Skip to main content

Wie Medien über Hitze berichten sollten

Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!

Die Hitzewelle beschäftigt uns in diesem Newsletter schon die ganze Woche immer wieder. Am Wochenende werden wieder Höchstwerte erwartet, deswegen geben wir euch heute ein kurzes Update dazu. Über Hitzewellen zu berichten, ist für viele Medien immer noch eine Herausforderung, auch wenn wir mittlerweile wissen sollten, was auf uns zukommt.

Den Klassiker – fröhliche Fotos aus dem Freibad und Frauen im Bikini, wie hier (Opens in a new window) vom Medienmagazin kobuk.at (Opens in a new window) zusammengefasst – zu extremer Hitze haben wir bei tag eins natürlich nie gebracht, dennoch finde ich es schwer, mit Wörtern wie „Rekordhitze“ umzugehen. Es ist formal korrekt, klingt aber irgendwie immer noch netter als die Realität. Dennoch berichten auch viele Medien mittlerweile angemessener über Hitzewellen und geben Tipps für den Schutz an extrem heißen Tagen. Mehr im Newsletter.

Ansonsten geht es heute um Reformen bei den SOS-Kinderdörfern und das Erdbeben in Venezuela.

Updates zur Hitzewelle

Die längste Hitzewelle, die es im Juni seit Beginn der Aufzeichnungen je gegeben hat, hält das Land fest im Griff, berichtet (Opens in a new window) der ORF. Am Wochenende wird sie ihren Höhepunkt erreichen. Über vierzig Grad sind vereinzelt möglich, über 35 Grad werden überall in Österreich erwartet. Fast alle Landeshauptstädte erreichen am Wochenende ihre Juni-Höchstwerte für die längste Serie an Hitzetagen. In Linz ist es schon so weit. Bei Geosphere Austria (Opens in a new window) kann man sich laufend über die angesagten Temperaturen informieren. Aktuell werden dort 41 Grad für Wien am Sonntag vorausgesagt. 

Der Standard hat einen Liveticker (Opens in a new window) eingerichtet, der durch die Hitzetage begleitet. 

Die aktuelle Hitzewelle hängt eindeutig mit der Klimakrise zusammen und ist nicht auf einzelne Wetterphänomene zurückzuführen, analysiert (Opens in a new window) ebenfalls der Standard. Das zeigt eine aktuelle Studie der Initiative World Weather Attribution. 

Die Regierung hat gestern Abend das Krisen- und Katastrophenschutzmanagement einberufen. Das ist im Hitzeschutzplan des Gesundheitsressorts für die höchste Hitzewarnstufe vorgesehen. Diese gilt am Wochenende in Nordostösterreich. 

Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) spricht von einer enormen Belastung für viele Menschen in den kommenden Tagen. Zahlreiche Medien fassen zusammen, wie man sich an den heißen Tagen schützen kann: viel Wasser trinken, körperliche Anstrengung vermeiden, drinnen bleiben, morgens und nachts lüften, die Wohnung abdunkeln und besonders gut auf ältere Menschen, Schwangere, Babys, kleine Kinder und immungeschwächte Menschen im Umfeld aufpassen. 

Auch andere europäische Länder erleben im Moment extreme Hitzewellen. „Es ist durchaus wahrscheinlich, dass man diese Hitzewelle am Ende als historisch bezeichnen kann“, zitiert etwa die dpa den Meteorologen Oliver Reuter.

Kommission kritisiert Aufarbeitung der SOS-Kinderdörfer

Nachdem dieses Jahr Missstände und Missbrauchsfälle an Standorten der SOS-Kinderdörfer bekannt wurden, hat sich eine unabhängige Reformkommission gebildet. Geleitet von der ehemaligen Präsidentin des Obersten Gerichtshofs, Irmgard Griss, hat die Kommission heute Vormittag erste Ergebnisse präsentiert.
Die Kommission untersuchte umfassend den Umgang der Organisation mit den Missbrauchsfällen und die damit zusammenhängenden Strukturen. Ziel war es, daraus Empfehlungen für die SOS-Kinderdörfer abzuleiten.

2.084 Unterlagen hat die Kommission dazu erhalten. Die Zusammenarbeit mit den SOS-Kinderdörfern habe sehr gut funktioniert, so Griss, die Unabhängigkeit sei gewahrt worden.

Die Aufarbeitung betrifft vor allem die Missbrauchsvorfälle an den Standorten Moosburg und Imst, befasst sich aber auch mit dem Umgang von SOS-Kinderdorf mit Studien, internen Meldewegen und Fragen der Transparenz und möglicher Vertuschungen. Analysiert wurden darüber hinaus strukturelle Risikofaktoren wie Machtkonzentration, fehlende externe Kontrolle und unklare Verantwortlichkeiten, berichtet (Opens in a new window) der ORF. 

