
Liebe Leser:innen,
es war eine Mutter auf der Veranda ihres Hauses. Ein Vater im Auto, sein Kind auf dem Rücksitz, sie waren gerade auf dem Weg zur Schule. Ein Mann auf einer belebten Einkaufsstraße, mitten am Tag. Sie alle wurden in den USA von ICE-Beamten brutal festgenommen.
Sie schrien, ihre Kinder weinten. Passant:innen filmten die Verhaftungen, stellten die Videos auf Instagram. Es waren nicht nur sie, schon unzählige weitere Male hallten ähnliche Schreie aus meinem Handylautsprecher. Diese Bilder sind entsetzlich, und sie machen Angst. Ich starre dann fassungslos auf mein Handy, der Bildschirm wird schwarz, und mit dem Kloß im Hals bleiben viele Fragen: Was ist mit diesen Menschen passiert? Wie geht es ihren Familien? Kämpft jemand für sie?
Reporter:innen gehen diesen Fragen nach. Sie dokumentieren die Verhaftungen, verfolgen die Schicksale der Betroffenen und legen Trumps System hinter den Razzien mit harten Fakten offen.
Meine erste Leseempfehlung führt Sie in das Bundesgericht von Manhattan, das manche als „Epizentrum“ von Trumps Abschiebesystem bezeichnen.
Recherchen wie diese schaffen Sichtbarkeit und sorgen dafür, dass diese Menschen nicht im Dunkeln verschwinden. Sie zeigen uns, warum es sich lohnt, nicht wegzusehen – und weiterzulesen.
Ihre
Charlotte Köhler
PS: Auch wenn wirklich nicht alles zum Lachen ist, suchen wir wieder die lustigste Reportage des Jahres! Alle Infos finden Sie hier: Reportagen.fm (Opens in a new window). Die festliche Preisverleihung findet am 16. Februar in Berlin statt.
PPS: Unten finden Sie außerdem die neue Folge des Podcasts Reporter:Insights, den wir gemeinsam mit der Reportageschule Reutlingen präsentieren.


So arbeitet Trumps Abschiebemaschine
Wer dieses Gebäude betritt, weiß nicht, ob er es als freier Mensch verlässt. Ein Besuch im Gericht am 26 Federal Plaza in New York, wo sich zeigt, wie Trump den Rechtsstaat angreift.
Till Eckert · Correctiv · 12 Min. (Opens in a new window)

Zwischen Gletschern wächst die Furcht
In der nördlichsten Stadt der Welt, Longyearbyen in Norwegen, wo es so viele Eisbären wie Menschen gibt, ist die Angst vor einem Krieg mit Russland greifbar.
Walter Mayr · Spiegel (€) · 15 Min. (Opens in a new window)

Grüne Bühne, schwarzer Boden
Als Gastgeberland der Klimakonferenz tritt Brasilien als Vorreiter in Sachen Klimaschutz auf. Dieser Text zeigt: Die Regierung fördert immer mehr Öl, den Schaden tragen die Bürger:innen.
Niklas Franzen· taz · 12 Min. (Opens in a new window)

Satz der Woche
»Zu Anfang wollte er ihr nicht zu nahe treten, er fühlte sich ein wenig wie ein Geier, der um Tote kreist.«
Michaela Wiegel · FAZ (€) · 8 Minuten (Opens in a new window)

Im Norden von Dortmund kann man für 20 Euro Sex mit einem Kind haben – das ist dort ein offenes Geheimnis. Sophie Sommer ist Politikredakteurin der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. Sobald sie vom Kinderstrich erfährt, führt ihre Recherche sie in eine Welt aus Armut, Vernachlässigung und machtlosen Behörden. Erzählt wird dieses System an Maxi, die als Kind von ihrer Familie zur Prostitution gezwungen wurde. Mit Dune Korth spricht Sophie Sommer darüber, wie wichtig eine Redaktion ist, die lange Recherchen auch im Regionalen unterstützt, wovon eine gute Investigativrecherche getragen wird und wie Journalist:innen sich im Lokalen Zugang zu den Protagonist:innen verschaffen.

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