
Liebe Leser:innen,
ich hoffe, Sie lesen diesen Newsletter nicht.
Ich hoffe, Sie liegen stattdessen bereits am See, im Schatten des wackeligen Sonnenschirms oder schleichen durch den schmalen Streifen aus Schatten, der sich an aufgehitzte Gebäudemauern klebt.
Es scheint ein Wochenende zu werden, das für alles gemacht ist, außer Nachrichten zu lesen. Hauptsache, es kühlt, lässt Luft zirkulieren oder hinterlässt wahlweise Zucker- oder Pommessalz-Reste an den Fingern.
Wir schreiben diesen Newsletter trotzdem. Wie an jedem anderen Freitag im Jahr, seit unzähligen Jahren. Nicht (nur), weil wir dickköpfig sind und uns selbst Hitzewellen nicht beugen wollen – sondern weil es wichtig ist.
Die meisten in unseren Reihen, möchte ich vermuten, haben den Beruf des Schreibens nicht gewählt, um an Werktagen den Wahnsinn der Welt in Worte zu fassen und an Sie weiterzugeben. Das ist wichtig und essenziell für eine informierte Gesellschaft, zur Kontrolle staatlicher Vorgänge, ohne Frage. Doch es ist auch ermüdend.
Das Tempo, die unvermeidbare Redundanz, die Fragmentierung hochwichtiger Vorgänge sind nur einige der Punkte, die mich (und offenbar auch Sie) stets zu Langformaten gezogen haben. Selbst, wenn alles im Wahnsinn oder Hitzefieber versinkt, bleiben sie ein Anker, zur Welt und Menschen, von deren Existenz und Schmerz und Kämpfen wir anders nie etwas erfahren hätten. Oder haben Sie sich schon mal gefragt, wie Geflüchtete von den Gräueltaten in Auschwitz erfahren?
Ich bin mir sicher: Das Eis schmeckt dieses Wochenende mindestens genauso gut, wenn Sie es im Beisein eines wahnsinnig gut geschriebenen Textes essen, der Ihnen diese und weitere Dinge nahebringt. Wie jeden Freitag.
Ihre
Annkathrin Weis


Auschwitz für Anfänger
Holocaust? Nie gehört. Eine Woche in Polen, drei Betreuer und viel Geduld sollen vier Jugendlichen die Geschichte ihrer neuen Heimat näher bringen – das Grauen zeigen, das ihnen weniger fremd ist, als sie zunächst dachten.
Joshua Kocher · Reportagen Magazin (€) · 40 Minuten (Opens in a new window)

Hin und weg von diesem Land
Ein Urlaub auf dem Fahrrad soll ihr helfen, abzuschalten. Doch nicht nur die Muskelschmerzen zehren an der Autorin. Auch Deutschland lässt sie, selbst tausende Kilometer entfernt, nicht los.
Judith von Plato · Dummy Magazin · 15 Minuten (Opens in a new window)

Der Herr der Hirne
Wie fühlt es sich an, das Hirn der eigenen Mutter zu obduzieren? Für Andreas Büttner wohl fast wie jeder andere Arbeitstag. Ein Besuch bei einem, für den das Sezieren von Gehirnmasse Alltag und Kunst zugleich ist.
Lukas Haas · ZEIT (€) · 15 Minuten (Opens in a new window)

Satz der Woche
»Jeder Screenshot macht zwar müde, zeigt mir aber, dass es real ist.«
Fatima Njoya im Fluter über das Leben mit einem Cyberstalker (Opens in a new window)

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