Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!
Fußball kann wunderschön sein. Dass ein Torhüter selbst ein Tor schießt, kommt so gut wie nie vor. Schon gar nicht auf der höchsten Bühne, der Champions League. Schon gar nicht gegen den reichsten und weltweit erfolgreichsten Klub, Real Madrid.
Doch (Opens in a new window): Gestern gegen 23 Uhr in der achten Minute der Nachspielzeit. Es regnet in Strömen in Lissabon. Real Madrid ist wegen zweier Roter Karten nur noch zu Neunt. Es steht 3:2, der Underdog Benfica braucht noch ein Tor, um nicht auszuscheiden. Weil Madrid selbst noch ein Tor schießen will, positionieren sich nur fünf Verteidiger gegen acht Angreifer beim Freistoß. Die Flanke kommt gut, Torhüter Anatolij Trubin steigt am Höchsten und köpfelt scharf ins Eck. Danach ist Ekstase im Estádio da Luz.

Außerdem heute im Newsletter: Ein SPÖ-Bezirksvorsteher auf der Anklagebank, der US-Notenbankchef hält gegen Donald Trump stand und mehr Geld für Grundlagenforschung.

Wienwert-Prozess: SPÖ-Bezirksvorsteher weist Vorwürfe zurück
Seit vier Tagen läuft der komplexe Gerichtsprozess in der Wienwert-Causa: Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft klagt die Vorstände der Immobiliengesellschaft wegen schweren Betrugs an. Politisch brisant ist die Causa aber vor allem, weil rote, schwarze und blaue Politiker darin verwickelt sind. Der ehemalige ÖVP-Wien-Chef Karl Mahrer sowie die FPÖ-Politiker Johann Gudenus und Markus Tschank haben Verantwortung übernommen und so eine diversionelle Erledigung erreicht.
Aufgrund der Schwere der Vorwürfe ist bei Ernst Nevrivy (SPÖ), Vorsteher von Wiens größtem Bezirk, der Donaustadt, keine Diversion möglich. Heute hat Nevrivy, der wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses, Bestechlichkeit und Vorteilsannahme zur Beeinflussung sowie Beitrag zur Untreue angeklagt ist, erstmals ausgesagt (Opens in a new window). Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, er habe dem Wienwert-Chef im Jahr 2017 den geplanten Standort für eine U-Bahn-Remise der Wiener Linien verraten. Der Manager habe das Grundstück darauf gekauft und kurz danach zu einem weit höheren Preis den Wiener Linien weiterverkauft. Als Gegenleistung soll Nevrivy Karten für Fußballmatches erhalten haben und 36.000 € sollen von der Wienwert an eine Donaustädter Band geflossen sein. Den Schaden für das städtische Unternehmen beziffert die WKSTA mit 850.000 Euro.
Nun zu heute: „Ich bin überzeugt, nichts Unrechts getan zu haben“, sagte Nevrivy vor Gericht. Der geplante Standort für die Remise sei 2017 keine Geheimnis mehr gewesen.

US-Notenbank senkt Leitzins nicht
Seit Monaten fordert US-Präsident Donald Trump die Senkung des US-Leitzinses. Zuletzt hat er sogar eine Ermittlungen gegen den Fed-Chef Jerome Powell wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten bei einem Bauprojekt erwirkt. So wie die Europäische Zentralbank ist auch die amerikanische Fed in ihren Entscheidungen unabhängig, um nicht politisch unter Druck gesetzt werden zu können.
Die Jänner-Sitzung der Zentralbanker wurde mit Spannung erwartet und als Test angesehen, wie die angesehene Institution ihre Unabhängigkeit behaupten kann. Die Zinsen bleiben vorerst bei 3,5 bis 3,75 Prozent, berichtet das deutsche Handelsblatt (Opens in a new window). Powell sagte bei der Pressekonferenz, dass die jüngsten Wirtschaftsdaten nicht eindeutig seien, jedoch auf eine Stabilisierung des Arbeitsmarktes hindeuteten. In den letzten Tagen hat der US-Dollar zum Wohlgefallen von Trump gegenüber dem Euro und anderen Währung stark an Wert verloren – das macht US-Güter auf dem Weltmarkt günstiger, Importe in den USA werden teurer.
Auf die Unabhängigkeit der US-Zentralbank angesprochen, sagte Powell, dass diese „sehr wichtig“ sei. Falls diese verloren ginge, wäre es sehr schwierig wieder Glaubwürdigkeit herzustellen. Demnächst steht die turnusmäßig Nominierung des neuen amerikanischen Zentralbankchefs durch Trump an. Für seinen Nachfolger hat Powell schon einen Tipp parat: „Halten Sie sich aus der Politik heraus.“

