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    <title>Superredaktion</title>
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    <description>Geschichten des Gelingens &amp; Menschen, die ihre Reichweite sinnvoll nutzen wollen - als &quot;Superredaktion&quot; bringen wir beides zusammen.</description>
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      <title>Superredaktion</title>
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      <title><![CDATA[Das wilde Leben]]></title>
      <description><![CDATA[In den letzten beiden Ausgaben waren wir eher technisch-ingenieurig unterwegs; heute gibt es zum Ausgleich Tiergeschichten.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Willkommen im Newsletter der Superredaktion – die regelmäßige Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete Anpackmaterialien für Menschen mit Lust auf Zukunft.</p><p>In den letzten beiden Ausgaben waren wir eher technisch-ingenieurig unterwegs; heute gibt es zum Ausgleich dafür und vielleicht auch für andere emotional komplizierte Nachrichten, die du dieser Tage liest: Tiergeschichten. Nicht weniger relevant für die große Transformation als Strommärkte und E-Autos, aber niedlicher.</p><p><a href="https://steady.page/de/superredaktion/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><h2><strong>Froher werden.</strong><br/><em>Die guten Nachrichten</em></h2><h3>Ausgeflammt</h3><p>Die Restaurantküche ist eine verlässliche Bastion der Gasherdromantik – aber selbst dort scheint gerade etwas zu kippen. Immer mehr Köchinnen und Köche steigen von Gas auf<a href="https://www.theguardian.com/environment/2026/aug/28/the-chefs-turning-down-the-heat-by-switching-from-gas-to-electric"> Induktion</a> um, und zwar nicht aus Klimagründen: Die Küche wird bis zu 10 Grad kühler, bei zunehmenden Hitzewellen kein kleines Argument. Sparsamer ist es auch: ein Gastropub senkte seinen Energieverbrauch um<a href="https://cooksafecoalition.org/making-the-switch/"> fast zwei Drittel</a> und spart über zehn Jahre 65.000 Pfund, die Kosten der Umrüstung waren nach drei Jahren wieder drin. Dazu ist es leiser (Köche müssen nicht mehr über die Gasbrenner brüllen), sicherer und schneller zu putzen – ein australisches Lokal verkürzte durch die Umstellung die Putzzeit von 24 Minuten auf 21 Sekunden. Sogar das legendäre Wok-Feuer, das “wok hei”, kriegt Starkoch Jeremy Pang elektrisch bei 400 Grad hin. Und die <a href="https://www.handelsblatt.com/technik/medizin/kochen-mit-gas-so-giftig-sind-gasherde-wirklich-01/100083667.html">schädlichen Abgase</a>, die Gasherde in die Küchenluft blasen, fallen dabei gleich mit weg.</p><h3>Riff aus Versehen</h3><p>Offshore-Windparks haben einen unerwarteten Nebeneffekt: Unter Wasser werden sie zu lebendigen Riffen. Die Fundamente der Türme und die Steinschüttungen drumherum, die den Meeresboden vor Erosion schützen, stecken voller Spalten und Nischen – und die besiedeln <a href="https://atmos.earth/science-and-nature/the-sea-life-making-a-home-in-offshore-wind-farms/">Austern, Hummer und Seesterne</a> wie von selbst. Windräder auf See sind natürlich nicht per se ein Segen für das Ökosystem Meer, im Gegenteil, Baulärm beim Rammen der Fundamente kann zum Beispiel Meerestiere schädigen. Aber weil Austernbänke – „die Korallenriffe des Nordens” – von Grundschleppnetzen massiv geschädigt wurden und werden, sehen Meeresbiologen hier eine Chance: Rund um britische Windparks ging das Schleppnetzfischen nach dem Bau um<a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0308597X22003098"> fast 80 Prozent</a> zurück, vermutlich weil die Windpark-Strukturen am Meeresboden das Schleppen unattraktiv und riskant machen, und vor Englands Südküste wurden <a href="https://www.bbc.co.uk/news/articles/czr1mgmz44ko">75.000 künstliche Riffwürfel</a> in einem Windpark versenkt, um den Riff-Effekt zu verstärken - schon nach einer Woche siedelten sich die ersten Krabben an.</p><h3>Luft nach oben</h3><p>Als London 2019 seine Umweltzone Ulez einführte – ein Bereich der Stadt, in dem seitdem ältere, besonders abgasstarke Fahrzeuge nur gegen eine signifkante Tagesgebühr hineindürfen – war der Aufschrei groß: Gängelung der Autofahrer, Kulturkampf, man kennt’s ja. Heute ist das Ergebnis messbar, und zwar in Kinderlungen. Eine <a href="https://www.thelancet.com/journals/lanpub/article/PIIS2468-2667(26)00163-5/fulltext">Studie</a> hat über 1.600 Londoner Kinder und eine Vergleichsgruppe in einer nahen, abgasfreieren Stadt von 2018 bis 2022 begleitet. Zu Beginn hatten die Londoner Kinder, durch Abgase geschädigt, deutlich kleinere Lungen. Nachdem die Ulez die Stickstoffdioxid-Belastung senkte, wuchsen ihre Lungen wieder, bis sie schließlich mit denen der Kinder aus der sauberen Vergleichsstadt gleichzogen. Eine Politik, die als Zumutung bekämpft wurde, gibt Kindern buchstäblich mehr Luft zum Atmen. </p><h2><strong>Das wilde Leben</strong><br/><em>Das Thema des Monats</em></h2><ul><li><p><em>Weil wir immer mehr Menschen mit immer weniger landwirtschaftlicher Fläche ernähren können, wird Land für die Natur frei.</em></p></li><li><p><em>Wo Arten zurückkehren, stoßen sie oft ganze Ketten der Heilung an.</em></p></li><li><p><em>Rewilding ist kein niedliches Nischenthema, sondern eine globale Lösung mit gewaltigem Potential, und du kannst ziemlich einfach mitmachen.</em></p></li></ul><p><a href="https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/wolfs-biss-oder-nicht-was-ueber-fall-aus-hamburg-bekannt-ist,wolf-582.html">Neulich</a> um die Ecke von Ikea in Hamburg Altona hat ein Wolf eine Frau gebissen.</p><p>Das Tier hatte sich in eine Einkaufspassage verirrt, die Frau hatte versucht, es nach draußen zu führen. Am Wochenende zuvor war der Wolf am Elbufer gesichtet worden, später an der S-Bahn-Haltestelle Othmarschen, am Ende hat die Polizei ihn völlig erschöpft aus der Alster gezogen (der Wolf war erschöpft, nicht die Polizei; beziehungsweise: ob auch die Polizei erschöpft war, verschweigen die Quellen). </p><p>Für diejenigen, die mit der Stadt nicht vertraut sind: Das sind beträchtliche Distanzen, und der Wolf wird vermutlich nicht mit der S-Bahn gefahren sein.</p><p>Für diejenigen, die mit Wölfen nicht vertraut sind: Normalerweise gehen die nicht zu Ikea.</p><p>Wenn der Wolf nach Hamburg kommt, oder überhaupt: zurück nach Deutschland – dass er hier mal ausgestorben war und es inzwischen nicht mehr ist, hat sich vermutlich rumgesprochen – dann kommt er mit schwerem kulturellem Gepäck.</p><p>Wenn ein Wolf sich in die Stadt verirrt, ist das eine großartige und zugleich fürchterliche Geschichte – für das Tier, für die verletzte Frau. Etwas Archaisches, Wildes sickert in den geordneten, asphaltenen Alltag, wir kommen mit etwas in Berührung, das in unseren Leben meist nur noch sehr wenig eine Rolle spielt. Es ist schwierig, sich der Faszination zu entziehen – ein Wolf! bei Ikea! – und keine Person, die die Geschichte kennt, wird noch mit demselben Blick auf die erwähnte Einkaufspassage gucken wie zuvor. Das Bild lässt dich nicht mehr los.</p><p>Der Wolf in der Stadt ist aufregend, er rührt etwas an, wir schaudern wohlig. Aber er ist am Ende vor allem ein hochgradig unwahrscheinlicher statistischer Ausreißer, wichtiger ist: Er ist ein Symptom einer viel größeren Geschichte, die für die meisten von uns unsichtbar bleibt, von der Aufregung über den Wolf in der Stadt überdeckt.</p><h2>Virale Wölfe</h2><p>Was passiert jenseits von Ikea, wenn der Wolf zurückkommt? Was bedeutet es, wenn unsere Wildnisse wieder wilder werden, und größer? Denn, so viel sei schon mal vorweggenommen: Der Wolf ist nicht der einzige, der zurückkommt, und Deutschland nicht das einzige Land, in dem zurückgekommen wird.</p><p>2014 hat ein relativ kleiner Nachhaltigkeits-Channel auf YouTube ein <a href="https://www.youtube.com/watch?v=ysa5OBhXz-Q">Video</a> veröffentlicht, das erzählt, was geschah, als 1995 nach 70 Jahren Abwesenheit vierzehn Wölfe im Yellowstone-Nationalpark in den USA freigelassen wurden. Damals gab es dort so viele Wapiti-Hirsche, dass sie weite Teile der Vegetation weggefressen hatten. Die Wölfe aßen viele Wapitis großflächig auf. Die Weiden und Espen erholten sich, weil nicht mehr so viel an ihrer Rinde geknabbert wurde, und wuchsen mehr und schneller. Daraufhin kehrten die Biber zurück, die Weiden mögen und brauchen, und machten sich an die Arbeit. Sie stabilisierten mit ihren Bauarbeiten die erodierenden Flussläufe und schufen so neue Lebensräume für Fische und Vögel. Die Wölfe hatten den Park zurückgeführt in ein verloren geglaubtes Paradies ökologischen Gleichgewichts – eine sogenannte “trophische Kaskade”, das Fachwort für eine Art Dominoeffekt entlang der Nahrungskette.</p><p>Das erwähnte Video – “How Wolves Change Rivers” – ist ein sehr ruhiger Vierminüter mit Naturbildern und einer enthusiastischen Off-Stimme, die die Vorgänge erklärt (copy-pasted aus einem <a href="https://www.ted.com/talks/george_monbiot_for_more_wonder_rewild_the_world">TED-Vortrag</a> des großartigen George Monbiot). Es hat über 46 Millionen Views. </p><p>Es gibt mit der Geschichte nur ein nicht ganz unerhebliches Problem: Sie <a href="https://wolf.org/wolf-info/international-wolf-magazine/do-wolves-really-change-rivers-2/">stimmt vermutlich so nicht ganz</a>. Die <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0006320711004046">Arbeiten</a>, auf die sich das Video stützt, sind inzwischen wegen methodischer Mängel sehr umstritten; weite Teile der Forschenden, die sich mit Yellowstone befassen, sind der Meinung, dass die zweifelsohne feststellbaren, großen Veränderungen in den dortigen Ökosystemen auch, und vielleicht mehr, mit anderen Faktoren zu tun haben: Mit den Bibern zum Beispiel, die nördlich außerhalb des Parkes angesiedelt wurden und sich nach Süden ausgebreitet haben. Mit der Rückkehr der Bisons. Mit der Vergrößerung der Bärenpopulation wegen schärferer Schutzgesetze. Aber: Dass Wölfe messbare Kaskadeneffekte auslösen, ist unstrittig; nur ob sie in Yellowstone die beschriebenen Landschaftsveränderungen verursacht haben, ist es nicht.</p><p>Natürlich ist inzwischen das virale Video mit der vereinfachten und nur halb richtigen Version nicht mehr aus der Welt zu kriegen; es ist bis in die Schulbücher hinein ins populäre Gedächtnis gesickert und macht auch heute noch immer wieder mal auf Facebook die Runde, zur Unfreude der Wissenschaft.</p><p>Aber so oder so bleiben von der Geschichte zwei sehr kostbare Befunde übrig: </p><p>Erstens, dass Artensterben keine Einbahnstraße ist. Und wenn eine Art in ein System zurückkehrt, in dem sie mal heimisch war, kann sie dort nicht nur oft wieder Fuß fassen und gedeihen, es gibt darüber hinaus die Chance auf einen Dominoeffekt, der beschädigte Lebensräume wieder mehr ins Gleichgewicht bringt, weit über den unmittelbaren Wirkungskreis der neu angesiedelten Art hinaus.</p><p>Zweitens, dass wir offenbar eine große Sehnsucht (Größe: etwa 46 Millionen) nach Geschichten von Heilung und Wiedergutmachung aus der Natur haben. </p><p>Beides trifft sich gut, denn solche Geschichten gibt es inzwischen sehr viele, und du kennst davon nur sehr wenige.</p><h2>Die wilder werdende Welt</h2><p>Die wichtigste Geschichte zuerst, wir haben sie schonmal in einer vorangegangenen Ausgabe erwähnt: Die Welt wird wilder, seit Jahren schon. </p><p>Wir haben in den frühen 2000er Jahren peak Landwirtschaft überschritten (der <a href="https://www.deutschlandfunk.de/top-3-begriffe-zur-auswahl-fuer-jugendwort-2026-stehen-fest-100.html">Jugend</a> sei Dank muss man peak heutzutage nicht mehr übersetzen, das ist jetzt quasi ein deutsches Adjektiv). Seitdem wird die landwirtschaftlich genutzte Fläche auf dem Planeten nach Jahrhunderten des stetigen Wachstums kontinuierlich kleiner. </p><p>Warum ist das eine gute Nachricht? Sage und schreibe die <em>Hälfte</em> der bewohnbaren Fläche der Erde ist Landwirtschaft – der wissenschaftlichen Genauigkeit halber: 95 Spaniens. Das ist, gelinde gesagt, sehr viel und aus einer ganzen Reihe von Gründen mehr als nötig und wahnsinnig <a href="https://www.instagram.com/reels/DZpUJkdo1J2/">ineffizient</a>, und das ist doppelt blöd, weil Landnutzung einer der größten <a href="https://zenodo.org/records/5502690">Verursacher</a> von Klimakatastrophe und Artensterben ist und Konflikte zwischen Landwirtschaft und Naturschutz allgegenwärtig.</p><p>Warum passiert das? Es gibt eine Reihe von Gründen, und die offizielle Messgröße für diesen Rückgang ist offenbar die Anzahl <a href="https://www.bbc.com/future/article/20250909-the-rewilding-milestone-earth-has-already-passed">Spaniens</a>, die man einspart: Seit 1961 haben Effizienzgewinne – also höhere Erträge pro Fläche – insgesamt Land in der Größe von 35 Spaniens davor bewahrt, in Landwirtschaft umgewandelt werden zu müssen. </p><p>Zwei weitere Spaniens haben wir gewonnen, indem einige besonders landhungrige Produkte wie Baumwolle, Wolle, Tabak, Vanille und andere Geschmacksstoffe, Koffein, Zuckerrohr und -rübe in Teilen durch quasi land-lose synthetische Alternativen ersetzt wurden (auch wenn die wiederum eigene ökologische Probleme mit sich bringen). </p><p>Zwar steigt weltweit der Fleischkonsum rapide, aber zugleich bewegt er sich von besonders flächenintensiven Tieren (Rind und Lamm) hin zu Schwein und Geflügel, die wesentlich weniger Fläche pro Kalorie benötigen – allein in Europa ist der Verzehr von Rind- und Lammfleisch seit 2000 um 20 Prozent gesunken, während der von Geflügel und Schwein um 20 Prozent gestiegen ist; dafür bekommen wir ein weiteres Spanien an Fläche zurück. (Das große ethische Fass, das man hier aufmachen könnte – der Preis für weniger Fläche pro Kalorie ist mehr getötete Tiere pro Kalorie, weil es 50 Hühner braucht, um ein Schwein auszugleichen – lassen wir diesmal geschlossen, wir sparen es uns für eine andere Gelegenheit auf.)</p><p>Wir haben also quasi 38 Spaniens, die dank dieser Entwicklungen nie unter den Pflug gekommen sind – weil wir mit immer weniger Fläche die Bedürfnisse von immer mehr Menschen decken können. Und das in einem Ausmaß, das den Mehrbedarf an Nahrung für eine stetig wachsende Weltbevölkerung nicht nur ausgleicht, sondern überholt. Das bedeutet a) vermutlich Zugriff auf eine große Zahl Menschen, die irre gut an der akustischen Gitarre sind und b) ein riesiges Potential, der Natur Land zurückzugeben.</p><p>Und das passiert heute überall in großem Maßstab – mal mit Absicht in Renaturierungs- und <a href="https://iucn.org/sites/default/files/2022-10/principles_of_rewilding_cem_rtg.pdf">Rewilding</a>-Projekten, mal aus Versehen, weil Flächen einfach aufgegeben und sich selbst überlassen werden. </p><h2>Eine weltweite Bewegung</h2><p>Die <a href="https://www.rewild.org/wild-about/global-rewilding-alliance">Global Rewilding Alliance</a>, ein internationaler Zusammenschluss aus zivilgesellschaftlichen Rewilding-Initiativen, wurde erst 2021 gegründet und zählt heute schon fast <a href="https://news.mongabay.com/2026/04/bringing-the-worlds-rewilders-together-interview-with-alister-scott/">300 Organisationen</a> in weit über 100 Ländern – mit einem Zuwachs von mehr als einer pro Woche. Das Netzwerk arbeitet nach eigenen Angaben an über 2 Mio. km² Land und 5 Mio. km² Meer (zusammen in etwa 14 Spaniens).</p><p>Zugleich ist regulatorisch einiges passiert – wir erinnern an das 2024 beschlossene EU-Renaturierungsgesetz, fast zu Fall gebracht von einer Blockade der damals noch rechtspopulistischen Regierung Ungarns, dann in letzter Sekunde gerettet von der österreichischen Umweltministerin Gewessler, die entgegen der Anweisungen von höchster Stelle die entscheidende Stimme für das Gesetz abgab und sich dafür unter anderem eine <a href="https://orf.at/stories/3361235/">Strafanzeige</a> durch den Koalitionspartner einhandelte (die nie vor Gericht kam). Das Gesetz verpflichtet die Mitgliedsstaaten, bis 2050 alle geschädigten Ökosysteme auf Land und im Meer zu reparieren, im Detail zum Beispiel, indem sie Barrieren wie Dämme und Wehre so entfernen, dass mindestens 25.000 km Flüsse in der EU bis 2030 wieder frei fließen, die Hälfte aller landwirtschaftlich genutzten entwässerten Moorflächen bis 2050 wiederherstellen, und bis 2030 mindestens drei Milliarden zusätzliche Bäume pflanzen.</p><p>Und wenn ein solches Projekt gelingt, sind die <a href="https://www.researchgate.net/publication/332669996_Rewilding_complex_ecosystems">Effekte</a> eindrucksvoll: Arten kehren zurück. Wasserkreisläufe regenerieren sich. Landschaften werden resilienter gegen Klimaschäden. CO2 wird gebunden. Menschen werden <a href="https://www.thelancet.com/journals/lanplh/article/PIIS2542-5196(24)00166-9/fulltext">froher</a>.</p><p>So. Damit ist der Bogen gespannt: Rewilding ist kein niedliches Nischenphänomen – Na toll, jetzt haben sie da ein Moor renaturiert, das wird die Welt nicht retten! – sondern eine globale Lösung mit großem Potential und viel Bewegung. Da haben wir uns zur Veranschaulichung ein paar herzerwärmende Tiergeschichten verdient, die jetzt nicht mehr nur noch für sich selber stehen, sondern für etwas richtig Großes. </p><h2>Tiergeschichten - eine Auswahl</h2><p>Und zwar eine kleine, aus einem großen Sack. Es gibt so viele, dass wir noch einige Seiten mehr damit hätten füllen können.</p><h3>Biber, die unsere Arbeit machen</h3><p>Auf einem ehemaligen Militärgelände in Tschechien plante die Naturschutzverwaltung sechs Jahre lang eine aufwändige Renaturierung: Dämme sollten die begradigten Entwässerungsgräben stauen und die Wiesen wieder in ein Feuchtgebiet verwandeln, veranschlagt waren rund 1,2 Millionen Euro. Dann kam eine einzige <a href="https://www.topagrar.com/panorama/news/biberfamilie-errichtet-einen-damm-und-spart-naturschutzern-damit-12-mio-euro-20011466.html">Biberfamilie</a> und erledigte die Arbeit umsonst, ohne Bauantrag, inklusive Wartung und gründlicher als geplant: Das Feuchtgebiet wuchs über die vorgesehene Fläche hinaus, Teichfrösche, Kröten und Bachkrebse kehrten zurück. </p><p>In London setzte man 2023 eine fünfköpfige <a href="https://www.npr.org/2026/05/21/nx-s1-5738979/beavers-britain-climate-change-flooding">Biberfamilie</a> auf einem ehemaligen Golfplatz aus. Innerhalb von Wochen stauten die Tiere einen Bach zu einem Teich und verzweigten ihn zu einem Feuchtgebiet, das Starkregen aufsaugt wie ein Schwamm – die nahe U-Bahn-Station, die früher bei jedem Guss volllief, blieb seither trocken. Die Stadt konnte teure Pläne für ein Rückhaltebecken streichen. Großbritannien hat über 95 Prozent seiner Feuchtgebiete verloren; die Biber, vor 400 Jahren ausgerottet, bauen sie heute an Dutzenden Orten zurück.</p><h3>Richtig störende Löwen</h3><p>Im südafrikanischen Tswalu-Reservat wurden seit 1999 rund 118.000 Hektar ehemaliges <a href="https://news.mongabay.com/2026/03/a-south-african-reserve-shows-how-carbon-can-catalyze-rewilding-conservation/">Weideland</a> aufgekauft und verwildert. Die Idee dahinter ist nicht nur, verschwundene Arten zurückzuholen, sondern das “Störungsregime” wiederherzustellen: Wenn große Herden grasen, düngen und weiterziehen, speichert der Boden messbar mehr Kohlenstoff, während Raubtiere wie Wildhunde und Löwen die Bewegungen der Herden steuern, so dass kein Gebiet zu stark beweidet wird. Tswalu ist das erste private Reservat Südafrikas, das mit Wildtier-Naturschutz CO2-Zertifikate verdient – über 34.000 wurden bereits ausgestellt, eine Gesamtzahl von 275.000 werden erwartet.</p><h3>Halbwildpferde</h3><p>Sowas geht auch bei uns daheim, wenn auch ein kleines bisschen weniger wild: Als der Pferdezüchter Heinz Bley Ende der Neunziger am Nordrand des Thüringer Waldes eine ehemalige LPG mit rund 2.500 Hektar übernahm, warf der karge Muschelkalkboden trotz allem Pflügen kaum etwas ab. Ein paar Jahre später fragte die Thüringer Landesanstalt für Umwelt an, ob er 60 Hektar seiner Fläche in extensives Weideland umwandeln wolle – Bley steckte kurzerhand die <a href="https://www.hooforia.com/pferdehaltung/thueringeti-wildpferde-in-deutschland/">gesamte Fläche</a> ins Programm. Seither weiden dort ganzjährig Rinder und Pferde bei so geringer Dichte – grob ein Tier auf zwei Hektar –, dass sie die Landschaft selbst gestalten: eine halboffene Weite aus Hecken, Einzelbäumen und kurzgefressenem Rasen, die so an die ostafrikanische Steppe erinnert, dass man sie „<a href="https://www.agrar-crawinkel.de/thueringeti/">Thüringeti</a>” nennt. Feldlerche und Wiesenpieper brüten dort, Hunderte Käferarten leben vom allgegenwärtigen Dung. Reines Rewilding ist das nicht – die Pferde sind Zuchttiere, die jeden Oktober vor rund 2.000 Besuchern versteigert werden –, aber es zeigt dasselbe Prinzip wie Tswalu, nur im Kleinen und vor der Haustür: Gib großen Grasern genug Raum, und sie machen aus ausgelaugtem Acker in gut zwei Jahrzehnten eine artenreiche Halbwildnis, die man sogar besuchen kann.</p><h3>Lachsanstieg</h3><p>Am <a href="https://insideclimatenews.org/news/27082026/salmon-return-to-klamath-river-after-dam-removals/">Klamath River</a> in Kalifornien und Oregon wurden bis Herbst 2024 vier Staudämme abgerissen. Das war der größte Dammrückbau der US-Geschichte, erkämpft über Jahre von lokalen indigenen Gemeinschaften. Das Ergebnis kam schneller als erhofft: Innerhalb von zwei Jahren nach dem Abbau zogen zum ersten Mal seit 100 Jahren über 20.000 Chinook-Lachse flussaufwärts und besiedelten rund 90 Prozent ihres alten Verbreitungsgebiets wieder, Silberlachse, Regenbogenforellen und Neunaugen folgten ihnen nach.</p><h3>Tschernobyl lebt</h3><p>Vier Jahrzehnte nach der Katastrophe ist die Sperrzone von Tschernobyl zu einem der eindrücklichsten <a href="https://apnews.com/article/ukraine-russia-chernobyl-nature-rebounds-a0b252dc78a539947835acec8540b9fe">Beispiele</a> für passives Rewilding geworden: Allein weil der Mensch fehlt, streifen hier wieder Wölfe, Luchse und, nach über hundert Jahren, Braunbären herum. 1998 hier ausgesetzte Przewalski-Pferde – eine zuvor in freier Wildbahn vollständig ausgestorbene Art – leben dort heute frei. <a href="https://www.agrarheute.com/tier/rind/wilde-rinder-tschernobyl-kuehe-ueberleben-ohne-menschen-trotz-raubtieren-640471">Zurückgelassene Milchkühe</a> verwilderten zu einer eigenständigen Herde, die von sieben auf zwanzig Tiere wuchs und wieder Verhaltensweisen ihrer wilden Vorfahren, der Auerochsen, zeigt. Zum Beispiel in der Weise, wie sie sich gegen Wölfe verteidigen: Die Tiere bilden eine pyramidenförmige Aufstellung mit dem dominanten Bullen an der Spitze, den restlichen Bullen an den Flanken und Kälbern und Kühen im Inneren, während die Bullen außen die Angriffe abwehren – ein Verhalten, das sonst nur von wild lebenden Huftieren bekannt ist.</p><p>Inzwischen sind nur noch zwölf Tiere übrig; Forschende vermuten, dass russische Soldaten während der Besetzung 2022 einige von ihnen schlachteten.</p><h3>Trotz Krieg</h3><p>In der Tarutino-Steppe im Süden der Ukraine stellt die Organisation Rewilding Ukraine 600 Hektar für Landwirtschaft umgepflügtes <a href="https://perspective-daily.de/article/4128-why-ukraine-is-rewilding-in-the-heat-of-war/probiere">Grasland</a> wieder her – mitten im Krieg, zwischen Minen und Raketeneinschlägen. Ausgewildert wurden unter anderem Kulane, asiatische Wildesel, die die trockene Vegetation kurz halten und so die Waldbrandgefahr senken. Im Frühjahr 2022 kam das erste Kulanfohlen seit 200 Jahren in freier Wildbahn zur Welt. Grasland mit großen und artenreichen Weidegängern (Esel, Pferde, Büffel) lagert doppelt so viel Kohlenstoff ein wie vergleichbare Flächen ohne große Weidegänger.<br/>Weiter flussabwärts, im Donaudelta, werden zehn überflüssige Dämme entfernt. Ein <a href="https://youtu.be/VvxZmFhFQUE?si=RzHEmlRZ444mJt9y&amp;t=292">Video</a> zeigt Bilder von kriegsversehrten ukrainischen Veteranen, die mit ihren Familien diese Landschaft besuchen: “In letzter Zeit war mein Vater sehr traurig und konnte nicht mit uns ans Meer fahren oder wandern. Jetzt leuchtet er von innen. Ich hab mich so gefreut, ihn so zu sehen. Er war endlich wieder froh.”</p><p><a href="https://steady.page/de/superredaktion/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><h2>Lösung sein.<br/><em>Handreichungen fürs Selbermachen</em></h2><p>Weil das Konzept <em>Rewilding</em> an den Rändern unscharf ist und weit in Renaturierung und klassischen Naturschutz hineinreicht, gibt es einen sehr breiten Raum, in dem du beitragen kannst, von niederschwellig und privat bis tief ins Systemische hinein:</p><h3>Lass was vor deiner Tür verwildern.</h3><p>Eine Ecke im Garten nicht mähen, einen Blühstreifen auf dem Balkon, Fugen und Steine raus aus dem eigenen Pflaster oder aus dem Bordstein im öffentlichen Raum („Tegelwippen”, wie man in den Niederlanden sagt – dazu gibt es sogar einen bundesweiten <a href="https://www.abpflastern.de/">Wettbewerb</a> zwischen den Kommunen). </p><h3>Schließ dich einer Verwilderungsbande an.</h3><p>Bachpatenschaften, oder Pflanz- und Entsiegelungsaktionen von <a href="https://www.nabu.de/">NABU</a> oder <a href="https://www.bund.net/">BUND</a>, <a href="https://www.buergerschaffenwissen.de/">Citizen-Science-Projekte</a>, bei denen du Arten kartierst. Kostet ein paar Stunden, du kommst an die frische Luft und unter Leute und die Daten kommen dorthin, wo sie gebraucht werden.</p><h3>Verreise wild. </h3><p>Rewilding Europe betreibt mit <a href="https://wilderplaces.com/">Wilder Places</a> einen Buchungs-Marktplatz für Naturreisen in ihren Rewilding-Landschaften: Bison-Tracking im Oder-Delta, Bären im Velebit, Wölfe in den Karpaten. Deine Buchung und dein Geld landen direkt bei lokalen, von der Organisation ausgebildeten <a href="https://www.theguardian.com/travel/2021/jan/22/new-rewilding-project-teaches-tour-guides-to-offer-fresh-look-at-travel">Guides</a> und Familien in Regionen, aus denen die Menschen sonst wegziehen. </p><h3>Gib selbst Land zurück. </h3><p>Wer größere Flächen besitzt, kann eine Ecke aus der Nutzung nehmen, einen Uferrandstreifen stehen lassen oder an ein Naturschutzprojekt verpachten. Oft der wirksamste Hebel überhaupt: Zurückziehen, Nichtstun.</p><h3>Finanziere Flächen. </h3><p>Es gibt Organisationen, die Land ankaufen und der Natur überlassen (<a href="https://rewildingeurope.com/">Rewilding Europe</a>, <a href="https://www.sielmann-stiftung.de/">Heinz Sielmann Stiftung</a>) oder sich gezielt um Wiederansiedlung von Arten kümmern, wo sie bereits Zugriff auf Land haben (<a href="https://rewildingeurope.com/european-wildlife-comeback-fund/">European Wildlife Comeback Fund</a>). Hier wird aus Geld Wildnis gemacht, und zwar von Profis; Spenden sind dort gut aufgehoben und wirksam.</p><h3>Mach Druck. </h3><p>Das EU-Renaturierungsgesetz steht, die nationalen Umsetzungspläne waren bis September 2026 fällig, aber von 27 Staaten haben nur 7 welche <a href="https://www.dnr.de/aktuelles-termine/aktuelles/eu-naturschutz-im-stresstest-wiederherstellung-stockt">eingereicht</a>. Darunter: nicht wir, unter anderem, weil Bayern über den Bundesrat versucht hat, die Verordnung ganz auszusetzen. Wie üblich sind die Pläne also hart umkämpft. Wer Reichweite hat, kann zum Beispiel fordern, dass Agrarsubventionen nicht länger die <a href="https://agriculture.ec.europa.eu/common-agricultural-policy/cap-overview/answers-questions-cap/cap-support_en">größten Betriebe</a> allein fürs bloße Besitzen von Fläche belohnen – heute gehen rund 80 Prozent der Gelder an 20 Prozent der Höfe –, sondern an ökologische Leistungen gebunden werden: Wer renaturiert und naturverträglich wirtschaftet, soll dafür bezahlt werden. Und, allgemeiner, dass die Naturschutzgesetze nicht weiter aufgeweicht werden. Konkret unterschreiben lässt sich das gerade bei der Kampagne <a href="https://handsoffnature.eu/">#HandsOffNature</a> von einem großen Bündnis aus Naturschutzorganisationen, die damit europaweit schon über 600.000 Unterschriften eingesammelt haben – das kann Verbreitung gebrauchen.</p><h2><strong>Freunde treffen</strong></h2><h3>Sternstunde in Berlin</h3><p>Falls du am 12. September in Berlin bist: Eine Woche vor der Berlin-Wahl ruft ein Bündnis aus fast 100 Organisationen, Initiativen und Gewerkschaften zur <a href="https://sterndemo.de/">Sterndemo</a> auf. Aus allen Bezirken ziehen sieben thematische Demozüge sternförmig zum Roten Rathaus, wo um 16 Uhr die gemeinsame Abschlusskundgebung zusammenläuft. Das Spektrum ist breit: Klimagerechtigkeit (mit Fridays for Future) und Mobilitätswende (mit einem ganzen Schwarm Fahrraddemos und der Kidical Mass für die Kleinen) neben sozialer Teilhabe, Antirassismus, Feminismus und dem Schutz der Demokratie. Und weil „Mach Druck“ (siehe oben) eben auch heißt, mal rauszugehen und zusammen mit anderen sichtbar zu werden: Alle Startpunkte und Uhrzeiten stehen auf der Demo-Karte, ganz besonders freut sich die Initiative über <a href="https://sterndemo.de/spenden.html">Spenden</a>, die mit der Öffentlichkeitsarbeit helfen.</p><h3>Gabelförster</h3><p>Wenn dich das Stichwort flächenhungriges Rindfleisch ins Grübeln gebracht hat, kannst du das Grübeln mit Hilfe von <a href="https://www.forkranger.com/">Fork Ranger</a> so in Wirkung umsetzen, dass es Spaß macht. Das ist eine <a href="https://www.forkranger.com/pages/app">App</a> aus den Niederlanden, die Klimawissenschaft und Ernährung in hübschen, teilbaren Infografiken in Beziehung setzt und dazu richtig gute Rezepte liefert, jeden Tag ein bisschen, spielerisch und komplett undogmatisch.</p><p>Fast noch schöner sind die <a href="https://www.instagram.com/forkranger/?hl=de">Insta-Reels</a>, in denen Fork-Ranger-Mitgründer Frank Hollemann sehr launig, einladend und unter Zuhilfenahme von <a href="https://www.instagram.com/reels/DZpUJkdo1J2/">Legosteinen</a> zur Veranschaulichung komplexer Daten die Zusammenhänge zwischen Essen, Klima und Biodiversität erklärt – eine Master Class in aktivierender Umweltkommunikation, wie wir sie nicht besser machen könnten.</p><h3>Der ganze Dom war voll Gesang</h3><p>Wenn ihr heute Wahl schaut (oder morgen, oder wann immer ihr diesen Brief lest), schaut bitte auch <a href="https://www.instagram.com/reel/Dc5ycMzOerG/?hl=de">das</a>, und folgt und verbreitet <a href="https://www.instagram.com/_gemeinsamesache_/reels/?hl=de">GemeinsameSache</a>.</p><p><a href="https://steady.page/de/superredaktion/posts">Alle Posts anzeigen</a></p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Dieser Newsletter ist nur durch deine finanzielle Unterstützung möglich! Daher ein großes Dankeschön an alle, die uns unterstützen.</em></p><p><em>Wenn du noch nicht dabei bist, freuen wir uns sehr über Spenden und können auch mit Spendenbescheinigungen dienen, wenn gewünscht – schreib uns dann gerne eine Mail.</em></p><p><em>Global Eco Transition gGmbH | IBAN: DE62 4306 0967 1230 6808 00 | BIC: GENODEM1GLS | Verwendungszweck: “Spende Superredaktion”</em></p><p><em>Wichtig: Spenden kommen bei uns nur an, wenn der Verwendungszweck richtig angegeben wird.</em></p><p><em>Du willst deine Reichweite nutzen, um auf Klimathemen aufmerksam zu machen? Wir helfen dir dabei! Schreib uns gerne eine Mail an </em><a href="mailto:info@superredaktion.de"><em>info@superredaktion.de</em></a><em> – wir sind freundlich, wissen Sachen und kosten dich nichts.</em></p><p><em>Du kennst Menschen, denen dieser Newsletter auch helfen könnte? Dann teile ihn gerne!</em></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 06 Sep 2026 13:21:36 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Strom aus Gas: Teurer Spaß]]></title>
      <description><![CDATA[Haha! Ein Reim! Lustig. Willkommen im Newsletter der Superredaktion. Heute geht es uns um Preisbildung am Strommarkt und Merit Order. Langweilig! Oder? (Nein.)]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Haha! Ein Reim! Lustig.</p><p>Willkommen im Newsletter der Superredaktion – die regelmäßige Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete Anpackmaterialien für Menschen mit Lust auf Zukunft.</p><p>Heute geht es uns um Preisbildung am Strommarkt und Merit Order, und ja, das klingt so langweilig, dass wir schon selber beim Schreiben dieser Wörter fast spontan eingeschlafen sind. Es ist aber a) tatsächlich ziemlich spannend, wenn man sich einmal darauf einlässt, und b) wahnsinnig wichtig zu wissen, um gegen weite Teile des Bullshits gewappnet zu sein, der gerade in Sachen Strom so unterwegs ist. Es wird ein bisschen ingenieurig werden; zum Ausgleich gibt es die eine oder andere kaum verhohlene Andeutung nackter Haut. Hot!</p><h2>Inhalt</h2><ul><li><p><strong>Froher werden. Die guten Nachrichten.</strong></p><ul><li><p>Falsch geschätzt</p></li><li><p>Trotzdem elektrisch</p></li><li><p>Weniger Feuer</p></li></ul></li><li><p><strong>Strom aus Gas: Teurer Spaß. Das Thema des Monats</strong></p><ul><li><p>Das Bad ist voll</p></li><li><p>Viele Hähne, ein Preis</p></li><li><p>Größere Eimer, dickere Rohre</p></li><li><p>Gas ist das Letzte</p></li><li><p>Währenddessen in der Regierung</p></li></ul></li><li><p><strong>Lösung sein. Handreichungen fürs Selbermachen.</strong></p><ul><li><p>Darüber reden</p></li><li><p>Be the Energiewende you want to see in the world</p></li><li><p>Mehr Hand als Fuß!</p></li></ul></li><li><p><strong>Freunde treffen. Die Empfehlungen des Monats.</strong></p><ul><li><p>The Very Good and Very Bad News on Climate</p></li><li><p>Klimakommunikation und Kindererziehung, nur halt ohne Kindererziehung</p></li><li><p>Ausgleichende Gerechtigkeit</p></li></ul></li></ul><p><a href="https://steady.page/de/superredaktion/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><h2><strong>Froher werden<br/></strong><em>Die guten Nachrichten</em></h2><h3>Falsch geschätzt</h3><p>Ein Forschungsteam hat über 6.000 gewählte Politikerinnen und Politiker aller Ebenen angeschrieben und gefragt, wie klimapolitisch belastbar sie ihre Wählerschaft einschätzen. Das Wort Klima kam in der Einladungsmail nicht vor, die Umfrage lief unter dem unverfänglichen Titel “Trends in der deutschen Gesellschaft”. Knapp 1600 haben geantwortet, die Antworten wurden mit zwei repräsentativen Bevölkerungsumfragen abgeglichen.<a href="https://www.nature.com/articles/s43247-026-03721-7"> Das Ergebnis</a>: Quer durch alle Parteien wird die Akzeptanz für Klimasteuern und Klimagesetze in der Bevölkerung dramatisch unterschätzt, und zwar noch stärker, als die Bevölkerung sich ohnehin selbst schon unterschätzt. Bei der Frage, wie viele Deutsche ein Prozent ihres Einkommens fürs Klima abgeben würden, lag die Schätzung aus den Abgeordnetenbüros bis zu 56 Prozentpunkte unter dem realen Wert. Die gute Nachricht steckt, wie gelegentlich, in der Realität, anstatt darin, wie wir über die Realität reden: Der Rückhalt für ernsthafte Klimapolitik ist da. Er wird bloß von genau den Leuten nicht gesehen, die ihn brauchen, um mutig zu sein. Und, so die Studie: Wenn Abgeordnete aus glaubwürdiger Quelle erfahren, wie die Mehrheitsverhältnisse tatsächlich aussehen, passen sie ihr Verhalten an. Sag es allen weiter.</p><h3>Trotzdem elektrisch</h3><p>Während in Washington gegen Wind und Sonne regiert wird, elektrifizieren sich die USA gerade von unten, und zwar über die Nebenkostenabrechnung. Im ersten Quartal 2026 wurden dort<a href="https://grist.org/energy/the-us-may-be-hitting-a-tipping-point-for-heat-pumps/"> 32 Prozent mehr Wärmepumpen ausgeliefert als fossile Heizkessel</a> — das vierte Jahr in Folge mit Wärmepumpe vorn. In fast jeder zweiten neuen Wohneinheit steckt inzwischen eine, drei Viertel aller neuen Wohnungen werden elektrisch beheizt. Parallel dazu erobert eine deutsche Erfindung Amerika: das Balkonkraftwerk.<a href="https://www.canarymedia.com/articles/solar/balcony-solar-for-sale-us"> Utah hat es als erster Bundesstaat legalisiert</a>, mit republikanischer Mehrheit, allein in den letzten Monaten sind zehn weitere Staaten gefolgt. Deutsche Hersteller bauen ihre Geräte gerade fürs amerikanische Netz um. Vorangetrieben wird das alles nicht von Aktivisten und Aktivistinnen, sondern von Menschen, die ihre Stromrechnung senken wollen – Millionen Einzelentscheidungen an Küchentischen, die sich nicht um den Gegenwind von oben scheren.</p><h3>Weniger Feuer</h3><p>Diese Nachricht bekommst du mit Vorbehalt, weil sie sich leicht falsch weitererzählen lässt. Der Befund zuerst: Die weltweiten Emissionen aus Vegetationsbränden lagen im ersten Halbjahr 2026 bei knapp 400 Megatonnen Kohlenstoff und damit<a href="https://atmosphere.copernicus.eu/lowest-global-biomass-burning-emissions-record-during-first-half-2026"> so niedrig wie in keinem Halbjahr seit Beginn der Satellitenmessung 2003</a>. Die Welt brennt also heute weniger als in jedem Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, auch wenn es dir gerade ganz anders vorkommt. Und: Das ist kein Ausreißer, sondern ein langfristiger Trend.</p><p>Der Rückgang kommt fast vollständig aus den Savannen Afrikas und Asiens, wo veränderte Landwirtschaft, zerstückelte Landschaften und besseres Feuermanagement dafür sorgen, dass sich Brände schlechter ausbreiten. Also aus Gegenden, in denen deutlich weniger Fernsehkameras mitfilmen als in Europa.</p><p>Und jetzt die Gebrauchsanweisung zur Nachricht: Die Fläche brennt weniger, obwohl der Klimawandel sie stärker brennen lässt,<a href="https://www.nature.com/articles/s41558-024-02140-w"> und nicht etwa, weil er das nicht täte</a>. Menschliche Landnutzung überkompensiert den Effekt derzeit noch — global. In Europa und Nordamerika laufen die Feuer zugleich aus dem Ruder, dort werden sie heißer, länger und teurer. Die globale Trendlinie und dein Gefühl beim Blick auf die Nachrichten aus Frankreich und Spanien widersprechen sich also nicht, sie messen zwei verschiedene Dinge. Beides zugleich im Kopf zu behalten – den globalen Rückgang und die lokale Eskalation – und sich von den apokalyptischen Bildern nicht lähmen zu lassen, ist die eigentliche Übung.</p><h2><strong>Strom aus Gas: Teurer Spaß.<br/></strong><em>Das Thema des Monats</em></h2><ul><li><p><em>Das teuerste zu einem Zeitpunkt laufende Kraftwerk bestimmt den Strompreis für den gesamten Markt, und der teuerste Strom wird aus Gas gemacht</em></p></li><li><p><em>Je häufiger günstige Wind- und Sonnenkraftwerke teure Gaskraftwerke aus dem Markt drängen, desto billiger wird der Strom für alle.</em></p></li><li><p><em>Es gibt reichlich Lösungen, die diesen Prozess beschleunigen können, und du kannst Teil davon sein.</em></p></li></ul><p>Jetzt stell dir mal folgendes vor: Du liegst in der randvollen Badewanne, das Wasser ist ideal warm, und sie ist randvoll, genau, wie du es magst – und dann kommen irgendwelche Leute mit Eimerchen und schöpfen dein schönes warmes Wasser ab. Wer kennt es nicht!</p><p>Was tust du? Erstmal bedeckst du schnell deine entscheidenden Stellen diskret mit Schaum, klar. Aber dann? Dann drehst du den Hahn auf und lässt ihn laufen, damit der Wasserspiegel hoch genug bleibt und du nicht freigelegt wirst. Und wenn die Leute mit ihren Eimerchen fertig sind und ins Bett gehen, drehst du das Wasser ab, damit die Wanne nicht überläuft. Du badest halt gern lang, na und?</p><p>So machst du es doch, oder? Oder? Dann bist du genau wie der Strommarkt.</p><p>In den folgenden Zeilen wirst du uns dabei beobachten können, wie wir diese Metapher von der Badewanne aufs Schmerzhafteste überdehnen, um so hoffentlich ein System anschaulich zu machen, über das die meisten normalen Menschen nie nachdenken, wenn sie einen Stecker in die Dose stecken: Wie Strompreise entstehen. Das funktioniert nämlich ganz anders, als man es von anderen Produkten gewohnt ist, und es ist alles andere als intuitiv.</p><h3>Das Bad ist voll</h3><p>Strom ist das einzige Massenprodukt der Welt, das nicht auf Vorrat produziert werden kann – jedenfalls nicht in relevanten Mengen, jedenfalls noch nicht. Deswegen muss in jedem Moment exakt so viel Strom hergestellt werden, wie gleichzeitig verbraucht wird. Der Wasserstand in der Badewanne muss bis auf wenige Millimeter immer genau gleich bleiben, egal, wieviel Wasser von Wasserbedürftigen rausgeschöpft wird mit ihren kleinen niedlichen Eimerchen.</p><p>Das heißt: Sobald du aus der Badewanne aussteigst und deinen Fön anschaltest, wird irgendwo ein Kraftwerk ausfindig gemacht, das fast augenblicklich genau so viel Fönstrom zusätzlich ins Netz speist, wie du ihn gerade brauchst für dein wunderschönes Haar.</p><p>Und in der klitzekleinen Zeitspanne, in der es durch deinen Fönverbrauch anstrengender für das Stromnetz wird, den Bedarf zu decken, und noch keine zusätzliche Energie hinzugefügt wurde, um das auszugleichen, bremst diese Anstrengung alle Turbinen in allen Generatoren im europäischen Verbund ein unendlich kleines bisschen aus, von Polen bis Portugal, ein Moment großer Poesie und Symbolkraft: Alles wegen deines Föns!</p><p>Denn: Je mehr Stromverbrauch, desto mehr Widerstand in den elektromagnetischen Spulen der Generatoren, desto mehr Kraft braucht es, die Turbinen zu drehen, desto mehr mechanische Energie müssen die Kraftwerke in der Summe in ihre Generatoren hineingeben, damit die Drehgeschwindigkeit aller Turbinen gleich bleibt.</p><p>Wenn du urban und retro genug bist, ein Hollandrad mit einem klassischen Felgendynamo zu besitzen, kannst du das direkt experimentell überprüfen, indem du das Rad auf den Rücken legst, dem Vorderrad bei angeschaltetem Licht einen ordentlichen Schwung gibst und dann das Kabel am Dynamo kappst – sofort dreht sich das Rad leichter, weil ohne Verbraucher der elektromagnetische Drehwiderstand in der Spule im Dynamo kleiner wird.</p><p>Cool, oder? Man macht sich nicht klar, dass Energiespeicher im Grunde überall um uns rum sind. Ein Rad in schnelle Drehung versetzen kann funktional dasselbe sein wie eine Batterie aufladen. Einen Stein vom Boden aufheben und oben aufs Regal legen oder ein Kirschkernkissen im Ofen aufheizen oder einen Luftballon aufpusten auch. Denk dir ein beliebiges dieser Beispiele in ein paar Dutzend Größenordnungen ambitionierter, und du wirst seine industrielle Entsprechung irgendwo auf der Welt an einem Stromnetz als Energiespeicher finden.</p><p>Aber zurück in die metaphorische Badewanne (unbedingt ohne Fön, man hört, das sei gefährlich): Dieses Ausbremsen der Turbinen in der Lücke zwischen neuem Verbrauch und dem Hochfahren der Stromproduktion – das sind die paar Millimeter Schwankung des Füllstandes der Wanne, die wir uns leisten können, weil die Physik der drehenden Massen sie für uns vorübergehend auffängt.</p><p>Das Wasser in der Wanne entspricht also nicht gespeichertem Strom (siehe oben, das können wir (noch) nicht so richtig), sondern der in allen drehenden Massen am Netz gespeicherten Bewegungsenergie: Alle Turbinen drehen sich synchron, in Europa mit einer<a href="https://www.netztransparenz.de/de-de/Systemdienstleistungen/Betriebsf%C3%BChrung/Netzfrequenz"> Frequenz von fünfzig Schwingungen pro Sekunde</a>. Wenn sie sich für kurze Zeit ein kleines bisschen langsamer drehen, oder ein kleines bisschen schneller, weil etwas mehr Strom im Netz ist als gedacht, ist das nicht tragisch, aber das gilt nur innerhalb sehr klarer Grenzen, die durch die Auslegung tausender tonnenschwerer rotierender Maschinerie auf ein ganz bestimmtes Drehmoment bestimmt sind. Jenseits dieser Grenzen beschädigt das die Turbinen, und das will keiner.</p><h3>Viele Hähne, ein Preis</h3><p>Also: Wie suchen wir die Kraftwerke aus, die dafür sorgen, dass der Strom immer reicht und die Frequenz im Netz gleich bleibt? Wie halten wir den Wasserstand konstant? Guck mal, deine Badewanne ist nicht wie andere Badewannen, sie hat nicht nur einen Hahn, sondern ganz viele. Und an jedem hängt ein Preisschild.</p><p>Wahrscheinlich hast du schon mal den Begriff<a href="https://www.energie-lexikon.info/merit_order.html"> merit order</a> gehört – in etwa heißt das Rangfolge nach Verdienst; letzten Endes bedeutet es: Billigste zuerst.</p><p>Es gibt keinen physikalischen Unterschied zwischen Strom von Anbieter A und Anbieter B, beide Produkte machen ihre Arbeit exakt gleich und exakt gleich gut. Dementsprechend ist das einzige Kriterium, nach dem der Markt zwischen Anbietern entscheidet, der Preis. Du wirst also in deiner Badewanne den Wasserhahn mit dem günstigsten Preis zuerst aufdrehen. Und wenn der nicht ausreicht, gegen die Leute mit den Eimern anzukommen und der Wasserstand immer noch sinkt, den nächstteureren, dann den nächstteureren und so weiter, bis du ein Gleichgewicht hergestellt hast zwischen dem Wasser, das die Leute aus der Wanne schöpfen und dem, das aus den Hähnen nachläuft.</p><p>So weit, so nachvollziehbar.</p><p>Jetzt der Haken: Wenn am Ende die Rechnung kommt, wirst du jedem Wasserhahnbetreiber den Preis zahlen, der am teuersten aufgedrehten Wasserhahn hing.</p><p>Warum machst du das denn, das wäre doch anders viel billiger, bist du schlecht in BWL?</p><p>Nein. Du bist superclever. Respekt. Weil du ein System bauen willst, in dem die Anbieter keinen Anreiz haben, mit Preisen zu pokern, sondern jeden Grund, ihre tatsächlichen Kosten zur Grundlage ihres Preisangebots zu machen. In einem solchen System möchte ich meinen Strom so günstig wie möglich anbieten, um auf jeden Fall zum Zug zu kommen, anstatt zu raten, was wohl der teuerste Strom am Markt sein wird und dann diesen Preis möglichst knapp zu unterbieten. Und so weiß der Markt immer, welcher Strom tatsächlich der günstigste ist, weil in diesem System Ehrlichkeit in der Preiskalkulation für die Anbieter der klügste Weg zum Profit ist. Außerdem: Das System schafft einen starken Investitionsanreiz für billige Quellen. Wer günstig produziert, also mit größtmöglicher Differenz zum teuersten verwendeten Anbieter, macht natürlich besonders gute Gewinne.</p><h3>Größere Eimer, dickere Rohre</h3><p>An manchen Tagen kippt das Verhältnis komplett: viel Wind, viel Sonne, wenig Verbrauch, typischerweise sonntags. Dann produzieren die Erneuerbaren mehr, als gerade gebraucht wird, die Badewanne droht überzulaufen, und zu viel Wasser ist mindestens genauso unangenehm wie zu wenig: steigt die Netzfrequenz zu stark, kann es im Extremfall zum Blackout kommen.</p><p>Wenn zuviel Strom da ist, rutscht der Börsenstrompreis aber ins Negative. Erzeuger zahlen dann dafür, dass ihnen jemand den Strom abnimmt. So bekommen konventionelle Kraftwerke einen Anreiz zum Abschalten – die wollen ja nicht zahlen, sondern verdienen, und dann machen sie lieber gar nichts – und für Abnehmer wie energiehungrige Industriebetriebe, Pumpspeicher oder zunehmend Elektrolyseanlagen für die Wasserstoffherstellung, wird es dann besonders interessant, die Überschüsse aufzunehmen.</p><p>Nun sagen prominente böse Zungen gern: Negative Strompreise seien der Beweis dafür, dass wir zu viele Erneuerbare haben. Diese Diagnose ist falsch.</p><p>Negative Preise zeigen vor allem,<a href="https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/negative-strompreise-erneuerbare-energien-100.html"> dass Speicher und Flexibilität auf der Verbrauchsseite fehlen</a>. Auch an &quot;Strombrücken&quot; zu den Nachbarländern mangelt es, die häufig genau dann Bedarf haben, wenn wir Überschüsse produzieren, und umgekehrt. Außerdem lassen sich konventionelle Kraftwerke oft nicht schnell genug abschalten, selbst wenn sie es wollen. Technische Lösungen dafür gibt es viele: Flächendeckende smarte Stromzähler und flexible Tarife, mit denen auch normale Leute ihren Stromverbrauch nach Preisen ausrichten können. Mehr Batteriespeicher, die Spitzen im Netz aufsaugen und später wieder abgeben. Ein leistungsstärkeres Netz, das größere Mengen von Strom schnell dorthin bewegen kann, wo er gerade gebraucht wird.</p><p>In unserer zunehmend unter der Belastung ächzenden Metapher heißt das:</p><p>Für die Badewanne der Zukunft brauchen wir Leute mit größeren Eimern und schnelleren Beinen. Wir brauchen Wasserhähne, die sich schneller und unkomplizierter auf- und zudrehen lassen. Und wir brauchen dickere Rohre zu den anderen Badewannen um uns herum. (Ja, das sind einige. Ja, du hast einen Sichtschutz. Nein, das ist nicht ganz die Art Privatsphäre, die du gerade eigentlich bräuchtest.)</p><p>Es heißt nicht, dass wir weniger günstige Wasserhähne brauchen.</p><h3>Gas ist das Letzte</h3><p>Die teuersten Stromproduzenten, die wir haben, sind Gaskraftwerke. Sie sind fast immer die letzten in der Merit-Order-Reihe, und wann immer wir sie anschalten müssen, um den Bedarf zu decken, ist es dieser sehr teure Preis, der die gesamten Stromkosten bestimmt.</p><p>Die günstigsten Stromproduzenten, die wir derzeit haben, sind Solarzellen und Windräder.</p><p>Noch teurer werden Gaskraftwerke, wenn ein Autokrat beschließt, die Gaslieferungen einzustellen und so den Gaspreis weiter in die Höhe treibt, oder ein anderer Autokrat einen Krieg mit einem Land anfängt, das ein geographisches Nadelöhr beherrscht, durch das<a href="https://www.tagesschau.de/wirtschaft/weltwirtschaft/strasse-von-hormus-handelsrouten-oel-100.html"> rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Flüssigerdgases</a> geschippert wird.</p><p>Als Putin im Februar 2022 die Ukraine überfiel und kurz darauf den Gashahn zudrehte,<a href="https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/europaischer-gaspreis-steigt-auf-rekordhoch-8590879.html"> vervielfachte sich der europäische Gaspreis</a> gegenüber dem Vorkriegsniveau. Und weil Gas damals sehr häufig das letzte, preissetzende Kraftwerk in der merit order war, riss es den Strompreis mit nach oben: Der<a href="https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Textsammlungen/Energie/strompreise.html"> Jahresschnitt des deutschen Börsenstrompreises</a> verdoppelte sich von 97 auf 234 Euro pro Megawattstunde. Und das galt auch für jede Kilowattstunde aus Wind und Sonne, obwohl die in der Herstellung keinen Cent teurer geworden waren – eben weil der teuerste Preis für alle gilt.</p><p>Vier Jahre später, 2026: Die USA und Israel begannen einen Krieg mit dem Iran, die Straße von Hormus wurde gesperrt. An den Zapfsäulen schossen die Preise in historische Höhen. Der Gaspreis sprang ebenfalls – aber der Börsenstrompreis stieg nur kurzzeitig mit. Anders als 2022 hielt dieser Ausschlag nur Wochen: Inzwischen liegt er gerade mal knapp zehn Prozent über dem Vorjahreswert – und das, obwohl die Straße von Hormus weiter gesperrt ist.</p><p>Der wesentliche Unterschied zu 2022: Wir haben inzwischen so viel mehr Strom aus Wind und Sonne, dass Gaskraftwerke deutlich seltener den Preis bestimmen.</p><p>Der Schock trifft heute also auf ein Netz, das ihn viel besser wegfedern kann.</p><h3>Währenddessen in der Regierung</h3><p>Das Wirtschaftsministerium schleicht mit der Neuauflage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes die Förderung für kleine Solaranlagen aus und verändert mit der neuen Kraftwerksstrategie die Rahmenbedingungen für große Solar- und Windprojekte: Für die günstigsten Quellen werden die Bedingungen verschlechtert, während gleichzeitig zu wenig in genau die Flexibilität von Speichern und Netz investiert wird, die den Bedarf an der Bereithaltung von gasgemachtem Strom reduzieren würde.</p><p>Und dann wird der verbleibende Bedarf teuer mit<a href="https://www.pv-magazine.de/2026/05/13/kraftwerksstrategie-passiert-bundeskabinett/"> neu gebauten Gaskraftwerken</a> mit Gewinngarantien gedeckt – also mit Zahlungen allein für die Bereitstellung der Kapazität – anstatt in den Ausschreibungen die Türen technologieoffen zu lassen: für Großbatteriespeicher und andere emissionsfreie Alternativen, die technisch diese Rolle ebenfalls übernehmen könnten. Selbst das<a href="https://www.iwr.de/news/gaskraftwerke-bundeskartellamt-warnt-vor-wettbewerbsnachteilen-bei-reiche-plaenen-technologieoffenheit-fehlt-news39680"> Bundeskartellamt kritisiert</a>, dass der Entwurf alternative Technologien faktisch benachteiligt und bestehende Marktstrukturen verfestigt.</p><p>So wird unsere Abhängigkeit vom Gas weiter zementiert, und Applaus dafür gibt es nur aus einer einzigen Richtung: Von der <a href="https://www.fr.de/wirtschaft/grenze-erreicht-warum-kritiken-an-reiches-kraftwerksstrategie-nicht-verstummen-94133641.html">Gasindustrie</a>.</p><p><a href="https://steady.page/de/superredaktion/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><h2><strong>Lösung sein<br/></strong><em>Handreichungen fürs Selbermachen</em></h2><p>Wenn du bis hierher gelesen hast, weißt du jetzt vermutlich mehr über dieses Thema als plusminus neun von zehn deiner Mitmenschen. Es ist noch lange nicht alles, was es zu wissen gibt. Das wäre noch einige Folgen Sendung mit der Maus wert. Und wir sagen es besser selbst, bevor es jemand anders tut: Wir haben um der Zugänglichkeit willen manches so stark vereinfacht, dass es wahrscheinlich für Menschen mit echter Strommarkt-Expertise nicht ganz leicht auszuhalten ist.</p><h3>Darüber reden</h3><p>Der Strommarkt ist wahnsinnig kompliziert, und die Details werden schnell sehr nerdig. Das macht es für bestimmte Akteure in Politik und Medien ziemlich leicht, uns plausibel klingenden Unsinn zu erzählen. Dieser Text war der Versuch, uns gegenseitig ein bisschen gegen diesen Unsinn zu immunisieren, ohne allzu sehr ins Nerdige abzugleiten. Für uns ist dieser Versuch ein Erfolg, wenn du zusammengefasst folgende Dinge mitnimmst und ansteckend weitererzählst, damit auch andere immunisiert werden:</p><h4>Mehr Erneuerbare, weniger Kosten</h4><p>Je mehr Erneuerbare wir am Netz haben, desto häufiger drängen sie teure Gaskraftwerke aus dem Markt und machen den Strom für alle günstiger. Das hat mit Ideologie nichts zu tun, das ist einfach Arithmetik.</p><h4>Weniger Gas, weniger Abhängigkeit</h4><p>Je weniger Gas wir brauchen, desto weniger sind wir abhängig von politischer Instabilität, den Launen sehr mächtiger größenwahnsinniger Männer, von Preisschocks und teuren fossilen Importen.</p><h4>Das Problem ist nicht die Menge</h4><p>Überschüsse im Stromnetz an besonders sonnigen oder windigen Tagen bedeuten nicht, dass wir zu viele Erneuerbare haben, sondern zu wenig Flexibilität auf Verbrauchsseite, zu wenig Speicher und zu wenig Strom-Highways für den Transport großer Strommengen von dort, wo er zuviel ist, dorthin, wo er gebraucht wird. Das ist der entscheidende Bereich, in den sehr viel mehr Geld und Aufmerksamkeit fließen sollte.</p><h3>Be the Energiewende you want to see in the world</h3><p>Darüberhinaus: Wenn du dir einen dynamischen Stromtarif mit smartem digitalem Stromzähler besorgst, bei dem Strom dann günstig ist, wenn es sehr viel davon gibt, ist das auf jeden Fall ein guter Schritt. Das lohnt sich schnell besonders dann, wenn du große Verbraucher hast, die du flexibel anwerfen oder gar automatisch anwerfen lassen kannst – E-Auto laden: super; nur noch in den Mittagsstunden Waschmaschine und Geschirrspüler laufen lassen: schwieriger.</p><p>Oder du besorgst dir zusätzlich einen Batteriespeicher, der billigen Strom einsaugt, den du zu teureren Zeiten anstelle des Netzstroms verbrauchen kannst, und dann nimmst du halt den für die Waschmaschine am Abend.</p><p>Noch lässiger: Du verwendest dein E-Auto zusätzlich als Batteriespeicher für deinen Haushalt, zwei Fliegen mit einer Klappe, aber nicht voraussetzungslos: Das geht nur mit bestimmten Autos und bestimmten Ladebuchsen.</p><p>Was meinen wir mit lohnen? Die eine Achse ist: So sparst du langfristig Geld. Die gesellschaftlich relevantere Dimension: Du hilfst dabei, das Stromnetz zu stabilisieren, indem du zu Spitzenzeiten mit deinem Haushalt wie ein Strom-Schwamm Überschüsse aufnimmst.</p><h4>Mehr Hand als Fuß!</h4><p>Aber auch hier: Wenn du wirklich einen Unterschied machen willst, ist dein Handabdruck – wie fast immer – interessanter als dein Fußabdruck; dein positiver Einfluss auf andere Menschen und Strukturen wirkungsvoller als die Optimierung deines eigenen Verhaltens. Tu unbedingt all die aufgezählten Dinge, wenn du die finanziellen Möglichkeiten und ausreichend Freude daran hast – und dann erzähl dort, wo man dir zuhört, davon, warum du sie getan hast, was sie dir bringen, was sie anderen bringen könnten. Und das gilt natürlich umso mehr, wenn du Reichweite und Einfluss hast. Inspiration dafür holen und immer wieder was dazulernen kann man zum Beispiel auch bei<a href="https://www.youtube.com/@BreakingLab"> Jacob Beautemps auf YouTube</a>, oder, immer sehr unterhaltsam, bei<a href="https://www.instagram.com/dergraslutscher/reels/?hl=de"> Jan Hegenberg</a>, neuerdings auch intensiv auf Instagram unterwegs.</p><p>Wir haben oben den digitalen Stromzähler – den Smart Meter – nur im Nebensatz erwähnt. Aber so ein Teil ist die allererste und niedrigschwelligste Grundvoraussetzung für eine großflächige Teilhabe der Menschen an den Vorteilen des flexiblen Energiesystems der Zukunft, und zugleich ein wesentlicher Beitrag dazu, dass das Energiesystem der Zukunft überhaupt so flexibel werden kann, wie es sein muss.</p><p>Laut EU-Vorgaben sollten schon 2020 mindestens 80 Prozent der Haushalte in Mitgliedsstaaten mit Smart Metern ausgestattet sein. Heute, sechs Jahre später, sind es europaweit im Schnitt 60 Prozent. Schweden, Italien und Dänemark liegen schon bei 100 Prozent, eine ganze Reihe weiterer Vorreiter sind ähnlich weit.</p><p>In Deutschland, Land der Erfindungen, Land der Ingenieurskunst, Land der Innovationen, lag der Anteil der Haushalte mit Smart Metern<a href="https://de.euronews.com/2026/07/12/smartmeter-sparen-geld-und-schutzen-okostrom-welches-land-fuhrt-europas-ausbau-an"> zuletzt</a> (2024) bei: Zwei Prozent. Wir landen damit auf Platz 27 der untersuchten Länder. Von 27. </p><p>Wenn du also nach einem wirklich großen Hebel fragst: Alles, was du tun kannst, damit a) mehr Menschen innerhalb deiner Reichweite sich so ein Ding besorgen (das geht<a href="https://priwatt.de/blog/wie-bekomme-ich-einen-smart-meter/"> so</a>) und b) das Besorgen solcher Dinger unkomplizierter, schneller und günstiger wird, ist mehr als willkommen.</p><h2><strong>Freunde treffen<br/></strong><em>Die Empfehlungen des Monats</em></h2><h3>The Ezra Klein Show: The Very Good and Very Bad News on Climate</h3><p>Der Journalist und Autor Bill McKibben schreibt schon seit 30 Jahren für zahlreiche namhafte US-Publikationen über die Klimakrise und ist einer der bekanntesten Klimaaktivisten der Welt. Mit Ezra Klein <a href="https://podcasts.apple.com/de/podcast/the-very-good-and-very-bad-news-on-climate/id1548604447?i=1000776239995">spricht</a> er über die für die für viele von uns hier weitestgehend unter dem Radar stattfindende globale Energierevolution hin zu Sonne und Wind, die das Potential hat, die gesamte Menschheit mit einem nie dagewesenen Überfluss an billiger, sauberer Energie zu versorgen. Die Herausforderungen, Ungerechtigkeiten, Gefahren und Gegenspieler werden dabei nicht ausgeblendet, im Gegenteil. Aber McKibben ist nicht nur äußerst kenntnisreich, sondern auch ein großartiger Erzähler, der weiß, wie man den Leuten Lust darauf macht, diese Hürden in Angriff zu nehme und einer solchen Welt mit Mut und Hoffung entgegenzusteuern – man kann seine leuchtenden Augen quasi hören. Sehr empfehlenswert, allerdings auf Englisch, muss man wollen.</p><h3>Klimakommunikation und Kindererziehung, nur halt ohne Kindererziehung</h3><p>Nico Czaja, seines Zeichens Leiter der Superredaktion, ist als Experte in einen<a href="https://pod.link/1389814425/episode/YTNjYWI3YmYtYTIzMy00Y2Q4LThhMzMtZWFmYmYxMjY0ZDNm"> Elternpodcast</a> gestolpert, ohne dafür mehr Qualifikationen als die eigene Vaterschaft mitzubringen. Es ist trotzdem eine sehr schöne Folge dabei herausgekommen, nicht zuletzt dank der wunderbaren Gesprächsführung durch Host Christine Rickhoff, auch wenn (oder weil?) es kaum darum geht, wie man Kindern die Klimakrise erklärt. Es ist ein großer Bogen durch die Methoden und Ideen hinter der Superredaktion und das Einmaleins konstruktiver Klimageschichten geworden. Das hilft sicher auch irgendwie mit den Kindern? Und es ist auf Deutsch!</p><p>Die Veröffentlichung hat uns übrigens einen ganzen Rutsch neuer Menschen in die Abo-Liste dieses Newsletters gespült – falls du einer davon bist: Herzlich willkommen, schön, dass du da bist! Wenn nicht: Trotzdem schön, dass du da bist, klar.</p><h4>Ausgleichende Gerechtigkeit</h4><p>Ein kleiner ehrenamtlicher Klimaschutzverein in Göttingen, von dem du wahrscheinlich noch nie gehört hast (er heißt &quot;Klimaschutz Göttingen e.V.&quot;) hat mit einer investigativen Hartnäckigkeit, die man sonst nur von größeren Vereinen mit originelleren Namen kennt, einen veritablen Skandal aufgetan: Man hat sich die Bebauungspläne des Landkreises angeschaut und bei jeder einzelnen Kommune nachgehakt, was eigentlich aus den zugesagten sogenannten Ausgleichsmaßnahmen wurde – den Streuobstwiesen, Hecken und artenreichen Wiesen, mit denen Kommunen eigentlich per Gesetz den Naturverlust durch neue Baugebiete kompensieren müssen.</p><p><a href="https://klimaschutz-goettingen.de/projekte/kompensationsmassnahmen-ueberblick/">Ergebnis</a>: 159 Hektar zugesagter Ausgleichsflächen sind nie umgesetzt worden. Das entspricht einer Fläche ungefähr so groß wie Monaco.</p><p>Woher soll ich wissen, wie groß Monaco ist, sagst du. Gut, wissen wir auch nicht.</p><p>Dann halt doch wieder Fußballfelder: Es sind über 220.</p><p>Das sind eine Menge Streuobstwiesen, Hecken und artenreiche Wiesen, die nur in einer spukigen bürokratischen Zwischenwelt existieren anstatt in echt, teilweise schon seit vielen Jahren. Bisher hatte das offenbar niemand bemerkt. Bis auf die Verantwortlichen, versteht sich.</p><p>Das gehört geändert – und es ist zum Glück keine Leider-leider-Geschichte: Diese Zusagen verjähren nicht, egal ob der zugrundeliegende Beschluss zwei oder zwanzig Jahre alt ist. Der Ausgleich lässt sich noch heute einfordern.</p><p>Und weil der Verein seine komplette Methodik offengelegt hat, muss das keine Göttinger Geschichte bleiben, sondern ist von potentiell bundesweiter Relevanz: <strong>Die Recherchemethode ist eins zu eins auf jeden anderen Landkreis übertragbar.</strong> Wer selbst nachprüfen oder einen lokalen Verein anstupsen will, mal unverbindlich zu schauen, was aus solchen Zusagen in der eigenen Region geworden ist, findet<a href="https://klimaschutz-goettingen.de/projekte/kompensationsmassnahmen-ueberblick/kompensation-mitmachen/"> hier</a> Anleitung, Datensätze und Kontakt – man munkelt in Kreisen, dass Göttingen in dieser Hinsicht alles andere als ein Einzelfall ist.</p><p><a href="https://steady.page/de/superredaktion/posts">Alle Posts anzeigen</a></p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Dieser Newsletter ist nur durch deine finanzielle Unterstützung möglich! Daher ein großes Dankeschön an alle, die uns unterstützen.</em></p><p><em>Wenn du noch nicht dabei bist, freuen wir uns sehr über Spenden und können auch mit Spendenbescheinigungen dienen, wenn gewünscht – schreib uns dann gerne eine Mail.</em></p><p><em>Global Eco Transition gGmbH | IBAN: DE62 4306 0967 1230 6808 00 | BIC: GENODEM1GLS | Verwendungszweck: ”Spende Superredaktion”</em></p><p><em>Wichtig: Spenden kommen bei uns nur an, wenn der Verwendungszweck richtig angegeben wird.</em></p><p><em>Du willst deine Reichweite nutzen, um auf Klimathemen aufmerksam zu machen? Wir helfen dir dabei! Schreib uns gerne eine Mail an </em><a href="mailto:info@superredaktion.de"><em>info@superredaktion.de</em></a><em> – wir sind freundlich, wissen Sachen und kosten dich nichts.</em></p><p><em>Du kennst Menschen, denen dieser Newsletter auch helfen könnte? Dann teile ihn gerne!</em></p><p><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Mon, 03 Aug 2026 07:31:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Zu Besuch in der Zukunft]]></title>
      <description><![CDATA[Wir haben unseren Korrespondenten, den Bestseller-Autoren und Energiewende-Nerd Jan Hegenberg, auf eine Straßenkreuzung nach China geschickt. Ein Erlebnisbericht.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Willkommen im Newsletter der Superredaktion – die regelmäßige Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete Anpackmaterialien für Menschen mit Lust auf Zukunft.</p><p>Heute: Wir haben unseren Korrespondenten, den Bestseller-Autoren und ranghohen Energiewende-Nerd <a href="https://graslutscher.de/klima-bullshit-bingo/">Jan Hegenberg</a>, auf eine Straßenkreuzung nach China geschickt. Oder vielleicht ist er auch aus eigenem Interesse hingefahren und wir haben uns an ihn drangehängt, wer weiß. Jedenfalls folgt gleich sein Erlebnisbericht – ein Gastbeitrag, über den wir uns wie immer sehr freuen. Wir unterbrechen die Sendung vorher nur noch kurz für die traditionellen Drei Guten Nachrichten, und, der Form halber, für ein Inhaltsverzeichnis.</p><h2>Inhalt</h2><ul><li><p><strong>Froher werden. Die guten Nachrichten.</strong></p><ul><li><p>Dämme-Dämmerung</p></li><li><p>Auf Sonne gebaut</p></li><li><p>Eine neue Supermacht</p></li></ul></li><li><p><strong>Zu Besuch in der Zukunft. Das Thema des Monats.</strong></p><ul><li><p>Die Kreuzung der Wahrheit</p></li><li><p>Warum eigentlich?</p></li><li><p>Im Zug</p></li><li><p>Auf dem Weg ins Industriemuseum?</p></li></ul></li><li><p><strong>Lösung sein. Handreichungen fürs Selbermachen.</strong></p></li><li><p><strong>Freunde treffen. Die Empfehlungen des Monats.</strong></p></li></ul><p><a href="https://steady.page/de/superredaktion/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><h2><strong>Froher werden.<br/></strong><em>Die guten Nachrichten</em></h2><h3>Dämme-Dämmerung</h3><p>2025 war ein Rekordjahr, das zweite in Folge: 603 Dämme, Wehre und <a href="https://www.spektrum.de/lexikon/geowissenschaften/sohlenbauwerk/15108">Sohlschwellen</a>, ja, Sohlschwellen, weißt du etwa nicht, was eine Sohlschwelle ist, na gut, wir auch nicht – jedenfalls, 603 von allen diesen Dingen sind im letzten Jahr aus Europas Flüssen entfernt worden, mehr als je zuvor. 3.740 Kilometer Fluss wurden damit wieder durchgängig.</p><p>Klingt vielleicht erstmal wie romantische Öko-Folklore, aber: Das sind Bauwerke, die niemand mehr nutzt und die tausendfach Flüsse zerschneiden. Sie abzubauen, kostet nicht viel Geld und hat einen unverhältnismäßig großen ökologischen Effekt: Dammrückbau gilt inzwischen auch auf EU-Ebene als Schlüsselstrategie, um Konnektivität, Sediment‑ und Nährstoffdynamik sowie Wanderwege etwa für Lachse und Forellen wiederherzustellen und gleichzeitig Klimaresilienz (Hochwasserschutz, Wasserrückhalt, Nahrungssicherheit) zu stärken. Die Natur braucht dabei erstaunlich wenig Hilfe: Nimmt man ihr die Hindernisse weg, kommt sie meistens von selbst zurück, und das oft erstaunlich schnell. </p><h3>Auf Sonne gebaut</h3><p>Indien könnte das erste große Schwellenland werden, das seine Industrialisierung überwiegend mit Solarenergie <a href="https://e360.yale.edu/features/india-solar">betreibt</a> – statt auf dem fossilen Umweg, den Europa, die USA und China vor ihm gegangen sind. Als Chinas Wirtschaft an dem Punkt war, an dem Indien heute ist, hat es mehr als doppelt so viel Kohle verbrannt wie Indien heute, und die Kurve der Nutzung von Kohle für die Stromherstellung zeigt dort wegen des rasend schnellen Solarausbaus zunehmend nach unten. Das ist von planetarer Wichtigkeit: Der Stromverbrauch pro Kopf in Indien ist derzeit nur ein Drittel so groß wie der weltweite Durchschnitt. Indien hat als bevölkerungsreichstes Land der Erde <em>sehr viele Köpfe.</em> Und von denen wird ein jeder sehr viel mehr Strom verbrauchen müssen, wenn allen Menschen dort ein Leben in Würde und Wohlstand möglich werden soll. Schließt Kohle diese Lücke, wäre das verheerend für die Erde. Schließt sie die Sonne, haben wir einen großen Schritt Richtung Weltrettung gemacht.</p><h3>Eine neue Supermacht</h3><p>Wir müssten es alle von den Dächern singen: In der kolumbianischen Küstenstadt Santa Marta ist im April ein Drittel der Wirtschaftskraft des Planeten zusammengekommen, um den Ausstieg aus den Fossilen zu planen. Der Guardian <a href="https://www.theguardian.com/commentisfree/2026/apr/07/iran-war-oil-phase-out-fossil-fuels">spricht</a> von einer “neuen Supermacht”, die sich dort getroffen hat – erstmals nicht, um darum zu ringen, ob man denn nun wirklich aussteigen möchte, sondern um ganz konkret zu besprechen, wie man es machen wird. 57 Länder, die mehr wollen als nur immer wieder auf den UN-Klimakonferenzen “die Petrostaaten um die Erlaubnis anbetteln, die Zukunft der Menschheit zu bewahren” (<a href="https://www.nytimes.com/2023/12/08/climate/opec-cop28-climate-oil.html?auth=login-google1tap&amp;login=google1tap">Al Gore</a>) und dann blockiert zu werden.</p><p>Es muss sich für die teilnehmenden Länder wie ein großer Befreiungsschlag angefühlt haben; “erfrischend”, “sehr erfolgreich” und “bahnbrechend” <a href="https://www.carbonbrief.org/santa-marta-key-outcomes-from-first-summit-on-transitioning-away-from-fossil-fuels/">soll</a> es gewesen sein. Diese sogenannte TAFF-Konferenz (&quot;transitioning away from fossil fuels”) und wie es mit ihr weitergeht ist ein großes Ding, sie wird in absehbarer Zeit einen eigenen Newsletter bekommen, aber wir wollen sie hier nicht unerwähnt lassen – zumal sie an zu vielen Stellen unerwähnt geblieben ist.</p><p>Und damit übergeben wir das Wort an: Jan Hegenberg.</p><h2><strong>Zu Besuch in der Zukunft</strong><br/><em>Das Thema des Monats</em></h2><p>Es dürfte unstrittig sein, dass manche Reiseziele gemessen am Aufwand, überhaupt mal dorthin zu gelangen, doch eher enttäuschend ausfallen, wenn man dort ankommt. Viele Mitreisende im Touristenbus, mit dem ich es eines Tages zur kleinen Meerjungfrau in Dänemark geschafft hatte, machten gemeinsam mit mir eine solche Erfahrung: Die Bronze-Statue findet sich an einem eher abgelegenen Abschnitt des Kopenhagener Hafenbeckens und macht ihrem Namen mit etwas über einem Meter Höhe alle Ehre. Der Mehrwert, unter großer Mühe die eigenen 80 kg Biomasse dorthin bugsiert zu haben, war überschaubar. </p><p>Meine Sorge, dass sich diese Enttäuschung großer Erwartungen beim Besuch von chinesischen Tech-Metropolen wiederholen könnte, war unbegründet. </p><p>Immer wieder hatte ich auf Instagram dieses eine <a href="https://www.instagram.com/reels/DBMHcBUsPqy/">Reel</a> in den Feed gespült bekommen, in dem faszinierte (mutmaßliche) Europäer die unfassbare Geräuschkulisse an einer Kreuzung in Shenzhen einzufangen versucht hatten: Trotz einer Vielzahl motorisierter Fahrzeuge erinnerte sie eher an eine Bibliothek als an das Nachtleben einer Großstadt.</p><figure><a href="https://www.instagram.com/reels/DBMHcBUsPqy/"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a4113f60-b893-42ce-9097-e4a36fe4be80/uploads/images/g6jwhn5x4p/image.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Screenshot eines Insta-Reels, das eine Straßenkreuzung in Shenzhen zeigt."/></a><figcaption>Kommunistische Propaganda?</figcaption></figure><p>War ich auf Propaganda der Kommunistischen Partei reingefallen? Gab es einfach <em>eine</em> besonders leise Kreuzung und der Rest der Stadt ging im gleichen nervtötenden Lärm unter wie seine westlichen Gegenstücke? Kam das ganze am Ende gar von ein paar Funktionären, die einfach die Tonspur manipuliert hatten? Im Zeitalter von KI-generierter <a href="https://www.bbc.com/news/articles/cjd8jrd1vnyo">LEGO-Propaganda</a> aus dem Iran ist ein virales Stadtakustik-Fake kein allzu abwegiger Gedanke.</p><h3>Die Kreuzung der Wahrheit</h3><p>Direkt am ersten Morgen in China wurde mir dann folgende unwirkliche Erfahrung zuteil: </p><p>Ich stand während der Rush Hour im Zentrum von Shenzhen, Chinas am schnellsten wachsender Tech-Metropole, zwischen glitzernden LED-Hochhausfassaden. Die Ampel sprang auf Grün. </p><p>Die Stille war gespenstisch. </p><p>Ich war in der Zukunft zu Besuch. Es war kein Fake. Im Gegenteil, das Ganze war in Persona noch viel überwältigender, als das Reel hatte erahnen lassen. Und das Phänomen ist weder auf eine einzelne PR-Kreuzung noch auf eine bestimmte Zeit oder Stadt beschränkt. </p><p>(Allein für diesen Moment, so eindrucksvoll er auch war, hätte ich natürlich nicht 4 Tonnen CO2 in Flugemissionen in Kauf genommen. Ich war nach China gereist, um führende Batteriehersteller und andere Protagonisten der Energiewende zu besuchen, als Grundlage für ein Buch.)</p><p>Anfang der 80er Jahre wohnten in der Stadt etwa so viele Menschen wie in Bielefeld (um die 300.000). Heute ist Shenzhen mit 17,5 Millionen Menschen dank ihres Status als Sonderwirtschaftszone und der damit verbundenen Ansiedlung zahlreicher Tech-Firmen die drittgrößte Stadt Chinas, mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen des Landes.</p><p>Wenn hier eine Ampel auf Grün springt, erwartet mein in Jahrzehnten deutsch konditioniertes Gehör das typisch anschwellende Grollen dutzender Motoren in Autos, Bussen und vor allem von den vielen Zweirädern. Aber all diese Gefährte sind hier bereits zu einem sehr großen Teil elektrisch.</p><p>Besonders E-Roller sind sehr beliebt, also keine Scooter, sondern das Pendant einer Vespa. Vor so mancher großen U-Bahn-Station fühlt man sich an große Bahnhöfe in den Niederlanden erinnert, nur dass hier viele hunderte E-Roller anstatt Fahrrädern abgestellt sind. Klassische Verbrenner-Roller schienen tatsächlich komplett verboten zu sein, sie kommen einfach nicht vor.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a4113f60-b893-42ce-9097-e4a36fe4be80/uploads/images/yqojvvsg7k/image.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Viele E-Roller parken vor einem Bahnhof."/><figcaption>E-Roller-Holland.</figcaption></figure><p>Zwei Räder verursachen weniger Abrollgeräusche als vier, zumal wenn sie so klein sind wie bei den Rollern, so dass Szenen großstädtischer Geschäftigkeit mit Dutzenden dieser auch bei Lieferdiensten sehr beliebten Gefährte in vollkommener Stille stattfinden, solange niemand hupt.</p><p>Aufkommendes Gefühl von Heimweh nach dem klassischen Zweitaktergeräusch eines Mofas: Null. Verlangen, auch europäische Straßencafés bei dieser himmlischen Stille genießen zu können: Hundert.</p><p>Auch Straßenreinigung, Müllabfuhr, Wartungsfahrzeuge, Lieferwagen surren überwiegend elektrisch über die Kreuzungen der Stadt. Selbst die kleinen, rustikal wirkenden dreirädrigen Transportfahrzeuge, mit denen nicht gerade reich aussehende Chinesinnen Obst und Gemüse zum Wochenmarkt fahren, scheint jemand umgerüstet zu haben: Rein äußerlich scheinen sie aus der Zeit vor dem Mauerfall zu stammen, aber innen summt ein Elektromotor.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a4113f60-b893-42ce-9097-e4a36fe4be80/uploads/images/2t2ghbw3ei/image.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Eine elektrifzierter dreirädriger Mülltransporter"/><figcaption>Sieht aus, als müsste es laut sein. Ist leise.</figcaption></figure><h3>Warum eigentlich?</h3><p>Dass so viele Chinesen den Benzin- gegen einen Elektromotor eintauschen, hat natürlich wenig damit zu tun, dass sie alle Fridays for Future auf Instagram folgen (ist da sowieso blockiert). </p><p>Für den Umstieg hin zum Elektromotor spielten Lärm oder Klimaschutz zunächst keine große Rolle, es war primär die schlechte Luftqualität, die eine Umstellung immer dringlicher machte. </p><p>Die angenehme Stille ist also ein netter Nebeneffekt. Genauso die Unabhängigkeit der Bevölkerung von Benzinpreisen: Der Strom für 100 Kilometer Fahrt mit einem E-Roller kostet etwa einen Euro, das ist auch mit chinesischen Löhnen kein großer Posten (ein einfaches Abendessen kostete in den boomenden Städten etwa 3 Euro).</p><p>Elektrisch fahren ist also nicht nur reizvoll, weil es sauber ist und dazu beiträgt, dass man durch die Luft in chinesischen Großstädten wieder <a href="https://theconversation.com/how-china-cleaned-up-its-air-pollution-and-what-that-meant-for-the-climate-270170">durchgucken</a> kann, sondern auch, weil es unschlagbar preiswert ist. Das Benzin war zur Zeit meines Besuchs (März 2026) aus deutscher Sicht mit etwa einem Euro pro Liter vergleichsweise günstig. Wer aber wer sein E-Auto laden will, zahlt dafür selbst mitten im reichen Shanghai nur etwa 20 Cent/kWh, in ländlichen Gebieten eher 7 bis 8 Cent/kWh. Die Ladekosten liegen damit bei 1,20 € bis 3 € auf 100 km, verglichen mit 6 bis 7 Euro für einen Benziner, und das sogar noch vor dem inzwischen weltweit  einschlagenden Straße-von-Hormus-Bonus. Elektrisch rechnet sich, das hat auch ein Erstklässler schnell durchschaut.</p><p>Aber natürlich dürfen wir neben all diesen sehr pragmatischen Erwägungen hoffen, dass auch die Chinesen ihre Kinder lieb haben: Beim Mittagessen mit dem CEO eines Wechselrichter-Herstellers für Solaranlagen mit guten internationalen Kontakten habe ich ihn gefragt, ob er des Vorwurfs überdrüssig sei, China sei der Klimawandel egal. Seine Antwort war erst ein Augenrollen gefolgt von (sinngemäß): Ich mache mir genauso Sorgen um die Zukunft meiner Kinder wie Eltern in Europa und vermutlich mehr als Eltern in Amerika. Seine Sorge sei aber nicht, dass wir als Menschheit das technisch oder ökonomisch nicht schaffen, sondern dass es an Kooperation mangelt. Dass bestimmte Länder mit sehr viel Einfluss und Finanzkraft ihrer Verantwortung nicht gerecht werden und stattdessen mit dem Finger auf andere Länder zeigen, die einen Rückstand haben. Deswegen ermutige er seine Kinder dazu, Erfahrungen im Ausland zu sammeln, in der Hoffnung, die nächste Generation begreife das als gemeinsame Aufgabe.</p><h3>Im Zug</h3><p>Aber genug der Sentimentalität! Zurück zu kalten, harten, technologischen Fragen. Und Krach. </p><p>Die Geräuschkulisse in chinesischen Hochgeschwindigkeitszügen steigt mit der Zahl der Passagiere exponentiell. Ohne Noise-Cancelling-Kopfhörer muss man sich mitunter eine Menge Tonspuren lustiger Kurzvideos der chinesischen Tiktok-Variante anhören. Aber: Die Züge sind extrem pünktlich. Meine Verspätungsrate bei sechs Zugreisen lag bei, ich rechne kurz, null Prozent.</p><p>Man ist dann im Vergleich schnell versucht, sich über Signalstörungen, Zugtrennungen und die Deutsche Bahn ganz allgemein zu ärgern, aber um der deutschen Bahn gegenüber fair zu bleiben: Mit diesen Möglichkeiten wären deutsche Züge auch viel pünktlicher.</p><p>Das fängt schon mit dem schieren Personalaufwand an: Einfach zum Bahnsteig gehen, an dem euer Zug abfährt? Nein nein nein, das könnt ihr vergessen: Auf den Zug wartet man in der Bahnhofshalle, die eher wie ein Flughafen mit Gates organisiert ist. Fünfzehn Minuten vor Ankunft eures Zuges wird der Bahnsteig freigegeben, und schon dann werden alle Tickets kontrolliert. Auf dem Bahnsteig selbst steht wieder Personal und bugsiert euch an die Stelle, an der euer Wagon halten wird, und auch im Wagon selbst werdet ihr begrüßt und bekommt den Weg gezeigt. Keine Fahrt verzögert sich, weil Gudrun für ihren Mann die Tür blockiert, der mal wieder zu spät vom Hotel aufgebrochen ist und jetzt mit rotem Kopf über den Bahnsteig stolpert.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a4113f60-b893-42ce-9097-e4a36fe4be80/uploads/images/pocpfpc7p5/image.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Bahnhofshalle"/><figcaption>Ordnung.</figcaption></figure><p>Die Züge fahren so gut wie immer auf aufgeständerten Strecken in 30 Meter Höhe, wie es auch für den deutschen Transrapid geplant war. Für unbefugte Personen im Gleis also eine ziemliche Herausforderung, da haben es selbst sehr ambitionierte Unbefugte schwer. Die Pfeiler werden seriell gefertigt; sie sind daher schnell zu bauen, dass es das Land in weniger als 20 Jahren von 0 auf 40.000 km Hochgeschwindigkeitstrasse geschafft hat – mehr als alle anderen Länder der Welt zusammen.</p><p>Auf diesen Strecken sind weder S-Bahnen noch Güterzüge unterwegs, anders wären die hohen Taktfrequenzen auch nicht einzuhalten, und so ziehen sich aus manchem großen Bahnhof gleich mehrere Brücken in mehrere Himmelsrichtungen davon, jeweils eine für die Anbindung an eine andere Stadt. Es wird nicht gebaut, was jetzt nötig ist, sondern was zukünftig vermutlich nötig wird.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a4113f60-b893-42ce-9097-e4a36fe4be80/uploads/images/f5cnuisfnr/image.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Riesige Betonpfeiler in der Landschaft, aus dem Zugfenster fotografiert."/><figcaption>Für den Fall, dass hier nochmal ne Highspeedstrecke hin soll, gibt es schon mal Betonpfeiler.</figcaption></figure><p>Mit solchen Überkapazitäten läuft ein Zugnetz natürlich anders als mit einem einzelnen stark belasteten Gleis von Hamburg nach Rendsburg.</p><p>Das klingt in deutschen Ohren erst mal paradiesisch, ist aber nur möglich, weil es keinen Rechtsanspruch gibt, wenn einer der gewaltigen Stahlbeton-Pfeiler im Vorgarten einer Rentnerin verankert werden soll. Bei der Fahrt durch die Außenbezirke großer Städte sieht man, was es bedeutet, wenn so ein Projekt Priorität genießt. Rücksicht auf Anwohner kann man hier komplett vergessen, die Strecken laufen direkt neben Wohnhäusern entlang, an Sportplätzen, durch kleinteilige Agrarflächen und so weiter – so wie Autobahnbrücken, Hochbahnen und sonstige Infrastruktur auch.</p><p>Gerade die lauten Stimmen, die sich beklagen, dass Infrastrukturprojekte in Deutschland ja viel länger dauern, müssen sich fragen, ob das nicht vielleicht auch Vorteile hat. Die Vorstellung, mit 350 km/h von Frankfurt nach München oder direkt nach Barcelona zu schweben, darf ruhig unser Ziel sein, aber vielleicht nicht, indem wir überall auf der Strecke Hochbrücken mitten durch Stadtteile fräsen.</p><p>Solange man im Zug sitzt, ist das allerdings ziemlich charmant, denn auf der Strecke von Wenzhou nach Shanghai – knapp 500 Kilometer –  ist man mit dieser Geschwindigkeit sowohl schneller, als auch günstiger, als auch spontaner unterwegs als im Flugzeug. Da kannst du im Zweifel Klimaschutz noch so sehr hassen, du wirst trotzdem den Zug nehmen.</p><p>Zurück im reichen, lauten Deutschland kommt man dann schon ins Grübeln. Natürlich haben Staaten mit einer so niedrigen Lohnstruktur und einem so mächtigen Staatsapparat andere Möglichkeiten als eine liberale Demokratie. Würden wir so viel Personal das Einsteigen in einen ICE überwachen lassen, wären unsere Fahrkarten vermutlich nicht gerade günstiger. </p><p>Und ein Staat, der mir jederzeit einfach eine ICE-Trasse in den Vorgarten stellen kann, ist vielleicht auch nicht unbedingt erstrebenswert.</p><p>Aber eine Strategie, mit der Bahnfahren bezahlbar, zuverlässig und eine richtig gute Alternative zum Flugzeug und zum Auto wird, ist auch mit deutschen Löhnen <a href="https://www.allianz-pro-schiene.de/themen/infrastruktur/investitionen/">machbar</a>. Wenn man denn will. Und dass bei uns immer noch 3 von 4 neu verkauften Autos fossiles Zeug verbrennen, hat nichts mit Machbarkeit zu tun, sondern mit Lobbyarbeit und dem Ausbremsen sauberer Technologien.</p><h3>Auf ins Industriemuseum?</h3><p>Wir können gerade in Echtzeit <a href="https://ember-energy.org/latest-updates/chinese-solar-exports-double-in-a-month-to-hit-record-high-amid-energy-crisis/#:~:text=Data%20analysed%20by%20global%20energy%20think%20tank,GW%20in%20March%2C%20double%20the%20previous%20month.">beobachten</a>, wie aufstrebende Länder ohne eigene fossile Autoindustrie sich bei hohen Ölpreisen immer häufiger für die elektrischen Lösungen entscheiden. Bald stellen sie ihre eigenen Videos von lautlosen Kreuzungen ins Netz – aus Hanoi, Jakarta oder Mumbai.</p><p>Und kommen Menschen von dort dann zu uns zu Besuch, werden sie staunende Blicke tauschen: Das ist Deutschland? Hochburg der Ingenieurskunst? Wie leben die denn hier? Zurück zu Hause werden sie erzählen: Da ist alles voller Krach und Abgase, wie in den alten Filmen, und niemanden stört es! Und alle so hä?</p><p>China ist auf dem Weg, der erste echte Elektrostat zu werden. Wir sehen dort die ersten Ausläufer einer anderen möglichen Zukunft. Wir ahnen, wie das Leben in einer Welt aussehen könnte, in der wir den ganzen fossilen Mist hinter uns lassen. Für mich war das alles in der Theorie nicht neu, aber es ist einfach ein ganz anderes Ding, diese Zukunft aus nächster Nähe zu erleben.</p><p>Das Land hat 2024 über 900 Milliarden Dollar in saubere Energien investiert. Das ist fast so viel wie der gesamte Planet im selben Zeitraum in die Versorgung mit fossilen Brennstoffen investiert hat. Was es dafür bekommt: </p><ul><li><p>Über <strong>ein </strong><a href="https://www.carbonbrief.org/analysis-clean-energy-drove-more-than-a-third-of-chinas-gdp-growth-in-2025/"><strong>Drittel</strong></a><strong> des gesamten chinesischen Wirtschaftswachstums</strong> entfällt auf den Sektor saubere Energie. </p></li><li><p>Der Anteil von Elektroautos an den Neuzulassungen hat 2025 die <a href="https://electrek.co/2025/08/29/electric-vehicles-reach-tipping-point-china-surge-51-market-share/"><strong>50-Prozent-Marke</strong></a> überschritten; 2020 hatte er noch bei <a href="https://solartechonline.com/blog/chinese-electric-ev-cars-market-analysis-2025/">sechs Prozent </a>gelegen.</p></li><li><p>Allein durch den Rückgang der Luftverschmutzung, der mit der Elektrifizierung einhergeht, hat sich die <a href="https://aqli.epic.uchicago.edu/post/china-s-air-quality-policies-have-swiftly-reduced-pollution-improved-life-expectancy-en">Feinstaubbelastung</a> in China um fast die Hälfte verringert und die durchschnittliche <strong>Lebenserwartung um fast zwei Jahre erhöht</strong>.</p></li><li><p>Wäre Chinas Erneuerbare-Energien-Sektor ein eigenes Land, dann wäre es die <a href="https://www.carbonbrief.org/analysis-clean-energy-drove-more-than-a-third-of-chinas-gdp-growth-in-2025/"><strong>achtgrößte</strong></a><strong> Volkswirtschaft</strong> der Welt.</p></li><li><p>China <a href="https://climateactiontracker.org/countries/china/">produziert</a> <strong>80 Prozent aller weltweit hergestellten Solarmodule, 60 Prozent aller Windturbinen, 75 Prozent aller Elektroautos und Batterien</strong> –  und exportiert all das überall dorthin, wo es gebraucht wird. Damit verändert China im Alleingang fundamental die globale Ökonomie der Energiewende; eine Chance, die reihenweise aufstrebende Länder gerade für einen <a href="https://www.sz-dossier.de/tiefgaenge/wie-chinas-solarindustrie-afrikas-energiewende-ermoeglicht-6e437af9">Bocksprung</a> über die fossilen Technologien hinweg in die Zukunft nutzen.</p></li></ul><p>Das ist das gewaltige Hintergrundrauschen der Abwesenheit von Lärm, die man auf jeder Kreuzung in Shenzhen leise und deutlich hören kann.</p><p>Währenddessen in Deutschland: </p><figure><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fcdn.shop.spiegel.de%2Fmedia%2F7e%2F96%2F9d%2F1776935938%2FMM_2026_05_Printtitel.jpg%3Fts%3D1776935957?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=eddc18742b23c6953dbdffb07ab187a3" alt="Ein Cover des Manager-Magazins zeigt Wirtschaftsministerin Reiche, Öl fließt das Bild herunter wie Blut."/><figcaption>Ja, wir haben auch erst gedacht, das kann nicht echt sein.</figcaption></figure><p>Wir haben echte Chancen auf einen faszinierenden Kuriositätenstatus. Hat natürlich einen gewissen musealen Reiz. </p><p>Oder, Alternativvorschlag: Wir kriegen die Kurve, hören mit dem irrationalen Festhalten an schmutziger Technologie von gestern und dem Fingerzeigen auf andere auf und machen vor, wie man auch ohne Diktatur Zukunft machen kann. </p><p>Wir haben schon einmal die Welt mit einer bahnbrechenden Technologie auf den Kopf gestellt, aber die ist inzwischen weit über 100 Jahre alt und bricht schon sehr lange keine Bahn mehr. Die Herren Daimler, Benz und Diesel wären heute die ersten, die sagen würden:  </p><p>Es ist Zeit für was Neues.</p><p><em>Jan Hegenberg</em></p><p><a href="https://steady.page/de/superredaktion/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><h2><strong>Lösung sein.</strong><br/><em>Handreichungen fürs Selbermachen</em></h2><p>Das <a href="https://www.instagram.com/reels/DBMHcBUsPqy/">Bild</a> der lautlosen Kreuzung in Shenzhen ist viral gegangen, weil es umittelbar erfahrbar macht, was eine konsequent umgesetzte Energiewende für den Alltag bedeuten kann. Aber was heißt “viral gegangen”? Hast du es gekannt? Vermutlich nicht. Hunderttausende haben es gesehen, aber die allermeisten von ihnen werden Strom-Nerds gewesen sein (sorry, Jan!). </p><p>Wenn du eine Plattform hast: Teil es, erzähl davon - nicht als China-Begeisterung, sondern als kognitiver Kontrast: Was woanders normal ist, wirkt hier wie science fiction. Die Wahrnehmungslücke, die wir haben, ist riesig. Die meisten Menschen in Deutschland wissen nicht, was in China gerade passiert und was das mit der Welt macht, und das hat politische Konsequenzen und macht es den falschen Kräften leichter, uns Unsinn und Halbwahrheiten zu erzählen. Diese Lücke zu verkleinern ist ein großer Hebel, dabei kannst du helfen.</p><p>Und natürlich kannst du Jan unterstützen, indem du sein Buch <a href="https://www.buch7.de/produkt/klima-bullshit-bingo-spiegel-bestseller-jan-hegenberg/1048217657?ean=9783831206353"><em>Klima Bullshit Bingo</em></a> kaufst. Das übrigens wirklich gut ist, weil es zwei seltene Eigenschaften vereint: Es ist wasserdicht recherchiert <em>und</em> lustig, du bist damit argumentativ für jeden Stammtisch bestens gerüstet.</p><h2><strong>Freunde treffen.</strong><br/><em>Die Empfehlungen des Monats</em></h2><h3>Fun Facts, nie falsch</h3><a href="https://www.funfacts.de/"><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fgoldeimer.de%2Fcdn%2Fshop%2Ffiles%2FLogo-Funfacts.png%3Fv%3D1774392766%26width%3D520?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=146b71733b6646b3217ba6ae0134770b" alt="Logo von Fun Facts"/></a><p>Wir müssen schon wieder Fun Facts empfehlen, und zwar gleich zwei Folgen: In <a href="https://tube.funfacts.de/w/vT7YzMmUApsr1owUCVhmoy">dieser hier</a> erzählt die Neurowissenschaftlerin Maren Urner all das über Timmy den Wal, was uns in der allgegenwärtigen Berichterstattung gefehlt hat. Sie macht damit aus einem Hype, für den sich jetzt schon niemand mehr interessiert, eine überaus relevante Geschichte über die universellen Fallstricke menschlichen Denkens. Und in <a href="https://tube.funfacts.de/w/pYnvDRPK9o9KzD618Jcbvb">dieser hier</a> spricht Marc-Uwe Kling über Strompreise und wer sie wirklich teurer macht – das ist notwendiges Wissen, höchst unterhaltsam verpackt.</p><h3>“Plantfluencing”</h3><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a4113f60-b893-42ce-9097-e4a36fe4be80/uploads/images/2zk2dj64an/image.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Ein Name wie ein Gedicht: Robingia Schnögelrögel. Auf seinem <a href="https://www.instagram.com/robinga_schnoegelroegel/">Gärtnerei-Insta-Kanal</a> koddert über Pflanzen, so dass es a) lustig ist und b) kenntnisreich und c) das Thema Artenvielfalt, das echt nicht so einfach gut zu erzählen ist, auf ein schnelles, unterhaltsames, lehrreiches Format einkocht. Der “Plantfluencer” (Selbstbezeichung) kommt damit so gut an, dass er dafür sowohl mit dem Grimme Online Award als auch mit dem Medienpreis der Deutschen Umwelthilfe ausgezeichnet wurde – und zwar <em>am selben Tag</em>! Besondere Empfehlung: Die Reihe <em>Pflanzen, die ich hasse</em>, in der er Pflanzen beschimpft, aber nie ohne guten Grund. </p><h3>Wholesome!</h3><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fencrypted-tbn0.gstatic.com%2Fimages%3Fq%3Dtbn%3AANd9GcSl696N4MdYhkeOfaDpj9ISLWIOiZqiS_svgh6wLdYvVfVhGo5q7cZHev1H%26s%3D10?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=e1ce7da13ca4dd428c37d7f307b5014f" alt=""/><p>Und wo wir schonmal beim Gärtnern sind: <a href="https://www.netflix.com/de/title/81902230"><em>This is a Gardening Show</em></a> mit Zach Galifianakis ist ein Doku-Format auf Netflix. Lustig ist das auch, aber geschimpft wird hier nicht, im Gegenteil, es geht maximal gemütlich zu, das richtige Wort dafür gibt es nur auf Englisch: <em>Wholesome.</em></p><p>Galifianakis spricht mit Kindern über Äpfel und Tomaten, besucht exzentrische Garten- und Landwirtschaftmenschen, ist schrullig und staunt viel und wir staunen mit. Das Ganze ist wundervoll gefilmt und musikalisch untermalt und macht große Lust, mit den eigenen Händen in der Erde zu wühlen und besser zu verstehen, wie wir uns ernähren und was das mit der Welt macht. Und ja, die Serie suggeriert ein bisschen, dass alles besser wäre, wenn wir alle zurück aufs Land gingen und unser Essen selber anbauten – leider eine nicht ganz ungefährliche <a href="https://www.monbiot.com/2023/10/04/the-cruel-fantasies-of-well-fed-people/">Fehlannahme</a>, denn auch wenn das Bauchgefühl und die Romantik etwas ganz anderes sagen, am nachhaltigsten lebt es sich in einer großen Stadt.</p><p>Aber es überwiegt doch das wohltuende Entschleunigen, Innehalten und Lernen über all die sprießenden Wunderwerke um uns herum.</p><h3>Klartext</h3><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.marktundmittelstand.de%2Ffileadmin%2Fuser_upload%2FBildschirmfoto_2026-05-18_um_17.49.12.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=87155c151c8b31f5233fbfdc25cfba89" alt="Cover &quot;Kurzschluss&quot; von Claudia Kemfert"/><p>Claudia Kemfert leitet am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin die Abteilung für Energie, Verkehr und Umwelt. Außerdem ist sie seit Jahren als prominente öffentliche Stimme aus dem deutschen Wissenschaftsbetrieb ein Dorn im Fuß der Fossilen, ungeachtet zahlloser Anfeindungen aus den graumelierten Reihen der Männer, die die Welt verbrennen. In ihrem Buch &quot;<a href="https://www.buch7.de/produkt/kurzschluss-claudia-kemfert/1063822484?ean=9783593521855">Kurzschluss</a>&quot; rechnet sie ab: mit politischen Entscheidungen, die uns teuer zu stehen kommen, mit dem zweckentfremdeten Begriff der &quot;Technologieoffenheit&quot; als Blockadestrategie, und mit dem hartnäckigen Mythos der Dunkelflaute. Wer genauer wissen will, wie die politische Dimension der deutschen Energiepolitik aussieht, inklusive orchestrierter Desinformationskampagnen mit allem, was dazugehört, lese hier nach.</p><p><a href="https://steady.page/de/superredaktion/posts">Alle Posts anzeigen</a></p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Dieser Newsletter ist nur durch eure finanzielle Unterstützung möglich! Daher ein großes Dankeschön an alle, die uns unterstützen.</em></p><p><em>Wenn du noch nicht dabei bist, </em><strong><em>freuen wir uns sehr über Spenden</em></strong><em> (und können auch mit Spendenbescheinigungen dienen wenn gewünscht).</em></p><p><em>Global Eco Transition gGmbH | IBAN: DE62 4306 0967 1230 6808 00 | BIC: GENODEM1GLS | Verwendungszweck: ”Spende Superredaktion”</em></p><p><strong><em>Wichtig:</em></strong><em> Spenden kommen bei uns nur an, wenn der Verwendungszweck richtig angegeben wird.</em></p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Du willst </em><strong><em>deine Reichweite nutzen</em></strong><em>, um auf Klimathemen aufmerksam zu machen? Wir helfen dir dabei! Schreib uns gerne eine Mail an</em> <a href="mailto:info@superredaktion.de">info@superredaktion.de</a> – <em>wir sind freundlich, wissen Sachen und </em><strong><em>kosten dich nichts</em></strong><em>.</em></p><p><em>Du kennst Menschen, denen dieser Newsletter auch helfen könnte? Dann teile ihn gerne!</em></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/a4113f60-b893-42ce-9097-e4a36fe4be80/teaser_image/1781164116?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Thu, 11 Jun 2026 07:48:36 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[The Story of Quatsch: Aus dem Internet ins volle Leben]]></title>
