
Liebe Leser:innen,
mein Handy ist mein größter Gegner. Es reißt mich nicht nur regelmäßig unangekündigt aus seltenen Konzentrationsphasen, sondern jeder „De-Deem“-Ton von Teams, jedes „Da-Duum“ in WhatsApp, jedes Mail-„Pling“ hat das Potenzial, meinen Herzschlag zu beschleunigen, meine Pupillen zu weiten und meine Atmung flacher werden zu lassen. Noch bevor ich weiß, worum es in der Benachrichtigung überhaupt geht, springt ein Panikmodus an: eine weitere Aufgabe, die ich erledigen muss? Ein überraschendes, aber vernichtendes Feedback? JEMAND, DER TELEFONIEREN WILL? Die Möglichkeiten sind so endlos wie gefährlich – und mein Magen zieht sich folgerichtig auf Erbsengröße zusammen.
Dass mein sympathisches Nervensystem selbst auf eine simple Benachrichtigung so – gelinde gesagt – melodramatisch reagieren kann, fasziniert mich jeden Tag aufs Neue. Umso wohltuender war es, diese Woche ein Interview mit der Neurowissenschaftlerin Rebekah Granger-Ellis zu editieren, in dem sie nicht nur unterhaltsam, sondern vor allem anschaulich erklärte, dass ich quasi selbst schuld bin. Autsch.
Sie erklärte mir wissenschaftlich fundiert vieles von dem, was andere auf Social Media oberflächlich, aber gut ausgeleuchtet und reichweitenstark vermarkten. Während wir uns für unsere Jobs ausbrennen, uns in optimierten Tagesroutinen und im Feed von Öl-Shot-Coaches verlieren, bringt Rebekah Granger-Ellis in nordmazedonischen Kleinkindgruppen das bei, was wir verlernt haben: atmen. Die Peripherie wahrnehmen, einen Horizont sehen. Den eigenen Körper spüren. Mal raus in die Natur gehen oder sich bewusst auf die angenehmen Momente des Tages konzentrieren. Die Länge dieses Newsletters reicht nicht aus, um alle positiven Effekte aufzulisten, die so etwas Simples haben kann.
Nur so versteht unser Nervensystem wieder, dass wir uns nicht in Gefahr befinden, sondern nur eine Mail schreiben müssen. Und wem das nicht reicht, der kann gerne unsere Texte zur Entspannungshilfe mit auf den Berg nehmen.
Ein gutes, atmungsaktives Wochenende wünscht
Annkathrin Weis


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