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Radio Rechtspopulismus

Es ist Montagmorgen. Du liest die Blaupause, den Newsletter, mit dem du Communitys besser verstehst und erfolgreich Mitgliedschaften anbietest. Heute: Nius in deinem Autoradio.

Hallo!

Ich besitze kein Auto, leihe mir aber häufiger für ein paar Meilen eines und tippe dann wahllos auf dem Display herum, um irgendetwas nicht Störendes zum Nebenbei-Hören zu suchen. Vergangene Woche stieß ich auf einen Sender, der mir bis dahin noch nicht begegnet war: Nius. Das Radio.

Nius (Opens in a new window) – genau, das ist dieses rechtspopulistische Projekt eines IT-Unternehmers aus Koblenz, bei dem Julian Reichelt sein Krawallgesicht hinhält, der von Springer wegen Sex-Macht-Missbrauch-Skandalen vom Hof gejagte Ex-Bild-Chefredakteur. Ziel: Fox News, aber auf Deutsch.

Danke, Merkel

Die bei Nius geäußerten politischen Ansichten sind der AfD am nächsten. Es geben sich dort Gestalten die Klinke in die Hand, die auf ihre alten Tage endlich den Tacheles reden wollen, den sie aus Opportunitätsgründen früher lieber im Tassenschrank gelassen haben: Waldemar Hartmann (Ex-ARD-Sportschau), Wolfgang Herles (Ex-ZDF) Hans Georg Maßen (Ex-Verfassungschutz), Thilo Sarrazin (Ex-SPD) und so fort. Eine Ehemaligen-Armada vertreibt sich die Langweile mit Rechtspopulismus: Russland meint’s nicht so, dem Klima geht’s gut, das Stadtbild gehört remigriert. Danke, Merkel! Das wird man ja wohl noch sagen dürfen?

Tatsächlich darf man sowas ständig und auf allen Kanälen sagen, nicht zuletzt in öffentlich-rechtlichen Talkshows. Verbieten darf der Staat solche Inhalte meiner Meinung nach tatsächlich nicht. Rassistische Opas hält eine demokratische Öffentlichkeit aus.

Klingt wie Radio, ist aber Rechtspopulismus

Die Opas von Nius sind allerdings ganz schön professionell gemanagt. Sie gibt es seit dem vergangenen Jahr in jedem DAB-fähigen Autoradio in großen Teilen Deutschlands (Opens in a new window). Ich bin für diese Inhalte – ähm – die falsche Zielgruppe. Es gibt da wenig, was mich nicht abstößt. Trotzdem kann ich mir vorstellen, dass diese Kombination funktioniert.

Beim Programm handelt sich um eine eklektische Mischung aus englischsprachigen Mainstream-Pop, Nachrichtensendungen und Auszügen aus den Nius-Podcasts. Wenn erst bei „Learning to Fly“ mitsummt und sich anschließend Ralf Schuler (arbeitet bei Nius, weil ihm Bild zu queer war (Opens in a new window), kein Witz) mit einer Buchhändlerin aus Sachsen-Anhalt über ihre rechtsextreme Buchmesse austauscht, anschließend läuft bis zu den Nachrichten „Eye of the Tiger“ – dann klingt das Ganze wie stinknormales Radio.

Sie folgen Trumps Erfolgsrezept

Es ist das Rezept, mit dem ultrarechtes Talk-Radio in den USA seit Langem erfolgreich ist: ein Nebenbei-Medium für Pickup-steuernde average Joes, das extrem rechte Inhalte durch Plauderton normal wirken lässt. Für die Zuhörenden klingt das wenig überraschend, weil ihr persönliches Umfeld auch so denkt und redet – im Unterschied zu den Mainstream-Medien, oder wie wir sagen: der Lügenpresse.

Wer sich politisch links der AfD verortet – also 75 Prozent der Bevölkerung – sollte sich wünschen, dass es ein ähnliches massenkompatibles Angebot auch für die nicht-faschistische Mehrheit gäbe. Sonst dominiert die extreme Rechte bald weite Teile der Öffentlichkeit, so wie Donald Trumps MAGA-Bewegung es tut. Während Trump längst die amerikanische Demokratie schleift, beklagen die Demokraten noch das Versäumnis, eine ähnlich moderne Medienstruktur aufgebaut zu haben wie die hunderte extrem gut finanzierten, extrem systematisch über Jahre hinweg entwickelten, extrem rechten Podcasts und Social-Media-Kanäle (Studie (Opens in a new window)).

Wie eine nicht-populistische Alternative aussehen könnte

Wir befinden uns heute in einer vergleichbaren Situation. Reiche Rechte bauen Medien wie Nius mit langem Atem als neue Infrastruktur für eine Gegenöffentlichkeit auf. Ähnlich erfolgreich ist inzwischen der Jugend-Ableger von Tichy, Achgut und Nius, Apollo News (Opens in a new window).

Es gibt viele Stimmen und Medien, die eine nicht-populistische Alternative für Leute bieten, die den Kontakt zu traditionellen Medien verloren haben. Sie sind nur nicht so gut organisiert und finanziert. Ein solches Medium mit Fernsehlizenz und digitalem Radiosender ist mir nicht bekannt. Dabei wäre genau das im Interesse eines demokratischen Austauschs dringend nötig.

Ich würde gern selbst etwas tun, so eine Infrastruktur aufzubauen. Ein digitaler Radiosender mit Inhalten aus nicht rechtspopulistischen Podcasts wäre ein Anfang. Auch ein Fernsehsender mit Video-Podcasts ohne AfD-Beigeschmack, der normale Leute durch den Tag begleiten könnte, wäre günstig machbar. Wir sollten den Populisten die Öffentlichkeit nicht widerstandslos überlassen.

Bis nächsten Montag!
👋 Sebastian

Mitglieder-Bereich 🔒

Liebe Blaupause-Mitglieder, ich würde gern mit euch diskutieren: Wie könnte man einen Radiosender starten als Alternative zu rechtspopulistischen Medien wie Nius?

Topic Krisen

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