      <description><![CDATA[Heute: Schädlicher Unsinn auf Social Media. Wo kommt er her? Wo geht er hin? Wie wird er uns gefährlich, und was kannst du dagegen tun? ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Willkommen im Newsletter der Superredaktion – die (fast) monatliche Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete Anpackmaterialien für Menschen mit Lust auf Zukunft.</p><p>Heute: Schädlicher Unsinn auf Social Media. Wo kommt er her? Wo geht er hin? Wie wird er uns gefährlich, und was kannst du dagegen tun? Spoiler: Das größte Problem ist nicht der Algorithmus. Es ist <em>der Mensch</em>.</p><p>Und bevor wir einsteigen, wie immer eine Handvoll guter Nachrichten aus aller Welt.</p><h2><strong>Inhalt</strong></h2><ul><li><p><strong>Froher werden. Die guten Nachrichten.</strong></p><ul><li><p>Stahlindustrie aufgeräumt</p></li><li><p>Tiefseebergbau abgesagt</p></li><li><p>Strompreise entkoppelt</p></li><li><p>Wärmepumpe verstanden</p></li></ul></li><li><p><strong>The Story of Quatsch: Aus dem Internet ins volle Leben</strong></p><ul><li><p>Der Durchschnittsmensch im Internet ertrinkt nicht in Desinformation.</p></li><li><p>The Science of Social Media Quatsch</p></li><li><p>Zahlreiche zahnarme Trolle</p></li><li><p>“Be water, my friend.” (Albert Einstein)</p></li><li><p>Quatsch-Geburtshilfe: Elitenkommunikation</p></li><li><p>Das Atlas-Netzwerk und ein Beispiel aus der deutschen Debatte</p></li></ul></li><li><p><strong>Lösung sein. Handreichungen fürs Selbermachen.</strong></p></li><li><p><strong>Freunde treffen. Die Empfehlungen des Monats.</strong></p><ul><li><p>Fun Facts</p></li><li><p>Hope Facts</p></li><li><p>Watt Facts</p></li><li><p>Nuke Facts</p></li><li><p>Shark Facts</p></li></ul></li></ul><p><a href="https://steady.page/de/superredaktion/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><h2><strong>Froher werden.</strong><br/><em>Die guten Nachrichten</em></h2><h3>Stahlindustrie aufgeräumt</h3><p>Über 80 Prozent der Stahlwerke in China haben auf emissionsärmere Verfahren <a href="https://www.mysteel.net/news/5113961-cisa-more-chinese-steelmakers-adopt-ultra-low-emission-processes">umgestellt</a> und damit ungefähr acht Kohlekraftwerke an Emissionen eingespart. Warum ist das wichtig? Weil die Stahlherstellung für 7 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich ist, und China für über die Hälfte der Stahlherstellung.</p><h3>Tiefseebergbau abgesagt</h3><p>Die Ratsversammlung der Internationalen Meeresbodenbehörd (ISA) im März hat, entgegen vieler Befürchtungen, ein weiteres Mal dem Tiefseebergbau eine <a href="https://www.stiftung-meeresschutz.org/themen/tiefseebergbau/internationale-meeresbodenbehoerde-international-seabed-authority-isa/">Absage</a> erteilt – und sogar angekündigt, einem der Unternehmen, das womöglich etwas zu eifrig war in seinen Erkundungsdbemühungen in der Tiefsee, mit einer Ermittlung wegen Verdacht auf Vertragsbruch zu Leibe zu rücken. Warum ist das wichtig? Weil viel zu wenig Leute den Tiefseebergbau überhaupt als die massive Bedrohung für Arten-, Klima-, Meeresschutz auf dem Schirm haben, die er ist, und ein paar wenige, aber sehr mächtige Akteure großen Druck ausüben, trotzdem damit anzufangen. Wir haben schonmal was <a href="https://steady.page/de/superredaktion/posts/23dcbb7a-ea5d-4f84-9628-2e66789d1977">Größeres</a> dazu aufgeschrieben.</p><h3>Strompreise entkoppelt</h3><p>Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg von USA und Israel gegen den Iran verursacht Leid und Elend für eine Bevölkerung, die weiß Gott schon genug Leid und Elend hat aushalten müssen – aber er macht auch, wie man überall liest, UNSER BENZIN TEURER! Was er <em>nicht </em>im selben Maße verteuert, anders als der völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine es zu Beginn tat, und das liest man seltener: <a href="https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-03-17/why-europe-s-power-prices-aren-t-soaring-like-gas">Unseren Strom</a>. Weil ganz Europa massiv in Windräder und Solaranlagen investiert hat und wir daher heute viel weniger Gas in der Stromerzeugung verbrauchen und viel mehr Sonne und Wind, die uns keiner verteuern kann. Wer sich ein bisschen in die Details rein-nerden möchte, wie das genau funktioniert, kann sich den Effekt für Deutschland <a href="https://www.energy-charts.info/energy-charts_talks/Energy-Charts_Talks_58_Strompreis.mp4">hier</a> mit großer Ruhe und Sachlichkeit von Bruno Burger von den <a href="https://www.energy-charts.info/index.html?l=de&amp;c=DE">Energy Charts</a> am Fraunhofer ISE erklären lassen.</p><h3>Wärmepumpe verstanden</h3><p>Eine <a href="https://www.wiwo.de/technologie/umwelt/neues-heizungsgesetz-waermepumpen-sind-auch-unter-afd-waehlern-am-beliebtesten/100201339.html">Mehrheit</a> der deutschen Hausbesitzer würde sich beim nächsten Heizungstausch für eine Wärmepumpe entscheiden – und zwar unabhängig von der politischen Überzeugung, und trotz monatelanger Kampagnen gegen die Technologie. Ja, richtig, das gilt auch für die Anhänger der einen Partei, bei der man es am wenigsten annehmen würde. Schlägt auf die lange Strecke womöglich doch noch die Physik die Ideologie? (Ja.)</p><h2><strong>The Story of Quatsch: Aus dem Internet ins Leben.</strong><br/><em>Das Thema des Monats</em></h2><ul><li><p><em>Der Durchschnittsmensch begegnet Desinformation im Internet viel seltener, als wir denken – und ändert seine Meinung dadurch noch seltener.</em></p></li><li><p><em>Gesellschaftlich relevant wird Quatsch aus dem Internet erst durch </em><strong><em>Elitenkommunikation</em></strong><em> – also dann, wenn Politik, Medien und andere öffentliche Akteure ihn für die Stimme “des Volkes” halten, und ihn dadurch erst relevant machen.</em></p></li><li><p><em>In Ländern, in denen Parteien und Leitfiguren parteiübergreifend auf dem Boden wissenschaftlicher Grundlagen stehen, bleibt der Quatsch in seinen digitalen Nischen.</em></p></li></ul><p><br/>Wir haben “recherchiert” (bei Facebook das Hashtag #Klimalüge eingegeben und den erstbesten reichweitenstarken Beitrag herausgegriffen) und das hier gefunden:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/c9a2eff4-0ade-4822-ab28-4266e37616cb/uploads/images/b2ytq7jzoc/quatsch.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Ein Mann erklärt in einem Video-Standbild das Klima zum Lügen-Narrativ"/><p>Es handelt sich natürlich um hanebüchenen Quatsch. Um welchen Quatsch genau ist jetzt erstmal egal. Klima ist halt irgendwie gelogen, der selbstgewisse Mann im Bild soll uns nur zur Veranschaulichung dienen: Mehr als 16.000 Likes. 340.000 Aufrufe. Der Beitrag wurde darüberhinaus über 5.500 mal geteilt. Fürs deutsche Facebook wirkt das erstmal ganz schön viel, für ganz schön wenig Aufwand und Substanz. </p><p>Was sagen uns solche Zahlen, wenn wir sie als Barometer für einen gesellschaftlichen Zustand betrachten wollen? Werden wir alle durch Klima-Quatsch im Internet zu Klimaleugnern gemacht? Beziehungsweise: Natürlich nicht <em>wir Guten</em>, aber doch bestimmt <em>die anderen</em>? </p><p>Je genauer man hinschaut, desto komplizierter wird die Antwort, aber wir sagen nicht zu viel, wenn wir mysteriös murmeln: UNFASSBAR! WAS WIR JETZT ENTHÜLLEN, HÄTTEN VIELE NIE ERWARTET!</p><h3>Der Durchschnittsmensch im Internet ertrinkt <em>nicht</em> in Desinformation.</h3><p>Wenn wir auf die 340.000 Male schauen, die dieses Video gesehen wurde, wissen wir nicht, wie viele Menschen es gesehen haben. Theoretisch könnte es nur ein Einzelner gewesen sein! Ein besonders fleißiger halt, ein echter Fan.</p><p>Wir wissen auch nicht, mit wem und von wie vielen der Post geteilt wurde – hat er dadurch Menschen erreicht, die das Video sehen und dann deshalb plötzlich sagen, ja, wow, krass, stimmt, schon irgendwie voll die Lüge mit diesem Klima? </p><p>Oder hat er umgekehrt Menschen genau deshalb erreicht, <em>weil</em> sie ohnehin schon überzeugt sind, dass das mit diesem Klima auf jeden Fall gelogen ist?</p><p>Zum Glück sind wir nicht auf Mutmaßungen allein angewiesen. Wir haben reichlich Wissenschaft – und die hat dazu ein paar Dinge zu sagen, die so kaum in unserem Reden über Social Media vorkommen.</p><h3>The Science of Social Media Quatsch</h3><p>(auf Englisch spricht man das übrigens “Kwotsch” aus)</p><p>Über folgende Feststellungen herrscht in der Forschung ein hoher Grad an Einigkeit – zusammengefasst aus sehr vielen Studien in<a href="https://doi.org/10.60625/risj-etxj-7k60"> einem umfassenden Literaturreview des Reuters Institute</a> der Oxford University sowie<a href="https://www.nature.com/articles/s41586-024-07417-w"> einem Überblickspaper in <em>Nature</em></a>:</p><ol><li><p><strong>Durchschnittliche Social-Media-User kommen in ihrem Social-Media-Alltag nur sehr selten mit Desinformation in Kontakt. </strong></p></li><li><p><strong>Diese wenigen Kontakte mit Desinformation machen wiederum bei den meisten, die sie haben, einen verschwindend kleinen Anteil der Feeds aus. </strong></p></li><li><p><strong>Die Feeds wiederum stellen nur einen kleinen Anteil der gesamten Informationsdiät der Menschen, für die das soziale Umfeld und ganz reguläre Medien nach wie vor ebenfalls eine große Rolle spielen. </strong><br/><br/>Die Feststellung, dass viele inzwischen in Befragungen soziale Medien als wesentliche Nachrichtenquelle angeben, steht dazu nicht im Widerspruch, wenn man mitdenkt, dass Nachrichtenquellen insgesamt im Leben der allermeisten Menschen keine allzu große Rolle spielen (und natürlich auch seriöse Nachrichtenquellen auf den sozialen Medien präsent sind). <br/><br/>Und gerade bei Social Media steht der Entertainmentfaktor für die meisten deutlich im Vordergrund. Wenn ich also alle Jubeljahre mal nach Nachrichten suche und das dann auf Insta tue anstatt auf <a href="http://tagesschau.de/">tagesschau.de</a>, ist das immer noch ein Tropfen in einem Meer aus Katzenmemes, Schminktipps, Choreos, Reaction-Videos, Challenges und Urlaubsbildern von Freunden.</p></li><li><p><strong>Winzige Minderheiten mit bereits vorhandenen extremen Haltungen erzeugen den weit überwiegenden Teil der Interaktionen mit extremen Inhalten</strong>. Wie so oft verschleiert der Durchschnitt wichtige Details. Nicht nur ist die durchschnittliche Zahl der Kontakte mit Desinformation sehr niedrig; wenn man sich die Verteilung dieser Kontakte nach politischer Haltung anschaut, wird eine extreme Schieflage sichtbar: </p><ul><li><p>Gut 6 Prozent der YouTube-User waren 2020 für knapp 80 Prozent der Ansichten von extremistischen Kanälen verantwortlich (<a href="https://www.nature.com/articles/s41586-024-07417-w">Nature</a>); </p></li><li><p>von 2016-2019 sah 1 Prozent der US-Bürgerschaft 85 Prozent aller geposteten impfskeptischen Inhalte (<a href="https://www.nature.com/articles/s41586-024-07417-w">Nature</a>) </p></li><li><p>10 Prozent der US-User sahen 98 Prozent der von russischen Influencer-Accounts im Rahmen der Wahl 2016 ausgespielten Inhalte. (<a href="https://www.nature.com/articles/s41586-024-07417-w">Nature</a>)</p></li></ul></li><li><p><strong>In der freien Wildbahn sind Echokammern äußerst selten. </strong>Das extreme Ende des Spektrums ist der einzige Teil des digitalen Raums, in dem es tatsächlich gelungen ist, die Existenz von etwas festzustellen, dass dem vielzitierten Konzept der Echokammer einigermaßen nahekommt – also ein in sich geschlossener Medienraum, in dem ich ausschließlich Informationen ausgesetzt bin, die meine eigene Einstellung bestätigen. <br/><br/>Es besteht ein großes Missverhältnis zwischen ihrer Präsenz in der öffentlichen Debatte und ihrer Präsenz in der Realität. <br/>Die USA sind Spitzenreiter in Sachen politisch einseitige Echokammern, dort bewegen sich bis zu 10 Prozent der Menschen in solchen weitestgehend geschlossenen Medienräumen. In Europa sind es um die 5 Prozent. <br/>Die allermeisten Menschen haben jedoch eine durchaus diverse Mediendiät, und in allen untersuchten Ländern konsumiert eine überwältigende Mehrheit der Leute überhaupt keine Nachrichten online.(<a href="https://reutersinstitute.politics.ox.ac.uk/echo-chambers-filter-bubbles-and-polarisation-literature-review">Reuters</a>) <br/>Die Unterform der “Filterblase” – also eine Echokammer, die entsteht, weil Algorithmen uns in sie hineinsortieren – ist trotz vieler Versuche bisher sogar nirgendwo nachgewiesen worden, denn:</p></li><li><p><strong>Die Algorithmen drücken die Feeds in der Praxis bisher eher in eine <em>moderatere</em> Richtung. </strong><br/>Wirklich wahr! Unter anderem sogenannte “Deaktivierungsstudien” auf verschiedenen Plattformen – also solche, die einer Stichprobe von “normalen” Nutzenden eine Vergleichsgruppe gegenüberstellen, deren Feeds wie in der guten alten Zeit einfach chronologisch und algorithmusfrei aufgebaut sind – fanden regelmäßig, dass der “selbstgemachte” Feed in der Tendenz <em>mehr</em> extreme politische Inhalte enthielt als der vom Algorithmus kuratierte. Das stärkt die Hypothese, dass Menschen vor allem dann in Echokammern sitzen, wenn sie es sich so aussuchen, und zwar weil sie bereits extreme Haltungen haben, nicht umgekehrt.</p></li></ol><p>Das heißt alles ganz und gar nicht, dass die sozialen Medien harmlos sind und es keinen Handlungsbedarf gibt – wir reden hier explizit über die Verbreitungswege von Desinformation, nicht über Sucht, Körperbilder, Geschlechterbilder, Aufmerksamkeitsdefizite, Depressionen, <a href="https://www.mission-wertvoll.org/neu-denken-digitale-sicherheit-mit-martin-andree/">Monopolisierung der digitalen Öffentlichkeit</a>, Datenschutz, digitale sexualisierte Gewalt, Hassrede und was da noch alles begründete Zweifel weckt an der Förderlichkeit unregulierten Social-Media-Gebrauchs für unser aller Wohl.</p><p>Aber es widerspricht vielem von dem, das wir, wenn wir über die schädlichen Einflüsse von Social Media sprechen, inzwischen als Gemeinplätze betrachten. Hier hat sich der öffentliche Diskurs ziemlich weit vom wissenschaftlichen Sachstand entfernt.</p><p>Wir gehen regelmäßig davon aus, dass viele Views und viele Likes zum Beispiel auf klimaskeptischen Desinformations-Inhalten quasi zwangsläufig zu einer Präsenz in sehr vielen Feeds führen und dass der Algorithmus dafür der wichtigste Komplize ist; dass Präsenz im Feed automatisch Wirkung auf Gesinnung, Haltung und Handlung bedeutet; und die sozialen Medien damit der zentrale Treiber von Wissenschaftsfeindlicheit, Klimaleugnerei, Polarisierung in der Gesellschaft sind. Dabei machen wir implizit für jeden Schritt in dieser Kette ganz schön viele Annahmen, die zu weiten Teilen nicht haltbar sind.</p><p><strong>Auf den Punkt gebracht: Reichweitenstarke Posts mit Quatsch drin sind in den meisten Fällen <em>Scheinriesen</em> gesellschaftlicher Relevanz; weder <em>stehen</em> sie dafür, was “das Volk” denkt, noch <em>ändern</em> sie für sich genommen erkennbar etwas daran, was “das Volk” denkt.</strong></p><h3>Zahlreiche zahnarme Trolle</h3><p>Das Beispiel der versuchten russischen Einflussnahme auf die US-Wahl 2016 mag zwar schon ein bisschen in die Jahre gekommen sein, aber es ist symptomatisch. Wahrscheinlich erinnerst du dich auch noch an den Skandal. Vielleicht hast du sogar noch ungefähr die Zahl im Kopf: Russische Trolle von der sogenannten “Internet Research Agency” erreichten mit ihren manipulativen Trump-freundlichen Botschaften im Vorfeld der Wahl allein auf Facebook mehr als 120 Millionen US-Bürgerinnen und Bürger, so Facebook selbst in der <a href="https://www.judiciary.senate.gov/imo/media/doc/10-31-17%20Stretch%20Testimony.pdf">Anhörung</a> vor dem US-Kongress 2017. </p><p>Ziemlich sicher erinnerst du dich nicht daran, dass diese Inhalte nur vier Tausendstel des gesamten auf Facebook ausgespielten Contents ausmachten, wie man dort ebenfalls nachlesen kann. </p><p>Oder dass 70 Prozent der Kontakte mit diesen Inhalten auf Twitter auf nur 1 Prozent der Nutzer entfielen – also zwar viele <em>Views</em>, aber wenig <em>Reichweite</em> produziert haben, zwei Dinge, die wir allzu leicht verwechseln: Wie vor langer Zeit ganz oben erwähnt, sind sowohl Views als auch Shares trügerisch, weil sie keine Rückschlüsse darüber erlauben, ob 1000 Leute für 1000 verantwortlich sind oder 30 für 1000 – ich kann als Einzelmensch einen Inhalt beliebig oft anklicken oder teilen. </p><p>Oder dass die Kontakte stark unter republikanischen Nutzern konzentriert waren, die man eigentlich nicht mehr von Trump überzeugen musste. Die Zahlen kommen aus <a href="https://www.nature.com/articles/s41467-022-35576-9">dieser</a> seriösen Studie, die (ebenso wie <a href="https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.1906420116">diese</a> hier) im Nachgang keinerlei Auswirkungen auf Meinungen oder Wahlabsichten bei Menschen feststellen konnte, die mit den Inhalten auf Twitter in Kontakt gekommen waren. </p><p>Du brauchst aber jetzt kein schlechtes Gewissen haben, dass du dich nicht erinnerst, du hattest keine Chance – weil nämlich kaum jemand über diese Aspekte berichtet hat. War halt weniger spannend. Es ist natürlich trotzdem ein Skandal. Aber einer, der allem Anschein nach beim <em>Versuch </em>der Einflussnahme geblieben ist.</p><p>Was du vermutlich auch nicht auf dem Schirm hast: Es gibt zwar erkennbare Zusammenhänge zwischen Social-Media-Gebrauch und zunehmender Hassrede sowie mit Vertrauensverlust in demokratische Institutionen – aber auch zwischen Social-Media-Gebrauch und demokratischer Teilhabe, politischem Wissen und größerer Meinungsvielfalt. Diese Auswirkungen sind je nach Region und Kontext unterschiedlich gemischt und gewichtet, und zwar ziemlich heterogen. Es gibt jedenfalls <em>keinen</em> erkennbaren Trend, nach dem eine größere Social-Media-Durchdringung in einer Gesellschaft mit größerer Polarisierung einherginge, das geht durchaus in beide Richtungen, so das zentrale Ergebnis eines systematischen <a href="https://www.nature.com/articles/s41562-022-01460-1">Reviews</a> von über 500 Studien aus aller Welt.. </p><p><strong>Die Quintessenz all dieser Erwägungen: Die Haltungen und Meinungen von Menschen zu ändern ist <em>echt nicht so einfach</em>. </strong></p><p>Es in großem Maßstab über die Sozialen Medien zu tun, ist allem Anschein noch eine ganze Ecke schwieriger: Die Effekte sind bestenfalls klein, und in den allermeisten Fällen schon wenige Tage nach der Intervention nicht mehr messbar.</p><h3>“Be water, my friend.” (Albert Einstein)</h3><p>Wir Menschen sind also stur. Und das ist eine gute und eine schlechte Nachricht zugleich, weil sie natürlich bedeutet, dass auch Initiativen wie die unsere, die den Schutz der Lebensgrundlagen und der Artenvielfalt und die Freude an einer sauberen, gesünderen, gerechteren klimaneutralen Zukunft in die Mitte der Kultur hineintragen will – dass also auch die Superredaktion sich darauf einstellen muss, dass es hier nur um eine Politik des steten Tropfens gehen kann. Um einen gemeinsamen Marathon, um eine kollektive Anstrengung über Zeit, bis wir den Kipppunkt erreichen, an dem das Neue dann plötzlich sehr schnell um sich greift und das Normale wird. Nicht um die eine virale Kampagne, die das Ruder spektakulär herumreißt. </p><p>Wir sind darüber auch immer wieder ein bisschen erleichtert, weil es den Druck von der einzelnen Intervention nimmt, die großartigste aller Zeiten zu sein – sei es eine Kampagne, ein Buch, ein Film, ein Post, ein Newsletter, zum Beispiel dieser hier. Er ist einer von vielen, und das weiß er auch.</p><p>Wer schonmal wandern war in den Bergen kennt diese hübschen und irgendwie rührenden Steinmännchen auf der Passhöhe. In vielen Regionen nimmt man vor dem Anstieg einen Stein mit und legt ihn oben auf dem Häufchen ab, wenn man es geschafft hat. Jeder Stein ein Mensch, der eine Herausforderung überwunden hat, jeder Stein ein verdienter Ausblick ins nächste Tal, alle Steine zusammen ein Denkmal. </p><p>So ist das. Unsere Aufgabe ist, selber einen schönen Stein auf den Pass mitzubringen. Und möglichst vielen anderen Lust zu machen, das auch zu tun.</p><p>(Der Wanderverein der fossilen Lobby kommt ohne Stein auf unsere Passhöhe gewandert, ein jedes seiner Mitglieder nimmt einen unserer sorgfältig aufgeschichteten Steine mit ins Tal, sie singen Lieder von Kid Rock und tragen High-Tech-Jacken aus Plastik.)</p><h3>Quatsch-Geburtshilfe: Elitenkommunikation</h3><p>Aber wenn das Überzeugen nun so schwer ist, wie kommt es dann, dass dir immer wieder auch gut informierte, eigentlich vernünftige Leute begegnen, die dir von ihren Zweifeln berichten, ob E-Autos überhaupt wirklich besser sind als Verbrenner? <br/><strong>(</strong><a href="https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/klimavorteil-fuer-e-autos-bestaetigt"><strong>Sind sie</strong></a><strong> – schon ein 2020 in D angemeldeter ein Stromer generiert über seine gesamte Lebenszeit, inklusive Herstellung und Entsorgung, 40 Prozent weniger CO2 als ein Öltimer, und die Ersparnis wird naturgemäß umso größer, je sauberer der Strom in Deutschland wird.)</strong></p><p>Die denken, dass Deutschland ja kaum zur Klimakrise beiträgt im Vergleich zu [anderes Industrieland einsetzen, in der Regel China] und deswegen auch weniger Verantwortung für Veränderungen hat?<br/><strong>(Erstens unlauter gerechnet – wir sind </strong><a href="https://ourworldindata.org/grapher/co-emissions-per-capita?country=DEU~CHN"><strong>pro Kopf</strong></a><strong> ziemlich gleich auf – und zweitens rennt </strong><a href="https://www.agora-energiewende.de/aktuelles/elektrifizierung-und-erneuerbaren-ausbau-chinas-emissionsanstieg-flacht-ab"><strong>China</strong></a><strong> inzwischen weltweit am schnellsten Richtung Transformation, chinesische </strong><a href="https://www.carbonbrief.org/analysis-chinas-co2-emissions-have-now-been-flat-or-falling-for-21-months/"><strong>Emissionen</strong></a><strong> steigen schon seit fast zwei Jahren nicht mehr, und es mehren sich die Anzeichen, dass sie sogar schon systematisch zu sinken begonnen haben. Von den massiven Auswirkungen der günstigen chinesischen Technologien auf die Energiewende im Rest der Welt ganz zu schweigen.)</strong></p><p>Oder die der Überzeugung sind, dass Wärmepumpen in Altbauten nicht funktionieren und/oder 150.000 Euro kosten? <br/><strong>(</strong><a href="https://www.ise.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/presseinformationen/2025/waermepumpen-heizen-auch-im-altbau-klimafreundlich-forschungsprojekt-des-fraunhofer-ise-abgeschlossen.html"><strong>Beides</strong></a><strong> </strong><a href="https://www.adac.de/rund-ums-haus/energie/versorgung/waermepumpe-funktion-kosten-foerderung/"><strong>falsch</strong></a><strong>. Natürlich gilt: Je besser gedämmt, desto effizienter, aber das ist unabhängig davon, ob man mit Öl oder Gas oder Strom heizt. Und insbesondere mit den aktuellen Fördermöglichkeiten rechnet sich eine Wärmepumpe oft schon nach wenigen Jahren. Wenn selbst der ADAC so argumentiert, muss ja wohl was dran sein…)</strong></p><p>Wieso <em>kennen</em> so viele von uns die irreführenden Geschichten, die zu großen Teilen in den Sozialen Medien aufgekocht, aufbereitet, wiedergekäut werden, obwohl wir ihnen dort kaum begegnen, wenn wir nicht gezielt danach suchen?</p><p>Wir haben festgestellt, dass Quatsch aus dem Internet mit großer Wahrscheinlichkeit nicht direkt aus den Bildschirmen in Millionen Gehirne schwappt.</p><p>Wir haben <em>nicht</em> festgestellt, dass der Quatsch sich nicht auf anderen Wegen aus dem digitalen Raum heraus in den breiten gesellschaftlichen Diskurs hineinbahnt, um dort Unheil anzurichten.</p><p>Auch hier gibt uns die Wissenschaft ganz gute Hinweise, wie das funktioniert. Das Schlüsselwort heißt <strong><em>Elitenkommunikation</em></strong><em>, </em>ein Befund, der in der <a href="https://doi.org/10.60625/risj-etxj-7k60">Forschung</a> zu Klima und COVID besonders gut dokumentiert ist: </p><p><strong>Dafür, dass Quatsch aus dem Internet in die breite gesellschaftliche Debatte gerät, ist nicht erheblich, <em>wie viele </em>unterschiedliche Menschen den Quatsch auf den sozialen Medien sehen, sondern <em>welche</em> – und was sie dann außerhalb der sozialen Medien mit dem Quatsch machen.</strong></p><p>Case in point: Nur ein <a href="https://archiv.ard-zdf-medienstudie.de/files/Download-Archiv/Onlinestudie/2023/MP_26_2023_Onlinestudie_2023_Social_Media.pdf">einstelliger Prozentsatz</a> der Deutschen ist noch regelmäßig auf X unterwegs; trotzdem bekommen wir regelmäßig mit, wer was auf X gesagt hat, weil weite Teile der Berichterstattung in den klassischen Medien nicht ohne die Einbettung von “Soundso schrieb auf der Plattform X”-Verweisen auskommen.</p><p>Wir, a.k.a “das Volk”, mögen nicht mehr auf der Plattform sein – aber die 8 Prozent, die noch regelmäßig dort sind, sind nicht irgendwelche 8 Prozent, sondern eine hochgradig reaktive Mischung vor allem aus Politik und Journalismus auf der einen Seite und politisch extremen <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/digitale-souveraenitaet-europas-staatschefs-und-ihre-abhaengigkeit-von-x-a-ca97edbd-2286-496e-a584-8bcac6f90297">Lautsprechern, Trollen und Bots</a> auf der anderen.</p><h3>Das Atlas-Netzwerk und ein Beispiel aus der deutschen Debatte</h3><p>Wenn der Gründer eines Thinktanks im libertären Atlas-Netzwerk, finanziert von fossilen Milliardären und einem Mineralölkonzern, auf X erzählt, dass sein Schornsteinfeger (!) ihm gesagt habe, eine Wärmepumpe für sein Haus würde 150.000 Euro kosten und dafür Beifall von den erwartbaren Claqueuren erhält, ist das vielleicht nicht egal. Aber so richtig nicht egal wird es erst dann, wenn das Handelsblatt über seine Schornsteinfegeranekdote schreibt. </p><p>Darüberhinaus brauchte es in diesem speziellen Fall auf seiten der Politik nicht einmal einen Geburtshelfer, um dieses Narrativ in die politische Debatte zu heben, weil er die Stimme erwartbarer Claqueure für die Stimme “des Volkes” hält – das konnte der Mann selbst erledigen. Er saß zu diesem Zeitpunkt für eine Partei in Regierungsverantwortung im Bundestag, sein Name ist Frank Schäffler, und er hat in einem interessanten, wie nennt man das heutzutage, <em>self-own</em> in einer großen deutschen Talkshow erwähnt, dass er selbst sich selbstverständlich schon eine Wärmepumpe bestellt hat. (Das alles kannst du nachhören in <a href="https://open.spotify.com/episode/37wspCPcz2H1BkBSDb3YkG">diesem</a> schönen Hörstück.)</p><p><strong>Erst die mediale Verstärkung durch klassische Medien und prominente Akteure macht aus den Nischeninhalten auf den Plattformen also gesellschaftlich relevante Themen.</strong> </p><p>Die Mechanismen dahinter sind gut dokumentiert: Journalismus und Politik neigen dazu, Engagement – also Likes, Shares und Kommentare – mit Relevanz zu verwechseln. Also, nicht nur die neigen dazu – das tun wahrscheinlich die meisten (nach der Lektüre dieses Newsletters hoffentlich ein paar weniger).</p><p>Aber wenn das bei denjenigen passiert, die einen großen Teil der Verantwortung dafür tragen, welche Themen in einer Gesellschaft wie diskutiert werden, ist diese Dynamik besonders verheerend. <strong>Was ursprünglich nur eine kleine, hochaktive Minderheit beschäftigte, wird plötzlich zum vermeintlichen „gesellschaftlichen Diskurs“.</strong></p><p>Und so entsteht ein Kreislauf, in dem die mediale Aufmerksamkeit den Quatsch weiter legitimiert und verstärkt – bis er schließlich auch diejenigen erreicht, die ihn sonst nie wahrgenommen hätten.</p><p>Und das, sagt die <a href="https://doi.org/10.60625/risj-etxj-7k60">Forschung</a> weiter, passiert vor allem dort, wo die Themen besonders stark entlang von Parteilinien sortiert sind. Ob Klima oder Corona: In Ländern, in denen Eliten – Parteien, Parlamentarierinnen, Leitfiguren – Desinformation normalisieren oder sogar aktiv befeuern, um sich von anderen Akteuren abzugrenzen, wird sie gesellschaftlich relevant. In Ländern, in denen parteiübergreifend Einigkeit über die Grundlagen wissenschaftlicher Erkenntnisse herrscht, ist das öffentliche Klima entsprechend weniger vergiftet – nicht weil die Menschen dort weniger auf Social Media sind, sondern weil dort niemand Wichtiges den Quatsch aus seinem digitalen Kämmerlein herausholt und salonfähig macht.</p><p><a href="https://steady.page/de/superredaktion/newsletter/sign_up">Newsletter abonnieren</a></p><h2><strong>Lösung sein.</strong><br/><em>Handreichungen fürs Selbermachen</em></h2><p>Wobei, heute vielleicht erstmal eine Handreichung fürs Selbernichtmachen. Wenn du eine Person bist, die als Brücke funktionieren kann zwischen dem digitalen Raum und der herkömmlichen Öffentlichkeit – jemand mit Reichweite, mit Vorbildfunktion, mit vielen und/oder wichtigen Augen und Ohren auf sich – und du stößt auf einen empörenden Post mit sehr vielen Klicks und Links und Likes und Shares, und du denkst, ohje, in welcher Gesellschaft leben wir hier eigentlich: </p><p>Überleg dir gut, ob es sich wirklich um einen relevanten Fund handelt, oder ob du ihn nicht vielleicht am besten ignorierst, anstatt ihm künstliche Relevanz zu verschaffen, indem du dich mit ihm einlässt. Und Einlassen kann in diesem Fall auch widersprechen heißen, denn damit trägst du unter Umständen Quatsch weiter in deine eigenen Kreise, die sonst nie davon erfahren hätten.</p><p>Wir verlassen mit dieser Hypothese den Bereich der wissenschaftlichen Nachweisbarkeit, aber wir sind bereit, uns wie folgt aus dem Fenster zu lehnen: Unsere Gesellschaft wäre eine deutlich bessere, wenn entscheidende, öffentlich sichtbare Menschen aus Politik, Medien und Popkultur weite Teile der Aufreger, die ihnen auf Social Media begegnen, einfach ignorieren würden. Das sind nicht unsere Angelegenheiten. Auch wenn die Zahlen unter den Posts manchmal danach aussehen. </p><p>Sollen die sich doch gegenseitig anbrüllen in ihren digitalen Kämmerlein und uns damit in Ruhe lassen. </p><p>Und wenn du dich dafür engagierst, die negativen Auswirkungen von Desinformationen einzuhegen, im Kleinen oder im Großen:</p><p>Ein entscheidender Hebel liegt dort, wo wie oben beschrieben aus Nischenthemen erst wirklich große Aufreger gemacht werden. Nicht beim Versuch, jeden einzelnen Post im Feed zu bekämpfen. </p><p>Dein Engagement ist besser aufgehoben, wenn es zum Beispiel klare Hausregeln für Redaktionen, Pressestellen, Parteien fordert. Das Mantra muss sein – neben der üblichen Sorgfalt in der Quellenprüfung, die natürlich auch hier selbstverständlich sein sollte: <strong>Viele Klicks ist nicht gleich Relevanz</strong>. </p><p>Es wäre schön, wenn wir alle mehr Routine darin entwickeln würden, hier sorgfältig zu prüfen und Scheinriesen auszusortieren. Aber das gilt zuallererst für diejenigen, deren Auftrag und Verantwortung und Superkraft es ist, die öffentliche Debatte zu kuratieren.</p><p>Derselbe Gedankengang legt nahe, dass wir am Social-Media-Ende der Wirkungskette eventuelle regulativen Bemühungen auf die sehr kleine Gruppe richten sollten, die ständig anheizt und Inhalte über mehrere Plattformen schiebt – nicht auf die breite Masse der Social-Media-Nutzer.</p><h2><strong>Freunde treffen.</strong><br/><em>Die Empfehlungen des Monats</em></h2><h3>Fun Facts</h3><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/c9a2eff4-0ade-4822-ab28-4266e37616cb/uploads/images/hwpfx4lklu/fun.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Logo Fun Facts"/><p>Ein Kreis hauptberuflich lustiger Menschen hat ein neues, tägliches, unabhängiges Nachrichtenformat ins Leben gerufen, das man sich live vor Ort und im Internet ansehen kann: <a href="https://www.funfacts.de/">Fun Facts</a>. Eine absurde Anzahl guter <a href="https://www.funfacts.de/hosts">Leute</a> macht mit, darunter Marc-Uwe Kling, Sarah Bosetti, Luisa Neubauer, Karoline Herfurth, Pheline Roggan, Saša Stanišić, Siegried &amp; Joy…. </p><h3>Hope Facts</h3><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/c9a2eff4-0ade-4822-ab28-4266e37616cb/uploads/images/ms4dvug2bh/hope.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Buchcover &quot;Was wir meinen, wenn wir Hoffnung sagen&quot;"/><p>Ebenfalls viele gute Leute – teilweise dieselben! – haben sich hier unter der Herausgeberschaft von Julien Gupta von der <a href="https://steady.page/de/treibhauspost/posts">Treibhauspost</a> in einem Buchprojekt zusammengefunden: <a href="https://www.buch7.de/produkt/was-wir-meinen-wenn-wir-hoffnung-sagen-julien-gupta/1063742037?ean=9783987265167">Was wir meinen, wenn wir Hoffnung sagen</a>. Sie erzählen aus sehr unterschiedlichen Perspektiven davon, wie sie unter widrigen Bedingungen hoffnungsvoll bleiben, und was das überhaupt für sie bedeutet. </p><h3>Watt Facts</h3><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/c9a2eff4-0ade-4822-ab28-4266e37616cb/uploads/images/ewxavissuq/ritchie.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Diagramm mit dem Energieverbrauch verschiedener Alltagstechnologien im Vergleich"/><p>Hannah Ritchie, Datenwissenschaftlerin bei <a href="https://ourworldindata.org/">Our World in Data</a>, hat ein Werkzeug/Spielzeug/Lehrstück gebaut: <a href="https://hannahritchie.github.io/energy-use-comparisons/"><em>Does that use a lot of energy?</em></a><em> </em>Damit kannst du dir ganz nach Bedarf veranschaulichen, welche Bestandteile deines Alltags im Vergleich wieviel Energieverbrauch und -kosten verursachen. Wetten, dass da ein zwei überraschende Befunde dabei sind?</p><h3>Nuke Facts</h3><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/c9a2eff4-0ade-4822-ab28-4266e37616cb/uploads/images/vx3op7ivue/time.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Diagramm zur systematischen Überschätzung des Atomkraft-Ausbaus vs systematische Unterschätzung des Erneuerbaren-Ausbaus"/><p>Es gibt viele schöne Diagramme dazu, wie Jahr für Jahr die großen Analyse-Institute aufs Neue in ihren Prognosen das Wachstum von Wind- und Solarenergie deutlich unterschätzen. Jetzt haben wir ein neues schönes Diagramm bekommen, aus einer wissenschaftlichen Studie zu Atomkraft-Wachstumsprognosen. Das sieht genauso aus – nur halt <strong>umgekehrt</strong>. Von wegen Renaissance. Energieexperte Tim Meyer hat das Beharrungsvermögen der Geschichte von der ewig <em>ganz kurz bevorstehenden</em> Goldenen Ära der Atomenergie auf <a href="https://www.linkedin.com/posts/tim-meyer-466a7626_eines-haben-f%C3%BChrungskr%C3%A4fte-und-eltern-gemeinsam-activity-7445361826004901889-ePRE/?rcm=ACoAAAV_Og4BUmvkOGQqDggsWvFVoZFK66dxzgw">LinkedIn</a> schön aufbereitet.</p><h3>Shark Facts</h3><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/c9a2eff4-0ade-4822-ab28-4266e37616cb/uploads/images/wln4sqdns6/shark.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Ein Grönlandhai in dunklem Wasser."/><p>Und zuletzt: Dem Autor dieser Zeilen sind Tiere emotional weitestgehend egal, er ist ein Unmensch. Es ist deswegen ein besonderes Verdienst der britischen Autorin Katherine Rundell, dass sie ein Tierbuch geschrieben hat, das er nicht mehr weglegen kann. <a href="https://www.buch7.de/produkt/warum-die-giraffe-nicht-in-ohnmacht-faellt-katherine-rundell/1062162133?ean=9783257248166">Warum die Giraffe nicht in Ohnmacht fällt</a> ist der doofe deutsche Titel, denn von allen wunderbaren Anekdoten und Vignetten ist der Grund, aus dem die Giraffe nicht in Ohnmacht fällt, so ziemlich die am wenigsten spannende. <br/>Es sind 22 kunstvolle Text-Portraits bedrohter Arten, die das Wunderbare, das Kuriose und das Zerbrechliche der Schöpfung und unserer Beziehung zu ihr unmittelbar spürbar machen – und dem Publikum einen klaren Auftrag mitten ins Herz pflanzen. Leseprobe (auf Englisch): <a href="https://www.lrb.co.uk/the-paper/v42/n09/katherine-rundell/consider-the-greenland-shark">Consider the Greenland Shark</a>.</p><p><a href="https://steady.page/de/superredaktion/posts">Alle Posts anzeigen</a></p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Dieser Newsletter ist nur durch eure finanzielle Unterstützung möglich! Daher ein großes Dankeschön an alle, die uns unterstützen.</em></p><p><em>Wenn du noch nicht dabei bist, </em><strong><em>freuen wir uns sehr über Spenden</em></strong><em> (und können auch mit Spendenbescheinigungen dienen wenn gewünscht).</em></p><p><em>Global Eco Transition gGmbH | IBAN: DE62 4306 0967 1230 6808 00 | BIC: GENODEM1GLS | Verwendungszweck: ”Spende Superredaktion”</em></p><p><strong><em>Wichtig:</em></strong><em> Spenden kommen bei uns nur an, wenn der Verwendungszweck richtig angegeben wird.</em></p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Du willst </em><strong><em>deine Reichweite nutzen</em></strong><em>, um auf Klimathemen aufmerksam zu machen? Wir helfen dir dabei! Schreib uns gerne eine Mail an</em> <a href="mailto:info@superredaktion.de">info@superredaktion.de</a> – <em>wir sind freundlich, wissen Sachen und </em><strong><em>kosten dich nichts</em></strong><em>.</em></p><p><em>Du kennst Menschen, denen dieser Newsletter auch helfen könnte? Dann teile ihn gerne!</em></p><p><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 02 Apr 2026 10:51:12 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Frohere Weihnachten]]></title>
      <description><![CDATA[2025 war kein leichtes Jahr. Wir treten heute an, um einmal an den schlechten Nachrichten vorbei auf die guten zu schauen. Es gibt einige.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Willkommen im Newsletter der Superredaktion – die regelmäßige Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete Anpackmaterialien für Menschen mit Lust auf Zukunft.</p><p>Eigentlich hatten wir geplant, dir noch schnell vor Heiligabend eine Argumentationshilfe für die anstrengenden weihnachtlichen Diskussionen mit den Teilen der Familie an die Hand zu geben, die immer wieder mit denselben Quatschgeschichten um die Ecke kommen. Dann haben wir unseren <a href="https://steady.page/de/superredaktion/posts/f737d3c9-1c37-48bc-a74d-07daf341bf7e">Newsletter</a> von Weihnachten 2023 nochmal gelesen und erkannt: Die dort widerlegten Quatschgeschichten sind leider/glücklicherweise immer noch aktuell, wir haben da eigentlich gar nichts Neues hinzuzufügen. </p><p>Die Zahlen mögen sich inzwischen ein bisschen verändert haben – China hat <em>noch</em> <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/china-schafft-in-sechs-monaten-doppelt-so-viel-solarkraft-wie-deutschland-in-25-jahren-a-c654c3ac-9f19-4b6c-bc5b-2905096f685b">krasser</a> Erneuerbare ausgebaut, der Strommix in Deutschland ist <em>noch</em> <a href="https://www.ndr.de/nachrichten/info/Strommix-Deutschland-Wie-ist-der-Anteil-erneuerbarer-Energien,strommix102.html">CO2-ärmer</a> geworden, und wir verbrennen heute <em>noch</em> <a href="https://www.linkedin.com/posts/bruno-burger-a8144021_stromerzeugung-aus-kohle-so-niedrig-wie-vor-activity-7288491057518964736-lLYL/?originalSubdomain=de">weniger</a> Kohle – aber die grundlegenden Linien der Argumentation bleiben dieselben, du kannst sie gern weiterverwenden.</p><p>Heute daher statt Anti-Fake-News lieber Good News, auch weil wir grundsätzlich lieber für gute Sachen als gegen schlechte Sachen sind. </p><h2><strong>Froher werden Ultra</strong><br/><em>Die geballten guten Nachrichten zum Jahresausklang</em></h2><p>Du hast nur wenig Zeit und willst den schnellen Fix? Hier die wichtigsten Geschichten, die du auf jeden Fall mitnehmen und weitererzählen solltest:</p><ul><li><p>Strom aus Wind und Sonne haben 2005 etwa 1 Prozent der weltweiten Stromproduktion ausgemacht. Heute sind es über 30 Prozent - die größte Stromquelle des Planeten.</p></li><li><p>Die Welt wird spätestens 2026 den Höhepunkt der Treibhausgasemissionen überschreiten – ab dann geht es bergab, hoffentlich schnell. </p></li><li><p>Die Weltgemeinschaft hat ein historisches UN-Meeresschutzabkommen für die Hohe See beschlossen, die bisher ein nahezu rechtsfreier Raum war.</p></li><li><p>Weite Teile des Amazonasregenwalds wurden dieses Jahr unter Schutz gestellt, die Entwaldungsrate im Amazonas ist auf dem tiefsten Stand seit fast zehn Jahren.</p></li><li><p>Die Menschheit ist so gesund wie nie, Tode durch ansteckende Krankheiten und Luftverschmutzung sind auf dem tiefstem Stand seit Jahrhunderten.</p></li></ul><p>Genug für heute? Kein Problem, schöne Weihnachten, bis bald! </p><p>Mehr Details, mehr Quellen, mehr Geschichten? Bittesehr, wir haben einiges gesammelt.</p><h2>Energie und Klima</h2><h3>Erstmal die grobe Linie</h3><p>Vor fünf Jahren <a href="https://archive.li/HFHsS">hätten</a> die Pläne, die die Regierungen der Welt damals hatten, um ihre Emissionen zu reduzieren, selbst in der optimistischsten Auslegung zu einer Erhitzung der Erde um 3 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts geführt. Das ist deutlich mehr als selbst das pessimistischste Szenario von heute annimmt. Heutige optimistische Prognosen gehen von 2,3 Grad aus. </p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/c4ea56a8-1ed8-43db-a656-0861b09fbdc4/uploads/images/hvdpbmopqf/Bildschirmfoto_2025-12-22_um_13.08.54.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Quelle: UNEP, Emissions Gap Report, via “How the World is Quietly Winning on Climate” / Bloomberg. Anm.: Temperaturen stehen für die erwartete Erwärmung bis 2100 über vorindustrielles Niveau, mit einer Wahrscheinlichkeit von 66%. Current policies = Alles so weiterlaufen lassen, wie es gerade ist. NDCs = “Nationally Determined Contributions”, nationale Klimabeiträge. Das sind die Pläne, die die einzelnen Regierungen der UN vorgelegt haben. &quot;Conditional NDCs&quot;, also bedingte Klimabeiträge, sind nur dann für die Umsetzung vorgesehen, wenn andere Regierungen gleichziehen.</figcaption></figure><p>Das wäre immer noch katastrophal, keine Frage – aber selbstverständlich viel, viel besser als 3 Grad. Um Millionen Menschenleben besser, um genau zu sein. Und in der Tendenz biegt sich diese Kurve immer weiter nach unten. Wir können auf das “zu wenig” schauen und verzweifeln. Oder wir können sagen: Internationale Klimapolitik funktioniert, wir haben die optimistischsten Prognosen schon einmal übertroffen, wir können es wieder tun. Wir sind viel besser geworden, wir müssen noch viel besser werden, wir können noch viel besser werden.</p><h3>Sauberer Strom wächst schneller als Bedarf</h3><p>Weil weltweit alles elektrisch wird, wächst der Strombedarf der Menschheit deutlich. Achtung: Nicht notwendigerweise der Energiebedarf, eine wichtige Unterscheidung, denn Strom ist so viel <a href="https://www.klimareporter.de/technik/widerstand-ist-zwecklos-am-ende-gewinnt-immer-die-effizienz">effizienter</a> als die Steinzeittechnologie “Feuer”, dass wir durch die Elektrifizierung tatsächlich sehr viel Energie sparen.</p><p>Jedenfalls schreitet der Ausbau der Erneuerbaren jetzt so schnell voran, dass er nicht nur allen neuen Strombedarf deckt, sondern zu übertreffen beginnt. Das ist ein historischer Kipppunkt, einer von den guten: Es wird jetzt zunehmend fossiler Strom von sauberem Strom aus den Netzen gedrängt. Für 2025 wird auf der Welt kein Wachstum in der fossilen Stromherstellung <a href="https://ember-energy.org/latest-insights/q3-global-power-report-no-fossil-fuel-growth-expected-in-2025/">erwartet</a>. Mit Ausnahme des Ausreißers während der Corona-Pandemie geschieht das zum ersten Mal in der Geschichte fossiler Kraftwerke.</p><h3>Emissionen in China und Indien sinken</h3><p>So sind in den letzten 12 Monaten erstmals auch in China und Indien die Emissionen aus der Stromherstellung gesunken – zwei der größten Verschmutzer des Planeten sind zugleich zwei der ambitioniertesten Umbauer, und zumindest für China gilt als <a href="https://ember-energy.org/latest-insights/q3-global-power-report-no-fossil-fuel-growth-expected-in-2025/">gesichert</a>, dass es in diesem Jahr einen permanenten Wendepunkt erreicht hat, dessen Wichtigkeit für uns alle man gar nicht hoch genug hängen kann. </p><h3>Wind und Sonne sind größte Stromquelle der Welt</h3><p>2005 lag der Anteil von Wind und Sonne an der weltweiten Stromerzeugung bei 1 Prozent. </p><p>2025 ist Kohle als größter Stromlieferant der Menschheit vom Thron <a href="https://ember-energy.org/latest-insights/global-electricity-mid-year-insights-2025/global-analysis/#renewables-overtake-coal-as-fossil-fuels-fall-slig">gestoßen</a> worden – von Wind und Sonne, die jetzt über ein Drittel des weltweiten Strombedarfs decken und damit die größte Stromquelle des Planeten sind. </p><h3>Auch in den USA bleiben Erneuerbare vorerst populär</h3><p>Da kann auch Trump nix machen: Seitdem und obwohl er wieder im Amt ist, wird nicht nur auch in den USA weiter Wind und Solar mit großer Geschwindigkeit <a href="https://www.fr.de/wirtschaft/die-sonne-leuchtet-auch-unter-trump-solarzubau-erreicht-rekord-93658636.html">ausgebaut</a>, auch <a href="https://archive.li/vpvch#selection-1869.41-1869.49">ignorieren</a> die Finanzmärkte sein Säbelrasseln: Aktien aus dem Erneuerbaren-Bereich haben in den USA seit der Wahl im Schnitt um über 50 Prozent an Wert zugelegt, traditionelle (sprich: fossile) Energie-Aktien haben 3 Prozent verloren.</p><h3>Elektroautos überall</h3><p>2025 ist über ein Viertel der verkauften Neuwagen auf der Welt elektrisch, Tendenz weiter steigend. Guck mal das Bild: Die Größe der Kreise steht für absolute Verkaufszahlen, die Position der Kreise für den prozentualen Anteil an den Gesamtverkäufen. Abgebildet ist der Zustand 2019 vs 2025. Der Sprung ist erstaunlich, und: Es geht schon lange nicht mehr nur um China und ein paar gutsituierte Streber-Länder (jaja, immer dieses Norwegen). Vietnam 40 Prozent. Äthopien 60. Nepal (!) über 70. Und wenn so eine Entwicklung innerhalb von sechs Jahren möglich war, und wir uns klarmachen, dass es hier nicht um lineare, sondern exponentielle, also immer steiler ansteigende Wachstumskurven geht: Wie krass wird das dann erst 2031 sein?</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/c4ea56a8-1ed8-43db-a656-0861b09fbdc4/uploads/images/eahlkmzm2c/Bildschirmfoto_2025-12-23_um_15.27.48.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><h3>China ist die größte Story</h3><p>Nochmal, ja, sorry, China. Nicht nur deckt ein Land, dessen Strombedarf jährlich um ungefähr ein Deutschland wächst, inzwischen dieses Wachstum komplett mit Solarzellen und Windrädern ab – es hat diese Technologien für den Rest der Welt in Rekordzeit erschwinglich gemacht. Und mit Rest der Welt ist durchaus auch der Teil des Planeten gemeint, der sonst oft hintanstehen musste, was Fortschritt angeht: In Afrika südlich der Sahara kostet ein Satz Solarzellen inzwischen weniger als ein Smartphone, in Lateinamerika gehen elektrische Autos für weniger als 20.000 Dollar über den Tisch, in Pakistan, Bangladesh, Kenia und Brasilien <a href="https://www.bbc.com/news/articles/cx2rz08en2po">explodiert</a> der Ausbau von Solar so dolle, dass sich Analystinnen und Analysten immer noch ungläubig die Augen reiben.</p><p>Und ja, es wäre wirklich, wirklich schön gewesen, wenn der erste echte Elektrostaat der Welt, der alle anderen mitzieht und mit Macht das Ende des fossilen Zeitalters einläutet, keine miese Autokratie wäre. </p><p>Aber, nein, nicht aber, und: <em>Und</em> mit dem, was gerade in China passiert, haben wir eine echte, große Chance, das Steuer in eine bessere Zukunft herumzureißen, sind tatsächlich schon im Begriff, es zu tun, haben es sogar in Teilen schon getan. </p><p>Ohne China wären selbst 100 von mächtigen fossilen Interessen dominierte Klimakonferenzen nur Tropfen auf den heißen Stein. </p><p>China ist die eigentliche klimapolitische Story nicht des Jahres, sondern des Jahrzehnts, und ein wesentlicher Grund, warum die Welt vielleicht schon dieses, spätestens nächstes Jahr den Wendepunkt aller Wendepunkte <a href="https://www.science.org/content/article/global-carbon-emissions-will-soon-flatten-or-decline">erreichen</a> wird: </p><p>Den Höhepunkt der Emissionen, von dem aus es dann endlich bergab geht, und zwar hoffentlich sehr schnell.</p><p><em>“The clean energy transition is exponential, global, it’s happening now, and neither Donald Trump nor Vladimir Putin nor any of the few hundred fossil fuel executives who sold their souls for a few pieces of silver can stop it.” Angus Hervey, Fix the News</em></p><h2>Natur, Um- und Mitwelt</h2><h3>Superviele australische Buckelwale</h3><p>Wale. Alle mögen sie, alle machen sich Sorgen um sie, manche haben sogar <a href="https://hundertwasser.com/oekologie/777_c_apa152_save_the_whales_1767">Bilder</a> darüber gemalt. 1960 stand die Buckelwalpopulation vor der Ostküste Australiens kurz vor der vollständigen Ausrottung durch den Walfang. Es waren noch 150 von ihnen übrig.</p><p><a href="https://www.abc.net.au/news/science/2025-10-07/humpback-whales-eastern-population-numbers-rebound-estimate/105843256">Heute</a> sind es mehr als 50.000 – fast doppelt so viele wie in der Zeit vor den Walfängern. </p><p>Entscheidend dafür war natürlich das Verbot des Walfangs – aber auch die Erschaffung vieler neuer Schutzgebiete. Forschende, die diese Erfolgsgeschichte seit vielen Jahren begleiten, bezeichnen sie als “fast schon ein Wunder”. Das hätte auch Hundertwasser sich in seinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt.</p><h3>Historischer Durchbruch im Meeresschutz</h3><p>Wem gehört das Meer jenseits der Hoheitsgewässer, allen oder niemandem? Bisher haben bestimmte, nicht allzu sehr am Schutz unserer Lebensgrundlagen interessierte Kräfte so gehandelt, als wäre die Antwort: <em>Niemandem</em>. Und bisher fehlte die juristische Handhabe, diesen Kräften wirkungsvoll klarzumachen, dass die Antwort natürlich <em>allen</em> lauten muss, und dass das eine gemeinsame Verantwortung für den Schutz der Hohen See mit sich bringt.</p><p>Nach einem mühsamen, über Jahre währenden Verhandlungsprozess ist nun das UN-Hochseeabkommen final <a href="https://www.stiftung-meeresschutz.org/themen/schutzgebiete/un-vertrag-zum-schutz-der-hohen-see-bbnj-abkommen/">beschlossen</a> worden und kann 2026 in Kraft treten. Das Abkommen regelt unter anderem erstmals die Ausweisung und Durchsetzung von Schutzgebieten außerhalb der Hoheitsgewässer, könnte zur Einrichtung des größten Netzwerks von Meeresschutzgebieten der Geschichte führen und wird von Meeresschutz-Organisationen in aller Welt als gigantischer Durchbruch gefeiert.</p><h3>Superviele andere Tiere</h3><p>Die Geschichte von den Buckelwalen ist vielleicht die spektakulärste unter denen von Arten, die der Ausrottung nochmal von der Schippe gesprungen sind, aber bei weitem nicht die einzige: Dutzende Spezies haben bewiesen, dass der Schwund der Artenvielfalt keine Einbahnstraße ist.</p><p>Die Grüne Meeresschildkröte <a href="https://www.positive.news/society/good-news-stories-from-week-42-of-2025/">schaffte</a> es nach Jahrzehnten der Schutzbemühungen engagierter Menschen von der Liste der bedrohten Arten. Auf Guam legte eine <a href="https://www.positive.news/society/good-news-stories-from-week-18-of-2025/">Eisvogelart</a> erstmals seit fast 40 Jahren wieder Eier in der freien Wildbahn. In England wurde ein singendes <a href="https://www.positive.news/society/good-news-stories-from-week-25-of-2025/">Insekt</a> gerettet, in Schweden kehrte die <a href="https://www.positive.news/society/good-news-stories-from-week-29-of-2025/">Bachforelle</a>, eine Schlüsselart,  in von Industrieschmutz gereinigte Flüsse zurück. Aus England kommt die <a href="https://www.positive.news/society/good-news-stories-from-week-33-of-2025/">Kunde</a> von 150 Arten, die vom Aussterben bedroht waren und sich wieder erholt haben, und in Mexiko <a href="https://www.positive.news/society/good-news-stories-from-week-36-of-2025/">wächst</a> die Zahl der Jaguare wieder.</p><h3>Weite Teile des Amazonas geschützt</h3><p>Peru hat mehr als die Hälfte des in seinen Amazonasregenwäldern gespeicherten Kohlenstoffs in einem gemeinsam mit indigenen Gruppen verwalteten Projekt unter <a href="https://news.mongabay.com/2025/09/new-conservation-area-protects-53-of-carbon-in-northern-peruvian-amazon/">Schutz</a> gestellt. </p><p>Surinam, eines der ganz wenigen klimapositiven Länder des Planeten – also eines, das mehr CO2 aus der Atmosphäre entnimmt als ausstößt – hat <a href="https://apnews.com/article/suriname-forest-protection-carbon-sink-climate-cop30-7303ab7c784e86e3918168b8e7f60e81">angekündigt</a>, 90 Prozent seiner Tropenwälder als Schutzgebiete auszuweisen und dabei ebenfalls eng mit indigenen Gruppen zusammenzuarbeiten. Das ist weit mehr als im <a href="https://www.nature.org/en-us/what-we-do/our-priorities/protect-water-and-land/land-and-water-stories/committing-to-30x30/">globalen Schutzziel</a> vereinbart, das fordert, dass 30 Prozent aller Meeres- und Landflächen bis 2030 unter Schutz stehen sollen (30x30).</p><p>Kolumbien hat seinen <em>gesamten</em> Amazonasregenwald zum Schutzgebiet <a href="https://news.mongabay.com/short-article/2025/11/colombia-bans-all-new-oil-and-mining-projects-in-its-amazon/">gemacht</a>. Das Land wird in diesem Zuge 43 Ölbohrvorhaben und 286 Bergbauanfragen abweisen. Der kolumbianische Anteil des Amazonasregenwalds macht fast die Hälfte der Landesfläche aus, und 7 Prozent des gesamten Amazonasgebiets – eine Fläche fast doppelt so groß wie Deutschland.</p><h3>Entwaldungsrate auf Tiefststand</h3><p>Diese Nachrichten sind Teile einer richtig großen Nachricht: Die <a href="https://apnews.com/article/deforestation-brazil-drop-amazon-data-government-fire-drought-e6f6133a3a7c1c0fcd44c9875ced0357">Entwaldungsrate</a> im Amazonas ist auf einem so niedrigen Stand wie seit fast zehn Jahren nicht mehr, und zwar <em>trotz</em> der verheerenden Brände. Das verdanken wir der verbesserten Überwachung und Durchsetzung von Umweltrichtlinien. Nebenwirkung: Brasiliens CO2-Emissionen sind 2024 um fast 17 Prozent <a href="https://www.lemonde.fr/en/environment/article/2025/11/04/brazil-records-biggest-annual-fall-in-emissions-in-15-years-notably-thanks-to-fight-against-deforestation_6747070_114.html">gefallen</a>, der stärkste jährliche Rückgang in 15 Jahren.</p><h3>Wildnis wächst wieder</h3><p>Und diese Nachricht wiederum mündet in eine noch viel <a href="https://www.bbc.com/future/article/20250909-the-rewilding-milestone-earth-has-already-passed">größere</a>, die du fast garantiert nicht auf dem Schirm hast: Die Wildnis ist auf dem Vormarsch. Schon seit den 2000er Jahren wird die landwirtschaftlich genutzte Fläche des Planeten kleiner. Vor allem in Europa, Nordamerika, Australien und Zentralasien werden aufgegebene Weiden wieder zu Grasländern und Wäldern. Das liegt an Produktivitätssteigerungen, an der zunehmenden Verwendung von synthetischen Fasern (statt Baumwolle), Süßstoffen (statt Zuckerrohr und -rübe) und Aromastoffen (statt z.B. Vanilleschoten) sowie an veränderten Ernährungsgewohnheiten (Geflügel und Schwein statt Rind und Lamm) – alles Faktoren, die dazu führen, dass wir mit immer weniger landwirtschaftlicher Fläche immer mehr Bedürfnisse erfüllen können.</p><p>Setzen sich diese Trends fort, könnte dieses das erste Jahrhundert seit langer Zeit sein, in dem die Menschen den Planeten mit mehr Natur verlassen, als sie ihn vorgefunden haben.</p><h2>Gesundheit &amp; körperliche Unversehrtheit</h2><h3>Impfen hilft</h3><p>Zwischen 2000 und 2024 ist die Zahl der Toten durch Masern von 777.000 auf 95.000 pro Jahr <a href="https://www.gavi.org/vaccineswork/winning-against-measles-five-charts-tell-remarkable-24-year-story">gefallen</a>. Impfungen haben in diesem Zeitraum geschätzte 58 Millionen Menschenleben gerettet. Achtundfünfzig. Millionen. Da kann man sich als Spezies schonmal auf die Schulter klopfen.</p><h3>Menschen so wenig krank wie nie</h3><p>Das ist eine, aber nicht die einzige Erfolgsgeschichte der <a href="https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(25)01947-6/fulltext">letzten Jahre</a> in der Bekämpfung gefährlicher Krankheiten: Covid ist von Platz eins der verbreitetsten Todesursachen auf Platz 20 gefallen; die Lebenserwartung ist in der Mehrheit der Länder wieder auf dem Niveau von vor der Pandemie. Seit 2010 ist die Krankheitsbelastung der Menschheit um mehr als 12 Prozent zurückgegangen, und Tode durch die gefährlichsten ansteckenden Krankheiten – Tuberkulose, Durchfall, HIV, Malaria, Lungenentzündung – sind in dieser Zeit zwischen 35 und 60 Prozent gefallen. Das heißt in der Konsequenz: Erstmals in der Geschichte der Menschheit sterben wir nicht vor allem daran, dass wir uns mit irgendwas Fiesem anstecken, und wir sind insgesamt gesünder, als wir es je waren.</p><h3>Luftverschmutzung geht zurück</h3><p>Luftverschmutzung rangiert als stiller Champion in den meisten Hitlisten der Lebensrisiken ganz weit oben – nicht so schlimm wie hoher Blutdruck, aber schlimmer als Rauchen: 8 Millionen Tode pro Jahr.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/c4ea56a8-1ed8-43db-a656-0861b09fbdc4/uploads/images/qg4faxx37q/number-of-deaths-by-risk-factor.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Zwischen 2013 und 2023 ist die Zahl der Tode durch Luftverschmutzung zum ersten Mal seit Jahrhunderten <a href="https://www.stateofglobalair.org/resources/report/state-global-air-report-2025">gesunken</a>, und zwar um 23 Prozent. Das geschah vor allem dank der Tatsache, dass in diesem Zeitraum Milliarden von Menschen in ärmeren Ländern, die zuvor auf das Kochen auf offenen Feuern angewiesen waren, Zugang zu saubereren Kochmethoden bekommen haben. Die Zahl derjenigen, die zuhause Holz, Kohle oder Dung verbrennen, hat sich damit seit 2000 halbiert, und auch reichere große Verschmutzer auf der Nordhalbkugel wie USA, China und der EU konnten trotz Wirtschaftswachstum ihre Beiträge zur Luftverschmutzung deutlich vermindern. </p><h3>Social Media ist nicht mehr so interessant.</h3><p>Hätten wir auch nicht gedacht, aber wir finden’s gut: Erstmals wird die Zeit, die Menschen weltweit mit den sozialen Medien verbringen, wieder weniger, und das schon seit Jahren. Eine Erhebung im Auftrag der Financial Times <a href="https://archive.li/NcXdy">befragte</a> eine Viertelmillion Menschen in 50 Ländern nach ihrem Nutzungsverhalten und stellte einen Rückgang von durchschnittlich 10 Prozent gegenüber 2022 fest. Zuvor war diese Zahl stets von Jahr zu Jahr gewachsen. Kontraintuitiv und zugleich erfreulich: die stärkste Abnahme findet sich unter Teenagern und jungen Erwachsenen, die offenbar ein Stück weiter sind als die Älteren in der Erkenntnis, dass es gesündere Möglichkeiten der Freizeitgestaltung geben könnte. Es ist vermutlich verfrüht, hier einen Trend zu konstatieren, aber wer weiß, vielleicht haben wir auch hier einen Kipppunkt erreicht, einen der guten.</p><h3>Und Mord und Totschlag?</h3><p>So schlimm wie nie, oder? Oder? Weit gefehlt. Warum man trotzdem den Eindruck gewinnen könnte, es sei so, haben wir in unserem <a href="https://steady.page/de/superredaktion/posts/371778f6-a597-46be-9f19-cb7ce315999d">letzten</a> Newsletter ausgiebig besprochen.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/c4ea56a8-1ed8-43db-a656-0861b09fbdc4/uploads/images/wkhnkexs76/Bildschirmfoto_2025-12-23_um_15.16.09.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><h2>Schlusswort zur Weihnacht</h2><p>So. Das waren die guten Nachrichten. Wir sind zuversichtlich, dass da auch für dich was Erfreuliches dabei war. Für uns ist das jedenfalls ein 1A Job, sehr hilfreich für die eigene Psychohygiene, so einen Schrieb zu recherchieren. Für den wir übrigens wieder einmal <a href="https://fixthenews.com/">Fix the News</a> zu Dank verpflichtet sind. Bei denen haben wir viel von dem gefunden, was wir dir hier weitererzählen.</p><p>Nun noch ein paar letzte Worte im letzten Newsletter in den letzten Tagen des Jahres. Wir überlassen sie Nick Cave, voller Ehrfurcht. Dich entlassen wir mit den besten Wünschen ins Fest und ins neue Jahr. Wir wünschen dir und den deinen und uns allen die richtige Mischung aus Hoffnung, Freude, Wut und Tatkraft und sehen uns auf der anderen Seite von Sylvester. </p><p>Wir freuen uns drauf. </p><p>Auf bald.</p><p><em>“Much of my early life was spent holding the world and the people in it in contempt. It was a position both seductive and indulgent. The truth is, I was young and had no idea what was coming down the line. It took a devastation to teach me the preciousness of life and the essential goodness of people. It took a devastation to reveal the precariousness of the world, of its very soul, and to understand that the world was crying out for help. It took a devastation to understand the idea of mortal value, and it took a devastation to find hope.</em></p><p><em>Unlike cynicism, hopefulness is hard-earned, makes demands upon us, and can often feel like the most indefensible and lonely place on Earth. Hopefulness is not a neutral position — it is adversarial. It is the warrior emotion that can lay waste to cynicism.</em></p><p><em>Each redemptive or loving act, as small as you like — such as reading to your little boy, showing him something you love, singing him a song, or putting on his shoes — keeps the devil down in the hole.</em></p><p><em>It says the world and its inhabitants have value, and are worth defending.</em></p><p><em>It says the world is worth believing in.</em></p><p><em>In time, we come to find that this is so.”</em></p><p>- Nick Cave zu Stephen Colbert, im August 2024.</p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Dieser Newsletter ist nur durch eure finanzielle Unterstützung möglich! Daher ein großes Dankeschön an alle, die uns unterstützen.</em></p><p><em>Wenn du noch nicht dabei bist, </em><strong><em>freuen wir uns sehr über Spenden</em></strong><em> (und können auch mit Spendenbescheinigungen dienen wenn gewünscht).</em></p><p><em>Global Eco Transition gGmbH | IBAN: DE62 4306 0967 1230 6808 00 | BIC: GENODEM1GLS | Verwendungszweck: ”Spende Superredaktion”</em></p><p><strong><em>Wichtig:</em></strong><em> Spenden kommen bei uns nur an, wenn der Verwendungszweck richtig angegeben wird.</em></p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Du willst </em><strong><em>deine Reichweite nutzen</em></strong><em>, um auf Klimathemen aufmerksam zu machen? Wir helfen dir dabei! Schreib uns gerne eine Mail an</em> <a href="mailto:info@superredaktion.de">info@superredaktion.de</a> – <em>wir sind freundlich, wissen Sachen und </em><strong><em>kosten dich nichts</em></strong><em>.</em></p><p><em>Du kennst Menschen, denen dieser Newsletter auch helfen könnte? Dann teile ihn gerne!</em><br/><br/></p><p></p><p><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 23 Dec 2025 14:57:12 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Trendlinien statt Schlagzeilen]]></title>
      <description><![CDATA[Heute: Medien. Wie die Welt uns erzählt wird, was wir dadurch übersehen, was das für unsere Handlungsfähigkeit als Gesellschaft bedeutet.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Willkommen im Newsletter der Superredaktion – die (fast) monatliche Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete Anpackmaterialien für Menschen mit Lust auf Zukunft.</p><p>Heute: Medien. Wie die Welt uns erzählt wird, was wir dadurch übersehen, was das für unsere Handlungsfähigkeit als Gesellschaft bedeutet, gefolgt vom Fallbeispiel Rechtsextremismus – und einer konkreten Projektempfehlung, die deine Unterstützung gebrauchen kann: <a href="https://wonderl.ink/@pruef">PRÜF</a>. (Wer direkt wissen will, was es damit auf sich hat, darf gern gleich runterscrollen bis zum Ende)</p><p>Warum Rechtsextremismus und nichts mit Klima, wir sind doch sonst immer Klima? </p><p>Weil alle, die es heute mit Klima-, Arten-, Natur- und Menschenschutz ernst meinen, es auch mit dem Demokratieschutz ernst meinen müssen, denn ohne letzteres ist das erste nicht zu haben.</p><p>Aber bevor wir anfangen mit dem Ernst meinen: Wie immer eine Handvoll gute Nachrichten.</p><h2>Inhalt</h2><ul><li><p><strong>Froher werden.</strong> <em>Die guten Nachrichten</em></p><ul><li><p>UK wieder Pionier</p></li><li><p>Verbrenner-Aus-Aus-Aus</p></li><li><p>Klimakonferenz in Belém: Frust im auf der großen Bühne, Erfolge auf den Fluren</p></li></ul></li><li><p><strong>Trendlinien statt Schlagzeilen.</strong> <em>Das Thema des Monats</em></p><ul><li><p>Die Welt ist schlimm. Die Welt ist viel besser. Die Welt kann viel besser sein.</p></li><li><p>Fallbeispiel 1: Bedrohungen für die körperliche Unversehrtheit</p></li><li><p>Fallbeispiel 2: Bedrohungen für die Börse</p></li><li><p>Bad News Bias</p></li><li><p>Die Welt ist viel besser</p></li><li><p>Hoffnung macht erfolgreich</p></li><li><p>Fallbeispiel 3: Vier Millionen Menschen</p></li><li><p>Der Protest hat nicht genug bewirkt. Der Protest hat gewirkt. Protest kann noch viel besser wirken.</p></li></ul></li><li><p><strong>Lösung sein.</strong> <em>Handreichungen fürs Selbermachen</em></p></li></ul><h2><strong>Froher werden.<br/></strong><em>Die guten Nachrichten</em></h2><h3><strong>UK wieder Pionier</strong></h3><p>Erst haben sie quasi Kohle erfunden, dann haben sie als erster großer Player ihr letztes Kohlekraftwerk <a href="https://www.bbc.com/news/articles/c5y35qz73n8o">dichtgemacht</a>, jetzt werden sie die größte Volkswirtschaft, die offiziell aus der Förderung von Gas und Öl aussteigt: Die Regierung Großbritanniens hat <a href="https://www.greenpeace.org.uk/news/britain-ends-new-fossil-fuel-exploration/">bestätigt</a>, dass sie keine weiteren Lizenzen für die Erschließung neuer Gas- und Ölfelder ausgeben wird. Ein echter Meilenstein für Klima, Artenvielfalt, Meeres- und Menschenschutz. </p><h3><strong>Verbrenner-Aus-Aus-Aus</strong></h3><p>Eigentlich ein Thema für einen eigenen Newsletter: 2025 wird aller Voraussicht nach das Jahr des Verbrenner-Aus-Aus. Die EU <a href="https://www.rnd.de/wirtschaft/eu-kommission-bremst-verbrenner-aus-drei-zapfsaeulen-optionen-ab-2035-U47Y7VXLZNE7JBRWMU4Y47MFWM.html">diskutiert</a> dank großem Einsatz vor allem aus Deutschland, ob unter anderem “hocheffiziente” Verbrenner nun auch nach 2035 weiter zugelassen werden können sollen (was “hocheffiziente” Verbrenner sein sollen, weiß offenbar auch die Bundesregierung nicht, wie man in <a href="https://www.instagram.com/reel/DRuTI60jA5H/">diesem</a> schönen Stück Realsatire beobachten kann). </p><p>Das ist rückwärtsgewandt und überaus ärgerlich – aber letzten Endes ein Kampf gegen Windmühlen: Trotz aller Bemühungen der hiesigen fossilen Autolobby ist der Kipppunkt längst erreicht. Weltweit sind erstmals ein Viertel aller Neuzulassungen elektrisch.</p><a href="https://ourworldindata.org/electric-car-sales"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/371778f6-a597-46be-9f19-cb7ce315999d/uploads/images/7uehv5cuy3/car-sales.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Diagramm: Zunahme von Verkäufen elektrischer vs fossiler Pkws."/></a><p>Sogar in der Ukraine entscheiden sich immer mehr Menschen für E-Autos, trotz durch den Krieg bedingte regelmäßiger Stromausfälle, oder gerade deshalb: In einem solchen Fall den eigenen Haushalt mit Strom aus dem Auto zu versorgen, ist billiger und verlässlicher als ein Dieselgenerator. </p><p>In Deutschland wurden aller Verunsicherung zum Trotz 2025 mehr neue E-Autos angemeldet als je zuvor, und mit der Ankunft des bidirektionalen Ladens, mit dem Strom aus dem Netz im Auto gespeichert und später zu höheren Preisen wieder abgegeben werden kann, und der kurz bevorstehenden Preisgleichheit zwischen elektrisch und fossil ist der gordische Knoten auch bei uns mit großer Wahrscheinlichkeit bald zerschlagen. Dies und mehr in einem überaus erfreulichen Überblickstext <a href="https://www.spiegel.de/auto/elektroauto-2025-als-jahr-des-durchbruchs-a-cb6347cd-f649-4353-a6d3-9c8be254deea?giftToken=5bb6c7ce-eb07-4df2-b9fc-c11a984fe862">hier</a>.</p><p>(Übrigens, Fun Fact: Ein Auto, das mit tierischen Fetten betrieben wird, benötigt jährlich die <a href="https://www.rnd.de/wirtschaft/eu-kommission-bremst-verbrenner-aus-drei-zapfsaeulen-optionen-ab-2035-U47Y7VXLZNE7JBRWMU4Y47MFWM.html">Fettmenge</a> von 120 Schweinen. Auch so kann man offenbarFortschritt denken! Aber sollte man?)</p><h3><strong>Klimakonferenz in Belém: Frust im auf der großen Bühne, Erfolge auf den Fluren</strong></h3><p>Auf der großen Bühne blieb die COP30 in Belém dank der Blockadehaltung von Petrostaaten und fossiler Lobby weit hinter ihren Möglichkeiten zurück, der Beschlusstext blieb <a href="https://taz.de/Reaktionen-auf-das-Ende-des-Klimagipfels/!6131891/">lauwarm</a>. </p><p>Und doch – an den großen Verhandlungen vorbei und zwischen ihnen hindurch sind durchaus respektable <a href="https://www.carbonbrief.org/cop30-key-outcomes-for-food-forests-land-and-nature-at-the-un-climate-talks-in-belem/">Ergebnisse</a> zustandegekommen, unter anderem: Zugesagte Milliarden für Wälder und Landrechte von Indigenen; die <a href="https://oceanographicmagazine.com/news/cop30-brazil-to-sustainably-manage-all-its-national-waters-by-2030/">Ankündigung</a> Brasiliens, seine kompletten Küstengewässer bis 2030 unter nachhaltiges Management zu stellen, im Ausmaß weltweit beispiellos; und ein neues Bündnis von inzwischen über 80 <a href="https://earth.org/83-countries-join-call-to-end-fossil-fuels-at-cop30/">Staaten</a>, darunter fast alle EU-Staaten, viele Inselstaaten, Brasilien, Kolumbien, Mexiko, Australien und weitere, die den Ausstieg aus den Fossilen gemeinsam außerhalb des konsens-gelähmten UN-Prozesses konkretisieren und vorantreiben wollen. Dafür planen sie im April eine eigene Konferenz – eine Entwicklung, von der sich <a href="https://www.theguardian.com/environment/2025/nov/27/beyond-the-negative-headlines-some-truly-good-things-came-out-of-cop30">einige</a> eine große <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/cop30-in-belem-der-ausstiegsplan-der-brasilianer-koennte-zum-wendepunkt-werden-a-abf3badb-70cb-42b6-9a23-0e03857c3887">Sogwirkung</a> erhoffen.</p><p>Wäre ein gemeinsamer Beschluss aller Mitgliedsstaaten über den Ausstieg mehr als an der Zeit gewesen? Definitiv. </p><p>Oder eine solide Finanzierung von Klima-Anpassungsmaßnahmen in armen Ländern, die für die Krise kaum verantwortlich sind, aber am meisten unter ihren Folgen leiden werden? Auf jeden Fall! </p><p>Aber hat die Welt einen beträchtlichen Schritt nach vorn gemacht, den es ohne die Konferenz so nicht gegeben hätte? Unbedingt.</p><h2><strong>Trendlinien statt Schlagzeilen<br/></strong><em>Das Thema des Monats</em></h2><ul><li><p><em>Medien verzerren die Welt systematisch Richtung Negativität: Berichte über Mord, Terror, Krieg sind stark überrepräsentiert, während langfristige Fortschritte untergehen </em></p></li><li><p><em>Objektive Trenddaten zeigen Verbesserungen in vielen wichtigen Bereichen, bei uns und in der Welt</em></p></li><li><p><em>Hoffnung und Selbstwirksamkeit sind zentral: ein realistischer, hoffnungsvoller Blick stärkt die Handlungsfähigkeit.</em></p></li><li><p><em>Fallbeispiel: Die Protestwelle gegen die rechtsextreme Agenda war erfolgreicher, als es heute in der Berichterstattung den Anschein hat</em></p></li></ul><p>Das Jahr geht zuende, und wenn du denkst: Alles wird immer schlimmer, dann bist du damit ganz bestimmt nicht alleine. Ukraine, Gaza, Sudan, bei uns der Rechtsextremismus im Aufwind und keine (?) Lösung in Sicht. Nichts davon kann und darf man kleinreden. </p><p>Trotzdem möchten wir dir folgendes Angebot machen: Wir tragen ein bisschen zusammen, wo die Dinge besser stehen, als du wahrscheinlich denkst, warum du davon nicht weißt, warum das wichtig ist, und was du tun kannst, um sie besser zu machen. Du musst im Gegenzug nur lesen, und idealerweise selber ein bisschen Kraft daraus schöpfen und anderen davon erzählen. Wenn das für dich wie eine faire Arbeitsteilung klingt: Herzlich willkommen.</p><p>Zur Einstimmung ein Mantra. Wiederhole es jeden Tag, wenn schlechte Nachrichten dich erdrücken. Also uns hilft’s.</p><h3><strong>Die Welt ist schlimm. Die Welt ist viel besser. Die Welt kann viel besser sein. </strong></h3><figure><a href="https://ourworldindata.org/much-better-awful-can-be-better"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/371778f6-a597-46be-9f19-cb7ce315999d/uploads/images/elpaxdl52n/awful_better_can_be_better_Venn.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Venn Diagramm: The world is awful. The world is much better. The world can be much better. All three statements are true at the same time."/></a><figcaption>Quelle: Max Roser (2022), Our World in Data</figcaption></figure><p>Diese drei Aussagen stehen nicht im Widerspruch zueinander, sie sind alle drei zugleich wahr. Niemandem ist geholfen, wenn wir bei der ersten Feststellung stehenbleiben. Auch die anderen beiden Wahrheiten jederzeit präsent zu haben, bedeutet, eine bessere Welt für erreichbar zu halten und den Einsatz dafür die Mühe wert. Es wird uns schwerer gemacht, als es sein müsste.</p><h3><strong>Fallbeispiel 1: Bedrohungen für die körperliche Unversehrtheit</strong></h3><p><em>Our World in Data</em>, eine an die Oxford University angebundene Datenplattform, hat die tatsächliche Häufigkeit von Todesursachen mit der Häufigkeit der Berichterstattung von Todesursachen in US-Medien ins Verhältnis <a href="https://ourworldindata.org/does-the-news-reflect-what-we-die-from">gesetzt</a>. Selbstverständlich sind Mord und Terrorismus spannender als Herzkrankheiten und Krebs, und es ist nachvollziehbar und wahrscheinlich unvermeidlich, dass wir mehr über erstere sprechen als über letztere. </p><p>Aber wenn sich das gesellschaftliche Bedrohungsempfinden der Menschen vor allem an dem ausrichtet, was sie in den Nachrichten hören und sehen, kann es keine supergute Idee sein, dass 56 Prozent der Tode, aber nur 7 Prozent der Berichterstattung über Tode auf Krebs und Herzkrankheiten entfallen, und weniger als 1 Prozent der Tode, aber 43 Prozent der berichteten Tode auf Morde zurückgehen. Von Terrorismus ganz zu schweigen, der in der US-Berichterstattung um einen sagenhaften Faktor von über 18.000 überrepräsentiert ist.</p><figure><a href="https://ourworldindata.org/does-the-news-reflect-what-we-die-from"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/371778f6-a597-46be-9f19-cb7ce315999d/uploads/images/lbwyzyyz65/overrepresentation-deaths-media-coverage.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Diagramm: Über- bzw. Unterrepräsentation von Todesursachen in der US-Berichterstattung"/></a><figcaption>Our Wold in Data: Does the news reflect what we die from?</figcaption></figure><h3><strong>Fallbeispiel 2: Bedrohungen für die Börse</strong></h3><p>Wenn du der Berichterstattung über die Bewegungen des deutschen Aktienindex im heute journal – dem meistgesehenen Nachrichtenmagazin im deutschen Fernsehen – von 2017 bis 2024 aufmerksam gefolgt bist, dann weißt du, dass der DAX mit jeder Meldung um durchschnittlich 10 Punkte gesunken ist. </p><p>Typisch! Die Wirtschaft! Sie geht, wohin, na den Bach runter natürlich.</p><p>Was du dann aber nicht weißt: An den Börsentagen ohne Meldung im heute journal, und das sind die meisten, ist der Index <a href="https://www.crctr224.de/research/discussion-papers/archive/dp682">gestiegen</a>, und zwar in Summe deutlich mehr als die vom ZDF berichteten Verluste: Während der reale DAX in diesem Zeitraum von 11.481 auf 16.000 Punkte stieg, fiel sein fiktives, vom ZDF berichtetes Pendant auf 5.845. Das ist ein berichteter Rückgang von acht Prozent pro Jahr, dem ein tatsächlicher Gesamtzuwachs von jährlich sieben Prozent gegenübersteht.</p><h3><strong>Bad News Bias</strong></h3><p>Das alles sind anschauliche Beispielel für einen stark verbreiteten <em>Bias</em> im Journalismus, also eine Verzerrung der Berichterstattung – und zwar zugunsten <em>schlechter</em> <em>und aufregender Nachrichten</em>. Die Zunahme dieser Verzerrung ist für die letzten Jahren zumindest für englischsprachige Medien weltweit vielfach dokumentiert und <a href="https://www.nature.com/articles/s41599-025-04514-7">nachgewiesen</a>.</p><p>Weite Teile unserer Welt betrachten wir lediglich durch die Brille der Berichterstattung, wie sollten wir auch anders, wir sind darauf angewiesen. Und wenn diese Brille derart düster getönt ist, macht sie es uns sehr schwer, die Welt so zu sehen, wie sie ist: </p><p>Oft schlimm, ja. Aber viel weniger hoffnungslos, als du denkst, und immer in Bewegung, und sehr viel besser, als sie mal war. </p><h3><strong>Die Welt ist viel besser</strong></h3><p>In 23 von 27 Gallup-Umfragen seit 1993 hat eine Mehrheit der US-Teilnehmenden <a href="https://www.pewresearch.org/short-reads/2024/08/29/the-link-between-local-news-coverage-and-americans-perceptions-of-crime/">angegeben</a>, dass die Kriminalität gegenüber dem Vorjahr zugenommen hat. Tatsächlich ist sie stark <a href="https://www.pewresearch.org/short-reads/2024/04/24/what-the-data-says-about-crime-in-the-us/">gefallen</a>. Für Deutschland kann man ähnliches konstatieren: Die Zahl der Gewaltdelikte ist 2007 deutlich größer gewesen als heute, aber das <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/migration-friedrich-merz-faellt-auf-den-psychotrick-der-afd-herein-a-f76a4721-bc6f-4a5e-aff8-845eaa45c058">Bedrohungsempfinden</a> ist groß wie nie, und für einen Zusammenhang zwischen Migration und erhöhter Kriminalität, der hier oft genannt wird, fehlt es sowohl bei uns als auch anderswo an <a href="https://www.ifo.de/DocDL/sd-2025-digital-03-adema-alipour-migration-kriminalitaet.pdf">Evidenz</a>.</p><p>Und Krebs, eine der tatsächlich häufigsten Todesursachen, von der man aber nur wenig liest und hört? Heute sterben in den USA nur noch ein <a href="https://ourworldindata.org/data-insights/childhood-cancer-deaths-in-the-united-states-have-declined-six-fold-over-the-last-seventy-years">Sechstel</a> so viele Kinder an Krebs wie noch vor 70 Jahren; seit den 1990ern <a href="https://ourworldindata.org/grapher/cancer-death-rate-crude-vs-age-standardized-who-mdb">sinkt</a> auch die Sterberate bei Erwachsenen stark. Auch Tode durch Herzkrankheiten sind weltweit deutlich <a href="https://ourworldindata.org/grapher/cardiovascular-disease-death-rate-who-mdb?country=CAN~USA~RUS~HUN~BRA~AUS~DEU~FRA">rückläufig</a>. </p><p>Und Malaria, eine Krankheit, an der über tausende von Jahren unzählige Menschen gestorben sind, inzwischen jedes Jahr über eine halbe Million, davon eine überwältigende Mehrheit Kinder unter fünf Jahren in afrikanischen Ländern südlich der Sahara? Malaria ist im Begriff, durch den großflächigen Einsatz revolutionärer neuer <a href="https://www.gavi.org/news/media-room/gavi-announces-record-setting-year-saving-lives-through-immunisation-2024">Impfstoffe</a> besiegt zu werden. 500 Millionen geimpfte Kinder allein in 2024, das sind geschätzte 9 Millionen gerettete Leben, und es werden jeden Tag mehr, ein gigantischer Durchbruch in der menschlichen Entwicklung.</p><p>Die Chance ist hoch, dass du von diesen Dingen nicht oder kaum gelesen hast. </p><p>Ergo: Wir hören zu viel über Mord und Totschlag, und zu wenig über riesige Fortschritte in Bereichen, die gesellschaftlich eigentlich wesentlich relevanter sind. </p><p>Ein hervorragender Lackmus-Test für diesen Befund, den du gut im Selbstversuch durchführen kannst: Frage beliebige Menschen aus deinem Umfeld, oder an der Supermarktkasse, oder in der Sauna, oder im Zug, oder von einer Bühne herunter: </p><p><em>Was denkst du, wie groß im letzten Jahr der Anteil erneuerbarer Energien an den weltweit neu gebauten Kraftwerkskapazitäten war?</em></p><p>Wir haben es inzwischen sehr oft ausprobiert. Sie werden zwei Prozent sagen, oder fünf, oder auch mal in den ganz optimistischen Fällen zwanzig. </p><p><strong>Die tatsächliche Zahl lautet 92,5 Prozent.</strong> </p><figure><a href="https://www.irena.org/-/media/Files/IRENA/Agency/Publication/2025/Mar/IRENA_DAT_RE_Capacity_Highlights_2025.pdf"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/371778f6-a597-46be-9f19-cb7ce315999d/uploads/images/wtekmdtoas/Bildschirmfoto_2025-12-11_um_13.21.18.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Diagramm: Verlauf des Zubaus neuer Kraftwerkskapazitäten pro Jahr, erneuerbar vs fossil"/></a><figcaption>IRENA Renewable Capacity Highlights (2025)</figcaption></figure><p>Es ist eine der wichtigsten und aussagekräftigsten <a href="https://www.erneuerbareenergien.de/energiemarkt/energiemaerkte-weltweit/irena-meldet-weltweiten-rekordzuwachs-bei-erneuerbaren-energien">Zahlen</a>, die es derzeit auf der Welt so gibt, mit weitreichenden Implikationen, und kaum jemand kennt sie.</p><h3><strong>Hoffnung macht erfolgreich</strong></h3><p>Unser Weltbild ist zu weiten Teilen Ergebnis dieser Verzerrung. </p><p>Davon bekommen wir als Gesellschaft nicht nur schlechtere Laune als nötig, und das wäre ja schon ärgerlich genug. Eine kürzlich erschienene große <a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/hec.70041">Studie</a> aus Australien fand darüber hinaus heraus: </p><p><strong>“Hoffnung haben” ist womöglich ein größerer Faktor für Lebensglück, beruflichen Erfolg und Gesundheit ist als alle anderen Eigenschaften, die man bisher dazu untersucht hat. </strong></p><p>Mit anderen Worten: Der Konsum zu vieler schlechter Nachrichten könnte sogar deiner Karriere im Weg stehen!</p><p>Und damit nicht genug: Damit Menschen sich für etwas einsetzen können, brauchen sie das Gefühl, etwas bewirken zu können. Werden aber Missstände als allgegenwärtig und erdrückend wahrgenommen, dann raubt uns das die Kraft, an ihnen etwas zu ändern – eine selbsterfüllende Prophezeiung. Wir werden durch zu viele schlechte Nachrichten schlechter darin, uns an den Stellen zu engagieren, an denen wir die Welt tatsächlich besser machen und so für gute Nachrichten sorgen könnten.</p><h3><strong>Fallbeispiel 3: Vier Millionen Menschen</strong></h3><p>Bitte behalte die beschriebenen Erwägungen über Verzerrungen in der Berichterstattung im Hinterkopf, wenn wir dir jetzt etwas sagen, zu dem dein Gehirn vielleicht gleich denken möchte: Das glaub ich nicht.</p><p><strong>Die große rechtsextreme Partei in Deutschland hat 2024 massiv an Zuspruch eingebüßt. Und zwar auch, weil Protest wirkt.</strong></p><p>Im Nachgang der von Correctiv veröffentlichten <a href="https://correctiv.org/themen/geheimplan-recherche/">Recherchen</a> zum Potsdamer Geheimtreffen gingen über vier Millionen <a href="https://www.volksverpetzer.de/aktuelles/demo-auf-strasse-uebersicht-1003/">Menschen</a> auf die Straße, um gegen die rechtsextreme Agenda zu demonstrieren – eine der größten Protestwellen in der Geschichte der BRD. </p><p>Ein-Jahr-später-Bilanzen fallen <a href="https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/correctiv-recherche-afd-proteste-100.html">ernüchtert</a> aus, weil Veränderungen auf der politischen Ebene ausblieben, der Grundtenor ist: War ja wohl leider irgendwie alles umsonst. War es nicht.</p><p>Es wird viel gesprochen darüber, dass die Zustimmungwerte für die rechtsextreme Partei heute auf einem Höchststand sind. Wie sehr die Zeit davor allerdings der extremen Rechten ins Kontor geschlagen hat, lesen wir viel zu wenig: </p><p>Infolge der Enthüllungen und Proteste fielen die <a href="https://www.volksverpetzer.de/aktuelles/absturz-afd-2024-2/">Zustimmungswerte</a> der Partei bis Ende 2024 deutlich - je nach Umfrage von etwa 22 bis auf etwa 16 Prozent. Eine <a href="https://www.wzb.eu/de/news/proteste-wirken">Studie</a> zeigt, dass die Rechtsextremen in Wahlen dort, wo Proteste stattfanden, auch ganz konkret an den Urnen Stimmen einbüßten. Und bis heute werden die tatsächlichen Wahlergebnisse in den Regionen dem Höhenflug der theoretischen Umfragewerte in vielen Fällen <a href="https://www.volksverpetzer.de/analyse/die-vielen-afd-wahlniederlagen/">nicht</a> gerecht. </p><h3><strong>Der Protest hat nicht genug bewirkt. Der Protest hat gewirkt. Protest kann noch viel besser wirken.</strong></h3><p>Und damit kommen wir zum Praxisteil dieser Newsletter-Veranstaltung: Wie nehmen wir als Zivilgesellschaft, die gern möchte, dass unsere Demokratie demokratisch bleibt, das Momentum aus dem letzten Jahr wieder auf? </p><p>Die Menschen, die zu Millionen auf den Straßen waren, sind ja alle noch da, sie mögen die freiheitliche demokratische Grundordnung auch immer noch gern. Wahrscheinlich sind sie frustriert, weil man ihnen, siehe oben, erzählt, dass ihr Einsatz nichts gebracht hat (was nicht stimmt) oder mehr hätte bringen können (was vermutlich richtig ist). </p><p>Wenn man wissen möchte, wie wir von hier aus weitermachen sollen, lohnt sich also die Frage: Wie vermittelt man denen, die damals auf der Straße waren, dass die Bewegung wirksamer war, als sie sich anfühlt? Und dann: Wann und wie funktioniert Protest eigentlich am besten, was kann man anders und besser machen?</p><p>Herausgegriffen aus der Bewegungsforschung seien folgende wichtige Aspekte, mit dem Hinweis, dass es sich hierbei um keine klare Checkliste mit Erfolgsgarantie handelt, sondern um ein komplexes Feld, in dem noch eine Menge mehr <a href="https://museumofprotest.org/guides/guide-lessons-learned-and-common-pitfalls/">Faktoren</a> eine Rolle spielen.</p><ul><li><p>Wenig überraschend: Wenn <strong>große Massen</strong> mobilisiert werden, sind die Chancen auf Erfolg deutlich größer. Vielleicht aber doch überraschend, dass es dazu eine konkrete <a href="https://www.hks.harvard.edu/sites/default/files/2024-05/Erica%20Chenoweth_2020-005.pdf">Zahl</a> gibt, die sich schon eine ganze Weile hält: Offenbar liegt eine kritische Schwelle bei 3,5 Prozent einer Bevölkerung. In der Vergangenheit ist kaum eine gewaltfreie Protestbewegung, die diesen Grad der Mobilisierung erreichte, erfolglos geblieben. Nun stammt diese Zahl aus Forschung, die sich explizit mit Bewegungen befasst, die nicht Reformen fordern, sondern den Umsturz einer Regierung; die Übertragung auf weniger radikale Protestformen wird von den Forschenden selbst deutlich kritisiert. Andererseits: Vier Millionen Menschen auf den Straßen bei einer Bevölkerung von gut 80 Millionen sind fast 5 Prozent, deutlich mehr als 3,5. In der Sparte Mobilisierung für Demokratie und Freiheit steht also da draußen ein mächtiges Potential für Veränderung zur Verfügung, das derzeit vielleicht bloß wieder ein wenig im Dornröschenschlaf liegt. Es braucht lediglich einen charmanten Frosch, um es wachzuküssen. (Ja, mit Märchen kennen wir uns sehr gut aus).</p></li><li><p>Woran es aber den Protesten im letzten Jahr gemangelt hat, um noch wirkungsvoller zu sein: <strong>Klare, erreichbare, konsensfähige Forderungen</strong> schaffen interne Einigkeit, erleichtern die Strategieplanung, machen Fortschritte messbar und verbessern die öffentliche Kommunikation. </p></li><li><p>Der dritte Punkt: <strong>Dauerhaftigkeit</strong>. Veränderung braucht langen Atem. Bewegungen, die über einen längeren Zeitraum aktiv und sichtbar bleiben, halten ihre Forderungen im gesellschaftlichen Diskurs präsent, normalisieren sie und bauen so größeren politischen Druck auf; sie haben mehr Zeit, Menschen zu erreichen und zu aktivieren; sie haben größere Chancen, zur Stelle zu sein, wenn sich günstige gesellschaftliche oder politische Momente ergeben, um diese gezielt zu nutzen; sie können besser lernen, sich anpassen und professionalisieren.</p></li></ul><p>Wir brauchen also eine neue, mitreißende Bewegung, die die Millionen engagierter Menschen im Land wieder in die gefühlte Selbstwirksamkeit bringt, klare Forderungen hat und große Ausdauer.</p><h3><strong>Lösung sein.<br/></strong><em>Handreichungen fürs Selbermachen</em></h3><figure><a href="https://youtu.be/eSgFEpI9ZDQ?si=gaIQAmw8gBVNHk7K"><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Finnnit-public.s3.eu-central-1.amazonaws.com%2F68fa57e15c7abf39c894a8f4_xl.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=29580f5c038f00cd5115fdcafea17e91" alt="Nico Semsrott: So gewinnen wir gegen Rechtsextreme"/></a><figcaption>&quot;Es ist gegen die Grundidee von Deutschland, auf eine Prüfung, die theoretisch möglich ist, zu verzichten&quot; – Nico Semsrott</figcaption></figure><p><em>&quot;Es ist gegen die Grundidee von Deutschland, auf eine Prüfung, die theoretisch möglich ist, zu verzichten&quot; – Nico Semsrott</em></p><p>Die neue Initiative <a href="https://wonderl.ink/@pruef">PRÜF</a> (Prüfung rettet übrigens Freiheit), gegründet von Satiriker und Ex-EU-Parlamentarier <a href="https://www.instagram.com/nicosemsrott/?hl=de">Nico Semsrott</a>, hat genau eine Forderung, nämlich:</p><p><strong>Alle Parteien, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremer Verdachtsfall oder gesichert rechtsextrem eingestuft werden, sollen durch das Bundesverfassungsgericht überprüft werden.</strong></p><p>Das ist nicht nur eine sehr klare Forderung, sondern auch eine, gegen die sich aus (fast) keinem politischen Lager heraus gut argumentieren lässt, insbesondere in einem Land, in dem die sachgerechte Prüfung von allen möglichen Sachen ganz tief in die kulturelle DNA eingeschrieben ist.</p><p>Das zentrale Mittel, um diese Forderung durchzusetzen, sind regelmäßige Prüf-Demos – jeden Monat, immer am zweiten Samstag, nach und nach in allen Landeshauptstädten. Das Konzept ist: Marathon, kein Sprint.</p><p>Die <a href="https://www.instagram.com/p/DRU3svkDP2l/">Auftaktdemo</a> im November in Hamburg versammelte aus dem Stand 5700 Menschen. Der Superredaktion liegen exklusiv die Ergebnisse eines Feedback-Fragebogens vor, den 1110 Teilnehmende live während der Veranstaltung beantwortet haben. 1083 (98 Prozent) von ihnen möchten auf jeden Fall beim nächsten Mal wiederkommen. Einer (0 Prozent) nicht.</p><p>Potential für massenweise Mobilisierung, Langfristigkeit, Klarheit der Forderung – hier kann PRÜF einen Haken machen. Dazu kommt noch ein weiteres, von der Bewegungsforschung bisher vernachlässigtes Kriterium, eine wahnwitzige Idee: </p><p><em>Was, wenn Demos Spaß machen würden und man nicht nur aus bürgerlichem Pflichtgefühl hingehen müsste? </em></p><p>Semsrott versteht etwas von Entertainment und hat viele andere Kulturmenschen um sich geschart, die alle wissen, wie man es im Zusammenspiel von Bühne und Publikum schön miteinander haben kann. Wie sich das auswirkt, kann man sich auf dem <a href="https://www.instagram.com/pruef.de/">Insta–Kanal</a> der Initiative ansehen. Oder besser noch: Auf der nächsten Demo. Make Democracy fun again!</p><p><strong>Nämlich morgen, Samstag, 13. Dezember um 14 Uhr. </strong></p><p>Zum zweiten Mal in <strong>Hamburg</strong> auf dem Stephansplatz, und parallel erstmals in <strong>München</strong> auf dem Geschwister-Scholl-Platz.</p><p><strong>Wir glauben, PRÜF könnte genau der charmante Frosch sein, den wir jetzt brauchen. </strong></p><p>Und die zweite Demo ist lange nicht die letzte, und Landeshauptstädte gibt es nicht nur zwei, und zweite Samstage auch noch einige. Es ist also noch viel zu tun. </p><p>Die Superredaktion möchte eine offizielle Empfehlung aussprechen: Wenn du eine beliebige Kombination von Reichweite, Humor, Unterhaltungswert, Geld, Zeit, Einsatzbereitschaft zur Verfügung hast und sie möglichst wirkungsvoll für die Stärkung von Demokratie und Freiheit einsetzen möchtest, dann ist unserer Einschätzung nach PRÜF die bestmögliche Anlaufstelle, die wir gerade haben. Viele Kolleginnen und Kollegen aus Musik, Film, Theater, Lustigkeit und anderen Sektoren sind schon mit im Boot. </p><p>Wende dich vertrauensvoll an <a href="mailto:kontakt@pruef-demos.de">kontakt@pruef-demos.de</a>, wenn du auch ins Boot möchtest, es ist noch Platz.</p><p>Und damit schließen wir den vorletzten Schrieb des Jahres – und versprechen eine Good-News-Sonderedition für die Zeit zwischen den Jahren, um die 2025er Bilanz noch ein bisschen zu schönen und dann vielleicht etwas beschwingter in Richtung 2026 zu rutschen.</p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Dieser Newsletter ist nur durch eure finanzielle Unterstützung möglich! Daher ein großes Dankeschön an alle, die uns unterstützen.</em></p><p><em>Wenn du noch nicht dabei bist, </em><strong><em>freuen wir uns sehr über Spenden</em></strong><em> (und können auch mit Spendenbescheinigungen dienen wenn gewünscht).</em></p><p><em>Global Eco Transition gGmbH | IBAN: DE62 4306 0967 1230 6808 00 | BIC: GENODEM1GLS | Verwendungszweck: ”Spende Superredaktion”</em></p><p><strong><em>Wichtig:</em></strong><em> Spenden kommen bei uns nur an, wenn der Verwendungszweck richtig angegeben wird.</em></p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Du willst </em><strong><em>deine Reichweite nutzen</em></strong><em>, um auf Klimathemen aufmerksam zu machen? Wir helfen dir dabei! Schreib uns gerne eine Mail an</em> <a href="mailto:info@superredaktion.de">info@superredaktion.de</a> – <em>wir sind freundlich, wissen Sachen und </em><strong><em>kosten dich nichts</em></strong><em>.</em></p><p><em>Du kennst Menschen, denen dieser Newsletter auch helfen könnte? Dann teile ihn gerne!</em><br/><br/><br/><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 12 Dec 2025 20:15:10 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Der Plastikflut den Hahn abdrehen]]></title>
      <description><![CDATA[Heute: Plastik – warum es überall ist, warum wir das nicht wollen, wie wir es ändern und warum es tatsächlich gelingen kann, wenn wir dranbleiben.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Willkommen im Newsletter der Superredaktion – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete Anpackmaterialien für Menschen mit Lust auf Zukunft.</p><p>Heute: Plastik – warum es überall ist, warum wir das nicht wollen, wie wir es ändern und warum das tatsächlich gelingen kann, wenn wir dranbleiben.</p><p>Falls du noch nicht unsere (anonyme, superkurze) <a href="https://nczaja.limesurvey.net/725625?lang=de">Feedback-Umfrage</a> ausgefüllt hast, freuen wir uns übrigens sehr, wenn du das noch tust! </p><p><strong>Inhalt:</strong></p><ul><li><p>Froher werden – die guten Nachrichten.</p><ul><li><p>Bühne frei für das Zeitalter der Renaturierung</p></li><li><p>Vorhang fällt für alte Verbrenner</p></li><li><p>Applaus für Ungarn</p></li></ul></li><li><p>Der Plastikwelle den Hahn abdrehen – das Thema des Monats.</p><ul><li><p>Wo und wie Plastik schadet</p><ul><li><p>Weil es Materie am falschen Ort ist</p></li><li><p>Weil es schädliche Substanzen abgibgt</p></li><li><p>Weil seine Herstellung immense Mengen an Schadstoffen und CO2 produziert</p></li></ul></li><li><p>Die Lösung liegt flussaufwärts</p></li><li><p>Die Gegenspieler: Man kennt sich</p></li><li><p>Wir haben verloren. Was haben wir gewonnen?</p></li></ul></li><li><p>Lösung sein – Handreichungen fürs Selbermachen</p><p></p></li></ul><h2>Froher werden.<br/><em>Die guten Nachrichten</em></h2><h3>Bühne frei für das Zeitalter der Renaturierung </h3><p>Die landwirtschaftlich genutzte Fläche auf der Erde wird seit den 2000er Jahren <a href="https://www.bbc.com/future/article/20250909-the-rewilding-milestone-earth-has-already-passed">kleiner</a>. In Europa, Nordamerika, Australien und Zentralasien werden aufgegebene Weiden wieder zu Grasländern und Wäldern. Das liegt an Produktivitätssteigerungen, an der zunehmenden Verwendung von synthetischen Fasern (statt Baumwolle), Süßstoffen (statt Zuckerrohr und -rübe) und Aromastoffen (statt z.B. Vanilleschoten) sowie an veränderten Ernährungsgewohnheiten (Geflügel und Schwein statt Rind und Lamm). </p><p>Setzen sich diese Trends fort, wird die Menschheit im 21. Jahrhundert einer nachfolgenden Generation erstmals in der Geschichte mehr Natur hinterlassen, als sie vorgefunden hat.</p><h3>Vorhang für alte Verbrenner</h3><p>Die EU hält am sogenannten “Verbrennerverbot” ab 2035 <a href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/ursula-von-der-leyen-haelt-am-verbrenner-aus-fest-a-82698b30-00b8-4437-98ec-13555177308b">fest</a> (das, wir wiederholen es gern, <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/bmw-will-nach-2035-verbrenner-verkaufen-und-wird-unterstuetzt-von-union-und-fdp-a-dd8c9f97-441c-41b3-bb59-0a2f1576a557">kein</a> Verbot ist und sich auch nicht explizit auf Verbrenner beschränkt) – trotz zunehmendem Druck gerade aus der deutschen Autoindustrie, die lieber weiter altmodische, ineffiziente Öl-Autos bauen möchte. Währenddessen sind die wichtigsten Märkte längst im <a href="https://www.iea.org/reports/global-ev-outlook-2025/outlook-for-electric-mobility">Begriff</a>, sich von ihnen zu verabschieden und die deutschen Autobauer am Wegesrand zurückzulassen, weil elektrische Autos nicht nur ökologisch und technologisch, sondern zunehmend auch wirtschaftlich die bessere Wahl sind.</p><h3>Applaus für Ungarn</h3><p>Vor zehn Jahren hatte Ungarn gar keine Solarenergie; <a href="https://ourworldindata.org/data-insights/solar-overtakes-gas-to-become-hungarys-second-largest-electricity-source">heute</a> bestreitet das ja nicht unbedingt als progressiver Vorreiter bekannte Land über 25% seines Strombedarfs aus Solarstrom. Damit löst die Sonne Gas als zweitgrößte Stromquelle des Landes ab – und ist in einer sehr steilen Kurve auf dem Weg, bald auch den bisherigen Spitzenreiter Nuklearenergie vom Thron zu stoßen.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fourworldindata.org%2Fcdn-cgi%2Fimagedelivery%2FqLq-8BTgXU8yG0N6HnOy8g%2Fc7ea1626-f9ab-44bd-c25e-e2b76c8ef700%2Fw%3D1620?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=3e213e629ee1a31f19428298cf7fc166" alt="A line graph illustrating the share of Hungary&#39;s electricity generation by source from 1990 to 2024. The graph highlights four main sources of electricity: nuclear, solar, gas, and coal. 

Nuclear energy is Hungary&#39;s largest source with more than 40%; it has been during most of the period shown. Solar overtook gas in 2024 to become the second largest source, at about 25%. Coal&#39;s share has fallen from about 30% in 1990 to 6% in 2024.

