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Singen, Tanzen, Fühlen

Liebe Leser:innen, 

vor wenigen Tagen fand ich mich auf einer Hochzeit neben dem etwa 60-jährigen Onkel der Braut tanzend. Es dröhnte „Sexbomb“ aus den Lautsprechern. Während der Onkel – eine echte rheinische Frohnatur – sein graues, schon recht fein gewordenes Haar zu anrüchigen Zeilen schüttelte, dachte ich darüber nach, wie absurd der Job eines Hochzeits-DJs ist. „You know what you're doing to me, don't you?“, sang Tom Jones und ich kicherte in mich hinein.

Ein Hochzeits-DJ muss jeglichen Stolz ablegen, für den seine Berufsgruppe doch eigentlich bekannt ist. Er muss seine Musik für mehr oder weniger gelungene Gedichte oder Büfett-Eröffnungen unterbrechen, dem Brautpaar und all den anderen sektgelaunten Menschen Liedwünsche über Genregrenzen hinweg erfüllen. Er muss durchziehen bis zum bitteren Ende. In diesem Fall bis zum kölschen „Tommi, ich glaub’, ich hab’ Heimweh“. Wäre ich an seiner Stelle hinter dem Pult gestanden, hätte ich mich wohl vor Schmerzen gekrümmt.

Ähnlich ging es Kolja Haaf, der seinem persönlichen Genre des Grauens, der Klassik, im SZ Magazin eine zweite Chance gibt. Und auch Derya Türkmen zeigt mit ihrer Reportage über den „Gesang der Hoffnung“, dass Musik und Journalismus doch noch immer gut zusammenpassen.

Viel Freude beim Lesen!

Ihre
Julia Reinl

P.S.: In den Rerporter:Insights beantwortet Peter Maxwill die Frage, wie man vom Osten erzählt, ohne ihn zu erfinden.

P.P.S.: Bei der Show JIVE können Sie Journalismus und Orchestermusik im Säälchen am Holzmarkt in Berlin live sehen. Am Freitag, dem 13. Juni um 11.30 Uhr und um 20 Uhr und am Samstag, dem 14. Juni um 20 Uhr geht es um Themen wie den Kalten Krieg in den Spitzbergen, um die Pflege des eigenen Vaters, Korruption in Brandenburg und um einen Zirkus an der türkisch-syrischen Grenze. (Opens in a new window)

Wie ich lernte, klassische Musik zu lieben

25 Jahre lang hat Kolja Haaf klassische Musik aus seinem Leben verbannt. Zu sehr hatten ihn die Autofahrten mit Mahler und Co. in seiner Kindheit geprägt. Nun nähert er sich ihr wieder an – und dabei vielleicht auch seinem Vater.

Kolja Haaf · SZ Magazin (€) · 10 Minuten (Opens in a new window)

Der Gesang der Hoffnung

Eine klagende Stimme dringt durch die inoffizielle kurdische Hauptstadt Diyarbakır. Derya Türkmen geht ihr nach und findet Männer, die Tee trinken, singen und ihr erzählen, was es heißt, ein kurdisches Leben in der Türkei zu führen.

Derya Türkmen · Taz · 10 Minuten (Opens in a new window)

Kaum einer versteht Israel. Vielleicht tun sie es?

Aus einer Musikbox am Strand von Tel Aviv ertönt erst „Hey Macarena“ und dann die totale Stille. Volker Weidermann begibt sich auf die Suche nach israelischen Schriftsteller:innen, die ihm das Land im Krieg erklären.

Volker Weidermann · Zeit (€) · 15 Minuten (Opens in a new window)

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Satz der Woche

„Mit gut 20 anderen Seniorinnen macht García Kniebeugen, Hüftdrehungen, dann tanzen sie zu Y.M.C.A. Als die Frauen einander Beifall klatschen, lacht sie ein raues, herzliches Lachen.”

Andrew Müller, Christoph Dorner · Reportagen (€) · 15 Minuten (Opens in a new window)

#9 Wie erzählt man vom Osten, ohne ihn zu erfinden, Peter Maxwill?

Deutschland ist wieder geteilt – so lautete der dominante mediale Befund nach der Bundestagswahl. Der Osten ist blau, der Westen schwarz, das zeigten die Deutschlandkarten, welche die Wahlkreise in die Farbe der stärksten Partei einfärbten. Aber was steckt hinter diesen Bildern, und was sagen sie über die politische Realität in Ostdeutschland aus? In dieser Folge sprechen wir mit dem SPIEGEL-Reporter Peter Maxwill aus Leipzig über die mediale Erzählung vom „Osten“, die Normalisierung der AfD – und über Gemeinden wie Raguhn-Jeßnitz, wo die AfD inzwischen regiert: ganz pragmatisch, ganz nahbar, aber nicht harmlos. Wie begegnet man der AfD als Journalist auf kommunaler Ebene? Und warum könnte gerade die Lokalpolitik in Ostdeutschland ein Seismograf für kommende politische Umbrüche sein?

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