„Man hat versucht, das Ganze unter der Decke zu halten“, lautet das Fazit der Kommission. Gerüchten, vor allem, was den Missbrauch durch den Gründer der Organisation, Hermann Gmeiner, betrifft, sei „nicht nachgegangen“ worden, kritisierte (Opens in a new window) Griss heute. Man habe versucht, eine heroische Gründerfigur zu schützen. Das bekräftigt auch Hedwig Wölfl, Geschäftsführerin der Kinderschutzorganisation „die möwe“. Fehler seien nicht eingestanden worden und Probleme und Missstände nicht konsequent bearbeitet worden. Außerdem sei patriarchale Entscheidungsmacht durchgesetzt worden und eine Fragmentierung von Wissen sei entstanden.

Viele Tote und Vermisste nach Erdbeben in Venezuela, internationale Hilfe läuft an

Bei zwei schweren Erdbeben in Venezuela sind mindestens 235 Menschen gestorben, es gibt mehr als 1.500 Verletzte und 200 Verschüttete. Tausende Menschen gelten außerdem als vermisst. Am Mittwochabend (Ortszeit) hatte die Erde im Nordwesten des lateinamerikanischen Landes gewackelt und zahlreiche Gebäude zum Einsturz gebracht. Eines der Beben verzeichnete 7,2 auf der Richterskala, das andere 7,5 Punkte – es waren die heftigsten seit mehr als 100 Jahren, heißt es bei der taz (Opens in a new window). Besonders die Küstenregion ist betroffen. An vielen Orten fiel die Strom- und Wasserversorgung aus. Nördlich der Hauptstadt Caracas kam es laut Berichten zu Plünderungen von Geschäften.

Das Land rief den Ausnahmezustand aus, während international Hilfe auf den Weg gebracht wurde: Die Bundesregierung versprach Wasserfilter, Zelte, Feldbetten und Generatoren; zu den anderen Helferländern gehören etwa Frankreich, Mexiko und Katar. Und auch von US-Präsident Donald Trump kam ein entsprechendes Angebot. Das ist insofern bemerkenswert, als dass das US-Militär Anfang Januar Venezuela angegriffen hatte. Spezialeinheiten entführten den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und brachten ihn in ein New Yorker Gefängnis. Regiert wird das Land aktuell von Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez. Weitere Informationen zum Erdbeben gibt es bei der Tagesschau (Opens in a new window). ntv (Opens in a new window) hat außerdem einen Liveticker eingerichtet. (Luzia Geier)

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

„Nihilistische Gewalt“ erreicht Österreich

Das investigative Magazin Dossier und die gemeinnützige Organisation Cemas haben zu „nihilistischer Gewalt“ in Österreich recherchiert, einer neuen Form des Online-Extremismus. Es geht um Missbrauchsdarstellungen, Erpressung und Vandalismus. Europol und FBI warnen bereits seit einiger Zeit davor. In Österreich führt die Spur in den kleinen Ort Neuhofen an der Krems in Oberösterreich, wo eine führende Figur aus der Szene leben dürfte. 

https://www.dossier.at/dossiers/top-storys/nihilistische-gewalt-erreicht-oesterreich/ (Opens in a new window)

Mutter sein ist geil! Auch als Feministin

Die Reporterin Nina Roßmann ist Mutter zweier Kinder, und hört den ganzen Tag, wie schlimm Muttersein ist. Klar, schön ist es nicht immer. Aber wir vergessen, wie weit wir schon gekommen sind – auch dank der Väter.

https://krautreporter.de/geschlecht-und-gerechtigkeit/6439-mutter-sein-ist-geil-auch-als-feministin#lesen (Opens in a new window)

Skandale, Skandale

Heute ist der zweite Lesetag der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt, aka Bachmannpreis. Ich liebe die sommerlichen Bachmannpreis-Fernsehsessions (auch „Germany's Next Topmodel für Intellektuelle“ genannt), viel Zeit habe ich dieses Jahr aber leider nicht dafür. FM4 erklärt, wie man den Preis am besten schaut, (Opens in a new window) und hat Skurriles, Skandalöses und Spektakuläres aus 50 Jahren Bachmannpreis zusammengetragen. Vom berühmten Stirnschnitt des Autors Rainald Goetz 1983 über Skandaltexte zum Autor Philipp Weiss, der 2009 seinen Text aufaß, bis hin zu Stefanie Sargnagel, die 2017 einen Preis im Dress der feministischen Burschenschaft Hysteria entgegennahm. Bei der kleinen Zusammenfassung fällt auf: Der Bachmannpreis-Skandal scheint ein bisschen sehr männlich geprägt. Ergänzen möchte ich noch, dass Jacinta Nandi vor einigen Jahren nach der Jurydiskussion auf die fehlende Kinderbetreuung vor Ort für alleinerziehende Autor*innen hingewiesen hat. Kein Skandal, aber wichtig. 

https://fm4.orf.at/beitrag/31009424 (Opens in a new window)

Kommt gut durch das Wochenende und passt auf euch auf:

Anna

0 comments

Would you like to be the first to write a comment?
Become a member of tag eins and start the conversation.
Become a member