375 Millionen Euro mehr für Grundlagenforschung
Eigentlich hätte schon Ende 2025 klar sein sollen, wie viel Geld für den Pakt für Forschung, Technologie und Innovation (FTI) budgetiert sind – der Beschluss verzögert sich jedoch.
Als Antwort auf die wachsende Kritik hat die Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) nun Zahlen vorgelegt (Opens in a new window). In den Jahren 2027 bis 2029 stehen insgesamt drei Milliarden Euro für Grundlagenforschung zur Verfügung. Das entspricht einem Plus von 375 Milliarden Euro im Vergleich zur vergangenen Periode. Wie viel vom Kuchen die jeweiligen Institutionen – etwa ÖAW oder FWF – erhalten, wird nun in geheimen Verhandlungen über die Leistungsvereinbarungen festgelegt.

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

Kontext, bitte!
Die Kronen Zeitung hat kürzlich auf der Doppelseite mit rassistischem Zungenschlag über hohe Behandlungskosten von Nicht-Österreicher*innen berichtet. Menschen, die hier leben, arbeiten und Krankenversicherung zahlen, werden mit dem Kampfbegriff „Spitals-Touristen“ verunglimpft.
Nun hat Falter.morgen einen Faktencheck dazu veröffentlicht: „Ausländer machen österreichweit 20 Prozent der Bevölkerung aus, aber nur 9,4 Prozent aller Spitalspatienten.“ Anders als der Krone-Artikel suggeriert, sind die genannten Ausländergruppen bei den Spitalskosten unterrepräsentiert.
https://newsletter.falter.at/n0ngENLCrKQ1C5 (Opens in a new window)
Muss ich für meinen Rettungswagen selbst bezahlen?
Menstruationsbeschwerden oder Rückenschmerzen. Wegen solcher Fälle rufen Menschen den Rettungsdienst und verursachen Kosten in Millionenhöhe. Das wollen Politiker:innen ändern.
https://krautreporter.de/psyche-und-gesundheit/6227-muss-ich-fur-meinen-rettungswagen-selbst-bezahlen (Opens in a new window)
Martenstein, Mario Barth und die Armee der Amazon-Rezensenten
Warum erscheinen eigentlich immer die gleichen Texte gegen das Gendern? Damit hat sich der Literaturwissenschaftler und Feuilleton-Autor Johannes Franzen in seinem neuesten Newsletter auseinandergesetzt. Fein säuberlich arbeitet er heraus, dass es sich beim Binnen-I und Gender-Stern um den „ultimativen Triggerpunkt des libertären Autoritarismus“ handelt.
Ich kann bestätigen: Nichts wurde am tag-eins-Magazin so häufig kritisiert wie das Gendern. Anti-Gendern ist unglaublich beliebt, wer ein gegendertes Buch veröffentlicht, wird dazu auf Amazon mit negativen Rezension überhäuft. Im Gleichschritt agieren – etwa in Niederösterreich oder dem österreichischen Parlament – rechte Politiker als Sprachpolizei und schränken die Meinungsfreiheit ein.
https://kulturundkontroverse859.substack.com/p/martenstein-mario-barth-und-die-armee (Opens in a new window)Freut sich auf viel Fernsehsport in nächster Zeit:
Dominik