Liebe Leserinnen und Leser,
es gibt manche Dinge, an die gewöhne ich mich nicht. Zum Beispiel an das Gefühl, einem mutmaßlichen Mörder in die Augen zu schauen.
Vergangene Woche saß ich im Landgericht Frankfurt nur einen Meter von jemandem entfernt, der seine Frau und sein Kind umgebracht haben soll. Schon allein der Gedanke daran lässt etwas in mir zerbrechen. Immer wieder stelle ich fest, wie schwer es mir fällt, unbefangen zu bleiben. Trotzdem gut zuzuhören, weiter verstehen zu wollen, nicht vorzuverurteilen.
In dem neuen SZ-Podcast „Aschau – Ein Dorf sucht einen Mörder“ sagt der Kriminalreporter Benedikt Warmbrunn, er versuche am Anfang jedes Prozesses den Angeklagten als unschuldig anzusehen. Die Staatsanwaltschaft müsse dann also auch ihn mit jedem Prozesstag überzeugen. Das finde ich sehr klug.
Und egal wie schlimm die Tat auch war, das Ziel unseres Justizsystems muss immer die Resozialisierung sein.
Von der Möglichkeit einer zweiten Chance erzählt die heutige Geschichte über das Seehaus Leonberg. Von dort springen wir nach Syrien zur Frage, welche Rolle die Kultur in einem Land spielt, das durch Kriege zerrüttet ist. Auch im dritten Text geht es um einen langen und zermürbenden Krieg. Und um diejenigen, die nicht mehr kämpfen wollen.
Viel Spaß beim Lesen!
Ihr
Paul Weinheimer


"Du kannst nicht jeden Menschen retten"
Sie raubten, sie schlugen zu und kamen in den Knast. Im Seehaus Leonberg bekommen sie eine zweite Chance. Hier gibt es keine Gitter vor den Fenstern, aber eine Gemeinschaft, in der sie sich beweisen müssen. Nicht alle schaffen das.
Tom Gath · chrismon (€) · 16 Minuten (Opens in a new window)

Das Orchester, das den Bürgerkrieg überlebte
Welche Rolle spielt die Kultur in einem Land, das seit Jahren durch Kriege gebeutelt ist? Im Nationalen Symphonieorchester in Syrien treffen Alawitinnen, Drusen, Christinnen und Sunniten aufeinander. Um der Spaltung im Land etwas entgegenzusetzen.
Anna-Theresa Bachmann · Republik (€) · 14 Minuten (Opens in a new window)

»Ich habe sie mit dem Maschinengewehr gemäht wie Gras«
Sie sind fast gestorben, haben selbst getötet, bis sie nicht mehr konnten und vor dem Krieg flohen. Jetzt sucht die Militärpolizei nach ihnen. Drei Ukrainer berichten über den Horror an der Front und ihr Leben im Versteck.
Max Polonyi · SPIEGEL (€) · 21 Minuten (Opens in a new window)

Satz der Woche
„Kam der Schmerz, ließ ich mich von ihm fluten.“
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