen solchen Vertrauensbruch?
Paul Hildebrandt · Zeit (€) · 30 Minuten (Opens in a new window)

Warum ich Urlaub im Clubhotel machen musste, um zu merken, dass ich allein bin
Allein Ferien machen: Loser-Merkmal oder Befreiung? Die Reporterin testet im Robinson-Club auf Mallorca ihre Grenzen und die ihrer Miturlauber, und meidet den „Soltero“-Tisch. Zum Gefühl Einsamkeit zu kommen, ist gar nicht so einfach.
Sylvie Gühmann · Spiegel (€) · 45 Minuten (Opens in a new window)

Du und ich und das Dazwischen
38 Jahre ist Christine Leutkart mit A. zusammen, dabei ist Monogamie eigentlich nichts für sie. Als mit Mitte 60 noch mal die Lust auf die Öffnung aufkommt, blickt sie zurück. Es entsteht eine Reportage über ihr Liebesleben.
Christine Leutkart · taz · 40 Minuten (Opens in a new window)

Satz der Woche
„Bin ich am Meer, rückt etwas in meinem inneren Regal an seinen richtigen Platz.“
Von Sylvie Gühmann in ihrem Clubhotel-Text (Opens in a new window) im Spiegel.

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