
Liebe Leser:innen,
was macht einen Text gut? Als aufmerksame:r Leser:in dieses Newsletters wissen Sie bereits: Selbst wir als kleineRedaktion haben unterschiedliche Antworten darauf.
Da sind die Texte mit dem perfekten Einstiegssatz, dessen Hervorbringung auf den Journalismusschulen der Republik bis zum Erbrechen geübt wird.
Es gibt jene über Menschen und Lebensfragen, denen wir uns unmittelbar nah fühlen. Zu Missständen, die den Gerechtigkeitssinn reizen. Bilder, gemalt mit Worten, die Figuren in unseren Köpfen tanzen lassen wie kleine Marionetten. Oder die linguistische Schlagfertigkeit und der Wortwitz von Autor:innen, die uns wünschen lassen, wir könnten mit ihnen bei einem spaßigen Getränk in der Feierabendsonne die Welt verdammen.
Als Autor:innen wollen wir natürlich nicht nur eines dieser Merkmale erfüllen und sind doch froh, wenn wir am Ende einer Recherche das Notizbuch schließen oder den Laptop zuklappen und beim finalen Lesen auch nur eines wiederfinden. Wir? Ich. Aber vielleicht auch nicht nur ich.
Ich bin mir sicher, dass Sie für diese Wochenauswahl Ihre ganz eigenen Ideen haben, warum wir sie besonders herausragend finden. Relevant, handwerklich überzeugend und sprachlich wohlgeformt sind sie alle drei.
Und warum es heute gerade die lange, ausführliche Begleitung der in Deutschland überall wahrnehmbaren und doch unsichtbaren Lieferfahrer:innen auf meinen persönlichen Platz eins geschafft hat – zumindest darüber sind wir uns hoffentlich alle einig.
In diesem Sinne: einen frohen Internationalen Kampftag der Arbeiter:innenklasse.
Ihre
Annkathrin Weis


»Ich sage allen: Macht nicht den Fehler, nach Deutschland zu kommen«
Hinter schnellen Lieferungen steckt hierzulande ein krudes Ausbeutungssystem, das ist inzwischen bekannt. Doch wer sind die Menschen, die ihm nicht entkommen können?
Anant Agarwala und Jana Gioia Baurmann · ZEIT Magazin (€) · 40 Minuten (Opens in a new window)

Hier lagert das Gedächtnis der Deutschen
Im Schwarzwald bewahrt Dietrich Hofmaier mit über 90 noch das kulturelle Gedächtnis der Bundesrepublik – in Stahltonnen. Zu Besuch an einem Ort, der unsagbar viel weiß und den doch fast niemand kennt.
Leon Lindenberg · stern (€) · 25 Minuten (Opens in a new window)

Was sie wollen
Vier Tage Schulbesetzung, viele politische Reibungen, eine klare Ansage an die Regierung. In Bologna will eine Gruppe junger Menschen Widerstand leisten – und so Raum zum Reden finden.
Judith Eisinger · taz · 15 Minuten (Opens in a new window)

Satz der Woche
«Die Grenze zwischen dem beschaulichen Schwabenland und den Schlachtfeldern im Iran und anderswo ist in den barracks nur ein paar Zentimeter dick.»

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(Opens in a new window)#3 Johannes Greß, warum müssen wir im Journalismus Banden bilden? (Opens in a new window)
Der freie Journalismus kann einsam und umkämpft sein – muss er aber nicht. In der dritten Folge der neuen Staffel von „Reporter Insights“ spricht Host David Pister mit Johannes Greß über investigativen Journalismus, prekäre Arbeitsbedingungen und warum wir Journalist*innen uns zusammenschließen sollten.
Johannes Greß arbeitet seit acht Jahren als freier Journalist in Wien. Er schreibt und recherchiert unter anderem für den Standard, die ZEIT, den ORF und die New York Times. Seine Schwerpunkte sind prekäre Arbeitsbedingungen, Umwelt und Migration.
Es geht um die Herausforderungen der freien, selbstständigen Arbeit, wie man über rumänische Forstarbeiter in Österreich recherchiert und wie er überhaupt zum investigativen Journalismus gekommen ist. Johannes Greß erzählt von seinen ersten journalistischen Texten, der Kraft der Gruppen und warum er es trotzdem macht.
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