The data source is credited to Ember, 2025, and the chart is licensed under CC BY to Our World in Data."/><h2>Der Plastikwelle den Hahn abdrehen.<br/><em>Das Thema des Monats</em></h2><ul><li><p><em>Plastik ist überall, es schadet als Material am falschen Platz und setzt darüberhinaus tausende schädliche Chemikalien frei</em></p></li><li><p><em>Die mit Abstand wichtigste Maßnahme, um die Plastikkrise zu lösen, ist eine Deckelung der Produktionsmengen</em></p></li><li><p><em>Die fossile Lobby will das verhindern, weil sie Plastik als nächsten großen Markt für Öl, Gas und Kohle sichern möchte, wenn wir davon in Autos, Kraftwerken etc. immer weniger brauchen </em></p></li><li><p><em>Ihr steht eine große Mehrheit an Ländern gegenüber, die sich für eine wirkungsvolle globale Lösung einsetzen</em></p></li></ul><p>Am Samstag war <a href="https://oceanconservancy.org/trash-free-seas/international-coastal-cleanup/">International Coastal Cleanup Day</a> (ICC). Zum vierzigsten Mal haben sich Millionen Freiwillige auf der ganzen Welt aufgemacht – <a href="https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/aktionen-und-projekte/meere-ohne-plastik/gewaesserretter/index.html">vielleicht auch in deiner Stadt</a> – um Küsten, Ufer und Strände vor ihren Türen von Müll zu befreien.</p><p>Was 1984 an der Küste von Oregon in den USA mit 2000 Helfenden <a href="https://theconversation.com/meet-the-women-who-turned-beach-cleanups-into-a-global-movement-and-what-was-forgotten-along-the-way-264652">begann</a>, ist heute einer der größten zivilgesellschaftlichen Aktionstage der Welt. Seit dem ersten Coastal Cleanup Day vor vierzig Jahren haben über 18 Millionen Menschen an den Küsten aller Kontinente über<em> 170.000 Tonnen</em> Müll gesammelt – das meiste davon Plastik.</p><p>170.000 Tonnen sind eine unvorstellbare Menge, ein eindrucksvolles Beispiel globalen sozialen Engagements, das Hoffnung macht.</p><p>170.000 Tonnen sind außerdem weniger als zwei Prozent der geschätzten <a href="https://www.journals.uchicago.edu/doi/10.1093/reep/rez012"><em>10 Millionen Tonnen</em></a> Plastik, die ins Meer geraten – <em>pro Jahr.</em></p><p>In vierzig Jahren haben 18 Millionen Freiwillige also nicht einmal ein Fünfzigstel so viel Müll eingesammelt, wie die Menschheit jedes einzelne Jahr an Plastik ins Meer kippt, spült und wehen lässt.</p><p>Müssen wir uns Sisyphos als einen Müllsammler vorstellen?</p><p>Der ICC ist ein wichtiges Ereignis und eine große Errungenschaft – seiner Sichtbarkeit und seiner Symbolkraft wegen, und auch, weil die Beteiligten den Müll nicht bloß sammeln, sondern auch katalogisieren und auswerten. Es ist ein Citizen-Science-Projekt von planetarem Ausmaß, durch das wir viel über den Materialfluss des Mülls durch die Meere und Flüsse gelernt haben, und über die Identitäten der größten Verschmutzer.</p><p>Es ist kein kollektiver Sisyphos, der hier zugange ist. Es ist ein kollektiver Herkules.</p><p>Aber wir müssen die Linse noch eine ganze Ecke weiter öffnen, um die Größe der Herausforderung vollständig zu erfassen. </p><p>Achtung, jetzt geht es erstmal bergab. Aber versprochen, es wird danach einen positiven Ausblick geben.</p><p>Wirf mal kurz einen Blick auf diese Grafik bitte.</p><figure><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fstatic.spektrum.de%2Ffm%2F912%2Ff2000%2FSubramanian_Nature611_2022_The-plastic-wave_dt.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=3b216a625be8a8093bb583da77b57a47" alt="Infografik: Die Plastikwelle"/><figcaption>© Nature, nach Letcher, T.M. (Hg.): Plastic waste and recycling: Environmental impact, societal issues, prevention, and solutions. Academic Press 2020; Subramanian, M.: Plastics tsunami: Can a landmark treaty stop waste from choking the oceans? Nature 611, 2022; dt. Bearbeitung: Spektrum der Wissenschaft (Ausschnitt)</figcaption></figure><p>Das Diagramm ist ein bisschen erklärungsbedürftig. Links siehst du die Kurve der jährlichen Produktionsmenge von Primärplastik - also neuem – von 1950 bis 2017, und als Projektion darüberhinaus bis 2050. Im Jahr 2017 waren das über 400 Millionen Tonnen – schon damals etwa das Vierzigfache der Menge, die jährlich ins Meer gerät.</p><p>Der Balken rechts zeigt als Momentaufnahme aus 2017, was mit all dem bis dahin produzierten Plastik passiert ist - insgesamt waren das 9200 Millionen Tonnen.</p><p>Knapp 8200 Millionen Tonnen – also fast 90 Prozent allen je hergestellten Plastiks – waren demnach 2017 noch in der Welt. Das entspricht einem Würfel mit einer Kantenlänge von etwa zwei Kilometern. </p><p>Recycelt wurden, und werden bis heute, nur um die 10 Prozent allen Materials, verbrannt wird inzwischen etwas mehr. Wir können jedenfalls davon ausgehen, dass dieser Würfel seit 2017 jedes Jahr um mehrere hundert Tonnen neu produziertes Plastik gewachsen ist und es bis heute tut.</p><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d313a079-7b24-48aa-800a-eaa085a7a3dc/uploads/images/2lx3w6ounw/Borgkubus.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Borg-Kubus"/><figcaption>Symbolbild</figcaption></figure><p>Und das, liebes Publikum, ist die Größe der Herausforderung.</p><p>Vor ein paar Wochen in Genf hätte ein wesentlicher Schritt zu ihrer  Bewältigung gemacht werden können. Das ist nicht passiert. Du magst davon gelesen haben oder nicht – in der Berichterstattung war die Präsenz der <a href="https://www.deutschlandfunk.de/plastik-abkommen-vereinte-nationen-genf-100.html">UN-Plastikkonferenz</a>, die eigentlich mit einem globalen Plastikabkommen hätte enden sollen / können /dürfen, überschaubar.</p><p>Ein Grund mehr, hier extra beherzt anzupacken, denn hoffnungslos ist die Lage nicht. Lösungen sind bekannt, Fachleute und Forschung sind sich einig. Es ist jetzt deren und unsere und deine Aufgabe, zu helfen, dass sie auch umgesetzt werden, auch, aber nicht nur, damit Herkules stolz auf uns ist.</p><p>Wir machen noch einen Schlenker, um einmal auch die weniger bekannten Aspekte der Plastikkrise zu skizzieren, dann kommen wir zu der Frage, was jetzt zu tun ist und warum.</p><h3>Wo und wie Plastik schadet</h3><h4>Weil es Materie am falschen Ort ist</h4><p>Plastik ist <em>überall: </em>in den äußersten Regionen der Erde und in den innersten Regionen menschlicher <a href="https://coastalpollutiontoolbox.org/117776/index.php.en">Körper</a>. Forschende haben es unter anderem <a href="https://www.theguardian.com/environment/2025/feb/03/levels-of-microplastics-in-human-brains-may-be-rapidly-rising-study-suggests">gefunden</a> in den tiefsten Tiefen der Meere und ihren Bewohnern, in Muttermilch, in Atemluft und Lungen, im Schnee der Arktis, im Hausstaub, in Gebärmüttern, vermutlich sogar in menschlichen <a href="https://www.theguardian.com/environment/2025/feb/03/levels-of-microplastics-in-human-brains-may-be-rapidly-rising-study-suggests">Gehirnen</a>, auch wenn dieser Befund noch deutlich <a href="https://www.sciencemediacentre.org/expert-reaction-to-a-study-investigating-the-accumulation-of-microplastics-in-human-organs/#:~:text=%E2%80%9CA%20disadvantage%20of%20the,process%20it%20is%20then">umstritten</a> ist.</p><p>Meerestieren wird es in Form von Meeresmüll zum Verhängnis, wenn sie sich darin verstricken, es verschlucken oder daran ersticken. Kleinere Partikel unter anderem aus Kosmetikprodukten, Reifenabrieb und Textilfasern bleiben am Plankton kleben und blockieren das Licht, das dieses unterste und damit wichtigste Glied der marinen Nahrungskette für die überlebenswichtige Photosynthese braucht. Noch kleinere Partikel, unter anderem aus dem Abrieb von Alltagsprodukten, sind so leicht, dass schon der geringste Luftzug ausreicht, um sie aufzuwirbeln und der Wind sie bis in die entlegensten Ökosysteme tragen kann. Sie sind so klein, dass sie über unsere Lungen in Blutbahn und Organe geraten, wenn wir sie <a href="https://www.theguardian.com/environment/2025/aug/28/microplastics-in-hair-study?CMP=Share_iOSApp_Other">einatmen</a>.</p><p><strong>Plastik ist also nicht so allgegenwärtig, wie es ist, weil wir als Verbraucherinnen und Verbraucher so viel davon wegwerfen, sondern weil es entlang der gesamten Wertschöpfungskette  in die Umwelt gerät – und zwar oft schon bevor es überhaupt Produkt geworden ist.</strong></p><h4>Weil es schädliche Substanzen abgibt</h4><p>Plastik besteht aus Öl, Gas oder Kohle und sehr viel Chemie. Über 13.000 Chemikalien werden in der Plastikherstellung verwendet, die für bestimmte Eigenschaften des Materials sorgen – etwa Festigkeit vs. Elastizität, Transparenz, Farbe und so weiter. </p><p>Davon <a href="https://plastchem-project.org/">gelten</a> über 4.000 als schädlich für die Umwelt oder den menschlichen Organismus. Von vielen anderen wissen wir es nicht genau. </p><p>Und dass diese Chemie nicht im Plastik verbleibt, sondern über den gesamten Lebenszyklus des Materials hinweg abgegeben wird – zum Beispiel an die Lebensmittel, die wir damit verpacken – ist inzwischen hinreichend belegt. </p><p>Viele dieser Stoffe sind hormonell wirksam, das heißt: Sie werden vom Körper für Hormone gehalten (dann nennt man sie Agonisten) und entfalten dieselbe Wirkung wie etwa Östrogen oder Testosteron. Oder sie wirken als sogenannte Antagonisten, blockieren Rezeptoren und verhindern so die Wirkung körpereigener Hormone. </p><p>Besonders in verwundbaren Lebensphasen wie Schwangerschaft, früher Kindheit oder Pubertät hat das eine ganze Reihe von möglichen Folgen: Reduzierte Spermienqualität, Zyklusstörungen, frühere Pubertät, erhöhtes Risiko für Übergewicht, Insulinresistenz und Diabetes, Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung, veränderte Abwehrreaktionen des Immunsystems, Übergewicht, uff. </p><p>Und anders als erwartbar folgt die Wirkung dieser Stoffe nicht der üblichen Logik größere Dosis, größerer Effekt. Schon der Eintrag geringer Mengen über kurze Zeit kann langfristige Folgen haben, während größere Dosen den Effekt vermindern oder ganz anders wirken können. </p><p>Die meisten anderen verwendeten Zusätze sind zum Glück einfach nur old school toxisch und erhöhen unter anderem das Risiko für diverse Arten von Krebs und genetische Fehlbildungen.</p><p><strong>Plastik ist also nicht nur als physikalisches Objekt schädlich, sondern auch als Träger massiv umwelt- und gesundheitschädlicher Substanzen.</strong></p><h4>Weil seine Herstellung immense Mengen an Luftverschmutzung und CO2 produziert</h4><p>99 Prozent aller Kunststoffe beginnen ihr Leben als Öl oder Gas, mit all den Umwelt- und Klimaproblemen, die an der Förderung fossiler Rohstoffe dranhängen.</p><p>Diese Rohstoffe wiederum in Granulat für die Herstellung von Plastikprodukten zu verwandeln, ist ein enorm energieintensiver Prozess. </p><p>Dabei entstehen zum einen große Mengen an CO2: 2015 war Plastik über den gesamten Lebenszyklus für drei bis vier Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich, der bei weitem <a href="https://ourworldindata.org/ghg-emissions-plastics#:~:text=How%20much%20of%20global,gas%20emissions%20come%20from">größte Anteil</a> davon bei der Bereitstellung der Rohstoffe (6-10 Prozent) und der Produktion (75-90 Prozent) – also lange bevor die Plastikflasche überhaupt bei dir auf dem Tisch steht, geschweige denn zu Müll wird.</p><p>Zum anderen entweicht während der Produktion eine große Zahl an anderen Schadstoffen aus Öfen und Heizkesseln in die Luft, zu Lasten der Gesundheit vor allem von Gemeinden, die sich im Umkreis der petrochemischen Werke befinden, und natürlich der Belegschaft der Werke selbst. </p><p>Eine kleine Auswahl der möglichen Gesundheitsfolgen: Diverse Formen von Krebs, schwere Leberschäden, Herzinfarkt, Schlaganfall, Asthma, kognitive Beeinträchtigungen, sensorische Störungen, Reproduktions‑ und Entwicklungseffekte, außerdem ungünstige Schwangerschaftsverläufe, wie bitte, was machen wir da eigentlich?</p><p><strong>Plastik ist also nicht nur an sich ein Problem, sondern auch sein hochgradig klima-, umwelt- und gesundheitsschädlicher Herstellungsprozess.</strong></p><h3>Die Lösung liegt flussaufwärts</h3><p><strong>Die Antwort auf den größten Teil all dieser Probleme liegt <em>upstream</em>, also flussaufwärts, in den Gliedern der Wertschöpfungskette <em>bevor</em> Plastik als Bestandteil eines Produktes im Ladenregal steht.</strong> </p><p>Wir wollen die Notwendigkeit von mehr Recycling und besserem Müllmanagement keineswegs kleinreden, und du wirfst bitte unbedingt weiter deinen Joghurtbecher ordnungsgemäß in den Gelben Sack: Betrachtet man ausschließlich die Meere, stammt der nach Gewicht größte Anteil von Plastikeinträgen aus mangelhaften Müllverwertungssystemen in ärmeren Ländern. Hier können Investitionen in bessere Verwertung in besonders betroffenen Hotspots (und ordnungsgemäß entsorgte Joghurtbecher in Ländern mit guten Systemen) schnell viele Tonnen einsparen.</p><p>Aber erinnere dich noch mal an die Grafik oben. Bei einem Blick auf diese Kurve mit dem Wachstum der Produktionsmengen sollte eigentlich ziemlich schnell klar werden, wo der eigentliche Hebel liegt.</p><p>Stell dir vor, du bist panisch mit einem sehr kleinen Wischmop in deinem überschwemmten Bad zugange und kriegst es irgendwie nicht trocken. Was tust du zuerst: zum Baumarkt rennen und einen größeren Wischmop besorgen – oder den Wasserhahn zudrehen? Anders gefragt: Ist deine flussaufwärts überlaufende Badewanne ein Wischmopproblem?</p><p>Selbst mehr Recycling ist keine Frage allein der besseren Müllverwertung, sondern ebenfalls eine der Produktion: Es ist vor allem die wenig regulierte und intransparente Beimischung tausender Chemikalien, die ein vollwertiges Recycling – und in vielen Fällen selbst das Downcycling zu minderwertigen Produkten – technisch erschwert, oft unmöglich macht, weil der Rohstoff, den man möchte, kaum von der Chemie trennbar ist, die man nicht möchte.</p><p>Und das ist auch der Konsens, der sich über die Jahre in der Forschung immer weiter durchgesetzt hat. Die folgenden Kernforderungen finden sich in einem <a href="https://global.noharm.org/focus/plastics/open-letter">offenen Brief</a> anlässlich der Genfer Plastikkonferenz, der von über 1100 unabhängigen Forschenden und Fachleuten mit Expertise zum Thema unterzeichnet wurde.</p><ul><li><p>Die erste und wichtigste Maßnahme ist eine absolute Reduktion der Produktion von Primärkunststoffen – ein sogenanntes “Cap”, ein Deckel. Ohne ist ein nachhaltiger Materialkreislauf weder technisch noch wirtschaftlich machbar, noch bekommen wir die Plastikverschmutzung in den Griff. </p></li><li><p>Zweitens müsste die chemische Zusammensetzung der Kunststoffe einfacher und transparenter werden, um die Wiederverwertung zu erleichtern und Gesundheitsschäden zu verhindern.</p></li><li><p>Der dritte Teil der Antwort liegt im Design der Endprodukte: Wiederverwendbarkeit, Langlebigkeit, Reparierbarkeit statt “geplante Obsoleszenz”, also kein Design, dass auf schnelles kaputtgehen/überholt sein/unsexy werden ausgelegt ist, damit möglichst bald ein neues Produkt gekauft werden muss – so wird die Nachfrage nach neuem Plastik gesenkt..</p></li></ul><p>Und welche Akteure mögen es nun wohl sein, die dafür verantwortlich sind, dass wir trotzdem über Plastik fast immer als Müllproblem sprechen? Spoiler: Es sind alte Bekannte.</p><h3>Die Gegenspieler: Man kennt sich</h3><p>Ein sehr großer Teil der Staatengemeinschaft, und das ist eine der sehr guten und wichtigen Nachrichten, möchte ein wirksames globales Plastikabkommen: Die “<a href="https://hactoendplasticpollution.org/">High Ambition Coalition</a>” unter der Führung von Ruanda und Norwegen, die sich für ein starkes Abkommen auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse inklusive Produktionsdeckel einsetzt, besteht inzwischen aus über 100 Ländern (die EU und damit auch Deutschland eingeschlossen).</p><p>Ihnen gegenüber steht ein <a href="https://www.cambridge.org/core/journals/cambridge-prisms-plastics/article/petrochemical-historical-bloc-exposing-the-extent-and-depth-of-opposition-to-a-highambition-plastics-treaty/43D4F723CC46B65B9C9DAEBD45B4DAFA">Bündnis</a> aus Öl und Gas produzierenden Staaten und Lobbyverbänden der petrochemischen Industrie. Die Mitgliedschaft ist hier deutlich intransparenter als bei der High Ambition Coalition und schwankt von Verhandlungspunkt zu Verhandlungspunkt, aber es geht hier nur um eine Handvoll Staaten. </p><p>Kernmitglieder sind unter anderem Russland, Iran, die USA und Saudi-Arabien. </p><p>Die gemeinsame Linie: Eine Deckelung der Plastikproduktion abwehren und das Müllproblem in den Mittelpunkt stellen – dessen Lösung, selbst wenn es eine gäbe, keine Bedrohung für die wachsende Nachfrage nach neuem Plastik ist, weil es sich nur darum schert, was passiert, <em>nachdem</em> es produziert wurde. </p><p>Der wirtschaftliche Antrieb hinter diesem Bündnis ist simpel: Plastik ist die Anschluss‑Wachstumsstrategie der Fossilen, die auffangen soll, dass Verkehr und Stromproduktion dank der rapide voranschreitenden weltweiten Energiewende immer weniger fossile Energieträger brauchen: Es wird <a href="https://www.iea.org/reports/the-future-of-petrochemicals">erwartet</a>, dass Plastik bis 2030 für mehr als ein Drittel des Wachstums der Nachfrage nach Öl verantwortlich sein wird, und bis 2050 für fast die Hälfte.</p><p>Dieser Hahn muss offen bleiben. Denn was für die überwältigende Mehrheit der Menschen ein metaphorisches überlaufendes Bad bedeutet, soll anderswo weiterhin für weniger metaphorische überlaufende Bankkonten sorgen.</p><p>Es gibt also gemeinsame Ursachen für die Überhitzung und die Plastifizierung des Planeten - und unter den <a href="https://theconversation.com/oil-companies-are-ploughing-money-into-fossil-fuelled-plastics-production-at-a-record-rate-new-research-169690">Hauptverantwortlichen</a> massive Personalüberschneidungen. So sind es dann auch dieselben Kräfte, die mit denselben Methoden die internationale Politik sabotieren, die es bräuchte, um die Plastikflut einzudämmen. </p><p>Und auch hier läuft das Konsensverfahren, mit dem die UN in aller Regel ihre Entscheidungen trifft, de facto auf ein Vetorecht einiger weniger hinaus, die große Mehrheiten so auf einfachste Weise aushebeln können. </p><p>Dabei <a href="https://www.sciencemediacenter.de/angebote/abschluss-der-verhandlungen-zu-einem-internationalen-plastikabkommen-25142">könnten</a> die ambitionierten Staaten, wenn sie nur wollten, eine Mehrheitsentscheidung erzwingen. Doch bisher haben sie sich das nicht getraut. </p><p>Wenn diese “Spoiler Countries” weiter erfolgreich die Verhandlungen sabotieren, wird Plastik mit der erwarteten Entwicklung der Produktionsmengen bis 2050 allein mehr als ein <a href="https://energyanalysis.lbl.gov/publications/climate-impact-primary-plastic#:~:text=more%20than%20double%20to,4%25/yr%20growth%2C%20emissions%20from">Viertel</a> des verbleibenden CO2-Budgets der Welt verbraucht haben – von den Umwelt- und Gesundheitsfolgen ganz zu schweigen. </p><p>Wenn!</p><h3>Wir haben verloren. Was haben wir gewonnen?</h3><p>Der in Genf zur Abstimmung vorgelegte Antrag war schwach; er war das Ergebnis des Einflusses einer Lobby, die ihre<em> cash cow</em> erfolgreich beschützt hat. Es mag eine Niederlage sein, dass wir nicht mit einem fertigen Abkommen aus der Konferenz gekommen sind. Es wäre eine weit größere Niederlage gewesen, wenn ein Text verabschiedet worden wäre, der so tut, als gälte es vor allem, unseren Müll besser zu sortieren. Es ist eine gute Nachricht, dass er so vehement abgeschmettert wurde.</p><p><a href="https://ourworldindata.org/ghg-emissions-plastics#:~:text=How%20much%20of%20global,gas%20emissions%20come%20from">Und</a>: Während der Verhandlungen lag eine regelrechte Flut an neuen, eindrucksvollen wissenschaftlichen Erkenntnissen auf dem Tisch – wir haben Teile davon hier versucht, für dich zusammenzufassen. Inzwischen ist auch dem letzten Politiker, der letzten Politikerin unmissverständlich klar, dass Plastik nicht “nur” ein Problem für die Meeresschildkröten ist. </p><p>Die Idee, die Plastikproduktion zu deckeln, ist von einer Forderung vom aktivistischen Rand zu einer Kernforderung von über 100 Ländern geworden. Aus dieser Überzeugung heraus entstanden sehr starke Textentwürfe, und um diese Entwürfe herum große, schlagkräftige Mehrheiten. </p><p>Diese Mehrheiten und die dahinterliegenden Ambitionen werden mit dem Ende der Konferenz nicht verschwinden, sondern im Gegenteil die Empörung und das damit einhergehende Momentum nutzen, um die Sache weiter voranzutreiben – in ihren jeweiligen Ländern, innerhalb der High Ambition Coalition, und auf der nächsten großen Verhandlung.</p><p>Unterm Strich: Zwei der drei tragenden Säulen für ein wirksames Abkommen stehen – starke, wissenschaftlich abgesicherte Inhalte und spürbare politische Ambition. Was es jetzt braucht, ist ein Verfahren, das diese Mehrheiten handlungsfähig macht: fair, transparent und resistent gegen Blockaden. Wenn das gelingt, ist ein Abkommen in Reichweite, das die Plastikverschmutzung entlang des gesamten Lebenszyklus beendet – mit großen Gewinnen für Klima, Artenvielfalt und Gesundheit.</p><p><em>Wo nicht anders erwähnt stammen Daten und Fakten aus den Factsheets der </em><a href="https://ikhapp.org/scientistscoalition/"><em>Scientists’ Coalition for an Effective Plastics Treaty</em></a><em>:</em></p><ul><li><p><a href="https://ikhapp.org/material/fact-sheet-plastics-and-the-triple-planetary-crisis/"><em>Factsheet: Triple Planetary Crisis</em></a></p></li><li><p><a href="https://ikhapp.org/material/policy-brief-cutting-plastic-pollution-at-the-source-the-case-for-upstream-solutions/"><em>Policy Brief: Cutting plastic pollution at the source</em></a></p></li><li><p><a href="https://ikhapp.org/material/fact-sheet-plastics-101/"><em>Factsheet: Plastics 101</em></a></p></li></ul><h2>Lösung sein.<br/><em>Handreichungen fürs Selbermachen</em></h2><a href="https://www.youtube.com/shorts/Ug6py7PoHR8">https://www.youtube.com/shorts/Ug6py7PoHR8</a><p>Nicht zum ersten Mal haben wir hier ein Problem, dessen Lösung vor allem auf globaler, politischer Ebene stattfinden muss, und über das wir unverhältnismäßig viel als Konsum- und Verbraucherproblem reden. Wie so oft hat die einzelne Person in ihrem persönlichen Verhalten nur wenig Zugriff auf diese Lösung.</p><p>Die Frage, ob jetzt der Einzelne verantwortlich ist oder gleich die ganze Welt, ignoriert aber die vielen, vielen Handlungsmöglichkeiten dazwischen - in Familien, Betrieben, Vereinen, Ländern, Staatengemeinschaften, Koalitionen... Denn wie immer ist die Antwort: Die Einzelperson ist dort wirkungsvoll, wo sie aufhört, eine einzelne Person zu sein. </p><p>Das ist erstmal eine kommunikative Aufgabe. Es gilt, zwei Botschaften unermüdlich zu wiederholen, wo immer du eine Plattform hast, um die Unterhaltung weg von Joghurtbechern, Mülltrennung und Trinkflaschen Richtung flussaufwärts zu schieben, wo sie hingehört. In aller Kürze:</p><ul><li><p><strong>Der Hahn muss zugedreht werden.</strong> <br/>Primärplastik runter, sonst ist alles nichts.</p></li><li><p><strong>Plastik = Öl + Gift</strong>. <br/>Chemie muss reguliert und transparent gemacht werden, damit wir und die Ökosysteme, die uns am Leben erhalten, weniger krank davon werden und Recycling überhaupt in einem hilfreichen Maßstab funktionieren kann.</p></li></ul><p>Denn wenn der Diskurs in der Bevölkerung kippt, führt das zu mehr Durchsetzungsmut in der Politik, und damit zu größeren Chancen auf ein Abkommen auf internationalem Parkett. </p><p>Darüberhinaus empfehlen wir, ebenfalls wie immer, den prüfenden Blick auf deine spezifische Rolle, auf die Bereiche, auf die du vielleicht mehr Wirkung hast als andere:</p><p>Hast du mit Sponsoringverträgen zu tun? Dann könntest du klare Forderungen an potentielle Partner stellen, was ihre Plastik-Reduktionsziele sind, bevor du dich mit ihnen einlässt. </p><p>Planst du Veranstaltungen, gibst du Konzerte, organisierst du Produktionen? Bestehe auf Mehrwegsysteme für Essen und Trinken – und erkläre öffentlichkeitswirksam, warum du das tust (siehe oben). </p><p>Denkst du dir Geschichten aus? Erzähl die Plastikgeschichte mit, und schau, ob du einen Blick auf die Rolle der fossilen Industrie werfen kannst, wenn du auf der Suche nach frischen Antagonisten bist – und auf herkulische Erfolge kollektiven Handelns für neue Formen der Heldenreise.</p><p>Hast du etwas Geld? Spende es an Organisationen, die direkt an den Verhandlungen teilnehmen – zum Beispiel <a href="https://www.ciel.org/issues/plastic/">CIEL</a> oder <a href="https://www.no-burn.org/">Gaia</a> oder <a href="https://oceanconservancy.org/news/advisory-ocean-conservancy-experts-head-to-final-round-of-plastics-treaty-negotiations-in-geneva/">Ocean Conservancy</a> (die nicht nur den International Coastal Cleanup Day organisieren, sondern auch mitverhandeln). </p><p>Hast du etwas mehr Geld? <a href="https://planet-a.com/">Planet A</a> ist ein Venture-Capital-Unternehmen, das ausschließlich in <a href="https://planet-a.com/startups/">Startups</a> mit wissenschaftlich untersuchtem Potential für positiven Impact auf den Planeten investiert. Darunter sind einige, die sich mit der Plastikkrise beschäftigen – zum Beispiel <a href="https://www.traceless.eu/">traceless</a>, das Kunststoffpellets aus Pflanzenabfällen herstellt, die ohne schädliche Chemie auskommen und unter ganz normalen Haushaltsbedingungen rückstandsfrei kompostiert werden können.</p><h2>Freunde treffen.<br/><em>Der Tipp des Monats</em></h2><a href="https://fixthenews.com/"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d313a079-7b24-48aa-800a-eaa085a7a3dc/uploads/images/4oeb6enzae/Capture-2025-09-22-084823.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Logo von Fix the News"/></a><p>Bitte behalte es für dich: acht von zehn der guten Nachrichten, mit denen wir unsere Newsletter beginnen, sind gestohlen. Und zwar von <a href="https://fixthenews.com/"><em>Fix the News</em></a>. </p><p>Immer auf der Suche nach guten Geschichten aus der ganzen Welt haben wir natürlich eine ganze Reihe von Newslettern aus der Konstruktiver-Journalismus-Ecke abonniert. Angus Herveys <em>Fix the News</em> ist der eine unter ihnen, den wir jede Woche zuverlässig zu Ende lesen. Das ist gut für unsere Arbeit und gut für unsere Seelenhygiene. </p><p>Das Format - eine lange, lange Liste von kurz, geistreich und unterhaltsam kommentierten Links –  setzt dem <a href="https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0276367">wissenschaftlich nachgewiesenen</a> Bad News Bias der internationalen Medienlandschaft einen konsequenten Blick auf “Trendlines statt Headlines” entgegen. Es trägt dabei aufregende Entwicklungen zusammen, von denen man anderswo nie gehört hätte, und lässt uns verlässlich mit dem gut belegten Gefühl zurück, dass es Hoffnung gibt, dass Veränderung auch im großen Stil möglich ist und überall geschieht und dass es sich unbedingt dafür zu kämpfen lohnt.</p><p>Hiermit sei dir Herveys emotionaler Ted Talk von diesem Jahr empfohlen – und ganz unbedingt ein Abonnement von Fix the News.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=D3I8ZeiLX2s">https://www.youtube.com/watch?v=D3I8ZeiLX2s</a><hr aria-hidden="true"/><p><em>Dieser Newsletter ist nur durch eure finanzielle Unterstützung möglich! Daher ein großes Dankeschön an alle, die uns unterstützen.</em></p><p><em>Wenn du noch nicht dabei bist, </em><strong><em>freuen wir uns sehr über Spenden</em></strong><em> (und können auch mit Spendenbescheinigungen dienen wenn gewünscht).</em></p><p><em>Global Eco Transition gGmbH | IBAN: DE62 4306 0967 1230 6808 00 | BIC: GENODEM1GLS | Verwendungszweck: ”Spende Superredaktion”</em></p><p><strong><em>Wichtig:</em></strong><em> Spenden kommen bei uns nur an, wenn der Verwendungszweck richtig angegeben wird.</em></p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Du willst </em><strong><em>deine Reichweite nutzen</em></strong><em>, um auf Klimathemen aufmerksam zu machen? Wir helfen dir dabei! Schreib uns gerne eine Mail an</em> <a href="mailto:info@superredaktion.de">info@superredaktion.de</a> – <em>wir sind freundlich, wissen Sachen und </em><strong><em>kosten dich nichts</em></strong><em>.</em></p><p><em>Du kennst Menschen, denen dieser Newsletter auch helfen könnte? Dann teile ihn gerne!</em><br/><br/></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/d313a079-7b24-48aa-800a-eaa085a7a3dc/teaser_image/1758444482?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Mon, 22 Sep 2025 08:34:13 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Die Elektrik der Freiheit]]></title>
      <description><![CDATA[Drei Viertel aller Menschen leben in Ländern, die fossile Brennstoffe importieren. Heute schauen wir uns an, was diese Abhängigkeit bedeutet und wir wir sie loswerden.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Willkommen im Newsletter der Superredaktion – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete Anpackmaterialien für Menschen mit Lust auf Zukunft. </p><p>Zum Einstieg heute mit einer Bitte in eigener Sache: </p><p>Wir sehen jeden Monat, dass ein großer Teil unserer Subscriber den Newsletter tatsächlich öffnet, anstatt ihn im Postfach vermodern zu lassen. Darüber freuen wir uns sehr. Aber ob diese ganzen vielen Wörter auch tatsächlich was mit dir machen oder ob du eigentlich etwas anderes von uns brauchst, können wir nur raten. </p><p>Damit wir unsere Arbeit besser auf deine Bedürfnisse zuschneiden können, haben wir eine Bitte: Nimm dir fünf Minuten Zeit, um <a href="https://nczaja.limesurvey.net/725625?lang=de">diesen anonymen Fragebogen</a> zu beantworten. </p><p>Fertig? Hervorragend. Tausend Dank dafür! Damit zurück zum Programm: Heute geht es um die Zerbrechlichkeit der fossilen Energieversorgung und die Feststellung, dass es sie eigentlich nicht braucht. Aber zuerst: Drei Gute Nachrichten.</p><h2>Froher werden</h2><h3>Kein Huhn</h3><p>In der Schweiz kommt dieser Tage ein <a href="https://www.greenqueen.com.hk/aldi-suisse-myvay-gourmet-chicken-filet-planetary-libre-mycoprotein/">“Hähnchen”-Filet</a> aus Mykoprotein in den Einzelhandel, und das sogar als Eigenmarke eines Discounters und zum selben Preis wie echtes Hähnchenfleisch. Es handelt sich hierbei um Proteine, die von Pilzen in einem Bioreaktor erzeugt werden, und so in der Herstellung viel weniger Fläche, Wasser und Energie benötigen und auch nur einen Bruchteil der Treibhausgaswirkung von echtem Fleisch verursachen. Schmeckt es wie Hähnchen? Die nächste Schweiz-Reise wird es zeigen. Aber die zugehörige Technologie – <a href="https://www.zukunftsinstitut.de/zukunftsthemen/praezisionsfermentation-fantastische-geschmackswelten">Präzisionsfermentierung</a> – gilt als einer der ganz großen Hoffnungsträger, wenn es darum geht, tierische Produkte durch gleichwertige Alternativen zu ersetzen, die nicht den Planeten zerstören und ohne Tierleid auskommen. Man darf also gespannt sein, ob und wie sich dieses Nicht-Huhn auf dem Markt bewährt.</p><h3>Mehr Geld</h3><p>Die fast 200 Mitgliedstaaten der UN-Klimakonvention haben <a href="https://www.reuters.com/sustainability/cop/countries-agree-10-increase-un-climate-budget-2025-06-26/">entschieden</a>, das Klima-Budget der UNO für die nächsten zwei Jahre um 10 Prozent zu erhöhen. Angesichts der Eskapaden der USA, die aus dem Abkommen ausgestiegen sind und derzeit so einiges tun, um der internationalen Klimapolitik zugunsten der fossilen Industrie den Teppich unter den Füßen wegzuziehen, ist das eine extragute Nachricht. Chinas Anteil steigt von 15 auf 20 Prozent – und das gute Fünftel der Gesamtsumme, das die USA hätten übernehmen sollen, wird stattdessen von einer großen US-amerikanischen Stiftung übernommen.</p><h3>Weniger Stau</h3><p>Das vor einem halben Jahr in besonders verstopften Teilen von New York eingeführte “Congestion Pricing” – also eine Staugebühr – ist <a href="https://www.theguardian.com/us-news/2025/jul/09/new-york-city-congestion-pricing-trump">erfolgreicher</a> als selbst die Befürworter erwartet hatten: Deutlich weniger Luftverschmutzung, deutlich schnellerer Verkehrsfluss, ein Rückgang der Beschwerden wegen Lärm entlang der wichtigsten Hauptstraße in Manhattan um fast drei Viertel, weniger Emissionen, erwartete jährliche Einnahmen von fast 900 Millionen Euro, die in den öffentlichen Nahverkehr investiert werden können – und nach Protesten und Widerstand im Vorfeld zunehmende Zustimmung in der Bevölkerung für die Maßnahme. Mehr Details für Menschen, die sich sowas auf Englisch anschauen mögen, liefert die wie immer lustige und stichhaltige Episode von <a href="https://www.youtube.com/watch?v=DEFBn0r53uQ">Climate Town</a> zum Thema.</p><h2>Selber machen</h2><p>Hier ist eine <a href="https://electrotechrevolution.substack.com/p/energy-after-fire">Geschichte</a>, die du erzählen helfen kannst, damit wir in Deutschland uns mit mehr Verve auf den Weg Richtung Elektrostaat machen. Du brauchst dafür kein einziges Öko-Argument.</p><p>Wenn man Gas verbrennt, um ein Zimmer zu beleuchten, entsteht dabei mehr Hitze als Licht. Wenn man Kohle verbrennt, um Elektrizität herzustellen, entsteht dabei mehr Hitze als Strom. Wenn man Öl verbrennt, um ein Fahrzeug zu bewegen, entsteht dabei mehr Hitze als Bewegung. Wir pusten mehr Energie durch Schornsteine und Auspuffrohre als wir nutzen, um unsere Wirtschaft am Laufen zu halten. Anders als Feuer macht Strom sich direkt an die Arbeit, ohne die immensen Verluste, die zwangsläufig beim Umwandeln von Wärme in Arbeit entstehen, und sauberer Strom ist im Überfluss zu haben. </p><p>Noch steckt unser Energiesystem in der Vergangenheit fest. Einige wenige überreiche Profiteure mögen es noch nicht einsehen: Die Zeit des Feuers war lang, aber jetzt ist sie vorbei. Das neue Zeitalter ist nicht mehr aufzuhalten, die Frage ist nicht mehr ob, sondern nur noch wie schnell es kommt. Und je schneller es kommt, desto mehr haben wir zu gewinnen.</p><p>Im Kleinen heißt das: Nutze die Räume, in denen du Aufmerksamkeit hast, um zu zeigen, wo dein Leben schon im neuen Zeitalter angekommen ist und wie du ganz konkret davon profitierst. Zum Beispiel, weil du günstiger, leiser und ohne giftige Abgase Auto fährst, weil du effizienter und günstiger heizt oder weil du endlich bedenkenlos deinen <a href="https://youtu.be/pKpfSfaIPsQ?feature=shared">Säugling auf dem Herd ablegen</a> kannst. </p><p>Du kennst natürlich diverse gute Gründe, warum wir zusammen diese Geschichte erzählen sollten. Heute liefern wir dir einen weiteren, der deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient, als er hat: <strong>In einer unsicheren Welt ist ein Elektrostaat der sicherere Ort. </strong>Wer genauer wissen will, warum wir das sagen und was ein Elektrostaat eigentlich ist: Weiterlesen.</p><h2>Die Elektrik der Freiheit</h2><ul><li><p><em>Weite Teile der Weltbevölkerung sind von importierten fossilen Brennstoffen abhängig.</em></p></li><li><p><em>Die Versorgung mit fossilen Energieträgern ist teuer, vom guten Willen zweifelhafter Akteure abhängig und zunehmend anfällig für geopolitische Risiken</em></p></li><li><p><em>Die Umstellung der Energieversorgung von Kohle, Gas und Öl auf Strom aus lokalen erneuerbaren Quellen kann jedes Land der Welt unabhängiger, weniger erpressbar, sicherer und reicher machen</em></p></li></ul><p><strong>Fast drei Viertel der Weltbevölkerung – darunter 99 Prozent aller Menschen in Europa – leben in Ländern, die fossile Brennstoffe importieren. </strong>Das hat zwei Konsequenzen von großer Tragweite: </p><p>Erstens kosten diese Importe die importierenden Länder gut 1,5 Billionen Euro. Jedes Jahr. Das sind knapp 2% des globalen BIP – natürlich ohne Einpreisung der Schäden an Gesundheit, Ökosystemen, Infrastruktur, die durch das Verbrennen dieser Ressourcen entstehen.</p><p>Wir erinnern uns: Im Vergleich zu einer Billion ist eine Milliarde quasi nix. 1,5 Billionen sind 1.500 Milliarden, die jedes Jahr im Wortsinne verbrannt werden. Davon in Deutschland zuletzt knapp <a href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/energie-deutschland-gibt-69-milliarden-euro-fuer-fossile-brennstoffe-aus-a-2c52f9a8-97e4-4f17-aee9-9e5aac76a24f">70 Milliarden Euro</a>, mit starken Schwankungen von Jahr zu Jahr. </p><p>Das sind Kosten, nach denen kaum gefragt wird. Klar machen wir uns sehr große Sorgen um Kosten, aber doch nicht um diese, die zahlen wir ja schon immer. </p><p>Der Status quo hat es gut, er ist quasi gottgegeben, er ist das alte Normal, das keine Rechtfertigung braucht und dem keiner Fragen stellt. Viel interessanter und auch schlimmer finden wir daher die Kosten – richtiger wäre: Investitionen – für Windräder, Solaranlagen, Wärmepumpen, E-Autos und solche Sachen. (Einen Kostenvergleich zwischen beiden Systemen haben wir in einem <a href="https://steady.page/de/superredaktion/posts/df1c0b2a-2ef1-4bc0-bc07-1d637f736171">vergangenen Newsletter</a> aufgemacht, Spoiler: Er geht nicht zugunsten der fossilen Welt aus)</p><p>Zweitens bedeutet diese Abhängigkeit von fossilen Energieträgern eine Zerbrechlichkeit, vor der wir deutlich mehr Angst haben sollten als vor <a href="https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Allgemeines/DieBundesnetzagentur/Insight/Texte/Energiewende/Dunkelflaute.html">Dunkelflauten</a>. Um diese Zerbrechlichkeit und darum, wie wir sie loswerden und dabei zugleich sehr viel Geld sparen, soll es heute gehen. Soweit nicht anders angegeben, stammen alle Zahlen und Grafiken aus dem Bericht <a href="https://ember-energy.org/app/uploads/2025/04/Slidepack-Energy-Security-in-an-Insecure-World.pdf">“Energy Security in an Insecure World”</a> des renommierten  gemeinnützigen Thinktanks <a href="https://ember-energy.org/">Ember</a>.</p><h3>Stabil geht anders</h3><p>Unter den importierenden Ländern sind über fünfzig, die mehr als die Hälfte ihres gesamten Energiebedarfs in Form von fossilen Brennstoffen einkaufen. In Deutschland sind es sogar zwei Drittel. Wir Deutschen geben für diese Importe etwa drei Prozent unseres Bruttoinlandsproduktes aus. Strombettler, von wegen. Wir sind Ölschnorrer und Gasparasiten.</p><figure><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Flh7-rt.googleusercontent.com%2Fdocsz%2FAD_4nXeMkTXYhsZmALSqm3jl32LKzVk7cfJs0rI736B793OMwSW5872vw9oHuHW4zopxzewzmrv1PpK6besxxbodZngpGK2dowTl2ol6C9mFbKb0cUvaffTjS5Gr0mvGUwXfcMSz1clJ%3Fkey%3DwEfxyACJoL3tB4pMelE8Bg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=e6da696fc3170f69bd9e0dbae4b20c71" alt=""/><figcaption>Viele Staaten sind abhängig von fossilen Importen. 52 dieser Länder importieren sogar mehr als die Hälfte ihres Energiebedarfs in Form von fossilen Brennstoffen.</figcaption></figure><p>Werden die Importe aus irgendwelchen Gründen abgeschnitten, stehen bald drei Viertel der Weltwirtschaft still. Dieser Tage braucht es nicht allzu viel Fantasie, um sich vorzustellen, was für Gründe das sein könnten.</p><h3>Zu viele Eier in zu wenigen Körben</h3><p>Zu dem Zeitpunkt, als Putin nach dem Überfall auf die Ukraine Europa strategisch den Gashahn zudrehte, hatte Deutschland sich über viele Jahre in eine tiefe <a href="https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/507243/deutschlands-abhaengigkeit-von-russischem-gas/">Abhängigkeit</a> von Russlands Gas begeben, stärker als jedes andere europäische Land: Mehr als die Hälfte unseres Gasbedarfs kam aus Russland. Umso härter traf uns der Wegfall. U<a href="https://www.focus.de/finanzen/news/gasnotstand-drohte-putins-geheimer-gazprom-plan-wie-zwei-whistleblower-deutschland-vor-der-gaskrise-retteten_id_256924683.html">m ein Haar</a> hätten viele Menschen im Winter 2022 in kalten Wohnungen gesessen, die Regierung konnte das Schlimmste nur unter Inkaufnahme <a href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/energiepakt-mit-katar-bundesminister-robert-habeck-bittet-um-fluessiggas-100.html">schmerzhafter Kompromisse</a> abwenden. Erst vor wenigen Tagen wurde die Lage offiziell von der Alarmstufe auf auf eine Frühwarnstufe <a href="https://taz.de/Drei-Jahre-nach-Beginn-der-Gaskrise/!6097654/">herabgesetzt</a>. </p><p>Russische Gas-Pipelines sind aber beileibe nicht die einzige wackelige Wette, die die Welt für die Sicherstellung ihrer Energieversorgung eingegangen ist. Über ein Viertel der fossilen Versorgung des Planeten muss durch einen nur 20 Seemeilen schmalen Meereskorridor vor der Küste eines Terrorregimes. Weite Teile der Menschheit mussten also bei der Frage den Atem anhalten, ob der Iran nach den Angriffen aus Israel ein paar Seeminen in die Hand nimmt und damit mal eben die Straße von Hormus <a href="https://www.tagesschau.de/ausland/asien/israel-iran-krieg-meerenge-hormus-100.html">schließt</a>. Ein Anzeichen dafür, dass wir unser energetisches Schicksal in die Hände von Akteuren gelegt haben, in denen es vielleicht nicht so gut aufgehoben ist. </p><p>Zumal der Leumund auch der anderen Öl und Gas produzierenden Länder in der Region, deren Lieferungen ebenfalls durch die Straße von Hormus gehen, nicht unbedingt der beste ist. Wir haben schon einmal einen <a href="https://steady.page/de/superredaktion/posts/e9d6426f-746b-4981-af40-52a78e2918de">Newsletter</a> geschrieben, in dem wir darüber sprechen, wie die Einnahmen aus fossilen Exporten Terror, Gewalt und Unterdrückung im Nahen Osten finanzieren helfen.</p><p>Aber damit hört es nicht auf: <strong>Über zwei Drittel des weltweiten Handels mit fossilen Brennstoffen gehen durch nur drei empfindliche geographische Nadelöhre. </strong></p><p>Neben der Straße von Hormus am Ausgang des persischen Golfs Richtung Golf von Oman und Arabisches Meer sind das die Straße von Malakka zwischen der indonesischen Insel Sumatra und der malaiischen Halbinsel – in den frühen 2000er Jahren eine der am stärksten von <a href="https://time.com/archive/6946441/how-to-defeat-pirates-success-in-the-strait/">Piraterie</a> bedrohten Wasserstraßen der Welt –  und der Suez-Kanal, der das Rote Meer mit dem Mittelmeer verbindet. Dort ist der Schiffsverkehr massiv <a href="https://www.tagesschau.de/ausland/asien/huthi-suez-kanal-wirtschaft-100.html">eingebrochen</a>, seitdem die Huthi-Rebellen aus dem Jemen Frachtschiffe im Roten Meer beschießen.</p><figure><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Flh7-rt.googleusercontent.com%2Fdocsz%2FAD_4nXeQvnniBtiBoOO8aOcOAS2YbN2ljuavyL6Wj_TFtIBtDzGpjr6nY3-EM25fkIczfgaJYimqQvTPBykoBtBVh0m-u_CAFGktY1LDtP_TrjjxO-_SBj7EfxaCHhyzHc-QuZP1NsAy%3Fkey%3DwEfxyACJoL3tB4pMelE8Bg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=57d4331e86cb5918cb2ff17d01003bf7" alt=""/><figcaption>Der größte Teil des weltweiten Handels mit fossilen Brennstoffen geht durch drei empfindliche geografische Nadelöhre.</figcaption></figure><p>Logistische Nadelöhre, Diktaturen, Krieg, und, achja: Trump, der gerade die USA, den <a href="https://www.forbes.com/sites/rrapier/2019/07/14/ten-countries-that-dominate-fossil-fuel-production/">größten</a> Gas- und Ölproduzenten der Welt, in eine komplett ungewisse Richtung steuert, über der in leuchtenden Blinkebuchstaben “America First” geschrieben steht. Kurz: Die aktuelle Energieversorgung der Menschheit ist keine sichere Bank, sie ist ein Kartenhaus. Und es wird windig.</p><h3>Es gibt einen Ausweg</h3><p>Du hast schon mal von ihm gehört. Er heißt Strom. Und es gibt drei Stellschrauben, die wir möglichst gleichzeitig und mit Nachdruck drehen sollten, wenn er uns besonders wirksam weiterbringen soll:</p><ul><li><p>Ein Drittel aller weltweiten fossilen Importe sparen wir ein, wenn wir alle Verbrennermotoren auf den Straßen durch elektrische ersetzen. </p></li><li><p>Wir sparen weitere 23 Prozent, wenn die Welt durch den Ausbau von Erneuerbaren aufhört, Kohle, Öl und Gas für die Stromherstellung zu verbrennen. </p></li><li><p>Der dritte große Hebel ist Wärme: Wenn wir alle fossilen Gebäudeheizungen durch Wärmepumpen ersetzen, sind weitere 14 Prozent fossiler Importe hinfällig. </p></li></ul><p>Damit wären wir insgesamt bei einer Verminderung der Importe um 70 Prozent. Das entspricht einer Ersparnis von 1,1 Billionen Euro jährlich für die importierenden Länder.</p><figure><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Flh7-rt.googleusercontent.com%2Fdocsz%2FAD_4nXcF7PeZ7aDuRlMhSm9Y3QE6C0r5_zwxEyeUtWxXBESqym8olOCgWclYQO3J2150C8MVSD3E9j_esyVf7UZjHdEzdFhvki4S_iW3vcwabJiDzKGZQXaXIW-1yccvoHABkjXj7zDfkA%3Fkey%3DwEfxyACJoL3tB4pMelE8Bg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=60524d1f04c940215af3babcaff8e48a" alt=""/><figcaption>E-Autos, Wärmepumpen und Strom aus erneuerbaren Quellen können 1.100 Milliarden Euro an jährlichen fossilen Importen überflüssig machen.</figcaption></figure><p>Und dieser Ausweg steht allen offen. Fossile Brennstoffe sind in wenigen Weltregionen konzentriert, während die Voraussetzungen für erneuerbare Energien überall zur Verfügung stehen – oft sogar im Überfluss.</p><p>Über 90 Prozent der Weltbevölkerung leben in Ländern, deren Potenzial für Wind- und Sonnenenergie mehr als das Zehnfache ihres Bedarfs decken kann. <strong>Das weltweite Potenzial für Energie aus Sonne und Wind entspricht fast dem hundertfachen des gesamten Energiebedarfs der Menschheit.</strong> .</p><figure><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Flh7-rt.googleusercontent.com%2Fdocsz%2FAD_4nXe_27_6LQ_B18rzOd0DyCkT7Rokkkz3W_yPTQycqmlWbkTjCzF0VdenbOLxrggjIi4mf_hUWwRS5nht46J102KT0jQjk2m2qyuDHx6u_Z2HQZTpMzZ6MjKRWS-Yw30gvdfymCVijw%3Fkey%3DwEfxyACJoL3tB4pMelE8Bg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=48e57e59a93d80be2f54112a528076e2" alt=""/><figcaption>Erneuerbare sind überall ausreichend verfügbar, oft sogar im Überfluss.</figcaption></figure><h3><em>Besser</em> abhängig</h3><p>Und bevor es jemand anders sagt, sagen wir es selbst: Es ist absehbar, dass das neue System erstmal neue Import-Abhängigkeiten mit sich bringt. Aber wer sagt, das sei dasselbe wie mit den Fossilen, schaut nicht richtig hin – oder hat eine Agenda.</p><p>Fossile Rohstoffe müssen permanent in großem Volumen importiert werden, damit der Laden weiterläuft. Ein Solarpanel importiere ich einmal, und dann liefert es mir für 30 Jahre sauberen Strom, bevor ich mich um Ersatz kümmern muss. Ein schönes Bild dazu malt der Energieexperte <a href="https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:7262713414534266880/">Tim Meyer</a>, dessen Buch <a href="https://www.strom-das-buch.de/"><em>Strom</em></a> wir schon im letzten Schrieb empfohlen haben: </p><p>Will ich dieselbe Menge Strom, die eine einzige Containerschiffladung Solarzellen und Batteriespeicher über ihre Lebenszeit von 25 Jahre erzeugt, aus Kohle herstellen, müsste ich dafür 175 Massengutfrachter mit <em>jeweils</em> 80.000 Tonnen Kohle übers Meer schicken.</p><figure><a href="https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:7262713414534266880/"><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Flh7-rt.googleusercontent.com%2Fdocsz%2FAD_4nXevEdQepf-L1ruSMo-nhdw2QaeSdNaco22PnLpKFeifz_f6BRxxHpuplAdDVBLMeLEOdrW3YaYKmVHcrqpfJOj49ryDeOk7LvlaA_0Hgb_BVnYCBjfRVW_zYMQZoreq1n3t1RXGGA%3Fkey%3DwEfxyACJoL3tB4pMelE8Bg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=ea7f54cd121a370b07d2dd407b19de6d" alt=""/></a><figcaption>Bildquelle (c) Tim Meyer</figcaption></figure><p>Und: Öl-, Gas- und Kohlevorkommen sind Schicksal. Ein Land hat sie oder hat sie nicht. Wenn ich keins habe, muss ich mich mit den Akteuren arrangieren, die es haben, auf Gedeih und Verderb, für immer.<br/><br/>Die Bausteine des neuen Systems hingegen sind keine zufällig verteilten, räumlich stark konzentrierten Rohstoffe, sondern Technologien, die potenziell überall und von allen hergestellt werden können. Heute importieren sehr viele Volkswirtschaften fossile Brennstoffe von einer kleinen Handvoll oft zweifelhafter Partner. Die Zutaten für die elektrische Energieunabhängigkeit werden wir in absehbarer Zeit von einer wesentlich größeren Auswahl an Ländern einkaufen können.</p><p>Wenn das dasselbe ist wie im aktuellen fossilen System, dann sind Makrelen und Pottwale auch dasselbe. </p><figure><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Flh7-rt.googleusercontent.com%2Fdocsz%2FAD_4nXcDjYBuvLX0vlBqsKoHIlgzAYyN_zSowXzkirLIW_Oe-nOfIDwZWXF7QkNgxdhr1R7bXTNGofn-HGlqhfAwZ9zuhxbEm5q-pCWpkA-3S_hZmZN9mwUhCxpW0CBmxBzU9y6JHC_-Jw%3Fkey%3DwEfxyACJoL3tB4pMelE8Bg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=8f8ae6c3830deb7b54992fe8530036ea" alt=""/><figcaption>Eine Abhängigkeit von Elektrotech-Importen ist etwas grundlegend anderes als eine Abhängigkeit vom Import fossiler Brennstoffe.</figcaption></figure><h3>Wir sind schon unterwegs</h3><p>Für die ganz großen Marktkräfte war der Anreiz, die Zukunft zu retten, nicht groß genug, um den Umbau der planetaren fossilen Maschine zu etwas Neuem, Besserem in Angriff zu nehmen. Erst, als auch die Effizienz- und Kostenfrage sich zugunsten von Wind, Solar und Batterien zu <a href="https://www.economist.com/interactive/essay/2024/06/20/solar-power-is-going-to-be-huge">drehen</a> begann, kamen sie richtig in Fahrt. </p><p>Für viele weitere in Europa wurde nun ausgerechnet Putin zum unfreiwilligen Treiber der Energierevolution. </p><p>Polen hat 2024 fast doppelt so viel Solarenergie zugebaut wie Großbritannien – mit einer nur halb so großen Bevölkerung und einem halb so großen BIP pro Kopf.</p><p>Die <a href="https://www.reuters.com/markets/commodities/eastern-europes-stealthy-surge-solar-generation-maguire-2025-06-03/">neun osteuropäischen Länder</a> mit dem stärksten Solarzubau haben in den letzten Jahren ihre Kapazität doppelt so schnell erhöht wie der europäische Durchschnitt, um ganze 450 Prozent.</p><p>Das dortige Wachstum der Erneuerbaren ist ein wesentlicher Grund dafür, dass die baltischen Staaten vor einigen Monaten in einem Akt großer symbolischer Strahlkraft ihre Verbindung zum russischen Stromnetz <a href="https://www.theguardian.com/world/2025/feb/08/baltic-states-leave-russian-power-grid-in-closer-eu-integration">kappen</a> konnten, um sich dem EU-Netz anzuschließen. Es war das Ende einer jahrzehntelangen Abhängigkeit von einem unberechenbaren, inzwischen zum klaren Feind gewordenen Partner. Die zerschnittenen Kabelstücke bekam das jubelnde Publikum als Souvenirs ausgehändigt.</p><figure><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Flh7-rt.googleusercontent.com%2Fdocsz%2FAD_4nXfcLvgrKe2Ypwg-IQXCL-gHA7-RewoPuzb3-ZQ_vJNyLWz7SJFkp_NTYwOQSaw_wkyocYCSWazr5c6CcDE-q2zMi8R5yQE5EBb6kBa7TS4Dr55xJyd65WUqpA4mg4vBUc8ZueOjyw%3Fkey%3DwEfxyACJoL3tB4pMelE8Bg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=4547a6fdc9547e85978b74c5d0d0df69" alt=""/><figcaption>Sprunghafter Anstieg der Solarstrom-Produktion quer durch Osteuropa</figcaption></figure><p>Aber auch wir in Deutschland können uns einreihen: Man muss sich nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen, um festzustellen, dass der Ausbau der Erneuerbaren bei uns ohne Gaskrise sicher nicht so rasant gelaufen wäre wie in den letzten Jahren.</p><h3>Fazit: Freiheit ist elektrisch</h3><p>Wir – wir Deutschen, wir Welt, wir alle – sollten uns eine Sache (viele andere bitte nicht) sehr genau von China abschauen, nämlich: Die Kompromisslosigkeit, mit der es sich in den Umbau vom Petro- zum Elektrostaat wirft – durch den massiven Ausbau Erneuerbarer Energien (können wir in D schon sehr gut) und, derzeit vielleicht noch wichtiger, die massive Elektrifizierung von allem, was geht (können wir in D bisher deutlich schlechter). Denn: Je größer der Anteil einer Volkswirtschaft, der mit Strom betrieben wird, desto größer das Potenzial für Energiesouveränität – und China elektrifiziert sich heute <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/energiepolitik-petrostaat-oder-elektro-land-was-wollen-wir-sein-a-effed5c2-a5d3-44de-98bd-ddb93cc2c94d">neunmal so schnell </a>wie der Rest der Welt.</p><figure><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Flh7-rt.googleusercontent.com%2Fdocsz%2FAD_4nXcVQVBlifFyXbj1GUweoLMBE2BWAPfHzu0Y_0POyCLZgJGeUkflkKpIIgU5JxE6JMxwJr8mNPVTO91L-TVexng3dml4AcNvOmB2DnLxro2kZ2BJntHDtLgKLskFwHqNh9BL7SgC-w%3Fkey%3DwEfxyACJoL3tB4pMelE8Bg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=d2995be153dd0d339b7e25c06819b7d9" alt=""/><figcaption>Viele Länder bauen erneuerbare Energien aus, aber nur einige wenige bauen an einem gänzlich mit eigenem Strom betriebenen Elektrostaat.</figcaption></figure><p>Nicht nur erhalten wir dadurch unsere Lebensgrundlagen, nicht nur werden wir dadurch gesünder, nicht nur schaffen wir so mehr Wohlstand für mehr Menschen – wir machen uns auch unabhängig von den Unwägbarkeiten eines extrem flatterhaften fossilen Weltmarkts, sichern unsere Energieversorgung und können diversen fossilen Feinden der Freiheit eine lange Nase drehen. </p><p>Das alles ist allerdings erst Schritt 2.</p><p>Schritt 1: Den <a href="https://nczaja.limesurvey.net/725625?lang=de">Fragebogen</a> ausfüllen, den wir drei Meter Text weiter oben erwähnt haben, bittesehr dankesehr.</p><p>Dann Energieunabhängigkeit, dann lange Nase.</p><p>Los geht’s.</p><h2>Freunde treffen</h2><a href="https://www.youtube.com/watch?v=LZLZJWVFZvs">https://www.youtube.com/watch?v=LZLZJWVFZvs</a><p>Hier haben wir ein vortreffliches Geschimpfe von Comedian Moritz Neumeier, das auf mindestens drei Ebenen interessant ist: Erstens hat er gut recherchiert und einfach recht, zweitens ist die Präsentation sehr unterhaltsam, und drittens ist das ein gutes Beispiel für die Art wirksame Kommunikation von Zukunfts- und Demokratiethemen, für die wir mit der Superredaktion und unserem Geschwisterprojekt <a href="https://planetnarratives.de/">Planet Narratives</a> regelmäßig eine Lanze brechen: Emotional, konstruktiv, nahbar, mit Humor und alltagstauglicher Sprache ganz konkret aus unser aller Alltag heraus erzählt.</p><p>Bitte zuhause nachmachen.</p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Dieser Newsletter ist nur durch eure finanzielle Unterstützung möglich! Daher ein großes Dankeschön an alle, die uns unterstützen.</em></p><p><em>Wenn du noch nicht dabei bist, </em><strong><em>freuen wir uns sehr über Spenden</em></strong><em> (und können auch mit Spendenbescheinigungen dienen wenn gewünscht).</em></p><p><em>Global Eco Transition gGmbH | IBAN: DE62 4306 0967 1230 6808 00 | BIC: GENODEM1GLS | Verwendungszweck: ”Spende Superredaktion”</em></p><p><strong><em>Wichtig:</em></strong><em> Spenden kommen bei uns nur an, wenn der Verwendungszweck richtig angegeben wird.</em></p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Du willst </em><strong><em>deine Reichweite nutzen</em></strong><em>, um auf Klimathemen aufmerksam zu machen? Wir helfen dir dabei! Schreib uns gerne eine Mail an</em> <a href="mailto:info@superredaktion.de">info@superredaktion.de</a> – <em>wir sind freundlich, wissen Sachen und </em><strong><em>kosten dich nichts</em></strong><em>.</em></p><p><em>Du kennst Menschen, denen dieser Newsletter auch helfen könnte? Dann teile ihn gerne!</em></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 22 Jul 2025 08:22:53 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Der Durst der Eichhörnchen im Frühling]]></title>
      <description><![CDATA[Willkommen im Newsletter der Superredaktion – Heute mit der Vermessung des Zusammenhangs zwischen schlimmen Wettern und der Aufheizung der Welt. Und mit Eichhörnchen.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Willkommen im Newsletter der Superredaktion – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete Anpackmaterialien für Menschen mit Lust auf Zukunft. Heute mit der Vermessung des Zusammenhangs zwischen schlimmen Wettern und der Aufheizung der Welt. Außerdem wie immer mit guten Nachrichten zum Einstieg, und mit Eichhörnchen.</p><h2>Froher werden</h2><h3>Grüner Islam</h3><p>Indonesien ist das Land mit dem weltweit größten <a href="https://www.theguardian.com/environment/2019/may/07/us-hotbed-climate-change-denial-international-poll">Anteil</a> an Menschen, die nicht an einen menschengemachten Klimawandel glauben, während seine Hauptstadt so schnell im Meer versinkt, dass sie umgezogen werden muss. Indonesien ist auch die Geburtsstätte des <a href="https://www.csmonitor.com/World/Asia-South-Central/2025/0501/green-islam-indonesia-climate-change">“Green Islam”</a>. Das ist eine Bewegung, die die Pflicht zum Schutz der menschlichen Lebensgrundlagen aus dem Koran herleitet. </p><p>In den letzten zehn Jahren hat der Ulema-Rat, die höchste religiöse Autorität des Landes, zahlreiche <em>Fatwas</em>, also religiöse Rechtsgutachten, ausgesprochen, die sich um die Verantwortung von Muslimen für Natur und Umwelt drehen, und die Istiqlal-Moschee in Jakarta – die größte Moschee Südostasiens – war das erste von der Weltbank zertifizierte “grüne” Gotteshaus der Welt.</p><h3>Sonniger Bruder</h3><p>Und wo wir gerade bei Religionen sind: 2015 veröffentlichte Papst Franziskus seine Umwelt-Enzyklika <em>Laudato Si’</em> mit dem wundervollen Untertitel “Über die Sorge um das gemeinsame Haus”.  In ihrer Deutlichkeit im Bezug auf Klima- und Naturschutz war das ein kirchengeschichtlicher Wendepunkt. Seine <a href="https://www.tagesschau.de/wirtschaft/energie/vatikan-sonnenenergie-100.html">Anordnung</a> aus dem letzten Jahr, den Vatikan vollständig auf Solarenergie umzustellen, trug den nicht weniger schönen Titel <em>Fratello Sole,</em> “Bruder Sonne”.</p><p>Nun ist das Projekt <a href="https://cleantechnica.com/2025/05/29/vatican-city-is-now-powered-by-solar/">abgeschlossen</a> – seit einigen Wochen wird die Vatikanstadt ausschließlich mit Elektrizität aus eigenen Solarkraftwerken betrieben. Sie ist damit der neueste Staat in einer illustren <a href="https://www.independent.co.uk/tech/renewable-energy-solar-nepal-bhutan-iceland-b2533699.html">Reihe</a> mit Albanien, Bhutan, Nepal, Paraguay, Island, Äthiopien, der Demokratischen Republik Kongo und <em>fast </em>Norwegen, die ebenfalls alle schon komplett durch sind mit der Energiewende.</p><h3>Elektrisches Afrika</h3><p>Überhaupt wächst Solarenergie ja rasend schnell – aber bisher deutlich weniger schnell in der Region der Welt mit der <a href="https://ember-energy.org/latest-insights/energy-security-in-an-insecure-world/">meisten Sonne</a>, in Afrika nämlich. Das könnte sich aber gerade ändern, dank sogenannter “<a href="https://www.bloomberg.com/features/2025-africa-electrification/">Mini-Grids</a>”.</p><p>Das sind kleine, vom landesweiten Netz unabhängige Stromnetze, die unter anderem Dank immer günstigerer Solarmodule gerade in abgelegenen ländlichen Gebieten in Afrika einen Boom erfahren, also dort, wo über 80 Prozent der weltweit fast 700 Millionen Menschen ohne Zugang zu Elektrizität leben. Dabei handelt es sich um eine weitere Technologie, die zeigt, wie in ärmeren Ländern der ganze altmodische fossile Quatsch einfach übersprungen werden könnte.</p><p>Und dabei werden dann ganz nebenbei und für wenig Geld Menschen mit Strom versorgt, die bisher nie welchen hatten, mit all den positiven Folgen für Wohlstand, Bildung, Gesundheit, Teilhabe, Klima, die da mit dranhängen.</p><h2>Jetzt aber zu den Eichhörnchen</h2><ul><li><p><em>Eine einfache physikalische Gesetzmäßigkeit erklärt, warum die Klimakrise für sowohl zu viel als auch zu wenig Regen sorgt.</em></p></li><li><p><em>Die Attributionsforschung kann den Zusammenhang zwischen einzelnen Extremwetterereignissen und der Klimakrise immer öfter verlässlich beziffern.</em></p></li><li><p><em>Diese Entwicklung hilft dabei, große Verschmutzer für konkrete Klimaschäden rechtlich haftbar zu machen.</em></p></li></ul><p>Von Februar bis April gab es in Deutschland so wenig Regen wie seit 1931 nicht mehr, und die Eichhörnchen fielen von den <a href="https://www.sueddeutsche.de/panorama/eichhoernchen-baum-absturz-klimawandel-trockenheit-li.3243260">Bäumen</a>. </p><p>Eichhörnchen sind sehr niedlich, und sie werden dir wahrscheinlich eher im Kopf bleiben als alles andere, was wir hier aufgeschrieben haben. Aber die Trockenheit hatte natürlich auch noch andere, womöglich weiter reichende Konsequenzen als ein paar dehydrierte Nager, insbesondere für die <a href="https://www.tagesschau.de/wirtschaft/landwirte-duerre-100.html">Landwirtschaft</a>  (sorry, Eichhörnchen!).</p><p>Inzwischen hat sich die Trockenheit <a href="https://www.mz.de/deutschland-und-welt/was-der-regen-nach-langer-durre-bringt-4061565">gelegt</a>. Im Austausch haben wir eine ganze Reihe von vollgelaufenen Kellern, abgedeckten Dächern, gesperrten Zugstrecken, umgestürzten Bäumen und von Hagelkörnern verletzten Menschen <a href="https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/wetter/id_100748274/unwetter-in-deutschland-zerstoerung-und-verletzte-durch-gewitter.html">bekommen</a>.</p><p>Ist das noch Wetter, oder ist das schon Klima?</p><h3>Teil 1: Wahrscheinlichkeiten. Ein Grundkurs in Extremwetterphysik.</h3><p>Ganz allgemein lässt sich diese Frage zunächst mithilfe der Herren Clausius und Clapeyron beantworten, zweier Physiker, nach denen folgende einfache thermodynamische <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Clausius-Clapeyron-Gleichung">Gleichung</a> benannt ist:</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Flh7-rt.googleusercontent.com%2Fdocsz%2FAD_4nXfZzxroCW9a2Sa9hZzNivegPQcCxXl_6YOwJYSetHuwZavqaAvJ9w3EKtB1cDNAJZ4KtqMXsOrjmG5Xrt3yYRB_S30OszotB6hd6yfeiAv4__oEhPrVw9-ptwkJS0g0nxvUZ6Vv%3Fkey%3DArIphjfcVRY0ju_S8HYInA?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=ff8c2d2117cabd6fa6504df63c0a6728" alt="Abbildung einer physikalischen Formel."/><p>Für den unwahrscheinlichen Fall, dass das für dich so nicht unmittelbar einleuchtend sein sollte: Aus dieser Gleichung ergibt sich, dass Luft für jeden Grad, den sie wärmer wird, 7 Prozent mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann. Dieser Anstieg ist exponentiell, wird also immer steiler – der Sprung von 4°C auf 5°C ist damit deutlich kleiner als der von 25°C auf 26°C. Ein Grad mehr Wärme wirkt sich dementsprechend in warmen Regionen viel stärker aus als in kalten.</p><p>Für die Differenz zwischen der in der Luft enthaltenen Feuchtigkeit und dem “Platz”, den sie für weitere Feuchtigkeit zur Verfügung hat, hat die Wissenschaft den schönen Begriff “Dampfhunger” geprägt. Solang die Luft Dampfhunger hat, will sie weitere Feuchtigkeit aus der Umgebung aufnehmen. </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/7a40304f-a1ac-47ee-9612-80483e1007e1/uploads/images/txm4pwr4as/clausius.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Diagramm: Wasserdampfgehalt der Luft"/><p>Der renommierte Klimawissenschaftler Stefan Rahmstorf nennt diese Gesetzmäßigkeit ein “Rezept für Katastrophen” und erklärt ihre Konsequenzen für unseren Alltag sehr anschaulich und ausführlich im <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/clausius-clapeyron-gesetz-wie-sich-das-extremwetter-am-mittelmeer-durch-formel-erklaeren-laesst-a-228942e0-99ba-4cf6-b1ce-fc23f79d9372">Spiegel</a>. </p><p>Hier die Kurzfassung: Solange die Luft noch Feuchtigkeit aufnehmen kann, zieht sie Wasser aus Böden, Pflanzen, Wäldern. Das erhöht das Risiko für Dürren und die Ausbreitung großflächiger <a href="https://www.mdr.de/wissen/umwelt-klima/klimawandel-fuehrt-zu-mehr-feuerwetter-risiko-fuer-waldbraende-steigt-100.html">Brände</a>. Doch die Feuchtigkeit ist nicht verschwunden – sie fällt irgendwann wieder runter, nämlich wenn die Luft abkühlt und damit sozusagen, siehe oben, eine Magenverkleinerung bekommt. Und das umso heftiger, je mehr Feuchtigkeit zuvor aufgenommen wurde. </p><p>Kommt dir also wieder mal jemand mit: “Wie jetzt, erst soll der Klimawandel schuld daran sein, wenn es nicht regnet, und dann daran, dass es zu viel regnet? Entscheidet euch mal! LäCHeRLiCh!” – dann kannst du ganz ruhig auf die Herren Clausius und Clapeyron verweisen: Zu wenig und zu viel Wasser sind zwei Seiten derselben Medaille.</p><h3>Teil 2: Kausalitäten. Die Geburt der Attributionsforschung.</h3><p>Jetzt sagst du vielleicht, ja kann ja sein, aber Starkregen und Trockenheit hat es doch schon immer gegeben. Und wie wollt ihr mir beweisen, dass dieses konkrete Eichhörnchen nicht auch ohne Klimakrise vom Baum gefallen, dieser Keller nicht auch ohne Klimakrise vollgelaufen wäre?</p><p>Vielen Dank für die Frage, das ist eine gute Frage, danke nochmal für diese sehr gute Frage.</p><p>Dass die Physik der Erderwärmung extremes Wetter wahrscheinlicher macht, wissen wir dank Clausius und Clapeyron schon seit dem späten 19. Jahrhundert. Aber über den Einfluss der Klimakrise auf ein konkretes Wetterereignis hätten wir bis vor einer verhältnismäßig kurzen Zeit nichts Seriöses sagen können. </p><p>Das hat sich geändert – durch eine wissenschaftliche Revolution, die 2004 mit der Veröffentlichung der ersten sogenannten “Attributionsstudie” begann. Das war die Geburtsstunde der Attributionsforschung – der Zuordnungswissenschaft also.</p><p>Heute simulieren Forschende, darunter weltweit führend die von <a href="https://www.youtube.com/watch?v=avUJp2uIfns">Friederike Otto</a> und Geert Jan van Oldenborgh gegründete <a href="https://www.worldweatherattribution.org/">World Weather Attribution Initiative</a>, mithilfe von Klimamodellen tausende Jahre Wetter: einmal mit, einmal ohne das von uns Menschen zugeführte CO2. Mithilfe der so gewonnen Daten kann die Forschung oft sehr spezifische Aussagen machen, wie viel weniger wahrscheinlich und wie viel weniger intensiv ein gegebenes Ereignis ohne Klimakrise gewesen wäre.</p><p>Und das manchmal so schnell, dass die Ergebnisse noch während des laufenden Wetterereignisses veröffentlicht werden können. </p><p>Die Erderhitzung wird in der Regel als weltweiter Durchschnittswert berechnet. Das hat nur sehr wenig damit zu tun, wie unterschiedlich die Menschen sie vor Ort erleben. Die Untersuchungen aus der Attributionsforschung geben uns die Möglichkeit, die Auswirkungen der Klimakrise ganz konkret und eindrucksvoll mit unseren eigenen Lebenserfahrungen zu verbinden.</p><p>Wir können heute <a href="https://www.worldweatherattribution.org/wp-content/uploads/DE_WWA-Uber-xtremwetter-und-den-Klimawandel-berichten.pdf">sagen</a>: </p><ul><li><p>Von 1984 bis 2015 sind in den westlichen USA vier Millionen Hektar Fläche verbrannt, die ohne Klimakrise nicht verbrannt wären. </p></li><li><p>Der <a href="https://www.spiegel.de/panorama/wirbelsturm-sandy-ausmasse-der-zerstoerungen-in-new-york-a-864307.html">Hurricane Sandy</a>, der 2012 in der Karibik und an der Ostküste der USA ganze Landstriche verwüstete und viele Menschenleben kostete, hätte ohne Erderhitzung 71.000 Häuser weniger zerstört und 8,1 Milliarden Dollar weniger an Schäden verursacht.</p></li><li><p>Im letzten Jahr gab es in Deutschland 50 <a href="https://www.tagesschau.de/wissen/klima/hitzeaktionstag-klimawandel-100.html">Hitzetage</a>. Das sind 24 mehr als es ohne Klimakrise gewesen wären.</p></li><li><p>Auch die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 wäre ohne Klimakrise <a href="https://www.worldweatherattribution.org/heavy-rainfall-which-led-to-severe-flooding-in-western-europe-made-more-likely-by-climate-change/">sowohl weniger wahrscheinlicher als auch weniger intensiv</a> gewesen.</p></li><li><p><a href="https://interactive.carbonbrief.org/attribution-studies/index.html">Und vieles mehr.</a></p></li></ul><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/7a40304f-a1ac-47ee-9612-80483e1007e1/uploads/images/egsbsthqpv/hitzetage.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Illustration: Hitzetage pro Jahr in Deutschland. Heute: 50, ohne Klimakrise: 26"/><h3>Teil 3: Verantwortlichkeiten. Ein Dreisatz für Recht und Gerechtigkeit.</h3><p>So. Jetzt stell dir mal vor, ich bin für, sagen wir, 0,38 Prozent aller menschengemachten CO2-Emissionen seit dem Beginn der Industrialisierung verantwortlich. Und dann kommt Friederike Otto mit ihren Mistreitenden angeritten und zeigt mit einer Studie: Eine Flutkatastrophe F wäre ohne die Klimakrise nur halb so schlimm gewesen. </p><p>Plötzlich lässt sich mit ein bisschen Dreisatz ausrechnen, welchen Anteil ich am Geldwert des entstandenen Schadens habe - nämlich 0,38 Prozent der Hälfte. Mit einem Mal haben wir ein ziemlich starkes Argument dafür, dass man mich für den Wiederaufbau des beschädigten Dorfes D mit zur Rechenschaft ziehen sollte. </p><p>Das Prinzip dahinter heißt Verursacherhaftung: Wer es kaputt macht, soll es auch <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/klimakrise-verursacher-statt-betroffene-sollten-fuer-schaeden-aufkommen-meinung-a-3e9f810f-32c2-452f-a20d-565096f3c6c7">bezahlen</a>.</p><p>Dieser Meinung ist auch eine wachsende Zahl von Gerichten überall auf der Welt. Das ist einer der Gründe, aus denen Otto und van Oldenborgh, die Gründer von World Weather Attribution und Pioniere der Attributionsforschung, vom Time Magazine in die Liste der <a href="https://time.com/collection/100-most-influential-people-2021/6095982/friederike-otto-geert-jan-van-oldenborgh/">100 einflussreichsten Persönlichkeiten</a> des Jahres 2021 aufgenommen wurden. </p><p>Denn Ergebnisse aus der Attributionsforschung werden immer <a href="https://www.deutschlandfunk.de/klimaklagen-deutschland-klimaziele-erfolg-scheitern-100.html#:~:text=Seit%202020%20hat%20sich%20die,die%20zu%20viel%20CO2%20aussto%C3%9Fen.">häufiger</a> in Gerichtsverfahren als Evidenz herangezogen, um Staaten und Konzerne in die Pflicht zu nehmen, wenn sie zu wenig gegen die Klimakrise tun, beziehungsweise zu viel dafür. </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/7a40304f-a1ac-47ee-9612-80483e1007e1/uploads/images/ppbtzojlkv/klimaklagen.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Besonders spektakulär war das etwa im Fall der Klimaseniorinnen, die vor dem Europäischen Menschengerichtshof mit ihrer Klage Recht bekamen: Die Schutz- und Anpassungsmaßnahmen der Schweiz waren auch nach Ansicht des Gerichts unzureichend, um den immer häufiger und gefährlicher werdenden Hitzewellen zu begegnen. Ein Gesundheitsrisiko, insbesondere für ältere Frauen. Der sehenswerte Dokumentarfilm “<a href="https://trop-chaud.ch/de/">Trop Chaud</a>” erzählt die spannende und mitreißende Geschichte dieses Prozesses.</p><p>Oder, nach zehn Jahren Verhandlungen erst vor wenigen Tagen entschieden, der womöglich noch folgenreichere Prozess des peruanischen Bauern Saúl Lliuya, der mit der Unterstützung der Organisation <a href="https://www.germanwatch.org/de/bahnbrechendes-urteil-der-klimaklage-gegen-rwe">Germanwatch</a> gegen den deutschen Energieriesen RWE vor Gericht zog: Er warf dem Konzern vor, für ein gestiegenes Überflutungsrisiko für sein Haus verantwortlich zu sein und forderte, dass RWE sich entsprechend an den Kosten für einen Damm beteiligen sollte.</p><p>Das Gericht wies seine Klage zwar ab – weil ihm das Risiko für das Haus des Klägers zu gering schien. Doch es bestätigte: Grundsätzlich kann ein Konzern wie RWE für Klimaschäden und -risiken haftbar gemacht werden – selbst auf einem anderen Kontinent. Hätte ein Nachbar mit einem Haus in exponierterer Lage geklagt, wäre die Geschichte womöglich anders ausgegangen. </p><p>Das ist ein  revolutionärer <a href="https://verfassungsblog.de/lliuya-rwe-klimaklage-olg-hamm/">Präzedenzfall</a>, der die Türen weit aufstößt für weitere Prozesse gegen fossile Konzerne. Die Frage, wer für Klimafolgen zahlt, ist damit keine moralische mehr, sondern eine juristische: Wer viel zerstört, wird viel bezahlen müssen. Zukünftig öfter, schneller – und gerichtsfest. Das sollten sich alle, die erwägen, heute noch in fossile Industrien zu investieren, sehr gut überlegen.</p><p>RWEs Anteil an den weltweiten historischen Emissionen beträgt übrigens <a href="https://carbonmajors.org/Entity/RWE-93">0,38 Prozent</a>. </p><p>Der Konzern befindet sich damit auf Platz 44 der weltweit größten Verschmutzer.</p><h2>Selber machen</h2><p>Für Kühlung in der Stadt an zu heißen Tagen hilft <a href="https://www.br.de/nachrichten/kultur/kuehlung-gefragt-mit-viel-gruen-in-der-stadt-gegen-die-hitze,Tl6wFWa">mehr Grün</a>. Wenn zuviel Wasser in die Stadt regnet, schützt vor Überschwemmung: <a href="https://www.umweltbundesamt.de/schwammstadt">Mehr Grün</a>. Was aber sorgt für mehr Artenvielfalt in der Stadt und bindet obendrein CO2?</p><p>Es ist <a href="https://www.gruen-in-die-stadt.de/artenvielfalt/">mehr Grün</a>.</p><p>Platz für mehr Grün schafft man, indem man Löcher ins Pflaster macht. In den Niederlanden <a href="https://reasonstobecheerful.world/netherlands-tegelwippen-flowerbeds/">dürfen</a> das alle einfach so, wenn man sich dabei an ein paar Regeln hält. Aber auch hierzulande trifft der Gedanke des “Tegelwippen” auf manch <a href="https://www.ardmediathek.de/video/hamburg-journal/tegelwippen-elfjaehriger-setzt-sich-fuer-mehr-gruen-in-altona-ein/ndr/Y3JpZDovL25kci5kZS85OGExNjc5Ny01NGQ2LTRlZjctOWZjMC01OTk2NTYxMDUxZmU">offenes Ohr</a>, ist also bestimmt auch bei dir vor der Tür einen Versuch wert.</p><p>Eine besonders interessante Form von mehr Grün sind sogenannte tiny forests - sehr eng mit heimischen Bäumen bepflanzte Flächen, die schon auf kleinem Raum ab 100 Quadratmetern zu artenreichen, widerstandsfähigen und nur minimal pflegebedürftigen Wäldchen werden können. Der Verein <a href="https://www.miya-forest.de/tiny-forest">Miya Forest</a> unterstützt von Bürgerinnen und Bürgern initiierte Projekte dieser Art in ganz Deutschland.</p><p>Gegen die großen Verschmutzer hingegen kommen wir mit mehr Grün allein nicht an. Dort hilft, wir haben es gesehen: Klagen. Die zugehörigen Prozesse erfordern viel Sitzfleisch – und viel Geld. Dort kann deine <a href="https://www.germanwatch.org/de/thema/klima-und-umweltklagen">Spende</a> helfen, auch auf systemischer Ebene einen Unterschied zu machen.</p><p>Und gegen niedliche vom Baum fallende Eichhörnchen hilft eine Schale mit frischem Wasser, in Baumreichweite aufgestellt.</p><h2>Freunde treffen</h2><p><em>“Strom geht uns alle an! Doch die Diskussion um seine Zukunft ist viel zu politisch.”</em></p><p>Wir schätzen den Energieexperten Tim Meyer schon lange als fachkundige, unaufgeregte und verlässliche Stimme in Fragen der Energiewende auf <a href="https://www.linkedin.com/in/tim-meyer-466a7626/">LinkedIn</a>. </p><p>Für sein Buch <a href="https://www.strom-das-buch.de/"><em>Strom</em></a><em> </em>hat Meyer nun einen Ton und eine Sprache gefunden, mit denen er seine Expertise so unterhaltsam und lesbar verpackt, dass es auch und gerade für interessierte Laien eine Freude ist. </p><a href="https://www.strom-das-buch.de/"><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Flh7-rt.googleusercontent.com%2Fdocsz%2FAD_4nXdKkmZNlTeWUKNhezqLpvdulkO86UE0d-slA9091vEbMa1-XmJwHUU4kz4_OMnnbWjzesr7_PL54zxFv3ISgF2gTRyYXU7vj-fr7-tclDJScygATvNJ6SvyeMWxe1faYCP3Bd7h%3Fkey%3DArIphjfcVRY0ju_S8HYInA?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=939237b9f377e0ac4e804998367a19ff" alt="Buchcover &quot;Strom&quot;"/></a><p>Meyer beleuchtet und erklärt in breitem Bogen die marktgetriebenen Kräfte hinter der Energierevolution, die gerade unaufhaltsam über den Planeten rollt, und deren nie dagewesenes Ausmaß hierzulande bisher noch zu wenig wahrgenommen wird. Dabei beweist er ein Händchen für anschauliche Erklärungen und hervorragende Visualisierungen komplexer Zusammenhänge. </p><p><em>Strom</em> liefert starke Argumente dafür, sich hoffnungsfroh und mit Elan in das Projekt einer besseren Zukunft zu werfen – Argumente, die ganz ohne ideologischen Firnis, erhobenen Zeigefinger und moralische Appelle auskommen. So ist die Lektüre bestens geeignet, über politische Lagergrenzen hinweg zu überzeugen. </p><p>Wir wünschen uns das Buch auf die Schreib-, Nacht- und Geburtstagstische all der vernünftigen Konservativen und Liberalen da draußen, die am aktuellen Diskurs verzweifeln und auf der Suche nach Anregungen für eine neue, fundiert untermauerte, kraftvolle Erzählung für die Zukunft sind – wahlweise für die Bewahrung der Schöpfung, den Schutz unserer Lebensgrundlagen, den Erhalt von wirtschaftlichem Wohlstand und Freiheit, oder gar aus all diesen Gründen zugleich.</p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Dieser Newsletter ist nur durch eure finanzielle Unterstützung möglich! Daher ein großes Dankeschön an alle, die uns unterstützen.</em></p><p><em>Wenn du noch nicht dabei bist, </em><strong><em>freuen wir uns sehr über Spenden</em></strong><em> (und können auch mit Spendenbescheinigungen dienen wenn gewünscht).</em></p><p><em>Global Eco Transition gGmbH | IBAN: DE62 4306 0967 1230 6808 00 | BIC: GENODEM1GLS | Verwendungszweck: ”Spende Superredaktion”</em></p><p><strong><em>Wichtig:</em></strong><em> Spenden kommen bei uns nur an, wenn der Verwendungszweck richtig angegeben wird.</em></p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Du willst </em><strong><em>deine Reichweite nutzen</em></strong><em>, um auf Klimathemen aufmerksam zu machen? Wir helfen dir dabei! Schreib uns gerne eine Mail an</em> <a href="mailto:info@superredaktion.de">info@superredaktion.de</a> – <em>wir sind freundlich, wissen Sachen und </em><strong><em>kosten dich nichts</em></strong><em>.</em></p><p><em>Du kennst Menschen, denen dieser Newsletter auch helfen könnte? Dann teile ihn gerne!</em></p><p><br/><br/></p><p></p><p></p><p></p><p></p><p><br/></p><p></p><p></p><p></p><p></p><p><br/><br/><br/><br/></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/7a40304f-a1ac-47ee-9612-80483e1007e1/teaser_image/1749628675?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Wed, 11 Jun 2025 10:21:59 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Mach dich frei(er) - ein Wegweiser]]></title>
      <description><![CDATA[Willkommen im Newsletter der Superredaktion. Heute mit einem Gastbeitrag von Jan Hegenberg unter der Überschrift "Unabhängigkeit". Alle wollen sie! Wo kriegt man sie her?]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Willkommen im Newsletter der Superredaktion – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete Anpackmaterialien für Menschen mit Lust auf Zukunft. </p><p>Unabhängigkeit! Ein hohes Gut, sowieso, und dieser Tage mehr denn je. Wo kriegt man sie her? Dazu freuen wir uns heute über einen <a href="https://steadyhq.com/de/superredaktion/posts/092650f7-4311-4596-bb35-625f832eb337">weiteren</a> Gastbeitrag von Jan Hegenberg – <a href="https://www.komplett-media.de/index.php?display=0011111&amp;artikelnr=200700&amp;cookiecheckset=1">Bestsellerautor</a>, <a href="https://graslutscher.de/">Graslutscher</a>, Freund. </p><p>Aber erstmal: Gute Nachrichten aus aller Welt.</p><h2>Froher werden</h2><h3>Energiesicherheit herstellen</h3><p>Der renommierte Energie-Thinktank Ember hat aus gegebenem Anlass einen Blick auf erneuerbare Energien als Sicherheitsfaktor geworfen – und dazu einige Zahlen <a href="https://ember-energy.org/latest-insights/energy-security-in-an-insecure-world/">veröffentlicht</a>, die unbedingt weitererzählt gehören. Darunter etwa diese: </p><p>Auf der Welt ist das Potential für die Herstellung von Energie aus Sonne und Wind <strong>hundertmal größer</strong> als unser gesamter Energiebedarf  – und 120-mal größer als die heute fossil produzierte Energie. </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/0c99876d-2a57-4f32-a408-716cc7f5d6bd/uploads/images/sdppynzt7d/Grafik_1__Weltweiter_Bedarf.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Diagramm über das Verhältnis 1:100 zwischen weltweitem Energiebedarf und weltweitem Potential für Wind- und Sonnenenergie."/><p>Und: <strong>Über 90 Prozent</strong> der Weltbevölkerung leben in Ländern, die genug Wind und Sonne haben, um daraus mindestens das <strong>Zehnfache</strong> ihres eigenen Energiebedarfs zu produzieren – die also energetisch unabhängig werden können. </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/0c99876d-2a57-4f32-a408-716cc7f5d6bd/uploads/images/y6d3a6ydfz/Grafik_2__Uberreichliches_Potential.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Diagramm über den Anteil der Länder mit mehr als genug Potential für Wind- und Sonnenenergie (92%)"/><p>Wir können also alle weniger erpressbar, geringeren Preisschwankungen ausgesetzt und weniger auf den guten Willen von Diktatoren und Despoten angewiesen sein. Wir müssen es nur dringend genug wollen. Die anderen beiden guten Nachrichten dieses Monats sind anschauliche Beispiele, die zeigen, warum wir es dringend wollen sollten.</p><h3>Krisen nutzen</h3><p>Energiekrisen gibt es anderswo auch – zum Beispiel in Uruguay, wo es wegen einer großen Energieknappheit 2008 zu zahlreichen Stromausfällen kam. Ähnlich wie bei uns hing die Krise unter anderem damit zusammen, dass es dort kaum eigene Kohle-, Gas- oder Ölvorkommen gab, man also stark auf Importe fossiler Energieträger angewiesen war. In dieser Situation entschied sich das Land für einen Wechsel – und zwar explizit nicht für einen in Richtung Nuklearenergie: Man wollte die Abhängigkeit von fossilen Importen nicht durch eine von Uran ersetzen. </p><p>Heute ist Uruguay ein weltweiter <a href="https://www.zdf.de/nachrichten/politik/ausland/uruguay-energiewende-erneuerbare-energien-windkraft-wasserkraft-100.html">Energiewende-Vorreiter</a>: Das Land versorgt sich zu 90 Prozent mit Strom aus Wasser, Wind und Sonne. Der für diesen Umbau maßgeblich verantwortliche ehemalige Energie-Direktor des Landes, Ramon Mendez Galain, sagte dazu kürzlich: “Fragen Sie mich, welche Auswirkungen dieser tragische Krieg in Europa auf den Elektrizitätssektor in Uruguay hatte – null.”</p><h3>Babys retten</h3><p>Bo, die drittgrößte Stadt von Sierra Leone, besitzt – trotz extrem widriger sozialer und wirtschaftlicher Umstände – ein staatliches Krankenhaus mit einer Neugeborenenstation auf Weltniveau. Wie es dazu kam, ist eine <a href="https://www.esther.ie/small-grants-partner-interview-dr-niall-conroy-ucd-centre-for-emergency-medical-science-bo-government-hospital-sierra-leone/">Geschichte für sich</a>. Aber auch die beste Neugeborenenstation hat es nicht in der Hand, wenn <a href="https://forumnews-sl.com/persistent-power-cuts-leave-freetown-in-darkness/">Energieknappheit</a> dazu führt, dass im ganzen Land regelmäßig der Strom abgeschaltet wird. Nun hat das Krankenhaus eine spendenfinanzierte Solaranlage bekommen – mit Photovoltaik auf dem Dach und großzügigen Batteriespeichern im Keller. Seitdem hat die Frühchen-Station in Bo eine <a href="https://www.youtube.com/watch?v=z-5QjSfy2SM&amp;list=PLe8ZTD7dMaaABAcLiyDqn3xA0KRzJ_xEs&amp;t=3s">Stromabdeckung von 98 Prozent</a>, was in einem Land mit nahezu täglichen Stromausfällen viele Babyleben rettet.</p><p>Und damit übergeben wir das Mikrofon an unseren geschätzten Gastautoren Herrn  Jan Hegenberg.</p><h2>Die europäische Welle</h2><p><em>Ein Wegweiser von Jan Hegenberg</em></p><p>Es gibt einfachere Aufgaben als im Frühjahr 2025 einen Newsletter mit hoffnungsvoller Grundstimmung zu schreiben. </p><p>Zwar gibt es immer noch ausreichend positive Entwicklungen – und immerhin: Die MAGAs können nicht die Physik ändern und damit den weltweiten Siegeszug von Erneuerbaren, Batterietechnik und E-Mobilität stoppen. </p><p>Aber sie können all das in der (noch) größten Volkswirtschaft der Erde ausbremsen, sabotieren und sogar um Jahre zurückwerfen. Sie können wertvolle Biotope plattwalzen lassen, Umweltauflagen abschaffen und im Rest der Welt Nachahmern dabei helfen, ähnlich destruktive Maßnahmen zu rechtfertigen.</p><p>In jeder Krise finden sich aber auch Chancen. Im Falle dieser Krise ist das in meinen Augen die noch vor Monaten undenkbare Aussicht, unsere Abhängigkeit von US-amerikanischer IT-Dominanz zu verringern. In deren Schlinge hängen wir ja mehr oder weniger alle, weil es bisher so wunderbar bequem war.</p><h2>Unterwürfige Alpha-Männer</h2><p>Eine der für mich erschreckendsten Anblicke der letzten Monate war<a href="https://apnews.com/video/jeff-bezos-district-of-columbia-elon-musk-inaugurations-united-states-government-486ab2a989e94aaa8c9afec15bebeb51"> das Bild</a> der brav in einer Reihe stehenden Geschäftsführer der mächtigsten Tech-Konzerne der Welt, die ihrem frisch gewählten Präsidenten nicht nur kein Paroli boten: Vielmehr eilten sie gehorsam zu seinem Privatdomizil, um ihm dort ihre Aufwartung zu machen. Die reichsten Männer des Landes standen da wie brave Messdiener, so devot, als wollten sie ihrem zukünftigen König gleich noch ihr Erstgeborenes überreichen. Oder schlimmer: unsere Daten.</p><p>Man mag mich für naiv halten, aber ich war davon ausgegangen, dass sich die CEOs von Google, Meta und so weiter ihrer eigenen Kundschaft gegenüber verpflichtet fühlen, wenigstens zum Schein. Nicht wegen moralischer Bedenken oder aufgrund meiner Rechte als Konsument, sondern allein aus kapitalistischer Logik heraus. Für jemanden wie mich, der viele dieser Dienste nutzt (und bezahlt) – und natürlich vermeiden möchte, dass seine Daten nicht an ein autokratisches US-Ministerium durchgestochen werden, war das ein Weckruf.</p><p>Mark Zuckerberg hielt Faktenchecks plötzlich für <a href="https://www.ndr.de/kultur/Correctiv-Leiterin-Zuckerberg-hielt-Faktenchecks-einst-fuer-wichtig,correctivzumeta100.html">überflüssig</a>, Elon Musk drehte<a href="https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/warum-sich-elon-musk-in-die-deutsche-politik-einmischt,UZDFYRO"> noch ein bisschen mehr durch als üblich </a>und ein Gründer von Airbnb <a href="https://www.nytimes.com/2025/02/27/us/politics/joe-gebbia-airbnb-trump-elon-musk-doge.html">ist nun im DOGE-Team mit dabei</a> und hilft mit, sensible Daten abzugreifen. Meine Bewegungsdaten, meine Kalendereinträge, meine privaten Chats und meine Kontobewegungen wirkten auf US-Servern auf einmal ähnlich schlecht aufgehoben wie ein Zebrajunges im Löwengehege.</p><h2>Alternativen im Aufwind</h2><p>Nicht nur der Spiegel widmet dieser Frage die fünfteilige Artikelreihe<a href="https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/abhaengigkeit-von-us-techunternehmen-einstieg-in-den-ausstieg-a-cf28adeb-0808-4527-b2f4-c1a90d346256"> „Welche Alternativen gibt es zur US-Digitaltechnik?“</a>, auch das Handelsblatt beschäftigt <a href="https://www.handelsblatt.com/technik/it-internet/whatsapp-und-co-darum-sollte-man-alternativen-zu-den-us-digitalriesen-nutzen/100100968.html">das</a>. Tipps zum Umstieg geben auch die Online-Portale <a href="https://www.heise.de/news/Europaeische-Alternativen-zu-Google-Microsoft-und-Co-10324784.html">heise</a>, <a href="https://t3n.de/news/europaeische-alternative-zu-big-tech-1676601/">t3n</a> und<a href="https://www.watson.ch/digital/analyse/215347573-europa-statt-usa-mit-dieser-software-bist-du-nicht-von-den-usa-abhaengig"> Watson</a>.</p><p>Nach solchen Listen werden eine Menge Menschen in Europa,<a href="https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/abhaengigkeit-von-us-techunternehmen-einstieg-in-den-ausstieg-a-cf28adeb-0808-4527-b2f4-c1a90d346256"> das beim Rennen um Online-Dienste nicht gerade in Führung liegt</a>, auch vorher schon mal gesucht haben. Die Suche nach Alternativen gestaltete sich bisher aber besonders schwierig, weil viele der etablierten Platzhirsche insbesondere von ihrer großen Userzahl profitieren. So ist es ein einfacher Schritt, eine WhatsApp-Alternative wie <a href="https://signal.org/de/">Signal</a> (auch ein US-Dienst, aber Produkt einer gemeinnützigen Stiftung) oder <a href="https://threema.ch/de">Threema</a> zu installieren. </p><p>Weitaus frustrierender ist es, mit dieser Alternative dann die Grillfeier zu organisieren, wenn 90 Prozent des Freundeskreises weiterhin nur über WhatsApp zu erreichen sind. Der<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Netzwerkeffekt"> Netzwerkeffekt</a> schlägt zu.</p><p>Der Wechsel von Social-Media-Plattformen, Messaging-Diensten, Tools für die Zusammenarbeit wie Google Docs und eben allen Online-Angeboten, deren Mehrwert sich primär aus der großen Menge der damit arbeitenden Personen ergibt, ist deswegen zu normalen Zeiten eine ziemliche Herausforderungen. </p><p>Wir befinden uns aber nicht mehr in normalen Zeiten – und das hat auch etwas Gutes.</p><p>All die Menschen, denen wir sonst mühsam erklären müssten, warum der Meta-Konzern<a href="https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/meta-faktencheck-moderation-100.html"> nicht besonders vertrauenserweckend agiert</a>, erfahren gerade aus der Tagespresse: Auch ihr USA-Urlaub könnte kurz nach der Einreise ein jähes Ende in Abschiebehaft finden, sobald sich den Einreisebehörden beim Blick in die Privatdaten ihrer Handys ein Verdacht bietet. So weit in die Zukunft muss man aber gar nicht denken. Auch die Vorstellung, dass uns ein immer erratischer agierender US-Präsident als Druckmittel den Zugriff auf unsere sensiblen Daten verwehren könnte, hilft nur wenigen Menschen beim Einschlafen.</p><p>Das könnte ein guter Zeitpunkt sein, die kritische Masse zum Wechsel zu motivieren. In der EU, UK, Norwegen und der Schweiz leben zusammen eine halbe Milliarde Menschen, die pro Jahr etwa 22 Billionen Dollar erwirtschaften. Ein gewaltiger Markt also, dessen Kaufkraft eine wichtige Rolle spielt. Zum Vergleich: Die USA liegen bei 28 Billionen Dollar.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/0c99876d-2a57-4f32-a408-716cc7f5d6bd/uploads/images/xssruggtez/Grafik_3__BIP.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Diagramm über das Verhältnis zwischen den BIPs der USA und von Europa"/><h2>Lob des Pragmatismus</h2><p>Wer selbst Teil der kritischen Masse sein möchte, sollte vor allem folgende Devise beherzigen: Einen Schritt nach dem anderen nehmen – Pragmatismus schlägt Perfektionismus. Von den<a href="https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/donald-trump-elon-musk-und-co-zehn-einfache-schritte-zu-mehr-unabhaengigkeit-von-us-technik-a-3a8a4780-8bf7-4f4b-9e7d-750ef440778e"> zehn Punkten, die der Spiegel auflistete, um sich von US-Technik unabhängig zu machen</a>, befolge ich mittlerweile sieben (so ist dieser Text mit der kostenlosen Open-Source-Alternative <a href="https://de.libreoffice.org/download/download/">Libre Office</a> geschrieben, nicht wie sonst mit Microsoft Word). Ich dürfte mittelfristig auf neun kommen. Vom Angebot der US-Film- und Serienproduktionen werde ich mich aber vermutlich nicht so bald trennen können.</p><p>Das ist aber auch nicht weiter tragisch. Denn wie bei vielen anderen Vorhaben auch sollten wir uns hier zuerst den niedrig hängenden Früchten zuwenden, anstatt uns vergeblich nach den, äh, Kokosnüssen zu strecken, um dann vor lauter Frust den ganzen Tag im Instagram-Feed rumzuhängen. Zudem ist es ein anderes Gefahrenpotential, ob mein Filmkonsum von US-Diensten abhängig ist oder meine medizinischen Daten an zwielichtige Verbrecher weiterverkauft werden.</p><h2>Alternativen satt</h2><p>Wem die oben verlinkten Tipps nicht ausreichen, kann sich entweder mit 200.000 anderen auf Reddit im Forum<a href="https://www.reddit.com/r/BuyFromEU/"> BuyFromEU</a> informieren, oder auf<a href="https://european-alternatives.eu/de/alternativen-zu"> der Plattform „European Alternatives“</a> Alternativen zu heute genutzten Diensten finden. Noch bequemer ist es, in der <a href="https://www.goeuropean.org/">Online-Datenbank „Go European“</a> zu suchen. </p><p>Eine komplette Abkehr von US-Produkten wäre für die meisten von uns aktuell ein starker Einschnitt. Der Weg dorthin wird aber einfacher, wenn man weiß, dass <a href="https://www.logitech.com/de-de">Logitech</a> eine Schweizer Firma ist, <a href="https://www.blinkist.com/de">Blinkist</a> aus Deutschland kommt und die Provisionszahlung für die Buchung einer Ferienwohnung bei <a href="https://www.check24.de/?wpset=google_brand">Check24</a> an eine deutsche Firma geht. Hörbücher bietet nicht nur Amazon an, sondern auch<a href="https://www.bookbeat.com/de"> das schwedische Book Beat</a>, und Bücher, digitale und papierne, bekommt man ja ohnehin schon lang auch über den Online-Shop deiner Lieblingsbuchhandlung kostenlos nach Hause geliefert. Eine weitere Alternative ist der soziale Buchhandel <a href="https://www.buch7.de/">buch7</a>, der drei Viertel seiner Gewinne an gemeinnützige Initiativen spendet. Mittels<a href="https://www.openstreetmap.org/"> OpenStreetMap</a> lassen sich Routen ganz ohne Google Maps planen und mithilfe<a href="https://www.blablacar.com/"> des französischen Blablacar</a> kann man komfortabel Mitfahrgelegenheiten finden.</p><p>Automatisierte Übersetzungen bietet das deutsche <a href="https://www.deepl.com/de/translator/tr/translator/l/en/el">DeepL</a> an, der wunderbare VLC-Mediaplayer (der mit dem Pylon-Symbol) ist französisch, das beliebte Vermittlungsportal für den Handel mit Second-Hand-Kleidung<a href="https://www.vinted.de/"> Vinted</a> sitzt in Litauen und mein Lieblingsbeispiel: Der diesjährige Oscargewinner für den besten Animationsfilm ging an<a href="https://www.imdb.com/de/title/tt4772188/?ref_=nv_sr_srsg_1_tt_7_nm_0_in_0_q_Flow"> den lettischen Film Flow</a>, der wiederum mithilfe der<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Blender_(Software)"> niederländischen 3D-Grafiksoftware Blender</a> produziert wurde.</p><p>Das muss natürlich nicht heißen, dass diese Firmen automatisch in allen Belangen empfehlenswert sind. Auch ein europäischer Riesenkonzern kann seine Angestellten mies behandeln, Umweltauflagen bekämpfen oder Verbraucherschutz für ein lästiges Detail halten. Der<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Check24#Kritik"> Abschnitt „Kritik“</a> im Wikipedia-Artikel über Check24 ist zum Beispiel nicht gerade kurz. Und das schwedische Spotify versuche ich aufgrund der miesen Bezahlung der Künstlerinnen und Künstler und des Einbindens KI-generierter „Kunst“ nicht mehr zu nutzen.</p><p>Die Hoffnung ist aber, dass auch kleinere Firmen perspektivisch von einer europäischen Vernetzung profitieren und den riesigen Marketing-Budgets großer US-Firmen eher etwas entgegenzusetzen haben, wenn die Menschen in Europa von ihnen wissen.</p><p>Einer der ganz dicken Brocken ist leider unsere<a href="https://www.spiegel.de/netzwelt/apps/instagram-facebook-x-warum-es-so-schwer-ist-us-plattformen-zu-verlassen-a-559c1102-fbeb-4094-8767-774184393699"> Abhängigkeit von den US-amerikanischen und chinesischen Monopolen für soziale Netzwerke</a>. Sie war schon vor Trump II so problematisch, dass viele Menschen in Deutschland darüber besorgt genug waren, um sich in Zusammenschlüssen wie<a href="https://savesocial.eu/"> Save Social</a> zu engagieren. Ziel ist nicht nur der Umstieg auf unabhängige Systeme, sondern auch ihre strukturelle Stärkung sowie eine strengere Kontrolle der aktuellen Marktführer.</p><h2>Möglichst kleine Füße, möglichst große Hände</h2><p>Aber nicht nur wir mit unserer privaten Nutzung können etwas verändern, auch große Firmen und Verwaltungen stehen vor der Frage, ob sich das Hosting von Diensten und Daten auf US-Servern auf lange Sicht eher als Problem denn als Lösung entpuppen könnte. Handabdruck schlägt Fußabdruck: Wenn du dich in deinem Umfeld, in deiner Organisation, deiner Firma oder deinem Projekt dafür einsetzt, entsprechende Änderungen anzuschieben, hat das einen wesentlich größeren Effekt, als wenn du privat nur noch <a href="https://www.ecosia.org/?c=de">ecosiast</a> anstatt zu googeln.</p><p>Im Jahr 2017<a href="https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/gaia-x-galileo-limux-warum-europa-meistens-an-der-digitalen-souveraenitaet-scheitert-a-f7114aa7-8445-461d-b0ee-1598c312e0cd"> scheiterte der Versuch</a> der Stadt München noch, von Windows auf Linux umzusteigen, weil es nicht gelang, mehrere tausend Microsoft-Office-Vorlagen und -Makros zu ersetzen. Aber wer weiß, vielleicht ginge das mit einer heute größeren Motivation <a href="https://www.heise.de/news/Nach-LiMux-Aus-Wie-sich-Muenchen-langsam-wieder-an-Open-Source-annaehert-9980995.html">leichter</a> von der Hand? Schleswig-Holstein will sich 2026 von Microsoft Office <a href="https://www.deutschlandfunk.de/schleswig-holsteins-landesregierung-wirbt-fuer-abschaffung-von-microsoft-programmen-100.html">verabschieden</a>. Das <a href="https://zendis.de/">ZenDiS</a> (Zentrum für Digitale Souveränität in der öffentlichen Verwaltung) arbeitet an einer alternativen Software-Grundausstattung für Behörden und dürfte aktuell deutlich mehr Presseanfragen bekommen als noch vor drei Monaten.</p><p>Wir starten also ganz und gar nicht bei null, denn die Macht der Verbraucherinnen und Verbraucher zeigt sich bereits:<a href="https://www.wallstreet-online.de/nachricht/19261710-der-schaden-angerichtet-us-tourismus-90-milliarden-us-dollar-einbrechen"> Buchungen für Urlaubsreisen in die USA brechen massiv ein</a>, der Marktanteil der Firma Tesla ist dramatisch gesunken und europäische Software-Firmen sprechen bereits von<a href="https://www.heise.de/news/Mehr-Interesse-an-europaeischen-Cloud-Anbietern-durch-Trump-Effekt-10349873.html"> einem Trump-Effekt</a>, weil sie ein spürbares Ansteigen der Nachfrage nach ihren Produkten verzeichnen.</p><p>Wir müssen die Welle also nicht erst mühsam auf den Weg bringen – sondern einfach die Gelegenheit nutzen, auf ihr mitzureiten.</p><h2>Freunde treffen</h2><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwww.piper.de%2Ffileadmin%2F_processed_%2Fe%2Ff%2Fcsm_die-milliarden-lobby-isbn-978-3-492-07331-8_1cb4311583.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=dc62f6c05a915d3f4f1f96f6bb7d4898" alt="Buchcover &quot;Die Milliarden-Lobby&quot;"/><p>Annika Joeres und Susanne Götze, beide überaus renommierte Investigativ-Journalistinnen, die so ziemlich für jedes namhafte Medium in Deutschland schreiben, haben mit “<a href="https://www.piper.de/buecher/die-milliarden-lobby-isbn-978-3-492-07331-8">Die Milliarden-Lobby</a>” ihr viertes gemeinsames Buch vorgelegt. Darin zeichnen sie ausführlich und gut belegt nach, welche Kräfte warum unser Land davon abhalten, so schnell wie möglich die ineffiziente, zerstörerische und technologisch längst überholte Verbrennerei von Sachen hinter uns zu lassen.</p><p>Dass sich das spannend wie ein Krimi liest, ist kein Zufall – es handelt sich um True Crime in Reinstform.</p><p>Heizungsgesetz, Nord-Stream, Verbrenner-Aus, Agrardiesel und Wasserstoff-Autos – die Art, wie die Debatten über diese Themen bei uns geführt werden, hat viel zu wenig damit zu tun, was für uns als Gesellschaft jetzt wichtig und sinnvoll ist, wenn wir Wohlstand, Gesundheit und Zukunft behalten wollen.</p><p>Und viel zu viel damit, wer in Deutschland und der Welt mit Gas, Öl und Kohle surreale Mengen Geld verdient und gern weiter verdienen würde. Sehr lesenswert.</p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Dieser Newsletter ist nur durch eure finanzielle Unterstützung möglich! Daher ein großes Dankeschön an alle, die uns unterstützen.</em></p><p><em>Wenn du noch nicht dabei bist, </em><strong><em>freuen wir uns sehr über Spenden</em></strong><em> (und können auch mit Spendenbescheinigungen dienen wenn gewünscht).</em></p><p><em>Global Eco Transition gGmbH | IBAN: DE62 4306 0967 1230 6808 00 | BIC: GENODEM1GLS | Verwendungszweck: ”Spende Superredaktion”</em></p><p><strong><em>Wichtig:</em></strong><em> Spenden kommen bei uns nur an, wenn der Verwendungszweck richtig angegeben wird.</em></p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Du willst </em><strong><em>deine Reichweite nutzen</em></strong><em>, um auf Klimathemen aufmerksam zu machen? Wir helfen dir dabei! Schreib uns gerne eine Mail an</em> <a href="mailto:info@superredaktion.de">info@superredaktion.de (Öffnet in neuem Fenster)</a> – <em>wir sind freundlich, wissen Sachen und </em><strong><em>kosten dich nichts</em></strong><em>.</em></p><p><em>Du kennst Menschen, denen dieser Newsletter auch helfen könnte? Dann teile ihn gerne!</em><br/></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/0c99876d-2a57-4f32-a408-716cc7f5d6bd/teaser_image/1745921292?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Tue, 29 Apr 2025 10:17:18 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Anspruch, Zorn und Wirklichkeit]]></title>
