.png?auto=compress&w=800&fit=max&dpr=2&fm=webp)
Liebe Leserinnen und Leser,
Journalismus war nie mein Traum. Es ist genau 13 Jahre her, da lag ich auf der Couch, fraß Chips und schaute KabelEins am Nachmittag. Ich hatte gerade Abi gemacht und vorher nicht bedacht, dass danach ja noch etwas kommt.
Irgendwann wurde es meinem Vater zu bunt. Er zwang mich, mir ein Praktikum zu suchen. Ich machte mir keine fünf Minuten Gedanken. In Deutsch war ich am Besten. Was kann man mit Deutsch tun, mit dem man auch Geld verdient? Journalist.
Ich bewarb mich in der nächsten Lokalredaktion.
Ich mochte das Praktikum nicht. Ich musste dauernd VHS-Meldungen in Randspalten schieben und die Floskel „Für Speis und Trank war gesorgt“ aus Texten über Straßenfeste streichen. Nach der Hauptversammlung des Fischerei-Vereins, in denen sich ein Haufen alte Männer gegenseitig Arschloch nannten saß ich verschüchtert im Eck und nuggelte an meiner Spezi. Danach verlor ich den Redaktionsschlüssel im Schnee. Schnell war ich bekannt als „Der Chaos-Praktikant“.
Was mich im Journalismus hielt, waren zwei Dinge. Ich durfte immer umsonst auf Konzerte gehen und darüber schreiben. Und: Um aufs Klo zu kommen, musste ich hinter dem Bildschirm meines Chefs vorbei. Nach mittag surfte der – öfter als nicht – auf spiegel.de oder spielte Schach online. Ich dachte mir, Journalist scheint ein chilliger Job zu sein, lass’ mal weiter machen. Ich war brutal naiv.
Lust am Journalismus haben mir erst andere gegeben, viele Jahre später, da war mein Volontariat schon fast vorbei. Es hängt oft an einzelnen Menschen, die etwas in einem sehen, das man selbst nicht sieht. Und so geht es vielen. Deshalb, wenn ihr junge Journalisten seid, sucht euch diese Menschen. Menschen, die euch helfen wollen, gibt es genug.
Euer,
Martin Hogger


Verliebt von Amts wegen
Südkoreaner sind heiratsmüde. Deshalb veranstaltet die Regierung Kuppelveranstaltungen. In einem Tempel nahe Seoul treffen sich so 24 Singles. Sie haben eine Woche Zeit zueinander zu finden. Ein Text wie “The Lobster” im echten Leben.
Katharina Graça Peters · SPIEGEL (€) · 6 Minuten (Opens in a new window)

Nachts kommen die Drohnen
Tödliche Drohnenschwärme und Raketen: Die Ukraine hat vor Kurzem den heftigsten Luftangriff seit 2022 erlebt. Dennis Frasch war unterwegs mit den Soldaten, die in genau jener Nacht Drohnen jagten.
Dennis Frasch · Republik · 10 Minuten (Opens in a new window)

Sodom, sagen die einen. Zuhause, sagen die anderen
Eine riesige Müllkippe in Ghana. Elektroschrott aus Europa. Giftige Dämpfe, Männer mit Hämmern, Kinder auf der Suche nach Kupfer. Aber das ist nicht die ganze Geschichte.
Fritz Habekuß · ZEITmagazin (€) · 17 Minuten (Opens in a new window)

Satz der Woche
“Christiane Renz ist die eine Frau, die eine Männertradition beendet hat.”
Astrid Probst · SZmagazin (€) · 15 Minuten (Opens in a new window)
Der Lehrer Oziel Inácio-Stech erlebt an seiner Berliner Grundschule Schule einen Albtraum: Muslimische Schüler mobben ihn – weil er schwul ist. Nach seiner Recherche zu dem Fall hat der Reporter Thorsten Schmitz zahlreiche Zuschriften erhalten, die zeigen: Oziel Inácio-Stech ist kein Einzelfall. An vielen Schulen in Deutschland erleben Lehrer:innen Ähnliches, Behörden scheinen überfordert. Wie schreibt man ohne Angst, von der politischen Rechten instrumentalisiert werden zu können? Worauf kommt es bei Geschichten an, in denen ein Einzelschicksal für Mängel im System steht?

Du magst uns? Und du willst noch mehr von Reportagen.fm (Opens in a new window) lesen? Hintergründe zu Artikel, die besten Texte zu bestimmten Themen, die Lieblingstexte deiner Lieblingsautor*innen und vieles Weitere?
Dann werde exklusive Abonennt*in und unterstütze uns schon ab drei Euro – und erhalte ein REPORTAGEN-Probeheft zum Dank.
Reportagen.fm (Opens in a new window) ist ein Projekt junger Journalist*innen, das sich durch freiwillige Abos finanziert, um euch den Newsletter jeden Freitag ins Postfach zu liefern. Wir empfehlen die besten Geschichten der Woche, auch die, für die man bezahlen muss. Denn guter Journalismus kostet Geld –und unsere Auswahl verrät Euch, welche Geschichten das Geld lohnen.