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Liebe Leser:innen,
nochmal zum Thema Stadtbild: mir ist diese Woche ein Schnipsel aus den Tagesthemen in Erinnerung geblieben. Im Ruhrpott haben Reporter junge Frauen nach ihrer Meinung dazu gefragt. Eine, die von sich selbst sagt, Ausländerin zu sein, Türkin, sagte: „Was im Bahnhof abläuft, in Hagen – Ghetto-Stadt – ist nicht schön.“
Zwei Dinge stören mich an der Sache. Zum einen frage ich mich, wie kaputt unsere Diskussionskultur mittlerweile ist. Zum anderen verstehe ich nicht, warum die Medien all das so blind aufgreifen.
Auf der einen Seite ist Friedrich Merz, der sich auf mehr als unglücklich ausgedrückt hat. Der von einem Problem mit Migration sprach, das der Innenminister lösen werde. Ich bin überzeugt, dass Merz dabei ein Ausrutscher passiert ist.
Und trotzdem springen nun alle darauf an, als hätte er das N-Wort benutzt. Braucht unsere Debatte nicht etwas mehr Spielraum? Müssen wir nicht darüber sprechen können, was ein echtes No-Go ist und was „nur“ ein echt missglückter Ausrutscher?
Denn natürlich gehen mit Migration Herausforderungen einher. Und die kann und muss man politisch lösen. Weder Menschen, die jedwede Migration für richtig halten, tun sich also durch diese Skandalisierung einen Gefallen, noch die Medien, die diese Skandalisierung begleiten und befeuern.
Wenn wir Journalisten jede Debatte durchstreiten, als wäre unser Land kurz vor dem Kollaps, verengen wir den Diskussions- und erweitern nur den Empörungsraum. Ich hasse es, diesen Satz zu benutzen, aber: Davon profitieren nur die Ränder.
Vielleicht hat Merz deswegen so lange über die Hintergründe seiner Aussage geschwiegen. Erst am Mittwoch hat er klargestellt, was – und wen – er wirklich meinte, als er vom Stadtbild sprach. Das hätte viel früher passieren müssen. Bevor die Empörungswelle von Luisa Neubauer ihn einholt. Aber die Medien hätten auch ein bisschen nachsichtiger sein dürfen.
Euer
Tom Schmidtgen
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