      <description><![CDATA[Willkommen im Newsletter der Superredaktion – heute mit einem nur halb gerechtfertigten Aufreger und der Frage, warum wir uns so leidenschaftlich über ihn aufregen.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Willkommen im Newsletter der Superredaktion – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete Anpackmaterialien für Menschen mit Lust auf Zukunft. Heute mit einem nur halb gerechtfertigten Aufreger und der Frage, warum wir uns so leidenschaftlich über ihn aufregen.</p><h2><strong>Froher werden</strong></h2><h3>Klimaneutral billiger als gedacht</h3><p>Ein neuer Bericht des interdisziplinären Forschungsprojektes <a href="https://ariadneprojekt.de/">Ariadne</a> <a href="https://www.klimareporter.de/finanzen-wirtschaft/klimaneutral-werden-gar-nicht-so-teuer">rechnet aus</a>: Zwar braucht ein klimaneutrales Deutschland bis 2045 über 100 Milliarden pro Jahr an Investitionen. Aber der Großteil dieser Kosten wird durch sinkende Ausgaben für fossile Energieträger wieder ausgeglichen. So beträgt der tatsächliche Aufwand unterm Strich nur maximal 26 Milliarden pro Jahr – und zusätzlich halbieren sich die durch die Erderhitzung verursachten Schäden.</p><h3>Energiewende schneller als gefühlt</h3><p>Letztes Jahr stammte schon fast ein Drittel der globalen Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen. In Europa war es knapp die Hälfte. Der weltweite Zubau an erneuerbaren Energien hat zum 22. Mal in Folge den Vorjahresrekord gebrochen: 93 Prozent aller neu gebauten Kraftwerkskapazitäten waren erneuerbar; 2023 waren es noch 86 Prozent. Die Nachfrage nach Öl ist 2024 drastisch gesunken, erstmals fiel der Anteil von Öl am globalen Energiebedarf auf unter 30 Prozent. Diese und noch viel mehr interessante Zahlen – nicht alle so erfreulich, aber doch einige – finden sich im neuen <a href="https://www.iea.org/reports/global-energy-review-2025">Global Energy Review</a> der Internationalen Energieagentur.</p><p>Und, vielleicht dieser Tage besonders tröstlich: Für Solar- und Windkraft wird in den USA in den nächsten drei Jahren 200mal so viel Ausbau <a href="https://cleantechnica.com/2025/03/21/renewable-energy-to-beat-gas-for-3-more-years-or-more/">erwartet</a> wie für fossile Kraftwerke. Ungeachtet der <a href="https://www.texastribune.org/2025/03/06/texas-legislature-energy-renewables-power-grid/">politischen Rhetorik</a> verzeichnen die USA, und zwar insbesondere in konservativen Bundesstaaten, gigantische Zuwächse an Erneuerbaren. Im vergangenen Jahr produzierte <em>Texas</em> fast doppelt so viel Wind- und Solarstrom wie Kalifornien.</p><h3>E-Autos zahlreicher als erwartet</h3><p>Die Zahl der weltweit verkauften E-Autos <a href="https://www.iea.org/reports/global-energy-review-2025/electricity">stieg</a> weiter exponentiell – von 14 Millionen im Jahr 2023 auf 17 Millionen im letzten Jahr; das entspricht einem Fünftel aller verkauften Autos. Norwegen könnte zum Ende des Jahres Geschichte schreiben, indem es das erste Land der Welt wird, in dem <em>ausschließlich</em><a href="https://theconversation.com/how-smaller-more-affordable-electric-cars-can-accelerate-the-green-transition-245902"> emissionsfreie</a> Autos verkauft werden.</p><h2><strong>Ein süßsaurer Zorn</strong></h2><ul><li><p><em>Eine sechsspurige Autobahn durch den Regenwald wird nicht für den Klimagipfel in Brasilien gebaut, trotzdem erzählen es alle weiter.</em></p></li><li><p><em>Die Klimabewegung wird oft mit moralischen Erwartungen besetzt, an denen sie nur scheitern kann.</em></p></li><li><p><em>Wenn sie Scheinheiligkeit vermuten, reagieren Menschen darauf mit unverhältnismäßig großer negativer Emotionalität.</em></p></li></ul><p>Im November diesen Jahres wird in Belém im brasilianischen Amazonasgebiet der 30. UN-Klimagipfel stattfinden. Und falls du davon schon etwas gehört hast, dann wird es mit großer Wahrscheinlichkeit eine dieser Schlagzeilen sein:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/621f8a23-3343-413a-a1a8-506b27640940/uploads/images/5yzyy2tz32/sclagzeilen.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Sammlung von Schlagzeilen zum Autobahnbau in Belém"/><p>Wir sprechen ja in unseren Texten oft von der Kraft der Geschichten. Hier haben wir ein Paradebeispiel aus dem schon seit über<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Pharis%C3%A4er"> 2000 Jahren</a> besonders kraftvollen Genre “<em>Moralapostel werden beim unmoralischen Handeln ertappt, hähähä, siehst du, die sind auch nicht besser”.</em></p><p>All diese Schlagzeilen und die zugehörige weltweite Explosion von hämischen und/oder zornigen Kommentaren in den sozialen Medien gehen auf einen einzigen<a href="https://www.bbc.com/news/articles/c9vy191rgn1o"> Artikel</a> der BBC zurück, der als erster den Zusammenhang zwischen Autobahn und Klimakonferenz herstellt.</p><p>Dieser Zusammenhang existiert so nicht.</p><p>Die brasilianische Regierung fördert und betreut mit Bundesgeldern eine ganze Reihe von Infrastrukturprojekten speziell im Kontext der Klimakonferenz in Belém. Die betreffende Straße gehört, anders als im BBC-Artikel beschrieben, nicht dazu. Das ist inzwischen sowohl von der<a href="https://www.reuters.com/business/environment/brazil-state-hosting-cop30-denies-new-road-linked-climate-summit-2025-03-14/"> Regierung</a> des zuständigen Bundesstaates Pará als auch von der Leitung der<a href="https://cop30.br/en/news-about-cop30-amazonia/note-on-the-report-about-construction-works-on-avenida-liberdade-in-belem"> Konferenz</a> selbst richtig gestellt worden. Die Straße war bereits seit 2012 geplant, erste Bauarbeiten begannen 2020, lange bevor Belém als Austragungsort für die Konferenz ausgewählt worden war.</p><p>Dass eine neue Autobahn durch ein hochgradig artenreiches Stück Regenwald unbedingt kritisch betrachtet werden muss – geschenkt. Und dass der Bau der Straße erst seit Anfang 2024 mit der Ankündigung der Konferenz und dem damit einhergehenden Modernisierungs- und Infrastruktur-Enthusiasmus wieder richtig an Fahrt aufgenommen hat, nachdem er zuvor wegen Umweltbedenken immer wieder verzögert wurde, ist sicherlich kein Zufall.</p><p>Aber die Geschichte, die die vielfach kopierte Überschrift erzählt – “Amazon forest felled to build road for climate summit” – ist eine andere. Und ohne diesen Zusammenhang wäre die Geschichte nicht mal halb so gut weiterzuerzählen.</p><p>Einige wenige Publikationen haben inzwischen differenziertere Darstellungen nachgeschoben, aber nach denen musst du wirklich gründlich suchen; die meisten Menschen werden das nicht tun. Was stattdessen hängen bleibt, ist die herrlich bitzelnde Aufreger-Story von der Klimagipfel-Autobahn durch den Regenwald.</p><p>Das war der Faktencheck. Allerdings soll die Tatsache, dass diese Geschichte so nicht stimmt, heute gar nicht unser Hauptthema sein, sondern vielmehr die Frage, warum sie mit solchem Enthusiasmus weitererzählt wird. Und das, während jede andere internationale Großveranstaltung in einer aus Konfliktdiamanten gebauten Skihalle in Dubai stattfinden könnte, ohne dass sich jemand dafür interessieren würde – es handelt sich um einen Fall von Doppelmoral, beim Blick auf die Klimabewegung kein seltenes Phänomen.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/621f8a23-3343-413a-a1a8-506b27640940/uploads/images/z6bztg727n/Group_339.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Links blockieren Traktoren eine Straße, Überschrift &quot;Berechtigter Unmut&quot;; rechts blockieren Menschen in Warnwesten eine Straße, Überschrift &quot;Klimaterrorismus&quot;."/><p>Klimakonferenzen, Klimaaktivismus, Klimapolitik, da sind die von außen herangetragenen moralischen Ansprüche scheinbar klar, haben gefälligst CO2-frei stattzufinden, und Rohstoffe verbrauchen sollen sie auch keine. Die ideale Klimakonferenz wird regional im Freien auf einer Wiese abgehalten, und wenn diese Kriterien nicht erfüllt werden, sind wir sehr, sehr zornig.</p><p>Unverhältnismäßig zornig!</p><p>Aber insgeheim auch ein bisschen froh.</p><p>Für beide Reaktionen hält die psychologische Forschung Erklärungsangebote parat.</p><h2><strong>Warum zornig?</strong></h2><p>Mensch 1 sagt: Hundewelpen anschreien ist gemein.</p><p>Mensch 2 sagt: Ich schreie niemals, niemals Hundewelpen an.</p><p>Beide Menschen werden in flagranti ertappt, wie sie Hundewelpen anschreien.</p><p>Eine psychologische<a href="https://www.nytimes.com/2017/01/13/opinion/sunday/the-real-problem-with-hypocrisy.html"> Studie</a> von einem Team von Forschenden in Yale hat festgestellt: Der Verstoß von Mensch 1, der lediglich die Gültigkeit einer moralischen Norm in den Raum stellt, wirkt auf uns schwerwiegender als der von Mensch 2, der uns über die Einhaltung eben dieser Norm belogen hat. Und das in einem Ausmaß, von dem die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler durchaus überrascht waren.</p><p>Eine mögliche Erklärung: Wenn jemand ein moralisches Urteil äußert, nehmen wir unbewusst oft an, dass diese Person sich selbst <em>immer</em> daran hält – warum das so ist, ist jedoch noch nicht vollständig geklärt. In den Experimenten im Rahmen der erwähnten Studie hat sich ganz konkret gezeigt, dass wir einer Person, die sagt, Welpenanschreien sei kein moralisches Verhalten, mit <em>größerer</em> Wahrscheinlichkeit unterstellen, dass sie keine Welpen anschreit, als einer Person, die von sich selber <em>ausdrücklich sagt</em>, dass sie keine Welpen anschreit. Dementsprechend sind wir dann bei er ersten Person empörter, wenn wir davon erfahren, dass sie Welpen angeschrien hat. </p><p>Emotional ist das für viele vielleicht gar keine so große Überraschung, weil intuitiv: Wer mag schon Heuchelei? Aber, liebe Menschen 3 bis unendlich: <em>Rational</em> ist das nicht! Denn wenn man der Meinung ist, dass man Welpen nicht anschreien sollte (und davon gehen wir unbedingt aus) – sollte man dann nicht erstmal froh sein über jede Person, die dabei hilft, das Anschreien von Welpen gesellschaftlich zu ächten, egal, wie sie selber handelt?</p><p>Sind wir aber nicht. Uns sind Lügner lieber. Sagt die Wissenschaft.</p><p>Und dieser sehr wirkmächtige psychologische Mechanismus verstellt uns nicht nur den Blick aufs Netto, wenn wir auf politische Bewegungen schauen – auf die Abwägung zwischen Ressourcenverbrauch, Inkonsistenz, Imperfektion auf der einen und erreichten oder zu erwartenden Fortschritten auf der anderen Seite. </p><p>Es ist ein Mechanismus, der uns im Verhältnis milde und nachsichtig stimmt gegenüber den Vergehen derer, die zurecht am allerwenigsten unter Unfehlbarkeitsverdacht stehen. Zum Beispiel gegenüber all den <a href="https://www.ullstein.de/werke/maenner-die-die-welt-verbrennen/hardcover/9783550202827">Männern, die die Welt verbrennen</a>, bei denen unser Zorn gewiss noch besser aufgehoben wäre als bei denen, die eigentlich das Richtige wollen und sich für eine sauberere, gesündere, lebenswertere Zukunft für uns alle einsetzen.</p><p>Und es ist ein Mechanismus, der uns darüberhinaus empfänglich, sogar dankbar macht für die Empörung über Geschichten wie die von der Klimagipfel-Autobahn durch den Regenwald.</p><p>[Wir haben schon mal aus einer anderen Perspektive über diese Studie geschrieben, in unserem<a href="https://steadyhq.com/de/superredaktion/posts/3fdfe29e-d387-4f65-9e2b-3eef28583acb"> Newsletter</a> von vor ziemlich genau zwei Jahren über die Frage, ob man gleichzeitig fehlbar sein und sich in Klimafragen öffentlich positionieren darf. Kurzfassung: Man darf und sollte.]</p><h2><strong>Warum froh?</strong></h2><p>Eine <em>Dissonanz</em> ist ein Missklang, ein schwer auszuhaltendes Geräusch. Eine <em>kognitive Dissonanz</em> ist das Geräusch, das entsteht, wenn dein Handeln und deine Wertvorstellungen auseinanderklaffen. Dieses Phänomen hat 1957 erstmals der US-amerikanische Sozialpsychologe Leon Festinger als einen Mechanismus beschrieben, der Unbehagen und Anspannung verursacht, wenn Glauben und Werte nicht zur erlebten Realität passen.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/621f8a23-3343-413a-a1a8-506b27640940/uploads/images/qr6gajq3ob/Grafik_1__Kognitive_Dissonanz.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Illustration zur Veranschaulichung von kognitiver Dissonanz"/><p>Die<a href="https://klimakommunikation.klimafakten.de/vor-denken/kapitel-2-kenne-dich-selbst-und-deine-schwaechen/"> Geschichte</a>, die Festinger zur Entwicklung dieses Konzeptes brachte, ist zu gut, um sie hier nicht zumindest kurz anzureißen: Er hatte sich in eine Sekte eingeschlichen, die zu einem präzisen Datum in naher Zukunft den Weltuntergang durch eine neue Sintflut erwartete – und die Rettung der Sektenmitglieder durch außerirdische Raumschiffe. Das Datum kam, das Datum ging. Die Welt, du ahnst es vielleicht, ging nicht unter. </p><p>Aber war das das Ende der Sekte? Ganz im Gegenteil, das Ausbleiben der Apokalypse war erklärbar, und zwar wie folgt: Durch ihre gelebte Frömmigkeit hatten die Mitglieder offensichtlich in der letzten Sekunde die Welt vorm Untergang bewahrt. Ganz beseelt von diesem Gedanken begannen sie nun aktiv, neue Mitglieder zu missionieren – und das mit Erfolg.</p><p>Wer also kognitive Dissonanz empfindet, möchte sie so schnell wie möglich auflösen. Dafür gibt es drei Schrauben: Entweder ich ändere mein Verhalten, so dass es zu meinen Werten passt. Oder ich ändere meine Werte, so dass sie zu meinem Verhalten passen. Oder ich suche nach Wegen, die Diskrepanz zu rechtfertigen, zu rationalisieren, damit ich sie besser aushalten kann. Um das gleich klarzumachen: Ganz offenbar ist die erste Schraube, die Verhaltensänderung, diejenige, die am sorgfältigsten festgezogen ist, die ist am schwierigsten zu drehen. Wir schauen auf die dritte, aufs Rationalisieren.</p><p>Dafür gibt es verschiedene verbreitete Strategien, und wir beherrschen sie alle – auch wenn wir es in vielen Fällen vermutlich gar nicht merken.</p><p>Zum Beispiel die Technik der sogenannten “<a href="https://www.klimafakten.de/kommunikation/klimasuender-oder-klimaretter-wie-geht-es-weiter-nach-der-ersten-klimafreundlichen">moralischen Lizenzierung</a>”: Ich tue etwas “Gutes” und kann dadurch ohne schlechtes Gewissen später etwas “Böses” tun. Mülltrennung “erlaubt” so die Kreuzfahrt, der Verzehr einer vegetarischen Bolognese “erlaubt” das Grillfest, und wenn ich an vergangenes besonders moralisches Verhalten erinnert werde, macht mich das oft weniger hilfsbereit gegenüber Bedürftigen im Hier und Jetzt. Es handelt sich um eine Art Moral-Konto, das wir regelmäßig leerräumen und bei dem wir je nach Bedarf den Wechselkurs zwischen Tugend und Laster immer wieder neu bestimmen.</p><p>Eine andere Strategie ist die der Ablenkung: Wenn die Pharisäer da hinten, die für sich selbst moralische Unfehlbarkeit in Anspruch nehmen – tun sie in der Regel gar nicht, aber siehe oben – an ihren hehren Ansprüchen so spektakulär scheitern, was sind dagegen dann meine kleinen Fehltritte?</p><p>Und mit einem Mal ist der Missklang zwischen meinen eigenen Vorstellungen und Verhaltensweisen nur noch halb so laut, und das ist ein viel besseres Gefühl als vorher.</p><h2><strong>Was man damit macht</strong></h2><p><em>Kenne dich selbst</em> (Dieter Bohlen) – immer ein guter Rat, so auch hier. Mach dir nichts vor, du bist höchstwahrscheinlich keine Ausnahme. Auch du reagierst stärker auf empfundene Scheinheiligkeit, als rational gut begründbar ist. Auch du suchst unbewusst intensiv nach Möglichkeiten, deine Fehltritte mit deinen Prinzipien, Werten, Ansichten auszusöhnen - das machen wir alle.</p><p>Wenn dir also eine Geschichte begegnet, die dich ganz besonders aufregt, dann ist das ein Signal. Dann kann es gut sein, dass es deine kognitive Dissonanz ist, die deinen Zorn verstärkt. Um nicht der Sehnsucht nach ihrer Auflösung zum Opfer zu fallen, lohnt sich dann ein Schritt zurück und ein Bemühen um einen nüchternen Blick, um die separate Betrachtung von Botschaft und Sender, um Nachsicht und um die Erinnerung daran, dass in einer komplexen Welt keine Lösung perfekt, aber viele sehr viel besser als nichts sind.</p><p>Wenn umgekehrt du der Sender bist, dich moralisch aus dem Fenster zu lehnen traust und hoffst, dass deine Botschaft nicht auf der Empfangsseite an einer Zorneswand abprallt, empfehlen die Forschenden aus Yale: </p><p>Sei transparent mit deiner eigenen Fehlbarkeit. </p><p>So verhinderst du wirkungsvoll, dass andere zwischen den Zeilen lesen, dass du behauptest, unfehlbar zu sein. Als eine nicht-heilige, nicht-unfehlbare Person hilfst du den Welpen am besten, wenn du sagst: Ja, ich schreie auch manchmal Welpen an, die Versuchung ist zu groß. Aber wäre es nicht schön, in einer Welt zu leben, die es uns allen leichter macht, seltener Welpen anzuschreien?</p><h2><strong>Freunde treffen</strong></h2><a href="https://www.goeuropean.org/"><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Flh7-rt.googleusercontent.com%2Fdocsz%2FAD_4nXe7BtXUxMCc73ksoTwObM8yY8eW_qDHseKgBCz3b9QGMWEU3b5bTeEuiQ9f3Ng3EOXcPbO7wbt8uuSED2AO-9fpM6xLffEqKYdG3oP8pHXHFRVQeAnEIPeDhCeZ6uPYOGdVGyfxIQ%3Fkey%3Dq735Ug1ph0byU_VTHQw_jpJy?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=0f286d1f5de1145c1165d149981f2dd8" alt="Logo &quot;Go European&quot;"/></a><p>Aus nachvollziehbaren Gründen denken derzeit viele darüber nach, ob und wie sie Produkte und Dienste aus den USA boykottieren sollten. Die Frage ist pauschal nicht leicht zu beantworten, weil die Zusammenhänge von Fall zu Fall komplex sind: Coca-Cola zum Beispiel ist das Ur-US-Produkt schlechthin, wird aber in Deutschland hergestellt, das man dann gleich mitboykottiert. </p><p>Dreht man die Frage aber um, wird sie klarer und außerdem ins Konstruktive gewendet: Zu welchen Diensten und Produkten gibt es europäische Alternativen, die man unterstützen und stärken kann? Dazu haben wir schon im <a href="https://steadyhq.com/de/superredaktion/posts/9d7c369a-bfdf-4100-87cb-046bc95a5663">letzten</a> Newsletter ein paar Zeilen geschrieben, mit dem Hinweis, dass es insbesondere für den Verbleib auf X nur noch sehr wenige gute Gründe gibt.</p><p>Die Kolleginnen und Kollegen bei Perspective Daily haben zum Thema Befreiung des digitalen Alltags von Trump einen schönen <a href="https://perspective-daily.de/article/3626-wie-du-deinen-digitalen-alltag-von-trump-befreien-kannst-6-schritte/probiere">Artikel</a> mit konkreten Vorschlägen parat. </p><p>Weiterhin lohnt die Initiative <a href="https://www.goeuropean.org/">Go European</a> einen Blick – eine von zahlreichen Freiwilligen aus ganz Europa initiierte und gepflegte Datenbank mit Suchfunktion, die für eine wachsende und schon jetzt eindrucksvoll große Zahl von US-Produkten und Diensten aller Art europäische Alternativen ausfindig macht. Dort ebenfalls im Angebot: Eine <a href="https://www.goeuropean.org/browser-extension">Browsererweiterung</a>, die beim Surfen darauf hinweist, wenn man sich auf Seiten mit US-basierten Servern rumtreibt (was man ja selbst oft gar nicht unbedingt auf dem Schirm hat) und auch gleich Vorschläge macht, wo man sich stattdessen rumtreiben könnte. </p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Dieser Newsletter ist nur durch eure finanzielle Unterstützung möglich! Daher ein großes Dankeschön an alle, die uns unterstützen.</em></p><p><em>Wenn du noch nicht dabei bist, freuen wir uns sehr über Spenden (und können auch mit Spendenbescheinigungen dienen wenn gewünscht).</em></p><p><em>Global Eco Transition gGmbH | IBAN: DE62 4306 0967 1230 6808 00 | BIC: GENODEM1GLS | Verwendungszweck: ”Spende Superredaktion”</em></p><p><em>Wichtig: Spenden kommen bei uns nur an, wenn der Verwendungszweck richtig angegeben wird.</em></p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Du willst deine Reichweite nutzen, um auf Klimathemen aufmerksam zu machen? Wir helfen dir dabei! Schreib uns gerne eine Mail an</em> <a href="mailto:info@superredaktion.de">info@superredaktion.de</a> – <em>wir sind freundlich, wissen Sachen und kosten dich nichts.</em></p><p><em>Du kennst Menschen, denen dieser Newsletter auch helfen könnte? Dann teile ihn gerne!</em></p><p><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 02 Apr 2025 07:56:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Wie du der Zukunft jetzt den Rücken stärkst]]></title>
      <description><![CDATA[Die schlechten Nachrichten kennst du alle schon. Hier sind ein paar gute - gefolgt von einer Handvoll Ideen, was jetzt gebraucht wird und was du dafür tun kannst.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Willkommen im Newsletter der <em>Superredaktion</em> – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete— ach, was soll’s.</p><p>Diese Tage machen es uns nicht leicht, überzeugend gute Nachrichten zu verkaufen. Und je schwieriger die Situation ist, desto schmaler der Grat zwischen hilfreichem Optimismus und dem Hund aus dem Internet.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fimages.t3n.de%2Fnews%2Fwp-content%2Fuploads%2F2023%2F01%2FThis-is-fine.jpg%3Fclass%3Dhero-small?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=fdb584cae886c16cf548e36f31fd223d" alt=""/><p>Aber. Die schlechten Nachrichten kennst du alle schon. Hier sind, trotz allem, ein paar gute - gefolgt von einer Handvoll Ideen, was jetzt gebraucht wird und was du dafür tun kannst.</p><h2>Froher werden</h2><h3>Lügen wird riskanter</h3><p>Die Regierung von Wales möchte eine Pionierrolle einnehmen in der globalen Aufgabe, wieder mehr Vertrauen in Politik herzustellen und verspricht dafür verschiedene <a href="https://www.theguardian.com/politics/2025/feb/18/politicians-deliberately-lie-could-forced-from-office-wales">Maßnahmen</a>, darunter: Wenn ein Mitglied der Regierung der bewussten Lüge überführt wird, bekommt die Person einen Vermerk ins öffentliche Profil, muss die Aussage zurückziehen und kann in extremen Fällen das Amt verlieren. Wales ist nicht der größte Player auf der weltpolitischen Bühne – aber wie schön wäre es, wenn andere sich ein Beispiel nähmen. Liebe Lügnerinnen und Lügner, schaut nach Wales. Vielleicht - hoffentlich - weht bald auch herzulande ein eiskalter Wind durch eure Arbeitsverträge, wir könnten es brauchen.</p><h3>Kohle wird weniger</h3><p>Bayerns letztes Steinkohlekraftwerk hat dieser Tage seinen regulären Dienst <a href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/bayern-letztes-steinkohlewerk-stellt-regulaeren-betrieb-ein-a-9dd7e7e1-88ee-4048-9dc4-375f42f2ac36">eingestellt</a>. Es wird uns als Reservekraftwerk noch ein paar Jahre erhalten bleiben, das bei Bedarf in wind- und sonnenarmen Zeiten einspringt, wenn es im europäischen Stromnetz keine günstigeren Alternativen gibt – aber das ist ein weiterer Schritt in unserem Ausstieg aus dieser <a href="https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/energie/fossile-energien/stein-und-braunkohle/index.html">dreckigsten</a> aller Stromherstellungsmethoden und deswegen: Sehr gut so. Das sei hier auch beispielhaft verstanden als Verweis auf eine Energiewende, die hier und in der Welt weitergeht, auf Dinge, die sich in der Klimapolitik getan haben und tun, auf eine weltweite Energierevolution, die sich nicht mehr aufhalten lassen wird – auch wenn im Wahlkampf dieses Menschheitsthema weitestgehend unsichtbar blieb. Eine detaillierte, mutmachende und daher bitter nötige Zusammenschrift vieler solcher positiver Entwicklungen der letzten Zeit findet sich <a href="https://www.volksverpetzer.de/analyse/klimaaktivisten-gewonnen/">hier</a>.</p><h3>Demos werden größer</h3><p>In den vergangenen Wochen sind über <a href="https://www.volksverpetzer.de/aktuelles/demo-karte-2025-21-2/">1,8 Millionen Menschen</a> im ganzen Land für Demokratie und Menschlichkeit, gegen Diskriminierung und Rassismus auf die Straßen gegangen – eine mächtige und mutmachende Hintergrundmusik zu den schrillen Tönen im Wahlkampf, in dem zentrale Figuren ihr Heil vor allem darin sahen, sich gegenseitig zu überbieten darin, wer der härteste Abschiebehund ist. Davon profitiert haben diejenigen, die auf diesen populistischen Zug aufgesprungen sind, im <a href="https://www.businessinsider.de/politik/bundestagswahl-bilanz-gewinner-verlierer-seit-ampel-aus-afd-linke-gruene-cdu-csu-bsw-fdp/">Ergebnis</a> nicht.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9d7c369a-bfdf-4100-87cb-046bc95a5663/uploads/images/56cnwzn6ie/image.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Grafik zur Wählendenwanderung: Fast alle Parteien haben Stimmen an die AfD verloren, insbesonder FPD, SPD und Union."/><p>Das kommt alles andere als <a href="https://politik.watson.de/politik/analyse/865819840-bundestagswahl-warum-die-cdu-debatte-um-migration-nur-die-afd-staerkt">unerwartet</a> - darüber, was tatsächlich gegen Populismus hilft und was ihn im Gegenteil noch verstärkt, haben auch wir schon ausführlich <a href="https://steadyhq.com/de/superredaktion/posts/7304514e-70f4-4cbe-a3cb-a153b17f1e83">geschrieben</a> und sehen das heute allzu deutlich in der Wählerwanderung bestätigt. Hoffen wir, dass diesmal Lehren daraus gezogen werden.</p><p>Wie dem auch sei, an der Zahl der Menschen, die es angesichts der aktuellen Situation im Land auf die Straßen treibt, sehen wir: <strong>Die Zivilgesellschaft ist stark, und das ist eine gute, eine hoffnungsvolle Nachricht.</strong></p><h2>Du wirst gebraucht</h2><p>Denn stark wird sie weiter und jetzt erst recht sein müssen angesichts eines Bundestags, in dem wesentliche Entscheider Windräder für <a href="https://www.zeit.de/news/2024-11/08/kritik-an-merz-aussage-finde-windraeder-schoen">hässlich</a>, <a href="https://www.zdf.de/nachrichten/politik/deutschland/atomkraft-kernenergie-energiepolitik-bundestagswahl-100.html">Atomkraftwerke</a> und <a href="https://www.rbb24.de/politik/wahl/bundestag/2025/verkehrspolitik-parteien-positionen-verbrenner-elektromobilitaet.html">Verbrennermotoren</a> für schön und Zuwanderung vor allem für ein Problem halten.</p><p>Damit sind wir beim Kernthema dieser Ausgabe angelangt: Die Ampel war vieles nicht. Aber sie war die klima- und transformationsfreundlichste Regierung, die wir je hatten; in <a href="https://libmod.de/energiepolitische-bilanz-der-ampel-besser-performt-als-kommuniziert/">vielen Bereichen</a> sind große Fortschritte gemacht worden, die man viel mehr weitererzählen müsste. <strong>Eine Mehrheit der Wählenden wünscht sich </strong><a href="https://www.zdf.de/nachrichten/politik/deutschland/klimaschutz-wahlkampf-bundestagswahl-2025-100.html"><strong>mehr Klimaschutz</strong></a><strong> von ihren Parteien</strong> – das müssen sie und wir der zukünftigen Bundesregierung klarmachen.</p><p>In der nächsten Legislatur wird es stetigen Druck aus der ganzen Breite der Gesellschaft <a href="https://taz.de/Klimapolitik-nach-der-Bundestagswahl/!6068466/">brauchen</a>, damit der zukunftstaugliche Umbau unseres Landes weiter vorangeht und wir nicht das bitter nötige Momentum einbüßen, das wir in den letzten Jahren endlich aufgebaut haben. Dafür braucht es eine starke, engagierte Zivilgesellschaft - die, so sieht es leider aus, im ersten Schritt erst einmal vor der zukünftigen Bundesregierung beschützt werden muss.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9d7c369a-bfdf-4100-87cb-046bc95a5663/uploads/images/4rivvgpi2j/Zivilgesellschaft_beschutzen.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Header-Bild: Zivilgesellschaft beschützen"/><p>In einer 551 Fragen umfassenden <a href="https://www.zdf.de/nachrichten/politik/deutschland/union-kleine-anfrage-ngos-faq-100.html">Anfrage</a> an die Regierung hat die Union als Reaktion auf die landesweiten Demonstrationen soeben die Legitimität der Arbeit von über zwanzig zivilgesellschaftlichen und journalistischen Organisationen infrage gestellt - darunter Correctiv (die die Fragen bereits selbst <a href="https://correctiv.org/in-eigener-sache/2025/02/26/kleine-anfrage-der-unionsfraktion-zu-ngo-unsere-antworten-auf-die-fragen-zu-correctiv/">beantwortet</a> haben), die Amadeu-Antontio-Stiftung und Omas gegen Rechts.</p><p>Viele der erwähnten Organisationen haben in den letzten Wochen wesentlich dazu beigetragen, dass auf den Straßen ein so beeindruckendes Zeichen für Demokratie und Zusammenhalt gesetzt wurde. Gesellschaften profitieren von einer regen Zivilgesellschaft, die zur Meinungsvielfalt beiträgt, Zusammenhalt stärkt, Spaltung verhindert, das sollte unter Demokratinnen und Demokraten Konsens sein.</p><p>Auch dann, wenn aus dieser Zivilgesellschaft Kritik an der Politik kommt.</p><p>Und gerade und unbedingt dann, wenn in Deutschland wieder Rechtsextreme nach der Macht greifen.</p><p>Mehr denn je brauchen wir eine Entgiftung der Umgangsformen. <strong>Wir müssen zurück zum konstruktivem Streiten finden und entschieden auch mit unseren politischen Gegnerinnen und Gegnern zusammenstehen, wenn es gegen die eigentlichen Bedrohungen geht.</strong></p><p>Die Union als eine der großen, traditionsreichen demokratischen Parteien des Landes wünschen wir uns in dieser Frage als konservative Verbündete jetzt und in der Regierung an unserer Seite.</p><p>Damit uns eine starke und plurale Zivilgesellschaft erhalten bleibt, bitten wir dich um deine Unterstützung: Eine <a href="https://weact.campact.de/petitions/schluss-mit-dem-angriff-auf-ngos-und-medien-keine-zensur-durch-die-cdu">Petition</a> gegen dieses Vorgehen hat innerhalb von zwei Tagen über 150.000 Unterschriften erreicht. Deine fehlt noch! Und die deiner Freundinnen und Freunde, und deiner Verwandten. Bitte sag es allen weiter.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9d7c369a-bfdf-4100-87cb-046bc95a5663/uploads/images/gneu5c6p42/Zivilgesellschaft_sichtbar_machen.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Header-Bild. Zivilgesellschaft sichtbar machen"/><p>Apropos weitersagen: Vielen von denjenigen, die hier mitlesen, haben überdurchschnittlich viele Menschen, die ihnen zuhören. Hast du ein gesellschaftliches Anliegen, das dir besonders wichtig ist? Du findest unter den aktiven Initiativen, Vereinen und Organisationen in Deutschland garantiert mindestens eine, die sich dafür einsetzt und von größerer Bekanntheit profitieren könnte. Nutze deine Plattform, um sie zu unterstützen - je persönlicher dein Zugang zu den Themen, desto authentischer und letztlich wirkungsvoller wird deine Unterstützung sein.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9d7c369a-bfdf-4100-87cb-046bc95a5663/uploads/images/bbsquganob/Zivilgesellschaft_finanzieren.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Header-Bild: Zivilgesellschaft finanzieren"/><p>Mit Worten allein ist es nicht getan. Die Zivilgesellschaft braucht Geld. Wenn du welches übrig hast, seien es fünf Euro oder fünfhunderttausend: Die Adressaten der kleinen Anfrage bieten eine gute Auswahl von Organisationen, die in den letzten Monaten Demokratie und Menschlichkeit den Rücken gestärkt haben und wüssten ganz sicher gerade jetzt eine Spende auch als Zeichen der Solidarität ganz besonders zu schätzen.</p><h2>Freunde treffen</h2><a href="https://savesocial.eu/"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9d7c369a-bfdf-4100-87cb-046bc95a5663/uploads/images/fy6fhdn6yh/image_(1).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/></a><p>Die Zivilgesellschaft als notwendigerweise treibende Kraft der nächsten Jahre ist das eine, das andere ist der Raum, in dem Öffentlichkeit stattfindet.</p><p>Es gibt da kein Vertun: Superreiche Tech-Bros haben uns das Internet weggenommen. Und sie haben alles andere als das Gemeinwohl im Sinn.</p><p>Mit einer Flut von Hass, Hetze und Lügen zersetzen wenige Monopolplattformen unsere Demokratie, damit ein paar sehr sehr reiche und mächtige, von niemandem gewählte Männer noch reicher und mächtiger werden.</p><p><strong>Wir wollen das Internet zurückhaben, wir brauchen es selber, es war mal so schön und könnte es wieder werden.</strong></p><p>Ein breites Bündnis aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Kultur und Medien hat daher die Initiative <a href="https://savesocial.eu/">Save Social</a> ins Leben gerufen, die sich für die Regulierung bestehender Plattformen und die Schaffung gemeinwohlorientierter Alternativen einsetzt. Die zugehörige <a href="https://weact.campact.de/petitions/save-social-soziale-netzwerke-als-demokratische-kraft-retten">Petition</a> (ja, noch eine Petition – das hilft einfach sehr mit der Sichtbarkeit) hat in einer Woche über 200.000 Unterschriften gesammelt und sollte unbedingt noch mehr Unterschriften bekommen.</p><p>Außer Petitionen unterschreiben kann natürlich auch jede und jeder mal einen kritischen Blick werfen auf die Zahl der zunehmend problematischen US-Online-Dienste, denen man sich bisher relativ großflächig ausliefert. Womöglich ist ja die ein oder andere <a href="https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/x-rueckzug-hochschulen-universitaeten-100.html">entbehrliche</a> Sache dabei.</p><p>Allen voran übrigens X, das schon längst komplett <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/social-media-ein-wahlkampf-auf-x-ist-ein-albtraum-kolumne-a-82150a79-95d0-478e-ad9b-28688c74ff08">irrelevant</a> für die breite deutsche Öffentlichkeit ist, oder es jedenfalls wäre, wenn die Polit- und Medienblase mit dem reflexartigen “Wichtige Person A sagte auf der Onlineplattform X Aussage B” nicht suggerieren würde, dass es anders ist. Dass, was “die Leute” denken, findet ganz sicher nicht mehr dort statt:</p><p>Nur 3% der Deutschen sind täglich auf X, 7% wöchentlich, Tendenz sinkend. Sie teilen sich den Raum dort mit, wir haben nachgezählt, 6,2 Fantastillionen russischen Bots, hauptberuflichen Trollen, rechtsextremen Hetzern und Fakeaccounts und verschaffen ihnen Reichweite, ob sie wollen oder nicht. </p><p>Wir sollten vermutlich weiterhin erfahren, was wichtige Person A so zu sagen hat, sie hat ja immer wieder mal gute Ideen – aber heutzutage macht sie Aussage B auch ganz bestimmt auf diversen anderen, weniger gruseligen Plattformen, die man zitieren könnte.</p><p><a href="https://european-alternatives.eu/alternatives-to">Hier</a> jedenfalls eine Sammlung mit europäischen Alternativen, auf die ein Blick lohnt. Denn: Ganz, ganz weit hinten am Horizont ist ein kleiner, silberner Streifen zu erahnen, auf den wir mit allen Mitteln zusteuern sollten, eine Hoffnung auf ein Europa, in dem die US-Dominanz bei Software-Diensten genauso bröckelt wie schon heute der <a href="https://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/aktien/tesla-aktie-verliert-massiv-an-wert-zweifel-der-anleger-wachsen/100110053.html">Aktienkurs</a> von Tesla.</p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Dieser Newsletter ist nur durch eure finanzielle Unterstützung möglich! Daher ein großes Dankeschön an alle, die uns unterstützen.</em></p><p><em>Wenn du noch nicht dabei bist, </em><strong><em>freuen wir uns sehr über Spenden</em></strong><em> (und können auch mit Spendenbescheinigungen dienen wenn gewünscht).</em></p><p><em>Global Eco Transition gGmbH | IBAN: DE62 4306 0967 1230 6808 00 | BIC: GENODEM1GLS | Verwendungszweck: ”Spende Superredaktion”</em></p><p><strong><em>Wichtig:</em></strong><em> Spenden kommen bei uns nur an, wenn der Verwendungszweck richtig angegeben wird.</em></p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Du willst </em><strong><em>deine Reichweite nutzen</em></strong><em>, um auf Klimathemen aufmerksam zu machen? Wir helfen dir dabei! Schreib uns gerne eine Mail an</em> <a href="mailto:info@superredaktion.de">info@superredaktion.de</a> – <em>wir sind freundlich, wissen Sachen und </em><strong><em>kosten dich nichts</em></strong><em>.</em></p><p><em>Du kennst Menschen, denen dieser Newsletter auch helfen könnte? Dann teile ihn gerne!</em></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sat, 01 Mar 2025 17:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[5 Gründe, trotzdem engagiert zu sein]]></title>
      <description><![CDATA[Willkommen im Newsletter der Superredaktion – heute mit 5 Gründen, engagiert zu sein, die eher egoistisch sind. ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Willkommen im Newsletter der <em>Superredaktion</em> – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete Anpackmaterialien für Menschen mit Lust auf Zukunft. Dem letzten für dieses Jahr! Vielleicht erreicht dich diese Mail also schon im ICE, der pünktlich zu Weihnachten keine Verspätung hat, <em>driving home for Christmas</em> oder vorm Kamin mit Tee, Zettel und Stift in der Hand, bereit, deine Vorsätze für 2025 aufzuschreiben. Und dann: trotz Keksen, <em>Sisi</em> im Fernsehen und nur noch dieser Mail zu lesen der Gedanke: Bringt doch eh alles nichts. Und jetzt denkst du an die Wahl in den USA, die letzte COP und… halt, hier kommen wir und verkünden dir frohe Botschaft: Sich für eine bessere Welt einzusetzen bringt immer etwas. Und dass die Welt besser wird, zeigen auch diese drei guten Nachrichten.</p><h2>Froher werden</h2><h3>Haushaltsstreit mal anders</h3><p>Eine kleine Umweltpartei in Norwegen hat großes erreicht, indem sie ihre Zustimmung für den Haushalt an eine Bedingung knüpfte. <a href="https://www.dw.com/de/norwegen-setzt-pl%C3%A4ne-zum-tiefseebergbau-in-der-arktis-aus/a-70863787?maca=de-Twitter-sharing">Norwegen musste seine Pläne stoppen, ab 2025 Genehmigungen für den Tiefseebergbau</a> zu erteilen. Das ist zwar erstmal nur ein Aufschub, zeitgleich läuft jedoch ein Prozess vom WWF gegen den Staat weiter, der die Aussetzung als “Sieg für die Umwelt” feierte. Mehr zum Tiefseebergbau (und das Tiefsee-Weingummi-Eichhörnchen) kannst du übrigens in unserem <a href="https://steadyhq.com/de/superredaktion/posts/23dcbb7a-ea5d-4f84-9628-2e66789d1977">September-Newsletter</a> nachlesen.</p><h3>Morgen im Norden</h3><p>Nochmal Norwegen! Aber über die große Aufregung hierzulande, dass ab 2035 keine neuen (wichtig, fällt in vielen Berichten hinten runter und klingt dann so, als müssten alle Verbrenner am 1.1.35 verschrottet werden) Autos mit Verbrennungsmotor zugelassen werden sollen, dürften die Norweger nur milde lächeln. <a href="https://www.zeit.de/2024/52/verbrennermotoren-norwegen-elektromobilitaet-autobranche?freebie=c14e4907">Dort sind bereits 95% der neu zugelassenen Autos elektrisch</a>, ganz ohne hartes Verbot, sondern durch eine Steuerung des Preises: Benzin- und Dieselautos sind stark besteuert. Falls du jetzt denkst: Na gut, die Norweger, die sind vielleicht ganz anders als wir! Wahrscheinlich nicht: 2013 war “Reichweitenangst” das 2. Wort des Jahres.</p><h3>Meer gute Nachrichten</h3><p>Südkorea plant, die <a href="https://www.koreatimes.co.kr/www/nation/2024/11/371_386270.html">Größe seines Meeresschutzgebietes bis 2027 fast zu verdoppeln</a> und die Meeresverschmutzung zu bekämpfen. Ein Ansatz hierfür ist der Ausbau des Pfandsystems für Fischernetze und Bojen, die einen Großteil des Mülls ausmachen. Und wir schmuggeln noch eine weitere gute Nachricht unter: In China wurde ein <a href="https://www.theguardian.com/environment/2024/dec/10/microplastics-pollution-sponge-cotton-squid-bone?utm_term=675acf14c8e71492f7a88e7f4e49239f&amp;utm_campaign=DownToEarth&amp;utm_source=esp&amp;utm_medium=Email&amp;CMP=greenlight_email">Schwamm aus Baumwolle und Tintenfischknochen</a> getestet, der in einer Wasserprobe 99,9% des Mikroplastiks aufsaugte.</p><p>Nun aber zu den 5 Gründen, <s>trotzdem</s> engagiert zu sein.</p><h2>Pick your Fight</h2><p>Zuerst einmal: Du musst die Welt nicht im Alleingang retten und du kannst dich nicht für jedes Problem einsetzen, das es gibt. Ein sehr guter Tipp ist hier die Redewendung “Pick your fight” - also: überlege dir, welche Themen dir so wichtig sind, dass du für sie in den Ring steigst. Das hat mehrere Vorteile: Zum einen schützt du dich vor Überforderung. Alleine in Berlin fanden <a href="https://regionalheute.de/ueber-7-000-demonstrationen-in-berlin-im-jahr-2023-1704800645/">2023 über 7.000 Demonstrationen</a> statt, auf WeAct wurden <a href="https://www.campact.de/presse/mitteilung/20240826-pm-transparenzbericht2023/">im letzten Jahr 1.000 Petitionen</a> veröffentlicht, das können selbst Vollzeitaktivisten nicht stemmen. Zum anderen sparst du dir viel Ärger, wenn du dich nicht über alles aufregst; sowie dafür aufgebrachte Gedankenkraft, wofür du dich auch noch einsetzen müsstest oder könntest. Unser Tipp: Achte darauf, was dich besonders bewegt und bewege dort etwas. Und da das so ein schöner Kalenderspruch war, kommt gleich noch einer hinterher: Am wirksamsten ist man meistens dort, wo man bereits wirkt. Integriere das, was dich interessiert, sei es Klimaschutz, Feminismus, soziale Gerechtigkeit (im Endeffekt hängen fast alle Probleme und Lösungen miteinander zusammen) in deinen Alltag; gründe mit deinen Freunden einen Lese- oder Filmclub, organisiere einen Kleidertausch im Kindergarten, bring ein Thema im Eltern- oder Betriebsrat unter, geh zu den Demos einer bestimmten Gruppe, starte oder unterschreibe eine Petition und vertraue darauf, dass sich andere Menschen auf ihre Art für weitere Themen einsetzen. “Pick your fight” kannst du sogar noch weiterdenken und dich innerhalb eines Themengebietes für die wirkmächtigsten Instrumente entscheiden. Es bringt für den Klimaschutz beispielsweise deutlich mehr, auf den nächsten <a href="https://develoop.de/blog/50">Langstreckenflug zu verzichten</a> anstatt sich bei jedem Coffee to go Becher fertig zu machen, den man nicht vermeidet.</p><h2>Klimaschutz ist Selfcare</h2><p>Da wir schon beim Thema Klima sind und vermuten, dass dir das Thema auch wichtig ist, bleiben wir doch gleich dabei. Und ja: sich für Klimaschutz einzusetzen macht nicht immer Freude, oftmals ist es mit Rückschlägen und einem sehr langen Atem verbunden. Wir warnen vor etwas, das so groß ist, dass es trotz Starkregen und Dürren nicht ganz zu greifen ist, etwas, das anderen Menschen so viel Angst macht, dass sie es leugnen; und kämpfen gleichzeitig gegen mächtige Konzerne und Lobbyverbände. Da kann schon manchmal der Gedanke hochkommen: Wofür mache ich das hier eigentlich? Ein Ansatz, der helfen kann, wenn globale Gerechtigkeit und die Abwendung immer heftigerer Katastrophen zu unvorstellbar oder furchteinflößend sind, ist folgender: Tu es für dich. Das Klima hat kein Problem, wir Menschen haben es. Klimaschutz ist sozusagen Selfcare. Abseits der Senkung von <a href="https://www.bmuv.de/themen/gesundheit/gesundheit-im-klimawandel/ueberblick-gesundheit-im-klimawandel">Gesundheits</a>- und <a href="https://www.bmuv.de/themen/gesundheit/gesundheit-im-klimawandel/ueberblick-gesundheit-im-klimawandel">Konfliktsrisiken</a> behaupten wir mal, dass es auch schöner ist, in grünen, sauberen und leiseren Gegenden zu leben - oder um es mit Marc-Uwe Klingt auszudrücken:</p><p><em>„Ja, wir könnten jetzt was gegen den Klimawandel tun, aber wenn wir dann in 50 Jahren feststellen würden, dass sich alle Wissenschaftler doch vertan haben und es gar keine Klimaerwärmung gibt, dann hätten wir völlig ohne Grund dafür gesorgt, dass die Flüsse nicht mehr giftig sind, dass Autos weder Krach machen, noch stinken und dass wir nicht mehr abhängig sind von Diktatoren und deren Ölvorkommen. Da würden wir uns schön ärgern.“</em></p><p>Obendrein finden wir als <em>Superredaktion</em>, dass es ziemlich viel Spaß bringt, sich über eine gerechtere und bessere Welt Gedanken zu machen.</p><a href="https://www.instagram.com/p/DDwLXRRsI3c/?hl=de"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a95c3781-f9e0-496e-a97c-81430df58b3b/uploads/images/3ovr66cefj/Grafik_129.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/></a><h2>Pferde stehlen war gestern</h2><p>Es wäre natürlich nur halb so super, wenn es lediglich bei den Gedanken bleiben würde. Noch mehr Spaß bringt es, diese mit tollen Menschen umzusetzen. Forrest Gumps Mama hat gesagt, das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, meine Mama hat immer gesagt: tu was du liebst und du findest, wen du liebst. Und Recht hat sie! Jo Schück schreibt in seinem Buch “Nackt im Hotel”, in dem er das Entstehen und die Bedeutung von Freundschaften untersucht:</p><p><em>“Am Anfang jeder Freundschaft steht der Zufall, die räumliche Nähe. Aus einer Bekanntschaft kann eine Freundschaft werden, wenn große Ähnlichkeit vorherrscht, sowohl demografisch als auch seelisch.”</em></p><p>Gemeinsames Engagement schafft in vielen Fällen räumliche Nähe und fußt meistens auf einer großen Ähnlichkeit in den Interessen, die man beim Engagement sogar intensivieren kann. Fast nirgends kann man seine Talente so gut ausprobieren wie hier und andere Leute nach Unterstützung für das gemeinsame Ziel fragen. Die Welt zu retten und Spaß mit (neuen) Freunden zu haben ist also überhaupt kein Widerspruch, Engagement ist Selbstwirksamkeit und Teamgeist zugleich und somit das beste Mittel gegen das Gefühl der Ohnmacht.</p><a href="https://www.instagram.com/p/DDwLxcuMZiM/?hl=de&amp;img_index=2"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a95c3781-f9e0-496e-a97c-81430df58b3b/uploads/images/a5unwj3ub5/Grafik_1.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/></a><p>An dieser Stelle: Uns, also die <em>Superredaktion</em>, kannst du immer fragen, wenn du Unterstützung für ein Klimaprojekt brauchst - wir sind freundlich, wissen Sachen und kosten dich nichts.</p><h2>Auf der Suche nach dem nächsten High?</h2><p>Wenn du nun allerdings genügend Freunde und genug Spaß hast oder einfach wirklich keine Zeit: macht nichts! Denn auch <a href="https://reasonstobecheerful.world/giving-away-money-is-good-for-you/">Geld zu spenden macht glücklich</a>. Oder präziser formuliert von Michael Norton, Professor an der Harvard Business School: &quot;Menschen, die ihr Geld für gemeinnützige Zwecke spenden, sind glücklicher.” Zu diesem <a href="https://www.aktion-deutschland-hilft.de/de/fachthemen/news/spenden-macht-gluecklich/">Ergebnis</a> kam er mit seinen Kolleginnen, nachdem sie zwei Teilnehmergruppen Geld gegeben hatten und Gruppe A aufforderten, davon etwas für sich selbst zu kaufen und Gruppe B den Auftrag gaben, etwas für jemand anderen zu kaufen. Dieses gute Gefühl, das sich einstellt, nachdem man etwas Gutes getan hat, wird Helpers High genannt. Also: Weihnachten mal schön auf dem Sofa sitzen bleiben, die Joggingschuhe im Schrank und statt des Runners High das Helpers High mitnehmen. </p><a href="https://www.instagram.com/p/DDwLxcuMZiM/?hl=de&amp;img_index=1"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a95c3781-f9e0-496e-a97c-81430df58b3b/uploads/images/krbtnyimw6/Grafik_127.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/></a><p>Und um den Bogen zur fehlenden Zeit zu schlagen: Engagiert zu sein sorgt laut zwei Studien für ein längeres Leben. <a href="https://www.scinexx.de/news/biowissen/wer-anderen-hilft-lebt-laenger/">Die eine untersuchte Senioren</a>, die sich um andere kümmern, die zweite versuchte herauszufinden, welche Merkmale Menschen aufweisen, die über 100 Jahre alt werden. Das Ergebnis: <a href="https://www.nationalgeographic.de/wissenschaft/2023/12/das-geheimnis-der-hundertjaehrigen-wie-man-besonders-alt-wird-gluck-psychologie-personlichkeit">Alle Studienteilnehmerinnen waren sozial und hilfsbereit.</a> Engagiert zu sein ist also geschenkte Zeit…</p><h2>Neues Denken für eine neue Zeit</h2><p>Ich wette zudem, dass die Welt besser ist, also du gerade denkst. Warum? Unsere Wahrnehmung ist selektiv. Je mehr wir über die schlechten Dinge auf der Welt lesen, hören oder sehen, umso schlechter denken wir über die Welt. Dass wir viele schlechte Dinge lesen, hören oder sehen liegt aber auch daran, dass wir negative Informationen und potenzielle Gefahren besser abspeichern, intensiver auf sie reagieren und mehr danach suchen, sagt <a href="https://www.bildung.sachsen.de/blog/index.php/2021/06/30/negative-nachrichtflut-fuehrt-dazu-dass-sich-menschen-nicht-mehr-beteiligen/">Neurowissenschaftlerin Maren Urner</a>. Das liegt an unserem “Steinzeitgehirn”, für das diese Priorisierung von Vorteil war. Heutzutage können die vielen negativen Nachrichten demotivieren, überhaupt etwas zu tun. Das Gute: daran können wir etwas ändern. Bewusst Nachrichten und Formate konsumieren oder unseren Gesprächsstil verändern, denn -</p><p><em>„Über Probleme reden schafft Probleme, über Lösungen reden schafft Lösungen.”</em></p><p>Das sagt Steve de Shazer, ein amerikanischer Therapeut und Autor. Heißt also: je mehr wie uns mit Lösungen statt Problemen beschäftigen, umso wahrscheinlicher werden diese. Und Lösungen finden ist ziemlich motivierend. In diesem Sinne: Haut euch die Lösungen beim Weihnachtsessen um die Ohren! Fragt: wofür bist du, nicht wogegen? Und feiert, denn wie es der musikalische Therapeut und Autor Jan Delay sagt:</p><p><em>“…im Großen und im Ganzen ha′m wir allen Grund zum Tanzen.”</em></p><p>Auf ein frohes, neues 2025 - wir bleiben dran!</p><h2>Freunde treffen</h2><p>Falls du keine Lust auf <em>Sisi</em> hast, trotz diverser Neuverfilmungen und dich auch der Fakt, dass sie eine ziemlich emanzipierte Frau war, die um die Welt gesegelt ist und sich tätowieren hat lassen nicht überzeugt… wir haben einen weiteren Fernsehtipps für dich. Nämlich “<a href="https://www.zdf.de/filme/herzkino/stille-nacht-raue-nacht-100.html">Stille Nacht raue Nacht</a>”, einen Weihnachtsfilm inmitten der Klimakrise, der wirklich alle verschiedenen Lager zusammenbringt und das Wissen um Wetterereignisse mit der Magie der Raunächte vereint. Zu sehen in der ZDF Mediathek - und jetzt schließ das Mailprogramm.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a95c3781-f9e0-496e-a97c-81430df58b3b/uploads/images/irvjlkfdaw/Grafik_128.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr aria-hidden="true"/><p><em>Dieser Newsletter ist nur durch eure finanzielle Unterstützung möglich! Daher ein großes Dankeschön an alle, die uns unterstützen.</em></p><p><em>Wenn du noch nicht dabei bist, </em><strong><em>freuen wir uns sehr über Spenden</em></strong><em> (und können auch mit Spendenbescheinigungen dienen wenn gewünscht).</em></p><p><em>Global Eco Transition gGmbH | IBAN: DE62 4306 0967 1230 6808 00 | BIC: GENODEM1GLS | Verwendungszweck: ”Spende Superredaktion”</em></p><p><strong><em>Wichtig:</em></strong><em> Spenden kommen bei uns nur an, wenn der Verwendungszweck richtig angegeben wird.</em></p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Du willst </em><strong><em>deine Reichweite nutzen</em></strong><em>, um auf Klimathemen aufmerksam zu machen? Wir helfen dir dabei! Schreib uns gerne eine Mail an</em> <a href="mailto:info@superredaktion.de">info@superredaktion.de</a> – <em>wir sind freundlich, wissen Sachen und </em><strong><em>kosten dich nichts</em></strong><em>.</em></p><p><em>Du kennst Menschen, denen dieser Newsletter auch helfen könnte? Dann teile ihn gerne!</em></p><p><em>Weiteren Kram zum Teilen findest du auf</em> <a href="https://twitter.com/superredaktion">X</a> <em>und</em> <a href="https://www.instagram.com/superredaktion/">Instagram</a>.</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 19 Dec 2024 08:31:40 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Was eine Abkehr von der Energiewende für die Wirtschaft bedeutet]]></title>
      <description><![CDATA[Willkommen im Newsletter der Superredaktion – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete Anpackmaterialien!]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Was eine Abkehr von der Energiewende für die Wirtschaft bedeuten würde</h1><p>Willkommen im Newsletter der <em>Superredaktion</em> – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete Anpackmaterialien für Menschen mit Lust auf Zukunft. Um ganz ehrlich zu sein: Gerade bräuchte es eine <em>Super-Superredaktion</em>, um all die Themen und Fragen zu behandeln, die behandelswert sind. Aber da wir nunmal (du kennst uns) die <em>Superredaktion</em> sind, stürzen wir uns heute nur auf eine Frage: Was würde die Abkehr von der Energiewende für die Wirtschaft bedeuten? Nun aber erstmal (kennst du ja auch und wenn nicht, dann Vorfreude!):</p><h2>Froher werden</h2><h3>Mehr Schutz fürs Meer</h3><p>Die zu Portugal gehörenden Azoren (neun Inseln) wollen 30% ihrer ca. 1 Million Quadratkilometer großen Meeresfläche per Gesetz schützen und damit ein Zeichen setzen. Diese Fläche wäre das <a href="https://news.nationalgeographic.org/the-azores-establishes-largest-marine-protected-area-network-in-europe/">größte Netz von Meeresschutzgebieten im Nordatlantik</a>. Auf dem Festland gibt es zudem weitere gute Neuigkeiten: Portugal plant ein landesweites <a href="https://www.watson.de/nachhaltigkeit/good-news/505231236-oepnv-in-portugal-landesweites-20-euro-ticket-soll-eingefuehrt-werden">ÖPNV-Ticket für 20€</a> - im Monat.</p><h3>Goodbye Kohle!</h3><p>Wir hatten dir im vorletzten Newsletter ja schon berichtet, dass Großbritannien sein letztes Kohlekraftwerk abgeschaltet hat. Nun soll der Strommix bis 2035 CO2-frei gestaltet werden - dazu will die Labour-Regierung das Aufstellen von Windrädern erleichtern und Solarenergie fördern. Ein eindrucksvolles Beispiel hierfür ist die <a href="https://www.bbc.com/news/articles/c4g08lzpn2yo">British Library,</a> die ihr Dach mit Solaranlagen ausgestattet hat - das “größte Solarheizungsprojekt in Großbritannien”, welches Vergangenheit und Zukunft schützen will.</p><h3>Deutschland wird glücklicher</h3><p>Von wegen alle sind so unzufrieden! Die Deutschen sind wieder glücklicher! Das besagt zumindest der “<a href="https://www.tagesschau.de/inland/lebenszufriedenheit-deutschland-100.html">Glücksatlas 2024</a>”. Mit 7,06 (10 ist das Maximum) Punkten ist die Zufriedenheit wieder auf dem Stand der 2010er Jahre angekommen – das wirft ein interessantes Schlaglicht auf die “Deutschland-geht-den-Bach-runter”-Rufe, oder? Besonders an Zufriedenheit gewonnen haben Menschen, die in der Pandemie stark belastet waren - Alleinlebende, Jugendliche, junge Erwachsene und berufstätige Mütter. Also: tun wir uns zusammen!</p><p><em>Nach diesen guten Nachrichten auch etwas zufriedener? Ja? Sehr gut! Na dann los:</em></p><p>Haben wir eigentlich gerade schon wieder oder immer noch Wahlkampf? Wie auch immer, es wird (oder bleibt) eine in Demokratien notwendige, aber für Fans von Fakten und Zahlen auch anstrengende Zeit - da in diesen Zeiten zahlreiche Personen versuchen, selbige Fakten und Zahlen maximal hinzubiegen und zu -dehnen, damit das Ergebnis am besten zu ihrem persönlichen Wahlprogramm passt.</p><p>Besonders anstrengend wird diese Zeit, wenn viel auf dem Spiel steht, und das ist bei der kommenden Wahl zweifellos der Fall. Langjährige Lesende dieses Newsletters werden nun zurecht annehmen, dass wir besonders besorgt in Richtung unserer Klimaziele schielen, deren erneute Aufweichung zur Debatte stehen wird. Und da die Wirtschaft der wahrscheinlich größte Fokus der nächsten Wahl sein wird (und in vergangenen Wahlen war), wollen wir uns in dieser Ausgabe näher anschauen, was es in Deutschland für die Wirtschaft bedeuten würde, wenn wir unsere Klimabemühungen wieder zurückdrehen würden, wie es einige Parteien derzeit fordern (und zwar auch unter den demokratischen).</p><h2>Wende in der Energiewende?</h2><p>Direkt vorneweg: Die Rechnung, ein stabiles Klima für eine stabile Wirtschaft zu opfern, geht auch heute schon immer schlechter auf. Das Fortschreiten der globalen Energiewende hat derartige Dimensionen angenommen, dass eine Abkehr davon bereits jetzt wirtschaftlich unangenehme Folgen hätte. (Mal ganz abgesehen davon, dass es schwierig bis unmöglich ist, in einem von Klimakatastrophen betroffenen Land zu wirtschaften.) Ein Umsteuern in der Energiepolitik, wie es mancher Wahlkampfslogan sicher vorschlagen wird, würde Deutschland auf einen einsamen Geisterfahrerkurs zusammen mit Nordkorea, <a href="https://ourworldindata.org/grapher/share-electricity-renewables?tab=chart&amp;country=TKM~OMN~DEU">Turkmenistan und Oman</a> bringen.</p><p>Hoppla, Geisterfahrer? Das ist doch immer der Vorwurf an uns, weil wir aus der Atomkraft ausgestiegen sind?! Ja, sind wir, aber damit ist unser Ausstieg nur in seiner Geschwindigkeit einzigartig. Die Liste der westlichen Länder <a href="https://www.zeit.de/politik/2023-04/akw-weltweit-neubau-renaissance-atomkraft">ohne neue Kernkraft-Projekte mit immer älteren Reaktoren ist lang</a>. Die weltweite Strom-Ausbeute aus der Atomkraft <a href="https://ourworldindata.org/grapher/elec-fossil-nuclear-renewables">ist seit 20 Jahren recht konstant</a>, während die aus Wind und Solarkraft stetig steigt und die der Atomkraft schon vor 3 Jahren überholt hat.</p><p>Der Ausbau von Wind- und Solarkraft ist ja längst kein deutsches Phänomen mehr. Die Technik ist so günstig geworden, der chinesische Produktionsüberschuss von Solarmodulen so gewaltig, dass immer mehr Länder, kleine wie große, <a href="https://ourworldindata.org/grapher/solar-and-wind-power-generation?tab=chart&amp;country=IND~AUS~USA~ZAF~ESP~DEU">ihre fossile Stromerzeugung peu a peu durch Wind- und Solarkraft ersetzen</a>. Während im Jahr 2007 nur 11 Prozent der global zugebauten Kraftwerksleistung auf Solar- und Windkraft entfiel, wuchs dieser Prozentsatz <a href="https://about.bnef.com/blog/getting-into-gear-for-net-zero-bnefs-energy-transition-factbook-2024/">innerhalb von nur 16 Jahren auf 92 Prozent</a>.</p><a href="https://x.com/superredaktion/status/1859500691267407909"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e44fcb77-af3b-4057-9cd4-96f81fdd3567/uploads/images/gdlzcjnbuy/Grafik_2-1.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/></a><p>Das ist die wirtschaftliche Realität. Daran rütteln auch 1.000 alberne Facebook-Sharepics nichts, laut denen nachts aber die Sonne nicht scheint und der Wind nicht immer weht. Die Sonne geht abends auch in Australien und den USA irgendwann unter, der Wind weht auch in Irland und Kanada nicht immer, trotzdem investieren beide Länder kräftig in die neuen Technologien.</p><h2>Okay, was wären denn die Alternativen?</h2><p>Die Idee, Deutschlands Energiepolitik wieder auf den Stand von vor 4 oder 20 Jahren zurückzudrehen, wäre ähnlich wahnwitzig, als hätte Gerhard Schröder 1998 erklärt, dass Deutschland dieses Internet-Dings nicht so einseitig weiterverfolgen sollte und sich stattdessen lieber technologieoffen für ein digitales Kommunikationsnetzwerk unserer Wahl entscheidet.</p><p>Trotz der Unsinnigkeit werden wir aber dennoch miterleben, wie der Ausbau von Wind- und Solarkraft als „einseitig“ geframed wird, so als gäbe es hier einen bunten Strauß anderer Möglichkeiten für uns. Aber den gibt es leider nicht. Andere Länder haben diesbezüglich geografische Vorteile mit einem <a href="https://www.boell.de/de/2017/11/21/strom-im-berg-warum-norwegen-auf-energie-aus-dem-wasser-setzt">besseren Zugang zu Wasserkraft</a> oder <a href="https://www.kfw-entwicklungsbank.de/%C3%9Cber-uns/News/News-Details_762048.html">Geothermie</a>, aber bei uns ist dieses Potential (noch?) begrenzt. Wir könnten die Biomasse noch weiter ausbauen, aber das würde noch mehr intensive Landwirtschaft auf großen Flächen bedeuten, was die ohnehin schon nicht so tolle CO2-Bilanz von Biomasse noch weiter verschlechtert.</p><p>Wir werden wieder Vorschläge in Richtung Atomkraft hören, die uns aber aufgrund der Bauzeit <a href="https://www.heise.de/news/Atomkraft-Zeitplan-fuer-verspaeteten-Betriebsstart-von-Flamanville-3-wackelt-9669770.html">in diesem Jahrzehnt keine Kilowattstunde mehr bescheren wird</a> und selbst bei (teurer) Reaktivierung alter, bereits im Rückbau befindlicher Kraftwerke wären sie nur ein sehr kleiner Teil der Lösung.</p><p>Auch Wärmepumpen und Elektromobilität werden sich den Vorwurf der Einseitigkeit anhören müssen. Es wird so getan, als hätte nicht längst der Markt entschieden, dass sich batterieelektrische <a href="https://www.iea.org/reports/global-ev-outlook-2024/trends-in-electric-cars">PKW </a>(und auch Busse, <a href="https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/strassentransport-elektroantrieb-macht-wasserstoff-lkw-zum-ladenhueter/29394428.html">LKW</a>, Müllautos, Muldenkipper, Minenbagger) gegen ihre <a href="https://www.statista.com/statistics/1454512/annual-fcev-sales-by-country-or-region/">Wasserstoffbrüder und -schwestern</a> durchgesetzt haben und wie die anderen Technologien auch unabhängig von politischem System und Wirtschaftsausrichtung weltweit zum Einsatz kommen.</p><p>Elektrifiziert wird im stark kapitalistisch geprägten Australien und in China mit seinen Fünfjahresplänen. Erneuerbare erfreuen sich großer Beliebtheit sowohl im links regierten Spanien als auch im seit Jahrzehnten konservativ regierten <a href="https://trerc.tamu.edu/blog/solar-boom-how-texas-rural-land-is-powering-the-future/#:~:text=Tian%20Su-,Texas%20is%20experiencing%20a%20remarkable%20boom%20in%20solar%20power%2C%20fueled,%2C%20wind%2C%20and%20storage%20capacity.">Texas</a>. Wärmepumpen <a href="https://www.carbonbrief.org/guest-post-how-heat-pumps-became-a-nordic-success-story/">boomen im kalten Nordeuropa</a> und sind in Taiwan und Japan längst Standard.</p><h3>Was gegen fossile Brennstoffe spricht (abgesehen von der Klimakrise)</h3><p>Wer all das auszubremsen gedenkt, lenkt Deutschland zwangsläufig wieder in Richtung der fossilen Brennstoffe. Und das wird teuer, in gleich mehrerer Hinsicht:</p><p>• In den kommenden Jahren wird die <a href="https://www.reuters.com/markets/europe/analysts-expect-eu-carbon-prices-soar-by-2027-2024-10-18/#:~:text=EU%20Allowances%20(EUAs)%20are%20forecast,with%20EU%20natural%20gas%20prices.">CO2-Bepreisung auf EU-Ebene anziehen</a>.</p><p>• In einer Welt, in der Wladimir Putin und Donald Trump die größten Öl- und Gasförderländer regieren, schwächte unsere Abhängigkeit von diesen Substanzen unsere Verhandlungsposition bzgl. Zöllen und Protektionismus.</p><p>• Erneuerbare Technologie formt gerade gigantische Zukunftsmärkte. Gerade als Nation mit großer Maschinenbau-Tradition und kaum eigenen Rohstoffen wären ein paar Firmen mit Marktführerschaft für Wärmepumpen, Batteriezellen, Windkraftgeneratoren oder Bohrtechnik für Geothermie ein stabiler Garant für Arbeitsplätze. Wer es solchen Unternehmen hingegen auf dem eigenen Heimatmarkt besonders schwer macht, läuft Gefahr, die nächste große Industriegeschichte abzuwürgen, bevor sie begonnen hat.</p><p>• Deutschland exportiert jährlich etwa 3 Millionen Autos. <a href="https://www.vda.de/de/aktuelles/zahlen-und-daten/jahreszahlen/export?fbclid=IwY2xjawGtL2xleHRuA2FlbQIxMAABHfhcIaX2Mm3MhBb8-6dQTmSECfwKq4sNqeHprUQt5enoyAidoAsh6oDMLw_aem_DHvIT6oWfQipkucK6m1y1A">Davon ging mehr</a> als die Hälfte <a href="https://ourworldindata.org/grapher/electric-car-sales-share?country=GBR%7ECHN%7EUSA%7EFRA%7EBEL%7ENLD%7EFIN%7ESWE%7ECHE%7EAUT%7EOWID_EU27%7EPRT&amp;fbclid=IwY2xjawGtL0VleHRuA2FlbQIxMAABHewv2x7Dcrt7Z4u5Vhu1IBYNxMZe8m7pBFJG2lw0rqAgry45j2NbfSy0GA_aem_-Pgo_w5ubDgrOv7MnoJs7w">in Märkte mit stark wachsendem E-Auto-Anteil</a> (Belgien, China, Dänemark, Finnland, Frankreich, Niederlande, Norwegen, Österreich, Schweden, Schweiz, Spanien, UK) + 400.000 in die USA, wo gerade die reichen Bundesstaaten hohe Elektroauto-Zuwächse sehen.</p><p>Während andere Länder ihre Wirtschaft in diese Richtung umstellen und fit für die Zukunft machen, würden wir einen Gang runterschalten und den Geldhahn für den Import von Öl und Gas kräftig aufgedreht lassen, auf dass wir weiter dutzende Milliarden Euro verbrennen, anstatt mit diesem Geld unseren Maschinenpark zu erneuern. Laut Daten von Agora Industry <a href="https://www.linkedin.com/posts/janrosenow_i-always-thought-that-industry-had-limited-activity-7264596713309442049-qTg4?utm_source=share&amp;utm_medium=member_desktop">können wir 90% der Prozesswärme* in der europäischen Industrie mit Strom bereitstellen</a>, also ohne Gas aus dubiosen Quellen. Wir wären ein viel robusterer, unabhängigerer Kontinent, den ein verrückt gewordener Diktator nicht mehr so leicht erpressen könnte.</p><p>* Prozesswärme ist die Wärme, die für technische Verfahren benötigt wird (und bezeichnet auch die Abwärme, die dabei entsteht).</p><p><em>So, falls du besonders viel Zeit hast, dann schau dir diese Grafik genauer an:</em></p><a href="https://x.com/superredaktion/status/1859500630798168111"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e44fcb77-af3b-4057-9cd4-96f81fdd3567/uploads/images/4o6iqmv3ur/Grafik_110_(1).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/></a><h2>Nochmal zurück zu den Zahlen</h2><p>Wirtschaftsdaten haben einen großen Vorteil: Hier entscheidet (fast) niemand auf Basis seines persönlichen Gefühls oder seiner nostalgischen Verbundenheit mit dem Geräusch eines Verbrennungsmotors. Den Quartalsbonus bekommt die Managerin für das Erreichen ihrer Ziele, und da zählt unterm Strich, was in der Gesamtbetrachtung günstiger ist. Deswegen sehen wir, <a href="https://www.liebherr.com/en-de/n//liebherr-and-fortescue-announce-significant-expansion-of-zero-emission-equipment-partnership-at-minexpo-2024-90602-3704916">wie immer größere Bau- und Bergbaumaschinen elektrisch werden</a>. Deswegen stellen <a href="https://www.iea.org/reports/global-ev-outlook-2024/trends-in-heavy-electric-vehicles">auch Städte außerhalb Chinas ihre Busflotten auf Batterien um</a>, deswegen entsteht in Deutschland gerade ein Genehmigungsstau <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/energiewende-riesige-speicher-fuers-stromnetz-ein-batterietsunami-rollt-heran-a-59e79edc-91a7-421b-a1b8-8c3b5e39645b">für einen Batteriespeicher-Tsunami</a>, mit dem in Zukunft Wind- und Solarstrom gepuffert werden soll. Der Markt entscheidet. Nein, er hat schon entschieden.</p><p>Eine weltweite Industrierevolution kann man nicht aufhalten. Man kann nur entscheiden, ob man Teil davon sein möchte oder ob man Deutschland auf einen einsamen Geisterfahrerkurs in Richtung Vergangenheit schicken möchte.</p><h2>Freunde treffen</h2><p>Auf Kurs ist definitiv einer: Boris Herrmann. Der Name kommt dir bekannt vor? Boris ist Segelsportler und brachte Greta Thunberg 2019 zusammen mit Pierre Casiraghi (Grace Kellys Enkel - falls du Film- oder Royalfan bist) nach New York. Auch abseits davon engagiert er sich mit seinem Team Malizia seit Jahren für Klimagerechtigkeit, ganz nach ihrem Motto: A race we must win. Nun will er in 80 Tagen um die Welt segeln. Dabei kann man ihn begleiten (<a href="https://www.instagram.com/team_malizia/">Instagram</a> oder <a href="https://www.youtube.com/@teammalizia">YouTube</a>) und obendrein gute Nachrichten von den verschiedensten Gegenden der Erde erhalten und mehr über den Ozean und das Segeln lernen. Wir wünschen stets eine Handbreit Wasser unterm Kiel!</p><a href="https://www.instagram.com/borisherrmannracing/"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e44fcb77-af3b-4057-9cd4-96f81fdd3567/uploads/images/7jl5lhzjmr/Bildschirmfoto_2024-11-21_um_09.18.36.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/></a><hr aria-hidden="true"/><p><em>Dieser Newsletter ist nur durch eure finanzielle Unterstützung möglich! Daher ein großes Dankeschön an alle, die uns unterstützen.</em></p><p><em>Wenn du noch nicht dabei bist, </em><strong><em>freuen wir uns sehr über Spenden</em></strong><em> (und können auch mit Spendenbescheinigungen dienen wenn gewünscht).</em></p><p><em>Global Eco Transition gGmbH | IBAN: DE62 4306 0967 1230 6808 00 | BIC: GENODEM1GLS | Verwendungszweck: ”Spende Superredaktion”</em></p><p><strong><em>Wichtig:</em></strong><em> Spenden kommen bei uns nur an, wenn der Verwendungszweck richtig angegeben wird.</em></p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Du willst </em><strong><em>deine Reichweite nutzen</em></strong><em>, um auf Klimathemen aufmerksam zu machen? Wir helfen dir dabei! Schreib uns gerne eine Mail an</em> <a href="mailto:info@superredaktion.de">info@superredaktion.de</a> – <em>wir sind freundlich, wissen Sachen und </em><strong><em>kosten dich nichts</em></strong><em>.</em></p><p><em>Du kennst Menschen, denen dieser Newsletter auch helfen könnte? Dann teile ihn gerne!</em></p><p><em>Weiteren Kram zum Teilen findest du auf</em> <a href="https://twitter.com/superredaktion">X</a> <em>und</em> <a href="https://www.instagram.com/superredaktion/">Instagram</a>.</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 22 Nov 2024 10:24:25 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Praxistipps Populismusbekämpfung]]></title>
      <description><![CDATA[Willkommen im Newsletter der Superredaktion – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven und Anpackmaterialien, heute mit Populismus.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Willkommen im Newsletter der <em>Superredaktion</em> – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete Anpackmaterialien für Menschen mit Lust auf Zukunft, heute mit Populismus.</p><p>Ein kleiner Exkurs, bevor wir zum regulären Programm übergehen: Die Unterschriftensammlung zum Hamburger <a href="https://zukunftsentscheid-hamburg.de/">Zukunftsentscheid</a>, der die Stadt mit verbindlichen Klimazielen auf dem Weg in die Klimaneutralität bis 2040 versehen will, läuft noch bis einschließlich Samstag. Wenn du in Hamburg lebst und schreiben kannst: Unterschreibe! Wenn du nicht in Hamburg lebst und/oder nicht schreiben kannst: Bitte andere zu unterschreiben! Danke. Exkurs Ende.</p><h2>Froher werden</h2><h3>Deutschlandticket wirkt</h3><p>Eine <a href="https://ariadneprojekt.de/news-de/was-bringt-das-deutschland-ticket-der-verkehrswende-ariadne-d-ticket-impact-tracker-zeigt-effekte-auf-mobilitaet-emissionen-und-moegliche-reaktionen-auf-preiserhoehung/">Studie</a> des Forschungsprojektes Projekt Ariadne, in der anonyme Mobilfunk- und Bewegungsdaten ausgewertet wurden, beziffert erstmals auf solider empirischer Grundlage die Klimawirkung des 49-Euro-Tickets: In den 12 Monaten seit seiner Einführung im Mai 2023 ist die Zahl der Zugfahrten über 30 Kilometer um über 30% gestiegen, 7,6% der Autokilometer wurden eingespart, 6,7 Millionen Tonnen CO2-Emissionen verhindert. Das entspricht fast 5% der Emissionen im gesamten Verkehrssektor. Die Auswirkungen der angekündigten Preiserhöhung um neun Euro für nächstes Jahr haben die Forschenden dabei gleich mitbeziffert: Sie rechnen mit einer einer Halbierung der positiven Auswirkungen des Angebots. Was soll man sagen?</p><h3>Verbieten geht</h3><p>Aus der Kategorie <em>Undenkbar, bis es jemand einfach macht:</em> Als erste Stadt der Welt <a href="https://www.theguardian.com/world/2024/sep/13/the-hague-becomes-worlds-first-city-to-ban-fossil-fuel-related-ads">verbietet</a> Den Haag fossile Werbung im öffentlichen Raum – und meint damit nicht nur Benzin und Diesel, sondern das ganze Programm: Kreuzfahrten, Flugreisen und allerlei andere Güter und Dienstleistungen mit übergroßen CO2-Fußabdrücken. Werbetreibende in Den Haag und anderswo: Öl ist so over, verkauft uns andere, bessere, zeitgemäßere Sehnsüchte! Geld verdienen kann man damit doch bestimmt auch.</p><h3>Besser sprechen hilft</h3><p>Auf einem großen interdisziplinären Kongress in Graz entstand eine neue <a href="https://www.klimafakten.de/kommunikation/lasst-uns-anders-uebers-klima-sprechen-grazer-charta-gibt-leitlinien-fuer-kurswechsel">Charta</a> der Klimakommunikation. „In immer drastischerer Form vor den bedrohlichen Veränderungen des Klimasystems zu war­nen, greift zu kurz. Zu häufig lähmt, verunsichert und polarisiert solche Kommunikation, insbesondere wenn sie Probleme und Risiken nur benennt, ohne Lösungen und Handlungsoptionen aufzuzeigen“ – noch ein paar halbseidene Wortspiele mit rein, und die Formulierung hätte von uns stammen können. Erstunterzeichnet haben um die 80 Persönlichkeiten aus Klimaforschung, Psychologie, Medien, Kunst und Kultur. Wir unterstützen das Anliegen vollumfänglich und freuen uns, wenn möglichst viele Menschen auf diesen Zug aufspringen - öffentlich mitzeichnen können und sollten Willige <a href="https://k3-klimakongress.org/grazer-charta-der-klimakommunikation/">hier</a>.</p><h2>Wie man die Pöbler schwächt</h2><ul><li><p><em>Das Aufgreifen populistischer Rhetorik schwächt Populisten nicht</em></p></li><li><p><em>Öffentliche Diskurse prägen die Wahrnehmung von Realität, im Guten wie im Schlechten</em></p></li><li><p><em>Investitionen in Infrastuktur führen zu weniger Wählerstimmen für rechtsextreme Parteien</em></p></li></ul><p>Die Wahlergebnisse in Sachsen, Thüringen, Brandenburg sind finster, aber sie sind ja erstmal bloß Zahlen und als solche abstrakt. Was diese Zahlen in der Praxis bedeuten, eine Vorschau gleichsam, haben wir bei der konstituierenden <a href="https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/thueringen-eklat-landtag-100.html">Sitzung</a> des Thüringer Landtags gesehen, die von den Rechtsextremen gekapert und mit voller Absicht in ein Schmierentheater zur Rufschädigung der Demokratie verwandelt wurde. Die Analyse dazu im Polit-Podcast Lage der Nation (<a href="https://lagedernation.org/podcast/ldn400-eskalationsspirale-im-nahen-osten-afd-torpediert-demokratie-in-thueringen-gruppenantrag-fuer-afd-verbot-interview-jan-boehmermann-bahnfinanzierung-bedroht-verkehrswende-steuergerechtigkeit/#shownotes">Episode 400</a>, ab Minute 11), inklusive eines vor der Löschung geretteten O-Tons, in dem der von der AfD gestellte Alterspräsident des Landtags einem rechtsextremen Blogger brühwarm erzählt hat, wie genau dieser Ablauf von langer Hand geplant war, ist absolut hörenswert. (Der direkt darauf folgende Beitrag über das Für und Wider eines Verbotsantrags gegen die AfD ebenso.)</p><h3>Pöbeln durch Pöbeln bekämpfen</h3><p>Aus gegebenem Anlass also: Was hilft tatsächlich gegen Populismus? Ist es… Populismus? Gute Idee eigentlich. Wenn <em>die</em> mit dem Rumbrüllen allzu einfacher Schuldzuweisungen so erfolgreich sind, warum machen <em>wir</em> das dann nicht einfach auch? Wenn ich nur genug rumpoltere, sind die Leute doch froh, dass sie mich jetzt wieder wählen können und sich nicht mehr gezwungen sehen, zu den ursprünglichen Polterern überzulaufen.</p><p>Um zu überprüfen, ob diese Rechnung aufgeht, gibt es zwei Stellen, auf die man schauen kann, mit unterschiedlich großer Aussagekraft. Zum einen ist da die Praxis, mit den Wahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg, in deren Vorfeld die Hauptstrategie einiger der Kontrahenten war, sich nicht nur die von der extremen Rechten gesetzten Themen anzueignen, sondern sich auch in der Tonalität anzunähern. Schaut man sich die <a href="https://www.tagesschau.de/thema/w%C3%A4hlerwanderung">Wählerwanderungsgrafiken</a> für die drei Landtagswahlen an, muss man konstatieren: In keiner der Wahlen hat die AfD signifikant Stimmen in Richtung der demokratischen Parteien verloren; den stärksten Zulauf erhält sie in allen drei Fällen von ehemaligen Wählenden der CDU.</p><p>Da kann man jetzt sagen: Anekdotisch, wer weiß woran das liegt, Einzelfälle. Da kann man aber auch sagen: <em>Issue ownership</em>. Und das ist dann auch die zweite, gewichtigere Stelle, auf die man den Blick richten sollte: Die Wissenschaft nämlich.</p><p><em>Issue ownership</em>, also in etwa “Eigentum an einem Thema”, ist ein Konzept aus der Politikwissenschaft und beschreibt, dass in der öffentlichen Wahrnehmung bestimmte Themen mit spezifischen politischen Akteuren verbunden sind und diesen Akteuren für diese Themen die größte Kompetenz zugesprochen wird. Wird ein solches Thema in der Öffentlichkeit groß gemacht, egal von wem, stärkt das in der Regel den Zuspruch für den Besitzer des Themas, nicht für den Sender der Botschaft. Wir haben dazu durchaus spezifische Daten: Eine wissenschaftliche <a href="https://www.cambridge.org/core/journals/political-science-research-and-methods/article/does-accommodation-work-mainstream-party-strategies-and-the-success-of-radical-right-parties/5C3476FCD26B188C7399ADD920D71770">Studie</a> von 2022 hat die Strategien von mehr als 350 Parteien in Wahlen in ganz Europa von 1976 bis 2017 untersucht und dabei die Frage gestellt: Schwächt die Übernahme migrationsfeindlicher Haltungen durch Mainstream-Parteien die radikale Rechte? Gefunden haben die Forschenden keinen einzigen Fall, in dem das funktioniert hätte - im Gegenteil, vielfach profitierten die Rechtsextremen sogar.</p><p>Vielleicht könnte das mal wer an die Parteizentralen weitersagen? Wäre doch gut, wenn die das wüssten? Haben die denn kein Beratungspersonal, das sie auf sowas hinweist, was ist da los?</p><h3>“Medial hergestellte Vorstellung von Realität”</h3><p>Zumal, von wegen Migration Migration Migration:</p><p>Die Zahl der Asylanträge ist im Vergleich zu 2023 massiv <a href="https://de.statista.com/statistik/daten/studie/76095/umfrage/asylantraege-insgesamt-in-deutschland-seit-1995/">zurückgegangen</a>. Die Zahl der Gewalttaten in Deutschland ist, nachdem sie lange beständig gesunken ist, zuletzt wieder etwas <a href="https://de.statista.com/statistik/daten/studie/153880/umfrage/faelle-von-gewaltkriminalitaet/">gestiegen</a> - auf das Niveau der angeblich goldenen Zeiten von ca. 2007.</p><p>Und da wir diese Quellenverweise vom ihm geklaut haben, können wir Christian Stöcker auch gleich direkt zitieren, wie er im SPIEGEL <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/extremwetter-die-welt-schlafwandelt-in-die-katastrophe-a-2bdfdad2-a50b-45a4-9527-624c56ebeca5?sara_ref=re-so-app-sh">schreibt</a>:</p><p>“Und dennoch ist – innerhalb von etwa 20 Monaten – die Angst vor Migration zum politischen Aufregerthema Nummer eins in Deutschland aufgestiegen. Bis Anfang 2023 lag die Anzahl der Menschen, die den Themenkomplex »Ausländer, Migration, Flüchtlinge« für das »wichtigste Problem in Deutschland« hielten immer <a href="https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1062780/umfrage/umfrage-zu-den-wichtigsten-problemen-in-deutschland/">irgendwo zwischen neun und elf Prozent</a> . Am 27. September 2024 waren es 42 Prozent.”</p><p>Der nächste Satz gehört hervorgehoben:</p><blockquote><p>“So ein Anstieg hat nichts mit realweltlichen Erfahrungen zu tun – sondern mit medial hergestellter Vorstellung von Realität.”</p></blockquote><p>Und das alles, während inzwischen wöchentlich Jahrhundertstürme, Jahrhundertfluten, Jahrhundertbrände, Jahrhundertdürren durch die Welt fegen und der Themenkomplex “Klima, Energie, Versorgung” statt wie Anfang 2023 von 44 nur noch von 17 Prozent der Befragten für eines unserer wichtigsten Probleme gehalten wird.</p><p>Wenn man viel von einer Sache spricht, macht man sie groß.</p><p>Wenn man zuviel von einer Sache spricht, macht man sie zu groß und nützt dabei meist den Falschen.</p><p>Und dabei machen gerade zu viele mit, von denen wir Besseres gewohnt sind. Von denen wir Besseres dringend brauchen.</p><p>(Wer diesen Befund übrigens nochmal mit mehr Leidenschaft, Ausführlichkeit und Eloquenz im Bewegtbild erläutert und eingeordnet haben möchte, bewege sich in Richtung <a href="https://www.youtube.com/watch?v=R-YwYpaSvJw">YouTube-Kanal</a> der ukrainisch-deutschen, jüdischen Politikerin Marina Weisband.)</p><h3>Cui bono?</h3><p>Und wer lacht sich darüber ins Fäustchen, außer den Rassisten und Antidemokraten natürlich? <a href="https://www.theguardian.com/business/2019/oct/24/fossil-fuel-big-five-spent-251m-lobbying-european-union-2010-climate-crisis">Diejenigen</a>, die davon <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/energiedebatte-wie-gut-kennen-sie-sich-mit-der-energiewirtschaft-aus-kolumne-a-487e40e2-dea7-42fb-920c-12871e5788de">profitieren</a>, dass in Sachen Fossilität die wesentlichen Dinge so bleiben, wie sie sind, während wir uns damit beschäftigen, uns über Probleme mit unverhältnismäßig viel kleinerer Alltagsrelevanz aufzuregen.</p><p>Diejenigen, die <a href="https://www.telepolis.de/features/UN-Chef-Propaganda-Maschine-der-fossilen-Industrie-muss-gestoppt-werden-7272071.html?seite=all">sehr viel Geld</a> dafür ausgeben, dass solche Botschaften die größtmögliche Reichweite und Wirksamkeit bekommen, die dabei helfen, Zweifel und <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/wladimir-putin-propagandaoffensive-wirft-vier-fragen-auf-kolumne-a-af864452-6753-4e5a-9ae9-5b43f94344af">Zwietracht</a> zu säen und so den Wandel verlangsamen, die Gesellschaft spalten, die Demokratie schwächen.</p><p>Und da schließt sich dann der Kreis.</p><p>Gut, also kein Populismus gegen den Populismus. In unserem Bestreben, berühmt oder idealerweise sogar berüchtigt dafür zu sein, nach Lösungen zu suchen anstatt nach Problemen, stellen wir pflichtgemäß die Folgefrage: Was, himmelhergott, hilft denn dann?</p><h3>Den Menschen Perspektiven geben</h3><p>Wovon jedenfalls niemand gesprochen hat in diesem Wahlkampf (also außer <a href="https://www.youtube.com/@HausbesuchOst">uns</a> natürlich): Was im Osten besser geworden ist. Wo engagierte Menschen ihre Regionen nach vorne gebracht haben. Auf welchen Wegen man weiter in die Zukunft gehen möchte.</p><p>Laut einer <a href="https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/allensbach-umfrage-ost-und-west-sind-sich-aehnlicher-als-gedacht-19933256.html">Erhebung</a> des Instituts für Demoskopie Allensbach ist mit 59% der Ostdeutschen eine Mehrheit der Meinung, die Mehrheit der Ostdeutschen fühlten sich als Bürgerinnen und Bürger zweiter Klasse. Fragt man sie, ob sie selbst sich denn auch als Bürger zweiter Klasse fühlen, antworten jedoch nur 32% mit Ja - eine deutliche Minderheit also, und übrigens deutlich weniger als die 57%, die noch 2002 diese Frage bejahten.</p><a href="https://x.com/superredaktion/status/1847007967054348706"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/7304514e-70f4-4cbe-a3cb-a153b17f1e83/uploads/images/r3lqzxy2hv/gefuhlte_mehrheit.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="" data-link="https://x.com/superredaktion/status/1847007967054348706"/></a><p>Das ist ein Fall von pluralistischer Ignoranz, also einer Mehrheit, die nicht weiß, dass sie eine Mehrheit ist. Gefühlte Mehrheiten und Minderheiten sind ein wesentlicher Faktor für die Entscheidungen, die ein Individuum trifft – womöglich auch für Wahlentscheidungen. Anselm Hager, Professor für Internationale Politik an der Humboldt-Universität in Berlin, hat auf Basis dieser Daten kurz vor der Wahl in Brandenburg ein <a href="https://x.com/anselmhager/status/1838224676226572373">Experiment</a> durchgeführt: Ein Teil der Teilnehmenden an seiner Umfrage wurden informiert, dass eine Mehrheit der Ostdeutschen sich <em>nicht</em> als Bürger zweiter Klasse fühlen; alle anderen erfuhren nichts.</p><p>Das Ergebnis: Unter den Informierten wurde eine deutlich geringere Bereitschaft gemessen, rechtsextrem zu wählen als unter den Nicht-Informierten.</p><p>Dazu sei gesagt, dass es sich dabei bisher nur um einen Feldversuch handelt - das Ergebnis ist nicht im selben Maße belastbar wie die anderen hier verlinkten, bereits offiziell veröffentlichten und teilweise peer-reviewten Forschungsergebnisse. Aber die Anregung möchten wir doch gern aufnehmen: Wer sichtbar macht, dass die Dinge besser stehen als die Populisten und diejenigen, die sie absichtlich oder “aus Versehen” dabei unterstützen, den Menschen weismachen wollen – wer also zum Beispiel über Lösungen spricht anstatt über Probleme – geht einen wichtigen Schritt, dem Populismus den Nährboden zu entziehen, auf dem er am besten gedeiht.</p><h3>Den Menschen Geld geben</h3><p>Aber es geht auch noch etwas handfester: Geld in die Hand nehmen, um den Leuten greifbar das Leben leichter zu machen, das hilft nachweislich. Das renommierte Kiel Institut für Weltwirtschaft hat dazu im April eine interessante <a href="https://www.ifw-kiel.de/fileadmin/Dateiverwaltung/IfW-Publications/fis-import/f16df84e-a721-422e-a087-de3d56c8473e-KPB_172_dt_0804_V3.pdf">Untersuchung</a> veröffentlicht, nach der in Regionen, die Infrastruktur-Fördergelder von der EU erhalten haben, die Unterstützung für rechtspopulistische Parteien wegen dieser Fördermaßnahmen zurückgegangen ist, und zwar um satte 20%. Die Kieler Forschenden gehen sogar so weit, ein Preisschild an diesen Zusammenhang zu heften: Ein Prozentpunkt weniger Wählerschaft für rechtspopulistische Parteien kostet 200 Euro pro Kopf an Infrastrukturförderung in der entsprechenden Region. Und die bessere Infrastruktur bekommt man für das Geld ja auch noch gleich mit dazu, das scheint also ein so schlechtes Geschäft nicht zu sein.</p><a href="https://x.com/superredaktion/status/1847008014408032698"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/7304514e-70f4-4cbe-a3cb-a153b17f1e83/uploads/images/622ebqaufu/infrastruktur_gegen_populismus.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="" data-link="https://x.com/superredaktion/status/1847008014408032698"/></a><p>Populisten hingegen, auch das ein <a href="https://www.ifw-kiel.de/de/publikationen/kiel-focus/die-wirtschaftlichen-folgen-von-populismus/">Forschungsergebnis</a>, das sich weiterzuerzählen lohnt, auch und gerade am Stammtisch, kosten ein Land nach 15 Jahren an der Regierung im Schnitt eine Verminderung des Bruttoinlandsproduktes um etwa 10%.</p><a href="https://x.com/superredaktion/status/1847008086504132978"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/7304514e-70f4-4cbe-a3cb-a153b17f1e83/uploads/images/eyorvrwik2/populismus_macht_arm.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="" data-link="https://x.com/superredaktion/status/1847008086504132978"/></a><p>Eine Reihe von repräsentativen <a href="https://www.kas.de/documents/252038/29391852/Wovor+sich+die+Deutschen+f%C3%BCrchten+....pdf/f9f1a50a-e2e9-cc45-8f13-5a65ea8d67bc?version=1.0&amp;t=1728393791269">Umfragen</a> der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung zeigt: 36 Prozent der Befragten haben “große” oder “sehr große” Angst vor Zuwanderung nach Deutschland; das sind 13 Prozentpunkte mehr als noch 2021. </p><p>Aber zwei Dinge, vor denen sich die Deutschen in weit größerer Zahl fürchten, nämlich jeweils zu über 60% , sind andere: </p><p>Die wachsende Fremdenfeindlichkeit, und dass die AfD das Sagen in Deutschland bekommt.</p><h2>Freunde treffen</h2><blockquote><p><em>“Ich habe mich mit Klimaforschern, Gletscher-Experten und Meeresbiologen unterhalten. Alle waren frustriert, weil ihre Ergebnisse die Öffentlichkeit nicht erreichten. Und sie sagten: Menschen verstehen nur Geschichten. Daten verstehen sie nicht.”</em></p></blockquote><p>Das schreibt der isländische Autor Andri Snær Magnason, und er spricht uns aus der Seele. Unsere Versuche, mit diesem Sachverhalt umzugehen, sind dieser Newsletter, und unsere Initiative <a href="http://www.planetnarratives.de/">Planet Narratives</a>, und alles andere, was die Superredaktion tut, um die richtigen Daten auszuwählen und zu guten, packenden, zum Weitererzählen und Handeln anregenden Geschichten aufzupolieren. Magnasons Antwort ist <a href="https://www.suhrkamp.de/buch/andri-snaer-magnason-wasser-und-zeit-t-9783458681595">Wasser und Zeit</a>.</p><a href="https://www.suhrkamp.de/buch/andri-snaer-magnason-wasser-und-zeit-t-9783458681595"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/7304514e-70f4-4cbe-a3cb-a153b17f1e83/uploads/images/eaklewixsy/https___media.suhrkamp.de_mediadelivery_rendition_bf5ecef73de44a939bf48dd69eeeaf2f_-B2160_wasser-und-zeit_9783458681595_cover_Kopie.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="" data-link="https://www.suhrkamp.de/buch/andri-snaer-magnason-wasser-und-zeit-t-9783458681595"/></a><p>Es handelt sich dabei um ein wundervolles Buch, in dem er versucht, mit den Mitteln der Kunst eine Sprache zu finden, die die schwer zu fassenden, abstrakten und gewaltigen Dimensionen der Klimakrise auf menschliche Maßstäbe herunterbricht, mit Bedeutung auflädt und auf eine Art begreifbar und fühlbar macht, die die Daten allein uns nicht bieten können.</p><p>Zum Beispiel in einem Gespräch mit seiner zehnjährigen Tochter Hulda über seine eigene 94jährigen Urgroßmutter und Huldas zukünftiges, noch lange ungeborenes Ur-Enkelkind:</p><p><em>Stell dir mal vor! 262 Jahre! Das ist die Zeitspanne, mit der du in Verbindung stehst. Du kennst Menschen aus dieser gesamten Zeitspanne. Deine Zeit ist die Zeit von jemandem, den du kennst, den du liebst und der dich prägt. Und deine Zeit ist auch die Zeit von jemandem, den du kennen und lieben wirst, die Zeit, die du gestalten wirst.</em></p><p><em>Du kannst 262 Jahre mit bloßen Händen berühren.</em></p><p>Ein schönes Schlusswort.</p><p></p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 17 Oct 2024 20:44:56 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Rettet das Tiefsee-Weingummi-Eichhörnchen!]]></title>
