Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!
Der gestrige Höhepunkt der ersten schweren Hitzewelle ist in Österreich zwar vorbei, trotzdem bleibt es heute und morgen im Osten Österreichs noch extrem heiß. Im Westen leiteten gestern Nachmittag erste schwere Unwetter eine Kaltfront ein, die für die Jahreszeit normale Temperaturen mit sich bringt.
Am Wochenende haben sich die Rekordmeldungen überschlagen, ganz Europa ächzt unter der Hitze. Die WHO vermeldete gestern europaweit 1300 zusätzliche hitzebedingte Todesfälle. Frankreich hatte zuvor mindestens 1000 Hitzetote gemeldet, vor allem betroffen seien Personen über 65. Auch die Infrastruktur leidet unter den hohen Temperaturen, es kam zu Schäden an Bahngleisen und Autobahnen, viele Atomkraftwerke mussten aufgrund der hohen Kühlwassertemperaturen abgeschaltet werden. In zahlreichen europäischen Ländern sind die Hitzerekorde nur so gepurzelt, etwa in Deutschland, Tschechien und Polen. In der Wiener Innenstadt wurde gestern Nachmittag mit 40 Grad Celsius die höchste Temperatur jemals gemessen, der österreichische Hitzerekord von 2013 mit 40,5 wurde knapp nicht erreicht. In der Nacht auf heute wurde in der Bundeshauptstadt zudem mit 27,3 Grad die höchste Tiefsttemperatur österreichweit seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen. Der Standard berichtet im permanenten Liveticker (Opens in a new window).
Mitte der Woche kühlt es dann im ganzen Land ab. Aber bereits für den 8. bzw. 9. Juli zeigen erste Prognosen eine neuerliche Hitzewelle. Die Politik muss sich dringend etwas überlegen und Klimawandelanpassungsmaßnahmen umsetzen, denn die Klimakrise ist jetzt auch bei uns voll angekommen und fordert ihre ersten Opfer.

Außerdem geht es heute um den KPÖ-Sieg in Graz, die Regierungseinigung zur Bundesstaatsanwaltschaft und das ewige Hin und Her zwischen Iran und den USA.

KahrPÖ legt bei Wahl in Graz sogar zu
Die Grazer*innen waren offenbar zufrieden mit den vergangenen Jahren kommunistischer Führung unter Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ). Die KPÖ konnte die gestrige Gemeinderatswahl mit fast 35,8 % (+7 % zu 2021) gewinnen, gefolgt von der ÖVP mit 25,2 % (-0,8 %) und den Grünen mit 15 % (-2,4 %). Die FPÖ konnte um 1,4 % auf 12 % zulegen, die SPÖ verliert um 3,6 % und landet bei nur mehr 5,6 %. In der zweitgrößten Stadt gilt damit am wahrscheinlichsten eine Koalition aus KPÖ und Grünen, die sowohl im Gemeinderat als auch im regierenden Stadtsenat (aufgrund der Proporzregelung gibt es auch ÖVP- und FPÖ-Stadträte) eine Mehrheit hat. Kahr hat aber angekündigt, mit allen Parteien im Gemeinderat Gespräche führen zu wollen.
Die Wählerstromanalyse des ORF zeigt: Die KPÖ konnte im Vergleich die meisten ehemaligen Nichtwähler mobilisieren und fischte vor allem im Pool der SPÖ- und Grün-Wähler*innen. Viele SPÖ-Wähler*innen blieben hingegen zu Hause. Die Wahlbeteiligung in der steirischen Hauptstadt lag gestern bei nur 53 %. Die Stadt Graz gilt seit dem überraschenden Wahlsieg der KPÖ 2021 als eine absolute Ausnahme in westlichen Ländern.

Regierung bringt Gesetzespaket zur Bundesstaatsanwaltschaft in Begutachtung
Die Regierung aus ÖVP, SPÖ und NEOS hat sich nach langem Ringen auf die Einsetzung einer sogenannten Bundesstaatsanwaltschaft geeinigt. Sie legt heute ein Gesetzespaket zur Begutachtung vor. Die Idee dahinter: Anstatt der Justizministerin soll in Zukunft ein unabhängiger Dreiersenat die Weisungsspitze der Staatsanwaltschaften bilden. Eine Weisung sind quasi offizielle Vorgaben von oben, an die sich die Staatsanwaltschaften bei Ermittlungen und Anklagen in Strafverfahren halten müssen.
Seit 2016 gibt es einen Weisungsrat im Justizministerium, der sich mit Weisungen an die Staatsanwaltschaften beschäftigt und Empfehlungen abgibt, an die sich die Justizministerin bzw. der Justizminister meistens auch hält. Aber formell hat bisher trotzdem ein*e Politiker*in das letzte Wort und kann im schlimmsten Fall Verfahren und Ermittlungen „abdrehen“. Mit der Bundesstaatsanwaltschaft soll diese Praxis nun ein Ende haben und die Oberaufsicht von der Politik auf drei unabhängige Bundesstaatsanwälte übertragen werden. Zuletzt gab es noch ein politisches Zerren darum, wie diese Staatsanwält*innen ins Amt kommen. Eine unabhängige Kommission soll diese laut dem Plan der Regierung auswählen, der Nationalrat gibt dazu seine Bestätigung oder Ablehnung und die Bundesstaatsanwält*innen sollen dann vom Bundespräsidenten für eine Dienstzeit von sechs Jahren ernannt werden.
Um die laut der Regierung „größte Justizreform seit mehreren Jahrzehnten“ umzusetzen, braucht die Koalition noch die Zustimmung einer Oppositionspartei, entweder von der FPÖ oder den Grünen, da es sich bei zumindest einem Gesetz um Verfassungsmaterie handelt.

