
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
wenn ich an Venedig denke, dann denke ich nicht an eine Hochzeitslocation für Multimillionäre. Auch nicht an die Kunstbiennale, die gerade zum 61. Mal eröffnet wurde und die ich 2009 damals während meiner Schulzeit besucht habe. Ich denke auch nicht sofort an das Seminar dort während meines Philosophiestudiums, das ich dank eines Stipendiums besuchen konnte und während dem ich auf einer kleinen Insel wohnte, die nur mit dem Vaporetto erreichbar war.
Nein, ich denke daran, wie ich das allererste Mal dort war. Als Kind. Damals wohnte ich mit einer Clique Straßenkinder in einem verlassenen Kino. Nur theoretisch. Das war, als ich “Herr der Diebe” von Cornelia Funke gelesen habe.
Nun, das ist jetzt keine originelle Erkenntnis. Aber Bücher, die wir lesen, verändern unser Leben. Unser Denken. Auch wenn es nur so kleine Details sind, die man mit bestimmten Städten verbindet. Oder mit Schauspielern. Oder ökonomischen Systemen.
Seitdem ich “Neben uns die Sintflut” von dem Münchner Soziologen Stephan Lessenich gelesen habe, muss ich bei George Clooney an Umweltkatastrophen in Brasilien denken. Denn dort werden die Aluminiumkapseln entsorgt, für dessen Kaffeekonzern der Schauspieler Werbung macht. Die nicht überraschende Erkenntnis: Wenn die einen in der globalisierten Wirtschaft gewinnen, verlieren oft die anderen.
Mit Peru könnt ihr bald das verbinden: Wie selbst hehre Ziele durch das Versagen unserer Weltordnung zu schlimmen Schäden an Menschen und der Umwelt führen können, das zeigt das Beispiel einer Kupfermine im peruanischen Moquegua. Deswegen möchte ich euch diese Woche besonders die Reportage von Aaron Wörz ans Herz legen.
Herzlich
Stefanie Witterauf


Giftgrün ist die Energiewende
Mit Kupfer werden Elektroautos und Solaranlagen gebaut. Gewonnen wird der Rohstoff beispielsweise in Peru. Dort werden Schadstoffe im Wasser, in Böden und im Urin der Anwohnenden nachgewiesen. Wer bezahlt den Preis der Energiewende in Europa?
Aaron Wörz · taz · 11 Minuten (Opens in a new window)

Ein Land auf Entzug
Syrien kämpft mit einer massiven Captagon-Krise. Assad finanzierte seinen Krieg mit dem Verkauf der Droge. Nach seinem Sturz ist die die Sucht geblieben. Die Autorin hat die erste Entzugsklinik in Afrin besucht.
Anna-Theresa Bachmann · fluter · 11 Minuten (Opens in a new window)

»Manchmal fühlt es sich so an wie bei der Kripo«
Die Lebensmittelkontrolleure aus Berlin-Pankow kontrollieren nicht nur Restaurants, sondern auch Altenheime, Swingerclubs und Badelatschen. Der Autor hat einen Mitarbeiter dabei begleitet.
Franz Thies · Zeit Magazin (€) · 11 Minuten (Opens in a new window)

Satz der Woche
„Jede Wanderung habe ein Ziel, egal ob durch den Matsch zum KZ oder durch die Alpen auf einen Gipfel“, aus: „Feste Schuhe, Proviant, linksradikale Gesinnung“
Von Sebastian Strauß und Joscha F. Westerkamp in dem Text Feste Schuhe, Proviant, linksradikale Gesinnung (Opens in a new window) in der Süddeutschen Zeitung.

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#4 Felix Austen, was ist konstruktiver Journalismus? (Opens in a new window)
Kriege, Klimakrise, Inflation: Die Welt ist voller Negativnachrichten. Konstruktiver Journalismus will der Untergangsstimmung Lösungen entgegenhalten. Wie das funktioniert, darüber hat Host Sebastian Fobbe in der neuen Folge von „Reporter Insights“ mit Felix Austen von Perspective Daily gesprochen.
Felix ist stellvertretender Redaktionsleiter bei Perspective Daily, dem erfolgreichsten Online-Medium für konstruktiven Journalismus in Deutschland. Bevor er das Start-up mitgegründet hat, besuchte Felix die Reportageschule in Reutlingen. Sein journalistischer Themenschwerpunkt sind Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit.
In dieser Folge schaut Felix zurück auf seine Zeit in Reutlingen und die Gründung von Perspective Daily. Wir sprechen über den Einstieg in den Journalismus, über Gegenwind und darüber, wie man mit den eigenen Ansprüchen klarkommt.
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