      <description><![CDATA[Willkommen im Newsletter der Superredaktion – heute mit komischen Tieren, fremden Welten und erfreulichen sowie unerfreulichen Wahlergebnissen.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Willkommen im Newsletter der <em>Superredaktion</em> – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete Anpackmaterialien für Menschen mit Lust auf Zukunft, heute mit komischen Tieren, fremden Welten und erfreulichen sowie unerfreulichen Wahlergebnissen.</p><h2>Froher werden</h2><h3>Guter Grund</h3><p>Schweden <a href="https://www.stiftung-meeresschutz.org/themen/fischerei/grundschleppnetze/">verbietet</a> die Grundschleppnetzfischerei - eine extrem <a href="https://www.wissenschaft.de/erde-umwelt/schleppnetze-befeuern-den-klimawandel/">zerstörerische</a> Fangmethode, die Artenvielfalt im Meer vernichtet und große Mengen CO2 aus dem Meeresboden freisetzt. Und zwar nicht nur, wie von der EU gefordert, in Meeresschutzgebieten, sondern in allen Hoheitsgewässern. Damit zieht Schweden an Griechenland vorbei, das als erstes Land ein Verbot für Grundschleppnetze in Schutzgebieten auf den Weg brachte. Um den Entschluss festlich zu begehen, <a href="https://x.com/chrishantering/status/1797971838670356507">sprang</a> Umweltministerin Romina Pourmokhtari in voller Montur in den Ostsee. Konsequent!</p><h3>Veg and the City</h3><p>15 Sekunden Dialog in der <em>Sex and the City</em>-Neuauflage <em>And just like that… – “</em>Ich probiere mal eins von diesen pflanzenbasierten Dingern” – beiläufig in das Gespräch (über Sex, vermutlich in der Stadt) der beiden Protagonistinnen eingefügt. Diese Zeile hatte eine <a href="https://www.latimes.com/environment/newsletter/2024-08-01/column-check-out-the-tv-shows-nudging-people-to-act-on-climate-boiling-point">messbare Auswirkung</a> auf die Wahrscheinlichkeit, mit der das Publikum einen geringeren Fleischverzehr als gesünder und besser für das Klima beurteilte. Nur ein paar Prozentpunkte, und nur für ein paar Wochen – aber wenn schon 15 Sekunden dafür reichen, was, wenn mehr beliebte, erfolgreiche Geschichten solche “nudges” einflechten würden? Kein Predigen, kein Zeigefinger – Normalisierung ist das Zauberwort.</p><h3>Kohleausstieg vorgemacht</h3><p>Großbritannien <a href="https://www.ft.com/content/5164185d-b0d6-40d1-99b4-59f8039111c2?sharetype=blocked">schaltet</a> nach 140 Jahren Stromproduktion aus Kohle als erstes G7-Land sein letztes Kohlekraftwerk ab, ein Jahr vor dem geplanten Ausstieg. Chapeau, Großbritannien! Wir kommen dann <a href="https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/wirtschaft/ausstieg-braunkohle-osten-spaeter-100.html">hoffentlich</a> bald nach…</p><h2>Zuversichtlich bleiben</h2><p>Das erstmal nur als Zwischenruf: Natürlich gibt es an den Wahlergebnissen in Sachsen und Thüringen nicht viel schönzureden. Vielleicht dieses: Thüringen und Sachsen stehen nicht für Deutschland als Ganzes, und auch nicht für “den Osten”. Es leben in diesen beiden Bundesländern lediglich 10% der wahlberechtigten Bevölkerung Deutschlands, und auch von diesen 10% hat sich eine große Mehrheit für demokratische Parteien entschieden.</p><p>Gerade wegen der derzeit allgegenwärtigen Berichterstattung über die Erfolge von Populisten und Extremisten gilt es jetzt, dieser demokratischen Mehrheit beiseite zu stehen, sie zu unterstützen und von ihr zu erzählen. Damit sie sichtbar bleibt und gestärkt wird. Damit sie sich weiter für Demokratie, Vielfalt und wirksamen Klimaschutz einsetzen kann.</p><p>Beispiele? Wir hätten da was. Die <em>Superredaktion</em> war in den letzten Wochen mit prominenten Menschen aus Ostdeutschland in Thüringen, Sachsen und Brandenburg unterwegs, um zivilgesellschaftliche Akteure und Menschen vor Ort zu treffen, die mit anpacken. Das Ergebnis ist unsere Mini-Reportage-Reihe #Hausbesuch. Ihr findet kurze Versionen der Videos auf dem <a href="https://www.instagram.com/landlebtdoch/">Insta-Kanal</a> unseres Partners <a href="https://landlebtdoch.de/">Land lebt doch</a> und die gesamte Reihe in voller Länge (stolze drei Minuten pro Filmchen) auf einem eigenen <a href="https://www.youtube.com/@HausbesuchOst">YouTube-Kanal</a>.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=GBN6sXYjF9g">https://www.youtube.com/watch?v=GBN6sXYjF9g</a><p>Diese Leute sind der Osten. Und sich das immer wieder bewusst zu machen, verändert das Gefühl, mit dem man auf Zukunft und Gegenwart schaut. Wir können es sehr empfehlen.</p><p>Und du tust du uns und den portraitierten Menschen und Initiativen einen Riesengefallen, wenn du die Videos teilst und uns so von ihnen erzählen hilfst - auch und gerade angesichts der noch bevorstehenden Wahl in Brandenburg am 22. September. Vielleicht finden wir so noch den Weg in das eine oder andere zusätzliche Wählendenherz…</p><p>Wenn du darüberhinaus noch deine eigene Stimme beitragen möchtest: Umso besser! Wann, wenn nicht jetzt? Wir machen es dir so leicht wie möglich: <a href="https://drive.google.com/file/d/1Wqm3_6-B8rctBPWsYwr6Djcl-mGH_kEb/view">Hier</a> findest du eine kleine Botschaften-Bau- und Verbreitungsanleitung zur Brandenburger Landtagswahl für reichweitenstarke Menschen, die unsere Kolleginnen und Kollegen beim <a href="https://gsccnetwork.org/">Global Strategic Communications Council</a> erarbeitet haben – lass uns auf jeden Fall wissen, wenn du etwas davon aufgreifst, wir helfen mit Ausspielung, Pressekontakten, Verbreitung und allem, was uns sonst noch einfällt. Lass uns zusammen zeigen, wofür Brandenburg wirklich steht!</p><p>Und wenn sich nächsten Monat die ganzen Spekulationen um Koalitionen und so weiter etwas beruhigt haben, die Wahlen auch in Brandenburg durch sind und wir klarer sehen, woran wir sind, greifen wir das ganze Thema noch einmal ausführlicher auf.</p><p>Jetzt allerdings tauchen wir erstmal unter.</p><h2>Unten im Meer</h2><ul><li><p><em>25-40 Milliarden Tonnen Manganknollen auf dem Meeresgrund im Pazifik enthalten wertvolle Metalle</em></p></li><li><p><em>Ihr geplanter Abbau gilt als extrem schädlich für empfindliche, artenreiche Tiefsee-Ökosysteme</em></p></li><li><p><em>Ein Führungswechsel in der zuständigen Hochsee-Regulierungsbehörde und eine wissenschaftliche Sensation stärken die Argumente gegen den Tiefseebergbau</em></p></li><li><p><em>Wer nur diese Stichpunkte liest, verpasst einen regelrechten Öko-Krimi</em></p></li></ul><p>Unsere heutige Geschichte hat auch was mit einer Wahl zu tun. Allerdings mit einer, von der die meisten wahrscheinlich noch nie gehört haben, die aber zu den Dingen gehört, deren Wichtigkeit für das menschliche Leben auf dem Planeten in keinem Verhältnis zu ihrer Unbekanntheit steht, so ähnlich wie die die georgische Küche.</p><p>Tief, tief unten im Meer, wo es sehr still, sehr dunkel und sehr kalt ist, vor allem in der sogenannten Clarion-Clipperton-Zone mitten im Pazifik, liegt ein Schatz.</p><p>Auf einer Fläche von 4.500.000 Quadratkilometern – das sind etwa 8.000 Bodenseen – ist der Meeresgrund übersät mit kartoffelgroßen <a href="https://www.geomar.de/entdecken/rohstoffe-aus-dem-ozean/manganknollen">Klumpen</a>, die zu großen Teilen aus Nickel, Kobalt und Mangan bestehen.</p><p>Sie gehören, je nach Interpretation, entweder uns allen oder niemandem, aber einige wollen sie für sich alleine haben. Denn genau das sind die Materialien, von denen die Menschheit in den nächsten Jahrzehnten wohl sehr viel mehr brauchen wird als heute, wenn sie auf dem Planeten wohnen bleiben will – vor allem für die Herstellung von Batterien. Selbstverständlich geht es dabei also um viel Geld.</p><p>Wer sich selber einmal so eine Knolle züchten möchte, hier ist das Rezept: Man nimmt zum Beispiel einen Haifischzahn, legt ihn in tiefes Meereswasser und wartet ab. Und zwar ungefähr eine Million Jahre pro zwei Millimeter Knolle.</p><a href="https://x.com/superredaktion/status/1833782395801129384"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/23dcbb7a-ea5d-4f84-9628-2e66789d1977/uploads/images/lzixuc7qti/knollen_nachwachsend.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="" data-link="https://x.com/superredaktion/status/1833782395801129384"/></a><p>Weil die meisten Leute dafür aber nicht geduldig genug sind, gibt es Tiefseebergbau-Konzerne, die, gesponsert von Anrainerstaaten mit Lizenzen für einzelne Gebiete, in der Clarion-Clipperton-Zone mit <a href="https://www.seatools.com/projects/subsea-mining-vehicle-patania-ii/">25-Tonnen-Untersee-Robot-Bulldozern</a> baldmöglichst im großen Stil Knollen abräumen wollen. Und wegen einer obskuren <a href="https://www.mdr.de/wissen/nach-wie-vor-keine-einigung-beim-tiefsee-bergbau100.html">Zwei-Jahres-Klausel</a> im UN-Seerechtsabkommen kann das bedeuten, dass sie damit noch vor dem Inkrafttreten bisher nicht existierender Hochsee-Meeresschutz-Regularien werden beginnen können.</p><h3>Problem 1: Das Leben kommt dazwischen</h3><p>Dort unten ist es zwar dunkel und still und kalt, aber keineswegs tot und leer. Im Gegenteil: Eine Studie aus dem letzten Jahr, die Aufnahmen aus diversen Tauchroboter-Forschungsexpeditionen auswertete, fand über <a href="https://www.wissenschaft.de/erde-umwelt/gefaehrdete-artenvielfalt-in-zukuenftigem-bergbau-hotspot/">5000 Arten</a>, davon die meisten der Wissenschaft noch völlig unbekannt und alle bis auf sechs endemisch in der Region, also noch nirgendwo anders gesichtet. Bonuspunkte gibt es dafür, dass die Tiere <a href="https://www.theguardian.com/artanddesign/gallery/2023/may/25/meet-the-gummy-squirrel-and-thousands-of-other-newly-discovered-deep-sea-species-in-pictures">aussehen</a> wie aus einem extrem gelungenen Trip heraushalluziniert, und dass eines von ihnen Weingummi-Eichhörnchen heißt (leider bisher nur inoffiziell).</p><a href="https://x.com/superredaktion/status/1833782468081582450"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/23dcbb7a-ea5d-4f84-9628-2e66789d1977/uploads/images/2takyxpgj6/unerforscht.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="" data-link="https://x.com/superredaktion/status/1833782468081582450"/></a><p>Wir wissen so gut wie nichts darüber, wie diese Ökosysteme funktionieren. Wir wissen weniger über die Tiefsee als über den Mond. Aber wir wissen inzwischen, dass die Manganknollen und Sedimente auf dem Meeresgrund dort ein fragiles, extrem artenreiches Habitat bilden, das durch den Abbau der Mineralien unwiderruflich verlorenginge, mit unabsehbaren Konsequenzen für das System Ozean, auf das wir für CO2-Speicherung und Wetterregulierung bekanntermaßen zwingend angewiesen sind. Zusätzlich würden die aufgewirbelten Sedimente und die entstehende Lärmverschmutzung das Leben im Meer, das hier aufs Empfindlichste an tiefe Stille und klares Wasser angepasst ist, noch auf viele Kilometer Entfernung schädigen.</p><p>In den Jahren 2016 und 2017 <a href="https://www.tagesschau.de/wissen/forschung/manganknollen-sauerstoff-100.html">untersuchten</a> Forschende Gebiete, in denen in den 1980er Jahren im Rahmen eines <a href="https://www.discol.de/de">wissenschaftlichen Experiments</a> der Abbau von Manganknollen simuliert wurde, und fanden auch über dreißig Jahre später noch eine Einöde vor: Nicht einmal Bakterien hatten sich von dem Eingriff erholt. Es ist also unter Umständen ein Hauch Besonnenheit angezeigt, bevor man anfängt, mit lärmenden, riesigen Bulldozer-Saugrobotern durch diese Gebiete zu walzen.</p><h3>Problem 2: “Industrienähe”</h3><p>Die von der UNO ins Leben gerufene Behörde, die dafür zuständig ist, Regularien sowohl für die wirtschaftliche Nutzung und als auch den Schutz der Tiefsee außerhalb der Hoheit der Länder aufzustellen, ist die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Meeresbodenbeh%C3%B6rde">International Seabed Authority</a> (ISA) – zwei Aufgaben, die ganz offensichtlich in einem Spannungsverhältnis stehen. Bisher wird sie angeführt von einem Mann, der, je nachdem, mit wem man spricht und wo man liest, entweder als “industrienah” gilt, oder halt eben als korrupt wie nichts Gutes.</p><p>Michael Lodge taucht in <a href="https://www.latimes.com/politics/story/2022-04-19/gold-rush-in-the-deep-sea-raises-questions-about-international-seabed-authority">Promo-Videos</a> von Bergbau-Startups auf, man wirft ihm vor, mit Geldern der Organisation durch die Welt getingelt zu sein, um damit Mitgliederstaaten zu umgarnen, dass sie ihn ein weiteres Mal für den Posten des Generalsekretärs <a href="https://www.nytimes.com/2024/07/04/us/politics/seabed-agency-mining.html">nominieren</a>, und die ökologischen Konsequenzen des Tiefseebergbaus sind für ihn gut verstanden, überschaubar und planbar. Nominiert hat ihn letzten Endes die Südseenation Kiribati, nachdem seine Heimat, das Vereinte Königreich, sich geweigert hat. Kiribati wiederum ist eine <a href="https://metals.co/sponsoring-states/">Partnerschaft</a> mit dem Bergbauunternehmen The Metals Company eingegangen, für die bergbauliche Erkundung des Kiribati vertraglich zugesprochenen Anteils der Clarion-Clipperton-Zone. Das ist derselbe Laden, in dessen Promo-Video Michael Lodge die Vorzüge und Notwendigkeit des Tiefseebergbaus betont, und eines der aggressivsten unter den Unternehmen, die sich für einen raschen Start des Knollenabbaus einsetzen.</p><p>Kurz: Geschmäckle Hilfsausdruck!</p><h3>Klimaschutz gegen Umweltschutz?</h3><p>Viele der Argumente, die Befürworter des Tiefseebergbaus ins Feld führen, sind Klima-Argumente: Wir brauchen diese Materialien für die Transformation, und auf dem Meeresgrund sind sie leichter zu bekommen als im <a href="https://www.hrw.org/de/news/2023/06/19/deutschlands-run-auf-kritische-rohstoffe-ist-ein-problem-fuer-menschenrechte">umweltschädlichen und oft menschenrechtlich problematischen</a> Bergbau an Land.</p><p>Häufig stehen sich dieser Tage Klimaschutz und Umweltschutz erstmal als Gegensätze gegenüber. Immer lohnt sich dann ein genauer Blick. So auch hier. Dass der Tiefseebergbau ebenfalls umweltschädlich wäre, und zwar in einem Maße, das wir noch nicht abschätzen können, haben wir schon beschrieben. Aber welche Rolle spielt in dieser Güterabwägung der zukünftige Bedarf an Nickel, Kobalt, Mangan, die bisher viel in Elektroauto-Batterien verbaut werden, tatsächlich?</p><p>Tatsächlich hat eine neue Generation von Batterien, allen voran die sogenannte Lithium-Ferrophosphat-Batterie, in kurzer Zeit große Teile des Marktes <a href="https://www.blueclimateinitiative.org/sites/default/files/2023-10/whitepaper.pdf">erobert</a>. LFP-Batterien sind günstiger und stabiler – und kommen ohne diese Materialien aus, deren angebliche Unersetzlichkeit das Hauptargument der Bergbauunternehmen bildet, während das Interesse der Batteriehersteller an diesen Stoffen schon jetzt deutlich abnimmt und in Zukunft weiter abnehmen wird. Von den Fortschritten im Recycling von Batterie-Rohstoffen, die für die nächsten Jahre erwartet werden, wenn die erste große Welle derzeit installierter Batterien das Ende ihres Lebenszyklus erreicht, ganz zu schweigen.</p><a href="https://x.com/superredaktion/status/1833782511391900029"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/23dcbb7a-ea5d-4f84-9628-2e66789d1977/uploads/images/wogg6olihc/lfp.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="" data-link="https://x.com/superredaktion/status/1833782511391900029"/></a><p>Michael Lodge, der das anders sieht, sollte die Wahl zum Generalsekretär trotzdem gewinnen. Unter den Mitgliederstaaten, von denen jeder eine Stimme hat, sind zu viele, die sich viel versprechen von dieser neuen Industrie, auch wenn eine <a href="https://deep-sea-conservation.org/solutions/no-deep-sea-mining/momentum-for-a-moratorium/">wachsende Zahl</a> von Ländern – darunter auch <a href="https://www.bmuv.de/pressemitteilung/schutz-der-meere-deutschland-unterstuetzt-bis-auf-weiteres-keinen-tiefseebergbau">Deutschland</a> – ein Moratorium oder eine sogenannte “vorsorgliche Pause” für den Tiefseebergbau fordert, bis mehr Daten vorliegen, um die Konsequenzen besser zu verstehen. Lodges einzige Konkurrentin war die von ihrem Heimatland Brasilien nominierte Ozeanografin Leticia Carvalho, die eine wesentlich kritischere und vorsichtigere <a href="https://news.mongabay.com/2024/07/trust-needs-to-be-rebuilt-interview-with-candidate-to-head-u-n-seabed-mining-authority/">Haltung</a> zum Bergbau am Meeresgrund hat. Allzu große Chancen auf einen Wahlsieg, so der Tenor, hatte sie keine.</p><p>Die Generalversammlung im Hauptquartier der <em>International Seabed Authority</em> in Kingston auf Jamaica Ende Juli, während der auch die Wahl stattfinden sollte, begann - und dann veröffentlichte eine internationale Forschungsgruppe in der renommierten wissenschaftlichen Zeitschrift Nature Geoscience eine <a href="https://www.nature.com/articles/s41561-024-01480-8">Studie</a>, deren Befund so einiges auf den Kopf stellte, was man über die Entstehung des Lebens im Meer zu wissen glaubte, und zugleich den Befürwortern des Tiefseebergbaus ordentlich auf die Füße fiel.</p><h3>“Dark Oxygen”</h3><p>Tief, tief unten im Meer, wo es, wir wissen es, dunkel, still und kalt ist, hatte man immer wieder Vorkommen von Sauerstoff gemessen – und weitestgehend als Messfehler abgetan. Denn bisher galt eigentlich als gesetzt, dass Sauerstoff auf natürliche Weise nur durch Photosynthese entstehen kann, also unter Mitwirkung von Pflanzen und, vor allem, Licht, also sicher nicht in Tiefen von mehreren Tausend Metern. Die neue Studie vermutet nun auf der Basis vielfach geprüfter Daten, dass es eine Ausnahme gibt: Manganknollen nämlich. Zwischen den Metallschichten, aus denen sie bestehen, so die Theorie, entsteht eine kleine Spannung. Liegen genug Knollen eng genug beieinander, funktionieren sie wie in Reihe geschaltete natürliche Batterien, die Spannung addiert sich auf – und erreicht die Schwelle, die es braucht, um auf natürliche Weise Elektrolyse zu betreiben, also mit elektrischem Strom Wasser aufzuspalten in Wasserstoff und Sauerstoff. Sollte sich die Theorie bestätigen, sind die Implikationen weitreichend, sowohl, was die Geschichte des Lebens auf der Erde angeht, als auch für die Wichtigkeit der Manganknollen für das Funktionieren des Tiefsee-Ökosystems, als auch für den Enthusiasmus, mit dem eine internationale Behörde den Meeresgrund für den Bergbau freigibt.</p><p>Und, um auch einmal ein bisschen unsachlich zu werden: Ist das nicht ein weiteres unglaubliches Beispiel dafür, was uns da mit diesem Planeten bitte für eine Wahnsinns-Schöpfung anvertraut worden ist? Wir sollten täglich darüber staunen.</p><p>Fünf weitere Länder schlossen sich während der Versammlung der Forderung nach einem Moratorium an, und Leticia Carvalho gewann die Wahl zur Generalsekretärin der ISA gegen Michael Lodge völlig überraschend mit <a href="https://apnews.com/article/international-seabed-authority-leader-deep-sea-mining-3e86fc7a5d4f488bc5f15ecc32fa5f64">79 zu 34 Stimmen</a>.</p><p>Die Chancen, dass Manganknollen und Weingummi-Eichhörnchen weiter ungestört im letzten unberührten Lebensraum des Planeten ihren Angelegenheiten werden nachgehen können, haben sich dieser Tage entscheidend verbessert. Und damit auch die Chancen, dass den ohnehin schon unter viel zu großem Druck stehenden Meeren ein weiterer empfindlicher Schlag erspart bleibt, und den Zukunftsaussichten der Menschheit ebenfalls.</p><h2>Selber machen</h2><p>Das ist ja wohl eine thriller-würdige Geschichte, oder nicht? Was macht man damit? Weitererzählen! Viele unter denen, die hier mitlesen, sind professionelle Erzählerinnen und Erzähler, denen in großer Zahl zugehört wird. Die Leute werden es spannend finden, wir haben das getestet. Der ganze Komplex um den Tiefseebergbau ist medial unterbelichtet, und die Dark-Oxygen-Hypothese hat es nicht einmal in die Tagesschau geschafft. Je mehr Öffentlichkeit diese Zusammenhänge bekommen, egal in welcher Form, desto schwieriger wird es, in irgendwelchen Hinterzimmer-Deals doch noch die Tiefsee-Bulldozer von der Kette zu lassen.</p><p>Und es gilt auch, etwas <em>nicht</em> zu machen, nämlich: Sich einreden lassen, dass es ohne die Tiefsee-Metalle nichts wird mit dem zukunftstauglichen Umbau unserer Gesellschaft. Das ist eine Erzählung, die auf einer Momentaufnahme des Batteriemarktes von vor Jahren beruht; sie verkennt sowohl die aktuelle Situation als auch, wie so oft, die Bedeutung des Konzepts vom exponentiellem Wachstum.</p><h2>Freunde treffen</h2><p>Die Abende werden dunkler, die Wetter werden kälter - ein idealer Zeitpunkt, um mal wieder ins Kino zu gehen. <em>Micha denkt groß</em>, der preisgekrönte neue Film von Lars Jessen und Jan Georg Schütte, ist ein Klima-Film, in dem nicht einmal das Wort Klima vorkommt, ein Gesprächsangebot in Form einer Kiste Bier auf dem Tisch der Gesellschaft, und vor allem: eine in mindestens zweierlei Hinsicht staubtrockene Impro-Komödie auf dem Dorfe mit großartigen Schauspielerinnen und Schauspielern.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=mxZR_T6lKVc">https://www.youtube.com/watch?v=mxZR_T6lKVc</a><p>Der Transparenz halber sei gesagt: Natürlich ist Lars Jessen Gründer sowohl der Superredaktion als auch Mitgründer unseres Geschwisterprojekts <a href="https://planetnarratives.de/">Planet Narratives</a>, und natürlich haben beide Projekte mit ein bis drei Fingern zur Entstehung der Geschichte beigetragen. Klar finden wir den Film gut, wir finden ihn sogar richtig gut, wir finden, er ist eine tolles Praxisbeispiel für unsere Botschaft über die Kraft guter Geschichten für gesellschaftliche Veränderung. Aber: <a href="https://szene-hamburg.com/filmkritik-micha-denkt-gross/">Alleine</a> <a href="https://www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer-streaming/micha-denkt-gross-2024">sind</a> wir <a href="https://www.filmdienst.de/film/details/623035/micha-denkt-gross#filmkritik">damit</a> <a href="https://www.daserste.de/specials/ueber-uns/micha-denkt-gross-burgemeister-preis100.html#:~:text=Bernd%20Burgemeister%20Fernsehpreis%202024%3A%20%E2%80%9EMicha,als%20bester%20TV%2DFilm%20ausgezeichnet">nicht</a>.</p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Dieser Newsletter ist nur durch eure finanzielle Unterstützung möglich! Daher ein großes Dankeschön an alle, die uns unterstützen.</em></p><p><em>Wenn du noch nicht dabei bist, </em><strong><em>freuen wir uns sehr über Spenden</em></strong><em> (und können auch mit Spendenbescheinigungen dienen wenn gewünscht).</em></p><p><em>Global Eco Transition gGmbH | IBAN: DE62 4306 0967 1230 6808 00 | BIC: GENODEM1GLS | Verwendungszweck: ”Spende Superredaktion”</em></p><p><strong><em>Wichtig:</em></strong><em> Spenden kommen bei uns nur an, wenn der Verwendungszweck richtig angegeben wird.</em></p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Du willst </em><strong><em>deine Reichweite nutzen</em></strong><em>, um auf Klimathemen aufmerksam zu machen? Wir helfen dir dabei! Schreib uns gerne eine Mail an</em> <a href="mailto:info@superredaktion.de">info@superredaktion.de (Öffnet in neuem Fenster)</a> – <em>wir sind freundlich, wissen Sachen und </em><strong><em>kosten dich nichts</em></strong><em>.</em></p><p><em>Du kennst Menschen, denen dieser Newsletter auch helfen könnte? 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      <pubDate>Fri, 13 Sep 2024 07:31:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Urlaub: Richtig reisen, schön reisen, gar nicht reisen?]]></title>
      <description><![CDATA[Willkommen im Newsletter der Superredaktion – heute in der Super-Sommer-Urlaubsausgabe mit Sonne, Strand und schlechtem Gewissen.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Willkommen im Newsletter der <em>Superredaktion</em> – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete Anpackmaterialien für Menschen mit Lust auf Zukunft, heute in der Super-Sommer-Urlaubsausgabe mit Sonne, Strand und schlechtem Gewissen – direkt im Anschluss an eine Handvoll ebenso sommerlicher guter Nachrichten.</p><h2>Froher werden</h2><h3>Coolest City of the World?</h3><p>Stuttgart, Wiege der Automobilindustrie, Heimat der Porsches, Hauptquartier der Mercedesse. Weniger bekannt: Die Stadt sitzt dichtbesiedelt in einem windstillen Talkessel, in dem sich Wärme und Smog stauen und ist deshalb im Schnitt drei bis vier Grad wärmer als die Umgebung. Nicht die besten Bedingungen für eine Zukunft, in der sich immer mehr Hitzewellen besonders in Städten sehr <a href="https://www.ardalpha.de/wissen/umwelt/klima/hitze-stadt-hitzeinsel-klimawandel-sommer-nachhaltiges-bauen-extremwetter-schwammstadt-100.html">unangenehm</a> auswirken werden. Aber: Stuttgart hat einen <a href="https://reasonstobecheerful.world/stuttgart-ventilation-corridors-green-cool-air/">Stadtklimatologen</a>. Und zwar seit 1938, also bevor irgendjemand geahnt hat, was in Sachen Klima auf uns zukommt. So konnte die Stadt über Jahrzehnte zu einem Vorzeigebeispiel für das werden, was man heute <a href="https://www.umweltbundesamt.de/naturbasierte-loesungen-fuer-klimaresiliente#undefined">“naturbasierte Lösungen”</a> nennt: Gezielt angelegte baumgesäumte Korridore und Wasserläufe leiten nachts kühle Luft aus den umgebenden Hügeln in die Stadt, verringern die Luftverschmutzung und machen das Leben dort schöner und gesünder.</p><h3>Tier essen ohne Tiere essen</h3><p>Du isst gerne Fleisch? Gute <a href="https://www.nature.com/articles/s41587-024-02373-2">Nachricht</a>: Du kannst seit Mai schlachtfreies und trotzdem echtes Fleisch kaufen, für das weder Tiere leiden, noch Grundwasser vergiftet wird, noch Millionen Hektar Land in ökologische Wüsten verwandelt werden, noch tonnenweise Treibhausgase in die Atmosphäre entweichen. Mit zwei kleinen Einschränkungen: Es besteht nur zu 3% aus Fleisch, und du bekommst es lediglich bei einem einzigen Fleischer in Singapur. Als Momentaufnahme ist ein eher teures Stück Laborfleisch in einem Supermarktregal auf der anderen Seite der Welt kein großes Ding, aber es braucht nur einen weiteren Datenpunkt, um anschaulich zu machen, wohin diese Produktkategorie auf dem Weg sein könnte: Der erste Hamburger aus kultiviertem Fleisch wurde 2012 unter großem <a href="https://www.youtube.com/watch?v=slslQLZL2EI">Medienbohei</a> öffentlich gebraten und andächtig verzehrt; seine Herstellung hat 325.000 Dollar gekostet und mehrere Monate gedauert. Heute, 12 Jahre später, sind die Kosten um den Faktor 1000 geringer, und die Herstellungszeit ist auf wenige Wochen zusammengeschrumpft. Noch ein paar Jahre mehr, die richtigen Rahmenbedingungen vorausgesetzt, und Fleisch-Aficionados (und Tiere) in aller Welt können sich über eine veritable Revolution in der Fleischesserei freuen, die noch vor sehr kurzer Zeit nach Science Fiction klang.</p><h3>Europa erneuerbar</h3><p>Und weil die weltweite Energiewende einfach gerade der sicherste Garant für gute Nachrichten ist, noch eine Mitteilung aus dem Bereich Strom: Im Jahr 2023 waren dank des Rekordausbaus von Wind- und Solarkraft knapp 45% der Stromerzeugung in ganz Europa <a href="https://www.euronews.com/green/2024/06/27/renewables-surge-green-energy-made-up-the-majority-of-eus-electricity-in-2023">erneuerbar</a> - das sind über 12% mehr als im Vorjahr und damit erstmals mehr als aus fossilen Quellen, die bei 32 % landen und damit um fast 20% zurückgegangen sind. Von wegen <a href="https://www.focus.de/earth/experten/autor-jan-hegenberg-ist-deutschland-der-geisterfahrer-der-energiewende-warum-das-grosser-quatsch-ist_id_260200554.html">Geisterfahrer</a>.</p><h2>Das Thema: Urlauben mit Zukunft</h2><p>Es ist wirklich ärgerlich. Tagein tagaus müssen wir uns mit der Klimakrise herumschlagen, entweder weil wir unsere Gesellschaft umbauen müssen, weil wir nervige Debatten führen oder weil uns schon heute immer öfter die Auswirkungen der bereits stattgefundenen Erwärmung auffallen. Wie sehr hätten wir uns alle Urlaub auch von diesem ganzen Thema verdient? Einfach mal zwei Wochen lang Vokabeln wie Korallensterben, Dunkelflaute und Extremwetter vergessen und die Seele in Gleichgültigkeit baumeln lassen.</p><p>Aber nein, auch in unserem wohlverdienten Urlaub nervt die Klimakrise unentwegt rum und liegt uns in den Ohren. Wie kommen wir ans Urlaubsziel? Wie oft und wie klimafreundlich wäscht das Hotel die Bettbezüge? Musste für das Frühstücksbuffet Regenwald gerodet werden? Fragen über Fragen, die den Blick auf die im Meer untergehende Sonne trüben können. Ist der Klimakrise denn gar nichts heilig? Darf ich nicht mal mehr Urlaub machen?</p><p>Ja doch, unbedingt. Urlaub ist ja kein Synonym für „Wochenendtrip nach Hawaii“, und so gibt es eine Menge Möglichkeiten, auch ohne schlechtes Gewissen den Sonnenuntergang zu bewundern.</p><h2>Du kannst nicht nicht emittieren</h2><p>Aktuell leben wir noch in einem fossil dominierten System, sodass unsere Urlaube wie alles andere ja nun mal auch von fossilen Unvermeidlichkeiten durchzogen sind. Der Urlaub mit 0 Gramm CO2-Emissionen wird in der Praxis ähnlich schwierig wie zu Hause auf dem Balkon bleiben mit 0 Gramm CO2-Emissionen.</p><p>Gerade aus deutscher Sicht mit unseren immer noch laufenden Kohlekraftwerken kann ein Aufenthalt im Ausland sogar unsere Emissionen verringern. Ein Saunagang in Schweden (Fossilanteil im Strommix: <a href="https://energy-charts.info/charts/energy_pie/chart.htm?l=de&amp;c=SE&amp;interval=year&amp;year=2023">5%</a>) oder ein auf 19 Grad runtergekühltes Hotelzimmer in der Schweiz (Fossilanteil im Strommix: <a href="https://energy-charts.info/charts/energy_pie/chart.htm?l=de&amp;c=CH&amp;interval=year&amp;year=2023">0%</a>) verursachen weniger Emissionen, als wenn ich in meinem Supermarkt in Delmenhorst Gemüse einkaufe.</p><h2>An- und Abreise ist der größte Posten</h2><p>Problem ist nur, dass ich dazu erst mal von Delmenhorst nach Göteborg oder Luzern kommen muss und hier liegen dann am Ende auch die meisten Emissionen begraben, bzw. vielmehr schwirren sie ungleich problematischer in der Atmosphäre herum.</p><p>So entfallen laut <a href="https://www.nature.com/articles/s41558-018-0141-x?_ga=2.18565241.1703394967.1690170341-2133030499.1689826219">einer 2018 in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlichten Untersuchung</a> etwa die Hälfte unserer Urlaubsemissionen auf die An- und Abreise, erst dann kommen die kleineren Faktoren wie Konsum (12%), Verpflegung (10%), Unterbringung (6%) und sonstige. Wenig überraschend schneidet ein Reisekilometer per Flugzeug deutlich schlechter ab als einer, der mit Bus, Zug oder Fahrrad zurückgelegt wurde.</p><a href="https://x.com/superredaktion/status/1821785617702728142"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/732e145a-2693-4e62-94d7-53b10f201380/uploads/images/tvdcbpdi7n/Grafik_01.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="" data-link="https://x.com/superredaktion/status/1821785617702728142"/></a><p>Unpraktischerweise sind viele beliebte Reisedestinationen nur schwer mit dem Zug oder Fahrrad erreichbar, weil Gebirgsketten oder sperrige Ozeane im Weg sind.</p><h2>Nicht alternativlos</h2><p>Solltet ihr nun Panik bekommen beim Gedanken, den Rest eures Lebens Urlaub in der Lüneburger Heide machen zu müssen, hier drei Anmerkungen:</p><ul><li><p>Europa ist groß. Vielleicht nicht verglichen mit anderen Kontinenten, aber gemessen an unseren zeitlichen Möglichkeiten dürfte es kaum möglich sein, die 4 Millionen Quadratkilometer der EU innerhalb eines Menschenlebens angemessen mit Aufmerksamkeit zu würdigen. Mit dem Zug kommt ihr von Lissabon bis Stockholm oder sogar von Edinburgh bis Rom, weil ein paar vorausschauende Leute uns einen Tunnel zwischen Großbritannien und Frankreich spendiert haben. Zugegeben: Das dauert länger als ein Flug. Mitunter viel länger. Müsste es aber nicht, denn mit dem Hochgeschwindigkeitszug lege ich auch die <a href="https://www.chinadiscovery.com/china-trains/schedules/beijing-to-shenzhen.html">Strecke zwischen Peking und Shenzhen in nur 8 Stunden zurück</a> (mit 2.400 km eine ziemlich ähnliche Distanz wie Edinburgh-Rom). Aber nur mit dem Bullet Train, der normale Zug fährt die Strecke über Nacht in 22 Stunden. Aber hey, abends um 20 Uhr in Edinburgh einsteigen und am nächsten Tag um 18 Uhr in Rom aussteigen, das hätte auch was (ja, ich weiß auch, dass euch das bei eurer jetzigen Urlaubsplanung für 2024 so gar nichts bringt).</p></li><li><p>Nicht Fliegen muss kein lebenslanges Dogma bleiben. Die Idee ist ja vielmehr, unsere fossilen Systeme abzuschaffen und durch saubere zu ersetzen, sodass wir irgendwann auch wieder ohne schlechtes Gewissen fliegen können (wenn auch, so ehrlich muss man sein, sicherlich nicht im selben Umfang und mit derselben Beiläufigkeit wie heute). Einige wesentliche Akteure haben sich schon auf den Weg in diese Zukunft gemacht: So hat die Klimaschutzorganisation <a href="https://www.atmosfair.de/de/">atmosfair</a> <a href="https://www.tagesschau.de/wirtschaft/technologie/atmosfair-kerosin-klimawandel-co2-neutral-100.html">begonnen</a>, (geringe Mengen) klimaneutrales Kerosin zu produzieren und zu verkaufen, und der chinesische Batteriehersteller CATL <a href="https://www.rnd.de/wirtschaft/elektroflugzeug-fuer-die-mittelstrecke-chinesischer-akkuhersteller-catl-arbeitet-an-FQUKXFKQJBEIXJSU24M5L7WOAQ.html">arbeitet</a> an (kleinen) elektrisch betriebenen Flugzeugen mit Reichweiten von bis zu 3000 Kilometern, die schon 2028 marktreif werden sollen.</p></li><li><p>Die Lüneburger Heide ist eigentlich echt auch ganz schön.</p></li></ul><h2>Selber machen</h2><p>Wir können dieses Problem also von zwei Seiten lösen: Wir halten jetzt für ein paar Jahre im wahrsten Sinne des Wortes die Füße still und überlegen vor Antreten einer extrem langen Flugreise, ob unser Leben wirklich total sinnlos ist, wenn wir nicht wie schon 20 Millionen andere Menschen vor uns Urlaub auf dieser (bald nicht mehr) idyllischen Südseeinsel machen. Die ärmeren 70 Prozent der Menschheit <a href="https://www.nature.com/articles/s41560-020-0579-8.epdf">verbrauchen gerade mal sieben Prozent des Flugbenzins</a> und scheinen darüber bislang nicht den Verstand zu verlieren.</p><a href="https://x.com/superredaktion/status/1821786329731993617"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/732e145a-2693-4e62-94d7-53b10f201380/uploads/images/kmqynljxxk/Grafik_02.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="" data-link="https://x.com/superredaktion/status/1821786329731993617"/></a><p>Sollten wir aber doch nicht ums Fliegen herumkommen – sei das, weil die Südseeinsel zu sehr lockt oder weil eure Schwester in Chile heiratet – dann können wir zumindest versuchen, das Fliegen nicht als DEN für alle erstrebenswerten Wunsch in Szene zu setzen. Fürs Klima (und damit primär für uns Menschen) wäre es gut, wenn wir alle – insbesondere diejenigen unter uns, die öffentlichere Leben führen als andere – auf die nächsten 2,5 Milliarden verwackelten Selfies aus der Flugkabine verzichten würden, die dieser privilegierten Reiseform ja erst das Image scheinbarer Normalität verleihen. So als sei ein Urlaub ohne Flugzeug per se weniger wert. Andersherum liegt es an uns, die nachhaltigeren Reiseformen nicht immer nur zu dissen, selbst wenn der Deutsche-Bahn-Vorstand es wirklich verdient hat. Wenn wir mit dem Zug komfortabler als heutzutage mit dem Zug von Edinburgh nach Rom reisen können wollen, dann können wir dafür durchaus was tun. Nämlich:</p><ul><li><p>Wenn wir mit quengelnden Kindern und schweren Koffern am Bahnsteig stehen, weil unser Zug schon mehr Verspätung hat als die ganze Reise überhaupt dauern soll, dann platzieren wir unseren Ärger bei den Verantwortlichen. Das sind nicht die Leute in unserem Twitter-Feed und auch nicht das Zugpersonal, sondern die Menschen, die das Unternehmen leiten und vor allem die Menschen, die im Verkehrsministerium über Budgets entscheiden.</p></li><li><p>Beschwert euch genauso über Verspätungen oder sonstige Unannehmlichkeiten bei den weniger nachhaltigen Reiseformen. Eine Vollsperrung auf der Autobahn oder ein ausgefallener Flug machen nicht so viel mehr Spaß als eine ausgefallene Bahn-Verbindung. Der gastronomische Service bei der Bahn mag nicht allen zusagen, aber die kulinarischen Ausfälle in Autobahnraststätten oder in der Economy Class nach Mallorca hätten auch das Zeug, das ein oder andere Stand-Up-Programm zu füllen.</p></li><li><p>Erzählt weiter, was euch an eurer nachhaltigen Reise richtig gut gefallen hat und teilt eure Erinnerungen. Von der E-Auto-Ladestation, die mit schönem Spielplatz und netter Raststätte ausgestattet war, sodass der Ladevorgang schon lange vorbei war, bevor ihr weiter wolltet. Von der Schönheit des dänischen Städtchens, in das viele Menschen problemlos ganz ohne Flugzeug reisen können. Vom Blick auf österreichische Berge aus dem Fenster des Nachtzugs nach dem Aufwachen - Stichwort “Zugstolz”.</p></li></ul><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/732e145a-2693-4e62-94d7-53b10f201380/uploads/images/wlpyhbltjz/florian-marette-G065uIJdbqo-unsplash.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Ein Mann in Vintage-Kleidung steigt aus einem historischen Zug."/><p>Oder halt <a href="https://www.instagram.com/reel/C-LYDMzMmdv/">Fahrradstolz</a>. Geht auch.</p><p>Denn: Nur wenn sich genug Menschen vorstellen können, dass Reiseluxus nicht naturgegeben bedeuten muss, für wenige Tage Urlaub ganze Jahresbudgets an Planetenzerstörung in Kauf zu nehmen, sondern dass man es auch anders schön haben kann, schöner vielleicht sogar, setzen sie sich dafür ein oder wählen entsprechend. Wenn sie sich darüberhinaus nicht nur für komfortable emissionsarme Reisemöglichkeiten einsetzen, sondern auch für effektiven Klimaschutz, der alle Sektoren dekarbonisiert, dann belasten unser aller Urlaubsreisen immer immer weniger das Klima. Und dann ist es (zumindest in Bezug auf Klimaemissionen) irgendwann auch egal, wie oft das Hotel die Bettbezüge wäscht.</p><p>In diesem Sinne: Erholt euch schön!</p><h2>Freunde treffen</h2><a href="https://www.komplett-media.de/de_klimabullshitbingo_200700.html"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/732e145a-2693-4e62-94d7-53b10f201380/uploads/images/w3exnnwmiv/klima-bullshit-bingo-taschenbuch-jan-hegenberg.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Buchcover Klima-Bullshit-Bingo" data-link="https://www.komplett-media.de/de_klimabullshitbingo_200700.html"/></a><p>Wir können ein Lied davon singen: Es ist unglaublich viel hartnäckiger Quatsch unterwegs da draußen, und es ist sehr viel mehr Arbeit, Quatsch zu widerlegen, als Quatsch zu erzählen. Mit seinem neuen Buch nimmt uns Jan Hegenberg einen ordentlichen Batzen dieser Arbeit ab: Gewohnt lustig, gewohnt faktensicher, gut recherchiert und verständlich nimmt er in <a href="https://www.komplett-media.de/de_klimabullshitbingo_200700.html"><em>Klima-Bullshit-Bingo</em></a> die allgegenwärtigen Scheinargumente und Parolen gegen den Klimaschutz in der Luft auseinander, dass es eine Freude ist. Eine wunderbare Argumentationshilfe für Stammtische und Familienfeste aller Art!</p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Dieser Newsletter ist nur durch eure finanzielle Unterstützung möglich! Daher ein großes Dankeschön an alle, die uns unterstützen.</em></p><p><em>Wenn du noch nicht dabei bist, </em><strong><em>freuen wir uns sehr über Spenden</em></strong><em> (und können auch mit Spendenbescheinigungen dienen wenn gewünscht).</em></p><p><em>Global Eco Transition gGmbH | IBAN: DE62 4306 0967 1230 6808 00 | BIC: GENODEM1GLS | Verwendungszweck: ”Spende Superredaktion”</em></p><p><strong><em>Wichtig:</em></strong><em> Spenden kommen bei uns nur an, wenn der Verwendungszweck richtig angegeben wird.</em></p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Du willst </em><strong><em>deine Reichweite nutzen</em></strong><em>, um auf Klimathemen aufmerksam zu machen? Wir helfen dir dabei! Schreib uns gerne eine Mail an </em><a href="mailto:info@superredaktion.de">info@superredaktion.de</a> – <em>wir sind freundlich, wissen Sachen und </em><strong><em>kosten dich nichts</em></strong><em>.</em></p><p><em>Du kennst Menschen, denen dieser Newsletter auch helfen könnte? 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      <pubDate>Fri, 09 Aug 2024 07:26:06 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[König Fußballs großer Fuß]]></title>
      <description><![CDATA[Willkommen im Newsletter der Superredaktion – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven und positive Botschaften für Menschen mit Lust auf Zukunft.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Willkommen im Newsletter der <em>Superredaktion</em> – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete Anpackmaterialien für Menschen mit Lust auf Zukunft. Heute mit dem Dreiklang Fußall, Fußabdruck, Handabdruck.</p><h2>Froher werden</h2><ul><li><p>Dänemark wird der erste Staat der Welt mit einer CO2-Abgabe für die klimaschädlichen Teile der Landwirtschaft, sprich: Vor allem für Milchprodukte und Fleisch. (Warum das eine gute und wichtige Entwicklung ist, lies gern <a href="https://steadyhq.com/de/superredaktion/posts/b53e0352-5326-4a27-a0ad-0950e1237db1">hier</a> nach, falls du nicht schon ohnehin alle unsere Newsletter auswendig gelernt hast.) Die Regelung ist offenbar mit großer Ruhe und unter Repräsentation von Regierung, Landwirtschaft, Naturschutzorganisationen und Gewerkschaften gemeinsam ausgearbeitet worden, es gibt für alle Betroffenen große Planungssicherheit und finanzielle Unterstützung für den Umbau hin zu zukunftstauglicheren Formen des landwirtschaftens. Der SPIEGEL <a href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/fleisch-und-milch-wie-daenemark-es-schafft-eine-klimasteuer-einzufuehren-a-fb63f963-15fc-4d87-87aa-c0c1e523c31d?ct=t(2024_06_26)">konstatiert</a> nüchern: “Von Bauernprotesten im nördlichen Nachbarland wird allerdings eher nicht zu lesen sein. Denn viele Landwirte finden die Klimasteuer sogar gut.”</p></li><li><p>Das unschätzbar wichtige <a href="https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/naturschutz/europa/33254.html">Gesetz zur Wiederherstellung der Natur</a> – wir haben schon ganz froh darüber <a href="https://steadyhq.com/de/superredaktion/posts/e63b1c1e-c730-4c0d-a91f-78be060fbe28">geschrieben</a> und dann direkt im Anschluss fast schon <a href="https://steadyhq.com/de/superredaktion/posts/92039a29-3707-42bc-a6e8-3e36f66eea51">resigniert</a>, dass es nach der Blockade durch Ungarn auf unbestimmte Zeit in der Schublade verschwinden würde. Jetzt hat die Konferenz der Umweltministerinnen und -minister der EU-Mitgliedsstaaten es doch noch durchgewunken - dank eines überraschenden und mutigen <a href="https://www.sueddeutsche.de/politik/green-deal-europaeische-union-ursula-von-der-leyen-renaturierungsgesetz-oesterreich-gewessler-lux.DPyfBvAZYK8tiRtrRmPyH2?reduced=true">Alleingangs</a> von Leonore Gewessler, der österreichischen Umweltministerin, die gegen die explizite Anordnung vom Kanzler Nehammmer für das Gesetz stimmte und so den Ausschlag für die erforderliche Mehrheit gab.</p></li><li><p>Die UNO hat nachgefragt, und zwar gründlich und bei vielen: In der <a href="https://www.tagesschau.de/ausland/un-umfrage-klimawandel-100.html">größten</a> Klima-Umfrage aller Zeiten, mit über 75.000 Teilnehmenden in 77 Ländern, sagen 80% der Menschen weltweit, dass sie von Regierungen und Wirtschaft mehr Einsatz gegen die Klimakrise erwarten. Auch in <a href="https://peoplesclimate.vote/country-results">Deutschland</a> sind die Zahlen deutlich: 67% wünschen sich stärkere Klimapolitik, 82% mehr Schutz und Wiederherstellung der Natur. Dieses und alle weiteren spannende Ergebnisse der Umfrage sind auf einer eigenen <a href="https://peoplesclimate.vote/">Webseite</a> exzellent aufbereitet, durchsuch-, <a href="https://peoplesclimate.vote/data-center">filter</a>- und sehr hübsch <a href="https://peoplesclimate.vote/spread-the-word">teilbar</a>. Regierungen! Wirtschaft! Lest ihr mit? Die Mehrheit der Menschheit hat längst begriffen, dass der Schutz der Lebensgrundlagen kein Thema einzelner Parteien ist, sondern ein Menschheitsthema, dem sich alle Politik, egal welcher Prägung, noch schneller mit noch mehr Nachdruck annehmen muss. Bitte entsprechend reagieren und den Green Deal stark machen, Leonore Gewessler macht es vor. (<a href="https://www.clubofrome.org/impact-hubs/climate-emergency/european-green-deal-call/">Hier</a> zum Beispiel ein Aufruf des <a href="https://clubofrome.de/">Club of Rome</a>, dem man sich dafür anschließen kann.)</p></li></ul><a href="https://peoplesclimate.vote/spread-the-word"><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fpeoplesclimate.vote%2Fimages%2FPCV24-Bold-03.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=54067ec69f921e586cdaa29ed3bd5b53" alt="" data-link="https://peoplesclimate.vote/spread-the-word"/></a><h2>Das Thema</h2><ul><li><p><em>Eine Sport-Großverstanstaltung wie die Europameisterschaft verursacht so viele Emissionen wie eine Kleinstadt in einem Jahr, und zwar zum allergrößten Teil durch die Anreise der Fans.</em></p></li><li><p><em>Die UEFA hat die aktuelle Europameisterschaft zur “nachhaltigsten EM aller Zeiten” ausgerufen – und dafür tatsächlich einige vorbildliche und nachahmenswerte Maßnahmen umgesetzt.</em></p></li><li><p><em>Die gigantische Strahlkraft professioneller Sportlerinnen und Sportler könnte noch viel mehr dazu beitragen, die Voraussetzungen und Chancen einer zukunftstauglichen Gesellschaft mit einer Coolness zu versehen, die Millionen zum Nachahmen inspiriert.</em></p></li></ul><h3>Hast du auch von dieser Europameisterschaft gehört?</h3><p>Nein? Geht wohl um Fußball. Wir von der Superredaktion, immer dem nächsten heißen Thema auf der Spur, haben das zum Anlass genommen, um dieser Sache mit einer unserer berühmten Recherchen auf den Grund zu gehen. Bleibt dabei wenn es heißt:</p><h3>Schuhgröße Godzilla</h3><p>Was du vielleicht noch nicht über die EURO 24 weißt: Eine von der UEFA selbst beauftragte <a href="https://www.oeko.de/publikation/konzept-und-machbarkeitsstudie-klimaneutrale-uefa-euro-2024/">Studie</a> des Öko-Instituts kalkulierte 2022, dass für diese Meisterschaft mit einem CO2-Fußabdruck von 490.000 Tonnen zu rechnen sei. Zum Vergleich: Das entspricht den Jahresemissionen von etwa 50.000 Haushalten. Oder 100.000 Jahre ein Verbrennerauto fahren, für diejenigen, die die Zeit dafür haben. Das ist übrigens dank der bestehenden guten Sport-Infrastruktur in Deutschland im Vergleich zu Meisterschaften anderswo, bei denen oft noch etliche Dinge hinzugebaut werden müssen, noch vergleichsweise wenig - Bauen ist eine riesige, oft <a href="https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/energie/energieeffizienz-und-gebaeudesanierung/29050.html">unterschätzte</a> CO2-Quelle.</p><p>Das schreiben wir nicht auf, um irgendwem den Spaß am Fußball zu verderben, im Gegenteil: Es soll uns ein Ausgangspunkt sein, um über Möglichkeiten und Potentiale zu sprechen, von Fußball und von Breitensport im Allgemeinen.</p><p>Also, fast eine halbe Million Tonnen CO2. Davon entfallen 84% auf Verkehr (64% Flüge, 14% Pkw, 6% Bus und Bahn) - also auf die An- und Abreise der erwarteten 2,7 Millionen Fans in den Stadien und weiteren 12 Millionen bei den Public Viewings. Die Flüge der Mannschaften machen im Vergleich nur einen verschwindend kleinen Teil aus. Von den verbleibenden 16% entstehen mehr als zwei Drittel durch die Übernachtungen.</p><a href="https://x.com/superredaktion/status/1807781988608119065"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/ab4ee5d6-bc85-4740-bb37-1c7cd97e948d/uploads/images/463q35c7sk/emissionen.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="" data-link="https://x.com/superredaktion/status/1807781988608119065"/></a><p>Das heißt, der allergrößte Teil der Treibhausgase entsteht durch sogenannte “Scope-3-Emissionen” – das ist der Fachbegriff für Emissionen, die sozusagen flussabwärts passieren, auf die der Akteur, den man jeweils betrachtet, nur indirekt Einfluss hat und eine mit anderen Handelnden geteilte Verantwortung.</p><h3>Die nachhaltigste EM aller Zeiten?</h3><p>Einerseits nimmt also die UEFA den Mund recht voll, wenn sie sich das <a href="https://de.uefa.com/news-media/video/0288-19bd401285d9-2e502554b971-1000--vorstellung-des-euro2024-klimafond/">Ziel</a> setzt, 230.000 Tonnen der veranschlagten 490.000 einzusparen – sie kann ja im Vorfeld schlecht wissen, wie die Fans, von denen der Erfolg abhängt, auf die geplanten Maßnahmen zur Reduktion der Emissionen reagieren werden, und wie erfolgreich die UEFA dabei gewesen sein wird, bleibt abzuwarten. Andererseits: „Wir wollen Vorbild sein“, hat Turnierdirektor Philipp Lahm über die Klima-Ambitionen dieser Meisterschaft <a href="https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-995136">gesagt</a>, „wir wollen für nachfolgende Sportgroßveranstaltungen auch in anderen Ländern Standards setzen“ – und in vielerlei Hinsicht ist das durchaus passiert:</p><p>Unter anderem können Fans mit Stadiontickets durch eine enge Kooperation mit der Bahn günstig mit dem Zug anreisen, vor und nach dem jeweiligen Spiel dürfen sie 36 Stunden kostenlos mit dem ÖPNV unterwegs sein, das Parkplatzangebot um die Stadien ist reduziert worden, um die Anreise mit dem Auto weniger attraktiv zu machen, und die Spielpläne der Vorrunden wurden regional so optimiert, dass die Mannschaften und zugehörigen Fans zwischen den Spielen möglichst wenig weit reisen müssen.</p><p>Bemerkenswert auch die Tatsache, dass das Turnier “nur” die nachhaltigste EM aller Zeiten sein möchte, anstatt sich das Label “klimaneutral” anzuheften, wie es die WM in Katar getan hat, um damit dann krachend zu <a href="https://www.deutschlandfunk.de/fussball-wm-katar-nachhaltigkeit-versprechen-fifa-check-100.html">scheitern</a>: Die EM verzichtet auf den Kauf von CO2-Zertifikaten, um die (nach eigenen Angaben) nach den Einsparungen noch verbleibenden 260.000 Tonnen CO2 zu kompensieren - ein zurecht umstrittenes Vorgehen, das sich in zu vielen <a href="https://zdfheute-stories-scroll.zdf.de/greenwashing-co2-zertifikate/index.html">Fällen</a> als Greenwashing herausgestellt hat.</p><p>Stattdessen werden pro nicht vermiedene Tonne 25 Euro in einen Klimafond gesteckt – also ganze 6,5 Millionen – auf den sich deutsche Fußballvereine bewerben können, um eigene Klimaschutz-Umbauten zu finanzieren. Das ist clever und wird zweifelsfrei langfristige positive Auswirkungen haben. Auch wenn sich die UEFA mit 25 Euro für die Unterkante der Preisempfehlung aus der oben erwähnten Studie entschieden hat, und ganz zu schweigen davon, dass der tatsächliche Schaden, den eine Tonne CO2 verursacht, mit derzeit laut <a href="https://www.umweltbundesamt.de/daten/umwelt-wirtschaft/gesellschaftliche-kosten-von-umweltbelastungen#klimakosten-von-treibhausgas-emissionen">Umweltbundesamt</a> 237 Euro nochmal in einer ganz anderen Liga spielt.</p><p>Das Schöne an all diesen Maßnahmen: Sie haben nichts mit Fußball zu tun und sind weitestgehend übertragbar auf andere große Sportarten in aller Welt, für die sich große Mengen von Fans über große Strecken bewegen, denn, es mag überraschen: Auch zum Beispiel im Motorsport sind die Motoren der Motorsportlerinnen und Motorsportler nicht das größte Problem. Der Vorbildcharakter, den Philipp Lahm sich wünscht, könnte also durchaus eine Wirkung entwickeln.</p><p>Nun gibt es aber einen Bereich, in dem die UEFA, und der Fußball überhaupt, sein eigenes Potential noch nicht wirklich in Bewegung gesetzt hat und noch viel Größeres erreichen könnte:</p><h3>Das Reich von König Fußball ist das größte Land des Planeten</h3><p>Über 5 Milliarden Menschen haben die Weltmeisterschaft in Katar verfolgt - das sind quasi alle über 14 Jahren, die es gibt! Allein das Finale haben sich 1,5 Milliarden angesehen. Gut, die <a href="https://www.statista.com/chart/14329/global-interest-in-football/">Zahlen</a> stammen von der FIFA und sind deshalb vielleicht mit einer gewissen Vorsicht zu genießen, aber es bleibt die Tatsache: Es gibt weltweit wohl keine größere Bevölkerungsgruppe als die der Fußballinteressierten, und für viele dieser Menschen sind diejenigen, denen sie im Kleinen und im Großen beim Spielen zuschauen, echte Vorbilder, deren Lebensstile und öffentliche Personas gigantische Strahlkraft haben. Die zwei <a href="https://de.statista.com/statistik/daten/studie/427067/umfrage/top-10-instagram-accounts-mit-den-meisten-followern-weltweit/#:~:text=Das%20Ranking%20der%20Top%2015,Instagram%2DFollowern%20auf%20Platz%20drei.">reichweitenstärksten</a> Instagram-Accounts der Welt (mit Ausnahme des Instagram-Accounts von Instagram, klar, die müssen es ja wissen)?</p><p>Ronaldo und Messi.</p><p>Jeweils über eine halbe Milliarde Menschen.</p><p>Was könnten die mit der Influence alles influencen!</p><p>Der Weltfußball könnte die größte Normalisierungsmaschine des Planeten sein für die Voraussetzungen und Chancen eines zukunftstauglichen Lebens, einer zukunftstauglichen Gesellschaft. Diese Tatsache hat die UEFA nicht so stark in den Blick genommen, wie sie es hätte tun können. Die positive Kommunikation möglicher Zukünfte in Richtung der Fans hätte eine wunderbare flankierende Kampagne für die umgesetzten Maßnahmen hergegeben.</p><p>Deswegen sind Solarzellen auf Stadiondächern - wie die rekordbrechenden 10.000 Solarpanele von <a href="https://www.euronews.com/green/2022/10/03/green-galatasaray-turkish-football-giant-saves-almost-400000-from-its-solar-roof">Galatasary</a> – wertvoll weit über die direkt eingesparten Tonnen CO2 hinaus: Sie können den Blick der Fans auf die Zukunft und ihre Handlungsmöglichkeiten verändern.</p><a href="https://x.com/superredaktion/status/1807782155411398949"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/ab4ee5d6-bc85-4740-bb37-1c7cd97e948d/uploads/images/gkhqgwqkxy/galatasary.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="" data-link="https://x.com/superredaktion/status/1807782155411398949"/></a><p>Deswegen ist es absolut großartig, weit über die direkt eingesparten Tonnen CO2 hinaus, wenn die <a href="https://utopia.de/news/statt-mannschaftsbus-diese-em-mannschaft-ist-mit-fahrrad-und-bahn-unterwegs_698362/">polnische Nationalmannschaft</a> Bilder von ihrer Zugreise zur EM postet – und in Hannover statt im Mannschaftsbus auf Fahrrädern unterwegs ist und damit auf TikTok viral geht.</p><p>Deswegen ist der Erfolg der Forest Green Rovers, eines britischen Viertligisten, so ein wichtiges Signal: Der weltweit erste UN-zertifiziert klimaneutrale Fußballverein hat inzwischen - gerade wegen seines konsequenten Einsatzes für den Schutz unserer Lebensgrundlagen - eine <a href="https://www.br.de/nachrichten/bayern/forest-green-allgaeu-der-gruenste-fussball-fanklub-der-welt,Tn6H407">weltweite Fangemeinde</a> - und fünfmal so viele Fans im Stadion, die dort sechsmal so viel (inzwischen ausschließlich veganes) Essen konsumieren wie vor dem Beginn des Klima-Engagements des Vereins.</p><p>Die Coolness-Aufwertung von Dingen, die echte, wirkungsvolle Lösungen sind, durch Vorbilder, denen viele Menschen zuhören und zuschauen - das ist ein unglaublich mächtiger Impuls, wenn es darum geht, <a href="https://www.deutschlandfunk.de/soziale-kipppunkte-klimawandel-100.html">soziale Kippunkte</a> zu erreichen und so eine Gesellschaft auf die schiefe Ebene Richtung Zukunftstauglichkeit zu stupsen.</p><h3>Das Richtige tun ist gut verkäuflich</h3><p>Aber das Interesse am Stattfinden von Zukunft muss nicht der einzige Grund sein, die Kraft des Sports stärker für die Nachhaltigkeit zu aktivieren, Zukunft ist ja nicht für alle was. Für die, die sich stattdessen oder zusätzlich, warum auch nicht, für Geld interessieren: Eine große <a href="https://business.yougov.com/content/47060-global-sports-2022-report?redirect_from=/content/8851-global-sports-2022-report">Studie</a> des internationalen Marktforschungsinstituts YouGov, die schon in den Formulierungen keinen Moment daran zweifeln lässt, dass es ihr um nichts anderes geht als Vermarktbarkeit, konstatiert, neben vielen anderen interessanten Zahlen, Folgendes:</p><a href="https://x.com/superredaktion/status/1807782211392811259"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/ab4ee5d6-bc85-4740-bb37-1c7cd97e948d/uploads/images/s3z6kx3ktr/sportfans_sozial.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="" data-link="https://x.com/superredaktion/status/1807782211392811259"/></a><ul><li><p>67% der Sportfans weltweit interessieren sich für soziale Fragen;</p></li><li><p>65% aller Sportfans weltweit sagen, dass professionelle Sportlerinnen und Sportler eine Vorbildfunktion haben und sich entsprechend verhalten sollten;</p></li><li><p>Sportfans weltweit neigen zu einem größeren Anteil als die Gesamtbevölkerung dazu, Marken und Unternehmen zu bevorzugen, die sich sozial (49%) und ethisch (62%) positionieren;</p></li><li><p>gefragt, welche Menschen sie für die bestmöglichen Botschafter für soziale Anliegen halten, stehen in Deutschland Sportmannschaften an erster Stelle, gefolgt von prominenten Schauspielerinnen und Schauspielern, Musikerinnen und Musikern;</p></li><li><p>in Deutschland landet bei der Frage, für welche sozialen Anliegen sich die Sportligen stärker einsetzen sollten, auf Platz eins und zwei: Antirassismus und Umweltschutz.</p></li></ul><a href="https://x.com/superredaktion/status/1807782364015104136"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/ab4ee5d6-bc85-4740-bb37-1c7cd97e948d/uploads/images/47rkffyper/anliegen.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="" data-link="https://x.com/superredaktion/status/1807782364015104136"/></a><p>Wir sehen also: Da ginge wahnsinnig viel, und es gibt exzellente ethische und wirtschaftliche Argumente für den Fußball und andere große Sportarten, sich noch mehr für eine gute Zukunft ins Zeug zu legen; die <a href="https://earth.org/sports-climate-change/">Möglichkeiten</a> sind zahlreich, und wir haben viel zu gewinnen.</p><p>Die aktuelle EM mag die nachhaltigste aller Zeiten sein. Die nächste könnte die inspirierendste, am weitesten in die Gesellschaft hineinstrahlende, zukunftstaugliche Verhaltensänderungen sexy machendste aller Zeiten werden.</p><h2>Freunde treffen</h2><h3>Purpose</h3><a href="https://www.youtube.com/watch?v=7rlTpY43wyk">https://www.youtube.com/watch?v=7rlTpY43wyk</a><p><a href="https://martinoetting.com/2024/05/31/the-premiere-of-my-documentary-purpose-in-iceland/">Martin Oetting</a>, ehemaliger Werber und heutiger Betreiber des politischen Medienunternehmens Omnipolis, ist vor sechs Jahren begeistert losgelaufen, um einen Film über die internationale Bewegung der <a href="https://germany.ecogood.org/">Gemeinwohlökonomie</a> zu machen, ohne irgendetwas übers Filmemachen zu wissen. Dieses kurze Video portraitiert seinen Weg auf eine entwaffnend ehrliche, leichtfüßige und inspirierende Art und macht viel Lust auf das Resultat seiner Mühen.</p><p>Was ist Gemeinwohlökonomie? Darüber könnten – und sollten – wir wahrscheinlich einen eigenen Newsletter schreiben. Oder man sieht Martins Film, der im Juni in einer Rohfassung in Island beim Wellbeing Economy Forum Premiere hatte und bald in Deutschland zu sehen sein soll.</p><p>Der Kerngedanke, und <a href="https://www.nature.com/collections/fhbahegech#:~:text=This%20involves%20defining%20success%20and%20progress%20in%20society%20as%20the%20meeting%20of%20every%20human%E2%80%99s%20needs%E2%80%94that%20is%2C%20conceptualising%20%E2%80%98growth%E2%80%99%20in%20terms%20of%20human%20wellbeing%2C%20quality%20of%20life%2C%20and%20environmental%20sustainability">Konsens</a> unter einer wachsenden Zahl renommierter Ökonominnen und Ökonomen: Das Bruttoinlandsprodukt wird oft mit großer Selbstverständlichkeit als <em>die</em> Maßzahl für wirtschaftlichen Erfolg verwendet. Aber es misst lediglich, wieviel Geld in einer Wirtschaft ausgegeben wird, nicht jedoch wofür – und ist daher schon lang nicht mehr als zentraler Indikator geeignet, um festzustellen, wie sehr eine wirtschaftliche Aktivität den Zielen einer Gesellschaft dient. Die Gemeinwohlökonomie stellt die ganz große Frage, wie wir wirtschaftlichen Erfolg wieder so ausrichten und messen können, dass er eine Zukunft in Wohlstand für alle herstellen hilft, anstatt immensen Reichtum für wenige zu produzieren und dabei Zukunft für alle zu vernichten.</p><p>Wo und wie werden wir Martins Film sehen können? Das wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Wir hoffen, dass unser Netzwerk (du also auch!) dazu einen Beitrag leisten kann:</p><ul><li><p>Du hast eine Idee, bei welcher Veranstaltung nach Ende August der Film gut ins Programm passen könnte?</p></li><li><p>Du hast Kontakt zu einer Sendeanstalt oder einem Streaming-Dienst, den man für dieses wichtige Thema begeistern könnte?</p></li></ul><p>Melde dich gern bei bei uns, wir vermitteln: <a href="mailto:info@superredaktion.de">info@superredaktion.de</a></p><h3>We Play Green</h3><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/ab4ee5d6-bc85-4740-bb37-1c7cd97e948d/uploads/images/cthqi7xigc/Bildschirmfoto_2024-06-26_um_21.18.06.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Der bei Union Berlin und in der norwegischen Nationalmannschaft aktive Spieler Morten Thorsby hat offenbar diesen Newsletter gelesen und unsere Anregungen in die Tat umgesetzt, noch bevor wir ihn geschrieben haben: Seine Initiative <a href="https://weplaygreen.com/"><em>We Play Green</em></a> rekrutiert Fußballprofis aus der ganzen Welt und unterstützt sie dabei, ihre riesigen Fangemeinden für den Wandel zu einer enkelfähigen Gesellschaft zu begeistern und in Bewegung zu setzen. Im Grunde eine Art fußballspezifische Superredaktion also. Wir mögen das.</p><h3>Zwei vor Zwölf</h3><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fstatic.wixstatic.com%2Fmedia%2F7fcd6e_fcbce0b4820f42d58f30cba30cadd596~mv2.webp%2Fv1%2Ffill%2Fw_624%2Ch_624%2Cal_c%2Cq_85%2Cusm_0.66_1.00_0.01%2Cenc_auto%2F129%2520Kick%2520it%2520klein.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=d119effc6366b3f12eded359adabc401" alt=""/><p>Im <a href="https://www.zweivorzwoelf.info/episoden">Podcast</a> ZWEI VOR ZWÖLF diskutiert Andrea Gerhard in der Episode “Kick it - but fair” mit ihren Gästen die gesellschaftliche Rolle des Fußballs und insbesondere der Europameisterschaft – große Chancen, Fallstricke, das ganze Programm - ein spannendes Gespräch für alle, die noch breiter in die Frage der Verantwortung und Möglichkeiten des Fußballs für gesellschaftlichen Wandel einstiegen wollen.</p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Dieser Newsletter ist nur durch eure finanzielle Unterstützung möglich! Daher ein großes Dankeschön an alle, die uns unterstützen.</em></p><p><em>Wenn du noch nicht dabei bist, </em><strong><em>freuen wir uns sehr über Spenden</em></strong><em> (und können auch mit Spendenbescheinigungen dienen wenn gewünscht).</em></p><p><em>Global Eco Transition gGmbH | IBAN: DE62 4306 0967 1230 6808 00 | BIC: GENODEM1GLS | Verwendungszweck: ”Spende Superredaktion”</em></p><p><strong><em>Wichtig:</em></strong><em> Spenden kommen bei uns nur an, wenn der Verwendungszweck richtig angegeben wird.</em></p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Du willst </em><strong><em>deine Reichweite nutzen</em></strong><em>, um auf Klimathemen aufmerksam zu machen? Wir helfen dir dabei! Schreib uns gerne eine Mail an </em><a href="mailto:info@superredaktion.de">info@superredaktion.de</a> – <em>wir sind freundlich, wissen Sachen und </em><strong><em>kosten dich nichts</em></strong><em>.</em></p><p><em>Du kennst Menschen, denen dieser Newsletter auch helfen könnte? Dann teile ihn gerne!</em></p><p><em>Weiteren Kram zum Teilen findest du auf </em><a href="https://twitter.com/superredaktion">X</a><em>und </em><a href="https://www.instagram.com/superredaktion/">Instagram</a>.</p><p>Headerbild: © IMAGO / Zoonar</p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/ab4ee5d6-bc85-4740-bb37-1c7cd97e948d/teaser_image/1719861016?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Tue, 02 Jul 2024 06:06:24 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Wahlergebnis-Sonderdepesche]]></title>
      <description><![CDATA[Willkommen im Newsletter der Superredaktion - heute mit einer kurzen Sonderbotschaft zum Ausgang der EU-Wahl. Die Botschaft ist: Verzaget nicht!]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Willkommen im Newsletter der <em>Superredaktion</em> - heute mit einer kurzen Sonderbotschaft zum Ausgang der EU-Wahl.</p><p>Die Botschaft ist:</p><h2>Verzaget nicht!</h2><p>Auch wenn es erstmal schwerfällt.</p><p>Falls das als Botschaft noch nicht ganz ausreicht: </p><h2>Hier das Warum. </h2><ul><li><p>Die demokratische Mehrheit im EU-Parlament ist nach wie vor stabil, gute Klimapolitik bleibt weiter möglich. Auch wenn es in den kommenden fünf Jahren natürlich schwieriger sein wird, Mehrheiten dafür zu finden: Die Rechtsaußenparteien sind weiter deutlich in der Minderheit, und in einigen europäischen Ländern haben progressive Parteien durchaus <a href="https://www.tagesschau.de/europawahl/wahl/schweden-finnland-100.html">Gewinne</a> zu verzeichnen.</p></li><li><p>Unsere Rechtsextremen sind sogar den anderen europäischen Rechtsextremen zu rechtsextrem und <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/afd-skandale-die-peinlichste-partei-europas-kolumne-a-60da8702-1870-4c57-8ea2-3de2704732a4">skandalfreudig</a> – die Fraktion &quot;Identität und Demokratie” hat sie <a href="https://www.spiegel.de/politik/deutschland/afd-rausschmiss-aus-eu-fraktion-kostet-partei-millionen-euro-a-bed8ff70-0ed5-4d83-aa4a-417bc1eeb45b">rausgeworfen</a>, sie sind in Europa isoliert und haben allein keinerlei Gestaltungsmacht. Und das gilt nicht nur für unsere: Die Zugewinne auch der anderen rechtsextremen Parteien in Europa werden sich nicht unbedingt in mehr Macht in den nächsten fünf Jahren niederschlagen, da die meisten von ihnen keine akzeptablen Partner für die bestehenden Fraktionen des Europaparlaments sind. Die Tatsache, dass sie alle dazu neigen, sich untereinander und intern ständig zu zerstreiten, wird ihnen auch keine Hilfe sein.</p></li><li><p>Der wichtigste Punkt: Auch, wenn sie versuchen werden, es anders zu verkaufen – eine “blaue Welle” war das nicht. <strong>Die Rechtsextremen in Deutschland befinden sich im </strong><a href="https://www.businessinsider.de/politik/afd-faellt-in-umfragen-auf-niedrigsten-stand-seit-einem-jahr-und-verliert-26-millionen-waehler/"><strong>Sinkflug</strong></a><strong>, sie haben massiv an Zustimmung verloren.</strong> Den Rechtsruck kann man nicht wegreden – aber er ist weit entfernt von den Prognosen vom Jahresanfang (22 Prozent!), und das ist ein starkes Zeichen dafür, dass <strong>Protest und zivilgesellschaftliches Engagement wirken</strong>. Auch in vielen anderen europäischen Ländern blieben rechtsextreme Wahlergebnisse hinter den Prognosen <a href="https://www.dw.com/de/europawahl-im-osten-kein-rechtsruck-so-%C3%BCberraschen-polen-slowakei-und-ungarn-bei-der-eu-wahl/a-69323505">zurück</a>: Polen, Slowakei und Ungarn sind solche Beispiele, in Ungarn wohl sogar in einem Ausmaß, dass das Ende der rechtspopulistischen Orbán-Regierung in greifbare Nähe rückt. </p></li></ul><h2>Und hier der Schluss. </h2><p>Eine sehr große Mehrheit in Europa hat demokratische Parteien der Mitte gewählt, die sich zu den Klimazielen und zum Green Deal bekennen, und die die Bedeutung des Klimaschutzes für die europäische Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit und strategische Unabhängigkeit verstehen. Nach wie vor sagen mehr als <a href="https://drive.google.com/file/d/1RBV-CASRMrJPpxRzNxQWudBtPwmHnNX0/view?usp=drive_link">zwei Drittel</a> der Wählenden, dass der Klimawandel ein wichtiges Thema für ihre Wahlentscheidung war, und <a href="https://www.zdf.de/nachrichten/thema/europawahl-142.html">75%</a> der Befragten gaben an, dass die EU im Bereich Klimaschutz für sie wichtig ist. Dieser Befund ist zuletzt immer wieder bestätigt worden, und zwar auch global: </p><p>Kürzlich erst gab es eine riesige weltweite <a href="https://www.klimafakten.de/kommunikation/eine-grosse-studie-zur-ganz-grossen-frage-was-bewegt-menschen-zu-mehr-klimaschutz">Studie</a>, die herausfinden wollte, wie man am besten Klimakommunikation betreibt, wenn man die Akzeptanz für die entsprechenden Maßnahmen erhöhen möchte. Teile der Studie scheiterten daran, dass diese Akzeptanz in der Weltbevölkerung schon so stark ausgeprägt ist, dass da eigentlich gar nicht mehr so viel zu wollen ist. Schöner kann man kaum scheitern. </p><p>Ergo: </p><p><strong>Die Menschen wollen eine lebenswerte, enkeltaugliche Zukunft.</strong> </p><p>Die Rechtsextremen werden sich weiter in den Haaren liegen und Skandale verursachen. </p><p><strong>Wir als Zivilgesellschaft werden weiter klare Kante zeigen</strong>, damit Brandmauern standhaft bleiben und immer klar sichtbar bleibt, wer die Mehrheit ist und wer nicht. </p><p>Es gibt guten Grund zur Hoffnung, dass wir dann bei den Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg im September sehen, wie es weiter bergab geht mit dem Rechtsextremismus in Deutschland, und bergauf mit den Aussichten für Demokratie und Klima. </p><p>Also. Machen wir weiter. Wir werden gebraucht. </p><hr aria-hidden="true"/><p> <em>Dieser Newsletter ist nur durch eure finanzielle Unterstützung möglich! Daher ein großes Dankeschön an alle, die uns unterstützen.</em> </p><p><em>Wenn du noch nicht dabei bist, </em><strong><em>freuen wir uns sehr über Spenden</em></strong><em> (und können auch mit Spendenbescheinigungen dienen wenn gewünscht).</em> </p><p><em>Global Eco Transition gGmbH | IBAN: DE62 4306 0967 1230 6808 00 | BIC: GENODEM1GLS | Verwendungszweck: ”Spende Superredaktion”</em> </p><p><strong><em>Wichtig:</em></strong><em> Spenden kommen bei uns nur an, wenn der Verwendungszweck richtig angegeben wird.</em></p><p> </p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 11 Jun 2024 23:17:20 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Fossile Subventionen - die unsichtbaren Klimakiller (diesen Titel…]]></title>
      <description><![CDATA[Willkommen im Newsletter der Superredaktion – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete Anpackmaterialien für Menschen mit Lust…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Fossile Subventionen - die unsichtbaren Klimakiller (bitte in Gruselschrift vorstellen)</h1><p>Willkommen im Newsletter der <em>Superredaktion</em> – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete Anpackmaterialien für Menschen mit Lust auf Zukunft. Heute (wie immer) mit drei sehr guten Nachrichten und (erstmals) mit einem Blick auf die schlecht genutzten Potentiale des Zuckerbrots Subvention.</p><h2>Froher werden</h2><a href="https://x.com/superredaktion/status/1797631117169979747/photo/1"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/aadcb0fa-87b6-483f-af2c-465b97352983/uploads/images/xhrr7ctq6h/Grafik_3_-_Flachennutzung_Deutschland.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="" data-link="https://x.com/superredaktion/status/1797631117169979747/photo/1"/></a><p>Um aus dieser Grafik den Flächenbedarf für erneuerbare Energien herauszulesen, muss man schon sehr genau hingucken. <strong>Weil er so klein ist! </strong>Davon machen sich viele Leute kein Bild, deswegen haben wir den Leuten davon ein Bild gemacht. Bzw. von X-User <a href="https://x.com/cvictordus">Christian Viktor</a> gestohlen und adaptiert, der sich die Mühe gemacht hat, die <a href="https://docs.google.com/document/d/1xtJDNa8DFzOoT0BcZVZTYyHwKYzY90da23S4fRlUhcU/edit">Daten</a> zusammenzusuchen und sehr anschaulich zu visualisieren, für welche Anliegen wir derzeit wieviel Deutschland verbrauchen.</p><hr aria-hidden="true"/><p>2023 sind die Investitionen in saubere Technologien in den USA gegenüber dem Vorjahr um satte 40% auf 239 Milliarden Dollar <a href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/usa-erleben-boom-bei-gruenen-technologien-a-454b0d0e-cc95-4e4e-8e0a-c0a8cf8f4a30">gestiegen</a> - dank Präsident Bidens sogenanntem <strong>Inflation Reduction Act</strong>. Der Name klingt auf den ersten Blick gar nicht nach sauberen Technologien, nichtsdestotrotz bedeutet dieses Maßnahmenpaket großzügige finanzielle Unterstützung zum Beispiel für Unternehmen in der Speicher- und Solarbranche, oder für Privatleute, die in elektrische Autos oder Wärmepumpen investieren – und ganz offenbar wirkt’s.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Das Dickste zuletzt, wirklich und wahrhaftig ein historischer Moment: Laut dem international renommierten Finanzdaten-Dienstleister Bloomberg NEF war 2023 das Jahr, in dem die Welt den <a href="https://about.bnef.com/new-energy-outlook/"><strong>Höhepunkt</strong></a><strong> der Emissionen überschritten</strong> hat. Das bedeutet: Von jetzt an geht es bergab mit dem weltweiten CO2-Ausstoß. Und zwar selbst dann, wenn wir nichts weiter tun, als die Weltwirtschaft ohne neue Maßnahmen einfach weiter weltwirtschaften zu lassen. Allerdings dann viel zu langsam und mit Kurs in eine mit 2,6° Erwärmung viel zu heiße Zukunft mit Katastrophen und Elend für Milliarden Menschen.</p><p>Aber: Der Unterschied zwischen dem Weiter-so und einem realistischen Pfad in Richtung unter zwei Grad Erderwärmung beträgt nur noch läppische 35 Billionen Dollar an Investitionen. Das ist nicht ironisch gemeint. Die Summe ist natürlich unvorstellbar groß, aber die Welt ist es auch - und im Übrigen entspricht das dem Betrag, den diese große Welt derzeit innerhalb von nur fünf Jahren in fossile Subventionen gießt. Leisten können wir uns das also allemal, und anders als die fossilen Subventionen wäre das eine Investition, die unfassbare Renditen verspricht: Ausgezahlt in Gesundheit, in Zukunft, in Gemeinwohl, in vermiedenen Schäden in astronomischer Höhe – und sogar in echtem, hartem, kaltem <a href="https://energynewsmagazine.at/2024/05/31/rasche-einfuehrung-sauberer-technologien-verbilligt-energie/">Geld</a>.</p><h2>Das Thema</h2><ul><li><p><em>Deutschland gibt jährlich 65 Milliarden für umweltschädliche Subventionen aus, die aktiv zur Zerstörung unserer Lebensgrundlagen beitragen.</em></p></li><li><p><em>Mit diesem Geld könnten wir stattdessen mächtige Anreize setzen, die unsere Gesellschaft zukunftstauglich machen helfen.</em></p></li><li><p><em>Als Individuum haben wir darauf keinen Einfluss; als mündige Bürgerinnen und Bürger, die am 9.6. wählen gehen, hingegen schon.</em></p></li></ul><p>Reden wir über Klimaschutz und unsere Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen, springt bei vielen Menschen das schlechte Gewissen an. Weil sie Auto gefahren sind, weil sie die Tomaten aus Spanien gekauft haben oder oder oder. Unproduktiv an diesem Reflex ist, dass er uns eher lähmt als ins Handeln bringt, und das ist umso tragischer, weil <a href="https://taz.de/Oekologischer-Fussabdruck-und-Klimakrise/!5892875/">man</a> uns ohnehin überzogene Vorstellungen von der Wirksamkeit unserer Konsumentscheidungen eingeredet hat.</p><h2>Dein Fußabdruck hat eine Mindest-Schuhgröße</h2><p>Klingt jetzt nach einem Ausrede-Generator für die Hedonistenpartei Deutschlands, aber selbst mit klimatisch sehr vorbildlichem Lebenswandel ist es in Deutschland schwer, unter 4 Tonnen CO2-Emissionen im Jahr zu kommen, was leider immer noch viel zu viel ist.</p><a href="https://x.com/superredaktion/status/1797631296916930950/photo/1"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/aadcb0fa-87b6-483f-af2c-465b97352983/uploads/images/uahn3e6blq/FuihUl3XwAE7rky.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="" data-link="https://x.com/superredaktion/status/1797631296916930950/photo/1"/></a><p>Derzeit sorgen selbst die <a href="https://www.umweltbundesamt.de/service/uba-fragen/wie-hoch-sind-die-treibhausgasemissionen-pro-person">klimafreundlichsten</a> 10% der Bevölkerung Deutschlands für durchschnittlich 7 Tonnen Emissionen pro Kopf und Jahr - darunter ein kleiner Teil nicht-fliegender, radelnder, vegan lebender Überzeugter und ein großer Teil von Menschen, die einfach nicht genug Geld für Autos, Flugzeuge und ständig Steaks haben, bei denen Klimaschutz also eine Funktion von <a href="https://www.tagesschau.de/wirtschaft/energie/oxfam-klima-ungleichheit-100.html">Armut</a> ist.</p><p>Für eine Welt mit Zukunft müssen wir runter auf unter eine Tonne - erst dann passen unsere Emissionen zur Aufnahmekapazität des Planeten, und die Erde hört auf, sich weiter aufzuheizen.</p><p>Damit das gelingt, brauchen wir überzeugte Individuen, die vorangehen, ihren Lebensstil an den wirklich wirksamen Stellen ändern (Tomaten aus Spanien versus Tomaten aus Buxtehude ist aus Klimasicht zum Beispiel weitestgehend wurscht; gelegentlich für Pflanzenschnitzel versus Rindersteak entscheiden hingegen ist ein <a href="https://ourworldindata.org/grapher/food-emissions-supply-chain">Riesending</a>, egal von wo der Kram kommt) und dabei so cool aussehen und sympathisch sind, dass sie andere zum Nachmachen inspirieren.</p><p><strong>Aber das allein reicht nicht aus, es ist nicht einmal der größte Teil des Problems - und auf den haben individuelle Kaufentscheidungen bestenfalls einen indirekten Einfluss. Denn wir müssen parallel das fossile System abschaffen.</strong> Aber wie schaffen wir ein so stark mit der ganzen Gesellschaft verwobenes System ab? Wie ersetzen wir Kohlekraft durch Erneuerbare, Diesel durch E-Autos und Ölheizung durch Wärmepumpen für ein ganzes Land, wie krempeln wir die Landwirtschaft um, damit sie nicht weiter den Planeten auffrisst, während sie uns ernährt?</p><p><strong>Jedenfalls nicht, indem fossile Brennstoffe und Maschinen künstlich günstig gehalten werden.</strong></p><h2>Unehrliche Preisschilder</h2><p>So <a href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/diesel-pendlerpauschale-dienstwagen-klimaschaedliche-subventionen-kosten-den-bund-23-5-milliarden-euro-a-b36927e9-1862-4ad7-8782-6144c0ff2656">verzichtet</a> Deutschland zum Beispiel auf Steuereinnahmen von 8,5 Milliarden Euro, die wir gut in ordentliche klimapolitische Maßnahmen investieren könnten, nur damit Dieselkraftstoff nicht mit 76 Cent, sondern mit 47 Cent pro Liter besteuert wird. </p><p>Auf 100 Kilometer bedeutet das für deutsche Diesel-PKW etwa 2 Euro weniger Kosten. Natürlich wirkt sich das darauf aus, ab wann das Batterieauto den direkten <a href="https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/auto-kaufen-verkaufen/autokosten/elektroauto-kostenvergleich/">Preisvergleich</a> mit dem Verbrenner für sich entscheidet. Und wir wollen doch eigentlich weniger fossile Autokilometer und mehr elektrische?</p><p>Rechnen wir jetzt noch ein, wie viele Klimafolgeschäden durch das Verbrennen allein des <a href="https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/Zahl-der-Woche/2017/PD17_32_p002.html">Diesel-Kraftstoffs</a> entstehen (<a href="https://www.umweltbundesamt.de/daten/umwelt-wirtschaft/gesellschaftliche-kosten-von-umweltbelastungen#klimakosten-von-treibhausgas-emissionen">27,2 Milliarden Euro</a>), rückt der Steuernachlass in ein noch absurderes Licht. Und zudem noch in ein recht trübes, denn sowohl die Steuervergünstigung als auch diese Kosten sind für uns an der Zapfsäule vollkommen unsichtbar.</p><a href="https://x.com/superredaktion/status/1797630707147370532/photo/1"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/aadcb0fa-87b6-483f-af2c-465b97352983/uploads/images/kwn5mxm3on/Grafik_4_-_Diesel.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="" data-link="https://x.com/superredaktion/status/1797630707147370532/photo/1"/></a><h2>Steuern sollen steuern</h2><p>Grundsätzlich soll von der Energiesteuer, wie von allen Steuern, eine bewusste Lenkungsfunktion ausgehen. In diesem Falle handelt es sich um eine Anregung zum Energiesparen: Je mehr Energie etwas verbraucht, desto höher die Steuer.</p><p>Dass ich an der Tankstelle für einen Liter Benzin aktuell mehr bezahle, obwohl er <a href="https://background.tagesspiegel.de/mobilitaet/pro-das-dieselprivileg-abschaffen">weniger</a> CO2 verursacht als ein Liter Diesel, widerspricht diesem Konzept und ist daher nicht sonderlich intuitiv.</p><p>Und das ist noch eine recht gut bekannte Subvention. Die Liste der Entlastungen im Energiesektor ist so lang und unübersichtlich, dass sie ungleich besser versteckt sind. Produkte aus Chemiegrundstoffen (typischerweise Kunstfasern, Nylon, Papier, Farben, Lacke, Holzschutzmittel – also richtig viel Zeug) sind durch die „Energiesteuerbefreiung für die nichtenergetische Verwendung fossiler Energieträger“ <a href="https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/384/bilder/dateien/2_tab_umweltschaedl-subventionen_2021-12-03.pdf">entlastet</a>, „stromintensive Unternehmen“ bekommen Zuschüsse und zahlen zudem weniger Netzentgelte, sodass alle Produkte dieser Unternehmen billiger im Regal stehen.</p><p><strong>Insgesamt fließen in Deutschland über alle Sektoren hinweg </strong><a href="https://www.umweltbundesamt.de/daten/umwelt-wirtschaft/umweltschaedliche-subventionen-in-deutschland"><strong>umweltschädliche</strong></a><strong> Subventionen</strong> (müssten die nicht eigentlich weltschädliche Subventionen heißen?) <strong>im Wert von über 65 Milliarden Euro jährlich.</strong></p><p>Jede einzelne dieser Subventionen hat eine Geschichte, und jede einzelne mag zu einem früheren Zeitpunkt mal sinnvoll gewesen sein. Die Vergünstigung für Diesel zum Beispiel stammt aus den 1990ern und sollte vor allem den Gütertransport unterstützen, der zu einem großen Teil mit Dieselfahrzeugen stattfindet. Heute sind Diesel-PKWs viel weiter verbreitet - auch und gerade dort, wo teure, dicke Autos für viel Geld gefahren werden. Und es werden diejenigen am meisten durch die Vergünstigung belohnt, die mit diesen Autos die meisten Kilometer fahren, also Klima und <a href="https://www.mdr.de/wissen/news/Lebensgefahr-Luftverschmutzung-zweihundertfuenfzigtausend-Tote-allein-in-der-EU-100.html">Atemluft</a> den meisten Schaden zufügen.</p><h2>Was wir fördern vs. was wir wollen</h2><p>Es lohnt sich eine Rückbesinnung darauf, wofür Subventionen eigentlich existieren: <strong>Sie sollen dem Staat dabei helfen, die gewaltige Schaffenskraft der wirtschaftlichen Aktivität in einem Land auf die Ziele zu richten, die eine Gesellschaft erreichen will.</strong> Und über ein paar unserer Ziele besteht eigentlich ein ziemlich klarer Konsens: Wir wollen alle eine Zukunft, in der wir und unsere Nachkommen ein gutes Leben in Gesundheit und Wohlstand führen können. Wenn die Politik also Preise künstlich drückt und andere Maßnahmen trifft, die es uns leichter machen, bestimmte Lebensstil-, Investitions- und Unternehmensentscheidungen zu treffen, dann sollten das nach Möglichkeit diejenigen Entscheidungen sein, die uns diesem Ziel näher bringen und nicht das Gegenteil.</p><p>Denn so stehen wir mit all unserem guten Willen für den Planeten im Baumarkt und entscheiden uns ahnungslos für den günstigen Kerzenständer aus Aluminium, der nur scheinbar günstig ist, weil ein Teil der Kosten über Vergünstigungen auf die Allgemeinheit umgelegt wurde.</p><a href="https://x.com/superredaktion/status/1797630633201864995/photo/1"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/aadcb0fa-87b6-483f-af2c-465b97352983/uploads/images/xsokusvsb6/Grafik2__Lenkungswirkung_die.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="" data-link="https://x.com/superredaktion/status/1797630633201864995/photo/1"/></a><p>Fossile Subventionen sind also so etwas wie das Gegenteil von Nachhaltigkeitslabeln auf Produkten. Während mich die gut sichtbare Info über die Energieeffizienzklasse A des Toasters oder der Umstand, dass ich ein pflanzliches Schnitzel in der Hand halte, dazu motivieren, es aus Klimasicht eher zu kaufen, motiviert mich die unsichtbare fossile Subvention, ein besonders schädliches Produkt zu bevorzugen, und, wichtiger:</p><p><strong>Sie ermuntert Unternehmerinnen und Unternehmer, das Riesenschiff der deutschen Wirtschaft, an dem so viel mehr Zukunft dranhängt als an einzelnen Kaufentscheidungen, weiter auf Kurs in die falsche Richtung zu halten –</strong> wenn sie stattdessen dazu ermuntern könnten, unseren Beitrag zu den oben erwähnten läppischen 35 Billionen Dollar Investitionen in saubere Technologien zu leisten, die wir dringend brauchen.</p><p>Das Treffen guter Entscheidungen im gesellschaftlichen Sinne wird so bewusst erschwert, ärgerlich. Und zu ändern ist das für uns als Einzelmenschen nicht, doof.</p><p><strong>Als Bürgerinnen und Bürger einer Demokratie aber schon!</strong></p><h2>Überraschung: Ein Wahlappell</h2><p>Wer fortan nicht mit einer extrem komplizierten Excel-Tabelle einkaufen gehen möchte, kann nämlich Abhilfe schaffen, indem er oder sie <strong>wählen geht.</strong></p><p>In den USA (siehe oben) sehen wir gerade sehr eindrucksvoll, wie eine entschlossene Politik die gigantischen Transformationskräfte der Wirtschaft entfalten helfen kann.</p><p>Bei uns hingegen ist die Europäische Union in Sachen große Klimapolitik der Ort, wo die Musik spielt: Auf der Welle eines klimafreundlichen Wahlergebnisses 2019 reitend, ist es dem aktuellen EU-Parlament gelungen, mit dem <a href="https://www.destatis.de/Europa/DE/Thema/GreenDeal/_inhalt.html">Green Deal</a> Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Kurs Europas Richtung Zukunft um mehr als ein Grad Erhitzung nach unten <a href="https://climateactiontracker.org/blog/eus-green-deal-improved-its-climate-performance-a-15c-pathway-is-close/">korrigiert</a> haben - der Abbau klimaschädlicher Subventionen ist Teil dieses Pakets. (Natürlich sind über zwei Grad immer noch deutlich zu viel, aber weiß Gott viel besser als über drei). Dahinter dürfen wir keinesfalls zurückfallen, im Gegenteil: Es gilt, das entstandene Momentum zu nutzen und zu verstärken.</p><a href="https://x.com/superredaktion/status/1797632680496087048/photo/1"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/aadcb0fa-87b6-483f-af2c-465b97352983/uploads/images/jtg4qcolf2/Grafik_1_-_Waehlen_wirkt_16_zu_9_korr.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="" data-link="https://x.com/superredaktion/status/1797632680496087048/photo/1"/></a><p>Und, so ein Zufall, bei uns hörst du es zuerst:</p><h2><strong>Am Sonntag, den 9. Juni wählen wir das nächste EU-Parlament!</strong></h2><p>Mitmachen und eine Partei wählen, die sich ambitioniert hinter den Green Deal stellt (und andere zum Wählen <a href="https://www.instagram.com/europa.ichliebs?igsh=MXY0emh5dmh5OXR0eQ%3D%3D">motivieren</a>!) ist daher <strong>das Wichtigste, was du dieses Jahr für den Planeten (und, in einem super-effizienten Doppelschlag, für die Demokratie!) tun kannst</strong>.</p><p>Welche Parteien das sind, kannst du dir zum Beispiel beim <a href="https://www.wahl-o-mat.de/europawahl2024/app/main_app.html">Wahl-O-Mat</a> der Bundeszentrale für politische Bildung anschauen, oder mit noch stärkerem Fokus auf wissenschaftlich sattelfeste Klimapolitik beim <a href="https://science-o-mat.de/app/">Science-O-Mat</a> von den Scientists for Future.</p><p>Und selbst wenn du dir danach ein paar spanische Tomaten und ein Steak reindrückst, während du mit 230 Sachen über die Autobahn dieselst: Nicht einmal das kann deinem diesjährigen Gesamt-Klimaverdienst groß etwas anhaben.</p><p>Noch sechs Tage bis zu einem der größten demokratischen Ereignisse des Planeten.</p><p><strong>Wer willst du gewesen sein?</strong></p><h2>Freunde treffen</h2><a href="https://www.droemer-knaur.de/buch/prof-dr-maren-urner-radikal-emotional-9783426447765"><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fmaren-urner.com%2Ftemplates%2Fyootheme%2Fcache%2F6b%2Fradikal-emotional-spiegel-bestseller-maren-urner-6b88b411.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=747d770cde6e8c7e2bf8d261cf74ae84" alt="" data-link="https://www.droemer-knaur.de/buch/prof-dr-maren-urner-radikal-emotional-9783426447765"/></a><p>Eine gute Debatte besteht aus einem rein sachlichen Austausch von Argumenten, und das beste, in sich schlüssigste, belastbarste, vernünftigste Argument gewinnt? Das ist es, was wir immer noch voneinander erwarten: dass wir Vernunftswesen sind. Dabei hat vor über zehn Jahren schon der großartige Daniel Kahnemann, Wirtschaftspsychologe und Nobelpreisträger, die weit verbreitete Idee, dass Menschen mehrheitlich vernunftgeleitete und entsprechend vorhersagbare Entscheidungen treffen, spektakulär über den <a href="https://www.penguin.de/Buch/Schnelles-Denken-langsames-Denken/Daniel-Kahneman/Siedler/e250330.rhd">Haufen</a> geworfen.</p><p>Und wir sehen ja selbst jeden Tag, wie die zweifellos richtigen, 1000fach geprüften, von Klimawissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern mit zunehmender Fassungslosigkeit 100000fach täglich in die Welt gerufenen Wahrheiten allein einfach nicht die Überzeugungskraft entfalten, die sie eigentlich selbstverständlich entfalten müssten – weil sie ja stimmen, natürlich stimmen sie, das muss doch reichen! – um als Gesellschaft ins Handeln zu kommen.</p><p>Die Neurowissenschaftlerin Maren Urner, mit der wir in verschiedenen Formaten zusammenarbeiten und deren Arbeit maßgeblich den Kommunikationsstil der <em>Superredaktion</em> mitgeprägt hat, hat ein neues <a href="https://www.droemer-knaur.de/buch/prof-dr-maren-urner-radikal-emotional-9783426447765">Buch</a> geschrieben, in dem sie uns erklärt, dass und warum das nicht der Fall ist – und wie wir durch die gegenseitige Anerkennung der emotionalen, nicht rationalen Aspekte unserer Überzeugungen und Ängste zu einem produktiveren Debattenstil und zu einer wirksameren Politik zurückfinden können.</p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Dieser Newsletter ist nur durch eure finanzielle Unterstützung möglich! Daher ein großes Dankeschön an alle, die uns unterstützen.</em></p><p><em>Wenn du noch nicht dabei bist, </em><strong><em>freuen wir uns sehr über Spenden</em></strong><em> (und können auch mit Spendenbescheinigungen dienen wenn gewünscht).</em></p><p><em>Global Eco Transition gGmbH | IBAN: DE62 4306 0967 1230 6808 00 | BIC: GENODEM1GLS | Verwendungszweck: ”Spende Superredaktion”</em></p><p><strong><em>Wichtig:</em></strong><em> Spenden kommen bei uns nur an, wenn der Verwendungszweck richtig angegeben wird.</em></p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Du willst </em><strong><em>deine Reichweite nutzen</em></strong><em>, um auf Klimathemen aufmerksam zu machen? Wir helfen dir dabei! Schreib uns gerne eine Mail an </em><a href="mailto:info@superredaktion.de">info@superredaktion.de</a> – <em>wir sind freundlich, wissen Sachen und </em><strong><em>kosten dich nichts</em></strong><em>.</em></p><p><em>Du kennst Menschen, denen dieser Newsletter auch helfen könnte? Dann teile ihn gerne!</em></p><p><em>Weiteren Kram zum Teilen findest du auf </em><a href="https://twitter.com/superredaktion">X</a> <em>und </em><a href="https://www.instagram.com/superredaktion/">Instagram</a>.</p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Mon, 03 Jun 2024 19:20:19 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Wer die Wahl hat, hat die Wahl]]></title>
      <description><![CDATA[Am 9. Juni ist EU-Wahl. Da müssen alle hin. Warum? Und wie kriegen wir das hin? Nachzulesen in diesem Rundbrief.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h2>Froher werden</h2><p>Die sieben bedeutendsten Industriestationen der westlichen Welt <a href="https://www.zeit.de/politik/2024-04/g7-kohleausstieg-bis-2035-ministertreffen-turin">ziehen den Ausstieg aus der Kohle</a> vor - auf 2035. In Deutschland war das bisher gesetzlich für 2038 vorgesehen, laut Koalitionsvertrag “idealerweise” angestrebt aber schon für 2030. <a href="https://www.wirtschaft.nrw/themen/energie/kohleausstieg-2030">Nordrheinwestfalen</a>, Kohlerevier par excellence, macht vor, dass auch das möglich ist. Aber freuen können wir uns über die neue Zahl trotzdem: Dass Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und die USA gemeinsam noch vor 2040 mit der Kohle nichts mehr am Hut haben wollen, ist ein starkes Signal für die ganze Welt.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Veganer Gemüsebratling mit Grünkern? Brrrrr. Crunchy Feelgood-Sommergemüse-Patty? Mhmmmm! Ha! Reingefallen! <em>Beides ist dasselbe Gericht!</em> Das, liebe Leute, ist <em>nudging,</em> eine vielversprechende Methode, Menschen systematisch dazu zu bewegen, stärker pflanzenbasiert/zukunftstauglich und weniger gesundheitsschädlich zu essen, ohne dass sie es so richtig merken. Wie gut das funktioniert, wenn man sich zum Beispiel einfach schönere Namen für tierfreie Gerichte ausdenkt, kann man <a href="https://www.bloomberg.com/news/articles/2024-04-30/companies-and-schools-are-using-nudge-theory-to-cut-meat-consumption?cmpid=BBD043024_GREENDAILY">hier</a> nachlesen. Eine weitere Form des Nudging:</p><p><em>Capuccino 4,90 </em><br/><em>(auf Wunsch auch mit Kuhmilch)</em></p><p>Wer’s selber ausprobieren will: Einfach mal in euren Kreisen ganz selbstverständlich und freundlich so tun, als wäre die Alternative normal und das Normale die Abweichung. “Normal” ist ja schließlich selbstgemacht, und ein neues Normal selbermachen ist eine unserer wichtigsten Hausaufgaben für die nächsten Jahre.</p><hr aria-hidden="true"/><p>In einem überraschend weitreichenden Urteil hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte einer Gruppe von Schweizer Seniorinnen <a href="https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/egmr-urteile-klimaklagen-klimaseniorinnen-portugiesische-jugendliche-duarte-agostinho-careme-staaten-klimaschutz/">Recht</a> gegeben, die ihrer Regierung vorwarfen, zu wenig für ihren Schutz vor den Folgen der Erderhitzung zu tun. Und zwar nicht stellvertretend für irgendwelche Schweizer Seniorinnen der Zukunft, und das ist das Neue – sondern für genau diese und genau heute. Die juristische Anerkennung, dass die Klimakrise nichts ist, das in einer fernen Zukunft stattfindet, sondern schon heute, und dass Regierungen ihre Schutzpflicht verletzen, wenn sie nicht genug dagegen unternehmen – das ist ein entscheidender Durchbruch und wichtiger <a href="https://steadyhq.com/de/treibhauspost/posts/7ef5758d-2105-4e4d-a58a-497ca306d657">Türöffner</a> für <a href="https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/klimaklagen-un-vereinte-nationen-unep-klimawandel-klimaschutz-umweltschutz-litigation-prozessfuehrung-strategisch-strategic/">zukünftige Klagen</a>. So sieht es in der Praxis aus, wenn das <a href="https://www.humanrights.ch/de/ipf/grundlagen/rechtsquellen-instrumente/uno/entstehung/recht-umwelt-menschenrecht">Recht auf eine sichere, saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt</a> ein Menschenrecht ist.</p><p>Und nun:</p><h2><strong>Das Thema</strong></h2><p>Sind wir ehrlich: Die Superredaktion ist alles andere als ein dicker Fisch. Die Superredaktion hat weder Reichweite noch große Sichtbarkeit; sie ist eine einzelne angestellte Kraft, nichtmal in Vollzeit, und rundherum ein loses Netzwerk aus freien Mitarbeitenden, Beraterinnen und Beratern, verknüpften Projekten sowie vielen Freundinnen und Freunden der guten Sache.</p><p>Aber my oh my, hat es dieses Netzwerk in sich.</p><p>Die Superredaktion funktioniert als Schnittstelle, an der große Expertise, gute Geschichten und Menschen mit Reichweite aneinander Funken schlagen – und hat es deshalb geschafft, gemeinsam mit anderen Menschen Dinge in Bewegung zu setzen, die weit über die zwei drei popeligen Gestalten an Laptops im Homeoffice hinausweisen, aus denen sie auf den ersten Blick besteht.</p><p>Dieses Netzwerk - das seid ihr! Das bist du.</p><p><strong>Und in den nächsten Wochen gilt es, dieses Netzwerk in seiner Gänze in Bewegung zu setzen</strong>, die Laseraugen auf genau ein Ziel gerichtet:</p><h2><strong>Am 9. Juni ist Europawahl.</strong></h2><p>Wisst ihr noch, was das für ein Gefühl war, als <a href="https://www.volksverpetzer.de/aktuelles/demo-auf-strasse-uebersicht-1003/">Millionen</a> Menschen auf den Straßen waren, um für die Demokratie einzustehen? Wie motivierend und erhebend das war, zu sehen, wie viele sich aufgemacht haben? Hier ist der nächste Schritt: Mit demselben Gefühl sollten wir am 9. Juni zur Wahl gehen, über die Wahl sprechen, uns gegenseitig zum Wählen motivieren. Denn: Wählen ist wie demonstrieren, nur krasser.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1787785885783605741"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a14f939b-6212-471e-a1e5-ac58a8c15599/uploads/images/pxdmmuiwlv/weitersagen_bunny.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Politisch engagierte Hasen, warum nicht." data-link="https://twitter.com/superredaktion/status/1787785885783605741"/></a><p><em>Politisch engagierte Hasen - niedlich und on message! (Auch weniger merkwürdige Wahl-Teilbilder findet ihr auf unseren </em><a href="https://twitter.com/superredaktion">X</a><em>- und </em><a href="https://www.instagram.com/superredaktion/">Insta</a><em>-Accounts (aber die gibt es halt auch überall sonst))</em></p><h3>Warum ist das wichtig?</h3><p>Für viele bleibt die Europäische Union ein abstraktes Die-da-oben, von dem man nicht so recht weiß, warum es überhaupt da ist. Gelegentlich hört man von irgendwelchen abstrusen EU-Normen, und dann ist es leicht und auch irgendwie schön, sich darüber lustig zu machen, wie sie die notwendige Krümmung von Bananen oder die Länge von Gurken regulieren, und dann war es das auch.</p><p>Jetzt im Ernst: Es gibt sicher viel zu kritisieren. Aber: Die EU ist das einzige Organ, mit dem wir grenzübergreifend die wichtigsten Fragen unserer Zeit angehen können. Ohne die EU gäbe es keine offenen Grenzen, keine europaweiten Lebensmittelstandards, kein Roaming, keinen Verbraucherschutz bei Produkten aus dem EU-Ausland. Kein unkompliziertes Leben und Arbeiten in anderen Ländern, keine europäische Menschenrechtscharta (dazu <a href="https://www.youtube.com/watch?v=ptfmAY6M6aA">hier</a> ein wunderbarer Sketch des Guardian) und keinen europäischen Gerichtshof, vor dem wir diese Rechte einklagen könnten. Keine <a href="https://www.dw.com/de/wie-die-eu-ihre-schw%C3%A4chsten-regionen-f%C3%B6rdert/a-48354537">zusätzlichen Gelder</a> für strukturschwache Regionen in Deutschland. Kein kürzlich verabschiedetes <a href="https://www.tagesschau.de/ausland/europa/eu-recht-auf-reparatur-102.html">Recht auf Reparatur</a>, kein <a href="https://www.tagesschau.de/ausland/europa/lieferkettengesetz-beschlossen-100.html">Lieferkettengesetz</a>, das Menschenrechten und Umweltstandards entlang der gesamten Wertschöpfungskette mehr Aufmerksamkeit und Geltung <a href="https://www.mission-wertvoll.org/debattenkompass-zum-eu-lieferkettengesetz/">verschafft</a>.</p><p>Und keinen europäischen <a href="https://sven-giegold.de/herzstueck-green-deal/">Green Deal</a>, der dafür sorgen soll, dass Europa 2050 der erste klimaneutrale Kontinent der Welt wird.</p><p>Dass nichts davon selbstverständlich ist, sehen wir daran, wie zuletzt das <a href="https://steadyhq.com/de/superredaktion/posts/92039a29-3707-42bc-a6e8-3e36f66eea51">Gesetz zur Wiederherstellung der Natur</a>, das ein echter Meilenstein auf unserem Weg in eine lebenswerte Zukunft hätte werden können und werden müssen, an den <a href="https://www.theguardian.com/world/2024/mar/25/eu-nature-restoration-laws-in-balance-as-member-states-withdraw-support">Manövern</a> eines populistisch regierten Landes gescheitert ist. Und nur scheitern konnte, weil die Mehrheit so peinlich knapp war, dass eine einzelne Stimme reichte, um sie zu zerschießen.</p><h3>Was ist das Problem?</h3><p>Und jetzt stell dir vor, es sind Europawahlen und nur Rechtsextremisten gehen hin. So ähnlich könnte es im Juni aussehen. Aktuelle <a href="https://www.fr.de/politik/wahl-europaparlament-aktuelle-wahltrends-deutschland-eu-europawahl-umfrage-92831524.html">Wahlumfragen</a> sprechen eine deutliche Sprache, der zu erwartende Rechtsruck ist real. Auch wenn einige unserer fähigsten Populisten zuletzt derart unbeholfen durch den Skandalsumpf stolpern, dass selbst hartgesottene Fans ins <a href="https://dawum.de/Europawahl/">Nachdenken</a> kommen dürften.</p><p>Die ganz großen, kontinentweiten Schritte, das neue Denken und die systemverändernden Maßnahmen, die wir brauchen, um auf eine gute Zukunft zuzusteuern, und für die es Mut und Entschlossenheit in der Umsetzung braucht – wenn sie schon jetzt so oft auf Messers Schneide stehen wie bis vor kurzem das Lieferkettengesetz und immer noch das Naturwiederherstellungsgesetz, wie schwierig wird es dann erst werden, wenn populistische Kräfte noch mehr Einfluss gewinnen?</p><p>Klimaschutz, Artenschutz, Menschenschutz - für eine wirkungsvolle, faktenbasierte Politik, die diese Themen beherzt ins Auge fasst, darf die Europäische Union nicht von denjenigen unterwandert werden, für die Demokratie nur Verhandlungsmasse, Mittel zum Zweck oder gar Klotz am Bein ist.</p><p><strong>Demokratie ist weder naturgegeben noch selbstverständlich.</strong></p><p><strong>Sie wurde von denen, </strong><a href="https://www.youtube.com/watch?v=LoiAADEcIxg"><strong>die vor uns kamen</strong></a><strong>, hart erkämpft und ist heute bedroht wie lange nicht mehr.</strong></p><p><strong>Wir können sie schützen:</strong></p><p><strong>Indem wir alles tun, um so viele Menschen wie möglich an die Urnen zu bekommen.</strong></p><h3>Was könnt ihr tun?</h3><p>Nutzt eure Kanäle! Viele Menschen hören euch zu, für viele seid ihr Vorbilder. Das ist ein Privileg, mit dem ihr einen Unterschied machen könnt – <strong>auch und gerade dann, wenn ihr euch sonst nicht so zu politischen Themen äußert</strong>. Niemand weiß besser als ihr, wie und womit ihr euer Publikum am besten erreicht.</p><p>Ein großer Vorteil: Es geht nicht darum, irgendwen davon zu überzeugen, eine bestimmte Partei zu wählen. Es geht darum, die Leute zu motivieren, das Kreuzchen zu machen bei der Partei ihres Vertrauens, Hauptsache, sie machen ein Kreuzchen – denn von den Zuhausebleibenden, so wissen wir aus umfangreichen Erhebungen, sind weite Teile durchaus an einem Erhalt unserer Demokratie interessiert.</p><h3>Wie können wir euch dabei helfen?</h3><p>Wir möchten euch ermutigen, in euren <strong>eigenen Formaten</strong> auf die Relevanz der Wahl aufmerksam zu machen: Ob in einer Instagram Story, auf TikTok, einem Erklärvideo, im Podcast oder in Interviews. Um euch das möglichst einfach zu machen, haben wir: <em>CONTENT!</em></p><p>Sucht euch aus unserem für verschiedene Zielgruppen maßgeschneiderten, ganz bescheiden gesagt ZIEMLICH SEHR GUT GEWORDENEN Kram etwas zum Teilen aus. Bedient euch und macht damit, was immer ihr möchtet - <a href="https://www.instagram.com/europa.ichliebs/?igsh=MnRyaXBpdW5qaWhm">hier</a> zum Durchschauen und direkt teilen von einem speziell für diesen Zweck angelegten Insta-Account, <a href="https://get-admin-cloud.de/s/3CpimyAJ4wrwYyM?path=%2F01_%40europa_lieben.wir%20Content">hier</a> zum Downloaden und beliebig weiterverarbeiten in unserer Cloud.</p><p>(Wer dort nichts Passendes findet und es lieber seriöser und offizieller hat: Die emotionale <a href="https://elections.europa.eu/video/de/">Geht-wählen-Kampagne des EU-Parlaments</a> ist sehr gut gemacht und bietet ebenfalls Material zum Teilen und Download; auch der oben schon verlinkte <a href="https://www.youtube.com/watch?v=ptfmAY6M6aA">Sketch</a> des Guardian mit Patrick Stewart bringt vieles mit Treffsicherheit und Witz auf den Punkt und ist teilenswert.)</p><p>Stattdessen oder darüber hinaus ist es natürlich auch super und umso wirkungsvoller, wenn ihr <strong>eigene Inhalte zur Wahl</strong> speziell für euer Publikum produziert. Um euch das <em>auch</em> möglichst einfach zu machen, haben wir: <em>FACTS!</em></p><p>Und zwar zusammengefasst in einem übersichtlichen, gut zum Weiterreichen geeigneten Konvolut <a href="https://get-admin-cloud.de/s/8rWEwCCf6E9sNKL">hier</a>.</p><p>Wenn ihr Unterstützung bei der Umsetzung eines speziellen Formats oder noch mehr Infos braucht, kontaktiert gerne <a href="mailto:cwd@superredaktion.de">Céline Weimar-Dittmar</a>, die für das Content-Management in unserem EU-Projekt zuständig ist – wir helfen, wo immer wir können, wir finden Demokratie sehr gut.</p><p>So. Noch 33 Tage bis zur Wahl.</p><p>Los geht’s.</p><h2>Freunde treffen</h2><a href="https://www.ullstein.de/werke/was-ihr-wollt/hardcover/9783550201660"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a14f939b-6212-471e-a1e5-ac58a8c15599/uploads/images/g6bopp3grw/da4789378a1fe7e9e524424712570777fa37e2.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Coverfoto des Buches &quot;Was ihr wollt&quot;" data-link="https://www.ullstein.de/werke/was-ihr-wollt/hardcover/9783550201660"/></a><p>Faul/effizient zitieren wir hier aus dem Klappentext, weil damit das Wesentliche sehr schön gesagt ist:</p><p><em>Der Mensch kann brutal egoistisch sein, selbstgerecht und rücksichtslos. Dennoch: Wenn erst einmal eine kleine kritische Masse für ein größeres Ziel in Bewegung kommt, kann sie unaufhaltsam werden in ihrer Wirkmacht und revolutionäre Veränderungen schaffen. Kaum eine Errungenschaft unserer Demokratien wäre ohne kollektiven Mut denkbar gewesen.</em></p><p>Zweifel an der Wirksamkeit von Protest? </p><p>1. Das <a href="https://www.ullstein.de/werke/was-ihr-wollt/hardcover/9783550201660">Buch</a> von Friedemann Karig über die Theorie und Praxis des Aufbegehrens lesen. <br/>2. Kollektiven Mut schöpfen. <br/>3. Revolutionäre Veränderungen schaffen.</p><hr aria-hidden="true"/><p>Desweiteren haben wir uns erlaubt, zwei schlagkräftige und viel zu wenig bekannte Fakten aus Christian Stöckers <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/energiedebatte-wie-gut-kennen-sie-sich-mit-der-energiewirtschaft-aus-kolumne-a-487e40e2-dea7-42fb-920c-12871e5788de">Spiegel-Kolumne</a> zu stehlen und aufzubereiten. Dass so viele Leute von diesen und vielen anderen wesentlichen Informationen nicht erreicht werden, ist ein großartiger Propagandaerfolg der fossilen Lobby. Die Bilder findet ihr auch bei uns auf <a href="https://twitter.com/superredaktion">X</a> und <a href="https://www.instagram.com/superredaktion/">Insta</a>, teilen und weitererzählen bitte!</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1787785678765375531"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a14f939b-6212-471e-a1e5-ac58a8c15599/uploads/images/fglqq6rmhe/pro_tag.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="" data-link="https://twitter.com/superredaktion/status/1787785678765375531"/></a><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1787785745576464435"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a14f939b-6212-471e-a1e5-ac58a8c15599/uploads/images/q4p7dpb67l/subvention.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="" data-link="https://twitter.com/superredaktion/status/1787785745576464435"/></a><hr aria-hidden="true"/><p><em>Dieser Newsletter ist nur durch eure finanzielle Unterstützung möglich! Daher ein großes Dankeschön an alle, die uns unerstützen.</em></p><p><em>Wenn du noch nicht dabei bist, </em><strong><em>freuen wir uns sehr über Spenden</em></strong><em> (und können auch mit Spendenbescheinigungen dienen wenn gewünscht).</em></p><p><em>Global Eco Transition gGmbH | IBAN: DE62 4306 0967 1230 6808 00 | BIC: GENODEM1GLS | Verwendungszweck: ”Spende Superredaktion”</em></p><p><strong><em>Wichtig:</em></strong><em> Spenden kommen bei uns nur an, wenn der Verwendungszweck richtig angegeben wird.</em></p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Du willst </em><strong><em>deine Reichweite nutzen</em></strong><em>, um auf Klimathemen aufmerksam zu machen? Wir helfen dir dabei! Schreib uns gerne eine Mail an </em><a href="mailto:info@superredaktion.de">info@superredaktion.de</a> – <em>wir sind freundlich, wissen Sachen und </em><strong><em>kosten dich nichts</em></strong><em>.</em></p><p><em>Du kennst Menschen, denen dieser Newsletter auch helfen könnte? Dann teile ihn gerne!</em></p><p><em>Weiteren Kram zum Teilen findest du auf </em><a href="https://twitter.com/superredaktion">X </a><em>und </em><a href="https://www.instagram.com/superredaktion/">Instagram</a></p><p></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/a14f939b-6212-471e-a1e5-ac58a8c15599/teaser_image/1715080449?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Tue, 07 May 2024 16:07:27 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Natur reparieren: Bis auf Weiteres verschoben]]></title>