USA und Iran wollen Angriffe „vorerst“ stoppen
Die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran war eh keine wirkliche Waffenruhe – daran änderte auch die Absichtserklärung über ein Ende des Krieges nichts, die US-Präsident Trump und der iranische Präsident Massud Peseschkian kürzlich unterzeichneten. Dieses Wochenende flammte der Konflikt wieder auf. Auch wenn der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus zuletzt zunahm, gibt es bislang weder eine Einigung über die Kontrolle der Meerenge noch über das iranische Atomprogramm. In den vergangenen Tagen gab es immer wieder Angriffe von beiden Seiten, heißt es unter anderem bei der Tagesschau (Opens in a new window). Entsprechend ließ Trump mit neuen Drohungen nicht lange auf sich warten (Opens in a new window). Nun soll es aber einen erneuten Stopp der gegenseitigen Angriffe geben: „Beide Seiten werden sich vorerst zurückhalten, und Schiffe können sich (in der Straße von Hormus, Anm.) frei bewegen“, zitierte CNN einen namentlich nicht genannten US-Regierungsvertreter. Dazu komme eine Fortsetzung der Gespräche „in allen Bereichen des Memorandum of Understanding“, berichtet der ORF (Opens in a new window). Im Standard (Opens in a new window)-Liveticker heißt es, laut Iran gäbe es diese Woche keine neuen Verhandlungen mit den USA.
Währenddessen attackierte das israelische Militär mehrere Ziele im Süden des Libanons, berichten libanesische Medien. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi forderte Israel zu einem Rückzug aus dem Nachbarland auf (die Absichtserklärung zwischen Washington und Teheran sieht ein Ende des Krieges „an allen Fronten, auch im Libanon“ vor). Was aktuell in der Region passiert, verfolgen das RND (Opens in a new window) und das Handelsblatt (Opens in a new window) mit Liveblogs. (mit Material von Luzia Geier)

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

Wie der Kontostand den Gesundheitszustand beeinflusst
Die Autorin Miriam Davoudvandi leidet seit ihrer Kindheit unter Depressionen. Im Interview mit der inklusiven Redaktion andererseits erzählt sie, welche Rolle der Kontostand ihrer Eltern bei der Behandlung ihrer psychischen Erkrankung gespielt hat.
https://www.andererseits.org/gesundheit-haengt-auch-vom-geld-ab/ (Opens in a new window)
Dieser Pfarrer machte die Republikaner mächtig. Nun sagt er: „Wer Trump wählt, wählt gegen das Christentum“.
Rob Schenck sammelte Millionen Spendengelder und traf sich mit Verfassungsrichtern, um die USA noch konservativer und christlicher zu machen. Heute sagt er, dass er damals kein guter Christ war.
https://krautreporter.de/politik-und-macht/6441-dieser-pfarrer-machte-die-republikaner-machtig-nun-sagt-er-wer-trump-wahlt-wahlt-gegen-das-christentum#lesen (Opens in a new window)
Lernen bei Professor Schnürsenkel
Wenn ich meine Schuhe schnüre, mache ich erst einen Knoten, dann zwei Schlaufen, die ich miteinander verknote. Im Englischen ist das ein sogenannter Two Loop Shoelace Knot – und nur eine von mindestens 25 Möglichkeiten, seine Schuhe zu binden. Gelernt habe ich das auf Ian’s Shoelace-Site. Wie der Name schon sagt, geht es dort ausschließlich um Schnürsenkel. Dahinter steht der Australier Ian Fieggen, der sich „Professor Shoelace“ nennt und im Juni 1982 einen eigenen Knoten entwickelte: den „Ian Knot“.
Die Technik fand Anklang in seinem Bekanntenkreis, weshalb er ein Jahrzehnt später eine gedruckte Anleitung erstellte, mit Illustrationen der sechs erforderlichen Schritte für den Ian-Knoten. 1993 wurde daraus eine Computeranimation, 2000 eine Website. Dort finden sich nun auch Anleitungen für etliche weitere Techniken, etwa den „Granny Knot“ (Oma-Knoten), den „Boat Shoe Knot“ (Segelschuh-Knoten) – oder auch den „Mega Ian Shoelace Knot“ (Mega-Ian-Knoten). Und nicht nur das: Man kann online Feedback geben. „Danke für den sicheren Knoten!“, schreibt etwa Elizabeth aus den USA. „Meine Schnürsenkel sind seit Monaten verknotet.“
https://www.fieggen.com/shoelace/index.htm (Opens in a new window)Wünscht einen guten Wochenstart trotz der unsäglichen Hitze:
Emil

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