
Liebe Leserinnen und Leser,
vergangenes Wochenende war ich auf einer Hochzeit im Münchner Speckgürtel. Das Gras war durch die Hitze strohgelb vertrocknet, und während der freien Trauung drückten sich viele Gäste ins Gebüsch oder unter die Hecken – dort gab es wenigstens etwas Schatten.
Hochzeiten vermitteln das Gefühl einer heilen Welt. Rausgeputzt in schicken Kleidern feiert man die Liebe, isst hervorragend und stößt mit perlenden Getränken auf das Brautpaar an. Für einen Tag scheinen die Probleme weit weg.
Ich saß neben einem Mann um die 50. Er sagte, wie schön warm es in den vergangenen Tagen gewesen sei. Dabei wurden mancherorts Temperaturen von über 40 Grad gemessen.
Als ich sagte, dass eine solche Hitze auch gruselig sei, es wohl einer der kühlsten Sommer der nächsten zehn Jahre sein werde, wirkte er schockiert.
Vielleicht müssen wir genau das ändern: unsere Sprache und unsere Bilder. Solange Berichte über Hitzewellen mit fröhlichen Menschen am Badesee illustriert werden, solange wir bei 40 Grad noch von herrlichem Sommerwetter sprechen, fällt es schwer, die Klimakrise als das zu begreifen, was sie ist: eine Katastrophe.
Denn sie gefährdet Menschenleben und trifft diejenigen am härtesten, die sich am wenigsten davor schützen können: Menschen, die draußen arbeiten, in schlecht isolierten Wohnungen leben oder sich keine Klimaanlage, keinen Garten und keinen Rückzugsort leisten können. Der Sommer ist längst eine Klassenfrage.
In der aktuellen Ausgabe des Missy Magazins wird der extremem Hitze ein ausführlicher Schwerpunkt und mehrere Texte gewidmet. Ich empfehle deren Lektüre sehr.
Herzlich
Stefanie Witterauf


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