      <description><![CDATA[Der Newsletter der Superredaktion – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven und konkrete Anpackmaterialien für Menschen mit Reichweite und Lust auf Zukunft.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Die Reparatur der Natur: Bis auf weiteres verschoben</h1><p>Willkommen im Newsletter der <em>Superredaktion</em> – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete Anpackmaterialien für Menschen mit Lust auf Zukunft, heute mit bzw. ohne Naturschutz in Europa.</p><p>Aber bitte zunächst einmal wenig:</p><h2>Froher werden</h2><p>Nur <a href="https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/sinkender-fleischkonsum-deutschland-100.html">51,6 Kilogramm <strong>Fleisch</strong></a> haben die Deutschen im Durchschnitt im letzten Jahr gegessen - das entspricht ungefähr einem sehr großen Hund und ist der tiefste Stand seit Beginn der Erfassung; den größten Rückgang gab es beim Rindfleisch. <br/>Das ist aus zweierlei Gründen eine gute Nachricht: Erstens essen wir mehr Fleisch, als <a href="https://www.dge.de/presse/meldungen/2021/gut-fuer-die-gesundheit-viel-gemuese-obst-wenig-fleisch/">gesund</a> für uns ist - wir würden länger und besser leben, wenn wir den Trend fortsetzen, bewusster und weniger Tiere zu konsumieren, und zwar mit Nachdruck, da ist noch viel Luft nach unten. <br/>Zweitens ist die Tierhaltung, und zwar insbesondere die von Rindern, wegen ihres immensen Flächenbedarfs und der hohen Emissionen weltweit einer der <a href="https://www.dw.com/de/biodiversit%C3%A4t-lebensmittel-artensterben-landwirtschaft-gesunde-ern%C3%A4hrung-fleisch-gesundheit/a-56428094">größten Treiber des Artensterbens</a> und des <a href="https://www.umweltbundesamt.de/themen/landwirtschaft/landwirtschaft-umweltfreundlich-gestalten/fragen-antworten-zu-tierhaltung-ernaehrung#Frage1_1">Klimawandels</a>, ein riesiger Hebel im Kampf um die Zukunft. <br/>Also vielleicht nächstes Jahr nur noch einen mittelgroßen Hund essen und dann sehen wir weiter? Es gibt ja inzwischen auch richtig gute <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/fleischersatz-ist-die-beste-klimaschutzmassnahme-a-fd8aa87c-344f-4daa-bc87-b85b02ebd56d">Ersatzprodukte</a>, die geschmacklich von Hund kaum zu unterscheiden sind.</p><p>JBS, der größte Fleischkonzern der Welt, wird für <strong>Verbrauchertäuschung </strong><a href="https://www.theguardian.com/environment/2024/apr/05/letitia-james-jbs-meat-lawsuit-greenwashing">verklagt</a>, und offenbar mit guten Erfolgsaussichten, und zwar nicht von irgendwem, sondern von der Stadt New York. Der Konzern verspricht öffentlich, bis 2040 klimaneutral zu sein, tut aber tatsächlich nix dafür und weiß bisher nicht einmal, wie er die eigenen Emissionen überhaupt messen soll - eine absolut gängige Strategie, denn irgendwas für die Zukunft versprechen kann man ja schnell mal machen, die Zukunft ist ja noch eine Weile hin und dann lassen sie uns ein paar Jahre in Ruhe weiter Geld verdienen. <br/>Man darf davon ausgehen, dass die großen Greenwasher der Welt (unter ihnen auch gute Bekannte wie die Deutsche Bank, Siemens Energy, und Audi – unvergessen dazu Luisa Neubauers <a href="https://www.youtube.com/watch?v=3RRJSx7_sbA">Rede</a> auf dem OMR-Festival im letzten Jahr) derzeit nervös nach New York schauen, denn ist die Klage erfolgreich, wird es bei dieser einen nicht bleiben. Wir drücken die Daumen.</p><p>Inzwischen sind in Deutschland über 400.000 <strong>Balkon-Solarkraftwerke </strong><a href="https://www.tagesschau.de/wirtschaft/energie/balkonkraftwerke-balkonsolar-100.html">installiert</a>, das sind fast doppelt so viele wie vor neun Monaten. Offenbar steigt die Lust auf eine individuelle kleine Energiewende für Zuhause - und in Summe wird aus klein und individuell dann doch durchaus was Großes: Balkonkraftwerke haben im Jahr 2023 <a href="https://www.forschung-und-wissen.de/nachrichten/umwelt/balkonkraftwerke-beleben-die-deutsche-energiewende-13378861">fast ein Drittel</a> des Solar-Zubaus an und auf Gebäuden in Deutschland ausgemacht. Und jedes einzelne steht für mindestens einen Menschen, der Lust hat, Teil der Lösung zu sein (und dabei obendrauf ein bisschen Geld zu sparen).</p><h2>Ist das Gesetz zur Wiederherstellung der Natur noch wiederherstellbar?</h2><p>Wisst ihr noch <a href="https://steadyhq.com/de/superredaktion/posts/e63b1c1e-c730-4c0d-a91f-78be060fbe28">damals</a>, vor vier Wochen, als wir uns über den knappen, aber positiven Ausgang der Abstimmung des EU-Parlaments über das Gesetz zur Wiederherstellung der Natur gefreut haben? Die Zustimmung der Mitgliedsstaaten, die es jetzt noch braucht? Reine Formsache.</p><p><em>Reine Formsache</em> – eine Wendung mit Potential zum running gag, wenn es um die letzten Abstimmungen in Brüssel geht. Inzwischen hat Ungarn, dessen Abgeordnete im europäischen Parlament noch für das Gesetz gestimmt hatten, seine Unterstützung <a href="https://www.theguardian.com/world/2024/mar/25/eu-nature-restoration-laws-in-balance-as-member-states-withdraw-support">zurückgezogen</a> und damit die Waage um drei fatale Millimeter von knapp geschafft zu knapp gescheitert gedrückt.</p><p>Die Abstimmung wurde wegen Mangel an Erfolgsaussichten auf unbestimmte Zeit verschoben; hinter den Kulissen wird weiter verhandelt und nach Mehrheiten gesucht, aber ob und wann das funktioniert, steht in den Sternen. Der Grund für den Widerstand, jedenfalls, sofern offizielle Vertreter der Länder einen angeben: Die europaweiten <a href="https://steadyhq.com/de/superredaktion/posts/2e4fc923-e199-4f98-bc4b-608e696a3e4a">Bauernproteste</a>.</p><p>In Europa sind heute 81% der Naturräume in einem <a href="https://www.mdr.de/wissen/eu-umweltbericht-zustand-der-natur-oekosystem-100.html">schlechten Zustand</a>. 81%, denkt man, oh, das ist ja eher viel – und doch bleibt es irgendwie ganz schön abstrakt. Ökosysteme, Biodiversität, klar, müssen wir wichtig finden, Rotmilan, irgendwelche Pflanzen im Amazonas, vielleicht auch Wildbienen, schade drum. Aber das sind halt so Wörter.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1777474788379816103"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/92039a29-3707-42bc-a6e8-3e36f66eea51/uploads/images/e3tocacdbs/81.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="In Europa sind 81% der Naturräume in schlechtem Zustand." data-link="https://twitter.com/superredaktion/status/1777474788379816103"/></a><p>Selten machen wir uns klar, dass es nicht um die Biene hier und den Rotmilan dort geht, sondern um eine gigantische, unglaubliche Wundermaschine, gebaut aus Bakterien, Mikroben, Ameisen, Nacktmullen, Eichhörnchen, Eichen, Ebereschen, Ebern, Äschen, Algen, Gebüsch, Pottwalen, Giraffen, auch aus Bienen und Rotmilanen natürlich und aus allem darüber, darunter und dazwischen, von mikroskopisch bis himmelhoch. Eine Wundermaschine, die für uns kostenlos und seit schon immer unermüdlich die wertvollsten Dinge herstellt, die wir haben: Luft, Wasser, fruchtbare Böden und Schönheit.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1777474826367623634"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/92039a29-3707-42bc-a6e8-3e36f66eea51/uploads/images/tfxlai663m/0Euro.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Ökosystemdienstleistungen sind wertvoll und kostenlos." data-link="https://twitter.com/superredaktion/status/1777474826367623634"/></a><p>Seitenlang liegt George Monbiot in seinem Buch <a href="https://www.penguin.de/Buch/Neuland/George-Monbiot/Blessing/e582345.rhd">Neuland</a> in einem Obstgarten auf dem Bauch und beschreibt mit ansteckender Begeisterung, was er in einem einzigen Spatenstich Erde findet, ein ganzes Universum des Lebendigen, und das ist nur der allerkleinste Bruchteil eines Bruchteils eines Bruchteils dieses Netzes aus glücklichen Abhängigkeiten und Zusammenhängen, das menschliches Leben auf der Erde erst möglich und schön macht. Ganz zu schweigen davon, dass intakte Ökosysteme riesige Mengen an CO2 binden können, also nicht nur der Artenvielfalt helfen, sondern auch einem enkeltauglichen Klima – beides gehört zusammen und wird viel zu oft getrennt gedacht.</p><p>Es gibt gute Gründe dafür, dieser Wundermaschine zu begegnen wie Monbiot: Staunend und voller Ehrfurcht auf dem Bauch liegend mit den Händen im Humus, mindestens aber: mit einem ordentlichen Naturschutzgesetz.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1777474859561312761"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/92039a29-3707-42bc-a6e8-3e36f66eea51/uploads/images/qhe7xbcorx/roi.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="1 investierter Euro in die Erhaltung von Ökosystemen schafft 8 Euro ökologischen Wert." data-link="https://twitter.com/superredaktion/status/1777474859561312761"/></a><p>Mit dem Gesetz zur Wiederherstellung der Natur wären die EU-Länder verpflichtet gewesen, bis 2030 mindestens 20% der geschädigten Lebensräume an Land, in Flüssen und im Meer wiederherzustellen. Damit hätte das lebendige System, von dem unser aller gutes Leben und Wirtschaften und Frohsein abhängt, eine Chance auf Erholung bekommen. Diese Chance wird dringend gebraucht, und nun ist sie einer Kehrtwende des populistisch regierten Ungarn zum Opfer gefallen.</p><p>Mehr Details über den Wert der Artenvielfalt, die Wichtigkeit des Gesetzes und die populistische Natur der Gegenargumente lest sehr gern im <a href="https://372735.seu2.cleverreach.com/m/15165257/565270-3ce8467f1531d181936486b4b2e780cbf117ece9fa1f66f66b12a54f2379ff200f5b4eefd437a2bf3f0346834cce73c6">Debattenkompass</a> unserer Kolleginnen und Kollegen bei der <a href="https://www.mission-wertvoll.org/">Mission Wertvoll</a> nach. Wir möchten hier noch auf einen anderen Aspekt eingehen:</p><p>Wie so oft kennen wir die Lösung und wissen eigentlich, wo wir hinwollen und was wir zu gewinnen haben – wir müssen es nur tun. Aber Gesetze wie dieses, die dafür nötig sind, unsere Lebensgrundlagen gemeinsam über Grenzen hinweg zu schützen und zu bewahren und uns so in eine lebenswerte Zukunft zu steuern, brauchen eine starke, im ursprünglichen Wortsinne konservative, zutiefst demokratische Europäische Union. Mit dem europaweiten <a href="https://www.fr.de/politik/portugal-chega-ventura-rechtsruck-europawahl-rechtsextremismus-europa-zr-92895672.html">Aufschwung</a> der extremen Rechten ist das keine Selbstverständlichkeit mehr.</p><p>Das Gute: Wir alle werden in wenigen Wochen die Gelegenheit haben, diese europäischen Kräfte zu stärken. <br/>Das Schlechte: Viele von uns wissen das gar nicht. <br/>Das andere Gute: Ihr könnt uns dabei helfen, ihnen davon zu erzählen.</p><h2>Selber machen</h2><p>Heute daher nur ein einziger Hinweis an dieser Stelle:</p><p><strong>Am 9. Juni ist </strong><a href="https://elections.europa.eu/de/"><strong>Europawahl</strong></a>.</p><p>Hattet ihr nicht auf dem Schirm? Ist keine Schande, hat kaum jemand. Deswegen liegt auch so ein großes Potential bei den im Herzen demokratischen Menschen, die bisher keine Absicht haben, sich im Juni an die Urne zu bewegen - das sind in Deutschland sehr viele, und wir wissen von ihnen, dass sie demokratische Parteien wählen würden, wenn sie denn hingingen; man muss sie also gar nicht von irgendwas überzeugen, sondern nur nachdrücklich genug anstupsen.</p><p><strong>Diese Menschen zum Wählen zu bringen, ist die wichtigste Klimaschutz-Aufgabe, die wir als Superredaktion in den nächsten Wochen haben werden.</strong></p><p>Und dafür sind wir auf eurer aller Hilfe angewiesen; wir haben da ein zwei Ideen. Dazu mehr im nächsten Newsletter im Mai, der sich ganz der Frage EU und wie und warum widmen wird.</p><h2>Freunde treffen</h2><p>Der Kommunikationspsychologe, Experte für Desinformation und <a href="https://www.spiegel.de/impressum/autor-0ab8a756-0001-0003-0000-000000001562">Spiegel-Kolumnist</a> Christian Stöcker hat ein Buch geschrieben, bei dem schon der Titel einen Preis für treffende polemische Zuspitzung verdient: <a href="https://www.ullstein.de/werke/maenner-die-die-welt-verbrennen/hardcover/9783550202827"><em>Männer, die die Welt verbrennen</em></a><em>.</em></p><a href="https://www.ullstein.de/werke/maenner-die-die-welt-verbrennen/hardcover/9783550202827"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/92039a29-3707-42bc-a6e8-3e36f66eea51/uploads/images/msqevhddjv/Manner_die_Welt_verbrennen.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Buchcover von Männer, die die Welt verbrennen" data-link="https://www.ullstein.de/werke/maenner-die-die-welt-verbrennen/hardcover/9783550202827"/></a><p>Stöcker ist oft sauer, aber er ist es auf die spitzfindigste und konstruktivste Art. Im übrigen untermauert er seinen Zorn stets mit sorgfältiger Recherche. <em>Männer, die die Welt verbrennen</em> besteht zu etwa einem Viertel aus Quellenangaben – und zu drei Vierteln aus einer schonungslosen, akribischen Auseinandernahme von 40 Jahren systematischen Lügen der fossilen Industrie, deren Tentakel bis in den Deutschen Bundestag reichen. Wir haben von ihm den schönen Begriff <em>Petromaskulinität</em> gelernt, den wir unbedingt in unseren aktiven Wortschatz aufnehmen werden.</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/92039a29-3707-42bc-a6e8-3e36f66eea51/uploads/images/ubicl4bmu4/Bildschirmfoto_2024-04-08_um_17.01.00.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Im <a href="https://drehbuchverband.de/podcasts/planet-narratives">Podcast</a><em>Stichwort Drehbuch</em> des Deutschen Drehbuchverbands spricht unsere Kollegin Nicole Zabel-Wasmuth hörenswert und kenntnisreich über unser Geschwisterprojekt <a href="https://planetnarratives.de/">Planet Narratives</a> und die gesellschaftsverändernde, gesellschaftsverbindende Kraft gut erzählter Geschichten.</p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Dieser Newsletter ist nur durch eure finanzielle Unterstützung möglich! Daher ein großes Dankeschön an alle, die uns unerstützen.</em></p><p><em>Wenn du noch nicht dabei bist, </em><strong><em>freuen wir uns sehr über Spenden</em></strong><em> (und können auch mit Spendenbescheinigungen dienen wenn gewünscht).</em></p><p><em>Global Eco Transition gGmbH | IBAN: DE62 4306 0967 1230 6808 00 | BIC: GENODEM1GLS Verwendungszweck: ”Spende Superredaktion”</em></p><p><strong><em>Wichtig:</em></strong><em> Spenden kommen bei uns nur an, wenn der Verwendungszweck richtig angegeben wird.</em></p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Du willst </em><strong><em>deine Reichweite nutzen</em></strong><em>, um auf Klimathemen aufmerksam zu machen? Wir helfen dir dabei! Schreib uns gerne eine Mail an </em><a href="mailto:info@superredaktion.de">info@superredaktion.de</a> – <em>wir sind freundlich, wissen Sachen und </em><strong><em>kosten dich nichts</em></strong><em>.</em></p><p><em>Du kennst Menschen, denen dieser Newsletter auch helfen könnte? Dann teile ihn gerne!</em></p><p><em>Weiteren Kram zum Teilen findest du auf </em><a href="https://twitter.com/superredaktion">X </a><em>und </em><a href="https://www.instagram.com/superredaktion/">Instagram</a></p><p>Headerbild: © xblickwinkel/W.xPattynx</p><p>.</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 09 Apr 2024 06:19:26 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die neue Kraftwerksstrategie, oder: Keine Angst vor Dunkelflauten]]></title>
      <description><![CDATA[Willkommen im Newsletter der Superredaktion – heute mit dem Thema Kraftwerksstrategie! Wie sexy das schon klingt. Ihr könnt es sicher kaum erwarten.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Willkommen im Newsletter der <em>Superredaktion</em> – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete Anpackmaterialien für Menschen mit Lust auf Zukunft - diesmal mit einem Thema, über das man gut dreimal so viel hätte schreiben können (und nur mit Mühe nicht dreimal so viel geschrieben hat): Kraftwerksstrategie! Wie sexy das schon klingt. Ihr könnt es sicher kaum erwarten.</p><p>Aber erstmal:</p><h2><strong>Froher werden!</strong></h2><ul><li><p>Eine in der Fachzeitschrift <a href="https://www.nature.com/nclimate/">Nature Climate Change</a> veröffentlichte repräsentative <a href="https://www.nature.com/articles/s41558-024-01925-3">Studie</a> in 125 Ländern mit nahezu 130.000 Teilnehmenden fand: 69% der Weltbevölkerung wären bereit, 1% ihres Einkommens für die Bewältigung der Klimakrise beizutragen; 86% wünschen sich klimafreundliche soziale Normen; 89% verlangen eine entschiedenere Klimapolitik - und sie alle fühlen sich in der Minderheit, weil sie systematisch unterschätzen, wie verbreitet diese Haltungen sind. In eine ähnliche Richtung gehen die Ergebnisse einer <a href="https://www.delorscentre.eu/de/publikationen/detail/publication/gruener-gegenwind-die-klimapraeferenzen-im-europawahljahr">Erhebung des Jacques Delors Center</a>: 15.000 Befragte in Deutschland, Polen und Frankreich entlarven die Erzählung von einer sogenannten “Klimamüdigkeit” in Europa als übertrieben: “Eine Mehrheit der Wähler wünscht sich nach wie vor eine ehrgeizigere Klimapolitik und würde eine Reihe konkreter Maßnahmen zur Senkung der Emissionen unterstützen. […] Die Parteien sollten die kommenden Monate nicht damit verschwenden, sich gegenseitig darin zu überbieten, wie sie der eingebildeten Klimamüdigkeit begegnen können, sondern um konkrete Rezepte zur Ökologisierung der Wirtschaft konkurrieren.” Lasst euch nichts erzählen: Wir sind mehr. Sagt es allen weiter.</p></li><li><p>Das EU-Parlament hat für das Nature Restoration Law zur Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme <a href="https://www.tagesschau.de/ausland/europa/eu-parlament-naturschutz-strassburg-100.htm">gestimmt</a> - mit einer Mehrheit, die knapper war, als sie hätte sein dürfen. Der Bauernverband war dagegen, und die konservative Politik in Gestalt von CDU und CSU hat sich weitestgehend hinter ihn gestellt, es war eine echte Zitterpartie, aber immerhin: Es handelt sich um einen wichtigen Meilenstein, der festschreibt, dass die EU-Länder bis 2030 mindestens 30% der geschädigten Lebensräume im Wasser und an Land wiederherstellen müssen, damit die für Menschen (insbesondere übrigens Landwirtinnen und Landwirte) überlebenswichtigen Ökosystem-Dienstleistungen (Luft, Wasser, fruchtbare Böden,…) erhalten bleiben.</p></li><li><p>Und zuletzt noch ein Häppchen: Äthiopien <a href="https://apanews.net/ethiopia-to-ban-importation-of-non-electric-cars/">verbietet</a> die Einfuhr nicht-elektrischer Autos. Man denkt immer, manche Sachen gehen nicht – bis sie jemand einfach macht.</p></li></ul><p>Und nun zur Sache, liebe Leute:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e63b1c1e-c730-4c0d-a91f-78be060fbe28/uploads/images/krtj32rfe6/Bildschirmfoto_2024-03-07_um_13.25.39.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Wer fürchtet sie nicht? Wer soll uns schützen vor dieser neuen Reiterin der Apokalypse? Doch sicher nicht dieser alberne <em>Flatterstrom</em>?</p><p>Natürlich nicht, liebe Kinder. Vor der grausamen Dunkelflaute beschützt euch nämlich eine solide <strong><em>Kraftwerksstrategie -</em></strong> also ein Plan dafür, wann wir wie welche Bestandteile unseres Stromsektors ausbauen, um ohne zu stolpern in die Klimaneutralität voranzuschreiten. Mit Kraftwerken sind hier explizit nicht Windräder und Solarmodule gemeint, sondern eben genau die Vorrichtungen, die flexibel und leistungsstark genug sind, die Lücken zu überbrücken, in denen es an Wind und Sonne fehlt.</p><p>Und auf eine solche Strategie hat sich die Bundesregierung soeben <a href="https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2024/02/20240205-einigung-zur-kraftwerksstrategie.html">geeinigt</a>.</p><p>Gibt diese Strategie grundsätzlich eine gute Richtung vor? Vermutlich.</p><p>Da kann der Bundesrechnungshof noch so sehr <a href="https://www.sueddeutsche.de/meinung/energiewende-bundesrechnungshof-strom-versorgungssicherheit-kommentar-1.6439949?reduced=true">moppern</a> (zu teuer! zu langsam!), wir sind in Sachen Energiewende inzwischen deutlich flotter und zielgerichteter unterwegs als in der letzten Legislatur - und: Wann immer es heißt, die Energiewende sei zu teuer, wird in den seltensten Fällen erwähnt, wieviel Geld wir derzeit noch Jahr um Jahr für den Import fossiler Energieträger ausgeben (<a href="https://www.notion.so/NL-03-24-Kraftwerksstrategie-8293ee8883c44da3a1d8570f065b9bb0?pvs=21">2022: 130 Milliarden für Öl und Gas</a>). Mehr Details dazu? <a href="https://steadyhq.com/de/superredaktion/posts/df1c0b2a-2ef1-4bc0-bc07-1d637f736171">Hier bei uns</a>.</p><p>Aber ist diese Strategie durchweg super? Wahrscheinlich nicht.</p><p>Leute, es hilft nichts, jetzt kommt was Langes, bitte haltet durch. Es ist nunmal die Bürde, die wir tragen müssen, wenn wir unterkomplexen Gegenwind durch komplexe Realitäten entkräften wollen: Irgendwas Kontrafaktisches, das der eigenen Agenda entspricht, ist schnell hingeworfen, seriöses Gegenhalten braucht einen längeren Atem, zuletzt aufs Schönste und Wirkungsvollste vorgeführt auf der Handwerksmesse durch die Herren <a href="https://twitter.com/NurderK/status/1762830373099122694">Habeck und Söder</a>.</p><h3>Mehr Gaskraftwerke, weniger Gasstrom?</h3><p>Die <a href="https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/kraftwerksstrategie-106.html">Details</a>, über die Expertinnen und Experten an der Kraftkwerksstrategie gerade heftig diskutieren, werden für normale Leute schnell kryptisch.</p><p>Ein wesentlicher Punkt, an dem sich die Geister scheiden: Um den vollständigen Ausstieg aus der Kohle bis 2030 zu ermöglichen, sieht die Kraftwerksstrategie der Bundesregierung vor, <strong>neue Gaskraftwerke</strong> zu bauen.</p><p>Eine der häufigsten Reaktionen: Wir haben doch jetzt schon eine Menge Gaskraft, Gaskraft ist fossil, und von den Fossilen wollen wir doch weg? Wäre da nicht der Rückbau derselben der richtige Weg?</p><p>Tatsächlich geht aber beides gleichzeitig - mehr Gaskraftwerke und weniger Gasstrom. Klingt erst mal nicht intuitiv, aber der Witz ist: Es geht hier ja nur um die Tage mit der bereits erwähnten berüchtigten Dunkelflaute, an denen aktuell noch die Kohlekraftwerke einspringen und dann große Anteile des Strommixes stellen.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1767273034061160939/photo/1"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e63b1c1e-c730-4c0d-a91f-78be060fbe28/uploads/images/w5thj7zlye/kohle_zu_gas.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Illustratio  zur Progression von Kohle zu Gas zu grünem Wasserstoff." data-link="https://twitter.com/superredaktion/status/1767273034061160939/photo/1"/></a><h3>Dunkelflaute: Schonmal gehört.</h3><p>Für weite Teile der Kritikerinnen und Kritiker der Energiewende (meist <a href="https://www.ullstein.de/werke/maenner-die-die-welt-verbrennen/hardcover/9783550202827">Kritiker</a>, wenn man ehrlich ist) ist die Dunkelflaute ein Riesending, das sie ganz allein für sich entdeckt zu haben glauben: UND NACHTS BEI WINDSTILLE, sagen sie im sicheren Bewusstsein ihrer intellektuellen Überlegenheit und dem ihnen eigenen Gespür für den konstruktiven Ton, WIRD DANN GEFROREN, IHR IDEOLOGISCH VERBLENDETEN IDEOLOGEN, IHR MACHT DAS LAND KAPUTT, IHR WOLLT WOHL, DASS WIR ALLE WIEDER IN HÖHLEN WOHNEN.</p><p>Dazu zwei ganz zentrale Anmerkungen:</p><ul><li><p>Selbstverständlich wissen alle wesentlichen Beteiligten, dass Dunkelflauten existieren und ein Problem sind, das gelöst werden muss, wenn man sich für die Energiewende in großen Teilen auf Wind und Sonne verlässt.</p></li><li><p>Selbstverständlich gibt es Lösungen. Darüber, welche Kombination aus Lösungen die effizienteste und wirtschaftlichste ist, wird intensiv gestritten. Was aber jedenfalls mit Sicherheit nicht passieren wird: Dass wir einfach stur Windräder und Solarkraftwerke bauen, und dann kommt plötzlich überraschend eine Dunkelflaute und das Land geht aus.</p></li></ul><h3>Wieviele von diesen Dunkelflauten gibt es eigentlich?</h3><p>Man sieht dazu selten Zahlen – was sicherlich auch daran liegt, dass es keine allgemeingültige Definition einer solchen Flaute gibt. Auf welchen Anteil der “normalen” Leistung muss die Energieproduktion sinken, damit das Ereignis Dunkelflaute heißen darf - 20%? 10%? 5%? Wie lange muss diese Situation anhalten, damit es gilt? Und rechnet man mit Durchschnitten über einen Zeitraum X oder mit Augenblickswerten?</p><p>Wir vereinfachen es mal ganz grob:</p><p>Im Jahr 2023 gab es nur <a href="https://energy-charts.info/charts/renewable_share/chart.htm?l=de&amp;c=DE&amp;interval=day&amp;year=2023">17 Tage</a> mit einem Erneuerbaren-Anteil unter 30%, und an diesen Tagen würden auch in Zukunft noch Kohlekraftwerke laufen, wenn wir dafür keinen Ersatz schaffen.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1767272997855826105/photo/1"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e63b1c1e-c730-4c0d-a91f-78be060fbe28/uploads/images/ztf3yimfks/dunkelflaute.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Diagramm zur Häufigkeit von Dunkelflauten" data-link="https://twitter.com/superredaktion/status/1767272997855826105/photo/1"/></a><p>Die in der Kraftwerksstrategie vorgesehenen neuen Gaskraftwerke sollen also perspektivisch nur wenige Tage im Jahr in Betrieb sein.</p><p>Das sind dann die Tage, an denen die CO2-Bilanz unseres Stromsektors heutzutage schlecht aussieht und auch mit mehr Gas und ohne Kohle schlecht aussehen wird (wenn auch deutlich weniger schlecht).</p><p>Das sind dann <em>auch</em> die Tage, deren CO2-Bilanz die Zweifler und Skeptiker und Fossil-Lobbyisten euch ständig unter die Nase reiben.</p><p>Der wesentliche Terminus hier ist aber, aufgepasst: <strong>“Einzelne Tage”</strong>. Ein paar schlechte einzelne Tage sind der Preis, den wir dafür zahlen, uns an sehr viel mehr anderen Tagen weitestgehend auf klimaneutrale Wind- und Sonnenenergie verlassen zu können, ohne vor Dunkelflauten Angst haben zu müssen. Und das ist ein ziemlich gutes Geschäft.</p><p>Wenn wir gleichzeitig den Erneuerbaren-Anteil im Strommix auf 80% steigern, wird viel mehr fossile Energie aus dem System gedrängt, als die neue Gaskraft an ein paar Tagen im Jahr verbraucht.</p><p>Der eigentliche Kniff ist aber: Gaskraftwerke, insbesondere neue, können nicht nur mit fossilem Erdgas betrieben werden, sondern auch mit anderen Gasen. Und die gibt es, in Form zum Beispiel von grünem Wasserstoff oder grünem Methan, auch in emissionsfrei. Mittelfristig also können unsere Gaskraftwerke durchaus klimaneutralen Strom liefern.</p><h3>Die großen offenen Fragen</h3><ul><li><p>Wie lange dauert es, diese klimaneutralen Gase in der benötigten Menge herzustellen, um Kraftwerke damit zu betreiben?</p></li><li><p>Wieviel Strom werden in Zukunft alle Verbraucher in Deutschland maximal zur selben Zeit verbrauchen, wenn E-Autos und Wärmepumpen weiter verbreitet sind?</p></li><li><p>Wieviel dieses Bedarfs können Batteriespeicher leisten?</p></li><li><p>Wie stark können wir diesen Maximalbedarf vermindern, indem wir Strom gleichmäßiger verbrauchen?</p></li></ul><p>Ihr merkt schon: Der Punkt “Wie verhindern wir, dass wir alle wieder in Höhlen leben müssen?” ist nicht dabei.</p><p>In diesen Punkten allerdings gehen die Einschätzungen selbst unter Fachleuten weit auseinander. Es ist aber auch kompliziert:</p><p>Um selbst <strong>grünen Wasserstoff</strong> herzustellen (das macht man mit <a href="https://arc.net/l/quote/xiylhkaq">Wasser und sehr viel klimaneutralem Strom</a>), brauchen wir mehr Solar- und Windkraft, deren Ausbau in den letzten 15 Jahren bekanntlich recht unregelmäßig erfolgte. Bei der aktuellen Ausbaugeschwindigkeit wäre das machbar, aber ob die so bleibt, ist wieder eine andere Frage. Ein teilweiser Import des Wasserstoffs wäre außerdem auch noch denkbar.</p><p>Bei der Frage des Stromverbrauchs ist nicht so sehr die Gesamtmenge wichtig - die ist theoretisch auch mit 100% Erneuerbaren gut zu stemmen – sondern wieviel in einem gegebenen Augenblick maximal gleichzeitig benötigt wird. Aktuell schwankt dieser Wert zwischen <a href="https://www.agora-energiewende.de/daten-tools/agorameter/chart/today/power_generation/01.01.2023/31.12.2023/hourly">35 und 80 Gigawatt</a>, aber mit ein paar Millionen E-Autos und Wärmepumpen könnten auch höhere Werte erreicht werden, für die dann in jeder Sekunde genug Kraftwerke zur Verfügung stehen müssen.</p><p>Dieser <strong>Maximalverbrauch</strong> wiederum hängt aber stark davon ab, wie sehr wir die Last verteilen können: Mit klugen Mechanismen, die Firmen und Haushalte dazu motivieren, Strom besonders dann zu verbrauchen, wenn er im Überfluss zur Verfügung steht, glätten wir die Lastkurve, flachen also die Spitzen ab und senken den Maximalbedarf. Durch Installation von Solarmodulen in Ost-West-Ausrichtung (anstatt der insgesamt ertragreicheren Süd-Variante) erzeugen wir gleichmäßiger über den Tag Solarstrom (ergo mit weniger Lücke), wodurch die durch Backup-Gaskraft auszugleichende Menge wieder sinkt.</p><p>Und: Die Preise für <strong>Batterien</strong><a href="https://ecomento.de/2023/11/06/die-preise-fuer-elektrofahrzeug-batterien-fallen-schneller-als-erwartet-goldman-sachs-analyse/">verringern</a> sich derzeit radikaler als irgendwer es noch vor drei Jahren geschätzt hätte, sodass der Bau stationärer Batteriespeicher <a href="https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/energie/rekordverdaechtig-deutschland-plant-riesige-batteriegrossspeicher/">stark anzieht</a>. Gerade bei sehr kurzfristigen Einsätzen von wenigen Stunden könnten diese den Einsatz von Gaskraftwerken überflüssig machen. Das wäre aus Energiewende-Perspektive gut, aber ist natürlich ein mögliches Argument gegen den geplanten Ausbau der Gaskraft-Kapazität.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1767273071881118162/photo/1"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e63b1c1e-c730-4c0d-a91f-78be060fbe28/uploads/images/pxbwflfgfl/speicherkosten.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Diagramm zur Batteriepreisentwicklung" data-link="https://twitter.com/superredaktion/status/1767273071881118162/photo/1"/></a><p>In der ursprünglichen Planung wurden 50 Gigawatt Gaskraft veranschlagt, der aktuelle Entwurf sieht jetzt nur noch 20 Gigawatt vor, was zu Kritik führte, <a href="https://www.spiegel.de/wirtschaft/kraftwerksstrategie-das-sind-die-ersten-reaktionen-a-1d710736-91ae-4d37-923e-40e040546165">zum Beispiel</a> von Mona Baur (Bündnis90/Grüne), Wirtschaftsministerin von NRW. Andere Expertinnen und Experten hingegen, zum Beispiel <a href="https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/wirtschaft/kraftwerksstrategie-kemfert-strom-teurer-neue-gaskraftwerke-100.html">Claudia Kemfert</a> vom <a href="https://www.diw.de/deutsch">Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung</a> (DIW), gehen davon aus, dass gar keine zusätzlichen Gaskraftwerke nötig sind, weil intelligente Netze und Energiegewinnung aus Biomasse zusammen mit den heute bereits laufenden Gaskraftwerken die Schwankungen ausgleichen können.</p><p>Das letzte Wort ist hier also noch lange nicht gesprochen. Wichtig ist vor allem zu wissen - und unbedingt weiterzuerzählen: <strong>Bei aller Komplexität handelt es sich doch um lösbare Probleme; in den entscheidenden Kreisen, also dort, wo die tatsächliche Expertise liegt, ist die Streitfrage schon lang nicht mehr eine der technischen Möglichkeit, sondern vielmehr eine der bestmöglichen Umsetzung der Wende in eine zukunftstaugliche, saubere Energieversorgung.</strong></p><h2>Selber machen!</h2><ul><li><p>Der erste und einfachste Schritt: Stromanbieterwechsel! Dauert <a href="https://switch-for-climate.de/">fünf Minuten</a>, eine so gute Quote von CO2-Einsparung pro Aufwand gibt es nicht oft im Leben.</p></li><li><p>Komplexer, aber noch weitreichender: Wer die Möglichkeit hat, sich eine Solaranlage für die eigene Immobilie zuzulegen - oder auf einen Vermieter, eine Genossenschaft, ein Unternehmen entsprechend einzuwirken - hat schon heute die Chance, ein Mosaikstück der Kraftwerksstrategie der Zukunft zu sein. Das gilt umso mehr für Photovoltaik mit sogenannten <em>virtuell vernetzten Speichern</em> - ein Beispiel für die oben beschriebenen klugen Mechanismen, die Verbrauchsspitzen senken helfen: Die Batteriespeicher mehrerer Haushalte werden zu einer einzigen virtuellen Batterie verbunden und können sich so gegenseitig unter die virtuellen Arme greifen, wenn bei einzelnen Haushalten Strom fehlt oder mehr als nötig vorhanden ist. Laut einer <a href="https://www.pv-magazine.de/2023/01/26/ioew-virtuell-vernetzte-photovoltaik-speicher-sparen-zusaetzlich-co2/">Studie</a> des <a href="https://www.ioew.de/">Instituts für Ökologische Wirtschaftsforschung</a> (IÖW) hilft ein solches System nicht nur dabei, die Lastkurve abzuflachen, sondern spart neben weiteren positiven Umwelteffekten obendrein deutlich mehr CO2 ein als eine Lösung ohne Vernetzung.</p></li><li><p>Ein bisschen abstrakter, aber um die Ecke umso wichtiger, wenn ihr wohlhabend seid: Prüft, wo euer Geld liegt und was es dort macht! Ein Bankwechsel ist nicht viel komplizierter als ein Stromanbieterwechsel, kann aber, was positive Auswirkungen auf Umwelt, Planet, Zukunft, Lebensgrundlagen angeht, je nach den Summen, die ihr bewegt, noch deutlich <a href="https://www.greenpeace.de/klimaschutz/finanzwende/gruene-finanzen-videoreihe">wirksamer</a> sein. Eine Liste von enkeltauglich agierenden Banken findet ihr <a href="https://www.fairfinanceguide.de/ffg-d/bewertung/">hier</a>, dort kann euer Geld zur Finanzwende beitragen, Gutes tun und Schlechtes lassen - ein Riesenhebel.</p></li></ul><h2>Freunde treffen!</h2><p>Die <em>Superredaktion</em> ist jetzt Teil des gemeinnützigen Science-Society-Netzwerks <a href="https://www.mission-wertvoll.org/">Mission Wertvoll</a>, das wiederum einen eigenen lesenswerten Newsletter “Wert &amp; Wirkung” bietet - mit einem etwas weiteren Fokus, einer etwas größeren Flughöhe als bei uns, aber mit einer Haltung, die auch uns sehr aus dem Herzen spricht: <em>Nur wer eine positive Zukunft sieht, kann sie auch ansteuern und gestalten.</em> Das ist eine ganz warme Empfehlung von uns. Die nächste Ausgabe, in der es um Biodiversität und die Wichtigkeit des oben erwähnten Nature Restoration Law gehen wird, kommt schon morgen, Dienstag - wer sich beeilt, schafft es noch vorher (ganz unten auf der <a href="https://www.mission-wertvoll.org/">Homepage</a>) auf die Empfängerliste! Viel Erfolg!</p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Dieser Newsletter ist nur durch eure finanzielle Unterstützung möglich! Daher ein großes Dankeschön an alle Unterstützer</em>innen*.</p><p>Wenn du noch nicht dabei bist, <strong>freuen wir uns sehr über Spenden</strong> (und können auch mit Spendenbescheinigungen dienen wenn gewünscht).</p><p>Global Eco Transition gGmbH | IBAN: DE62 4306 0967 1230 6808 00 | BIC: GENODEM1GLS Verwendungszweck: ”Spende Superredaktion”</p><p><strong><em>Wichtig:</em></strong><em> Spenden kommen bei uns nur an, wenn der Verwendungszweck richtig angegeben wird.</em></p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Du willst </em><strong><em>deine Reichweite nutzen</em></strong><em>, um auf Klimathemen aufmerksam zu machen? Wir helfen dir dabei! Schreib uns gerne eine Mail an</em><a href="mailto:info@superredaktion.de">info@superredaktion.de</a> – <em>wir sind freundlich, wissen Sachen und </em><strong><em>kosten dich nichts</em></strong><em>.</em></p><p><em>Du kennst Menschen, denen dieser Newsletter auch helfen könnte? Dann teile ihn gerne!</em></p><p><em>Weiteren Kram zum Teilen findest du auf</em><a href="https://twitter.com/superredaktion">X</a><em>und</em><a href="https://www.instagram.com/superredaktion/">Instagram</a>.</p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Mon, 11 Mar 2024 20:35:15 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Bauernproteste: Über diese Lösungen sollten wir sprechen]]></title>
      <description><![CDATA[Willkommen im Newsletter der Superredaktion – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete Anpackmaterialien für Menschen mit Lust…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Willkommen im Newsletter der <em>Superredaktion</em> – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete Anpackmaterialien für Menschen mit Lust auf Zukunft.</p><p>Willkommen außerdem zu einem kleinen Feldversuch. Wir probieren heute ein etwas anderes Format aus – und sind sehr an Rückmeldungen von euch interessiert, wie es euch gefällt. Schreibt uns gern an <a href="mailto:info@superredaktion.de">info@superredaktion.de</a>!</p><p>Zum bequemen Weiterteilen findet ihr die Grafiken und das Video aus diesem Rundbrief (und aus allen anderen!) übrigens auch auf unseren Kanälen auf<a href="https://twitter.com/superredaktion"> X </a>und <a href="https://www.instagram.com/superredaktion/">Instagram</a>.</p><h2><strong>Die Trecker rollen wieder</strong></h2><p>Wegen der Bauernproteste stand vermutlich auch der eine oder die andere von euch Ende letzter und Anfang dieser Woche im Stau. Das ist natürlich lästig, und obendrein sind die Forderungen, die man bisweilen am lautesten von den Traktoren schallen hört, ein ganzes Stück zu einfach. Trotzdem, oder gerade deswegen, lohnt ein genauerer Blick. Wie sind wir da hingekommen? Was ist das eigentliche Problem? Und gibt es dafür Lösungen?</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1752594350217768990/photo/1?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1752594350217768990%7Ctwgr%5E699936500be18e4069549033165bcdbaa072b667%7Ctwcon%5Es1_&amp;ref_url=https%3A%2F%2Fcdn.embedly.com%2Fwidgets%2Fmedia.html%3Ftype%3Dtext2Fhtmlkey%3Ddd5b576b08504ec78f41817b9e05d20dschema%3Dtwitterurl%3Dhttps3A%2F%2Ftwitter.com%2Fsuperredaktion%2Fstatus%2F1752594350217768990image%3D"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/2e4fc923-e199-4f98-bc4b-608e696a3e4a/uploads/images/u4mf5zlhmj/Grafik%201_%20Selbstversorgung.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Selbstversorgungsgrad mit verschiedenen Lebensmitteln in Deutschland." data-link="https://twitter.com/superredaktion/status/1752594350217768990/photo/1?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1752594350217768990%7Ctwgr%5E699936500be18e4069549033165bcdbaa072b667%7Ctwcon%5Es1_&amp;ref_url=https%3A%2F%2Fcdn.embedly.com%2Fwidgets%2Fmedia.html%3Ftype%3Dtext2Fhtmlkey%3Ddd5b576b08504ec78f41817b9e05d20dschema%3Dtwitterurl%3Dhttps3A%2F%2Ftwitter.com%2Fsuperredaktion%2Fstatus%2F1752594350217768990image%3D"/></a><p>Die deutsche Landwirtschaft ernährt uns. Dafür <a href="https://www.das-parlament.de/wirtschaft/landwirtschaft/wir-muessen-die-ergebnisse-der-borchert-kommission-11-umsetzen">bekommt</a> sie pro Jahr 6 Milliarden Euro aus EU-Töpfen, dazu kommen 2,4 Milliarden vom Bund (2022). Für viele, die von der Landwirtschaft leben, sind diese Subventionen existenziell, im Schnitt ist das rund die die Hälfte ihres Lohnes. Warum läuft das so?</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1752594481788993562"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/2e4fc923-e199-4f98-bc4b-608e696a3e4a/uploads/images/z7wc3fy7wa/Grafik%203_%20Kaum%20Kohle%20f%C3%BCr%20Kohl.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Wieviel vom Ladenpreis für Lebensmittel im Durchschnitt für die Bauern bleibt." data-link="https://twitter.com/superredaktion/status/1752594481788993562"/></a><p>Zum einen sind Lebensmittel insbesondere in Deutschland im Verhältnis zu günstig, um für die erzeugenden Betriebe auskömmlich zu sein; zum anderen sind die Gewinne entlang der Wertschöpfungskette deutlich zu ungunsten der Bäuerinnen und Bauern verteilt. <a href="https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/landwirte-agrarprodukte-bauern-preise-handelskonzerne-milchpreis-100.html">Den Preisdruck</a> können sie nicht weitergeben: Es gibt feste Abnahmeverträge, die sie mit sehr mächtigen, vor allem auf ihre eigenen Margen bedachten Handelskonzernen aushandeln müssen. Dieser Mix ergibt ein System, das auf massiven Abhängigkeiten beruht. Und das schon eine ganze Weile. Zugleich verursacht die Landwirtschaft in Deutschland jährlich einen geschätzten Schaden in Höhe von 90 Milliarden Euro – etwa durch die Verseuchung von Trinkwasser, durch Pestizide, durch kaputte Böden. Dass das nicht so bleiben kann, wissen im Grunde alle: die Branche, die Verbände, die Industrie und eigentlich auch die Politik. Aber der Umbau des Systems ist schwierig.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1752594553201131579/photo/1?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1752594553201131579%7Ctwgr%5E029677882b1082cea26d83663a3f3513528abc12%7Ctwcon%5Es1_&amp;ref_url=https%3A%2F%2Fcdn.embedly.com%2Fwidgets%2Fmedia.html%3Ftype%3Dtext2Fhtmlkey%3Ddd5b576b08504ec78f41817b9e05d20dschema%3Dtwitterurl%3Dhttps3A%2F%2Ftwitter.com%2Fsuperredaktion%2Fstatus%2F1752594553201131579image%3D"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/2e4fc923-e199-4f98-bc4b-608e696a3e4a/uploads/images/j4igr2pwbk/Grafik2_%20Getreideanbau%20in%20Deutschland_%20Wof%C3%BCr%20wieviel_.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Getreideanbau in Deutschlande: Wofür wieviel?" data-link="https://twitter.com/superredaktion/status/1752594553201131579/photo/1?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1752594553201131579%7Ctwgr%5E029677882b1082cea26d83663a3f3513528abc12%7Ctwcon%5Es1_&amp;ref_url=https%3A%2F%2Fcdn.embedly.com%2Fwidgets%2Fmedia.html%3Ftype%3Dtext2Fhtmlkey%3Ddd5b576b08504ec78f41817b9e05d20dschema%3Dtwitterurl%3Dhttps3A%2F%2Ftwitter.com%2Fsuperredaktion%2Fstatus%2F1752594553201131579image%3D"/></a><p>Die gute Nachricht ist: Mit der <a href="https://www.bmel.de/DE/themen/landwirtschaft/zukunftskommission-landwirtschaft.html">Zukunftskommission Landwirtschaft</a> (ZKL) und dem mittlerweile <a href="https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Tiere/Nutztiere/230822-beschluss-kompetenznetzwerk.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=4">aufgelösten</a> Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung (a.k.a. <a href="https://webarchiv.bundestag.de/archive/2009/0924/bundestag/abgeordnete/bio/B/borchjo0.html">Borchert</a>-Kommission) hat die letzte Bundesregierung schon 2019 respektive 2020 zwei Gremien einberufen, in denen gemeinsam konsensfähige Lösungen erarbeitet wurden. Seit 2021 gibt es Ergebnisse. Zwei Beispiele:</p><ul><li><p>Eine höhere Umsatzsteuer oder eine Tierwohlabgabe auf Fleisch könnte helfen, die Betriebe bei der Umstellung auf bessere Haltungsformen finanziell zu unterstützen.</p></li><li><p>Eine Kopplung der Agrar-Milliarden aus Brüssel nicht länger an den Hektar bewirtschaftete Fläche – eine Regelung, die besonders Großbetriebe bevorteilt – sondern an konkrete, am Gemeinwohl orientierte Leistungen wie bessere Tierhaltung, klimaschonendes Ackern, Pflege der Artenvielfalt.</p></li></ul><p>Das Problem: Bisher fand weder die letzte Bundesregierung noch die aktuelle dafür genügend Geld im jeweiligen Haushalt – trotz großer Transformationsversprechen. Zuletzt <a href="https://www.rnd.de/politik/ende-der-borchert-kommission-welle-der-kritik-an-der-bundesregierung-BKIQHU7D2JAFTHBFAYQGZNFGRE.html">blockierte</a> offenbar die FDP die Freigabe der nötigen Fördergelder.</p><p>Vor diesem Hintergrund wird es vielleicht verständlicher: Wenn man vom Staat in Kommissionen eingeladen wird, dort ehrenamtlich und mühsam pragmatische Vorschläge erarbeitet, und dann der gleiche Staat nicht mitspielt, dann kann man durchaus sauer werden und sich mit dem Traktor auf den Weg machen. Hier gilt es eigentlich anzusetzen – und es besser zu machen.</p><p>Und wenn man als Staat damit anfangen muss, Subventionen zu streichen, könnte man doch erstmal sehr profitable Betriebe in den Blick nehmen und finanzschwächere zunächst aussparen. Auch das ist keine neue Idee. Gut ist sie immer noch.</p><p>Apropos Subventionen in der Landwirtschaft: Darüber, wie sie wirken (und wie sie stattdessen wirken könnten) hat der Schauspieler und Autor Matthias Matschke mit der Transformationsforscherin Maja Göpel gesprochen:</p><a href="https://www.instagram.com/p/C2z3pW4s-IY/"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/2e4fc923-e199-4f98-bc4b-608e696a3e4a/uploads/images/t6o3itfeuk/signal-2024-02-01-155813.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Matthias Matschke spricht mit Maja Göpel über Subventionen in der Landwirtschaft." data-link="https://www.instagram.com/p/C2z3pW4s-IY/"/></a><h2><strong>Tiefer gehen</strong></h2><p>Zu den Lobby-Aktivitäten des Bauernverbands <a href="https://www.zeit.de/wirtschaft/2024-01/lobby-landwirte-bauernproteste-macht-politik">hier</a> ein Text von Annika Joeres in der ZEIT.</p><p>Die junge Landwirtin Marie Löhring erklärt in <a href="https://perspective-daily.de/article/2937-nix-mit-rechts-diese-junge-landwirtin-protestiert-fuer-eine-gute-landwirtschaft/">diesem Interview</a> differenziert und nachvollziehbar die Herausforderungen von Bäuerinnen und Bauern in Deutschland.</p><p>Viele bäuerliche Betriebe bemühen sich um eine zukunftsfähige, gemeinwohlorientierte Arbeitsweise, obwohl sie dafür derzeit nicht angemessen honoriert werden. Die <a href="https://www.bzfe.de/nachhaltiger-konsum/regionalwert-leistungsrechnung/">Regionalwert-Leistungsrechung</a>, ein Verfahren, mit dem der Wert solcher Gemeinwohl-Leistungen gemessen und anschaulich gemacht werden kann, zeigt: “Der unsichtbare Nutzen geht in die Millionen.”</p><h2><strong>Froher werden</strong></h2><p><a href="https://potentialenergycoalition.org/global-report/">Studie</a> von Potential Energy: Der Schutz der Lebensgrundlagen für die nachfolgenden Generationen ist das wirksamste Argument, um Menschen von der Notwendigkeit von Klimaschutz zu überzeugen; offenbar haben wir doch alle unsere Kinder lieb.</p><p><a href="https://www.heise.de/news/Win-win-Mit-Solaranlagen-auf-geigneten-Flaechen-gegen-das-Insektensterben-9601822.html?wt_mc=sm.red.ho.mastodon.mastodon.md_beitraege.md_beitraege">Studie</a>: Solaranlagen auf ehemaligen Ackerflächen können bei der richtigen Bepflanzung neue Lebensräume für verdrängte Insektenarten bieten - darunter Bienen, die die Produktivität anliegender bewirtschafteter Flächen erhöhen, indem sie bei der Bestäubung helfen. Ein Plus für die Artenvielfalt <em>und</em> für die Landwirtschaft.</p><p>In den letzten Tagen gingen unglaubliche <a href="https://www.volksverpetzer.de/aktuelles/demo-auf-strasse-uebersicht-21/">1,5 Millionen Menschen</a> auf die Straße, um für Demokratie und Vielfalt einzustehen - konservativ geschätzt. Auch das ist um die Ecke Klimaaktivismus und daher hier gut aufgehoben: Mit der AfD an der Macht könnten wir jede Hoffnung auf gute Klimapolitik endgültig aufgeben. Und: Protest wirkt. Dazu gibt es bald ein spannendes <a href="https://www.ullstein.de/werke/was-ihr-wollt/hardcover/9783550201660">Buch</a> von Friedemann Karig, vorerst nur <a href="https://twitter.com/f_karig/status/1749336484635947332">diese Statements hier</a> vom selben Autor, der weiß, wovon er spricht. Die Tatsache, dass wider Erwarten in einem ostthüringer Landkreis nach einer knappen Stichwahl nun ein demokratischer Kandidat anstelle des AfD-Manns <a href="https://www.dw.com/de/stra%C3%9Fenproteste-afd-verliert-landratswahl-in-th%C3%BCringen/a-68110616">Landrat</a> wird, sehen manche als ein mögliches Anzeichen für ebendiese Wirksamkeit.</p><p>—</p><p><em>Dieser Newsletter ist nur durch Eure finanzielle Unterstützung möglich! Daher ein großes Dankeschön an alle Unterstützer</em>innen.*</p><p>Wenn Du noch nicht dabei bist, <strong>freuen wir uns sehr über Spenden</strong> (und können auch mit Spendenbescheinigungen dienen wenn gewünscht).</p><p>Global Eco Transition gGmbH | IBAN: DE62 4306 0967 1230 6808 00 | BIC: GENODEM1GLS Verwendungszweck: ”Spende Superredaktion”</p><p><strong><em>Wichtig:</em></strong><em> Spenden kommen bei uns nur an, wenn der Verwendungszweck richtig angegeben wird.</em></p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Du willst </em><strong><em>deine Reichweite nutzen</em></strong><em>, um auf Klimathemen aufmerksam zu machen? Wir helfen Dir dabei! Schreib uns gerne eine Mail an </em><a href="https://energy-charts.info/charts/energy_pie/chart.htm?l=de&amp;amp;c=DE&amp;amp;interval=year"><strong>info@superredaktion.de</strong></a> – <em>wir sind freundlich, wissen Sachen und </em><strong><em>kosten dich nichts</em></strong><em>.</em></p><p><em>Du kennst Menschen, denen dieser Newsletter auch helfen könnte? Dann teile ihn gerne!</em></p><p><em>Weiteren Kram zum Teilen findest du auf </em><a href="https://twitter.com/superredaktion">X</a><em>und </em><a href="https://www.instagram.com/superredaktion/">Instagram</a></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 02 Feb 2024 14:27:28 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Weihnachts-Sonderdepesche “Liesbeth”]]></title>
      <description><![CDATA[Wir statten euch mit Argumenten aus für die familiäre Klima-Debatte unterm Weihnachtsbaum. Hoffentlich braucht ihr sie nicht!]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Kinder, es weihnachtet sehr!</p><p>Auf euch wartet (hoffentlich) eine besinnliche Zeit mit leckerem Zimtpunsch, Jingle Bells, verschneiten Wipfeln und den Liebsten unterm Weihnachtsbaum. Im Idealfall wird es eine ganz harmonische Geschichte, getrübt maximal von Tante Liesbeths schlechter Laune, weil das auf der Veranda gar keine Marzipankartoffeln waren.</p><p>Im Nicht-Idealfall wird es aber so besinnlich wie der Aufenthalt in einem ICE, wenn Klimaanlage und Toiletten ausgefallen sind, weil Tante Liesbeth den ganzen Abend damit verbringt, Klimamythen aus Facebook zu rezitieren.</p><p>Anstatt die Familie mit „Von drauß‘ vom Walde komm ich her…“ zu beglücken, erklärt sie mit 30 Gramm Knödel im Mund und immer lauter werdend, dass „diese E-Autos alle Sondermüll sind und Kohlestrom getankt haben und deswegen nur VON DEN SCHLIMMSTEN UMWELTSÄUEN GEFAHREN WERDEN!!!“. Amen. Unauffällig schiebt ihr den Id.3-Autoschlüssel vom Tisch und fragt „ist noch Wein da?“</p><p>Euer Glück, solltet ihr Tante Liesbeth mit 2 Pfund Nachtisch abgelenkt bekommen. Aber was, wenn nicht? Was, wenn Tante Liesbeth und euer Cousin sich gegenseitig immer weiter aufstacheln und auf altbekannten Klima-Fake-News-Pfaden herumirren? Aber die Emissionen von China sind viel höher! Wieso sollen wir Wärmepumpen installieren, wir trennen doch schon Müll! Und überhaupt können wir nicht individuell das Klima retten, das muss die Regierung machen! Wenn jetzt keiner mehr Fleisch isst, wo sollen dann die ganzen Pflanzen wachsen, die wir stattdessen essen?</p><p>Hui, das rettet auch der beste Wein nicht mehr. Aber vielleicht ja diese 5 Gegenargumente für die Klassiker der Klimadebatten:</p><h2>E-Autos sind weder Sondermüll noch werden sie ausschließlich mit Kohlestrom betankt.</h2><p>Für das bisherige Jahr 2023 liegen wir <a href="https://energy-charts.info/charts/energy_pie/chart.htm?l=de&amp;c=DE&amp;interval=year">bei etwa 60% CO2-armem Strom im Netz</a>, das ist um Längen besser als <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/E10_(Kraftstoff)">90% - 100% fossiler Kraftstoff</a>, der ja nun mal in den meisten Diesel-Tanks herumschwappt.</p><p>Wer E-Autos aus Nachhaltigkeitsgründen für inakzeptabel hält (und das kann man gerne tun) sollte Verbrenner noch heftiger ablehnen: <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2542435119302715">Sie emittieren selbst mit unserem derzeitigen, noch nicht 100% erneuerbarem Strommix viel mehr CO2</a> als Elektrische und benötigen auch <a href="https://www.transportenvironment.org/wp-content/uploads/2021/07/2021_02_Battery_raw_materials_report_final.pdf">mehr Rohstoffe</a>. Durchschnittliche E-Autos <a href="https://www.volkswagen-newsroom.com/de/publikationen/weitere/batterie-recycling-alles-zur-pilotanlage-in-salzgitter-605">mögen um die 17 Kilogramm Lithium und Kobalt für die Batterieherstellung benötigen</a>, aber die können wir recyceln. Verbrenner benötigen für ein Autoleben mit 225.000 Kilometern <a href="https://de.statista.com/statistik/daten/studie/185831/umfrage/kraftstoffverbrauch-von-neuzugelassenen-pkw-in-deutschland/#:~:text=Die%20Statistik%20bildet%20den%20durchschnittlichen,5%20Liter%20auf%20100%20km">aber 13.000 kg Benzin</a>.</p><p>Und das ist dann weg. Es kann nicht recycelt werden, denn wir haben damit dann nachhaltig unsere Atmosphäre zugemüllt und brauchen für das nächste Verbrennerauto wieder 13.000 kg Benzin. Sollte jemand auch 2023 noch nicht wissen, was für eine ökologische Katastrophe Erdölförderung ist, könnt ihr unter dem Weihnachtsbaum die <a href="https://www.google.com/search?sca_esv=591167423&amp;rlz=1C1ONGR_deDE966DE967&amp;sxsrf=AM9HkKkJx1N5LNdqnwzkCzM52vyIG3l_-w:1702632779248&amp;q=canada+tar+sands&amp;tbm=isch&amp;source=lnms&amp;sa=X&amp;sqi=2&amp;ved=2ahUKEwjao_WvkZGDAxUxhv0HHY7FCDkQ0pQJegQICBAB&amp;biw=1920&amp;bih=919&amp;dpr=1">Google-Bildersuche mal mit „canada tar sand“ füttern</a> und zeigen, wie Teersandförderung kanadische Wälder in ein Real-Life-Mordor verwandelt.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1725093683819692520">https://twitter.com/superredaktion/status/1725093683819692520</a><h2>Ja, Klimaschutz in Deutschland ist sehr sinnvoll, auch wenn China deutlich mehr CO2 emittiert.</h2><p>Fakt ist: Deutschland emittiert <a href="https://ourworldindata.org/co2-emissions">„nur“ 2% des CO2 weltweit. Und die ganze EU liegt bei 9%. Ganz Europa liegt bei etwa 17%</a>, und das mit gerade mal <a href="https://www.dsw.org/wp-content/uploads/2019/12/DSW-Datenreport-2019.pdf">10% der Weltbevölkerung</a>. Nach der Logik könnte ich auch sagen, Klimaschutz in Karlsruhe sei total bekloppt, weil Karlsruhe nur ein halbes Prozent der deutschen Emissionen verursacht. Soll doch lieber erst mal Bayern das Klima schützen, <a href="https://www.statistikportal.de/de/ugrdl/ergebnisse/gase/co2">dort entstehen mehr als 10 Prozent der deutschen Emissionen</a> (wählt am besten das Bundesland, aus dem euer Gesprächspartner stammt)!</p><p>Zudem ist es ja nicht so, dass Deutschland allein etwas für den Klimaschutz tut: Fast alle Länder erhöhen ihre erneuerbaren Kapazitäten. Besonders drastisch: China. Dort werden Ende 2023 <a href="https://www.reuters.com/sustainability/climate-energy/china-lead-global-renewable-growth-with-record-installations-woodmac-2023-11-28/">sensationelle 230 Gigawatt Erneuerbare zugebaut sein</a>, womit China seine Ausbauziele <a href="https://www.theguardian.com/world/2023/jun/29/china-wind-solar-power-global-renewable-energy-leader">fünf Jahre früher erreicht als zugesagt</a> und etwa doppelt so viel Erneuerbare zugebaut hat wie Europa und die USA im gleichen Zeitraum zusammen.</p><p>China investiert konsequent in Erneuerbare, E-Mobilität und Batterietechnik, auch deswegen könnte im kommenden Jahr bereits die magische Grenze erreicht sein, an der sowohl <a href="https://www.bloomberg.com/news/newsletters/2023-08-29/china-reaches-peak-gasoline-in-milestone-for-electric-vehicles">Chinas Ölverbrauch</a> als auch <a href="https://www.carbonbrief.org/analysis-chinas-emissions-set-to-fall-in-2024-after-record-growth-in-clean-energy/">Chinas CO2-Emission</a> ihr Maximum erreichen. Wer sich also nicht mit Klimaschutz-Argumenten von Investitionen in saubere Technologien überzeugen lässt, könnte vielleicht mit der Idee zu gewinnen sein, dass die deutsche Wirtschaft droht, in diesen Branchen abgehängt zu werden, wenn sie nicht einen Zahn zulegt. Oder lieber gleich ein ganzes Gebiss.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/f737d3c9-1c37-48bc-a74d-07daf341bf7e/uploads/images/dtrbb55v4b/Untitled%20(2).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Cartoon von Martin Perscheid; in einem Raum voller mit &quot;Made in China&quot; beschrifteter Objekte fragt sich ein Mann, warum er sich einschränken soll, wenn doch &quot;der Chinese&quot; viel mehr Dreck macht."/><h2>Es ist nicht unsinnig, das eigene Verhalten zu ändern, nur weil das allein nichts löst.</h2><p>Auch wenn ein Körnchen Wahrheit darinsteckt: Auch die effektivsten Verhaltensweisen wie eine fleischfreie Ernährung, klimaneutrales Heizen und flugfreies Reisen haben eine begrenzte Wirkung. Mit sehr vorbildlichem persönlichen Verhalten können wir die Emissionen <a href="https://uba.co2-rechner.de/de_DE/">auf wenige Tonnen CO2/Person und Jahr senken</a>, aber nicht auf null. Wir müssen aber langfristig auf null.</p><p>Sind persönliche Maßnahmen deswegen überflüssig? Weit gefehlt: Je mehr wir uns jetzt um einen klimaschonenden Lebensstil bemühen, desto mehr Zeit gewinnen wir, um das System hinter unserem Konsum klimaneutral umzubauen. Und sind wir einmal in diesem neuen System angekommen, dann schützen wir alle automatisch besser unsere Lebensgrundlagen als die besten Klima-Streberinnen von 2023, und zwar mit verbundenen Augen und einer Hand auf dem Rücken.</p><p>Wer also aktuell nur schwer zu motivieren ist, selbst etwas zu ändern, dem/der fehlt vielleicht auch die Perspektive: Wir müssen uns nicht auf ewig einschränken und um Emissionen streiten, sondern unsere Gesellschaft vom fossilen System befreien. Das ist die eigentliche Aufgabe, und je mehr wir heute persönlich tun, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir mit dem eigentlichen Projekt bei moderaten 1,5 Grad Erwärmung landen und nicht bei 2,3.</p><p>Dazu ist es für den allerersten Schritt nicht wichtig, wie effektiv die Verhaltensänderung ist, für die man sich entscheidet. Ausschlaggebend ist erstmal die Veränderung im Denken von Menschen, sich als Teil der Lösung zu begreifen und Selbstwirksamkeit zu erfahren. So errichtet man sich gleichsam eine Plattform, von der aus man dann informiert und beflügelt über nächste, wirksamere Schritte nachdenken kann.</p><h2>Ein Teller Spinatcurry verbraucht viel weniger Fläche als einer mit Rinderbraten.</h2><p>Die Tierhaltung ist eine der größten Emissionsquellen weltweit. Aber wenn wir die Tiere nicht aufessen, was passiert dann mit denen? Nicht, dass die dann uns aufessen! Und was essen <em>wir</em> dann stattdessen? Wo sollen wir all die zusätzlichen Pflanzen anbauen, die wir dann vertilgen müssen?</p><p>Nun ja, in vielen Fällen einfach dort, wo aktuell die Futtermittel für all die Tiere wachsen. Wenn ihr auf eurer Ackerfläche 1000 Kalorien ernten könnt, dann könnt ihr damit ein Tier füttern, dessen Fleisch dann am Ende nur noch einen kleinen Teil dieser 1000 Kalorien enthält – beim Huhn <a href="https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-05/ernaehrung-fleisch-gemuese-bio-umweltschutz">zum Beispiel</a> 500, beim Schwein 333 und beim Rind sogar nur 140. Ist ja logisch, das Tier frisst ja nicht nur, um zu wachsen, sondern setzt die im Futter enthaltene Energie um in seinen Metabolismus und um in der Gegend herumzurennen.</p><p>Na ja, gegen das Rumrennen hat die moderne Tierhaltung ja schon quälend enge Kastenstände erfunden, noch mal Glück gehabt. Aber es bleibt dabei: Am Ende gehen meist mehr Kalorien verloren, als wir nutzen können. Aktuell landen Milliarden von Kalorien in Futtertrögen, anstelle deren wir auf den Böden auch direkt Nahrung für Menschen hätten anbauen können. Auf viel weniger Böden mit weniger Dünger und weniger Pestiziden. Global sieht es so aus:</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/f737d3c9-1c37-48bc-a74d-07daf341bf7e/uploads/images/cxbxstp255/Land%20use.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Diagramm über das Verhältnis von Flächenbedarf zu Kalorienproduktion bei Tierhaltung vs. Ackerbau."/><p><a href="https://ourworldindata.org/global-land-for-agriculture">Auf nur 23 PROZENT der landwirtschaftlichen Flächen bauen wir Nahrung direkt für Menschen an, mit denen wir aber 82 PROZENT der globalen Kalorien für Menschen produzieren</a>. Würden alle Menschen Tierprodukte vom Speiseplan streichen, könnten wir die landwirtschaftlich genutzte Fläche von 4 Milliarden Hektar auf eine Milliarde Hektar reduzieren. Klar, unrealistisch, dass wir das schnell genug hinkriegen, dass alle plötzlich von der Einsicht getroffen werden wie vom Blitz - aber selbst wenn Menschen nur noch wenig Tierprodukte zu sich nähmen, wäre locker eine Halbierung drin. Und wenn wir die frei werdenden 2 Milliarden Hektar nicht sofort wieder mit Indoor-Skihallen und gigantischen Parkplätzen versiegeln, könnten wir damit einen echten Boost für Biodiversität und Klima erreichen.</p><h2>Auch im Großen verändert sich aktuell eine Menge in Deutschland.</h2><p>Tante Liesbeth mag es bekloppt finden, sich einzuschränken, wenn doch die Regierung lieber erst mal die Kohlekraftwerke runterfahren könnte, aber genau das passiert ja gerade. Also nein, nicht die Regierung entscheidet, wie viel Kohle wir wann verbrennen, das entscheiden Märkte. Aber die Regierung setzt Rahmenbedingungen, und die haben sich auf 2023 prima ausgewirkt:</p><p>Wir hatten <a href="https://energy-charts.info/charts/renewable_share/chart.htm?l=de&amp;c=DE&amp;interval=year">noch nie so einen hohen Erneuerbaren-Anteil im Strommix</a> (<a href="https://ourworldindata.org/grapher/nuclear-renewables-electricity">weltweit</a> und in Deutschland), der EE-Ausbau geht auch endlich wieder schneller und wir haben abgesehen vom ersten Corona-Jahr <a href="https://energy-charts.info/charts/energy/chart.htm?l=de&amp;c=DE&amp;interval=year&amp;year=-1&amp;legendItems=00000010100000000000000">noch nie so wenig Kohle für die Stromerzeugung verbrannt</a>. Und das, obwohl wir dieses Jahr noch 3 Atomkraftwerke runtergefahren haben, deren fehlender Strom ja irgendwie ersetzt werden musste.</p><p>In den Medien wurde es dieses Jahr oft als Nachteil dargestellt, dass wir in früheren Jahren mehr Strom exportiert haben. Tatsächlich haben wir früher aber auch einfach viel Kohlestrom erzeugt, um ihn ans Ausland zu verkaufen. Das mag in der Außenhandelsbilanz schön aussehen, aber ein intakter Planet macht noch viel mehr Spaß als eine hübsche Außenhandelsbilanz.</p><p>Wem das aber immer noch zu langsam geht, ist herzlich eingeladen, sich an den systematischen Veränderungen zu beteiligen, sei das in der Politik, in einer Protestbewegung oder indem er/sie sich für ein Chemiestudium entscheidet und eine revolutionäre Batteriezelle erfindet.</p><h2>Warum der Atomausstieg all diese Veränderungen NICHT wieder zunichte macht.</h2><p>Wir lesen aktuell sehr häufig, unsere Energiewende-Bemühungen machten gar keinen Sinn, weil wir aus der Atomkraft aussteigen. Wir müssten jetzt wieder ganz viel Kohle verstromen und seien auf französische Atomkraft angewiesen. Daran stimmt glücklicherweise so gut wie nichts.</p><p>Das Körnchen Wahrheit in solchen Beschwerden ist, dass unsere Abkehr von fossilen Brennstoffen ohne den vorgezogenen Atomausstieg schneller gegangen wäre. Wären die Reaktoren in Biblis, Grafenrheinfeld und Philippsburg nicht abgeschaltet worden, als Philipp Rösler (FDP), Sigmar Gabriel (SPD) und Peter Altmaier (CDU) Wirtschaftsminister waren, hätten wir weniger Kohle und Gas verstromen müssen. Würden sogar alle seit 2011 runtergefahrenen Reaktoren noch laufen (Kernkraftwerk Biblis liefe dann seit 48 Jahren), hätten wir im Schnitt zusätzlich 15 klimafreundliche Gigawatt Atomstrom im Netz.</p><p>Aber wir hätten auch ohne Atomausstieg noch genug Kohle im Mix, um uns zu ärgern. Und tatsächlich wird 2023 zu einem <a href="https://energy-charts.info/charts/renewable_share/chart.htm?l=de&amp;c=DE&amp;interval=year">Rekordjahr des Erneuerbaren Anteils im Strommix</a> und <a href="https://energy-charts.info/charts/energy/chart.htm?l=de&amp;c=DE&amp;interval=year&amp;legendItems=00000010101000000000000&amp;year=-1">zu einem Negativrekordjahr der fossilen Kraftwerke</a>. Unser Braunkohleverbrauch fällt <a href="https://twitter.com/energy_charts_d/status/1737152432453435415/photo/1">voraussichtlich auf den Stand von 1965</a>, und die verbrauche Steinkohle entspricht <a href="https://energy-charts.info/charts/energy/chart.htm?l=de&amp;c=DE&amp;interval=year&amp;legendItems=00000000100000000000000&amp;year=-1">einem Drittel des Verbrauchs von 2002</a>. Sollte die Verwandtschaft also darauf bestehen, dass die Energiewende gescheitert sei, dann zieht einfach 30 Minuten, bevor der Backofen-Timer klingelt, den halb-rohen Weihnachtsschmaus aus dem Backofen, guckt betreten in die Runde und sagt “Leute, das Projekt Pilzbraten mit Soße ist gescheitert!” (sowohl der Pilzbraten als auch die Energiewende sind halt einfach noch nicht fertig).</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/f737d3c9-1c37-48bc-a74d-07daf341bf7e/uploads/images/oja5igpfcm/EE-Anteil.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Auch die Idee, Deutschland hinge seit diesem Jahr zwangsweise am französischen Atomtropf oder sei zum “Strombettler” geworden sei, ist so grotesk wie falsch. Zunächst war die deutsche Atomstromerzeugung von 2022 viel zu gering, um so einen entscheidenden Unterschied zu machen. 6,6% des Stroms machte sie aus, oder, optisch besser greifbar, <a href="https://energy-charts.info/charts/power/chart.htm?l=de&amp;c=DE&amp;year=2022&amp;week=44">das dünne rote Band in diesem Chart</a>.</p><p>Auch wenn sich im ganzen Land kaum ein Lüftchen rührt und die Solarproduktion entsprechend schwächelt, müssen wir keinen Strom importieren. Wir tun es <a href="https://energy-charts.info/charts/power/chart.htm?l=de&amp;c=DE&amp;week=24&amp;legendItems=000000000000011110000&amp;source=tcs_saldo&amp;stacking=stacked_absolute">in solchen Fällen wie in der Nacht zum 18.06.2023</a> oft trotzdem, weil es schlicht günstiger ist, als den Strom selbst zu erzeugen.</p><p>Hätte uns zu dieser Zeit aber niemand günstigen Strom verkaufen wollen, hätten wir ihn locker selbst erzeugen können, denn unsere Kohlekraftwerke waren da nur zu 25% ausgelastet. Auch ganz ohne Sonne und Wind <a href="https://energy-charts.info/charts/installed_power/chart.htm?l=de&amp;c=DE&amp;legendItems=100011111000&amp;stacking=stacked_absolute">haben wir 90 Gigawatt wetterunabhängige Kraftwerksleistung</a> in Deutschland installiert. Der Maximalverbrauch lag 2023 bislang bei 73 Gigawatt (am Abend des 04.12.2023).</p><p>Meistens lohnt es sich aber, einen Teil davon zu importieren, das ist günstiger und klimafreundlicher, denn unser Importstrom <a href="https://energy-charts.info/charts/energy/chart.htm?l=de&amp;c=DE&amp;interval=year&amp;source=tcs_saldo">stammt zum absoluten Großteil aus nicht-fossilen Quellen</a>.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/f737d3c9-1c37-48bc-a74d-07daf341bf7e/uploads/images/sgnlcyyoom/Kohlestrom%20f%C3%A4llt%20auf%201965.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Norwegen und Schweden leben im Strom-Paradies und können allein mit ihren Wasser- und Atomkraftwerken immer genug CO2-armen Strom bereitstellen. Als aber in der Weihnachtswoche Orkantief Zoltan für deutsche Windkraftrekorde sorgte, importierten <a href="https://energy-charts.info/charts/power/chart.htm?l=de&amp;c=DE&amp;source=tcs_saldo&amp;stacking=stacked_absolute">am 21.12.2023 um 09:30 Ihr die beiden Stromparadiese und alle direkten deutschen Nachbarstaaten gleichzeitig Strom aus Deutschland</a>.</p><p>Das taten sie nicht, weil sonst in Oslo, Stockholm und Kopenhagen die Lichter ausgehen oder sie Strombettler sind, sondern weil das günstiger war. Das ist ein Feature, kein Bug. Durch das gegenseitige Aushelfen mit Strom, wenn er im Überschuss vorhanden ist, verringern wir den europäischen Bedarf nach Fossilimporten und senken unsere Emissionen schneller.</p><h2>Und das, liebe Leute, war es für dieses Jahr.</h2><p>Wir verlinken hier noch schnell ergänzend unseren <a href="https://steadyhq.com/de/superredaktion/posts/1d10fd9f-5900-43ac-9e51-7998e7682023">Leitfaden für schlechtes Argumentieren</a> von vor einer Weile, den kann man sicher auch gut nochmal auswendig lernen vor der Bescherung, und dann machen wir für 2023 die Schotten dicht.</p><p>Wir bedanken uns sehr für eure Aufmerksamkeit, hoffen, wir haben euch hier und da ein bisschen helfen können, und freuen uns sehr darauf, im Januar wieder den Faden aufzunehmen.</p><p>Euch allen ein frohes Fest und gute, ruhige, friedliche Tage zwischen den Jahren, und grüßt uns alle eure Tanten Liesbeth.</p><h2>Sonder-Weihnachtstipp</h2><a href="https://www.schmidtspiele.de/details/produkt/e-mission.html"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/f737d3c9-1c37-48bc-a74d-07daf341bf7e/uploads/images/hkboqnqvkg/Untitled%20(3).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Brettspielbox &quot;e-Mission&quot;" data-link="https://www.schmidtspiele.de/details/produkt/e-mission.html"/></a><p>Wer noch <em>ganz schnell</em> ein Geschenk braucht und gern gemeinsam am Wohnzimmertisch mit den Lieben die Weltrettung proben möchte: <a href="https://www.schmidtspiele.de/details/produkt/e-mission.html">E-Mission</a> ist ein kooperatives Brettspiel über die Herausforderung, gemeinsam ein besseres Morgen zu erkämpfen. Es stammt aus der Feder von Matt Leacock, der mit <a href="https://www.spiel-des-jahres.de/spiele/pandemie/">Pandemie</a> eines der erfolgreichsten kooperativen Brettspiele aller Zeiten erdacht hat, ist das Produkt enger Zusammenarbeit mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft und ist so randvoll mit Lösungen, dass es kracht, von bekannt bis obskur.</p><p>Hunderte von Projekten und Maßnahmen auf wunderschön illustrierten Karten, darunter garantiert Dutzende, von denen ihr nie gehört habt, können ausprobiert werden, um die Erderwärmung in Grenzen zu halten und sorgen für Gesprächsstoff, jede einzelne mit einem QR-Code, der zu einem supersoliden einordnenden Text führt (in dieser Ausführlichkeit derzeit noch leider nur auf <a href="https://www.daybreakgame.org/explore-cards">Englisch</a>).</p><p>Und weil Leacock ein echter Gamedesign-Veteran ist, handelt es sich hier nicht um das übliche Bildungsprojekt, bei dem jemand mit pädagogischem gutem Willen Fotos von Windrädern auf Memory-Karten geklebt hat. E-Mission ist ein zugängliches, innovatives, sehr gut spielbares Stück Klimakommunikation mit interessanten Entscheidungen und inspirierendem, blendend recherchiertem Inhalt.</p><p>—</p><p><em>Dieser Newsletter ist nur durch Eure finanzielle Unterstützung möglich! Daher ein großes Dankeschön an alle Unterstützer</em>innen.*</p><p>Wenn Du noch nicht dabei bist, <strong>freuen wir uns sehr über Spenden</strong> (und können auch mit Spendenbescheinigungen dienen wenn gewünscht).</p><p>Global Eco Transition gGmbH | IBAN: DE62 4306 0967 1230 6808 00 | BIC: GENODEM1GLS Verwendungszweck: ”Spende Superredaktion”</p><p><strong><em>Wichtig:</em></strong><em> Spenden kommen bei uns nur an, wenn der Verwendungszweck richtig angegeben wird.</em></p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Du willst </em><strong><em>deine Reichweite nutzen</em></strong><em>, um auf Klimathemen aufmerksam zu machen? Wir helfen Dir dabei! Schreib uns gerne eine Mail an</em> <a href="https://energy-charts.info/charts/energy_pie/chart.htm?l=de&amp;amp;c=DE&amp;amp;interval=year"><strong>info@superredaktion.de</strong></a> – <em>wir sind freundlich, wissen Sachen und </em><strong><em>kosten dich nichts</em></strong><em>.</em></p><p><em>Du kennst Menschen, denen dieser Newsletter auch helfen könnte? Dann teile ihn gerne!</em></p><p><em>Weiteren Kram zum Teilen findest du auf</em> <a href="https://twitter.com/superredaktion">Twitter</a> <em>und</em> <a href="https://www.instagram.com/superredaktion/">Instagram</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sat, 23 Dec 2023 12:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[COP28: Widersprüche aushalten. Ein Lehrstück.]]></title>
      <description><![CDATA[Der unerlässliche Klimakonferenz-Führer für normale Leute, zusammengestellt von einem, der es wissen muss: Euer heutiger Autor ist ein veritabler Klimakonferenz-Veteran.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Willkommen im Newsletter der <em>Superredaktion</em> – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete Anpackmaterialien für Menschen mit Reichweite und Bock auf Zukunft.</p><p>Heute erst mit guten Nachrichten, dann mit wichtigen, aber ambivalenten Nachrichten.</p><p>Und: Heute ausnahmsweise heute, und nicht erst nächste Woche. Denn da braucht es Platz in euren Köpfen und Herzen für unseren exklusiven Xmas-Sondernewsletter mit dem praktischen Diskussionsleitfaden für Klimaquatschkonter im Kreise der Familie, den wir euch am 23. direkt unter den Weihnachtsbaum schicken werden. Das wird ein Fest!</p><h2>Gute Nachrichten</h2><p><a href="https://www.tagesschau.de/wissen/klima/studie-kohlekraftwerke-100.html">Kohlekraftwerke ersetzen lohnt sich</a> - in <a href="https://www.switchcoal.org/en/countries/germany">Deutschland</a> und überall sonst, fürs Klima und für den Geldbeutel. Das zeigt eine neue Studie, an der Forschende unter anderem des <a href="https://zeroemissionthinktank.org/">Zero Emission Think Tanks</a>, des <a href="https://www.diw.de/deutsch">Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung</a> (eines der weltweit <a href="https://ideas.repec.org/top/top.inst.all.html">renommiertesten</a> Wirtschaftsforschungsinstitute) und weiterer internationaler Forschungseinrichtungen beteiligt sind. Für fast alle der mehr als 70 untersuchten Länder kommt die Arbeit zum selben Ergebnis: Durch den Ersatz der fossilen Kohlekraftwerke durch Erneuerbare an jeweils denselben Standorten könnten pro Jahr insgesamt fast zehn Gigatonnen CO2 eingespart werden, was etwa einem Viertel der globalen Emissionen entspricht – und dabei würde man innerhalb von 30 Jahren fast sechs Billionen Euro an Gewinnen einfahren.</p><p>Das stillgelegte Kernkraftwerk in Brokdorf in Schleswig-Holstein soll nach Plänen des Betreibers PreussenElektra zum <a href="https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Speicher-statt-Kernkraft-AKW-Brokdorf-soll-XXL-Akku-bekommen,brokdorf382.html">größten Batteriespeicher Europas</a> für erneuerbare Energie werden. Das Unternehmen möchte einen großen Teil der Mitarbeitenden, die derzeit noch mit dem Rückbau des Atomkraftwerks beschäftigt sind, behalten und ihnen auch im Batteriespeicher einen Arbeitsplatz bieten. Die Speicherkapazität wird 1.600 Megawattstunden betragen - genug, um 1,5 Millionen Haushalte für etwa zwei Stunden mit Strom zu versorgen. Diverse Verfahren für die Speicherung von Energie werden umso wichtiger, um die Produktionsschwankungen von Erneuerbaren auszugleichen, desto größer der Anteil von Wind- und Sonnenenergie an unserem Strommix ist.</p><p>In <a href="https://www.notion.so/Hamburgische-B-rgerschaft-stimmt-neuem-Klimaschutzgesetz-zu-NDR-de-Nachrichten-Hamburg-7d0ade48f2e442978d779f85755b27b8?pvs=21">Hamburg</a> ist ein neues Klimagesetz verabschiedet worden, nach dem ab 2024 Solardächer nicht nur für alle Neubauten Vorschrift werden, sondern auch für Bestandsgebäude, sobald eine Dachsanierung durchgeführt wird. Zudem sollen für den städtischen Fuhrpark nach Möglichkeit nur noch CO2-neutrale Fahrzeuge angeschafft werden. Diese Neuerungen sind Teil der Umsetzung eines Klimaplans, mit dem die Stadt bis 2030 ihre Emissionen um 70% senken und bis 2045 klimaneutral werden möchte.</p><h2>Und nun:</h2><p>Der unerlässliche Klimakonferenz-Führer für normale Leute, zusammengestellt von einem, der es wissen muss: Euer heutiger Autor ist ein veritabler Klimakonferenz-Veteran, er hat schon 2015 als Teil der angolanischen Delegation an der Pariser COP21 teilgenommen.</p><p>Wenn auch nur in der <a href="https://schauspielhaus.de/stuecke/welt-klimakonferenz">theatralischen interaktiven Planspiel-Inszenierung</a> der Künstlergruppe <a href="https://www.rimini-protokoll.de/website/en/">Rimini Protokoll</a> am Hamburger Schauspielhaus.</p><p>Aber so groß wird der Unterschied schon nicht sein.</p><h2>Das Präsidenten-Paradoxon</h2><p>First things first: Der Präsident der diesjährigen Weltklimakonferenz in Dubai, Sultan Al-Jaber, ist zugleich Geschäftsführer des staatlichen Ölkonzerns ADNOC.</p><p>Man könnte also sagen: Interessenkonflikt. Man könnte auch sagen: Ist doch vielleicht gar nicht schlecht, wer könnte glaubwürdiger und bindender auf großer Bühne Zugeständnisse machen, die den Ausstieg aus den Fossilen betreffen, wer könnte seiner Branche besser als Beispiel vorangehen als ein Fossiler, der diese Entscheidungen tatsächlich in der Hand hat?</p><p>Naja.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/7faa7c1f-de2f-499a-97c2-c85684a1f148/uploads/images/k7raffszh6/Untitled.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Die 90er-Jahre Boyband &quot;Caught in the Act&quot;"/><p>ADNOC plant den Ausbau seiner Öl- und Gasförderungskapazitäten in einer <a href="https://www.theguardian.com/environment/2023/apr/04/revealed-uae-plans-huge-oil-and-gas-expansion-as-it-hosts-un-climate-summit">Größenordnung</a>, die dem zehnfachen dessen entspricht, was die Vereinigten Arabischen Emirate noch aus der Erde holen dürften, wenn sie ihr zugesagtes Ziel der Klimaneutralität bis 2050 erreichen wollen. Damit liegen sie auf Platz 3 der weltweiten Klimazielsprenger durch Öl- und Gasförderung, übertroffen nur von den Ausbauplänen der Staatskonzerne von Saudi-Arabien und Katar.</p><p>Im Vorfeld der Konferenz hat sich Al-Jaber von der Beratungsagentur McKinsey (die das für ihn gern pro bono übernommen hat) einen <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/mckinsey-und-die-klimakonferenz-die-untergangsberater-der-rationalist-kolumne-a-f373c488-32b8-4c54-a9cb-7c67d31a47af">Plan</a> erstellen lassen, ein “Energieübergangsnarrativ”, das darauf abzielt, den weltweiten Ölverbrauch bis 2050 nur um die Hälfte zu reduzieren und bis dahin jedes Jahr Billionen in die Erschließung neuer Ölvorkommen zu investieren.</p><p>Das Büro des COP-Präsidenten hat Presseanfragen direkt an die ADNOC-Konzernzentrale <a href="https://www.theguardian.com/environment/2023/jun/07/uae-oil-firm-cop28-climate-summit-emails-sultan-al-jaber-adnoc">weitergeleitet</a>, um sich von dort Rat für die Beantwortung zu holen und (zunächst heimlich, dann, ertappt, öffentlich) Al-Jabers Wikipedia-Eintrag sorgfältig ins <a href="https://www.theguardian.com/environment/2023/may/30/cop28-president-team-accused-of-wikipedia-greenwashing-sultan-al-jaber">Grüne</a> aufgehübscht.</p><p>In einer Diskussion wenige Wochen vor der Konferenz <a href="https://www.theguardian.com/environment/2023/dec/03/back-into-caves-cop28-president-dismisses-phase-out-of-fossil-fuels">mansplainte</a> Al-Jaber der ehemaligen Präsidentin Irlands, Mary Robinson, in erregtem Ton, dass es keinen wissenschaftlichen Beweis dafür gebe, dass es ein Ende der fossilen Brennstoffe bräuchte, um das 1,5°-Ziel zu erreichen, und dass im Übrigen der Verzicht auf die Fossilen die Menschheit wieder zurück in die Höhlen werfen würde.</p><p>Ersteres ist dreist gelogen, letzteres ein beliebtes, uraltes und leider sehr erfolgreiches Verzögerungsnarrativ der fossilen Industrie, für das es keine erkennbare Empirie gibt. Ganz im Gegenteil: <a href="https://www.deloitte.com/global/en/about/press-room/deloitte-research-reveals-inaction-on-climate-change-could-cost-the-world-economy-us-dollar-178-trillion-by-2070.html">Hier</a> eine Studie dazu: Der Übergang zur Klimaneutralität beschert der Welt einen Gesamtgewinn von 43 Billionen Dollar über die nächsten 50 Jahre, Nichtstun sorgt für Mehrkosten von 170 Billionen. H<a href="https://www.notion.so/Pressure-builds-to-eliminate-fossil-fuel-use-as-oil-executive-takes-over-climate-talks-AP-News-78ee0ec1b42b4b8ab737043d6c6b0031?pvs=21">ier</a> noch eine: Schaffung von weltweit 380 Millionen neuen Arbeitsplätzen. <a href="https://cleantechnica.com/2022/09/06/switching-the-world-to-renewable-energy-will-cost-62-trillion-but-the-payback-would-take-just-6-years/">Hier</a> noch eine: Kosten der Transformation nach sechs Jahren wieder eingespielt.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1665655057524686848">https://twitter.com/superredaktion/status/1665655057524686848</a><p>Eine <a href="https://www2.deloitte.com/content/dam/Deloitte/global/Documents/gx-tp-executive-summary-germany.pdf">Prognose</a> spezifisch für Deutschland, ebenfalls aus dem grüner Propaganda eher unverdächtigen Haus von <a href="https://www2.deloitte.com/de/de.html?icid=site_selector_de">Deloitte</a>:</p><p>Finanzielle Verluste in Höhe von 730 Milliarden Euro, Verlust von einer halben Million Arbeitsplätze – wenn wir nichts am derzeitigen Kurs ändern. Dagegen holen wir die Kosten einer entschlossenen Transformation, wenn wir direkt damit anfangen, bis circa 2038 wieder rein; bis 2070 stehen wir um 140 Milliarden besser da als ohne Wandel, und mit jedem weiteren Jahr sind mehr Rendite und Arbeitsplätze zu erwarten.</p><p>Zusätzlich zu diesen wenig vielversprechenden Aktivitäten des umstrittensten COP-Präsidenten aller Zeiten sei noch in die Waagschale geworfen, dass die fossile Industrie dieses Jahr mehr Lobbyisten zur Konferenz geschickt hat als die meisten Länder Delegierte: Nur Brasilien übertrifft mit seiner Delegation die Rekordgröße der <a href="https://www.theguardian.com/environment/2023/dec/05/record-number-of-fossil-fuel-lobbyists-get-access-to-cop28-climate-talks">mindestens 2456</a> Köpfe zählenden Interessenvertretung der Profiteure der Weltverbrennung.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1737186733995729333">https://twitter.com/superredaktion/status/1737186733995729333</a><h2>Ungreat Expectations</h2><p>Man muss also bilanzieren: Die 28. UN-Klimakonferenz in Dubai hat nicht unter den allerbesten Vorzeichen stattgefunden. Nein, die Vorzeichen, unter denen die 28. UN-Klimakonferenz in Dubai stattgefunden hat, waren eher, je nach Disposition, lächerlich oder tieftraurig. Wenn man es ins Positive wenden will: Zumindest wird hier einmal sehr deutlich und auf weltweiter Bühne offensichtlich, was sonst still und heimlich in irgendwelchen Hinterzimmern stattfindet. Das ist die Mentalität, die es zu überwinden gilt. Die Zerstörung der Welt durch kurzfristige Profitinteressen von ultrareichen Männern in mächtigen Konzernen ist kein Märchen. Den bösen Wolf gibt es doch. Und alle können ihn sehen.</p><h2>Schäden, Verluste, Verantwortung</h2><p>Wie groß die Überraschung also, als gleich am ersten Tag der Verhandlungen eine Entscheidung fiel über die Einrichtung eines Loss-and-Damages-Fonds, eines Vermögens also, in das diejenigen Länder einzahlen, die als die größten Treiber des Klimawandels gelten, um die Länder zu unterstützen, die am meisten unter den Folgen der Erderhitzung leiden. Das ist ein wirklich großer Wurf vor dem Hintergrund, dass über die Einrichtung dieses Instruments auf allen Klimakonferenzen der letzten 30 Jahre gestritten wurde, weil es a) viel Geld kostet und b) weil jede Zusage von Geld durch ein Land ein implizites Schuldeingeständnis und damit eine womöglich justiziable Verantwortungsübernahme für entstandene Schäden bedeutet. Damit tut sich manch eine Nation mit besonders fossilen Geschäftsmodellen nicht leicht.</p><p>Hier ist also ein gordischer Knoten zerschlagen worden, und das mit einer Geschwindigkeit, die viele Beobachtende überrascht hat.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1737186842812747927">https://twitter.com/superredaktion/status/1737186842812747927</a><p>Wie vieles im Leben kommt auch diese gute Nachricht nicht ohne Aber: Die bis jetzt zugesagten 700 Millionen Dollar (unter ihnen vorn mit dabei Deutschland und das Gastgeberland, die Vereinigten Arabischen Emirate, mit jeweils 100 Millionen) belaufen sich auf lediglich 0,2 Prozent des prognostizierten Bedarfs, da muss also noch ein kleines bisschen was passieren. Zum Vergleich: Die Petrostaaten, Öl- und Gaskonzerne haben zusammen seit 1970 im Schnitt <strong><em>jeden Tag</em></strong> drei Milliarden Dollar <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/mckinsey-und-die-klimakonferenz-die-untergangsberater-der-rationalist-kolumne-a-f373c488-32b8-4c54-a9cb-7c67d31a47af">Gewinn</a> gemacht. Fünfzig Jahre lang. Inflationsbereinigt. 2022 war ein neues Rekordjahr, was Profite aus fossilen Brennstoffen angeht.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1737186800190247215">https://twitter.com/superredaktion/status/1737186800190247215</a><h2>Massiver Ausbau der Erneuerbaren</h2><p>Auch der zweite Verhandlungserfolg ließ nicht lange auf sich warten: Am fünften Konferenztag hat die EU ein <a href="https://germany.representation.ec.europa.eu/news/cop28-eu-schmiedet-bundnis-zur-verdreifachung-erneuerbarer-energien-und-verdoppelung-der-2023-12-04_de">Bündnis</a> ins Leben gerufen, das sich die weltweite Verdreifachung erneuerbarer Energien und die Verdoppelung der Energieeffzienz bis 2030 auf die Fahnen geschrieben hat.</p><p>Die Internationale Energieagentur hat in ihrem <a href="https://www.iea.org/reports/world-energy-outlook-2023?language=de">Ausblick</a> für 2023 fünf wesentliche <a href="https://twitter.com/fbirol/status/1734898637996458088">Säulen</a> ausgemacht, mit denen wir das 1,5°-Ziel noch in Reichweite halten können; die Verdreifachung der Erneuerbaren ist der größte Hebel unter ihnen. Zusammen mit der Verdopplung der Energieeffizienz wären damit fast drei Viertel der nötigen Emissionsminderungen erreicht, um bis 2030 auf Kurs zu sein.</p><p>Dass sich bereits fast 120 Nationen dieser Selbstverpflichtung angeschlossen haben, ist also ein echter Erfolg, aber sieben Jahre sind wirklich wenig Zeit und Verdreifachung klingt richtig viel – geht das überhaupt? Dafür bräuchte es ja ausgehend vom Stand 2022 eine absolut irre Wachstumsquote von, Moment, jährlich 17%, ist das nicht naiv?</p><p>Ambitioniert ja, naiv nicht. Warum nicht?</p><p>Weil die Wachstumsquote der Erneuerbaren im <a href="https://www.carbonbrief.org/qa-why-deals-at-cop28-to-triple-renewables-and-double-efficiency-are-crucial-for-1-5c/">Durchschnitt über die letzten sieben Jahre</a> bei absolut irren 17% lag.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1737186673040003419">https://twitter.com/superredaktion/status/1737186673040003419</a><h2>Die eigentliche Messlatte</h2><p>Letzten Endes ist es jedoch die Abschlusserklärung, die darüber entscheiden wird, ob diese COP als Erfolg oder Niederlage in die Geschichtsbücher eingehen wird. Und die ist nach zähem Ringen… lauwarm geworden. Nicht die Katastrophe, nach der es zunächst <a href="https://www.tagesschau.de/ausland/asien/klimagipfel-entwurf-abschluss-kritik-100.html">aussah</a>, das nicht. Erstmals wird in einer COP-Abschlusserklärung explizit der Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle, naja, sagen wir mal angeregt. Das ist gegen die Petrostaaten, also die wirtschaflich maßgeblich vom Export fossiler Energieträger abhängigen Ländern, gegen immensen Widerstand erkämpftes Zugeständnis, zuvor war immer nur vom Vermindern der Emissionen die Rede gewesen, und wie genau man das macht (Carbon Capture, Thoriumreaktoren, E-Fuels, Einhörner) blieb den Ländern überlassen. Aber wenn wir nach 28 internationalen Klimakonferenzen feiern müssen, dass es uns endlich gelungen ist, das Problem, das wir schon seit 50 Jahren genau kennen, beim Namen zu nennen, bleibt schon noch einiges an Luft nach oben.</p><p>Das Bekenntnis zur Verdreifachung der Erneuerbaren und zur Verdopplung der Energieeffizienz bis 2030 ist drin, die <em>Aufforderung</em> einer <em>Abkehr</em> der Länder von fossilen Brennstoffen <em>in ihren Energiesystemen</em> ebenso.</p><p>Die Sprache verdient hier genaue Aufmerksamkeit und unterliegt einem <a href="https://twitter.com/DrSimEvans/status/1459890720223997953">etablierten Reglement</a>: Das Dokument <em>fordert auf</em> (”<em>calls upon”)</em>, das ist die schwächstmögliche Formulierung in der Hierarchie von empfohlenen Verben, und der unauffällige Anhang mit den Energiesystemen verengt diese schwache Aufforderung noch auf etwas, das man vermutlich als den Bereich der Strom- und Wärmeproduktion interpretieren muss, also explizit nicht zum Beispiel Transport und Industrie.</p><p>Trotzdem: vor dem Hintergrund, dass die diesjährige Klimakonferenz, siehe oben, so weitreichend vom Bösen Wolf unterwandert war wie keine andere zuvor, kann man das wohl durchaus als unerwarteten Erfolg verbuchen.</p><p>Insgesamt ist diese Erklärung der Weltgemeinschaft aber leider nicht das kraftvolle Bekenntnis, das wir bräuchten, um die Menschheit endlich wirkungsvoll vor sich selber zu schützen. Mehr als hundert Länder hatten die stärkere Formulierung des sogenannten <em>phase-out</em> fossiler Brennstoffe gefordert – aber weil die Beschlusstexte immer einstimmig verabschiedet werden müssen, ist dieses Vorhaben gescheitert. Nach dieser Regel, <a href="https://www.nytimes.com/2023/12/08/climate/opec-cop28-climate-oil.html?auth=login-google1tap&amp;login=google1tap">so Al Gore</a>, ehemaliger Vizepräsident der USA, müssen Länder also effektiv “die Petrostaaten um die Erlaubnis anbetteln, die Zukunft der Menschheit zu bewahren”. Das Konsensprinzip ist übrigens eine Regelung, die 1994 auf das Drängen Saudi-Arabiens und anderer <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_erd%C3%B6lexportierender_L%C3%A4nder">OPEC</a>-Staaten hin eingeführt wurde.</p><p>Gore fordert eine Umstellung des Verfahrens auf eine 75%-Mehrheit, und mit grundlegenden Reformwünschen an die Entscheidungsfindung der UN-Klimakonferenzen ist er <a href="https://www.theguardian.com/commentisfree/2023/dec/09/cop28-rigged-fail-save-planet-climate-summit-fossil-fuel">nicht allein</a>.</p><h2>Fazit: Zwei Wahrheiten</h2><ol><li><p><strong>Es hätte schlimmer kommen können.</strong> Aus der Perspektive der UNO-Klimapolitik ist ein historischer Durchbruch erzielt worden, und vermutlich schäumt so mancher Ölbaron in so manchem OPEC-Land jetzt vor Zorn: Ein überwältigender Konsens darüber, dass die fossilen Brennstoffe beendet gehören, ist gegen große Widerstände der Profiteure erstmals offiziell zu Papier gebracht und besiegelt worden.</p></li><li><p><strong>Wir hätten Besseres verdient.</strong> Denn für den Kurswechsel, den es bräuchte, um das Steuer Richtung 1,5° herumzureißen, reicht der Beschluss bei weitem nicht aus, ist voller Schlupflöcher, lässt Raum für zu viele Scheinlösungen, und zu viele Gerechtigkeitsfragen über die Finanzierung der notwendigen Transformation bleiben unbeantwortet.</p></li></ol><p>Wie trösten wir uns? Damit, dass es trotz allem 100 Länder gibt, die sich klar zum Ausstieg aus den Fossilen bekennen. Damit, dass 120 Länder massiv auf den Ausbau der Erneuerbaren setzen wollen. Damit, dass die Wirtschaft an vielen Stellen der Politik um Meilen voraus ist – nicht aus Güte, sondern aus pragmatischen Erwägungen, weil sie das wirtschaftliche Potential der Transformation längst erkannt hat.</p><p>So oder so: Wir befinden uns am Anfang vom Ende des fossilen Zeitalters, der Wind hat sich gedreht, <a href="https://www1.wdr.de/nachrichten/opec-brief-dubai-klimakonferenz-cop-100.html">und das weiß auch der Böse Wolf</a>.</p><p><strong>Es ist an uns, die Wende in eine bessere, gesündere, enkelfähigere Welt überall dort zu beschleunigen, wo wir Wirkung entfalten können, damit wir nicht zu viel verlieren, bevor wir gewinnen.</strong></p><p>Zum Abschluss <a href="https://www.bbc.com/news/live/world-67674841?pinned_post_locator=urn:asset:6d3850fe-bf2f-44dc-abdf-01958014d30b&amp;pinned_post_asset_id=6578809887855b2dac7d413e&amp;pinned_post_type=share">hier</a> ein Text, der beispielhaft für die einzig zulässige und viel zu wenig diskutierte Perspektive steht, aus der man heutzutage noch für den Ausbau der Förderung fossiler Brennstoffe argumentieren kann.</p><h2>Tipp des Monats</h2><a href="https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzeit/zdfzeit-die-geheime-welt-der-superreichen-100.html"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/7faa7c1f-de2f-499a-97c2-c85684a1f148/uploads/images/naloeatszu/Untitled%20(1).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Titelbild der ZDF-Doku &quot;Wie leben deutsche Milliardäre&quot;?" data-link="https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzeit/zdfzeit-die-geheime-welt-der-superreichen-100.html"/></a><p>Für ihre ZDF-Doku <a href="https://www.zdf.de/dokumentation/zdfzeit/zdfzeit-die-geheime-welt-der-superreichen-100.html">Die geheime Welt der Superreichen</a> haben Jochen Breyer und Julia Friedrichs ein Jahr lang in Milliardärskreisen recherchiert – mit folgenden Ergebnissen:</p><ul><li><p>Es gibt eine ganze Ecke <a href="https://www.boeckler.de/pdf/p_fofoe_WP_316_2023.pdf">mehr</a> unauffällige Superreiche in Deutschland als gemeinhin angenommen, Tendenz steigend;</p></li><li><p>die sind auch noch etwas superreicher als gedacht;</p></li><li><p>viele unter ihnen zahlen nur sehr wenig Steuern und lassen sich dafür gern exklusiv von einer <a href="https://www.sueddeutsche.de/medien/gerda-hofmann-milliardenspiel-steuern-sparen-wiki-steuertipps-1.6317761?reduced=true">Beamtin</a> des Finanzministeriums richtig gute Insider-Tipps geben, damit das auch so bleibt.</p></li></ul><p>Der Film gibt interessante Einblicke in einen Lebensstil und eine Mentalität, die uns Normalos sonst verwehrt bleiben. Vor allem aber zeigt er Potentiale auf, die bisher erfolgreich aus der öffentlichen Debatte herausgehalten werden, weil wir offenbar lieber über faule Bürgergeldempfangende schimpfen. So werden dort - mit lediglich symbolischem Gewinn und massiven Folgen für die Ärmsten - Gelder gekürzt, um die Lücke im Klimatransformationsfond zu schließen, anstatt dafür zu sorgen, dass diejenigen, die am meisten haben, nicht länger am wenigsten davon abgeben:</p><p>Laut <a href="https://www.taxobservatory.eu/publication/global-tax-evasion-report-2024/">Global Tax Evasion Report</a> haben Milliardärinnen und Milliardäre weltweit im Schnitt eine effektive Steuerbelastung zwischen 0,5 und 1%. Parallel korreliert Reichtum <a href="https://www.tagesschau.de/wirtschaft/energie/oxfam-klima-ungleichheit-100.html">bekanntermaßen</a> exponentiell mit einem klimaschädlichen Leben, und der durchschnittliche CO2-Ausstoß pro Kopf verbirgt auch hierzulande, dass viele Menschen am unteren Ende der Vermögensleiter ein Leben führen, das bereits alle Klimaziele erfüllt, während das obere Ende durch Konsum und Investitionen das zigfache ausstößt.</p><p>Gerechtigkeit geht anders.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1696155220043005958">https://twitter.com/superredaktion/status/1696155220043005958</a><hr aria-hidden="true"/><p><em>Dieser Newsletter ist nur durch Eure finanzielle Unterstützung möglich! 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Schreib uns gerne eine Mail an</em> <a href="https://www.tagesschau.de/wissen/klima/studie-kohlekraftwerke-100.html"><strong>info@superredaktion.de</strong></a> – <em>wir sind freundlich, wissen Sachen und </em><strong><em>kosten dich nichts</em></strong><em>.</em></p><p><em>Du kennst Menschen, denen dieser Newsletter auch helfen könnte? Dann teile ihn gerne!</em></p><p><em>Alle unsere bisherigen Sharepics und Newsletter findest du auch auf</em> <a href="https://twitter.com/superredaktion">Twitter</a> <em>und</em> <a href="https://www.instagram.com/superredaktion/">Instagram</a> - <em>gerne teilen!</em></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 19 Dec 2023 19:10:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Geschichten, die nach vorne schauen]]></title>
      <description><![CDATA[Die Leute wollen mehr Klima und Biodiversität im Fernsehen, und da ist noch viel Luft nach oben. ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Willkommen im Newsletter der <em>Superredaktion</em> – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete Anpackmaterialien für Menschen mit Reichweite und Bock auf Zukunft.</p><p>Folgende</p><h2>Gute Nachrichten</h2><p>haben wir diesen Monat für euch ausgewählt:</p><p>Chinas Emissionen werden ab 2024 erstmals <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/energiepolitik-china-kippt-in-die-richtige-richtung-kolumne-a-768db460-38a2-4ff4-9f05-ed62375041a0?nlid=%7B%7Bnl2go.list_id%7D%7D&amp;sara_ecid=nl_upd_1jtzCCtmxpVo9GAZr2b4X8GquyeAc9">sinken</a>. Das Land ist seit 2007 der größte Emittent des Planeten (jedenfalls, wenn man nicht nach historischen Emissionen geht, wo nach wie vor die USA Spitzenreiter sind). Dass China dank eines absurd schnellen Ausbaus erneuerbarer Energien schon jetzt diesen Wendepunkt erreicht anstatt wie geplant 2030, ist eine sehr, sehr gute Nachricht und führt hoffentlich zu mehr Ehrgeiz für einen Umbau der Wirtschaft auch bei anderen Industrienationen - es wäre in ihrem eigenen Interesse, wenn sie nicht vollständig den Anschluss an die Technologien verlieren möchten, die für eine Zukunft auf der Erde unentbehrlich sind.</p><p>In England beginnt mit dem Great Fen Project eines der <a href="https://www.theguardian.com/environment/2023/nov/04/a-game-changer-the-9000-acre-project-reclaiming-the-fens-for-nature">größten Renaturierungsprojekte Europas</a>: In der Grafschaft Cambridgeshire werden 3500 Hektar entwässertes, landwirtschaftlich genutztes Moorland wiedervernässt. Die Wiedervernässung von Mooren ist eine der wirkungsvollsten Klima- und Artenschutzmaßnahmen, die sich finden lassen: Nicht nur werden so verlorengegangene Habitate für zahlreiche bedrohte Arten wiederhergestellt, auch das CO2-Speicherpotential von intakten Moorlandschaften ist gigantisch und muss sich hinter dem von äquatorialen Regenwäldern nicht verstecken: <a href="https://www.wissenschaftsjahr.de/2020-21/koepfe-des-wandels/moore-als-natuerliche-co2-speicher.html">30 Prozent des gesamten auf der Erde gebildeten Kohlenstoffs  ist in intakten Mooren gespeichert</a> - dabei bedecken sie nur etwa drei Prozent der weltweiten Landfläche. Umgekehrt machen <a href="https://www.mdr.de/wissen/entwaesserte-moore-sorgen-fuer-sieben-prozent-der-treibhausgase100.html">entwässerte Moore nur ein halbes Prozent der weltweiten Landfläche aus</a>, aber sind für vier Prozent der menschengemachten Treibhausgasemissionen verantwortlich, in Deutschland sogar für sieben Prozent.  Wiedervernässung ist also eine echte Geheimwaffe für den Menschenschutz. Vor diesem Hintergrund ist es ebenfalls eine sehr gute Nachricht, dass im Rahmen des Great Fen Projects <a href="https://www.moorwissen.de/paludikultur.html#:~:text=Paludikultur%20(%E2%80%9Epalus%E2%80%9C%20%E2%80%93%20lat,Anbau%20von%20Schilf%20f%C3%BCr%20Dachreet.">neue Formen von Landwirtschaft</a> erprobt werden sollen, die sich mit dieser Landschaftsform vertragen, anstatt auf ihre Zerstörung angewiesen sind. Sicher eine gute Inspiration für zum Beispiel <a href="https://www.boell.de/de/2023/01/10/trockengelegte-moore-so-viele-emissionen-wie-der-gesamte-deutsche-flugverkehr">Niedersachsen</a>?</p><p>Dank der konsequenten Mobilitätspolitik von Bürgermeisterin Hidalgo, die für einen starken Ausbau von Fahrradwegen gesorgt hat, <a href="https://www.lemonde.fr/les-decodeurs/article/2023/11/11/a-paris-la-frequentation-des-pistes-cyclables-a-double-en-un-an_6199510_4355770.html">hat sich die Zahl der Fahrradfahrenden in Paris innerhalb eines Jahres verdoppelt</a>. Auf einigen Hauptstraßen sind inzwischen zur Rush Hour mehr Fahrräder als Autos unterwegs.</p><p>Das ist doch alles sehr erfreulich; jetzt reden wir über Fernsehen.</p><h2>Gute Geschichten gewünscht</h2><p>Lasst euch nichts erzählen: <strong>Die Leute wollen mehr Klimakram im Fernsehen</strong>, und mehr Biodiversitätskram im Übrigen auch, und da ist noch viel Luft nach oben.</p><p>Das ist die wohl wichtigste Erkenntnis aus der kürzlich veröffentlichten <a href="https://malisastiftung.org/klimawandel-und-biodiversitaet-im-tv/">Studie der MaLisa-Stiftung</a> von Maria und Elisabeth Furtwängler zur Präsenz dieser Themen in der deutschen Fernsehlandschaft.</p><p>Für viele von euch ist das eine Landschaft, in der ihr regelmäßig unterwegs seid, die ihr gut kennt und in der ihr Wirkung entfalten könnt. Kommt euch also dort jemand, der entsprechende Projekte wegwedelt mit “Das klickt nicht” oder “Das wollen die Leute nicht sehen” - dann habt ihr ab jetzt ein paar harte Fakten, die ihr so jemandem freundlich, aber mit Nachdruck zum Überdenken anbieten könnt.</p><p>Die Studie ist zweiteilig. Sie beschäftigt sich zum einen mit der messbaren Präsenz von Biodiversitäts- und Klimakrise im Programm, zum anderen mit der Rezeption dieser Themen durch Fernsehpublika. Publika. <em>Publika</em>. Schön. Gerade erst neu gelernt.</p><p>Dabei sind wir es unserer vielbeschworenen Evidenzbasiertheit schuldig, festzustellen, dass wir die Aussagekraft der Publikumsanalyse für größer halten als die der gemessenen Themenpräsenz in den Programmen von acht privaten und zwölf öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern.</p><h3>Was wir zu sehen bekommen</h3><p>Um herauszufinden, wieviel es anteilig im Fernsehen um Klima und Biodiversität geht, hat die Studie mit einem automatisierten Spracherkennungsverfahren gemessen, in wie vielen Sendeminuten eines oder mehrere einer Auswahl von entsprechenden Schlüsselwörtern ausgesprochen wird. Ergebnis: Der Anteil von Sendeminuten mit Bezug zum Klimawandel liegt bei 1,8% in der gesamten Stichprobe, der mit Bezug zu Biodiversität bei 0,2%.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1729200038277214574">https://twitter.com/superredaktion/status/1729200038277214574</a><p>(Kleiner Exkurs: Wenn ihr euch fragen solltet, warum eigentlich ausgerechnet Klimawandel und Biodiversität im Vergleich, dann gebt ihr uns Anlass und Gelegenheit, euch auf ein wichtiges Problem zu stoßen: Die Tatsache, dass Klima und Artenvielfalt wegen ihrer zahlreichen komplexen Wechselwirkungen unbedingt immer zusammen gedacht werden müssen, ist komplett unterkommuniziert. An vielen Stellen bedeutet die Erderwärmung Stress, Verschiebung und Vernichtung von Arten; umgekehrt sind Arten an vielen Stellen unentbehrliche Teile von Ökosystemen, die maßgebliche Beiträge dazu leisten oder leisten könnten, die Erderwärmung zu verlangsamen. Man könnte hier jetzt sehr weit ausholen, aber das eigentliche Thema ist ja heute ein anderes. Kurz gesagt: Biodiversität und Klima können sich gegenseitig stützen oder den Boden unter den Füßen wegziehen, so dass uns die ganze Angelegenheit im Zweifel deutlich schneller um die Ohren fliegen könnte als gedacht. Exkurs Ende.)</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1729200169089114117">https://twitter.com/superredaktion/status/1729200169089114117</a><p>Was sich auf dieser Grundlage sagen lässt: Der Klimawandel ist wesentlich präsenter als das Artensterben, und das sollte nicht so sein.</p><h3>Was uns das nicht sagt</h3><p>Darüberhinaus: 1,8% wirken auf den ersten Blick natürlich wenig, aber um das einordnen zu können, fehlen Vergleichswerte. Wir wissen nicht, wie präsent andere Gesellschaftsthemen im Vergleich abschneiden (auch wenn wir aufgrund <a href="https://learcenter.s3.us-west-1.amazonaws.com/GlaringAbsence_NormanLearCenter.pdf">dieser</a> Daten aus den USA zumindest vermuten können, dass auch bei uns Hunde um ein Vielfaches häufiger Thema sind als alle Klimathemen zusammen). Wir wissen nicht, wieviel Prozent wir als klimabewegte Menschen da eigentlich wollen sollen – sicher nicht 100 (in jeder Sendeminute wird mindestens ein Schlagwort erwähnt - das wäre erstmal lustig, aber auf Dauer vermutlich kein Erfolgsmodell), wahrscheinlich auch nicht 50. Und die Tatsache, dass 41% der Befragten den Klimawandel im TV als “präsent” erleben, spricht dafür, dass diese 1,8% mehr Wirkung entfalten, als man bei einem Blick auf die kleine Zahl annehmen würde.</p><p>Ganz davon abgesehen, dass so etwas wie <a href="https://www.netflix.com/de/title/81252357"><em>Don’t look up</em></a>, der vermutlich meistgesehene Klimawandel-Film der letzten Jahre, in dieser Untersuchung als 145 Sendeminuten ohne Klimabezug zu Buche schlagen würde, weil darin niemand die richtigen Schlagwörter sagt. Damit steht der Film beispielhaft für diejenigen fiktionalen Beschäftigungen mit der Klimakrise, die erzählerisch eigentlich alles richtig machen, weil sie, wie in jedem Drehbuch-Ratgeber seit spätestens 1921 gefordert, <strong><em>show</em></strong> und nicht <strong><em>tell</em></strong> betreiben. Mit einer hohen Schlagwortdichte als Indikator für Klimabezug erwischt man vermutlich Sachbeiträge deutlich treffsicherer als fiktionale Erzählungen.</p><p>Fazit: Die 1,8% respektive 0,2% sind kein uninteressanter Befund, aber es ist nicht so einfach zu sagen, was er eigentlich bedeutet - auch wenn “da ist noch Luft nach oben” definitiv so stehen bleiben kann und sollte.</p><p>Denn die Studie sagt auch: <strong>62% des Publikums wünschen sich, dass der Klimawandel in Zukunft häufiger Thema ist</strong> - und das nicht nur in Informationsformaten, sondern auch in Spielfilmen und Serien. In Geschichten also. Und darin liegt eine gigantische Chance.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1729200305597042911">https://twitter.com/superredaktion/status/1729200305597042911</a><h3>Was wir nicht zu sehen bekommen</h3><p>Ihr erinnert euch vielleicht an die Zeit damals vor drei Absätzen, als wir über <em>Don’t Look Up</em> gesprochen haben, über Erzählungen, die der MaLisa-Studie durchs Raster fallen würden, gerade weil sie besonders subtil über die Klimakrise sprechen?</p><p>Hier können wir zum Glück Entwarnung geben: Die Sorge, dass so Dutzende von superguten klimarelevanten Stories nicht erfasst worden sind und die Präsenz des Themas in Wirklichkeit viel größer ist als gemessen, ist unbegründet, davon gibt es nämlich im deutschen Fernsehen ohnehin so gut wie gar keine, Glück gehabt.</p><p>Und dabei <a href="https://www.theguardian.com/news/2023/jan/12/rebecca-solnit-climate-crisis-popular-imagination-why-we-need-new-stories">wissen</a> wir, dass gute Geschichten unentbehrlich sind, um Fakten erst in Visionen und dann in Handlungen zu überführen. Die Klimakrise ist auch eine Krise der Vorstellungskraft für mögliche Zukünfte. Und Vorstellungskraft wird aus guten Geschichten hergestellt.</p><h3>Warum wir neue Geschichten brauchen</h3><p>Das Fernsehen erreicht jeden Tag Millionen von Wohnzimmern, deren Bewohnerinnen und Bewohner es inzwischen zu weiten Teilen normal finden, dass Hauptfiguren gelegentlich andere Hautfarben haben als weiß; dass auch Kommissarinnen knallharte Polizeiarbeit machen; dass manche Männer Männer lieben und manche Frauen Frauen – was nicht zuletzt daran liegt, dass wir unsere Fernsehgeschichten heute anders erzählen als noch vor ein paar Jahren. Geschichten können Türen öffnen in neue Normalitäten, und sie können den Blick dafür schärfen, dass manche Bestandteile des Status Quo alles andere sind als natürlich und selbstverständlich.</p><p>Dass das nicht heißen soll, dass wir jetzt nur noch Klimafilme produzieren sollten, muss klar sein. Wer guckt Klimafilme? Wir gucken Klimafilme. Ihr guckt Klimafilme. Und das ist schön und gut. Aber interessant und wichtig wäre es, auch diejenigen zu erreichen, die Reißaus nehmen, wenn irgendwo Klima draufsteht – weil es sie deprimiert oder zornig macht, oder weil sie es für Panikmache halten, für Ideologie usw. usf. Es ist kein Zufall, dass <a href="https://www.zeit.de/kultur/film/2023-09/deutscher-fernsehpreis-philip-froissant-klimaschutz-ukraine-krieg">Joko Winterscheidts preisgekrönte Prime-Doku</a> nicht <em>Die Riesen-Klimakrisen-Revue</em> heißt, sondern <em>The World’s Most Dangerous Show.</em></p><p>Neue Normalitäten werden dann vorangebracht, wenn zum Beispiel die Geschichte mit der nicht-weißen Hauptfigur nicht vor allem vom Nicht-weiß-Sein handelt, sondern ein handelsüblicher Thriller ist. Wenn die Kommissarin mit Selbstverständlichkeit Kommissarin ist und den größten Teil ihrer Zeit mit der Mörder(innen)jagd verbringt, anstatt ihr Frausein zu thematisieren und vor Kollegen zu verteidigen. Bezogen auf die neuen Normalitäten und Visionen, die wir für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen brauchen: Verfolgungsjagden durch sommerlich verdorrte Gärten und über Dächer mit Solarzellen! Verdächtige fliehen mit elektrischen Autos! Oder, besonders provokativ: Eine Figur bestellt einen veganen Döner, ohne dass darum groß Aufhebens gemacht wird! Und in der <a href="https://www.sky.de/serien/tender-hearts">Sci-Fi-Romcom über die Liebesgeschichte zwischen einer datingfrustrierten Single-Frau und ihrem Androiden-Liebhaber aus dem Katalog</a> sind Tankstellen in begrünte Naherholungs-Oasen umgestaltet worden, und niemand findet es ungewöhnlich.</p><p>Wir brauchen trojanische Klimapferde, die Probleme und, vor allem, Lösungen in unsere kollektive Fantasie einschleusen helfen. In dem <a href="https://www.sueddeutsche.de/medien/malisa-studie-klima-fernsehen-maria-elisabeth-furtwaengler-ard-burda-1.6292171?reduced=true">Interview</a>, das die Furtwänglers anlässlich der Veröffentlichung der MaLisa-Studie der Süddeutschen geben, erläutern sie das Wie und Warum solcher Ansätze so eloquent und unaufgeregt, dass wir es nicht besser könnten.</p><p>Die Notwendigkeit der Erhaltung unserer Lebensgrundlagen ist nicht ein Thema neben anderen Themen, zwischen denen man sich entscheiden müsste, sie ist eine Dimension nahezu jeden Themas. Sie reicht schon heute in alle unsere Lebensrealitäten hinein, und wenn sie nicht miterzählt wird, tut man das auf Kosten einer Entfernung der erzählten Welt von der realen Welt. <a href="https://twitter.com/wblau/status/1598329568754110465">Das Klima ist nicht der Elefant im Raum, es ist der Raum</a>, und jede Geschichte kann auch eine Klimageschichte sein, tut sogar gut daran, eine zu sein, wenn sie relevant sein will für die Leben der Zuschauenden.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1729201237592272928">https://twitter.com/superredaktion/status/1729201237592272928</a><h3>Andere machen es vor</h3><p>Wie man dieser Idee strukturell auf die Sprünge helfen kann, sieht man in Großbritannien, dessen TV-Industrie der unseren in dieser Hinsicht um Jahre voraus ist. Die von der BAFTA gegründete Initiative <a href="https://wearealbert.org/">albert</a> hat 2021 eine <a href="https://wearealbert.org/2021/11/03/broadcasters-and-streamers-sign-up-to-the-climate-content-pledge/">Climate Content Pledge</a> entwickelt, eine Selbstverpflichtung der Branche, mehr und bessere Klimageschichten zu erzählen, über alle Genregrenzen hinweg, unterzeichnet von zwölf großen Sendern und Streaming-Anbietern. Mit großem Erfolg: Laut <a href="https://wearealbert.org/wp-content/uploads/2023/10/ALBERT-ANNUAL-REPORT-2022.pdf">Jahresbericht 2022</a> enthalten dort inzwischen 40% aller Formate nachhaltige Themen.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1729207445971677355">https://twitter.com/superredaktion/status/1729207445971677355</a><p>Aber verzaget nicht, auch in Deutschland passiert was. Zuletzt ist hier das Kollektiv <a href="https://planetnarratives.de/">Planet Narratives</a> angetreten - übrigens, <em>full disclosure</em>, unter Mitwirkung der Superredaktion und mit einiger Überschneidung in Inhalten und Netzwerken - um Film und Fernsehen dabei zu helfen, ihr Potential für weltverändernde Geschichten besser auszuschöpfen. Man kann sich <a href="https://www.deutsche-filmakademie.de/veranstaltungen/klimatag-der-deutschen-filmakademie/">hier</a> mit den exzellenten Vorträgen beim von Planet Narratives mitbespielten Klimatag der Filmakademie ein Bild machen, wie das gemeint ist. Und das Echo ist gewaltig: Es ist, als hätten die Kreativen und die Entscheiderinnen und Entscheider der Branche nur darauf gewartet, dass ihnen jemand einen Schubs gibt.</p><p>Wir dürfen also hoffen, dass in unseren Wohnzimmern bald mehr Geschichten dabei helfen werden, die Umrisse und Vorbedingungen guter Zukünfte vorstellbar zu machen, anstatt weiter unreflektiert die alten Kamellen einer allzu fossilen Normalität weiterzutragen.</p><h2>Tipp des Monats</h2><p>So zerrissen und zerstritten waren wir noch nie. Oder? ODER? SAG! WAREN WIR ODER WAREN WIR NICHT?! WAS GUCKST DU MICH SO AN! GUCK MICH NICHT SO AN MIT DEINEM BLÖDEN GENDERGAGA UND DEINER DOOFEN VEGANEN “WURST”!</p><p>JA UND DU? DU BIST DOCH DAS PROBLEM MIT DEINEM KOMPLETT RÜCKSICHTSLOSEN LEBENSSTIL, DIR IST DOCH DIE ZUKUNFT DER ERDE UND DER TIERE UND UNSERER KINDER KOMPLETT EGAL, DU FOSSILJÜNGER-SEXIST!!!</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/973f62d3-2f18-48f6-b44f-9a59658b35ae/uploads/images/s7w3w2kibl/triggerpunkte_9783518029848_cover%20(1).jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Buchcover &quot;Triggerpunkte&quot;"/><p>Oder vielleicht auch nicht. Wer ein Glas-halbvoll-Mensch ist, oder einer werden möchte, werfe einen Blick in <a href="https://www.suhrkamp.de/buch/triggerpunkte-t-9783518029848"><em>Triggerpunkte</em></a>, eine bestsellende Arbeit der Soziologen Stefan Mau, Thomas Lux und Linus Westheuser. Überraschender Kernbefund der gründlichen, sehr gut lesbaren empirischen Spurensuche: Bei vielen wichtigen Fragen herrscht ein erstaunlich großer gesellschaftlicher Grundkonsens. Die Autoren konstatieren zwar ein Erstarken der politischen Ränder, aber keine generelle Polarisierung der Gesellschaft. Es gebe jedoch Sollbruchstellen der öffentlichen Debatte – Triggerpunkte eben, Gendersternchen zum Beispiel – bei denen sachliche Diskussionen in emotionale umschlagen und sich die Menschen anders positionieren, als sie es zuvor getan haben. Eine Lektüre, auf deren Basis man sehr produktiv darüber nachdenken kann, wie in Diskussionen leise, aber wichtige Gemeinsamkeiten gefunden und gestärkt werden, anstatt die lauten, aber eigentlich oberflächlichen Differenzen ins Rampenlicht zu zerren und ihnen noch ein Megaphon in die Hand zu drücken.</p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Dieser Newsletter ist nur durch Eure finanzielle Unterstützung möglich! Daher ein großes Dankeschön an alle Unterstützer</em>innen.*</p><p>Wenn Du noch nicht dabei bist, <strong>freuen wir uns sehr über Spenden</strong> (und können auch mit Spendenbescheinigungen dienen wenn gewünscht).</p><p>Global Eco Transition gGmbH | IBAN: DE62 4306 0967 1230 6808 00 | BIC: GENODEM1GLS Verwendungszweck: ”Spende Superredaktion”</p><p><strong><em>Wichtig:</em></strong><em> Spenden kommen bei uns nur an, wenn der Verwendungszweck richtig angegeben wird.</em></p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Du willst </em><strong><em>deine Reichweite nutzen</em></strong><em>, um auf Klimathemen aufmerksam zu machen? Wir helfen Dir dabei! Schreib uns gerne eine Mail an</em> <a href="mailto:superredaktion@posteo.de">superredaktion@posteo.de (Öffnet in neuem Fenster) (Öffnet in neuem Fenster)</a> <em>– wir sind freundlich, wissen Sachen und </em><strong><em>kosten dich nichts</em></strong><em>.</em></p><p><em>Du kennst Menschen, denen dieser Newsletter auch helfen könnte? Dann teile ihn gerne!</em></p><p><em>Weiteren Kram zum Teilen findest du auf</em> <a href="https://twitter.com/superredaktion">Twitter</a> <em>und</em> <a href="https://www.instagram.com/superredaktion/">Instagram</a></p><p><a href="https://steady.page/de/superredaktion/posts">Alle Posts anzeigen</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 28 Nov 2023 17:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Öl, Gas, Gewalt]]></title>
      <description><![CDATA[Die Nachrichten sind gerade schwer auszuhalten; der übliche Good-News-Einstieg will nicht so leicht von der Hand gehen wie sonst, und wahrscheinlich ist das auch richtig…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Die Nachrichten sind gerade schwer auszuhalten; der übliche Good-News-Einstieg will nicht so leicht von der Hand gehen wie sonst, und wahrscheinlich ist das auch richtig und angemessen so.</p><p>Wir versuchen es trotzdem - nicht, um uns und euch Scheuklappen aufzuziehen und so zu tun, als gäbe es das Grauen nicht, sondern in der Hoffnung, dass es ein bisschen Halt gibt für die Momente, in denen das Grauen so viel, das Hinschauen so schmerzhaft und die Hilflosigkeit so groß wird, dass man zynisch werden, aufgeben, abstumpfen möchte.</p><p>Wir werden gebraucht. Unsere Aufmerksamkeit, unser Mitgefühl und unsere Stimmen werden gebraucht, um uns dem Hass und der Gewalt entgegenzustellen, die auch hier bei uns auf viel zu fruchtbaren Boden fallen. Wir hoffen, dass ein paar gute Nachrichten einen kleinen Beitrag dazu leisten, für die Auseinandersetzung mit den schlechten Nachrichten etwas mehr Kraft zu haben.</p><p>Und dann sprechen wir über Geld.</p><h2>Good News</h2><ul><li><p><a href="https://www.bloomberg.com/news/articles/2023-10-10/stockholm-bans-diesel-petrol-cars-in-part-of-city-from-2025">Ab 2025 werden in weiten Teilen von Stockholm keine Verbrenner mehr fahren</a>. Es geht dabei um ein Gebiet von 20 Blöcken, darunter das Finanzviertel und die Haupteinkaufsmeile der Stadt, in der dann nur noch elektrische Fahrzeuge und einige hybride Lastwagen werden fahren dürfen. Das Vorhaben ist inspiriert von sogenannten <a href="https://taz.de/Ultra-Low-Emission-Zone/!5956228/">Low Emission Zones</a> wie zum Beispiel in London, wo damit große Erfolge in der Verringerung der Schadstoffbelastung der Luft erzielt werden konnten, geht in Stockkholm aber noch deutlich weiter.</p></li><li><p>Der Komi Memem ist jetzt der erste Fluss im brasilianischen Amazonasgebiet, dem per Gesetz der Status einer <a href="https://apnews.com/article/brazil-amazon-wari-indigenous-nature-rights-deforestation-68af65663fb7bd1b9d2051ce10c17a46">juristischen Person</a> zuerkannt wurde, und damit das einklagbare Recht zum Beispiel auf Unversehrtheit des Flusslaufes und Schutz der umgebenden Wälder. Dabei handelt es sich um einen vielversprechenden neuen rechtlichen Ansatz im Natuschutz, der bereits in verschiedenen Ländern Schule macht, von <a href="https://www.notion.so/Wissen-c6b0962edcc745f08524b082bef36fc6?pvs=21">Neuseeland</a> bis Chile.</p></li><li><p>Die Internationale Energieagentur (IEA) hat einen <a href="https://www.npr.org/2023/09/26/1201781387/climate-change-emissions-report-offers-hope">Klimabericht</a> veröffentlicht. Wir sind von diesen Berichten gewohnt, dass sie von Jahr zu Jahr düsterer werden. Dieser ist es nicht: Dank Wind und Sonne gibt es noch eine Chance für die Welt, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen und die globale Erwärmung auf 1,5° zu beschränken, sagt er. Das ist eine optimistischere Botschaft als die im letzten Bericht von 2021. Einer der Gründe: Fast alle <a href="https://www.utilitydive.com/news/climate-models-solar-renewables-net-zero/695000/">vorherigen Klimamodelle</a> haben das exponentielle Wachstum der Eneuerbaren nicht vorhergesagt. Batterien für E-Autos zum Beispiel sind eine der <a href="https://www.bloomberg.com/news/articles/2023-10-05/solar-panels-wind-turbines-are-today-s-answer-to-the-ford-model-t?accessToken=eyJhbGciOiJIUzI1NiIsInR5cCI6IkpXVCJ9.eyJzb3VyY2UiOiJTdWJzY3JpYmVyR2lmdGVkQXJ0aWNsZSIsImlhdCI6MTY5Njg5MTE4NiwiZXhwIjoxNjk3NDk1OTg2LCJhcnRpY2xlSWQiOiJTMjFWUzNUMEFGQjQwMSIsImJjb25uZWN0SWQiOiIyQUU2NkEzRDc2MzA0MkRBQjgwMzI1NDBBOTQ4OTAyOCJ9.cDzkkQubVcKFetBtT1kHbrnjPV4SRlTtNrTt3_NG8iY">am schnellsten wachsenden massenproduzierten Technologien der Weltgeschichte</a> - das erste massenproduzierte Automobil, den Ford Modell T, lassen sie dabei weit hinter sich.</p></li></ul><h2>“Immense finanzielle Mittel”</h2><p>Das heutige Thema verdanken wir einem anderen Newsletter, nämlich “Der siebte Tag” von Nils Minkmar, der dort <a href="https://steadyhq.com/de/nminkmar/posts/6eb7ba56-5f86-48be-aac8-843bac35a463">zuletzt</a> folgenden Satz schrieb:</p><blockquote><p>Die Feinde der offenen Gesellschaft, so unterschiedlich sie sich geben, haben eine Gemeinsamkeit: Ihr mörderischer Hass auf Juden, Frauen und Minderheiten bliebe mehr oder minder privat, wenn sie nicht über diese immensen finanziellen Mittel verfügten.</p></blockquote><p>Eines zu Beginn: Wir wissen, wie leicht es ist, sich mit diesem Thema zu verheben - sich zu wenig zu positionieren, sich zu viel zu positionieren, Gefühle zu verletzen, der Komplexität der Lage nicht gerecht zu werden. Wir gehen dieses Risiko ein, weil wir es für wichtig halten, einen wenig thematisierten Aspekt der Gewalt im Nahen Osten aus unserer Perspektive zu beleuchten. Dabei muss aber immer das Folgende völlig klar bleiben:</p><p><strong>Die Entscheidung für das Massaker in Israel traf einzig und allein die Terrororganisation Hamas.</strong></p><p><strong>Die Verantwortung für den Mord an über 1400 unschuldigen Männern, Frauen und Kindern trägt einzig und allein die Terrororganisation Hamas.</strong></p><p><strong>Mit einem Freiheitskampf für Palästina hat das nichts zu tun, die Hamas kämpft keinen Freiheitskampf, ihre Agenda ist die Vernichtung Israels.</strong></p><p>Erst vor dem Hintergrund dieser Feststellung halten wir es für möglich - und wichtig – sich den weiteren Kontext des Konfliktes anzusehen. Das tun ausführlich zum Beispiel <a href="https://piratensenderpowerplay.podigee.io/170-new-episode">Friedemann Karig, Samira El Ouassil und Richard C. Schneider im Polit-Podcast <em>Piratensender Powerplay</em></a> auf eine Weise, bei der wir uns sehr gut aufgehoben gefühlt haben; wir selbst wollen das in diesem Rundbrief aus unserer spezifischeren Perspektive tun und damit einen Aspekt der Ereignisse beleuchten, der sonst nur wenig diskutiert wird.</p><p>Denn dass die Hamas bei allem Vernichtungswillen überhaupt die Möglichkeit hat, eine solchen Zivilisationsbruch zu begehen, ist nicht selbstverständlich. Die Ressourcen, die dafür nötig sind, sind nicht trivial.</p><h2>Woher kommt das Geld?</h2><p>Als Hauptunterstützer der Hamas gilt der <strong>Iran</strong>: der Iran zahlt bewaffneten palästinensischen Gruppen im Gazastreifen laut <a href="https://www.state.gov/wp-content/uploads/2023/02/Country_Reports_2021_Complete_MASTER.no_maps-011323-Accessible.pdf">U.S. Gutachten bis zu 100 Millionen</a> Dollar jährlich, davon um die 70 Millionen allein an die Hamas. Das sind natürlich alles Schätzungen, frei zugänglich sind diese Zahlen nicht, aber die Hausnummern sind definitiv groß. Dazu kommen Know-How im Raketenbau und Schulungen der Hamas-Kämpfer durch die iranischen Revolutionsgarden.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1719379130716741903">https://twitter.com/superredaktion/status/1719379130716741903</a><p>Auch <strong>Katar</strong> (wir erinnern uns: Gastgeber der letzten WM) unterstützt die Hamas maßgeblich. Bis zu <a href="https://www.reuters.com/world/middle-east/hamas-cash-to-crypto-global-finance-maze-israels-sights-2023-10-16/">30 Millionen Dollar im Monat soll Doha</a> in der Vergangenheit nach Gaza geschickt haben, ein Großteil davon soll an die Hamas gegangen sein. Darüberhinaus operieren viele <a href="https://www.pbs.org/newshour/world/what-is-hamas-what-to-know-about-its-origins-leaders-and-funding">Führungskräfte der Hamas von Katar aus</a>.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1719379227332501962">https://twitter.com/superredaktion/status/1719379227332501962</a><p>Eine weitere verbündete Terrororganisation – und nach Einschätzung vieler Experten die größte Bedrohung für Israel – ist die <strong>Hisbollah,</strong> die ebenfalls vom Iran mitfinanziert wird und als militärischer Arm Teherans im Nahen Osten gilt. 2018 lagen Schätzungen bei um die <a href="https://www.fdd.org/analysis/2018/01/10/iran-spends-16-billion-annually-to-support-terrorists-and-rogue-regimes/">700-800 Millionen Dollar jährlich</a>, die vom Iran zur Hisbollah fließen. Die Hisbollah wird außerdem aus dem Iran, aus <a href="https://www.rnd.de/politik/was-ist-die-hisbollah-wer-unterstuetzt-die-organisation-fragen-und-antworten-5A2GPMRBAFFSPCXAJUNGPJDZM4.html#wie-stark-ist-die-hisbollah">Russland und China</a> mit Panzern und anderen Waffen beliefert.</p><p>Im Resultat ist die Hamas mit einem <a href="https://www.businessinsider.de/politik/international-politics/geld-fuer-terror-so-finanziert-sich-die-hamas-laut-experten/">operativen Jahresbudget im dreistelligen Millionenbereich</a> unterwegs; 2018 führte das US-amerikanische <em>Forbes</em>-Magazin sie in einer <a href="https://www.forbes.com/sites/forbesinternational/2018/01/24/the-richest-terror-organizations-in-the-world/?sh=7ddbda427fd1">Liste</a> der reichsten Terrororganisationen der Welt auf Platz drei. Das US-Finanzministerium erklärte in einer Mitteilung aus dem Jahr 2022, das Vermögen der Organisation betrage knapp 472 Millionen Euro.</p><h2><strong>Und warum sind Katar und Iran dafür reich genug?</strong></h2><p>Im <a href="https://www.washingtoninstitute.org/policy-analysis/irans-oil-exports-are-vulnerable-sanctions">letzten Geschäftsjahr</a> hat der Iran 1,4 Millionen Barrel Öl pro Tag (bpd) zu 70$ pro Barrel exportiert – das ist der höchste Stand, seitdem die USA 2018 ihre Sanktionen wieder in Kraft setzten und entspricht etwa einem Drittel des Gesamtumsatzes des Landes.</p><p>Den größten Teil des Öls verkauft der Iran nach China, und dazu gibt nicht allzu viele Alternativen, weil der Westen als Absatzmarkt der Sanktionen wegen ausfällt. Man darf davon ausgehen, dass die iranische Regierung den wahnwitzig schnellen Ausbau von <a href="https://de.statista.com/infografik/30417/prognose-anteil-weltweiter-gesamtkapazitaet-und-zubau-erneuerbare-energien/">Erneuerbaren Energien</a> und <a href="https://www.zdf.de/nachrichten/wirtschaft/china-elektro-auto-markt-europa-100.html">Elektromobilität</a> in China unter großem Nägelkauen beobachtet: China hat in der Hinsicht zwar einen weiteren Weg vor sich als andere, aber es läuft derzeit – <a href="https://www.vox.com/energy-and-environment/2017/5/15/15634538/china-coal-cleaner">trotz massiver Investitionen in Kohlekraftwerke</a> – schneller und entschlossener Richtung fossilfreie Energie als viele andere Länder der Welt; zuletzt hat der chinesische Ölriese Sinopec seine <a href="https://www.bloomberg.com/news/newsletters/2023-08-29/china-reaches-peak-gasoline-in-milestone-for-electric-vehicles">Prognose für das endgültige Überschreiten des Höhepunkts der Ölnachfrage des dortigen Verkehrssektors noch einmal überraschend um zwei Jahre nach unten korrigiert</a> – auf nächstes Jahr.</p><p>Der Iran, sein Öl, sein Geld und was er sich dafür kauft - eine eindrucksvolle Geschichte, was den unguten Zusammenhang zwischen fossilem Reichtum und islamistischem Terror in Nahost angeht. So ganz anders als die Geschichte über die wirtschaftlichen Vorbedingungen des russischen Kriegs gegen die Ukraine ist sie nicht – aber zuletzt ist sie mit dem Überfall der Hamas auf Israel in schrecklicher, unübersehbarer Eindringlichkeit neu veranschaulicht worden.</p><p>Eindrucksvoll, aufwühlend – aber “nur” eine Geschichte über andere Leute. Denn Dank der von Deutschland und der EU mitgetragenen Sanktionen fließt kein iranisches Öl in den Adern der hiesigen Infrastruktur (<a href="https://parstoday.ir/de/news/iran-i81424-eurostat_deutschland_importiert_%C3%96l_aus_iran">fast</a>).</p><p>Katar hingegen… Katar ist inzwischen der größte Flüssiggas-Exporteur der Welt. Laut dem <a href="https://www.eia.gov/international/overview/country/IRN">International Monetary Fund</a> machten 2021 die Einnahmen aus dem Gassektor im Land 81% der gesamten Staatseinnahmen aus. Die Energiekrise durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine hat diese Stellung des Landes in der Welt und gegenüber Europa noch verbessert – auch Deutschland hat <a href="https://www.reuters.com/markets/companies/COP.N">im November 2022</a> einen Liefervertrag unter anderem mit Katar geschlossen, um seine fatale, jahrelange Abhängigkeit von russischem Gas zu beenden.</p><p>Unsere Heizungen und Gaskraftwerke haben Putins Regime dabei geholfen, den Angriffskrieg gegen die Ukraine auf eine mehr als solide finanzielle Basis zu stellen, jetzt haben wir mit Katar einen Vertrag über 15 Jahre Flüssiggaslieferungen. Die Menge mag im Vergleich vernachlässigbar sein - die Lieferungen aus Katar <a href="https://www.rnd.de/wirtschaft/gas-deal-mit-katar-was-bedeutet-die-menge-von-zwei-millionen-tonnen-lng-EKOIW7JD3KSK342T6BMYDRFQJI.html">decken lediglich 3% des deutschen Gasbedarfs</a>, den Rest bekommen wir aus Norwegen, den USA und den Niederlanden.</p><p>Aber nicht nur müssen wir deswegen hier in neue fossile Gas-Infrastruktur investieren, die wir eigentlich gar nicht mehr wollen sollten, sondern füllen damit Kassen, mit denen ein autokratisches, Menschenrechte mit Füßen tretendes Regime Pläne zur Vernichtung Israels mitfinanziert.</p><p><strong>Die Einnahmen durch Öl und Gas in der Region machen die Finanzierung von Terrorgruppen wie der Hamas und der Hisbollah in dieser Größenordnung überhaupt erst möglich.</strong></p><h2>Abhängigkeit von verbrecherischen Regimen</h2><p>Nun machen fossile Rohstoffvorkommen ein Land sicher nicht zwangsläufig zum Schurkenstaat (Kanada und Norwegen zum Beispiel werden das gerne bestätigen), und es gibt umgekehrt, anders als oft erzählt wird, eigentlich <a href="https://www.nature.com/articles/s44168-023-00045-6">keine empirische Grundlage für die Annahme, dass Frieden in der Welt einkehren wird, wenn nur die fossilen Energien aus ihr verschwinden</a>; auch dezentrale erneuerbare Energiesysteme können in konfliktgeladenen Regionen als Einnahme- und Machtquelle genutzt werden.</p><p>Aber die aktuelle Korrelation zwischen fossilen Exporten und Schurkenstaatlichkeit ist nicht zu übersehen. <strong>Abhängigkeit von fossilen Importen bedeutet in dieser Welt fast zwangsläufig Abhängigkeit von verbrecherischen Regimen. Es bedeutet die Mitfinanzierung und damit die Ermöglichung von Terror, Unterdrückung, Gewalt und Tod.</strong></p><p>Wer sagt, wir haben keine Wahl, sonst gehen bei uns die Lichter aus, und die Heizungen auch, hat leider nicht ganz unrecht. Noch. Wir können vermutlich gerade nicht anders, als das auszuhalten. Aber wir haben in der Hand, wie lang es noch so weitergehen soll. Denn dieser Zustand ist nicht in Stein gemeißelt, wir können ihn ändern.</p><h2>Wind und Sonne gibt es überall</h2><p>Im Umkehrschluss bedeutet nämlich eine nicht in einzelnen Regionen konzentrierte, sondern dezentrale Energieversorgung mit Erneuerbaren – neben den vielen anderen Vorteilen, <em>zum Beispiel dem nicht ganz unwichtigen Erhalt unserer Lebensgrundlagen</em> – eine freiere Hand in der Wahl unserer Energiepartnerschaften: Wind und Sonne gibt es überall, mal mehr, mal weniger, aber sicher nicht nur im Iran, in Russland und Katar. In einer weniger von fossilen Energien abhängigen Welt könnten wir und andere einer ganzen Reihe von Diktatoren, Autokraten, Antisemiten und Hasspredigern die Möglichkeit entziehen, ihre zerstörerischen Ideen in die Tat umzusetzen.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1719379398942478531">https://twitter.com/superredaktion/status/1719379398942478531</a><p>Ergo: Je schneller wir unabhängig von fossilen Energien werden, desto weniger finanzieren wir indirekt auch Kriege wie diesen mit.</p><p>Dieses Prinzip bliebe auch dann gültig, wenn wir in Deutschland unser Öl und Gas ausschließlich aus soliden Demokratien bekämen: Mit der zunehmenden Elektrifizierung von allem, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, hier und anderswo, wird die Nachfrage nach fossilen Energieträgern rapide sinken, und damit auch die Gewinne, die damit eingefahren werden können. Man kann das schon jetzt ganz schön am Beispiel der aktuellen und (konservativ) prognostizierten Entwicklung des E-Auto-Marktes <a href="https://about.bnef.com/blog/electric-cars-have-dented-fuel-demand-by-2040-theyll-slash-it/">sehen</a>: Der weltweite Öl-Absatz ist kurz davor, seinen Höhepunkt zu erreichen, bevor es abwärts geht, und der wachsenden Anteil von E-Mobilität im Straßenverkehr spielt dabei eine wesentliche Rolle.</p><p>Dazu, dass dieser Wandel möglichst schnell passiert, können wir alle beitragen. Um es - etwas verkürzt - auf den Punkt zu bringen:</p><p><strong>Jede Wärmepumpe, jedes Elektroauto, jeder Ökostromvertrag und jeder Tritt in den Hintern einer allzu trägen Politik, jede Investition in echte Zukunftstechnologien statt in vermeintlich gewinnbringenderen Dinosauriersaft ist auch ein Schritt weg von der Finanzierung von Terrorismus, Hass und Gewalt im Nahen Osten.</strong></p><h2>Tipp des Monats</h2><p>Das war viel Düsternis, an der dieser Tage kein Weg vorbeiführt. Verlassen möchten wir euch heute daher mit einer weiteren kleinen Aufhellung: Auf <a href="https://dutchcyclinglifestyle.com/de">dieser</a> Seite der niederländischen Tourismusbehörde könnt ihr eine beliebige Straße mit Hilfe von künstlicher Intelligenz hollandisieren, also fahrrad-, fußgänger- und überhaupt lebensfreundlicher machen. Überall könnte Utrecht sein! Wäre doch schön.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e9d6426f-746b-4981-af40-52a78e2918de/uploads/images/tofar6xsuc/Erfinden%20Fahrrad-Lebensstil%20Friedrichstra%C3%9Fe%20Berlin.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 31 Oct 2023 19:02:25 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Das schöne Morgen]]></title>
      <description><![CDATA[Willkommen im Newsletter der Superredaktion – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven und positive Botschaften, heute ganz besonders utopisch.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Willkommen im Newsletter der <em>Superredaktion</em> – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete Anpackmaterialien für Menschen mit Reichweite und Bock auf Zukunft.</p><p>Heute: Erstmal gute Nachrichten, dann gute Nachrichten – denn dieser Rundbrief soll ganz im Zeichen bitter nötiger Utopien stehen.</p><h2>Die guten Nachrichten</h2><p>Mit Einschränkungen beim Autofahren, einem Verbot neuer Kohlekraftwerke in besonders betroffenen Gebieten, Vorschriften zur Reduktion von Emissionen und anderen nachdrücklichen Maßnahmen <strong>ist es </strong><a href="https://edition.cnn.com/2023/08/30/asia/air-pollution-report-china-south-asia-intl-hnk-scn"><strong>China in den letzten zehn Jahren gelungen, die Luftverschmutzung um 43% zu senken</strong></a><strong>.</strong> Damit hat sich die durchschnittliche Lebenserwartung der Bürgerinnen und Bürger um 26 Monate erhöht. <br/>Die Tatsache, dass das Niveau der weltweiten Luftverschmutzung insgesamt gesunken ist, verdankt sich allein Chinas Beitrag – ohne ihn wäre der Wert gestiegen. (Fußnote: Es kommt uns schon selber ein bisschen komisch vor mit dem ganzen China-Lob, da gäbe es ja weiß Gott genug zu kritisieren, aber angesichts der prominenten Rolle des Landes in den Argumenten, die Deutschlands Verantwortung in Sachen Emissionen kleinreden wollen, kann man nicht oft genug darauf hinweisen: Ja, China ist der größte Verursacher von Klimagasen. China gehört aber auch zu den konsequentesten Reduzierern und wird <a href="https://www.weforum.org/agenda/2022/06/china-emissions-global-warming-climate-change-2030/">seine für 2030 gesteckten Reduktionsziele voraussichtlich Jahre vor der Zeit erreichen</a>.)</p><p><strong>In den Jahren seit 2009 hat Paris sein </strong><a href="https://reasonstobecheerful.world/paris-water-management-revolution/"><strong>Wasser-Management vom Kopf auf die Füße gestellt</strong></a>: Heute hat die Stadt Tausende Trinkwasserbrunnen, Wasser kostet 8% weniger als damals, es werden jedes Jahr eine Million Kubikmeter Wasser durch ein kluges System für das Auffinden und Beheben von Lecks eingespart, der Wasserverbrauch ist insgesamt um 10% gesunken – und im historischen Canal Saint-Marin kann man bedenkenlos schwimmen gehen.</p><p><a href="https://www.theguardian.com/environment/2023/aug/26/growing-number-of-countries-consider-making-ecocide-crime"><strong>Mexiko hat sich einer wachsenden Gruppe von Ländern angeschlossen, die Ökozid - also Umweltzerstörung - kriminalisieren wollen</strong></a>: Wenn der Gesetzesentwurf erfolgreich ist, dürfen Angeklagte mit bis zu 15 Jahren Gefängnisstrafe rechnen für “jede ungesetzliche oder mutwillige Handlung, die in dem Wissen vollzogen wird, dass sie ein erhebliches Risiko für weitreichende oder langfristige Umweltschäden birgt.” In der Ukraine, in Russland, Vietnam und Frankreich bestehen ähnliche Gesetze bereits; andere Länder, die sich mit der Frage befassen, sind zum Beispiel die Niederlande, Belgien, Brasilien und Island. In der Folge dürfte mit einer deutlichen Zunahme von Klagen wie zum Beispiel der des <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/kalifornien-verklagt-weltgroesste-oelfirmen-wegen-klimawandels-a-aaf40f40-f151-475a-9cc0-0af954b48fbf">US-Bundesstates Kalifornien gegen eine Reihe von Ölkonzernen</a> zu rechnen sein.</p><h2>Das schöne Morgen</h2><p>Verzicht, Verlust und Opfer. Das Leben, wie wir es kennen und schätzen, radikal ändern, nichts mehr so machen dürfen wie früher, oweh, owei. Und ja, stimmt ja auch, wir müssen einiges loslassen, wenn wir als Gesellschaft eine lebenswerte Zukunft auf der Erde sicherstellen wollen.</p><p>Dabei wissen wir eigentlich doch, dass auf der anderen Seite durchaus einige gute Dinge auf uns warten. Aber das bleibt seltsam abstrakt und wenig präsent, wenn wir unsere möglichen Zukünfte diskutieren. Währenddessen finden ausdrucksstarke Angstmachereien wie Currywurst-Verbot, Heiz-Hammer und Verbrenner-Verrat (haben wir uns soeben ausgedacht, mal schauen, ob wir es damit in den <a href="https://www.forum-csr.net/News/19586/Parteiuebergreifender-Wahlkampftrend-Verbieten-verbieten.html">Hessen-Wahlkampf der CDU</a> schaffen) mit großer Leichtigkeit Platz in den finsteren Ecken unserer Köpfe und Herzen und verunsichern, lähmen und deprimieren selbst diejenigen, die eigentlich guten Willens sind, ihren Teil beizutragen.</p><p>Aber wir haben doch so viel Gutes zu gewinnen! Und vieles von dem, das wir loswerden müssen, wollen wir doch eigentlich gar nicht mehr haben! Da müsste man doch mal einen Text schreiben, in dem man so richtig in die Vollen geht, eine Vision aufmacht, wie das alles so sein könnte, gut informiert zwar, aber mit einer ordentlichen Dosis freudiger Rumspinnerei! Gute Idee! Alles klar, los gehts!</p><p>Aber halt, Moment. Problem. Den Text gibt es schon.</p><p>Lösung: Wir leihen ihn uns aus.</p><p>Vielen Dank an “<a href="https://graslutscher.de/">Graslutscher</a>” Jan Hegenberg, dass er uns ein Kapitel aus seinem Buch <a href="https://www.komplett-media.de/index.php?display=0011111&amp;artikelnr=200577&amp;cookiecheckset=1"><em>Weltuntergang fällt aus</em></a> zur freien Verfügung gestellt hat, das wir hier in stark gekürzter Fassung an euch weiterreichen. Take it away, Jan!</p><h3>Es ist das Jahr 2040.</h3><p>Die Klimaneutralität ist erreicht, Putin sitzt im Knast und günstiger Strom fließt in Massen.</p><p>Wenn ihr an einem kühlen Aprilmorgen aufsteht, barfuß in die Küche schlurft und an der Kaffeemaschine die Wärme der Fußbodenheizung genießt, könntet ihr fast den Eindruck bekommen, es sei immer noch 2023: Die Bude ist warm und hell, der Kaffee heiß und die Schlagzeilen der Tagesschau flimmern über das Display des Kühlschranks:</p><p><em>“EU-Kommissionspräsident Rezo verkündet europäische Klimaneutralität.”</em></p><p><em>“Wieder massive Demonstrationen vor Landtag in Dresden für mehr Windkraft, Ministerpräsident Michael Wendler hat sich seit fast 60 Tagen im Keller der Staatskanzlei verbarrikadiert.”</em></p><p><em>“Wladimir Putin beschwert sich erneut via Tiktok über ‘übelriechenden’ Gefängnisfraß in Den Haag.”</em></p><p>Okay, es ist 2040 nicht alles besser. Aber die Wohnung ist angenehm temperiert, und eure Kaffeemaschine arbeitet brav vor sich hin, ohne dass dabei ein Gramm CO2 entsteht. Dafür passiert natürlich eine Menge hinter den Kulissen: Um euren Wohnort Rostock herum wurden in den letzten 20 Jahren moderne Windkraftanlagen errichtet, die zusammen mit den anderen Anlagen im Land viermal so viel Strom erzeugen wie 2020.</p><p>Damit all der Strom aus einer typisch windreichen Nacht auch genutzt werden kann, laufen die Verbraucher gerade auf Hochtouren: Eine Flotte von E-Bussen, E-Lkw und E-Autos werden aufgeladen, große Maschinen in Fabriken zersägen, walzen, erhitzen und schmelzen Rohstoffe, Recyclingbetriebe zerhäckseln alte Batterien, Elektrostahlwerke mit Lichtbogenöfen fahren ihre Temperatur hoch – weil der Strom aktuell zu billig ist, um das alles nicht zu tun.</p><p>Im Süden des Landes hatte sich die bayerische Landesregierung lange gegen diese Ausbaupläne gewehrt, stattdessen sollte die fehlende Energie mithilfe vieler Gebete und positiven Denkens erzeugt werden. Nach der Strommarktreform im Jahr 2024 jedoch, durch die der Strom auf einmal pro Bundesland unterschiedlich viel kostete, drohten mehrere große Firmen, darunter BMW, Audi und Siemens, ihre neuen Werke im Norden und Westen zu errichten. BMW hatte sogar schon eine PR-Kampagne entworfen, um sich in „Brandenburger Motorenwerke“ umzubenennen, woraufhin Bayern sich vom Konzept „Beten für Strom“ verabschiedete und auch der Süden ebenfalls in Windkraft und saisonale Speicher zu investieren begann.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/092650f7-4311-4596-bb35-625f832eb337/uploads/images/evbhj23fwd/M%C3%BCnchen%20Marienplatz%2C%20Zukunftsbild%202045%20_%20Reinventing%20Society%20_%20Wire%20Collective%20(CC%20BY-NC-SA%204.0).JPG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Luftbild einer futuristischen, utopischen Version der Münchner Innenstadt."/><p>Über all das denkt ihr aber gar nicht groß nach, es ist so selbstverständlich geworden wie die Jahreszeiten. Die direkte Auswirkung auf euren Alltag sind hauptsächlich viel stabilere Energiepreise, denn die Höhe des Erdölpreises ist für die deutsche Wirtschaft mittlerweile so wenig interessant, dass Jugendliche auf das Wort „Ölpreis“ ähnlich verwirrt reagieren wie heutige auf das Konzept eines Wählscheibentelefons. Ihr genießt ferner eine Atemluft, die so sauber ist wie seit dem Mittelalter nicht mehr, wodurch Asthma und andere Erkrankungen der Atemwege auf ihrem Tiefststand seit Aufzeichnungsbeginn liegen.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1706253114016170110">https://twitter.com/superredaktion/status/1706253114016170110</a><h3>Die Straßennetze funktionieren anders</h3><p>So, der Kaffee ist ausgetrunken und ihr macht euch für die Arbeit fertig, denn ihr habt heute noch einiges vor. Spätestens dann, wenn ihr vor die Tür tretet, wird ganz offensichtlich, dass das nicht mehr 2023 ist. Es ist nämlich viel, viel leiser. Selbst an den Hauptstraßen einer Großstadt wie Rostock sind auf einmal Geräusche wahrnehmbar, die über Jahrzehnte wie selbstverständlich vom Verkehrslärm überlagert wurden: Ihr hört Vogelgezwitscher, das Rauschen der Bäume im Wind, das Geplätscher eines Springbrunnens im Vorgarten, das Lachen von Kindern auf dem Weg zur Schule.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1706254116970803612">https://twitter.com/superredaktion/status/1706254116970803612</a><p>Wo sich vor 18 Jahren noch Tausendschaften großer Autos, jeweils meist mit einer einzelnen (oftmals recht unzufriedenen) Person darin, durch die Straßen gequält haben, ist das Straßenbild heute kaum wiederzuerkennen: Es sind nur ein paar wenige Autos und Lieferwagen zu sehen, die aufgrund ihres Antriebs leise und emissionsarm durch die Gegend surren. Keine Zweitakt-Mopeds knattern durch die Straßen, keine schweren Dieselaggregate wummern in euren Ohren, niemand versucht sein wackeliges Selbstvertrauen durch aggressives Anfahren in hohen Drehzahlen zu kompensieren. Es herrscht geschäftige Betriebsamkeit und dennoch lädt der Ort zum Verweilen ein anstatt zum Durchhetzen und anschließenden Buchen eines Entspannungsurlaubs.</p><p>Die allermeisten Menschen sitzen in Bussen und Bahnen, fahren zweirädrig auf breiten, für sie reservierten Spuren, oder sie laufen auf großzügigen Gehsteigen. Nicht, weil sie müssen, sondern weil sie wollen. Viele Städte wurden umgebaut, um auf die Auswirkungen der bereits stattgefundenen Erderwärmung vorbereitet zu sein, und so wurde den Stadtbäumen als natürlicher Klimaanlage viel mehr Budget und Fläche eingeräumt. Ampelschaltungen und Kreuzungen bevorzugen nicht mehr das Auto, sodass die neuen Wege durch begrünte, verkehrsberuhigte Gegenden viel mehr Menschen dazu einladen, sie aktiv zu erleben.</p><p>Im Kontrast zum Jahr 2023 seht ihr auf diesen Wegen Menschen aller Altersgruppen. Vom 6-jährigen Grundschulkind bis zur 80-jährigen Oma, vom Student im Rollstuhl bis zur Großfamilie werden die neuen Wege aufgrund ihrer Sicherheit eher angenommen als früher, was all diesen Menschen viel mehr Unabhängigkeit verschafft. Es gilt als altmodische Marotte, seine Kinder in den Sportverein oder zu Verabredungen zu fahren – erstens dauert das viel zu lange und zweitens sind die ja nicht aus Zucker und können da ganz einfach selbst hinradeln oder -laufen.</p><p>Auf dem Weg zum Büro grüßt ihr deutlich mehr Menschen als früher, denn im Jahr 2040 kennen wir wieder die Leute, die in unserer Straße leben. Wenn das Wetter es hergibt, sitzen benachbarte Familien zusammen an Tischen und Bänken auf der Straße, essen was, quatschen oder debattieren miteinander. Sie leihen sich gegenseitig Bohrmaschinen, Campingausrüstung, Hochdruckreiniger und Lastenräder, helfen sich gegenseitig und lassen ihre Kinder auf der Straße spielen.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1706252655696159204">https://twitter.com/superredaktion/status/1706252655696159204</a><p>Für all das gibt es genug Platz, seit dort keine Unmengen von Autos mehr stehen. Viele wurden abgeschafft, weil es in Städten zunehmend unpraktisch und umständlich war, ein Auto nur für ein paar Fahrten in der Woche selbst zu besitzen.</p><p>Zur Arbeit geht es ausnahmsweise zum neuen, 40 Kilometer entfernten Industriepark MeckPommLabs, wo heute eure neue Zweigstelle eröffnet wird – das ist aber kein Problem: Mit einer Kombination aus Leihrad, Bahn und elektrischem Carsharing-Car seid ihr in null komma nix vor Ort.</p><p>Auf dem Firmengelände ist alles voller Ballons, die das Geschehen dominierende Fabrikhalle ist feierlich geschmückt und in ihre Fassaden, Fenster und Dächer sind selbstverständlich überall Solarmodule integriert. Irgendwer hat eine Oldie-Playlist angestellt, die „Get Lucky“ von Daft Punk in Dauerschleife abspielt, was die Stimmung aber nicht trübt.</p><h3>Naturfasern aus dem Bioreaktor</h3><p>Ihr geht am überreizten Geschehen vorbei, betretet den großen Fabrikkomplex und sucht den Raum auf, in dem sich das Herzstück der ganzen Unternehmung und damit euer Baby befindet: der Bioreaktor - ein gewaltiger Stahlzylinder, in den massive, Bullaugen gleichende Fenster eingelassen sind und den Blick freigeben auf eine unscheinbare, aber revolutionäre Flüssigkeit, bewohnt von „Agrobacter Thunbergius“, oder kurz: Aggi. Aggi ist eine Bakterie, die etwas ganz Besonderes kann: Sie produziert Naturfasern und zwar nur mithilfe von Luft, Wasser und Strom.</p><p>Dass Mikroben irgendwelche Proteine oder Enzyme produzieren, ist nun wahrlich nichts Neues, auf diese Weise kommen Menschen schon seit Jahrhunderten an Bier und Hefe. Seit 2023 stellten <a href="https://solarfoods.com/solar-foods-takes-concrete-steps-to-enter-the-market-construction-of-factory-01-begins-set-to-produce-the-worlds-most-sustainable-protein-in-2024/">die ersten Firmen</a> bereits auf die gleiche Weise Proteine für die menschliche Ernährung her, was schon damals 20-mal effizienter als Photosynthese und 200-mal effizienter als konventionelle Fleischerzeugung war.</p><p>Seit wir Kaffee- und Kakaopulver in solchen Reaktoren aus Luft und sauberem Strom herstellen, konnten Millionen Quadratkilometer ehemaliger Monokulturen renaturiert werden, der Waldbestand und die Zahl der Insekten nimmt weltweit wieder zu.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1706253480183144835">https://twitter.com/superredaktion/status/1706253480183144835</a><p>Die weltweite Anbaufläche für Baumwolle ist aber immer noch größer als die von ganz Deutschland, und der soll es nun dank eurer Mikrobe an den Kragen gehen: Durch die neue Faser aus eurem Reaktor ist nicht nur der Anbau auf ehemaligen Regenwaldgebieten nicht mehr lukrativ, eure bakteriell hergestellten Fasern sind extrem stabil und langlebig, sodass das obere Management aller Fast-Fashion-Konzerne seit Monaten eine Schmutzkampagne gegen euch fährt.</p><p>Die Arbeit beendet ihr heute früh; gegen 15 Uhr ist Schluss, denn ihr müsst los: Morgen feiert eure Schwester Geburtstag, und die lebt seit drei Jahren in Marokko.</p><h3>Per Hypertrain mit 280 Stundenkilometern nach Casablanca</h3><p>Früher hätten sich die meisten Menschen zu diesem Zweck in ein Flugzeug gesetzt, und das tun auch heute noch einige, aber auf Strecken über 1.000 Kilometern wird synthetisches Kerosin genutzt, was immer noch deutlich teurer ist, als fossiles Kerosin früher war. Jetzt gerade ist es besonders teuer, denn die europäischen Fluggesellschaften setzten auf „günstige“ E-Kerosin-Importe aus Saudi-Arabien und Katar, deren Elektrolyseure nun aber seit zwei Monaten von schiitischen Rebellen besetzt sind und daher genauso wenig grünen Wasserstoff herstellen wie ein handelsüblicher Toaster.</p><p>Wer will, kann also fliegen, aber durch den gestiegenen Preis wurden Alternativen interessant, sodass es im Jahr 2040 ein recht beliebtes eurasisches Hochgeschwindigkeitszugnetz gibt.</p><p>Statt zum Flughafen fahrt ihr mit dem Zug also zurück nach Rostock und von dort zum Hamburger Hypertrain-Terminal, das nach Vorbild des japanischen Shinkansen-Netzes separat vom übrigen Schienenverkehr funktioniert und fast alle Millionenstädte Europas miteinander verbindet. In einem futuristischen, eher einem Hotel als einer Bahnhofshalle gleichenden Wartesaal scrollt ihr auf eurem Handy rum, bis gegen 17.30 Uhr lautlos eure Verbindung der Linie Stockholm-Casablanca in den Bahnhof einrollt.</p><p>Die Hypertrains fahren auf breiteren Gleisen als die restlichen Züge und erreichen dadurch einen höheren Komfort, was das ganze Erlebnis eher an einen Hotelaufenthalt erinnern lässt als an eine Zugfahrt. Wem es das wert ist, kann auch Suiten mit Pagendienst reservieren, die die erste Klasse im Flugzeug in Sachen Exklusivität noch mal in den Schatten stellen.</p><p>Als der Zug gegen 22 Uhr in Paris hält, stellt Ihr das Wecksystem des Zugs auf 7 Uhr und legt euch hin. Nur die wenigen Vibrationen, die vom Dämpfungssystem des Zuges nicht eingefangen wurden, lassen erahnen, dass ihr gerade mit 280 Stundenkilometern auf die Côte d&#39;Azur zurast.</p><p>Da ihr euch für die Wecker-Option „Aufwachen im Wald“ entschieden habt, erhellt sich ab 6.55 Uhr langsam euer Abteil zu Vogelgezwitscher, während der Zug sich 500 Meter unter dem Meeresspiegel in der Straße von Gibraltar befindet, wo seit drei Jahren ein Tunnel das europäische mit dem afrikanischen Festland verbindet.</p><p>Um 7.30 Uhr klopft es an der Tür, eine Servicekraft der EBT (Europe Bullet Train) reicht euch euer Croissant und den Kaffee, während die riesigen Solarfelder Marokkos an euch vorbeiziehen. An der Küste werden damit Entsalzungsanlagen für Süßwasser betrieben, mit dem im trockenen, heißen Süden immer größere Teile der Wüste begrünt werden – teils für den Obst- und Gemüseanbau in gekühlten Gewächshäusern, teils für genügsame Gewächse, aus deren Samen Öl hergestellt werden kann, welches immer mehr das problematischere Palmöl vom Weltmarkt drängt.</p><p>Um 9 Uhr steigt ihr nach gut 15 Stunden Fahrt ausgeruht mitten im Stadtzentrum von Casablanca aus. Ihr hättet auch zu Hause schlafen und um 4 Uhr zum Flughafen fahren können, um zur selben Zeit hier zu sein, aber die Frage, ob das im Sinne eures Schlafbedarfs und Budgets sinnvoll gewesen wäre, beantworten heutzutage viele Menschen mit „Nein“.</p><p>Und auch die Hauptstadt von Marokko, das wie viele andere Länder mehr Sonne, Wind und Platz zur Verfügung hat als Deutschland, hat sich stark verändert: Der Straßenverkehr ist wie in Deutschland fast ausschließlich elektrisch, allein schon, weil Verbrennungsmotoren kaum noch hergestellt werden und die Versorgung mit Sonnenenergie im Gegensatz zu teuren Ölimporten einen nie da gewesenen Wohlstand ermöglicht.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1706253813353472144">https://twitter.com/superredaktion/status/1706253813353472144</a><p>Entgegen der Sorge vieler Facebook-Kommentare im Jahr 2023 hat die Energiewende euch also weder arm gemacht, noch lebt ihr in Höhlen und müsst rohe Baumwurzeln essen. <strong>Die Welt im Jahr 2040 ist nicht nur klimaneutral, sondern auch grüner, nachhaltiger und gerechter als heute.</strong></p><p>Ihr könntet mit eurer Schwester auf ihrer Dachterrasse sitzen, auf ihren Geburtstag anstoßen und sagen: „Hey, stell dir mal vor, wir hätten vor 20 Jahren auf diese Leute gehört, laut denen wir alle arm werden, wenn wir aufhören, Kohle und Öl zu verbrennen.“</p><p>Und sie könnte antworten: „Ja, das wäre ganz schön blöd gewesen.“</p><h2>Tipp des Monats</h2><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/092650f7-4311-4596-bb35-625f832eb337/uploads/images/u2t3pd5jia/Buch%20Mockup%20Zukunftsbilder%202045_reinventing%20society.png.PNG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Buch &quot;Zukunftsbilder 2045&quot;"/><p>Die utopischen Stadt- und Land-Bilder, mit denen wir diese Ausgabe des Newsletters verziert haben, stammen aus dem Band <a href="https://realutopien.info/zukunftsbilder-2045/"><em>Zukunftsbilder 2045 - Reise in die Welt von morgen</em></a><em>,</em> den wir euch hiermit sehr ans Herz legen wollen. Die Blicke auf ein mögliches Leben in 22 Jahren, die hier geboten werden, machen wirklich deutlich, was wir zu gewinnen haben, wie schön das alles werden könnte.</p><p>Und natürlich muss hier einiges an Spekulation im Spiel sein, aber nichtsdestotrotz ist das nicht einfach irgendwie naive Science Fiction, sondern durchaus fundiert: Die Bilder und zugehörigen Texte wurden von einem Team von Fachleuten aus Wirtschafts- und Sozialwissenschaft, Nachhaltigkeits- und Umweltforschung, Kommunikation und Medien, Psychologie und Politik erarbeitet und bieten einen durchaus realistischen Ausblick.</p><p>Wir müssen’s halt nur machen.</p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Dieser Newsletter ist nur durch Eure finanzielle Unterstützung möglich! Daher ein großes Dankeschön an alle Unterstützer</em>innen.*</p><p>Wenn Du noch nicht dabei bist, <strong>freuen wir uns sehr über Spenden</strong> (und können auch mit Spendenbescheinigungen dienen wenn gewünscht).</p><p>Global Eco Transition gGmbH | IBAN: DE62 4306 0967 1230 6808 00 | BIC: GENODEM1GLS Verwendungszweck: ”Spende Superredaktion”</p><p><strong><em>Wichtig:</em></strong><em> Spenden kommen bei uns nur an, wenn der Verwendungszweck richtig angegeben wird.</em></p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Du willst </em><strong><em>deine Reichweite nutzen</em></strong><em>, um auf Klimathemen aufmerksam zu machen? Wir helfen Dir dabei! Schreib uns gerne eine Mail an</em> <a href="mailto:superredaktion@posteo.de">superredaktion@posteo.de (Öffnet in neuem Fenster)</a> <em>– wir sind freundlich, wissen Sachen und </em><strong><em>kosten dich nichts</em></strong><em>.</em></p><p><em>Du kennst Menschen, denen dieser Newsletter auch helfen könnte? Dann teile ihn gerne!</em></p><p><em>Weiteren Kram zum Teilen findest du auf</em> <a href="https://twitter.com/superredaktion">Twitter (Öffnet in neuem Fenster)</a> <em>und</em> <a href="https://www.instagram.com/superredaktion/">Instagram</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Mon, 25 Sep 2023 16:30:24 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[We are someone’s Kylie Jenner]]></title>
      <description><![CDATA[Willkommen im Newsletter der Superredaktion – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven für Menschen mit Lust auf Zukunft.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Willkommen im Newsletter der <em>Superredaktion</em> – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete Anpackmaterialien für Menschen mit Reichweite und Bock auf Zukunft.</p><p>Zum Ablauf: Ihr lest erst die guten Nachrichten und rutscht dann auf denen wie von allein und ohne es recht zu merken in unser luxuriös glitzerndes <em>Thema des Monats </em>hinein.</p><h2>Die guten Nachrichten</h2><p>Wählen hilft: Der größte Teil des Amazonas-Regenwalds liegt in Brasilien. Das war zuletzt alles andere als zu seinem Vorteil: Der ultrarechtspopulistische Präsident Jair Bolsonaro setzte reihenweise Schutzmaßnahmen außer Kraft und rief sein Volk quasi zur illegalen Abholzung auf, <a href="https://www.dw.com/de/abholzung-von-amazonas-regenwald-geht-zur%C3%BCck/a-66148252">mit verheerenden Konsequenzen</a>. Unter Brasiliens neuem Präsidenten Lula da Silva, der den Schutz des Amazonas zu einem seiner Wahlversprechen gemacht hatte, ist <a href="https://www.spektrum.de/news/regenwald-abholzung-am-amazonas-geht-deutlich-zurueck/2153619"><strong>die Entwaldung in den ersten fünf Monaten diesen Jahres um über 30% zurückgegangen.</strong></a> Und Brasilien ist damit nicht allein: <strong>Auch Kolumbien </strong><a href="https://www.theguardian.com/world/2023/jul/12/colombia-deforestation-amazon-rainforest-peace"><strong>vermeldet den größten Rückgang von Entwaldung und Waldbränden seit zwanzig Jahren.</strong></a></p><p>Wir bleiben im Amazonas: <a href="https://www.zeit.de/wirtschaft/2023-08/ecuador-oelfoerderung-yasuni-nationalpark-referendum">I<strong>n Ecuador ist in einer Volksabstimmung mit großer Mehrheit das Ende der Ölförderung im Yasuní-Nationalpark beschlossen worden</strong></a><strong>.</strong> Das ist ein unerwartet klarer Sieg für das größte Naturschutzgebiet des Landes und eine der artenreichsten Regionen der Erde. Nicht nur ist es weltweit das erste Mal, dass eine Volksabstimmung dazu führt, dass eine bereits laufende Ölförderung eingestellt und rückgebaut werden muss. Auch die Deutlichkeit des Ergebnisses ist angesichts einer wie gewohnt sehr gut finanzierten Gegenkampagne der Öl-Lobby historisch. Hier wurde ein Zeichen gesetzt, das weit über die Grenzen des Landes hinaus Auswirkungen haben wird.</p><p>Und wo wir bei historischen ersten Malen sind: <strong>Im US-Bundesstaat Montana hat eine Gruppe junger Menschen gegen die sehr fossilfreundliche Politik ihrer Regierung geklagt - </strong><a href="https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/montana-urteil-klimaschaeden-100.html"><strong>und jetzt vom zuständigen Gericht in jedem Punkt der Anklage recht bekommen</strong></a><strong>.</strong> Montana ist einer von wenigen Bundesstaaten der USA, in denen die Verfassung ein Recht auf eine saubere Umwelt festschreibt; der Prozess allerdings war einer der ersten seiner Art. &quot;Es ist eine der wichtigsten Entscheidungen zum Klimawandel, die jemals von einem Gericht gefällt wurde&quot;, <a href="https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/montana-urteil-klimaschaeden-100.html">sagt der Klimajurist Michael Gerrard</a> von der Columbia-Universität dazu – man darf hoffen, dass viele weitere folgen werden.</p><p>Und jetzt einfach weiterlesen. Danke.</p><h2>Manche sind eben gleicher</h2><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/c881ee9b-d505-4526-a6a7-a84a90e611b6/uploads/images/bprr5ojzdh/kyliejet.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Insta-Post von Kylie Jenner und ihrem Lebengefährten zwischen zwei Privatjets - &quot;Sollen wir deinen oder meinen nehmen?&quot;"/><p>Wir haben vermutlich alle schon viel gehört und gelesen darüber, wie die Verantwortung für die Überhitzung des Planeten ungleich verteilt ist – unter den Ländern, und, so zeigen jüngere Forschungen, auch und noch mehr über Ländergrenzen hinweg unter den Einkommensgruppen: <a href="https://www.sueddeutsche.de/wissen/klima-reiche-leben-zigmal-so-klimaschaedlich-wie-normalbuerger-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-230325-99-85705">Je luxuriöser der Lebensstil, desto zerstörerischer ist er für unsere Lebensgrundlagen</a>, und zwar exponentiell.</p><p>Es gibt wirklich gute Argumente dafür, diese Erkenntnisse bei Fragen der Verteilungs- und Verursachergerechtigkeit mitzudenken und bei der Gestaltung politischer Maßnahmen weniger das Wo und mehr das Wer der Emissionen scharfzuschalten. Um das ein bisschen zu konkretisieren und zu veranschaulichen, sei hier ein Blick aufs Fliegen geworfen. <a href="https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0959378020307779">Zwei zentrale Fakten</a>:</p><ol><li><p>Der Flugverkehr verursacht zwar “nur” ca. 3 Prozent des globalen CO2-Ausstoßes (immerhin <a href="https://de.statista.com/statistik/daten/studie/179260/umfrage/die-zehn-groessten-c02-emittenten-weltweit/">mehr als ganz Japan in 2021</a>), ist aber wegen des Ausstoßes weiterer in großer Höhe ebenfalls klimawirksamer Stoffe <strong>für insgesamt ca. </strong><a href="https://www.atmosfair.de/de/fliegen_und_klima/flugverkehr_und_klima/klimawirkung_flugverkehr/"><strong>5 Prozent der Klimawirkung</strong></a><strong> der weltweiten Emissionen verantwortlich</strong>.</p></li><li><p><strong>Kaum jemand fliegt.</strong></p></li></ol><h2>Ja, richtig, kaum jemand fliegt.</h2><p>Wie kann das sein? So kann das sein: <strong>Ein Prozent der Menschheit verursacht die Hälfte aller Emissionen aus dem Flugverkehr.</strong> 80 Prozent der Menschheit hat noch nie in einem Flugzeug gesessen.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1696153677017309334">https://twitter.com/superredaktion/status/1696153677017309334</a><p>Und wenn wir uns in Richtung der 0,1 reichsten Prozent der Menschheit bewegen, wird die Diskrepanz in den Emissionen zwischen Reich und Rest noch um ein Vielfaches abstruser, <a href="https://theconversation.com/these-celebrities-cause-10-000-times-more-carbon-emissions-from-flying-than-the-average-person-123886">und zwar ungefähr um den Faktor 10.000</a>. Tendenz steigend – Privatjets wurden unter Corona <a href="https://www.lunajets.com/de/unsere-tipps/nach-covid-19-mit-einem-privatjet-sicherer-reisen">das Wohnmobil-Äquivalent der Sehr-viel-besser-Verdienenden</a>.</p><h2>Wer’s kaputt macht, soll es bezahlen.</h2><p>Ja aber wenn der bei weitem größte Teil des Problems auf die Kappe von ganz wenigen und obendrein sehr privilegierten Leuten geht, die sehr viel fliegen, dann machen wir das doch einfach so, Verursacherprinzip, ist ja nur logisch: Progressive Vielfliegersteuer!</p><p>Der erste Flug im Jahr kostet nur das Ticket, der zweite 10% extra, der nächste 20%, irgendwie so, und die besonders schädlichen Langstreckenflüge nochmal mehr. So kommt man bei Sehrvielfliegenden sehr schnell in Bereiche, die selbst für die Wohlhabendsten unter ihnen schmerzhaft genug wären, um ernsthaft über Verhaltensänderungen nachzudenken.</p><p>Das Schöne daran: Anders als bei einer pauschalen Besteuerung über einen CO2-Preis sind dann die Leute, die das am stärksten trifft, diejenigen mit den mobilsten Lebensstilen. Eine <a href="https://theicct.org/wp-content/uploads/2022/09/global-aviation-frequent-flying-levy-sep22.pdf">Studie</a> des International Council on Clean Transport zeigt: Die 121 Milliarden Dollar, die so eine Steuer jährlich einbringen könnte, um sie in den zukunftstauglichen Umbau des Flugverkehrs und die Schaffung besserer, weniger emissionsinvensiver Alternativen zu investieren, würden zu 81 Prozent von denjenigen getragen, die mehr als sechs Flüge pro Jahr machen - das sind 2 Prozent der Weltbevölkerung, und zwar tendenziell die mit dem meisten Geld.</p><p>Und wenn die davon genervt sind, haben sie auf einmal noch viel mehr Gründe, ihren beträchtlichen Einfluss und ihre beträchtlichen Vermögen in die Entwicklung von Zukunftstechnologien für sauberes Fliegen zu investieren anstatt in planetenzerstörerische Ausbeuterei von James-Bond-schurkiger Unglaublichkeit.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1696154024997736885">https://twitter.com/superredaktion/status/1696154024997736885</a><p>Wer aber bloß einmal im Jahr Familie im Ausland besuchen fliegt, oder von uns aus auch nach Malle, bleibt unbetroffen. Win-win. Da kann ja wohl nur eine winzige (wenn auch sehr mächtige) Minderheit was gegen haben.</p><p>Wenn nur die flammendsten Verteidigerinnen und Verteidiger glamouröser Lebensstile nicht oftmals diejenigen wären, die sie sich nicht leisten können - und damit sei jetzt die Kurve gekriegt zu dem, was wir diesen Monat eigentlich sagen wollen:</p><h2>Wir lieben Luxus. Auch den anderer Leute.</h2><p>Das Bild oben zeigt einen Insta-Post von Kylie Jenner mit ihrem Partner Travis Scott (oder ist der überhaupt noch/schon wieder/schon wieder nicht mehr mit ihr zusammen?) vom Juli letzten Jahres, auf dem sie mit der schwierigen Frage kokettiert, für welchen der beiden Privatjets sie sich heute entscheiden sollen. Kylie fliegt gern, auch wenn es mal nur 60 Kilometer sind.</p><p>Für diese demonstrative Dekadenz gab es <a href="https://www.vip.de/cms/kylie-jenner-nimmt-fuer-60-kilometer-nen-privatjet-und-kassiert-mega-shitstorm-4997810.html">einiges an Gegenwind</a>, Kylie hatte sich das sicher nicht so vorgestellt, dass man sie für diesen Post lautstark als Klima-Verbrecherin bezeichnen würde. Aber: Es gibt auch über 8 Millionen Likes, von über 8 Millionen Menschen, unter denen der Anteil an Privatjet-Besitzenden sich nicht einmal im Promillebereich bewegen dürfte.</p><p>Exzessiver Luxus ist ein Sehnsuchtsort. Wir sind besessen von opulenten Lifestyles. Wir verzeihen den Superreichen ihren weltzerstörerischen Exzess, bewundern sie sogar dafür, weil sie für uns den Traum leben. Daher stellen sich Menschen, die in Kulturen sozialisiert sind, in denen Reichtum idealisiert wird, oft gegen Maßnahmen, die das Leben der Reichen regulieren sollen, <a href="https://www.dw.com/en/rich-people-billionaires-emissions/a-64146449">beschreibt der schwedische Mobillitätsforscher Stefan Gössling</a>.</p><p>Gleichzeitig sind es die Reichen, die in Lebensstil und vor allem Investitionskultur einen der allergrößten Hebel überhaupt in der Hand haben, das Steuer herumzureißen und die Welt auf Kurs in eine gute Zukunft zu bringen: Laut einer <a href="https://oxfamilibrary.openrepository.com/bitstream/handle/10546/621446/bn-carbon-billlionaires-071122-en.pdf%3Bjsessionid=84B1C0349570FDC613FDA1D7D38D82D0?sequence=14">Oxfam-Studie</a> könnte man mit den jährlichen Emissionen, für die ein Durchschnittsmilliardär durch seine Investitionen verantwortlich ist, 16 Millionen mal die Erde in einem Privatjet umrunden.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1696155220043005958">https://twitter.com/superredaktion/status/1696155220043005958</a><p>Jede Regulierung, jeder Anreiz, der hier gezielt gesetzt wird, bietet gigantisches Potential, da muss was passieren. Aber offenbar ist die Tatsache, dass wir kulturell vorgeprägt sind, glasige Augen zu bekommen, wenn jemand in einer Limousine an uns vorbeirauscht, einer der wesentlichen Steine, die uns dabei im Weg liegen.</p><p>Und jedes Bild, das wir von uns am Tropenstrand, von uns am Flughafen auf dem Weg zum Dreh, von uns in dicken Autos posten, zahlt ein auf diese schädliche Art der Inszenierung von Glamour und Status; je größer unsere Reichweite desto doller.</p><h2>A new kind of glamour</h2><p>Aber was, wenn Paris Hilton plötzlich ein Bild von sich postete, wie sie sorgfältig frisiert die Gangway eines <a href="https://www.spiegel.de/reise/hurtigruten-geplantes-zero-emission-kuestenfahrtschiff-erste-entwuerfe-a-cc96f111-d2d4-4fa1-8c79-46ba172e0e12">CO2-neutralen Kreuzfahrtschiffs</a> hinabschwebt anstatt die ihres Jets? Was, wenn Kylie und Travis sich auf Insta ergriffen vor ihrer jüngst mit einer Solaranlage ausgestatteten Luxusvilla umarmten? Was, wenn sauberer anstatt schmutziger Luxus in Branding und Selbstinszenierung der internationalen High Society Eingang fände? Wenn wir nun schonmal die High Society mit all ihrer Reichweite bis in unsere Träume hinein haben und sie vermutlich nicht von heute auf morgen enteignen werden?</p><p>Das wäre schön für die Verkleinerung der Schuhgrößen einiger frankreichgroßer Fußabdrücke. Doppelt schön und am Ende vielleicht noch konsequenzenreicher wäre es für unser Bild davon, wie Luxus und ein erfülltes Leben auch aussehen können - etwas, dem man nacheifern kann, ohne dabei in fröhlich-ignoranter Dekadenz der Abschaffung unserer Zukunft entgegenzurennen.</p><p>Wir brauchen nicht noch mehr Selbstportraits vor Flugzeugfenstern und Tropenkulissen. Wer ohne fliegen und Tropen nicht auskommt, bittesehr, aber man muss sich ja nicht noch öffentlich damit schmücken. Wenn es nicht anders geht: Tut halt Schlechtes und sprecht nicht darüber!</p><p>Was wir hingegen gut gebrauchen könnten: Bilder von berühmten Menschen, denen es gelingt, Glamour, Luxus und Sexiness aus Zügen heraus und von Fahrrädern herab zu projizieren; von solchen, die richtig gut aussehen, wenn sie sich über die Reling eines Segelschiffs drapieren – Segelschiffe sind doch wohl mindestens so aufregend wie Jets! - oder an Stränden in Überland-Reichweite extravagante Bademode spazieren führen, während sie tierfreie Eiscreme schlecken.</p><p>An einem solchen Paradigmenwechsel, einer solchen Umdeutung von erstrebenswertem Luxus ohne großes Gutmenschentamtam können alle arbeiten, die privilegiert sind, in der Öffentlichkeit stehen, ihre eigene Marke und ein bestimmtes Bild von Weltläufigkeit und Beweglichkeit von sich pflegen.</p><p>Und nicht nur die. Bereits ein Brutto-Jahreseinkommen von 37.000$ reicht aus, um in den illustren Kreis der weltweit reichsten 10% aufgenommen zu werden – in Deutschland ist das <a href="https://www.iwkoeln.de/presse/interaktive-grafiken/judith-niehues-maximilian-stockhausen-einkommensverteilung-in-deutschland.html">grob gerechnet etwa die Hälfte der Bevölkerung</a>. Für das reichste 1% hingegen braucht es nicht nicht viel mehr als eine sechste Stelle in der Zahl.</p><p>Wie es angesichts dieser Daten aus dem jüngsten <a href="https://wir2022.wid.world/">World Inequality Report</a> der Autor Ketan Joshi <a href="https://twitter.com/KetanJ0/status/1554031630217617409">formuliert</a>: <strong>You are someone’s Kylie Jenner.</strong></p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1696155618552197125">https://twitter.com/superredaktion/status/1696155618552197125</a><p>Also. Die Richtung ist klar. <a href="https://reisevergnuegen.com/zugverbindungen-ohne-umsteigen/">Zeigen wir Kylie, wie es wirklich geht.</a></p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1696155981959327960">https://twitter.com/superredaktion/status/1696155981959327960</a><h2>Tipp des Monats: Climate Town</h2><p>Auch wenn’s auf Englisch ist und daher vielleicht nicht so niederschwellig wie andere Dinge, die wir hier normalerweise empfehlen: <a href="https://www.youtube.com/@ClimateTown">Climate Town</a>, der Youtube-Kanal von <a href="https://www.walkingsofter.org/changemakers/checking-in-with-rollie-williams">Rollie Williams</a>, ist zu gut, um ihn unerwähnt zu lassen (und die automatisch generierten deutschen Untertitel von YouTube können bestimmt helfen, die Schwelle ein bisschen zu senken).</p><a href="https://www.youtube.com/@ClimateTown"><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fimages.squarespace-cdn.com%2Fcontent%2Fv1%2F5fde892f6394b41d642652ac%2Fd904b9cd-fe90-4b0e-b61b-ad9f2e5b0905%2FCT_LOGO_03.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=3692fd75ad3873888540d80ee9ee2f07" alt="Logo des Youtube-Kanals Climate Town." data-link="https://www.youtube.com/@ClimateTown"/></a><p>Williams ist studierter Klimawissenschaftler und Stand-Up-Comedian. Beide Qualifikationen vereint er hier aufs Schönste: Climate Town ist oft witzig genug, um es schon allein der Gags wegen zu schauen. Zusammen mit den wasserdichten Recherchen und der anschaulichen Präsentation wichtiger Themen wird es zu einem frischen und besonderen Format, das man echt nicht verpassen sollte, wenn man sich für Klima-Angelegenheiten interessiert – und für neue Ansätze, wie man sich ihnen annähern und über sie sprechen kann.</p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Dieser Newsletter ist nur durch Eure finanzielle Unterstützung möglich! Daher ein großes Dankeschön an alle Unterstützer</em>innen.*</p><p>Wenn Du noch nicht dabei bist, <strong>freuen wir uns sehr über Spenden</strong> (und können auch mit Spendenbescheinigungen dienen wenn gewünscht).</p><p>Global Eco Transition gGmbH | IBAN: DE62 4306 0967 1230 6808 00 | BIC: GENODEM1GLS Verwendungszweck: ”Spende Superredaktion”</p><p><strong><em>Wichtig:</em></strong><em> Spenden kommen bei uns nur an, wenn der Verwendungszweck richtig angegeben wird.</em></p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Du willst </em><strong><em>deine Reichweite nutzen</em></strong><em>, um auf Klimathemen aufmerksam zu machen? Wir helfen Dir dabei! Schreib uns gerne eine Mail an </em><a href="mailto:superredaktion@posteo.de">superredaktion@posteo.de</a> <em>– wir sind freundlich, wissen Sachen und </em><strong><em>kosten dich nichts</em></strong><em>.</em></p><p><em>Du kennst Menschen, denen dieser Newsletter auch helfen könnte? Dann teile ihn gerne!</em></p><p><em>Weiteren Kram zum Teilen findest du auf</em> <a href="https://twitter.com/superredaktion">Twitter</a> <em>und</em> <a href="https://www.instagram.com/superredaktion/">Instagram</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Mon, 28 Aug 2023 16:05:24 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Klimaschonend essen – eigentlich doch ganz einfach]]></title>
      <description><![CDATA[Willkommen im Newsletter der Superredaktion – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven für Menschen mit Bock auf Zukunft.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Willkommen im Newsletter der <em>Superredaktion</em> – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete Anpackmaterialien für Menschen mit Reichweite und Bock auf Zukunft.</p><p>Wie traditionell üblich eine Handvoll gute Nachrichten als Aperitif:</p><ul><li><p>Am 12. Juli hat das EU-Parlament das historisch bedeutsame <a href="https://www.wwf.de/themen-projekte/biodiversitaet/nature-restoration-law">Nature Restoration Law</a> verabschiedet, das alle EU-Mitgliedsstaaten verpflichtet, zerstörte Natur wieder ökologisch aufzuwerten. Hierzu gehört der Bestandsschutz von Bestäubern und die zukünftige Sicherstellung von sauberer Luft und sauberem Wasser. Das Abstimmungsergebnis war mit 53 Prozent Ja-Stimmen irritierend knapp, gemessen daran, dass eigentlich niemand was gegen sauberes Wasser und saubere Luft haben kann.</p><p>Um dieses Ergebnis zu ermöglichen, musste das Gesetz aber an mehreren Stellen schlechter gemacht werden und geht so geschwächt in den Trilog, also die Verhandlungen zwischen EU-Parlament, EU-Rat und EU-Kommission. Wer saubere Luft und ein stabiles Klima gut findet, sollte hier auf Nachbesserungen hoffen, zum Beispiel die Wiederaufnahme der Wiedervernässung von Mooren in den Gesetzesentwurf.</p></li><li><p>Chinas Energiewende beschleunigt sich weiterhin. Der im Jahr 2022 in China erzeugte Wind- und Solarstrom <a href="https://tinyurl.com/5n6enkk9">betrug bereits gewaltige 1.200 Terawattstunden</a>, das ist ungefähr die Hälfte der kompletten Stromerzeugung (also aus fossilen, Atom- und erneuerbaren Kraftwerken zusammen) <a href="https://energy-charts.info/charts/energy_pie/chart.htm?l=de&amp;c=EU&amp;interval=year&amp;year=2022">der gesamten EU</a>. Dieses Ergebnis wird 2023 voraussichtlich nochmal klar übertroffen, allein <a href="https://www.bloomberg.com/news/articles/2023-05-22/china-s-solar-power-boom-is-accelerating-past-last-year-s-record-surge?sref=xuVirdpv">der Solar-Ausbau der ersten vier Monate lag 200 Prozent (!) über dem Wert von 2022</a>, hat sich also nochmals verdreifacht. Wird diese Geschwindigkeit beibehalten, <a href="https://www.theguardian.com/world/2023/jun/29/china-wind-solar-power-global-renewable-energy-leader">erreicht China seine Erneuerbaren-Ausbauziele für 2030 etwa 5 Jahr früher</a>.</p></li><li><p>Die Zustimmung in der Bevölkerung zu konkreten Klimaschutzmaßnahmen ist deutlich höher als allgemein angenommen. Laut <a href="https://www.rifs-potsdam.de/de/news/weitaus-mehr-menschen-als-angenommen-befuerworten-klimaschutz">einer Studie des RIFS Potsdam</a> befürwortet die Bevölkerung umstrittene Klimaschutzmaßnahmen höher als sie selbst denkt. Das ist für sich genommen eigentlich eher eine schlechte Nachricht, denn sozialpsychologisch liegt in diesem Fall eine sogenannte pluralistische Ignoranz vor: Alle sind eigentlich einverstanden, warten aber auf Mehrheitszeichen der anderen Gruppenmitgliedern und tun deshalb erst mal gar nichts. Die gute Nachricht ist, dass diese Ergebnisse, also die hohen Zustimmungswerte für Windkraftausbau, Solaranlagen und Tempolimit, nun verbreitet werden und Menschen Mut machen, sich aktiv für Lösungen einzusetzen.</p></li></ul><h2>Ernährung als guter Einstieg</h2><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b53e0352-5326-4a27-a0ad-0950e1237db1/uploads/images/bufxn7znux/Grafik%201_wei%C3%9Ftnicht.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Du willst klimafreundlich essen, ber weißt nicht wie? Stilisierte Einkäuferin mit Einkaufswagen und vielen Fragen in einer Sprechblase."/><p>Mit dem eigenen Klimaschutz bei der Ernährung anzufangen hat einen riesigen Vorteil: Wer vor dem Supermarktregal steht, genießt die Unmittelbarkeit der vollen Kontrolle über den CO2-Fußabdruck des Einkaufs. Es müssen keine Petitionen verfasst, keine Ortsvereine oder Eigentümergemeinschaften überzeugt werden. Keine lästigen demokratischen Gremien bremsen Eure Ambitionen, stattdessen gilt nur das Diktat eurer individuellen Entscheidung.</p><p>Bleibt das Import-Steak im Tiefkühlfach und muss einem in der EU hergestellten Beyond-Burger weichen, purzeln die Emissionen. Das kann tatsächlich erstmal beflügeln, weil viele Menschen in diesem Moment Selbstwirksamkeit spüren, also das Gefühl, eine schwierige Situation selbst meistern zu können – zumindest zum Teil.</p><p>Bevor aus so einem ersten Schritt aber ein Selbstoptimierungs-Rausch werden kann, stehen wir irgendwann ein Regal weiter vor deutlich komplizierteren Entscheidungen:</p><ul><li><p>Soll ich die Bio-Butter kaufen oder die industriell hergestellte Margarine?</p></li><li><p>Auf den neuseeländischen Äpfeln ist ein „climate friendly“-Aufkleber, auf den Äpfeln aus dem deutschen Kühlhaus nicht – was bedeutet das?</p></li><li><p>Die Tomaten aus den Niederlanden sind in Plastik eingepackt, die aus Spanien kann ich einzeln kaufen.</p></li><li><p>Der regionale Hafermilchanbieter füllt sein Produkt in Mehrweg-Glasflaschen ab, aber verbraucht das weniger Emissionen als die leichteren Tetra-PAKs? Wie weit ist die Fabrik wohl weg? Und fahren die Lastwagen elektrisch?</p></li></ul><h2>With great power comes great responsibility</h2><p>Wer sich in Klimafragen am Supermarktregal vorbildlich verhalten will, merkt schnell: Je mehr man weiß, desto komplizierter wird das Ganze (scheinbar). Klar, aus großer Macht folgt große Verantwortung, aber das kann Spider Man auch leicht sagen: Der kann einfach gegen den nächstbesten Bösewicht kämpfen. Wir hingegen müssen erst mal rauskriegen, wer denn eigentlich der Bösewicht ist, den es mit Boykott zu strafen gilt.</p><p>Ist Soja im Essen nachhaltig? Welche Erdbeeren kommen per Flugzeug zu uns? Und wann hat rote Beete eigentlich Saison? Scherz, niemand mag rote Bete, es ist daher vollkommen egal, wann sie Saison hat.</p><p>Das ist aber viel zu klein gedacht, denn all diese Entscheidungen sind viel einfacher als hier zunächst der Eindruck erweckt wurde. Was die vielen Klimaratgeber und CO2-Fußabdruck-Rechner nämlich noch besser kommunizieren könnten: Die verschiedenen Faktoren (Regionalität, Saisonalität, usw.) unterscheiden sich in ihren Auswirkungen extrem, sodass es wenig Sinn macht, sie alle gleichwertig gegeneinander abzuwägen.</p><p>Die von der Universität Oxford betriebene Seite OurWorldInData hat dazu praktischerweise <a href="https://ourworldindata.org/food-choice-vs-eating-local">eine Übersicht erstellt</a>, aus der hervorgeht, welcher Faktor wieviele Emissionen verursacht:</p><a href="https://ourworldindata.org/grapher/food-emissions-supply-chain"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b53e0352-5326-4a27-a0ad-0950e1237db1/uploads/images/qux62pdky2/food-emissions-supply-chain.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Balkendiagramm der CO2-Emissionen verschiedener Nahrungsmittel" data-link="https://ourworldindata.org/grapher/food-emissions-supply-chain"/></a><p>Sollte die Schrift zu klein sein, gibt es die Ergebnisse <a href="https://ourworldindata.org/grapher/food-emissions-supply-chain">hier noch mal in aufbereiteter und interaktiver Form</a>.</p><p>Wichtigste Beobachtung: Transport (der rote Bereich), Verpackung (grauer Bereich) und Verarbeitung (blauer Bereich) spielen eine überraschend kleine Rolle, die Klima-Elefanten im Raum sind Landnutzungsänderung (grün) und direkte Prozess-Emissionen bei Anbau und Tierzucht (braun).<br/></p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1685906697519321088">https://twitter.com/superredaktion/status/1685906697519321088</a><h2>Es ist viel entscheidender, was ich esse als woher es kommt.</h2><p>Mit anderen Worten: Der Transport und die Verpackung sind nur für einen Bruchteil der Klimaemissionen verantwortlich. Hohe Emissionen aufgrund von Landnutzungsänderung bedeutet konkret, dass für dieses Lebensmittel natürliche Kohlenstoffsenken zerstört wurden bzw. zerstört bleiben, <a href="https://www.naturefund.de/wissen/kompensation/co2_kompensieren/kompensation_durch_kohlenstoffsenken">meistens sind das Wälder, Moore oder sonstige Naturräume</a>.</p><p>Zu den direkten Prozess-Emissionen (braun) zählen Produktion und Verwendung von Düngern und Pestiziden, die Entstehung von Methan durch Verdauungsprozesse von Wiederkäuern oder den Nassanbau von Reis und auch schlicht der Energiebedarf für landwirtschaftliche Maschinen.</p><p>Es ist also in den allermeisten Fällen viel entscheidender, was ich esse als woher es kommt. Ein Kilo Schweinefleisch verursacht so viel CO2-Emissionen wie 12 Kilo Erbsen, 21 Kilo Karotten oder 26 Kilo Kartoffeln, womit Kartoffeln das Klima-Champion-Gemüse schlechthin sind (esst mehr Kartoffeln!).</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1685907173199454209">https://twitter.com/superredaktion/status/1685907173199454209</a><p>Der Anbau des Kilos Kartoffeln verursacht gerade mal 190 Gramm CO2. Aber selbst wenn ich diese Kartoffeln jetzt noch 1.000 km mit einem Schiff transportiere, so erhöhen sich die Emissionen <a href="https://www.carboncare.org/co2-emissions-rechner.html">um nur etwa 10 Gramm CO2</a> auf 200 Gramm CO2. Denn auch wenn Frachtschiffe aufgrund des genutzten Schweröls kein sonderlich gutes Image haben, sind sie unglaublich effizient! So effizient, dass ich ein Kilo Kartoffeln über den halben Erdball transportieren kann und sie am Ende trotzdem nur einen Bruchteil der Emissionen von Fleisch oder Milchprodukten haben.</p><p>Dieselbe Strecke mit dem fossil betriebenen LKW verursacht schon 50 Gramm CO2, und wenn irgendwer auf die verrückte Idee kommt, Obst oder Gemüse mit dem Flugzeug zu transportieren, dann sind die Transport-Emissionen 100 mal höher als mit dem Schiff. Es lassen sich also Ausnahmen finden, die von der obigen Tabelle abweichen, wenn man sie sucht.</p><p>Glücklicherweise wird nur ein sehr kleiner Anteil unserer Lebensmittel mit dem Flugzeug transportiert, sodass das im Alltag kaum ins Gewicht fällt und die obige Tabelle eine sehr gute Orientierung bietet: <strong>In Klimafragen ist vor allem entscheidend, was wir essen.</strong> Der Transport und ob ich es an der Kasse in eine Plastiktüte einpacke, ändert die Werte nur marginal.</p><p>Daher funktioniert auch der Ansatz nicht, die eigene Ernährung 1,5-Grad-Ziel-kompatibel zu gestalten, indem das Rinderfilet in die mitgebrachte Jutetüte eingepackt wird. Die typischen Supermarkt-Plastiktüten <a href="https://tinyurl.com/5n8kmbnc">bestehen aus etwa 40 Gramm Erdöl</a>, soviel verbraucht ein sparsamer Diesel-PKW schon auf 800 Metern. Aus diesem Grund haben Fahrten in fossil betriebenen Gefährten zum Unverpackt-Laden auch keine sonderlich gute Klimabilanz (Plastikmüll-Vermeidung ist natürlich dennoch eine gute Idee).</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1685907436849221632">https://twitter.com/superredaktion/status/1685907436849221632</a><p>Das alles mag aus Fleischesser-Sicht frustrieren, muss es aber eigentlich nicht, denn wir haben 2023. Die meisten Fleischprodukte, die im Supermarkt ohnehin als anonyme, panierte Proteinlappen daherkommen, <a href="https://twitter.com/DerGraslutscher/status/1275006029143650305">gibt es mittlerweile auch pflanzlich</a>. Gerade bei so Dingen wie Gehacktem, Schnitzel oder Nuggets zum Anbraten können viele Menschen ihre Emissionen drastisch senken, ohne das Geschmackserlebnis zu verschlechtern.</p><p>Das war vor 20 Jahren etwas anders, da schmeckten vegetarische Würste noch nach Klärschlamm und Sojamilch nach Pappkarton und man musste sich die Nase zuhalten, wenn man sowas essen wollte. So oder so: Rein rechnerisch ist es für die Emissionen unerheblich, ob sich ab morgen 5 Millionen Deutsche rein vegan ernähren oder ob ab morgen 50 Millionen Deutsche ihren Tierkonsum um 10 Prozent senken.</p><p>Der große Vorteil dieser Liste ist also, dass sie Entscheidungen massiv vereinfacht: Die Margarine kann in der finstersten Fabrik hergestellt und vom übellaunigsten LWK-Fahrer zu euch in den Supermarkt gebracht werden, in Sachen Klima schlägt sie die Butter um Längen.</p><h2>Individuelle Entscheidung vs. systematische Änderungen</h2><p>Regionalität und Saisonalität sind natürlich trotzdem erstrebenswerte Ziele. Auch der Autor dieser Zeilen legt im Supermarkt die Kartoffeln wieder ins Regal zurück, wenn die aus Neuseeland kommen und sucht stattdessen europäische. Erdbeeren aus Ägypten oder Israel kommen tatsächlich oft mit dem Flugzeug, da warte ich lieber auf den Mai. Aber selbst die Kartoffeln aus Südafrika sind viel klimaschonender als Fleisch aus den Niederlanden.</p><p>Aber das weiß ich auch nur, weil ich mich <a href="https://www.ugb.de/lebensmittel-im-test/flugtransporte-von-lebensmitteln/?treibhausgase-klimaschutz">hier</a> informiert habe, welche Lebensmittel uns mit dem Flugzeug erreichen. Wie illusorisch ist der Gedanke, dass das alle Menschen machen? Bei den Glasflaschen und dem “climate friendly”-Aufkleber kann man selbst bei einer Vollzeitbeschäftigung zu dem Thema nicht immer eindeutige Ergebnisse finden, sondern endet häufig bei einem “kommt drauf an”.</p><p>Grundsätzlich sollten wir uns als Verbraucher daher vielleicht auch fragen, wieviel Informationspflicht wir eigentlich haben und ob die Zeit für das Nachgrübeln vor der Gemüsetheke um wenige Gramm CO2 nicht besser investiert ist, indem wir uns für systemische Änderungen einsetzen. Wäre der Frachtverkehr der EU klimaneutral, könnte es uns zumindest aus Klimasicht vollkommen egal sein, ob das Sonnenblumenöl aus Offenbach oder aus der Ukraine kommt.</p><p>Würden die Kühlhäuser in Deutschland mit klimaneutralem Strom betrieben, dann wären Äpfel aus dem Kühlhaus immer klimafreundlich, und gäbe es eine  Recycling-Pflicht für Kunststoffe, würde der Markt tatsächlich regeln, welche Verpackung die sinnvollste ist. Und müssten die Lieferanten auf den Produkten ausweisen, ob sie mit dem Flugzeug nach Deutschland kamen, würde sich das (hoffentlich) auf das Kaufverhalten auswirken.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1685907672917311488">https://twitter.com/superredaktion/status/1685907672917311488</a><p>Wie fast immer gilt: Mit individueller Verhaltensänderung können wir uns Zeit erkaufen, deswegen ist sie so wichtig. Sie bringt uns aber nur was, wenn wir die  erkaufte Zeit nutzen, um unsere Systeme ändern.</p><h2><strong>Der Tipp des Monats</strong></h2><p>Es ist also viel entscheidender, was wir essen bzw. wie viel pflanzliche Anteile unsere Ernährung hat. Aber Pflanzen zum Frühstück, ist das nicht furchtbar langweilig? Und ist das nicht problematisch wegen der Nährstoffe, wenn ich weniger Fleisch und Milch konsumiere?</p><p>Um beide Fragen mit nein zu beantworten, hat die Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt <a href="https://vegan-taste-week.de/">die Vegan Taste Week</a> ins Leben gerufen. Hier könnt Ihr zwischen verschiedenen Wochenplänen wählen (abwechslungsreich, gesund, günstig oder schnell) und euch von den Rezepten inspirieren lassen.</p><p>Dazu muss auch niemand sofort Veganer werden, es ist einfach nur ein Einsteiger-Angebot an Leute, die es mit weniger Tierprodukten versuchen wollen aber nicht so recht wissen, wie das gehen könnte.<br/></p><a href="https://vegan-taste-week.de/"><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Ffiles.vegan-taste-week.de%2F1%2Fvtw-nl.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=b2dbc9ea4891b26c522e2677d8e619fa" alt="Logo der Vegan Taste Week der Albert-Schweitzer-Stiftung" data-link="https://vegan-taste-week.de/"/></a><hr aria-hidden="true"/><p><em>Dieser Newsletter ist nur durch Eure finanzielle Unterstützung möglich! Daher ein großes Dankeschön an alle Unterstützer</em>innen.*</p><p>Wenn Du noch nicht dabei bist, <strong>freuen wir uns sehr über Spenden</strong> (und können auch mit Spendenbescheinigungen dienen wenn gewünscht).</p><p>Global Eco Transition gGmbH | IBAN: DE62 4306 0967 1230 6808 00 | BIC: GENODEM1GLS Verwendungszweck: ”Spende Superredaktion”</p><p><strong><em>Wichtig:</em></strong><em> Spenden kommen bei uns nur an, wenn der Verwendungszweck richtig angegeben wird.</em></p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Du willst </em><strong><em>deine Reichweite nutzen</em></strong><em>, um auf Klimathemen aufmerksam zu machen? Wir helfen Dir dabei! Schreib uns gerne eine Mail an </em>*<a href="mailto:superredaktion@posteo.de">superredaktion@posteo.de*** (Öffnet in neuem Fenster)</a> <em>– wir sind freundlich, wissen Sachen und </em><strong><em>kosten dich nichts</em></strong><em>.</em></p><p><em>Du kennst Menschen, denen dieser Newsletter auch helfen könnte? 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      <pubDate>Mon, 31 Jul 2023 19:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Schlechte Argumente: Eine zweitausendjährige Tradition]]></title>
      <description><![CDATA[Was sind die häufigsten Erscheinungsformen schlechter Argumente - und wie gehen wir damit um? Eine Auswahl uralter Kulturtechniken des Quatsch-Erzählens.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Willkommen im Newsletter der Superredaktion – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete Anpackmaterialien für Menschen mit Reichweite und Bock auf Zukunft.</p><p>Wir haben News! Und zwar wie immer auch gute.</p><ul><li><p>Indien ist im Begriff, seine Stromversorgungsstrategie zu ändern: <a href="https://taz.de/Kohleausbaustopp-in-Indien/!5930159/">Ab sofort sollen keine neuen Kohlekraftwerke mehr geplant werden</a>. Bisher hatte man im bevölkerungsreichsten Land der Welt auf massiven Kohlekraftausbau gesetzt, um den wegen Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum stark zunehmenden Energiebedarf zu decken – dass jetzt so ein Trümmer den Kurs wechselt, bedeutet eine gewaltige Menge an eingesparten Emissionen.</p></li><li><p>Die Schweizer Bevölkerung hat sich <a href="https://www.admin.ch/gov/de/start/dokumentation/abstimmungen/20230618/klimagesetz.html">mit 59 Prozent Ja-Stimmen klar für das Klima- und Innovationsgesetz entschieden</a>, laut dem die Schweiz bis 2050 netto null Treibhausgasemissionen erreichen muss. Konkret bedeutet das <a href="https://www.swissinfo.ch/ger/wirtschaft/klimaneutral-bis-2050--die-schweiz-nimmt-klimaschutzgesetz-voraussichtlich-an/48592404">die Abschaffung von Öl- und Gasheizungen, den Einstieg in Wind- und den Ausbau der Solarkraft und 3,2 Milliarden Franken Finanzhilfen für klimaneutrale Lösungen</a>. </p></li><li><p>Die Niederlande haben 2020 ein Tempolimit von 100 Stundenkilometern auf der Autobahn eingeführt; <a href="https://www.derstandard.at/story/2000144539405/bilanz-nach-drei-jahren-tempo-100">nur 46% der Bevölkerung konnten dem etwas abgewinnen, und die Regierung wollte es eigentlich auch nicht so recht</a>. Zwei Jahre später waren satte 60% der Bevölkerung dafür, das Limit noch weiter auf 90 Stundenkilometer zu senken.</p></li></ul><p>Gut? Gut. Und damit zum Thema des Monats: Uralte Kulturtechniken des Quatsch-Erzählens.</p><h2>Wenn Leugnen nicht mehr zieht</h2><p>Niemand kommt heutzutage noch damit durch, zu behaupten, das mit dem Klimawandel sei Unsinn – damit landet man höchstens noch bei so ein paar Versprengten auf Twitter. Darüber kann man sich freuen, das ist ein Schritt nach vorn!</p><p>Allerdings hat das hat inzwischen sogar die fossile Lobby begriffen, die seit <a href="https://www.smithsonianmag.com/smart-news/meet-the-money-behind-the-climate-denial-movement-180948204/">vielen Jahren absolut irre Summen in Desinfomationskampagnen investiert</a>, um den Status Quo gegen die Interessen der Menschheit so lange wie möglich aufrecht zu erhalten.</p><p>Statt also weiter die komplett unumstrittene Tatsache der menschengemachten Klimakrise anzufechten, hat sich die Stoßrichtung gedreht: <a href="https://www.nature.com/articles/s43247-023-00760-2">Es werden nicht mehr Zweifel an der Krise gesät, sondern an den Lösungen</a>. Und deshalb schüttet man jetzt ganze Gebirge von Dollars in die Diskreditierung von Maßnahmen, die diese Katastrophe – zu Ungunsten der Fossilindustrie –aufhalten sollen.</p><p>Das ist aus einer ganz bestimmen Perspektive gut investiertes Geld! Denn: Wenn du in den sozialen Medien unterwegs bist oder gelegentlich eine Zeitung liest oder vielleicht auch bloß manchmal willkürlich irgendwo in die Gegend schaust, werden dir die Auswirkungen und der Erfolg dieser Strategie garantiert schonmal begegnet sein.</p><p>Es ist einfach ziemlich viel unsauber argumentierter Quatsch im Umlauf, der immer wieder auch von vernünftigen Leuten ohne schlechte Absichten verbreitet wird – weil der Quatsch allgegenwärtig ist, und weil es oft ganz schön fordernd ist, den Quatsch von den Fakten zu trennen.</p><p>Die einzigen, denen das nützt, sind diejenigen, die den Quatsch gezielt aus kurzfristigem Profitinteresse in die Welt setzen, ohne sich dabei für das zukünftige weltweite menschliche Leid zu interessieren, dem sie so das Tor offenhalten. (Dabei ist auch für Superreiche der Grenznutzen, aus 20 Mrd. $ 30 Mrd $ zu machen, natürlich ein Witz verglichen mit dem Schaden, auf einer heißeren Welt zu leben, aber das machen sie sich offenbar nicht klar.)</p><p>Also: Wie machen die das - und was können wir dagegen tun?</p><h2>Quatsch erzählen und damit durchkommen: Ein Werkzeugkasten</h2><p>Wann ist ein Argument gut? Dazu ein Schaubild, samt der <a href="https://wissensdialoge.de/gut-widersprechen-und-gut-zustimmen/">These</a>, dass man eigentlich alles unterhalb der Zeile “Gegenargument” nicht ernstnehmen muss.</p><img src="https://assets-proxy.steadyhq.com/https%3A%2F%2Fwissensdialoge.de%2Fwp-content%2Fuploads%2F2015%2F12%2Fwidersprechen.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp&amp;s=49b768c0f17f5940427a1fe255b6fda7" alt="Darstellung unterschiedlicher Tauglichkeit von Argumenten als Etagen in einer Pyramide, von häufig &amp; schlecht (untern) bis sehr gut (spitze): Beschimpfung, ad hominem, Kritik des Sprachstils, Widerspruch, Gegenargument, Widerlegung, Widerlegung des zentralen Punktes."/><p>Nun ist aber ein wirklich großer Teil heutiger öffentlicher Debatten leider konsequent in den unteren Etagen der Pyramide unterwegs, und wenn wir das erkennen, benennen und verändern wollen, kommen wir am Ernstnehmen und genauen Hinschauen nicht vorbei. Und das sollten wir - denn sonst riskieren wir, dass die aktuellen großen Fragen von lauten Superreichen entschieden werden, die sich den Pyramidenkeller als ihr bevorzugtes Habitat auserkoren haben.</p><p>Was also sind die häufigsten Erscheinungsformen schlechter Argumente - und wie gehen wir damit um? Es gibt da nämlich wiederkehrende Muster, von denen einige ungelogen schon seit weit über zweitausend Jahren Standard sind in den Werkzeugkästen derjenigen, die es mit ehrlicher Debattenkultur aus Gründen nicht ganz so genau nehmen mögen. Aristoteles!</p><p>Und das Schöne ist: Bei vielen dieser Muster brauchst du noch nicht einmal Fachwissen, um sie zu erkennen und als schädlich und nicht zielführend zu entlarven.</p><h3><strong>Strohmann</strong></h3><p><strong>Gegenargumente sind nur dann als solche ernstzunehmen, wenn sie sich konkret auf das tatsächlich Gesagte beziehen.</strong></p><p>Ein absoluter Klassiker: Wenn das Argument meines Gegenübers nicht genug Potential bietet, die Leute ordentlich wütend zu machen, spitze ich es zu und verdrehe es, bis es richtig hässlich ist. So kann ich es besser angreifen, auch wenn es dann mit dem tatsächlich Gesagten nicht mehr viel zu tun hat. Wir befinden uns im goldenen Zeitalter der Strohmänner. Einer der erfolgreichsten seit Beginn der Aufzeichnungen: das <a href="https://www.volksverpetzer.de/analyse/heizverbot-erfunden-beluegen/">HEIZUNGSVERBOT</a>! Und jetzt neu: das <a href="https://www.volksverpetzer.de/faktencheck/wahn-rechte-drehen-wieder-durch-fantasieren-fleischverbot/">FLEISCHVERBOT</a>! Gäbe es diese Dinge wirklich, hätte man durchaus eine nachvollziehbare Grundlage, sich sehr darüber zu ereifern. Ob es sie tatsächlich gibt, findet man allerdings nur heraus, wenn man sich die Quelle anschaut und überprüft, ob man es mit einem Strohmann zu tun hat – das sollte eigentlich selbstverständlich sein, aber diesen Schritt haben gerade beim sogenannten Heizungsverbot, von dem zeitweise überall die Rede war, auch seriöse Medien oft nicht getan.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1673217957407735808">https://twitter.com/superredaktion/status/1673217957407735808</a><h3><strong>Scheinkausalität</strong></h3><p><strong>Dass Ereignisse zeitlich oder räumlich benachbart sind, bedeutet nicht, dass sie kausal zusammenhängen müssen!</strong></p><p>Wenn unser Gehirn zwei Dinge sieht, zwischen denen es einen Zusammenhang herstellen kann, weil sie zeitlich oder räumlich nah beieinander sind, dann tut es das auch, und zwar mit Macht, da kann es nicht aus seiner Haut. Das macht Scheinkausalitäten so verführerisch und erfolgreich. Auf der Straße hast du einen Sack mit weißen Bohnen gesehen? Und dann kommst du nach Hause und es liegen fünf weiße Bohnen vor der Tür? Klar, die stammen zwingend aus dem Sack.</p><p>Falsch! Sie kommen aus einem Bohnengeschäft in Duisburg Rheinhausen, wir haben sie da hingelegt, aus didaktischen Gründen.</p><p>Aber es gibt auch Beispiele aus der Praxis, die Mühe hätten wir uns vielleicht sparen können:</p><a href="https://twitter.com/AminSharaf/status/1666420634128097281">https://twitter.com/AminSharaf/status/1666420634128097281</a><ol><li><p>Erst schalten wir unsere letzten AKWs ab.</p></li><li><p>Dann importiert Deutschland plötzlich Strom, anstatt ihn zu exportieren.</p></li><li><p>Ergo: Die fehlenden AKWs sind der Grund für den Importbedarf.</p></li></ol><p>Ein absolut klassischer Danach-also-deswegen-Fehlschluss, oder <em>Post hoc ergo propter hoc</em>, um mal in der Sprache unserer Zeit zu bleiben. Beide Prämissen stimmen – aber auch ohne jedes Fachwissen über den Strommarkt kann man sagen: die zeitliche Abfolge der beiden Ereignisse bedeutet natürlich nicht zwingend, dass das erste Ereignis Ursache des zweiten ist. Klar kann man anhand der beiden Prämissen mutmaßen, aber bevor man so tut, als hätte man allein durch 1 und dann 2 ein wasserdichtes Argument gefunden, sollte man bzw. sollte insbesondere Herr Sharaf einmal genauer hinschauen. Das übernimmt in diesem Fall stellvertretend <a href="https://twitter.com/DerGraslutscher/status/1668170838820941827">Jan Hegenberg</a> (Spoiler: Was Araf postuliert, ist in jeder Hinsicht sachlich falsch).</p><p>Um zu erkennen, dass diese Art der Argumentation unlauter ist und Prüfung verdient, muss man das jedoch nicht, dafür braucht es nur ein bisschen Aristoteles.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1673217918102917121">https://twitter.com/superredaktion/status/1673217918102917121</a><h3><strong>Anekdotenargument</strong></h3><p><strong>Einzelbeispiele aus deiner Erfahrungswelt sind in aller Regel nicht so repräsentativ, wie sie sich anfühlen.</strong></p><p>Wir überschätzen systematisch, wie repräsentativ unsere eigenen Erfahrungen für die Realität als Ganzes sind. Echt, wir sind richtig schlecht darin, von unseren eigenen Wahrnehmungen und von persönlichen Geschichten zu abstrahieren und sie angemessen zu gewichten, wir alle, das ist so eingebaut, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Schnelles_Denken,_langsames_Denken">it’s science</a>. Quantitative wissenschaftliche Maßstäbe sind fast immer präziser in der Realitätsdeutung als persönliche Erfahrungen – und trotzdem neigen wir dazu, nicht an die abstraktere statistische Realität zu glauben, sondern an das, was für uns persönlich greifbar ist. Deswegen funktionieren sogenannte Anekdotenargumente auch viel besser, als sie eigentlich dürften.</p><a href="https://twitter.com/f_schaeffler/status/1668140032736083968">https://twitter.com/f_schaeffler/status/1668140032736083968</a><p>Schornsteinfeger! Vertrauensperson! Bringt Glück! Kennen alle! Und dabei geht es uns jetzt gar nicht darum, dass ein Schornsteinfeger so eine Wärmepumpenfrage <em>vielleicht</em> mit einer gewissen Befangenheit beantworten wird (”Der Schweinemäster war kürzlich bei mir. Weniger als neunmal Fleisch in der Woche ist superungesund.”). Vielmehr sehen wir hier, dass hier ein designierter Experte (<a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/klimaschutz-die-heimlichen-herrscher-der-fpd-kolumne-a-d0defee9-85ea-4cdb-adac-93e49e3539de">naja</a>) – wie viele andere – zu einer Anekdote greift, ihr implizit Repräsentativität unterstellt, obwohl sie definitiv keine hat und dabei auf die oben beschriebene Strukturschwäche menschlicher Gehirne setzt, um sein Ziel zu erreichen.</p><p>Nicht mit unseren Gehirnen, bittesehr. (U<a href="https://www.zdf.de/nachrichten/video/politik-lanz-waermepumpe-schaeffler-100.html">nd mit Herrn Schäfflers Gehirn interessanterweise wohl auch nicht</a>.)</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1673217789073534976">https://twitter.com/superredaktion/status/1673217789073534976</a><h3><strong>Ad Hominem</strong></h3><p><strong>Die Richtigkeit eines Argumentes ist nicht von den Mängeln der Person abhängig, die es formuliert.</strong></p><p>Argumente müssen in sich schlüssig sein und auf wahren Annahmen beruhen, dann sind sie stark. Ob das Argument von Stephen Hawking gemacht wird oder von Voldemort ist für die sachliche Richtigkeit unerheblich. Nicht aber für seine Wirkung, denn: Gehirn.</p><p>Je kritischer wir die Quelle der Nachricht sehen, desto weniger gewillt sind wir, die Nachricht ergebnisoffen auf ihre Richtigkeit zu prüfen. Das nutzen wir in Debatten aus. Wenn unser Gegenüber etwas sagt, das uns nicht gefällt, und uns fällt erstmal kein knackiges Gegenargument ein: Warum nicht erwähnen, dass wir mal gesehen haben, wie die betreffende Person ein Katzenbaby beschimpft hat?</p><p>Weil’s nicht anständig ist, klar, würden wir nie machen. Aber viele andere sind da weniger zimperlich: Das <em>Argumentum ad hominem</em> ist wahnsinnig beliebt. Sollte nicht funktionieren, tut es aber viel zu oft. Rezentes Beispiel aus den Reihen der CDU <a href="https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/union-graichen-heizungsgesetz-100.html">hier</a>:</p><ol><li><p>Patrick Graichen wird in den vorzeitigen Ruhestand versetzt, weil Vorwürfe der Vetternwirtschaft gegen ihn sich in mindestens zwei Fällen als berechtigt herausgestellt haben.</p></li><li><p>Patrick Graichen ist Hauptarchitekt der Novelle des Gebäudeenergiegesetzes.</p></li><li><p>Ergo muss das Gebäudeenergiegesetz auch weg.</p></li></ol><p>Das ist natürlich ein Fehlschluss. Graichens Vetternwirtschaft ist Mist, hat aber nichts mit der Qualität des Gesetzes zu tun. Wenn es gute Argumente gibt, warum es wegmüsste, erfahren wir sie hier nicht.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1673217843876298753">https://twitter.com/superredaktion/status/1673217843876298753</a><h3><strong>Whataboutismus</strong></h3><p><strong>Die Tatsache, dass andere Themen existieren und womöglich auch wichtig sind, ist ein Scheinargument, mit dem man jede beliebige Debatte blockieren und ablenken kann.</strong></p><p>Wenn eine Diskussion eine Richtung nimmt, die einem unbehaglich ist, ist der sogenannte Whataboutismus das Mittel der Wahl, ein Ablenkungsmanöver, mit dem Debatten im eigenen Interesse verbogen werden.</p><p>Jemand sagt, dass es bei der Erhaltung unserer Lebensgrundlagen helfen würde, wenn wir uns weniger fleischlastig ernährten, aber das widerspricht dem sehr spezifischen Freiheitsideal, das ich vor mir hertrage? Easy:</p><a href="https://twitter.com/c_lindner/status/1167181449709019136">https://twitter.com/c_lindner/status/1167181449709019136</a><p>Ein guter Konter ist zum Beispiel eine Gegenfrage, mit der man den Ablenkungsversuch wieder einfängt: Lieber Christian – darf ich Christian sagen? Ich sage Christian – wir reden ja nunmal gerade über Fleisch, inwiefern spricht die Relevanz von Heizen und Wohnen deiner Meinung nach gegen eine stärkere Betonung pflanzenbasierter Ernährung?</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1673218038198304770">https://twitter.com/superredaktion/status/1673218038198304770</a><h3><strong>Der Fehlschluss-Fehlschluss</strong></h3><p><strong>Eine Aussage ist nicht zwingend unwahr, weil sie unsauber argumentiert ist.</strong></p><p>Achtung! So befriedigend es sein kann, deinem Gegenüber in einer Diskussion hohnlachend Fehlschlüsse unter die Nase zu reiben: Wenn man davon ausgeht, dass man eine Debatte gewonnen hat, nur weil das Gegenüber ein schwaches Argument gebracht hat und darauf hingewiesen worden ist, macht man sich des Fehlschluss-Fehlschlusses schuldig und kommt nicht weiter. Will man produktiv diskutieren, darf die Entlarvung des Arguments nicht allein stehenbleiben, sondern sollte von einem guten Gegenargument oder zumindest von einer möglichst ruhig formulierten Einladung an das Gegenüber begleitet sein, einen neuen, sachlicheren Versuch zu machen, die getätigten Aussagen zu untermauern.</p><h2>Weitere Weiterbildung</h2><p>Ein Klassiker: Die Webseite <a href="http://yourlogicalfallacyis.com/">yourlogicalfallacyis.com</a> mit noch mehr unlauteren Argumentationstechniken. Ideales Anschauungsmaterial, wenn du die eigene Aufmerksamkeit für diese Dinge weiter schärfen und/oder dich im eigenen <a href="https://pbs.twimg.com/media/CGM7JEcXEAAwg73?format=jpg&amp;name=900x900">Freundeskreis unbeliebt machen möchtest</a>. Mit ähnlichem Lernziel, aber einem spielerischen Ansatz ist der <a href="https://crankyuncle.com/">Cranky Uncle</a> von Debunking-Experte John Cook unterwegs.</p><h2>Der Tipp des Monats</h2><p>“Kann man so ein krass beschissenes Thema wie die Klimakrise irgendwie anders erzählen?”, fragt Joko Winterscheidt gleich zu Beginn von <a href="https://www.amazon.de/placeholder_title/dp/B0B8K21D1P/ref=sr_1_1?crid=27NDEXXEY997G&amp;keywords=the+worlds+most+dangerous+show&amp;qid=1687333770&amp;sprefix=worlds%2Caps%2C119&amp;sr=8-1">The World’s Most Dangerous Show</a>, seiner neuen Serie<em>. </em>Kurze Antwort: Klares ja.</p><p>Es handelt sich um ein Projekt von Amazon Prime Video, mit allem, was dazugehört: Ein Riesenbudget, eine fantastische Produktion und die moralische Ambivalenz, einen Konzern als Plattform zu nutzen, der, so Luisa Neubauer in Folge 4, eher für Ausbeutung und Steuervermeidung stehe als für Nachhaltigkeit.</p><p>Diesen Widerspruch muss man aushalten, wenn man sich die Serie anschaut; es ist nicht der einzige, der durchaus offensiv von Winterscheidt thematisiert wird. Kommt man damit zurecht, bietet <em>The World’s Most Dangerous Show </em>eine mal aufwühlende, mal zornig machende, oft inspirierende, aber immer sehenswerte, mit Witz, Charme und Drama präsentierte Suche nach Lösungen für die größte Krise der Menschheitsgeschichte.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=QYUq2QXl2SY&amp;ab_channel=AmazonPrimeVideoDeutschland">https://www.youtube.com/watch?v=QYUq2QXl2SY&amp;ab_channel=AmazonPrimeVideoDeutschland</a><hr aria-hidden="true"/><p><em>Dieser Newsletter ist nur durch Eure finanzielle Unterstützung möglich! Daher ein großes Dankeschön an alle Unterstützer</em>innen.*</p><p>Wenn Du noch nicht dabei bist, <strong>freuen wir uns sehr über Spenden</strong> (und können auch mit Spendenbescheinigungen dienen wenn gewünscht).</p><p>Global Eco Transition gGmbH | IBAN: DE62 4306 0967 1230 6808 00 | BIC: GENODEM1GLS Verwendungszweck: ”Spende Superredaktion”</p><p><strong><em>Wichtig:</em></strong><em> Spenden kommen bei uns nur an, wenn der Verwendungszweck richtig angegeben wird.</em></p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Du willst </em><strong><em>deine Reichweite nutzen</em></strong><em>, um auf Klimathemen aufmerksam zu machen? Wir helfen Dir dabei! Schreib uns gerne eine Mail an </em><a href="mailto:superredaktion@posteo.de"><strong><em>superredaktion@posteo.de</em></strong></a><em> – wir sind freundlich, wissen Sachen und </em><strong><em>kosten dich nichts</em></strong><em>.</em></p><p><em>Du kennst Menschen, denen dieser Newsletter auch helfen könnte? 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      <pubDate>Mon, 26 Jun 2023 16:30:01 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Energiewende: Teuer, preiswert oder beides?]]></title>
      <description><![CDATA[Willkommen im Newsletter der Superredaktion – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven für Menschen mit Reichweite und Bock auf Zukunft.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Willkommen im Newsletter der <em>Superredaktion</em> – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete Anpackmaterialien für Menschen mit Reichweite und Bock auf Zukunft.</p><p>“Diese Maßnahme ist zu teuer!” - das hast du in letzter (und vorletzter) Zeit bestimmt schon öfter gehört. Und klar, für die große Transformation brauchen wir erstmal einen Haufen Geld. Aber: Investitionen sind nicht dasselbe wie Kosten. Und, genauso wichtig: Natürlich ist es ganz und gar nicht so, dass wir den Status quo für umsonst bekommen. Ah, Verzeihung - jetzt sind wir schon mittendrin. Nochmal einen Schritt zurück: Hier wie immer zum Einstieg ein paar aktuelle <strong>gute Nachrichten:</strong></p><ul><li><p>Dass Protest sehr wohl etwas bewegen kann zeigt sich am Flughafen in Amsterdam. Im vergangenen Jahr hatten Greenpeace und Extinction Rebellion hier Privatjets blockiert. Ab Ende 2025 dürfen dort nun keine mehr starten oder landen. Auch <a href="https://www.zdf.de/nachrichten/politik/amsterdam-flughafen-schiphol-verbot-nachtfluege-privatjets-100.html">Nachtflüge sind von da an nicht mehr erlaubt</a> - für eine “stillere, saubere und bessere Luftfahrt”.</p></li><li><p>Crocodile Dundee würde sagen: Das nennst du eine Wärmepumpe? DAS ist eine Wärmepumpe! Im dänischen (natürlich!) Esbjerg wird die <a href="https://www.t-online.de/nachrichten/ausland/id_100183060/waermepumpe-aus-deutschland-versorgt-100000-menschen-in-daenemark.html">Fernwärme eines Kohlekraftwerks durch eine gigantische Wärmepumpe ersetzt</a> - hergestellt vom deutschen Unternehmen MAN. Das bedeutet Wärme für 100.000 Haushalte, die dann privat nicht auf eine neue Heizung umstellen müssen, und eine jährliche CO2-Einsparung, die den Emissionen von 40.000 Kleinwagen entspricht. Mehr zu der Funktionsweise und den Vorteilen einer Wärmepumpe findest du in unserem <a href="https://steadyhq.com/de/superredaktion/posts/78a7211d-a588-455d-b349-095df57fca86">März-Newsletter</a>.</p></li><li><p>Derzeit purzeln allüberall <a href="https://www.euronews.com/green/2023/05/18/lightning-pace-portugal-produces-over-50-of-electricity-from-wind-and-solar-for-first-time">Erneuerbare-Energie-Rekorde</a>, dass es nur so eine Freude ist: <a href="https://www.bobfm.co.uk/record-more-than-half-of-the-energy-produced-in-portugal-in-april-was-from-solar-and-wind-power-renewable/">Portugal hat im April erstmals mehr als die Hälfte seines Energiebedarfs ausschließlich mit Wind und Sonne bestritten</a> (Erneuerbare insgesamt: <a href="https://energy-charts.info/charts/energy_pie/chart.htm?l=de&amp;c=PT&amp;interval=month&amp;month=04">76%</a>); in Spanien gelang es im Mai sogar, den <a href="https://www.businessinsider.com/spain-produced-enough-renewable-energy-power-itself-9-hours-2023-5">Bedarf des ganzen Land über neun Stunden ausschließlich mit Erneuerbaren zu bedienen</a>. Und auch bei uns <a href="https://www.zeit.de/wirtschaft/2023-05/strom-energie-anteil-erneuerbare-hoechstwert-mai">lief der Mai alles andere als schlecht</a>: Wir hatten <a href="https://www.pv-magazine.de/2022/06/01/neuer-rekord-photovoltaik-anlagen-erzeugen-77-terawattstunden-solarstrom-im-mai/">so viel Solarstrom wie noch nie</a> im Netz, auch die <a href="https://www.pv-magazine.de/2023/05/08/photovoltaik-anlagen-in-deutschland-speisen-erstmals-mehr-als-40-gigawatt-leistung-ins-netz/#:~:text=Mai%20speisten%20die%20Photovoltaik%2DAnlagen,Institut%20f%C3%BCr%20Solare%20Energiesysteme%20ISE.">Solar-Leistungsspitzen sind mit über 40 Gigawatt</a> höher als je zuvor gewesen. Der 20. Mai war historisch, vom gesamten an diesem Tag in Deutschland verbrauchten Strom stammten &gt;80% aus erneuerbaren Quellen , und auch der <a href="https://www.energy-charts.info/charts/energy_pie/chart.htm?l=de&amp;c=DE&amp;interval=month&amp;month=05">Anteil der Erneuerbaren von 69% an der gesamten Stromerzeugung im Mai</a> kann sich sehr gut sehen lassen.</p></li></ul><p>So! Und derart moralisch gestärkt bitten wir nun um Aufmerksamkeit für unsere heute Kernfrage:</p><h2>Was heißt eigentlich teuer?</h2><p>Sie sind ständiger Begleiter so ziemlich aller Erfolgsmeldungen rund um die Dekarbonisierung unserer Energieversorgung. Kommentare wie „Ja aber das kostet ja auch ein Vermögen!“ oder Anspielungen auf das Zitat von Jürgen Trittin, <a href="https://www.sueddeutsche.de/politik/oekostrom-umlage-bundestag-verbraucher-1.5574604">der im Jahr 2004 schätzte, das würde nicht teurer werden als der Kauf einer Kugel Eis pro Monat und Haushalt</a>. Aber was kostet sie denn nun wirklich? Und viel interessanter: Ist das viel oder wenig?</p><p>Es ist schwierig, solche Zahlen auf zwei Nachkommastellen genau abzuschätzen, zumal sich sofort die Frage stellt: Für welchen Zeitraum denn? Pro Jahr? Bis heute? Bis 2050? Gerade für die letzte (aber auch entscheidende) Fragestellung müssen wir auch noch dutzende Annahmen über die kommenden 27 Jahre treffen: Wie entwickeln sich Wirtschaft, Bevölkerung und Industrie, wie schnell gelingt uns der Ausbau, wie stark purzeln die Preise bei den neuen Technologien?</p><p>Der Frage, was das Ganze seit 1990 gekostet hat und bis zum Jahr 2050 kosten wird, <a href="https://www.ise.fraunhofer.de/de/veroeffentlichungen/studien/was-kostet-die-energiewende.html">sind Hans-Martin Henning und Andreas Palzer vom Fraunhofer Institut ISE bereits vor 8 Jahren nachgegangen</a>. Sie berechneten für ein System mit 100% Erneuerbaren Investitionskosten in Höhe von 5,3 Billionen € oder 5.300 Milliarden €. Eine scheinbar irrsinnig hohe Zahl, die sich bestimmt gut als Schlagzeile in Schriftgröße 72 in der Boulevardpresse machen würde, „SO VIEL GELD RAUBT UNS DIE ENERGIEWENDE!“ oder so.</p><p>Wie das mit Schlagzeilen in Schriftgröße 72 aber so ist, verlieren sie einen großen Teil ihres Aufregungspotentials, wenn wir ein paar Minuten darüber nachdenken.</p><h3>Grundkurs BWL</h3><p>Die genannte Summe ist die für 60 Jahre, runtergebrochen auf ein Jahr bedeutet das 88 Milliarden Euro. Um das ins Verhältnis zu setzen: Unser Bundeshaushalt <a href="https://www.bundeshaushalt.de/static/daten/2022/soll/BHH%202022%20gesamt.pdf">lag 2022 bei etwa 500 Milliarden Euro</a>.</p><p>Und wenn wir auf dieses Geld schauen, ist es wichtig, ein Begriffspaar auseinanderzuhalten: <strong>Kosten</strong> fallen an, und dann ist das Geld weg. <strong>Investitionen</strong> hingegen kosten zwar Geld, aber man bekommt einen entsprechenden Gegenwert dafür – und wenn es kluge Investitionen sind, wird man dadurch nicht ärmer, sondern reicher. Man tätigt sie, weil man sich davon eine Rendite verspricht.</p><p>Sehr erfolgreiche Unternehmen reinvestieren jedes Jahr gigantische Summen in neue Werke, Maschinen und Standorte, und es wäre absurd, ihnen aus Kostengründen zum Gegenteil zu raten. Oder anders: Wir könnten ganz viel Geld sparen, indem wir Schulen, Krankenhäuser und Klärwerke abschaffen. Aber unserer Gesellschaft fehlten dann ein paar entscheidende Dinge, sie wäre insgesamt betrachtet eine ärmere und hätte ohne Bildung und Gesundheitswesen langfristig auch immer weniger Geld. Effektiv gewählte Investitionsgüter und Infrastruktur sind oft der entscheidende Grund, warum Firmen erfolgreicher sind als andere. Für Gesellschaften gilt das in Teilen auch.</p><p>Bei der Energiewende ist der Effekt noch frappierender, denn jede in die Sonne gehaltene Solarzelle und jedes sich drehende Windrad reduziert unsere Klimaemissionen, unsere Ausgaben für fossile Brennstoffe, unsere Abhängigkeit und oft auch Schadstoffe und Lärm. Bei den Ausgaben für den Umbau Deutschlands in eine zukunftstaugliche Gesellschaft handelt es sich zu einem großen Teil um Investitionen, und zwar um kluge. Die Idee, die Kosten des Energiesystems als etwas grundsätzlich schlechtes zu sehen, ignoriert, wieviel wir dafür zurückbekommen: Am meisten Geld würden wir (kurzfristig) sparen, wenn wir einfach die komplette Stromversorgung abschafften. Dass diese Rechnung einen Denkfehler hat, ist hoffentlich offensichtlich.</p><h3>Auch der Status Quo kommt nicht für lau</h3><p>Im Übrigen kostet die Energieversorgung der viertgrößten Volkswirtschaft der Erde mit ihren 83 Millionen Menschen auch ganz ohne Energiewende eine ordentliche Menge Geld. Immer schon: Moderne Großkraftwerke verursachen in der Regel Baukosten in Milliardenhöhe und halten leider nicht ewig, auch sie benötigen ein Stromnetz (wenn auch weniger robust) und ganz wichtig: Sie benötigen jedes Jahr gigantische Mengen von Rohstoffen. Allein der Import fossiler Rohstoffe kostete Deutschland <a href="https://de.statista.com/statistik/daten/studie/151081/umfrage/importe-von-erdgas-und-rohoel-nach-deutschland/">im letzten Jahr 130 Milliarden Euro</a> – was aber aufgrund der Energiekrise auch ein Spitzenwert bleiben dürfte. Eine Geldmenge, mit der wir alternativ auch 130 Gigawatt Windkraft-Kapazität hätten installieren können (etwa doppelt so viel wie wir insgesamt in den letzten 25 Jahren errichtet haben).</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1665630706360369153">https://twitter.com/superredaktion/status/1665630706360369153</a><p>Die entscheidende Frage ist also eigentlich nicht, was das Energiesystem der Zukunft kostet, sondern ob es mehr oder weniger kostet als die konventionelle Energieversorgung. Die beiden Fraunhofer-Forscher sind in der gleichen Studie auch dieser Frage nachgegangen, haben konstant die Preise für Öl, Kohle und Gas von 2015 angesetzt und kommen für die Kosten eines fossilen Energiesystems auf auch nicht gerade wenige 4,2 Billionen Euro bis zum Jahr 2050. (Das gäbe sicher auch eine gute Schlagzeile ab).</p><p>Die entscheidende Antwort ist also: Laut dieser Studie kostet die Energiewende pro Jahr 20 Milliarden Euro mehr als das konventionelle Stromsystem. Und auch wenn das für sich genommen eine ordentliche Menge Geld ist: Wir sind ja auch ganz schön viele Leute. Auf die Bevölkerung umgelegt sind das 20 Euro pro Person und Monat – das ist natürlich immer noch durchaus ein Faktor, aber dafür bekommen wir ja auch was: Eine viel sauberere, unabhängigere und vor allem klimaneutrale Energieversorgung.</p><h3>Vermiedene Verluste sind auch Gewinne</h3><p>Vollständig wird diese Rechnung also erst, wenn wir auch einen Blick auf die sogenannten externalisierten Kosten des Status Quo werfen – die also, die auf uns, die Allgemeinheit, abgewälzt werden und von denen nichts Gutes zu erwarten ist, wenn wir weitermachen wie bisher.</p><p>Denn eine klimaneutrale Energieversorgung verhindert eine Menge Ausgaben, die ansonsten durch Extremwetterereignisse, Schäden in der Landwirtschaft oder den Anstieg der Meeresspiegel entstehen würden.</p><p>Nehmen wir diese Kosten mit in die Rechnung, ergibt sich nochmal ein anderes Bild: Belegen wir jede Tonne CO2 mit einem Preis, der den durch den Ausstoß entstehenden Schaden einigermaßen beziffert, dann steigen die Kosten nochmals an, und zwar für beide Energiesysteme, weil ja auch ein zu 100 Prozent erneuerbares System zu Beginn fossile Rohstoffe benötigt.</p><p>Die Fraunhofer-Studie nimmt in einem Szenario mit eingepreisten Klimafolgekosten ab 2030 moderate 100 Euro pro Tonne CO2 an (<a href="https://www.umweltbundesamt.de/bild/tab-uba-empfehlung-zu-den-klimakosten">das Umweltbundesamt geht eher von 237 Euro/Tonne aus</a>) und eine fossile Preissteigerung von 2 Prozent. In diesem Szenario erzeugt die Energiewende keine zusätzlichen Kosten, sondern spart welche ein: Mit 7,1 Billionen Euro über 60 Jahre kommt sie uns in dieser Berechnung 600 Milliarden günstiger als das konventionelle Energiesystem, das dann 7,7 Billionen Euro Kosten verursacht. Wir sparen also unterm Strich 10 Euro pro Person und Monat. Selbst bei den Eisdielen-Preisen von 2023 sind das durchaus ein paar Kugeln.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1665631616771735552">https://twitter.com/superredaktion/status/1665631616771735552</a><p>Und es geht auch noch optimistischer: Weitet man den Blick über den deutschen Tellerrand hinaus, findet man eine <a href="https://efahrer.chip.de/news/wenn-alle-auf-erneuerbare-umsteigen-so-schnell-koennte-strom-billig-werden_108902">große Stanford-Studie</a> von 2022, die einer weltweiten Energiewende bescheinigt, dass sie mit einer Rendite von jährlich 11 Billionen Dollar ihre Kosten in nur sechs Jahren wieder einspielen könnte.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1665654893187571712">https://twitter.com/superredaktion/status/1665654893187571712</a><p>Fazit: Die Energiewende benötigt zwar höhere Investitionen in unsere Versorgung, verursacht aber insgesamt weniger Kosten als ein fossiles System mit seinen viel höheren Emissionen und Folgeschäden. Selbst mit den Daten aus dem Jahr 2015 war das schon so, und auf dieses Jahr folgten erst noch bahnbrechende Technologiesprünge bei Batterietechnik und Erneuerbaren. Würden wir noch einrechnen, wieviel Kosten wir im Gesundheitssystems durch bessere Luftqualität sparen würden, wäre das Ergebnis noch eindeutiger.</p><p>Tl;dr Klimaschutz ist viel günstiger als kein Klimaschutz, auch bei der Energiewende.</p><h2>Wie es mit uns läuft</h2><p>Noch ganz kurz vor Schluss in eigener Sache: Alle, die noch nicht die Umfrage zu unserem monatlichen Newsletter ausgefüllt haben, helfen uns sehr weiter, wenn sie es noch tun, und zwar <a href="https://eu.jotform.com/form/231142767617357">hier</a>. Geht voll schnell! Danke!</p><h2>Empfehlung des Monats</h2><p>Werd doch nicht so emotional? Doch, bitte! Warum wir Emotionen nicht aus der Debatte um Umweltkrisen halten- sondern ihre Kraft für die grüne Transformation nutzen sollten, zeigt das Buch “<a href="https://www.oekom.de/buch/klima-im-kopf-9783962383817">Klima im Kopf</a>” von Katharina van Bronswijk. Wie toll, Angst, Wut und Trauer auf einmal als “Verbündete” zu sehen, die uns zum Handeln animieren - hinein in eine lebenswerte Zukunft, die für richtig gute Emotionen sorgt. Allen, die nicht genug Zeit für ein richtiges ganzes Buch haben, oder die sich erstmal einen Eindruck verschaffen wollen, sei das sehr spannende Gespräch empfohlen, das David Wortmann im Podcast <a href="https://letstalkchange.podigee.io/90-von-bronswijk"><strong>Let’s Talk Change</strong></a> mit der Autorin führt.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/df1c0b2a-2ef1-4bc0-bc07-1d637f736171/uploads/images/gb2n4rjeff/Klima-kopf.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Buchcover &quot;Klima im Kopf&quot; von Katharina von Bronswijk. Das Cover zeigt ein Portrait der Autorin mit Bäumen im Hintergrund."/><hr aria-hidden="true"/><p><em>Dieser Newsletter ist nur durch Eure finanzielle Unterstützung möglich! Daher ein großes Dankeschön an alle Unterstützer</em>innen.*</p><p>Wenn Du noch nicht dabei bist, <strong>freuen wir uns sehr über Spenden</strong> (und können auch mit Spendenbescheinigungen dienen wenn gewünscht).</p><p>Global Eco Transition gGmbH | IBAN: DE62 4306 0967 1230 6808 00 | BIC: GENODEM1GLS Verwendungszweck: ”Spende Superredaktion”</p><p><strong><em>Wichtig:</em></strong><em> Spenden kommen bei uns nur an, wenn der Verwendungszweck eingehalten wird.</em></p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Du willst </em><strong><em>deine Reichweite nutzen</em></strong><em>, um auf Klimathemen aufmerksam zu machen? Wir helfen Dir dabei! Schreib uns gerne eine Mail an </em><a href="mailto:superredaktion@posteo.de"><strong><em>superredaktion@posteo.de</em></strong></a><em> – wir sind freundlich, wissen Sachen und </em><strong><em>kosten dich nichts</em></strong><em>.</em></p><p><em>Du kennst Menschen, denen dieser Newsletter auch helfen könnte? 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      <pubDate>Mon, 05 Jun 2023 13:39:45 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Wie läuft's mit uns?]]></title>
      <description><![CDATA[Inzwischen sind schon eine ganze Menge unserer Newsletter in die Freiheit entlassen worden. Zeit für eine Bestandsaufnahme.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Inzwischen sind schon <a href="https://steadyhq.com/de/superredaktion/posts">eine ganze Menge unserer Newsletter</a> in die Freiheit entlassen worden. Zeit für eine Bestandsaufnahme: Wir wüssten gern, ob wir damit einen Nerv treffen, oder vielleicht sogar zwei, oder vielleicht auch gar keinen. Sind wir nützlich für euch? Und wie können wir nützlicher werden?</p><p>Um das herauszufinden, haben wir eine ganz kleine, ganz anonyme Umfrage vorbereitet - braucht nur eine Handvoll Klicks von euch, und, wenn euch danach ist, ein paar Wörter als Zugabe:</p><p><a href="https://eu.jotform.com/form/231142767617357">&gt;&gt; Hier lang zur Meinungsabgabe &lt;&lt;</a></p><p>Vielen Dank fürs Mitmachen!</p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Dieser Newsletter ist nur durch Eure finanzielle Unterstützung möglich! Daher ein großes Dankeschön an alle Unterstützer</em>innen.</p><p>Wenn Du noch nicht dabei bist, <strong>freuen wir uns sehr über Schenkungen.</strong>*</p><p>elinor Treuhand e.V. IBAN: DE48430609677918887700 BIC: GENODEM1GLS Verwendungszweck: ELINORLHHDW4</p><p><strong><em>*Wichtig:</em></strong><em> Schenkungen kommen bei uns nur an, wenn der Verwendungszweck eingehalten wird.</em></p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Du willst </em><strong><em>deine Reichweite nutzen</em></strong><em>, um auf Klimathemen aufmerksam zu machen? Wir helfen Dir dabei! Schreib uns gerne eine Mail an </em><a href="mailto:superredaktion@posteo.de"><strong><em>superredaktion@posteo.de</em></strong></a><em> – wir sind freundlich, wissen Sachen und kosten dich nichts.</em></p><p><em>Du kennst Menschen, denen dieser Newsletter auch helfen könnte? Dann teile ihn gerne!</em></p><p><em>Weiteren Kram zum Teilen findest du auf </em><a href="https://twitter.com/superredaktion">Twitter</a><em> und </em><a href="https://www.instagram.com/superredaktion/">Instagram</a><em>.</em></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 03 May 2023 07:09:14 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Klimakommunikation: Handreichungen für Fehlbahre]]></title>
      <description><![CDATA[Der Newsletter der Superredaktion – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete Anpackmaterialien. Thema diesmal: Was sagen!]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Hallo! Komm rein! Setz dich!</p><p>Willkommen im Newsletter der <em>Superredaktion</em> – die monatliche Ration konstruktive Perspektiven, positive Botschaften und konkrete Anpackmaterialien für Menschen mit Reichweite und Bock auf Zukunft.</p><p>Zum Einstieg ein paar <strong>gute Nachrichten</strong>.</p><ul><li><p><a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/mathias-doepfner-diese-guten-nachrichten-werden-dem-springer-chef-nicht-gefallen-kolumne-a-3df22378-b767-4176-b268-50dac5eb5b96">In China bleiben Autohändler in nie gesehenem Ausmaß auf Verbrennern sitzen</a>, <strong>während die dortige E-Auto-Branche Rekorde feiert</strong>. Gute Nachricht fürs Klima, nicht so gute für die E-Fuel-Apologeten und “Aber China!”-Rufer.</p></li><li><p>Das Europäische Parlament hat das Herzstück des <a href="https://www.fr.de/meinung/gastbeitraege/die-eu-beginnt-den-gruenen-wandel-92218979.html">Europäischen Green Deal beschlossen</a>. Vor allem die darin enthaltene Verschärfung des Emissionshandels ist ein Riesenschritt: <strong>Nun sind 85% statt wie bisher 40% aller europäischen Emissionen gedeckelt</strong>. (Wie der Emissionshandel funktioniert und warum er wichtig und wirkungsvoll ist, kann man in unserem <a href="https://steadyhq.com/de/superredaktion/posts/82907663-3034-4a1b-9821-e44f64386419">Newsletter vom Februar</a> nachlesen).</p></li><li><p>Laut <a href="https://ember-climate.org/insights/research/fit-for-the-future-not-fit-for-55/">aktuellen Hochrechnungen</a> hat die Realität zumindest in Sachen Energiewende die Politik längst überholt:</p><ul><li><p>Solarstrom-Kapazitäten werden 2030 fast doppelt so groß sein, wie es für die Erfüllung des 2030er Klimaziels von 40% erneuerbare Energie nötig wäre. </p></li><li><p>Verbaute Wärmepumpen werden die Mindestmenge um über 20 Millionen Stück überschreiten. </p></li><li><p><strong>Insgesamt steuern wir europaweit auf 45% Erneuerbare bis 2030 zu, vielleicht sogar 50%, wenn wir uns anstrengen.</strong>  </p></li><li><p>Und auch wenn hierzulande so laut gestritten wird, dass man den Eindruck gewinnt, es gehe weder vor noch zurück, passiert gleichzeitig so einiges:</p></li></ul></li></ul><a href="https://twitter.com/bmwk/status/1651470135746605058">https://twitter.com/bmwk/status/1651470135746605058</a><p>Gut? Gut. Dann auf ins Thema des Monats:</p><h2>Was sagen!</h2><p>Mal angenommen, du hast ordentlich Reichweite, und dir hören eine Menge Leute zu, die sonst für Klimathemen vielleicht nicht so erreichbar sind, und irgendwie möchtest du gern was tun. Und angenommen, nur mal angenommen, du machst in deinem Leben klimamäßig nicht alles richtig, so ein paar Gewohnheiten, die sich eingeschliffen haben, ein paar Privilegien, die du nutzt, naja, du weißt es ja auch, eigentlich nicht dolle, du arbeitest dran, aber nicht so einfach.</p><p>Lieber den Ball flach halten?</p><p>Bitte nicht. Und wie nicht? Gut, dass du fragst.</p><p>In aller Kürze:</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1650530597268226048">https://twitter.com/superredaktion/status/1650530597268226048</a><p>Für alles Weitere möchten wir bitte zunächst mit deinem inneren Zensor sprechen.</p><h2>Warum auch Unperfekte sich engagieren dürfen</h2><p><em>“Ja, in den Urlaub in ferne Länder fliegen ist superschön, ich mach’s ja auch, und es würde mir schwerfallen, ganz darauf zu verzichten. Aber was, wenn wir das System so umbauen, dass gelegentliche Flugreisen ökologisch vertretbar werden, durch einen angemessenen CO2-Preis zum Beispiel?”</em></p><h3>Alle unsere Klimawesten sind schmutzig.</h3><p>Wir haben alle unsere Schwächen, die eine isst supergerne Fleisch, der andere fliegt für den Urlaub in die Sonne, manche mögen Autofahren richtig dolle – und oft sind wir schon überfordert damit, überhaupt zu wissen, welche Konsumentscheidung jetzt die “richtige” ist.</p><p>Natürlich gibt es einen moralischen Imperativ, kritisch auf den Fußabdruck des eigenen Lebensstils zu schauen - und ja, tendenziell ist da umso mehr Luft nach oben (aber auch umso mehr Potential, etwas zu erreichen), <a href="https://de.statista.com/infografik/22978/anteil-der-verursachten-co2-emissionen-weltweit-nach-einkommensgruppen/">je mehr Privilegien und Wohlstand man hat</a>.</p><p>Das ist ein wichtiges, komplexes Thema, mit dem es sich zu beschäftigen lohnt. Für diesen Rundbrief soll der Schwerpunkt aber anderswo liegen: Wir brauchen reichweitenstarke, privilegierte Menschen, die sich trauen, sich für die Erhaltung des Planeten einzusetzen, auch und gerade bevor ihnen die persönliche Transformation zu Klimaheiligen gelingt – denn die Zeit drängt. Halten wir also fest:</p><p><strong>Wenn es ein absolut reines Gewissen bräuchte, um sich für das Klima starkmachen zu dürfen, dann wäre es sehr, sehr still im Klimaschutz.</strong></p><p>Das kann unmöglich das sein, was wir wollen.</p><p>Im Übrigen: Tolle Vorbilder, zu denen man uneingeschränkt aufschauen kann, funktionieren für viele von uns, aber gewiss nicht für alle. Und Menschen, bei denen sehr konsequente Lebensstile und Botschaften weniger für Inspiration als für Abwehrreaktionen sorgen, sind viel eher erreichbar durch Personen, mit denen sie sich auf Augenhöhe fühlen können: <strong>normale Menschen mit guten Absichten, denen sie nicht immer gerecht werden</strong>.</p><h3>Unser persönliches Verhalten ist Teil des Problems - aber der größere Hebel liegt woanders.</h3><p>Wenn alle Menschen bei uns von heute auf morgen ihr Konsumverhalten komplett Richtung klimaheilig umstellen würden - keine Flüge, keine tierischen Lebensmittel, Ökostrom, Energiesparen, das ganze Programm – dann wären wir damit, so lässt eine bei <a href="https://perspective-daily.de/article/1897-diese-zahlen-zeigen-systemwandel-bringt-dem-klima-mehr-als-gruener-lifestyle/probiere">Perspective Daily</a> anschaulich zusammengefasste <a href="https://www.carbone4.com/en/publication-doing-your-fair-share">Studie aus Frankreich</a> vermuten, dem Pariser Klimaziel um die 10 Prozentpunkte näher. Und das auch nur, wenn wirklich alle freiwillig mitmachen, realistisch ist das selbstverständlich null.</p><p>Weitere 10 Prozentpunkte Potential liegen in Änderungen, die Investitionen erfordern: Umstellung auf Elektroautos, Wärmesanierung, CO2-neutrale Heizungen etc.</p><p>Und der Rest? Den haben wir nicht in der Hand, nicht als Einzelmenschen jedenfalls. Hier braucht es <strong>strukturelle Veränderungen</strong> in Industrie, in der Landwirtschaft, im Transportwesen, die wir nur als Gesellschaft, nur politisch herbeiführen können.</p><p><strong>Das Reduktionspotential im “System” ist also um ein Vielfaches größer als das von Einzelnen.</strong> Das heißt: Natürlich ist individuelles Verhalten wichtig, auch über das konkrete CO2-Einsparpotential hinaus, weil es Mitmenschen inspirieren und die Wirtschaft zum notwendigen Umbau mit-animieren kann. Persönliche CO2-Einsparungen erkaufen uns außerdem Zeit, um die wirklich großen Hebel in Bewegung zu setzen.</p><p>Aber halten wir uns nicht zu lang damit auf, uns selbst oder andere für individuelle Klima-Verfehlungen an den Pranger zu stellen (oder für ihr Gegenteil auf einen Sockel). Konzentrieren wir uns lieber darauf, den Druck nach oben weiterzugeben, denn <strong>in einer fossil betriebenen Gesellschaft kann niemand seinen persönlichen Fußabdruck so weit verkleinern, dass die Welt davon nachhaltig würde.</strong></p><p>Der erste Online-Rechner, mit dem ein Mensch seinen individuellen ökologischen Fußabdruck ausrechnen konnte und der damit suggerierte, die Klimakrise sei allein eine Frage des persönlichen Konsums, <a href="https://taz.de/Oekologischer-Fussabdruck-und-Klimakrise/!5892875/">erschien übrigens 2004 auf der Webseite des Erdölkonzerns BP</a>.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1650746683389517913">https://twitter.com/superredaktion/status/1650746683389517913</a><h2>Wo geheuchelt wird, da fallen Späne</h2><p><em>“Ich esse total gerne Steak; ich nehme mir oft vor, es seltener zu tun, aber dann bestell ich doch wieder eins, wenn sich die Gelegenheit bietet. Eine weniger klimaschädliche Landwirtschaft, eine ehrliche Preisgestaltung, in der auch die Umweltkosten mit drin sind, und ja, dann halt auch ein teureres Steak - das würde mir helfen. Dann gäbe es seltener Steak, aber mit besserem Gewissen und vielleicht auch bewussterem Genuss.”</em></p><p>Natürlich, sagst du jetzt hoffentlich, dürfen und sollen sich auch Menschen zur Klimakrise äußern, die nicht als Heilige leben, und also darf und soll auch ich! Und dann tust du’s. Und dann findest du heraus, dass viele andere das ganz anders sehen, irgendwas Klimaschädliches aus deiner Biographie ausbuddeln und laut “Heuchelei!” rufen. Das ist unschön, auch wenn die oben genannten Argumente vielleicht helfen, damit umzugehen.</p><p>Heuchelei, das ist nun wirklich eine spannende Sache. Denn wir mögen offenbar <em>wirklich</em> keine Heuchler*innen, und zwar über ein rational leicht erklärbares Maß hinaus; warum das so ist, ist in der Psychologie umstritten. Eine Studie aus Yale, <a href="https://www.klimafakten.de/meldung/scheinheilige-klimaschuetzer-wie-umgehen-mit-dem-heuchelei-vorwurf">hier zusammengefasst bei </a><a href="http://klimafakten.de/">klimafakten.de</a>, zeigt:</p><p>Wenn eine Person einen Regelbruch kritisiert, den sie selbst gelegentlich begeht, macht sie sich damit bei anderen viel unbeliebter, als wenn sie die Regel stillschweigend bricht – oder über ihren Regelbruch lügt.</p><p>Denn wenn eine Person ein Verhalten kritisiert, hören wir implizit die Nachricht mit, dass diese Person sich dieses Verhaltens niemals schuldig macht – ein falsches, oft von der sendenden Person gar nicht beabsichtigtes Signal, das für uns aber offenbar lauter klingt, als wenn sie es explizit formuliert hätte. Will heißen: <strong>Wir unterstellen einer Person, die sagt “Energieverschwendung ist nicht so gut”, ein energiesparenderes Leben als einer, die sagt “Ich verschwende niemals Energie!”</strong></p><p>Weiterhin bringt offenbar die öffentliche Missbilligung unmoralischen Handelns einen besonders großen Prestigegewinn. Wer also öffentlich missbilligt, ohne selbst “unschuldig” zu sein, ermogelt sich in der Wahrnehmung der Mitmenschen diesen Prestigegewinn, und daher rührt die Irritation.</p><h3>Aber ehrliche Heuchelei finden wir eigentlich ganz gut</h3><p>Der wichtigste Punkt jedoch, und das ist die gute Nachricht: Wir verzeihen die komplette Heuchelei-Geschichte, wenn beim Heucheln gleich mit eingeräumt wird, dass die heuchelnde Person in der geheuchelten Angelegenheit auch nicht immer ganz korrekt unterwegs ist.</p><p>“Das Ausmaß, in dem Menschen einem &#39;ehrlichen Heuchler&#39; vergeben, hat uns verblüfft&quot;, sagt Psychologin Jillian Jordan, die Hauptautorin der Studie.</p><p>Wenn du dich also aus dem Fenster lehnen möchtest und in deinem Leben nicht so klima-konsequent wie Greta Thunberg bist, hier ein Rat aus der Forschung: <strong>Wer über Klimawandel spricht und mehr Klimaschutz fordert, sollte erwähnen, dass er oder sie selbst auch nicht immer klimaschonend handelt.</strong> Damit wird das falsche Signal über das eigene Verhalten, das die Menschen bei moralischen Aussagen offenbar immer mitlesen, korrigiert und die unverhältnismäßig große Irritation, die Heuchelei auslöst, vermieden.</p><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1650766863364677632">https://twitter.com/superredaktion/status/1650766863364677632</a><h2>Mit großer Macht kommt große Verantwortung, hat mein Vater immer gesagt</h2><p><em>“Ich weiß, dass ich mehr Geld habe als die meisten. Wenn ich es auf eine Weise ausgebe, die dem Klima mehr schadet als die meisten, fände ich es nur gerecht, wenn ich dafür auch mehr zahlen müsste als die meisten.”</em></p><p>Vor denjenigen, die sich faktenunabhängig entschlossen haben, dich laut doof zu finden, wird dich alles hier Beschriebene nicht schützen. Aber du darfst davon ausgehen, dass diese Maßnahmen die Reichweite deiner Botschaft vergrößern und die Zahl der kritischen Stimmen vermindern werden.</p><p>Und auf der Plusseite?</p><p>Als Leonardo DiCaprio einen großen Teil seiner Dankesrede bei den Oscars 2016 dem Klima widmete, sorgte das (trotz seines bekannten Faibles für Yachten und Privatjets) für eine <a href="https://www.klimafakten.de/meldung/wie-promi-botschaften-der-klimakommunikation-nutzen-koennen">gigantische Aufmerksamkeitsspitze</a>: Es gab die dritthöchste Häufung von Suchanfragen zum Thema bei Google seit Beginn der Aufzeichnungen; auf Twitter versechsfachte sich die Zahl der entsprechenden Tweets.</p><p>Eine Nummer kleiner, dafür in den Auswirkungen konkreter: Norwegen ist weltweit das Land mit den meisten Elektroautos auf den Straßen; 2020 waren dort zwei Drittel aller verkauften Neuwagen elektrisch – eine Entwicklung, die 1995 ihren Anfang nahm, als Morten Harket von A-Ha gemeinsam mit einem Umweltaktivisten <a href="https://www.derstandard.de/story/2000132848761/was-uns-norwegen-bei-der-umstellung-auf-e-autos-voraushat">mit einem auf Elektro umgerüsteten Fiat Panda quer durchs Land fuhr</a>, demonstrativ falsch parkte, Mautgebühren verweigerte, ein riesiges Medienecho erreichte und so die Debatte um E-Mobilität in die Mitte des politischen Diskurses hievte.</p><p>Klima-Kipppunkte machen uns Angst. <a href="https://www.riffreporter.de/de/umwelt/kipppunkte-nachhaltigkeit-klimakrise-klimawandel-klimapolitik">Soziale Kipppunkte</a> hingegen machen uns Hoffnung. Gerade reichweitenstarke Kommunikator*innen, denen viele Menschen zuhören, können einen ganz wesentlichen Beitrag leisten, dass wir als Gesellschaft die Kipppunkte erreichen, die wir brauchen, um die Kipppunkte zu vermeiden, die uns die Zukunft kosten könnten.</p><h2>Die Empfehlung des Monats</h2><p>Ganz passend zum Thema: Luisa Neubauer als Überraschungsgast bei Kurt Krömer im Podcast (<a href="https://open.spotify.com/episode/73xZ7boJqie9WGefFoyJgK?si=d02c9e083ec845e1">Spotify</a> / <a href="https://podcasts.apple.com/sc/podcast/luisa-neubauer-geh-kresse-pflanzen/id1651448841?i=1000599868167">Apple</a> / <a href="https://youtu.be/H8ghBzHWr2w">YouTube</a>); das sehr ehrliche Gespräch dreht sich um persönliche versus politische Verantwortung, auch um Reichweite und den moralischen Imperativ, sie zu nutzen. Beide sagen kluge Sachen. Zwei besonders zitierfähige: “Lieber Doppelmoral als gar keine Moral” und “Wenn du gar nichts machst, bist du ein Aktivist fürs Weiter-so.”</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/3fdfe29e-d387-4f65-9e2b-3eef28583acb/uploads/images/deltmvvmlx/luisa.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Kurt Krömer - Feelings. Mit Luisa Neubauer. Das Bild zeigt Krömer in dreifacher Ausfertigung, er macht unterschiedliche lustige Gesichter."/><hr aria-hidden="true"/><p><em>Dieser Newsletter ist nur durch Eure finanzielle Unterstützung möglich! Daher ein großes Dankeschön an alle Unterstützer</em>innen. Wenn Du noch nicht dabei bist, <strong>freuen wir uns sehr über Schenkungen.</strong>*</p><p>elinor Treuhand e.V. IBAN: DE48430609677918887700 BIC: GENODEM1GLS Verwendungszweck: ELINORLHHDW4</p><p><strong><em>Wichtig:</em></strong><em> Schenkungen kommen bei uns nur an, wenn der Verwendungszweck eingehalten wird.</em></p><hr aria-hidden="true"/><p><em>Du willst </em><strong><em>deine Reichweite nutzen</em></strong><em>, um auf Klimathemen aufmerksam zu machen? Wir helfen Dir dabei! Schreib uns gerne eine Mail an </em><a href="mailto:superredaktion@posteo.de"><strong><em>superredaktion@posteo.de</em></strong></a><em> – wir sind freundlich, wissen Sachen und kosten dich nichts.</em></p><p><em>Du kennst Menschen, denen dieser Newsletter auch helfen könnte? Dann teile ihn gerne!</em></p><p><em>Weiteren Kram zum Teilen findest du auf </em><a href="https://twitter.com/superredaktion">Twitter</a><em> und </em><a href="https://www.instagram.com/superredaktion/">Instagram</a><em> – folge uns dort und verpasse nie wieder ein aufgewärmtes Uralt-Meme.</em></p><hr aria-hidden="true"/><a href="https://twitter.com/superredaktion/status/1650767156059963394">https://twitter.com/superredaktion/status/1650767156059963394</a>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 27 Apr 2023 15:19:26 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Richtig streiten: E-Fuels und Wärmepumpen]]></title>
      <description><![CDATA[In den letzten Wochen kam man in der politischen Berichterstattung um zwei Begriffe kaum herum: E-Fuels und Wärmepumpen. Namen, Gesetze und Argumente flogen so…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[
<p>In den letzten Wochen kam man in der politischen Berichterstattung um zwei Begriffe kaum herum: E-Fuels und Wärmepumpen. Namen, Gesetze und Argumente flogen so durcheinander, dass man völlig den Durchblick verlieren konnte. Wir wollen in diesem Newsletter den gängigsten Fragen auf den Grund gehen, mit knackigen Fakten etwas Licht ins Dunkel bringen und so zu einer sachlichen Diskussion beitragen – denn je mehr wir wissen, desto mehr können wir den gesellschaftlichen Diskurs prägen und in Richtung Klimaschutz steuern.<br/><br/>Erstmal mitmachen, später lesen, wird schon stimmen, was die schreiben? Sehr gut! Die Kernbotschaften dieses Schriebs findet ihr praktisch gebündelt und 1A teilbar auf unserem <a href="https://www.instagram.com/superredaktion/">Instagram-Kanal</a>.</p>
<h2>E-Fuels</h2>
<h3><strong>Was sind E-Fuels?</strong></h3>
<p>E-Fuels sind <a href="https://www.bmuv.de/faq/was-sind-e-fuels">flüssige, synthetische Kraftstoffe</a>, die durch den Einsatz von elektrischem Strom aus Wasserstoff und CO2 hergestellt werden.  Wenn wir das CO2, das wir dafür brauchen, der Atmosphäre entnehmen und die Energie, die wir dafür einsetzen, aus regenerativen Quellen stammt, sind E-Fuels rechnerisch CO2-neutral und könnten so einen Beitrag zur Verkehrswende leisten.</p>
<h3><strong>Darum wird momentan darüber gesprochen</strong></h3>
<p>E-Fuels sind eine große Hoffnung für Gegner*innen des “Verbrenner-Aus” ab 2035: Es sind keine Umbauten an normalen Verbrennungsmotoren nötig, man tankt einfach klimaneutralen Sprit rein und fährt weiter wie immer.</p>
<p>So wurde gerade die <a href="https://www.sueddeutsche.de/politik/verbrenner-aus-2035-wissing-eu-abstimmung-1.5761861">finale Abstimmung über das EU-weite Verbot verschoben</a>, da Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) einen Vorschlag von der EU Kommission erwartet, wie E-Fuels nach 2035 in Verbrennungsmotoren eingesetzt werden können; auch wenn eine Einigung inzwischen in Sicht zu sein scheint, wird immer noch hitzig diskutiert. </p>
<p>Eine kurze Anmerkung dazu: Das “Verbrennungsmotor-Verbot” hat zu keinem Zeitpunkt bedeutet, dass ab 2035 keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr auf den Straßen hätten fahren dürfen, <em>sondern,</em> dass ab diesem Zeitpunkt in der EU nur noch <a href="https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/verbrenner-verbot-eu-verbraucher-101.html">emissionsfreie Fahrzeuge neu zugelassen</a> werden dürfen.</p>
<h3><strong>Klimaneutraler Sprit, klingt doch super, wo ist das Problem?</strong></h3>
<p>Gute Frage.  Wo anfangen!</p>
<p><strong>Problem Eins: Ressourcenknappheit.</strong></p>
<p>Klimaneutral sind E-Fuels nur dann, wenn (neben der Verwendung von Strom aus erneuerbaren Energien für die Herstellung) das benötigte CO2 der Atmosphäre entnommen wird. Stammt es <a href="https://www.spiegel.de/auto/e-fuels-kohlendioxid-fuer-synthetische-kraftstoffe-klimakiller-gesucht-a-227f0e9e-1d77-470e-89e6-1f82d48fc7c6">aus einem fossilen Kraftwerk,</a> kommen in der Atmosphäre im Endeffekt neue Emissionen dazu. Für die Abscheidung aus der Luft braucht man Direct-Air-Capture-Anlagen, von denen es noch nicht viele gibt. Auch <strong>erneuerbare Energien sind in Deutschland bislang ein knappes Gut</strong> und werden es auf absehbare Zeit bleiben.</p>
<p>Für den <strong>Flug-, Schiff- und Schwerlastverkehr</strong> - also überall dort, wo Batteriekapazitäten auf absehbare Zeit nicht ausreichen werden - sind E-Fuels die einzige Möglichkeit für einen emissionsfreien Betrieb; für andere Sektoren wie die <strong>Stahlherstellung</strong> und die <strong>chemische Industrie</strong> werden große Mengen des Ausgangsprodukts Wasserstoff benötigt, der in seiner grünen Variante ebenfalls knapp ist. Je mehr E-Fuels wir für unsere PKW-Flotte benötigen, desto weiter zögern wir die Dekarbonisierung von Schiffen, Flugzeugen, chemischer Industrie, Stahlindustrie und Schwerlastverkehr also hinaus.</p>
<p><strong>Problem Zwo: Ineffizienz.</strong></p>
<p>Bei der Umwandlung von Strom zu synthetischem Kraftstoff geht sehr viel Energie verloren, sodass der<strong> </strong><a href="https://www.autobild.de/artikel/e-fuels-umweltfreundlich-energiebilanz-wirkungsgrad-21669559.html#-1469602997"><strong>Wirkungsgrad von E-Fuels bei gerade einmal 15%</strong></a> liegt - also nur 15% der eingesetzten Energie am Ende die Räder bewegen, während der Rest an verschiedenen Stellen des Prozesses einfach verpufft. Und das verschärft das oben erwähnte Problem Eins nochmal beträchtlich. </p>
<p><strong>Bei E-Autos hingegen liegt der Wirkungsgrad zwischen 70 und 80%. </strong></p>
<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/78a7211d-a588-455d-b349-095df57fca86/uploads/images/usn2mxxi5i/wie_effizient_efuels.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/>
<p><strong>Problem Drei: Preis. </strong></p>
<p>E-Fuels sind teuer (obwohl die Berechnungen schwanken) und <a href="https://www.wiwo.de/my/technologie/umwelt/synthetische-kraftstoffe-kann-es-jemals-genuegend-e-fuels-fuer-den-verbrenner-pkw-geben/29025414.html?ticket=ST-441143-PrsjNJQvFuVXOCqheeKp-cas01.example.org">nur in geringen Mengen verfügbar</a>. Die bislang ambitionierteste Anlage steht im Süden Chiles und wird von Porsche betrieben, sie soll bald 130.000 Liter E-Fuels herstellen, das entspricht 0,0003% des deutschen Spritbedarfs. Selbst die optimistischsten Ausbaupläne, die den Bau von 600 Windkraftanlagen der größten Klasse einrechnen, würden am Ende erst mal nur <strong>ein Prozent des des deutschen Bedarfs</strong> decken, von anderen Ländern ganz zu schweigen. Solang das so bleibt, wird der Literpreis astronomisch bleiben, und wie lang das so bleibt, kann keiner sagen.</p>
<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/78a7211d-a588-455d-b349-095df57fca86/uploads/images/xcphdnr5zu/luxusprodukt.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/>
<p><strong>Problem Vier: Gestank.</strong></p>
<p>E-Fuels mögen netto emissionsfrei sein, aber dort, wo sie verbrannt werden, verursachen sie vergleichbar viel <strong>Emissionen, Feinstaub und Krach</strong> herkömmlicher Sprit. Sie leisten also zum Beispiel keinerlei Beitrag zu sauberer Luft und lebenswerteren Städten.</p>
<p>Noch genügend Energie für Teil 2 des Newsletters? Als entspannten Einstieg empfehlen wir eine Tasse Tee und <a href="https://twitter.com/tagesthemen/status/1636132763316150272?s=46&amp;t=ovT-ZO81RV2g3d1iaYRWuA">diesen Clip</a> aus den Tagesthemen.</p>
<p>Lieber lesen? Dann direkt weiter zu den...</p>
<h2>Wärmepumpen</h2>
<h3><strong>Was sind Wärmepumpen?</strong></h3>
<p><strong>Eine Heizung mit </strong><a href="https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/heizen-und-warmwasser/waermepumpe-alles-was-sie-wissen-muessen-im-ueberblick-5439"><strong>Wärmepumpe funktioniert wie ein Kühlschrank</strong></a><strong> - nur umgekehrt</strong>. Denn anstatt dass Wärme aus einer geschlossenen Kiste (Kühlschrank) in die Umgebung abtransportiert wird, holt eine Wärmepumpe sie aus der Umgebung in eine geschlossene Kiste (Haus) hinein.</p>
<p>Tatsächlich basieren viele Kühl- und Heizgeräte auf derselben Idee und sind oft sogar fast baugleich, der Unterschied liegt nur in der Richtung, in die das Kältemittel fließt; viele Klimaanlagen können auch als Wärmepumpen benutzt werden.</p>
<p>Die Wärme, mit der wir dann unser Zuhause heizen, kommt also aus der <strong>Außenluft, dem Grundwasser oder dem Erdreich</strong>.</p>
<p>Und anders als Gas- und Ölheizanlagen werden Wärmepumpen mit Strom betrieben - und wenn der aus erneuerbaren Quellen stammt, ist ihr Betrieb <strong>klimaneutral</strong>.</p>
<h3><strong>Darum wird momentan darüber gesprochen</strong></h3>
<p>Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Die Grünen) hat vor kurzer Zeit ein Gesetz vorgelegt, das den <a href="https://www.tagesschau.de/wirtschaft/habeck-heizung-101.html">Einbau von neuen Öl- und Gasheizungen ab 2024 verbietet</a>, wenn diese nicht zu mindestens 65% mit erneuerbaren Energien betrieben werden. <strong>Das bedeutet also, dass man tatsächlich auch nach 2024 noch Öl- und Gasheizungen verbauen darf,</strong> aber eben nur als Hybridlösung - also in Kombination mit einer Wärmepumpe oder Solarthermie. Als Alternative zu fossilen Heizsystemen soll besonders auf Wärmepumpen gesetzt werden, da diese, wie oben erwähnt, klimaneutral betrieben werden können. <strong>An diesem Plan werden momentan vor allem die Umsetzbarkeit und - trotz angekündigter finanzieller Unterstützungen - die hohen Kosten für die Verbraucher*innen kritisiert.</strong></p>
<h3><strong>Und warum soll das dann eine gute Idee sein?</strong></h3>
<p><strong>Darum Eins: Weil es nötig ist.</strong></p>
<p>Die Klimaneutralität 2045 erreichen wir nur mit einer schnellen Wärmewende: <strong>Etwa </strong><a href="https://live.handelsblatt.com/wasserstoff-fuer-mehr-weitsicht-bei-der-waermewende/"><strong>40% der deutschen CO2 Emissionen</strong></a><strong> gehen auf den Wärmemarkt zurück. </strong>Und heute eingebaute Heizungen werden noch 20 Jahre oder länger in Betrieb sein, da das neue Gesetz nicht vorsieht, bestehende und funktionierende Heizungen “herauszureißen” und durch Wärmepumpen zu ersetzen, sondern einen Wandel in Richtung klimaneutrale Wärmeversorgung einzuleiten, indem neue eingebaute Geräte nur noch klimaneutrale(re) sein dürfen.</p>
<p><strong>Darum Zwei: Weil es super funktioniert.</strong></p>
<p>Wärmepumpen sind eine <strong>praxiserprobte sichere Technologie mit vielen Vorteilen</strong> auch jenseits der Klimafreundlichkeit. Länder wie Dänemark machen es uns seit Jahren vor. Dort wurden Öl- und Gasheizungen in Neubauten bereits 2013 verboten, ab 2016 durften fossile Heizkessel nicht mehr gegen fossile Heizungen ausgetauscht werden. Europaweit werden am meisten Wärmepumpen in Norwegen eingebaut - 57 Stück pro 1.000 Einwohner*innen, übrigens ein Indiz dafür, dass Wärmepumpen auch in Ländern mit wesentlich kälteren Wintern als unseren noch genug Wärme zum Pumpen finden.</p>
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<p><strong>Darum Drei:  Weil es (bald) Geld und (schon jetzt) Emissionen spart</strong></p>
<p>Wärmepumpen sind wahre Effizienzwunder: <strong>Aus einer Wärmepumpe kommt bis zu vier mal mehr Energie raus, als man reintut - e</strong>s wäre Zauberei, wenn es nicht Physik wäre. So entstehen aus einer Kilowattstunde Strom 3 bis 4 Kilowattstunden Wärme. Eine Gastherme braucht dafür 3 bis 4 Kilowattstunden Erdgas. </p>
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<p>Durch diesen massiven Vorteil ist es aus Klimasicht sogar <strong>sinnvoller, Erdgas in einem Kraftwerk zu verstromen und damit eine Wärmepumpe zu betreiben als das Erdgas in einer Gasheizung zu verbrennen</strong>: Mit 100 kWh Erdgas erzeugt eine Gasheizung 100 kWh Wärme; eine nicht sonderlich gute Wärmepumpe benötigt für 100 kWh Wärme 33 kWh Strom. <a href="https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/emissionsbilanz-erneuerbarer-energietraeger-2018">Ein durchschnittliches deutsches Gaskraftwerk</a> braucht dafür 59 kWh Erdgas. <strong>Selbst mit 100% Gasstrom würden wir aufgrund der hohen Effizienz der Wärmepumpe gegenüber der Gasheizung also 41 Kilowattstunden Erdgas einsparen, und damit Emissionen und Geld</strong> - und unser derzeitiger Strommix in Deutschland stammt schon jetzt zu über 50% aus regenerativen Quellen, so dass sich die Ersparnis noch einmal deutlich größer ist. </p>
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<p>Natürlich haben Zweiflelnde recht, wenn sie sagen, dass diese Effizienz massiv leidet, wenn das Gebäude nicht gut gedämmt ist. Das gilt allerdings für Öl- und Gasheizungen ebenso: <strong>Die Wärmedämmung ist in allen Fällen ein wichtiger zusätzlicher Baustein für den Klimaschutz.</strong></p>
<p>Und Emissionen sind nicht das einzige, das wir mit Wärmepumpen sparen: Ja, Strom in Deutschland ist teuer, aber <strong>die </strong><a href="https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/heizen-und-warmwasser/klimapaket-was-bedeutet-es-fuer-mieter-und-hausbesitzer-43806#:~:text=unsanierten%20Geb%C3%A4uden)%20liegen.-,%C3%96l%20und%20Gas%20werden%20durch%20CO2%2DPreis%20teurer,des%20klimasch%C3%A4dlichen%20Gases%2025%20Euro."><strong>Preise für Öl und Gas</strong></a><strong> werden in den kommenden Jahren aufgrund des CO2-Preises des “Klimapakets” der alten Bundesregierung massiv steigen</strong>. Im Vergleich haben Wärmepumpen geringe Betriebskosten, sind langlebig und nahezu wartungsfrei, sodass sich die hohen Einbaukosten auf lange Sicht deutlich lohnen.</p>
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<p><strong>Darum Vier: Bonusmaterial</strong></p>
<ul>
  <li><p>Eine Wärmepumpe kann nicht nur wärmen - sondern auch kühlen. So ist sie zusätzlich eine nachhaltige Alternative zur Klimaanlage.</p></li>
  <li><p>Heizen mit Strom macht uns unabhängiger von Gas- und Öl-Importen, was, wie die jüngere Geschichte gezeigt hat, eine sehr gute Idee ist.</p></li>
</ul>
<p>Das waren jetzt ziemlich viele Informationen, die aber hoffentlich deutlich machen, dass effiziente (und vermeintliche) Klimaschutzmaßnahmen Kommunikation erfordern - besonders, wenn verschiedenste Interessengruppen mitreden. Sprechen wir mit fundiertem Wissen darüber, welche Maßnahmen wo sinnvoll sind, nehmen wir den Menschen die Angst und stellen Zusammenhänge her - für mehr Durchblick und echten Klimaschutz. </p>
<h3>Empfehlung des Monats</h3>
<p>Wenn einer Kommunikation kann, dann sie: Vier wöchentlich wechselnde Comedians sprechen im neuen Format “<strong>Comedy rettet die Welt!”</strong> über die Probleme der Gegenwart und schaffen durch ihren Humor neue Zugänge. Ganz im Sinne von: Lachen über Zustände macht Lust auf Veränderung! Die ersten Folgen kann man ab jetzt in der Mediathek <a href="https://www.ardmediathek.de/sendung/comedy-rettet-die-welt/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL2NvbWVkeS1yZXR0ZXQtZGllLXdlbHQ">streamen</a> oder ganz altmodisch freitags um 21:45 im Ersten schauen.</p>
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<p></p>
<p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 31 Mar 2023 17:56:19 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Emissionshandel: Ein Wasserbett im Kornfeld?]]></title>
      <description><![CDATA[Vor einer Weile gab der renommierte Ökonom Achim Wambach, Geschäftsführer des Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), der ZEIT ein Interview, in dem…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[
<p>Vor einer Weile gab der renommierte Ökonom <a href="https://www.zew.de/team/awh">Achim Wambach</a>, Geschäftsführer des Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), der ZEIT ein <a href="https://www.zeit.de/2022/42/achim-wambach-klimaschutz-emissionshandel-klimapolitik">Interview</a>, in dem er die These aufstellte, dass es keine Rolle fürs Klima spielt, ob du nach Mallorca fliegst oder nicht, und ob du grünen Strom kaufst oder gar Solarzellen auf dein Dach baust ist dem Klima auch egal - und zwar wegen des sogenannten Wasserbett-Effekts.</p>
<p>Wambach trifft uns klimabewegte Menschen mit diesem ziemlich sicher bewusst polemisch formulierten Anwurf schmerzhaft ins Ego, aber was erstmal wirkt wie ein kaltschnäuziger und faktenfeindlicher Mangel an Wertschätzung für den persönlichen Einsatz gegen den Klimawandel ist auf den zweiten Blick 1.) in gewisser Hinsicht durchaus richtig, 2.) sehr lehrreich für das Verständnis des Systems Emissionshandel, 3.) ein unterstützenswerter Appell, mehr das Große Ganze in den Blick zu nehmen, anstatt zu viel Verantwortung beim überforderten Individuum abzuladen und 4.) in gewisser anderer Hinsicht durchaus trotzdem falsch.</p>
<p>Aber eins nach dem anderen.</p>
<h2>Emissionshandel für Anfänger</h2>
<p>Sowohl der innereuropäische Flugverkehr als auch die Energieerzeugung unterliegen dem <a href="https://www.umweltbundesamt.de/daten/klima/der-europaeische-emissionshandel#vergleich-von-emissionen-und-emissionsobergrenzen-cap-im-eu-ets">europäischen CO2-Zertifikatehandel</a>, von dem, so Wambach, alle schonmal irgendwie gehört haben, aber die wenigsten so ganz genau wissen, wie er funktioniert. Kurz gesagt läuft das so:</p>
<p>In beiden Wirtschaftszweigen müssen Unternehmen Zertifikate erwerben für jede Tonne CO2, die sie ausstoßen.</p>
<p>Die Zahl der Zertifikate, die pro Jahr zum Erwerb freigegeben werden, ist begrenzt und wird kontinuierlich vermindert; so werden die beteiligten Industrien gezwungen, ihren Gesamtausstoß ebenfalls zu verringern.</p>
<p>Alle wollen naturgemäß mehr Zertifikate haben, als es zu kaufen gibt, daher geschieht der Verkauf in Auktionen, aus denen sich dann der Marktwert eines einzelnen Zertifikats ergibt.</p>
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<h2>Einsparen heißt nicht immer einsparen</h2>
<p>Was bringt es also, wenn meine 319 engsten hypothetischen Freunde und ich, zusammen mit mir zufällig genau ein Flugzeug voll, uns für den Sommer 2023 spontan gegen unsere traditionelle Urlaubswoche auf Mallorca entscheiden und stattdessen einfach mal eine Fahrradtour in Brandenburg machen? Dann wird <a href="https://www.vueling.com/de/">Vueling</a> einen Flug weniger nach Palma schicken als sonst.</p>
<p>Die Zertifikate, die die Airline für die auf diesem Flug anfallenden Emissionen angeschafft hat, weil meine Freunde und ich sie nicht rechtzeitig über unsere Planänderung informiert haben, kann sie auf dem freien Markt wieder veräußern. Die gehen dann zum Beispiel ans <a href="https://www.rwe.com/der-konzern/laender-und-standorte/kraftwerk-neurath/">Kraftwerk Neurath</a>, das freut sich, dass es mehr Braunkohle verstromen darf als gedacht, und ziemlich sicher hat es die Zertifikate von Vueling sogar unter dem Marktpreis bekommen, weil klar, die wollten die natürlich schnell loswerden.</p>
<p>Ergo: Nullsummenspiel! Hier drück ich’s runter, dafür geht’s dort drüben rauf; das ist, was Wambach meint, wenn er Wasserbett sagt.</p>
<p>Und für Strom gilt dasselbe: Jedes Gramm CO2, das ich einspare, weil mein Ökostrom klimaneutral ist, bleibt als Zertifikat auf dem Markt und wird dann von jemand anderem gekauft. Da ich ein guter Klimamensch sein will und damit die Nachfrage nach Zertifikaten senke, werden die Dinger sogar billiger für diese Käufer.</p>
<h2>Aber was machen wir jetzt damit?</h2>
<p>Ökonom Wambach sagt, und er sagt es zu Recht: Der Emissionshandel ist eines der wirkungsvollsten politischen Instrument, die wir haben, um Europa auf den Weg in die Klimaneutralität zu bringen. Die konsequente schrittweise Verminderung der Gesamtmenge an erlaubten Emissionen ist um ein Vielfaches wichtiger und wirkungsvoller als die individuelle Entscheidung von Einzelnen für oder gegen den Ballermann. Daher sollten wir als Gesellschaft mehr Energie darauf verwenden, dieses Instrument zu verstehen, zu diskutieren und unsere Regierung in die Pflicht  nehmen, diese Reduktion weiter und strenger und schneller voranzutreiben als bisher.</p>
<p>Unsere Energien für gutes und richtiges Handeln sind begrenzt, und wenn wir utilitaristisch auf die Sache schauen, sollten wir diese Energien in unseren individuellen Entscheidungen dort konzentrieren, wo sie die größte Wirkung haben. Sprich: CO2 erstmal dort einsparen, wo es (bisher) keinen Emissionshandel gibt.</p>
<ul>
  <li><p>Beim Autofahren, beziehungsweise dessen Vermeidung.</p></li>
  <li><p>Bei außeruropäischen Flugreisen, die ebenfalls nicht dem Zertifikatehandel unterliegen.</p></li>
  <li><p>Beim Essen. Für Tierhaltung nämlich, <a href="https://www.umweltbundesamt.de/daten/land-forstwirtschaft/beitrag-der-landwirtschaft-zu-den-treibhausgas#klimagase-aus-der-viehhaltung">bekanntermaßen ein massiver Faktor in Sachen Treibhausgase</a>, werden auch keine Zertifikate gebraucht. Wer weniger Tierprodukte konsumiert, verringert ebenfalls tatsächlich Emissionen, anstatt sie bloß zu verschieben.</p></li>
</ul>
<h2>Alle wieder rein ins Flugzeug?</h2>
<p>Ok, aber soll ich jetzt deswegen wieder ständig überall mit dem Flugzeug hinfliegen?</p>
<p>Natürlich nicht! Wambach hat recht, dass wir den Emissionshandel besser verstehen müssen und dieses Wissen verwenden sollten, um Prioritäten zu setzen. Genauso hat er recht, wenn er sagt, dass es in der öffentlichen Debatte einer zu trägen Klimapolitik in die Hände spielt, wenn wir zu viel über individuelle Verantwortung sprechen und zu wenig darüber, warum und wo jetzt doch wieder mehr Zertifikate auf den Markt geworfen wurden als angekündigt.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund ist es ist eine gute Nachricht, dass die EU soeben einen <a href="https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/europa/fit-for-55-eu-1942402">Beschluss</a> auf den Weg gebracht hat, der unter anderem die kostenlose Vergabe von Emissionsrechten, die es für einige Industrien noch gibt, beenden soll. Außerdem werden die beiden riesigen Sektoren Verkehr und Wärme in den Emissionshandel geholt, die derzeit noch ungestraft CO2 ausstoßen dürfen, soviel sie wollen. Damit werden dann bald 75% statt bisher 45% der Emissionen in Europa gedeckelt und bepreist.</p>
<h2>Die individuelle Entscheidung bleibt wichtig</h2>
<p>Aber auch wenn mein Verzicht auf den Flug nach Malle und mein grüner Strom derzeit netto keinen CO2-Unterschied machen, senden sie doch ein deutliches Signal an eine Wirtschaft, die dringend umgebaut werden muss. Deshalb kann es nicht darum gehen, individuelles Verhalten gegen politische Maßnahmen auszuspielen.</p>
<p>Der Bedarf an Zertifikaten wird kleiner, je mehr Menschen auf klimafreundlicheren (und das heißt auch: weniger) Konsum setzen. Damit geben wir der Politik ein gutes Argument gegen die fleißige Industrielobby an die Hand, die Menge der ausgegebenen Zertifikate konsequenter zu reduzieren und sie damit teurer zu machen. Und natürlich werden umweltfreundliche Technologien umso rentabler, je mehr Menschen sie nachfragen. Klar werden die Zertifikate trotzdem verbraucht - aber dann bittesehr nicht in unserem Namen.</p>
<p>Und wer ganz raffiniert sein möchte, begibt sich an die Schnittstelle zwischen politischem Instrument und individueller Konsumentscheidung und kauft sich sein oder ihr eigenes offizielles Zertifikat, das geht zum Beispiel über die <a href="https://www.compensators.org/">compensators</a> ganz einfach und ohne Schindluder.</p>
<p>Denn was das Kraftwerk Neurath kann, können wir mündigen Bürgerinnen und Bürger schon lang: Der Industrie die Emissionen wegkaufen und so selbst einen Beitrag zur allzu langsam voranschreitenden Verringerung der verfügbaren Zertifikate leisten. Bloß, dass wir dann keine Kohle damit verstromen, sondern: Nix. Nix machen wir damit. Ätsch.</p>
<h2>Emissionshandel für Fortgeschrittene</h2>
<p>Ja aber Moment, warum Schindluder? Tja, wegen der Prävalenz von Schindludertreiberei im Kompensationsbusiness. Zurück zu mir und meinen 319 imaginären Freunden: Mal angenommen, die haben alle noch je einen eigenen  imaginären Freund und möchten ihn spontan nach Mallorca mitbringen, weil Brandenburg doch nicht stattfindet. Damit hat Vueling nicht gerechnet! Vueling muss einen zusätzlichen Flug bereitstellen! Dafür hat Vueling nicht genug Zertifikate! Und kein anderes Unternehmen will welche abgeben, die brauchen ihre alle selber!</p>
<p>Nicht verzagen, auch dafür haben wir eine Lösung, alle dürfen mitfliegen, denn: Es gibt eine ganze Reihe von zertifizierten Klimaschutzprojekten, die CO2 einsparen und diese Einsparungen an Unternehmen weiterverkaufen. So darf Vueling einmal mehr fliegen, wenn es die bei diesem Flug zusätzlich anfallenden Emissionen ausgleicht, indem sie anderswo jemanden bezahlen, um zum Beispiel entsprechend viele Bäume zu pflanzen.</p>
<p>Wenn da nicht das kleine Detail wäre, dass 90% der Zertifikate, mit denen der größte <a href="https://verra.org/">Zertifizierer</a> der Welt Schutzprojekten das Ausmaß ihres positiven Klima-Effekts bescheinigt, allem Anschein nach wertlos sind, weil die Projekte <a href="https://www.zeit.de/2023/04/co2-zertifikate-betrug-emissionshandel-klimaschutz">systematisch viel zu optimistisch bewertet werden</a>.</p>
<p>Für uns als wohlwollende Individuen heißt das: Wer die eigenen Emissionen ausgleichen will, kauft das originale Emissionsrecht (bei den <a href="http://compensators.org/">compensators</a> z.B.) und nicht irgendein potentiell leeres Versprechen über gepflanzte Bäume. Wer CO2 nicht bloß ausgleichen, sondern stilllegen möchte - umso schöner, das funktioniert genauso und ist wahrscheinlich ohnehin das bessere Mindset, wenn man das Risiko verkleinern möchte, peux à peux in so eine Art Lifestyle-Öko-Ablasshandel-Mentalität hineinzurutschen. <a href="https://letsflip.de/co2-kompensation-wie-kann-ich-am-besten-ausgleichen/">Lieber so klimafreundlich leben, wie man es halt kann und unabhängig davon Zertifikate kaufen oder an wirklich vertrauenswürdige Klimaprojekte spenden, anstatt es “Ausgleich” zu nennen und das eine mit dem anderen zu verrechnen.</a></p>
<p>Für Unternehmen, die sich bisher auf der Unterstützung diverser Regenwaldprojekte ausgeruht haben, heißt das: <a href="https://www.theguardian.com/business/2022/sep/26/easyjet-will-stop-offsetting-carbon-emissions-from-planes-roadmap-net-zero">Bitte kümmert euch lieber darum, eure Emissionen tatsächlich und wirkungsvoll zu vermindern</a>, anstatt weiter stolz mit wertlosen Ablassbriefen herumzuwedeln. Die Zukunft, und auch eure zukünftigen Profite, werden es euch danken.</p>
<h2>Die Empfehlung des Monats</h2>
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<p><a href="https://www.outrageandoptimism.org/">Outrage + Optimism</a> ist ein Podcast, der sich der konstruktiven Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des Klimawandels widmet und mit einer hochkarätigen Besetzung aufwartet:</p>
<p>Christiana Figueres und Tom Rivett-Carnac haben während ihrer Zeit beim <a href="https://unfccc.int/">UNFCC</a>  wesentlich an der Entstehung des Pariser Klimaabkommens mitgewirkt; Paul Dickinson ist Gründer des <a href="https://www.cdp.net/en/">Carbon Disclosure Project</a>. Zusammen führen sie anregende Gespräche mit ihren Gästen (unter ihnen zum Beispiel Greta Thunberg, Yuval Harari und Nicola Sturgeon) darüber, wie man der Krise offenen Auges begegnen und dabei ein angemessenes Gleichgewicht zwischen Zorn und Hoffnung finden kann.</p>
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<h3></h3>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Mon, 27 Feb 2023 17:22:11 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Guten Argumenten für grüne Energie]]></title>
      <description><![CDATA[In diesem Newsletter geben wir euch ein paar Argumente und Beispiele für den notwendigen, schnellen Ausbau Erneuerbarer Energien an die Hand, die ihr dem entgegensetzen..]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Gute Argumente für grüne Energie</h1>
<p>Liebe Leser*innen,</p>
<p>das Jahr mag neu sein, die vermeintlichen Argumente von “Klimablockierer*innen” bleiben jedoch die gleichen. Immer wieder hören wir Sprüche wie: &quot;Deutschland alleine kann die Welt ja eh nicht retten. Deutschland ist viel zu klein, um etwas in der Welt zu bewirken, man solle doch mal nach China oder die USA schauen.“</p>
<p>In diesem Newsletter geben wir euch ein paar <strong>Argumente und Beispiele für den notwendigen, schnellen Ausbau Erneuerbarer Energien</strong> an die Hand, die ihr dem entgegensetzen könnt:</p>
<h3><strong>Erneuerbare werden weltweit dominieren</strong></h3>
<p>Nun ist Deutschland weder sonderlich klein, es liegt immerhin <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Staaten_und_Territorien_nach_Einwohnerzahl#cite_note-WPP_2022-2">auf Platz 19 der bevölkerungsreichsten Länder</a>, noch global irrelevant: Unser Bruttoinlandsprodukt befindet sich <a href="https://data.worldbank.org/indicator/NY.GDP.MKTP.CD?most_recent_value_desc=true&amp;year_high_desc=true">auf Platz vier</a> und unser Energieverbrauch <a href="https://yearbook.enerdata.net/total-energy/world-consumption-statistics.html">bringt uns auf Platz neun im weltweiten Vergleich</a>. Viel wichtiger ist aber noch - abseits unserer globalen Verantwortung -, dass Deutschland weder allein die Welt retten will noch wirklich allein ist beim Kampf gegen die Erderwärmung: Egal, welche Organisation man fragt, ob die konservative IEA, die progressive IRENA, den Erdölkonzern BP oder Bloomberg NEF, <strong>die Zukunft gehört den Erneuerbaren</strong>:</p>
<p>Die aktuellen Modellierungen all dieser Organisationen sind sich einig, dass Wind- und Solarkraft in den kommenden 30 Jahren zu den wichtigsten Energiequellen heranwachsen werden. Nicht nur in Deutschland oder Europa, nein, weltweit werden diese beiden Kraftwerkstypen die Stromerzeugung dominieren. Strittig ist lediglich, wie stark diese Dominanz sein wird. Passend hierzu können wir heute schon an den weltweit gebauten Kraftwerken sehen, was für eine <strong>kleine Rolle neue Kohle- und Gaskraftwerke</strong> spielen:</p>
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<p>Quelle: <a href="https://global-climatescope.org/">global-climatescope.org</a></p>
<h2><strong>Weltweit schreitet der Ausbau von Erneuerbaren voran</strong></h2>
<p><a href="https://www.investindia.gov.in/sector/renewable-energy#:~:text=The%20installed%20power%20capacity%20in,the%20total%20installed%20electricity%20capacity.">Indien konnte 2022 seine Erneuerbare-Energie-Kapazitäten um 16 Gigawatt erhöhen</a> und ist auf einem guten Weg, seine ambitionierten Pläne für 2030 zu erfüllen und Deutschlands EE-Sektor in den nächsten Jahren zu überholen. In den USA haben private Firmen allein im vergangenen Jahr den <a href="https://cleanpower.org/clean-energy-powers-american-business/">Ausbau von 20 Gigawatt Erneuerbaren und Speicherkapazität in Auftrag gegeben</a>, also etwa 15 Prozent der gesamten Wind- und Solarkapazität Deutschlands.</p>
<p>Selbst eher konservative Bundesstaaten wie Texas haben ihren Ausbau so stark beschleunigt, <a href="https://twitter.com/BPBartholomew/status/1617335963583418369">dass ihr ÖKOStrom-Anteil</a> (25% Windstrom und 6% Solarstrom) deutsche Größenordnungen (25% Windstrom, 10% Solarstrom) erreicht:</p>
<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d844c0e2-fc3c-4378-bc41-2f147133f71d/uploads/images/lx2n74cp4k/electricity%20mix%20Texas.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/>
<p>Die Einschätzung <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/erneuerbare-energien-weltweit-der-wendepunkt-ist-da-kolumne-a-3f3cf5f0-e667-49ac-84ab-04ff8afa8aad?sara_ecid=soci_upd_KsBF0AFjflf0DZCxpPYDCQgO1dEMph">eines eher konservativen texanischen Ranchers ist</a>, dass ein Acre (etwa ein halber Hektar) Land acht Dollar abwirft, wenn man dort Rinder weiden lässt, 15 Dollar, wenn man das Land für die Jagd freigibt – aber Hunderte von Dollar, wenn man dort Windenergie erzeugt.</p>
<h2><strong>Erneuerbare nicht nur klimafreundlich und sauber, sondern lukrativ</strong></h2>
<p>Gedanken wie der des texanischen Ranchers werden die kommenden Jahre prägen: Die Erneuerbaren sind <a href="https://ourworldindata.org/uploads/2021/02/Price-of-electricity-new-renewables-vs-new-fossil-no-geo.png">mittlerweile so günstig und robust geworden</a>, dass sie für viele Menschen, Staaten und Organisationen <strong>sogar aus reinem Profitstreben interessant</strong> geworden sind oder es sehr bald werden. Da kann Donald Trump noch so sehr für <em>Clean Coal</em> werben, denn wie “clean” die auch immer sein mag: Solange Windkraft um ein Vielfaches lukrativer ist, werden die Texaner sich ihre Windkraftanlage auf die Ranch stellen.</p>
<p>Es wäre zwar schön, wenn die Menschheit dringend benötigte Maßnahmen für die Erhaltung der eigenen Lebensgrundlage auch dann ergreifen würde, wenn es dafür keinen finanziellen Anreize gäbe, aber Menschen verhalten sich eben manchmal irrational. Die Klimainteressierten unter uns könnten sich aber fragen, <strong>wie wir diesen finanziellen Anreiz nutzen können, um neue Chancen aufzuzeigen </strong>und damit mehr Menschen zu erreichen.</p>
<p>Bevor Windkraftprojekte zu kippen drohen, weil die Verantwortlichen Erneuerbare als viel zu grün, vegan oder <em>woke</em> einordnen, <strong>sollten die wirtschaftlichen Vorteile  unser Ass im Ärmel sein</strong> und die Botschaft lauten: Mit Windkraft und <a href="https://www.pv-magazine.de/2022/10/14/rystad-photovoltaik-anlagen-amortisieren-sich-in-deutschland-innerhalb-eines-jahres/">Photovoltaik</a> verdient Ihr Euch eine goldene Nase, seid von russischen und saudischen Energieimporten und gierigen Konzernen unabhängiger.</p>
<h3><strong>Deutschland muss nicht allein die Welt retten</strong></h3>
<p>Die Idee, dass Deutschland ganz allein das Klima retten will und deswegen im Ausland dafür belächelt wird, könnte falscher nicht sein. In Zukunft heißt es weltweit nicht mehr &quot;WIR HABEN ÖL GEFUNDEN&quot;, sondern &quot;WIR HABEN WIND GEFUNDEN!&quot;.</p>
<p>Deutschland war bei dieser Entwicklung ganz früh am Start, hat die <strong>Kosten pro Kilowattstunde stark gesenkt</strong> und sie so mit vielen Milliarden Euro selbst initiiert. Es wäre daher eher lachhaft, wenn wir diese Technik erst mit viel Geld zur Marktreife gebracht hätten, um jetzt dem Rest der Welt dabei zuzusehen, die Früchte dieser Taten zu ernten.</p>
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<h3><strong>Fußnoten:</strong></h3>
<p>1)</p>
<a href="https://industrydecarbonization.com/news/the-future-dominance-of-solar-and-wind-energy.html">https://industrydecarbonization.com/news/the-future-dominance-of-solar-and-wind-energy.html</a>
<p>2) </p>
<a href="https://www.c2es.org/content/renewable-energy/#:~:text=Renewables%20made%20up%20nearly%2020,the%20fastest%2Dgrowing%20electricity%20source.">https://www.c2es.org/content/renewable-energy/#:~:text=Renewables%20made%20up%20nearly%2020,the%20fastest%2Dgrowing%20electricity%20source.</a>
<p>3) </p>
<a href="https://www.irena.org/publications/2020/Jun/Renewable-Power-Costs-in-2019">https://www.irena.org/publications/2020/Jun/Renewable-Power-Costs-in-2019</a>
<p></p>
<p></p>]]></content:encoded>
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      <link>https://steady.page/96301457-6bb3-4077-940e-42f30b05a613/posts/d844c0e2-fc3c-4378-bc41-2f147133f71d</link>
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      <pubDate>Tue, 07 Feb 2023 07:57:32 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Klima-Rückblick & Ausblick]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Abonnentinnen und Abonnenten, hier kommen die guten Nachrichten zum Jahresende: Ein verrücktes, chaotisches Jahr neigt sich dem Ende. 2022 wird den meisten…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[
<p>Liebe Abonnentinnen und Abonnenten,</p>
<p>hier kommen die guten Nachrichten zum Jahresende:</p>
<p>Ein verrücktes, chaotisches Jahr neigt sich dem Ende. 2022 wird den meisten vermutlich als überwiegend schreckliche Erinnerung im Gedächtnis bleiben, was nicht sonderlich fair ist, liegen unter all den Schreckensmeldungen und Krisenberichten tatsächlich auch gute Nachrichten begraben!</p>
<p>Unser Weihnachts-Newsletter möchte das Schlaglicht daher auf all die Dinge, Menschen und Entwicklungen richten, die hinter den schlimmen Ereignissen verblassten und wenig Aufmerksamkeit in den Nachrichten genossen. Zu wenig, wie wir finden:</p>
<p>Ja, der Ukraine-Krieg war zurecht das bestimmende Thema dieses Jahr, aber erinnern wir uns nochmal an den Beginn dieses unerträglichen Bruch des Völkerrechts: Deutschland und ganz Europa standen ziemlich ratlos da in der Sorge, entweder weiter Rohstoff-Geschäfte mit einem mörderischen Regime zu machen oder im Winter im Kalten zu sitzen.</p>
<p>Jetzt ist der Winter da, aber durch einen milden Herbst und gesamtgesellschaftliche Einsparungen von etwa 20 Prozent sind unsere Gasspeicher am 12.Dezember etwas voller<a href="https://www.zeit.de/wirtschaft/energiemonitor-deutschland-gaspreis-spritpreis-energieversorgung"> als selbst Best-Case-Szenarien angenommen hatten</a>. Die Sorge vor bitterkalten Wohnungen, einer Pleitewelle und einem heißen Herbst hat sich bislang nicht bewahrheitet, die Gesellschaft scheint angesichts der Krise zusammengerückt zu sein und all das eingesparte Gas hilft uns nicht nur wirtschaftlich, sondern spart auch einen Haufen CO2-Emissionen ein.</p>
<p>Auf einmal ist möglich, was in früheren Jahren undenkbar erschien, und das gilt nicht nur für unsere Gasversorgung: Auf den letzten Metern das Jahres hat die EU sich darauf geeinigt, ihre Klimapolitik noch mal drastisch zu verschärfen: In einem weltweit einzigartigen Gesetzespaket wurde beschlossen, dass schon bald 75% aller EU-Emissionen bepreist sein werden, ab 2027 wird es soweit sein. Klaut Prognose reduzieren wir den gesamten CO2-Ausstoß der EU bis 2030 nicht mehr nur um 43%, sondern um 62% verglichen mit 2005.</p>
<p>Die Instrumente sind so effektiv, dass laut Klimafolgenforscher Prof. Edenhofer von PIK ein Kohleausstieg vor 2030 in Reichweite rückt. Nun sind auch Verkehr, Wohngebäude, Schifffahrt und perspektivisch sogar Müllverbrennung und Flugverkehr Teil des Emissionshandels. Um für Bevölkerung diesen Wandel erträglich zu machen, wird mit einem Teil der Emissionspreise ein milliardenschwerer Klimasozialfond aufgelegt, um den Menschen den Umstieg zu erleichtern.</p>
<p>Für die Industrie, die ihre Produktion auf grünen Stahl, grünen Zement und grünes Ammoniak umstellen soll, sollen Klimazölle eingeführt werden. Damit sollen sie wettbewerbsfähig gegenüber der Konkurrenz bleiben können, die z.B. „billigeren“ fossilen Importstahl anbietet. Damit schlägt einer der größten Wirtschaftsräume des Planeten mit einer 450-Millionen-Bevölkerung und einem Inlandsprodukt ähnlich groß wie das Chinas einen der ambitioniertesten Klimaschutzkurse weltweit ein.</p>
<p>Aber auch außerhalb der EU geht es in die richtige Richtung: Der Krieg und die Energiekrise haben den Menschen stärker ins Bewusstsein gerufen, wie unverlässlich fossile Brennstoffe sind, als Jahrzehnte kluger Appelle das konnten. Die Internationale Energieagentur musste ihre Prognose für den globalen Ausbau der Erneuerbaren aus dem letzten Jahr um satte 30 Prozent nach oben korrigieren.</p>
<p>Aktuell sieht es so aus, als würde die Welt in den kommenden 5 Jahren genau so viel EE-Kapazitäten zubauen wie in den 20 Jahren davor: 2400 Gigawatt, eine unfassbare Zahl. Das entspricht der 15-fache Menge aller EE-Kapazitäten in Deutschland. Nicht der 15-fachen Menge des deutschen Zubaus, sondern des Gesamtbestands (!). Und das, obwohl auch in den deutschen Ausbau ordentlich Fahrt kommt:</p>
<p>Weltweit entstehen große Standorte mit Batteriespeichern, die in Kalifornien bereits für ein paar Stunden die Leistung der dortigen Kernkraftwerke ersetzen können. Und wäre der Ausbau der deutschlandweiten, stationären Batteriespeicher eine Infektionskurve, wir wären alle sehr besorgt:</p>
<p>Bis 2030 soll hier 80 Prozent des Stroms aus Erneuerbaren kommen. Darin bereits eingerechnet ist, dass während des Ausbau gleichzeitig der Strombedarf für klimaneutrale Technologen steigt. Wir dekarbonisieren also doppelt und dreifach: Aus Gasverbrauchern werden Stromverbraucher, aus Erdölautos und -bussen werden E-Autos und -busse und gleichzeitig wird all der Strom zunehmend von Kohle und Gas unabhängig gemacht (soweit zumindest der ambitionierte, aber längst vom Bundestag beschlossene Plan).</p>
<p>Noch schneller können wir das schaffen, wenn wir nicht einfach alle Autos auf Elektro umstellen, sondern den hohen Bestand von 49 Millionen PKW runterschrauben. Neben den vielen Menschen, die auf ihr Auto angewiesen sind, leben in Deutschland dutzende Millionen Menschen in Umgebungen mit gutem ÖPNV, wachsenden Radverkehrswegen und ambitionierten Städten, die das Pendeln ohne eigenes Auto attraktiver und einfach machen wollen.</p>
<p>Das 9-Euro-Ticket hat gezeigt, wie viele Menschen heute schon anders mobil sein könnten, wenn sie bessere Bedingungen vorfinden. Diese Bedingungen sind nicht gottgegeben, sie sind das Ergebnis politischer Entscheidungen und könnten genau so effektiv geändert werden wie sie vor Jahrzehnten beschlossen wurden.</p>
<p>Im Rest von Europa können wir beobachten, wie schnell so eine Transformation funktionieren kann: Auf vielen Pariser Hauptstraßenfahren haben die Fahrräder zwei jetzt genau so viel Fläche wie die Autos und<a href="https://www.youtube.com/watch?v=sI-1YNAmWlk"> man könnte denken, man sieht Amsterdam mit mehr Baguettes</a>. Bis 2026 soll die gesamte Stadt mit Hilfe von 180 Kilometer neuen Radwegen komplett per Fahrrad erschließbar sein.</p>
<p>Liegt das daran, dass französische Firmen bessere Radwege bauen als deutsche? Oder weil Französinnen mehr Kraft in den Beinen haben? Oder daran, dass Anne Hidalgo, die Pariser Bürgermeisterin einfach den politischen Willen hatte, wirklich etwas zu verändern?</p>
<p>Ebenfalls in letzter Sekunde haben sich 200 Staaten auf dem weltweiten Artenschutzgipfel auf Ziele geeinigt, mit denen kaum jemand gerechnet hatte: 30 Prozent der weltweiten Landfläche und 30 Prozent der weltweiten Meere sollen bis 2030 unter Schutz gestellt werden. Wie genau das ablaufen soll, wird noch Gegenstand nervenaufreibender Verhandlungen sein, aber als Etappenziel sollten wir das auf jeden Fall unter „Good News“ verbuchen.</p>
<p>Wie bei all diesen Themen ist der größte Flaschenhals unser Wille zur Veränderung. Das Wissen ist da, die Konzepte sind da, die Technik ist da. Würden wir jetzt noch alle wollen, was umzusetzen möglich ist, könnte es fast schon zu einfach werden.</p>
<p>Liebe AbonnentInnen unseres Newsletters, wie schön, dass ihr alle dabei seid! Leitet ihn gerne an Freunde und Bekannte weiter! Unter diesem Link, kann er abonniert werden:</p>
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<p>Frohe Weihnachten und guten Rutsch! Wir hören uns im neuen Jahr mit guten Nachrichten zum Jahresausblick!</p>
<p>Eure Superredaktion</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 20 Dec 2022 17:15:14 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Energiewende for "Dummies"]]></title>
      <description><![CDATA[Es gibt ein paar wenige Filme und Dokumentationen, die nach nur einmal Angucken die Weltsicht von Menschen auf den Kopf stellen können. Bezogen auf die Energiewende gab…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[
<p>Es gibt ein paar wenige Filme und Dokumentationen, die nach nur einmal Angucken die Weltsicht von Menschen auf den Kopf stellen können. Bezogen auf die Energiewende gab es davon bislang leider kaum positive Beispiele, aber das änderte sich vor 11 Tagen schlagartig, als der YouTube-Kanal Doktor Whatson sein bisher längstes Video „Die Wahrheit über erneuerbare Energien“ hochludt:</p>
<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/29ab95b6-811e-4433-992d-a96488e93509/uploads/images/yglgphi4uc/Unbenannt.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/>
<p>Die deutsche Sprache hält kaum Adjektive bereit, um es adäquat zu beschreiben. Ich habe es mit „Sensationell“, „genial“ und „revolutionär“ versucht, aber irgendwie klang das in meinen Ohren trotzdem nach einer Untertreibung. Warum? Weil in schlappen 55 Minuten fast alle Aspekte der Energiewende aufgegriffen werden, die in den kommenden 20 Jahren darüber entscheiden werden, wie wir aus der Krise rauskommen:</p>
<p>- Wie viel Energie verbrauchen wir heute überhaupt und wieso erzeugt diese Maßeinheit ein viel zu düsteres Bild? Wieso kommen wir in Zukunft mit viel weniger aus?</p>
<p>- Wie viel Fläche und Rohstoffe brauchen wie dafür?</p>
<p>- Was kostet das alles und wie können wir Strom speichern?</p>
<p>Es gibt Leute (z.B. den Autor dieser Zeilen), die schreiben ganze Bücher über das Thema und können trotzdem nicht all diese Punkte abdecken. Zudem will so ein Buch erst mal gelesen sein, bevor die Erkenntnis sich in den Hirnwindungen festsetzt.</p>
<p>Nun sind 55 Minuten Video auch eine knackige Ansage, die nicht in unser aller Alltag Platz findet. Aber:</p>
<p>1. Es spricht nichts dagegen, es von Timestamp zu Timestamp anzusehen</p>
<p>2. Ihr könnt es teilen und ihm damit zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen</p>
<p>3. Ihr speichert euch den Link im Browser fürs nächste Mal, dass jemand behauptet, Erneuerbare seien „Zappelstrom“, nachts scheine keine Sonne oder dass das ohne Speicher alles nichts bringe.</p>
<p>Diese Zusammenhänge lassen sich nämlich leider nicht mal eben so in einem Facebook-Kommentar aufdröseln. Aber man kann mit „das ist eine gute Frage, in diesem Video findest du die Antwort darauf“ entkräften:</p>
<p>Die Wahrheit über erneuerbare Energien: https://www.youtube.com/watch?v=Mvm1KAAhVSA</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 30 Nov 2022 08:05:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Freie Fahrt für die Energiewende]]></title>
      <description><![CDATA[Gute Nachrichten: Die Energiewende ist einfacher, als sich viele vorstellen. Nicht nur Fossil-Lobbyisten, sondern auch Unterstützerinnen der Energiewende wie Ulrike…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Freihe Fahrt für die Energiewende!</h1>
<p>Gute Nachrichten: <strong>Die Energiewende ist einfacher, als sich viele vorstellen</strong>. Nicht nur Fossil-Lobbyisten, sondern auch Unterstützerinnen der Energiewende wie Ulrike Herrmann, Buchautorin von „das Ende des Kapitalismus“ und taz-Redakteurin, malen die Welt (vermutlich unbeabsichtigt) schwärzer als sie ist.</p>
<p>Ein beliebtes Argument gegen die Energiewende ist der Vergleich unseres heutigen Energieverbrauchs mit den Strommengen, die Wind- und Solarkraft erzeugen können, Tenor: Deutschland benötigt zu viel Strom, um ihn mit Erneuerbaren zu erzeugen.</p>
<p>Ulrike Herrmann formuliert in ihrem Buch und den daraus entstandenen Interviews und Fernsehauftritten ebenfalls so: Energie würde in Zukunft immer knapp und teuer bleiben, weil der aktuelle Erneuerbaren-Anteil nur wenige Prozent der benötigten Endenergie ausmache.</p>
<p>Das ist aber insofern nicht so beunruhigend, als es diese Energiemenge mit Erneuerbaren gar nicht zu erreichen gilt: Darin ist sehr viel durch fossile Technik verschwendete Energie enthalten, die wir in Zukunft ohnehin einsparen.</p>
<p>In der Debatte finden sich diese drei Begriffe wieder:</p>
<ul>
  <li><p> PRIMÄRENERGIE</p></li>
  <li><p> ENDENERGIE</p></li>
  <li><p> NUTZENERGIE</p></li>
</ul>
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<p>Primär- und Endenergie enthalten große Energiemengen, die wir ohnehin verschwenden: Verluste bei Verbrennerautos (75%), Verluste beim fossilen Heizen und sonstigen Verbrennungsprozessen. Bei der Primärenergie kommen noch die Verluste unserer Kraftwerke dazu.</p>
<p>Konkret: Ein Diesel-PKW verfährt auf 100 Kilometer im Schnitt etwa 60 kWh Energie (entspricht 6 Liter Diesel). Das ist echt eine Menge Energie, so viel verbraucht ein deutscher Haushalt in etwa 6 Tagen an Strom. Aber warum ist das so viel? Weil ein Verbrennungsmotor mit einem Großteil der Energie (75%) den Motorblock und die Abgase erwärmt und nur 25% in der Bewegung des Autos landen.</p>
<p>Ein E-Auto verwendet Energie viel effizienter, es kommt mit der Energiemenge, die in 6 Litern Diesel gebunden ist, etwa 340 Kilometer weit. Wenn Ulrike Herrmann also bemängelt, wir könnten mit Wind- und Solarkraft nicht die in Deutschland benötigte Endenergie bereitstellen, dann ist die Antwort: Die brauchen wir auch nicht.</p>
<p>Wir werden in Zukunft viel weniger Energie für die gleiche Fahrleistung benötigen und durch den Einsatz von Wärmepumpen auch weniger Energie für die gleiche Heizleistung. Energiewende ist also automatisch auch Energie sparen, selbst wenn wir uns gar nicht einschränken. Wenn jemand also mit dem ENDenergiebedarf argumentiert, sollten wir sagen, dass der nicht relevant ist. Relevant ist die NUTZenergie.</p>
<p>Noch etwas verzerrender ist, wenn jemand mit dem PRIMÄRenergiebedarf argumentiert. Da sind ebenfalls die oben genannten Verluste von Heizungen und Verbrennungsmotoren enthalten, die wie oben erklärt die ENDenergie unnötig aufbläht. Zusätzlich kommen aber noch die Verluste fossiler Kraftwerke dazu: Selbst ein modernes Kohlekraftwerk erzeugt aus 100 kWh Kohle nur etwa 40 kWh Strom. Die restlichen 60 kWh verlassen das Kraftwerk als heißer Rauch und Dampf über den Schornstein und den Kühlturm.</p>
<p>Windkraftanlagen und Solarpanels haben keine solchen Verluste. Lediglich die Leitungen verlieren ein paar Prozent der Energie, aber der Großteil landet am Ende eben genau da, wo wir ihn auch wirklich haben wollen. Sofern wir nicht extra Solarstrom erzeugen, um damit künstlich Schornsteine und Auto-Abgase zu erhitzen, benötigen wir in Zukunft zwar mehr Strom als heute, aber viel weniger Energie.</p>
<p>Fazit: Die Behauptung, grüne Energie werde immer knapp und teuer bleiben, baut meistens auf falschen Mengengerüsten auf, da unser aktuelles fossiles System nicht nur klimaschädlich, sondern auch sehr ineffizient ist.</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Fri, 18 Nov 2022 15:03:26 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Share the good news!]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Multiplikator*innen, willkommen zu ersten Ausgabe unseres Newsletters, in dem wir euch davon berichten wollen, was bereits alles ganz konkret in Sachen Klimaschutz.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[
<p>Liebe Multiplikator*innen,</p>
<p>willkommen zu <strong>ersten Ausgabe unserer </strong><em><strong>Good-Climate-News</strong></em>, in denen wir euch davon berichten wollen, was bereits alles ganz konkret positiv in Sachen Klimaschutz auf der Welt getan wird. Weil wir daran glauben, dass <strong>gute Geschichten erzählt und geteilt werden wollen</strong> und sollen. Wenn ihr das auch so seht - share the good news!</p>
<p>Wer sind wir, wenn wir von &quot;wir&quot; sprechen? Eine freie Redaktion, bestehend aus Journalist*innen und Kreativschaffenden aus unterschiedlichen Branchen. Was uns jedoch eint, ist der Wunsch und Glaube daran, dass wir (mit unserer Arbeit) etwas bewegen können. Und zwar am besten gemeinsam - mit euch. Deshalb auch dieser <strong>Newsletter</strong>, den wir ab jetzt <strong>regelmäßig</strong> verschicken wollen. In erster Linie, um Interessierten und Engagierten, wie ihr es seid, die Möglichkeit zu geben, die <strong>Geschichten des Gelingens</strong>  weiterzuerzählen - ganz gleich, ob digital oder <em>word to mouth - </em>Hauptsache sie kommen an!</p>
<p>Wir schreiben heute den 2. November 2022 und möchten folgende Ereignisse mit euch teilen:</p>
<h2><strong>Der europäische Ausbau der Erneuerbaren geht voran:</strong></h2>
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<p>Von März bis September 2022 stammten 25 Prozent des in der EU erzeugten Stroms aus Windkraft und Photovoltaik. <strong>Ohne diese Kapazitäten hätte die EU zusätzliches Erdgas im Wert von 100 Milliarden Euro einkaufen müssen.</strong></p>
<p>Die Energiewende ist also kein rein deutsches Projekt. Den größten relativen Zuwachs innerhalb der EU konnte Polen verzeichnen (+ 48,5%), den größten absoluten Zuwachs Spanien (7,4 Terawattstunden – entspricht etwa einem deutschen AKW) – beides verglichen mit dem Vorjahr. Rechnen wir die europäischen Nicht-EU-Länder Schweiz, Norwegen und UK mit ein, wird der Wert noch besser.</p>
<p>Quelle: <a href="https://e3g.wpenginepowered.com/wp-content/uploads/E3G-EMBER-Briefing-More-renewables-less-inflation.pdf">E3G: &quot;More renewables, less inflation restoring EU economic stability through investment in renewables&quot;</a></p>
<h2></h2>
<h2><strong>Griechenland versorgt sich erstmals zu 100% mit Erneuerbaren:</strong></h2>
<p>Am 7. Oktober 2022 war es soweit: Erstmals seit der Einführung der Elektrizität, deckte Griechenland allein mit Solar- und Windstrom seinen gesamten Strombedarf. Dieser Zustand hielt erwartungsgemäß nur ein paar Stunden an, konnte aber in den beiden Folgewochen nochmal wiederholt werden.</p>
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<p>Quellen: </p>
<ul>
  <li><p> Reuters: &quot;Greek renewables fully cover power demand for first time on record&quot;</p></li>
  <li><p><a href="https://energy-charts.info/charts/power/chart.htm?l=de&amp;c=GR&amp;legendItems=000111000&amp;week=40&amp;stacking=stacked_absolute_area">Energy Charts: &quot;Öffentliche Nettostromerzeugung in Griechenland in Woche 40 2022&quot;</a></p></li>
</ul>
<h2></h2>
<h2><strong>Globaler Trend Energiewende</strong></h2>
<p>Das sind nur zwei Beispiele, global gesehen ist die Richtung klar: <strong>Von allen weltweit im Jahr 2021 zugebauten Kraftwerkskapazitäten entfielen 80 Prozent auf Erneuerbare Energien</strong>. Die Top 3 Regionen waren China (121 Gigawatt), Europa (39 Gigawatt) und Nordamerika (38 Gigawatt).<br/><br/>Der Vorwurf, Deutschland wolle allein die Welt retten, ist in diesem Sinne schon lange nicht mehr haltbar.</p>
<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/4ec2307c-f45d-4ed5-81dc-9075d1bfbbff/uploads/images/dai5eu6et4/red-zeppelin-UVGE-o757-g-unsplash.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/>
<p>Quelle: <a href="https://www.irena.org/newsroom/pressreleases/2022/Apr/Renewables-Take-Lions-Share-of-Global-Power-Additions-in-2021">IRENA: &quot;Renewables Take Lion’s Share of Global Power Additions in 2021&quot;</a></p>
<h2></h2>
<h2><strong>Der Stromausfall fällt aus:</strong></h2>
<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/4ec2307c-f45d-4ed5-81dc-9075d1bfbbff/uploads/images/c7nkyo5iff/isravel-raj-z5Dktqb9-Ds-unsplash.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/>
<p>Vorab: <strong>Einen 100-prozentigen Schutz vor Stromausfällen haben wir leider nie.</strong> Selbst wenn unsere Kraftwerke ordnungsgemäß brummen und genug Brennstoff verfügbar ist, könnte irgendwer bei Glatteis seinen Fiat Multipla mitten in das Umspannwerk bei euch im Ort lenken. Wenn für diesen Abend dann Karaoke geplant war, solltet Ihr euch einen neuen Plan überlegen.</p>
<p>Das wäre dann aber nur ein lokaler Stromausfall. Sicher eine nervige Geschichte, aber eine Zahnwurzelentzündung ist nerviger. <strong>Im Herbst 2022 hören wir aber oft vor der Gefahr eines </strong><em><strong>Blackouts</strong></em>, und da ist es dann nicht mit einer Verschiebung des Karaoke-Abends getan, da geht es um einen unkontrollierten Zusammenbruch des Stromnetzes in weiten Teilen Kontinentaleuropas, dessen Behebung länger andauern würde.</p>
<p>Wie wahrscheinlich so ein ultimativer Zusammenbruch ist, wurde im zweiten Stresstest untersucht und das Ergebnis war: Mit so einem schlimmen Ereignis ist selbst im schlechtesten Szenario nicht zu rechnen. <strong>In diesem schlechtesten aller Szenarien rechnen unsere Netzbetreiber maximal mit zeitlich und regional begrenzten Netzabschaltungen.</strong></p>
<p>Die gute Nachricht, die Bedingungen für dieses Szenario waren:</p>
<ul>
  <li><p>Ausbleibende Regenfälle, sodass kaum Kohle über den Rhein transportiert werden kann.</p></li>
  <li><p>Ein außerordentlich windschwaches Jahr.</p></li>
  <li><p>Die französischen Kernkraftwerke laufen weit unter Kapazität.</p></li>
  <li><p>Die Deutschen verbrauchen sehr viel Strom, um Heizlüfter zu betreiben.</p></li>
</ul>
<p>Davon sind drei bislang nicht eingetreten (der Rhein kann normal befahren werden, die EE-Ausbeute dieses Jahr ist hoch, und Deutschland verbraucht nicht mehr Strom als sonst). Nur die Bedingung, dass die französischen AKW viel weniger Strom als in Vorjahren liefern, ist bislang eingetreten.</p>
<p><strong>Wir können diese Krise also meistern und ein Puzzlestück dafür ist, dass wir als Gesellschaft gemeinsam versuchen, unseren Energieverbrauch zu begrenzen. </strong>Das klappt bislang ganz gut, unser Erdgasverbrauch liegt bislang etwa 30 Prozent unter dem Wert der letzten Jahre (ein Faktor dürfte aber auch sein, dass es für manche Menschen und Betriebe zu teuer geworden ist).</p>
<p>Quellen:</p>
<ul>
  <li><p> amprion: &quot;Warum wir nicht mit einem Blackout im Winter rechnen&quot;</p></li>
  <li><p><a href="https://www.netztransparenz.de/portals/1/20220914_stresstest-strom-ergebnisse-langfassung.pdf">Netztransparenz:   Abschlussbericht Sonderanalysen Winter 2022/2023</a></p></li>
  <li><p><a href="https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/Versorgungssicherheit/aktuelle_gasversorgung/_downloads/10_Oktober/221013_gaslage.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=2">Bundesnetzagentur: Lagebericht Gasversorgung Stand: 13.10.2022</a></p></li>
</ul>
<hr aria-hidden="true"/>
<p>Danke fürs Lesen unseres ersten <em>Klimaletters! </em>Der ist, wie ihr vermutlich merkt,   <em><strong>work-in-progress</strong></em><em>. </em>Uns war es aber zunächst wichtig, erstmal loszulegen, damit ihr einen ersten Eindruck erhaltet und wir ein wenig austesten können.</p>
<p>Solltet ihr weitere <strong>Ideen, Vorschläge, Wünsche</strong> etc. haben, schreibt uns ganz einfach eine Mail an <a href="mailto:superredaktion@posteo.de"><strong>superredaktion@posteo.de</strong></a>. </p>
<p>Bis zum nächsten Mal - macht&#39;s gut bis dahin!</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 02 Nov 2022 08:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
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