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Heute um 16:30 debattiert und votiert der Bayerische Landtag über das Gehörlosengeld in Bayern. Kann man live hier gucken (Opens in a new window). Der Landesverband Bayern der Gehörlosen hat auf Instagram auch ein Sharepic (Opens in a new window) erstellt, falls noch jemand seinen Support online zeigen will. Ziel des Antrags sind 60% vom Blindengeld, also rekordverdächtige 465 Euro. Damit kann man sich dann vielleicht auch Münchner Mieten leisten.
und damit zum eigentlichen Newsletter:
Liebes Taubenschlag-Publikum,
gut was los die letzten Wochen, steigen wir mit was Leichtem ein, bevor es zu Behindertenwerkstätten, Avataren und Theater geht.
Die Westfälische Rundschau vom 17. Oktober titelt:
Bettel-Betrug: Gehörlose Kinder können plötzlich sprechenNanu, sollen gehörlose Kinder nicht eigentlich alle schön sprechen lernen, sonst gibt’s Haue?
Doch halt, es geht um Bettel-Banden, ihr wisst schon, Klemmbrett, mitleidiger Blick, Unterschrift, Spende bitte! Diesmal wurden die Kinder vorgeschoben, die angeblich taub seien, aber dann außer Reichweite plötzlich wieder sprachen. Hätte man ja auch als kleines Logopädie-Wunder feiern können, aber rief stattdessen den Kaufhausdetektiv auf den Plan, der sie der Polizei übergab und volkswirtschaftlichen Schaden in vmtl. zweistelliger Höhe abwandte.
Aktueller Aufreger (Stand Montag) ist das Thema Behindertenwerkstatt. Auslöser war ein Videoposting der Influencerin Jule Lobo, wo sie ihr neues, in einer Behindertenwerkstatt hergestelltes Regal vorstellt.
Die Reaktion aus der Community war prompt, die Kritik ist bekannt: in Werkstätten (kurz WfbM) wird Inklusion eher verhindert. Zu wenig Lohn (200€ im Monat), kein Streikrecht, keine Aufstiegsmöglichkeiten… um nur einige Punkte zu nennen.
Reaktion von Lobo: Vor allem Abwehr (Einschränkung und Ausblendung von Kommentaren) und eine Europaparlamentarierin (Katrin Langensiepen) wegblocken.
Die hörbehinderte Influencerin Katrin Aimee ist eine von vielen, die das Thema zusammenfasst (Opens in a new window) und nebenher in ihren Stories verrät, dass viele Werbekunden im Influencerbusiness mittlerweile verlangen, dass Beiträge untertitelt sind. Womit endlich auch mal geklärt wäre, dass Untertitel mittlerweile einfach wirklich zum guten Ton dazu gehören. Also sprichwörtlich.
Von Aimee kommt übrigens demnächst auch ein Buch raus (Opens in a new window), das sich als Mix aus Sachbuch und Biografie mit dem Thema Hören oder der Abwesenheit selbiger befasst. Das am Rande. Kann bald vorbestellt werden.
Zum Thema Werkstätten hat das ZDF Magazin Royale übrigens letztes Jahr in Kooperation mit andererseits.org auch die einzige Sendung bisher mit DGS-Verdolmetschung gemacht (Opens in a new window). Guter Einstieg ins Thema.
Kürzer (untertitelt) gibt’s hier auf 7 Minuten einen dokumentarischen Einblick in die Arbeitsbedingungen in WfbM:
https://www.youtube.com/watch?v=FXqadTBtqBM (Opens in a new window)Veranstaltungstipp:
Im Rahmen des Tanzfestivals Rhein-Main (Opens in a new window) kann man Rita Mazza (Opens in a new window)s The Voice am 5. und 6. November 2025 im Künstler*innenhaus Mousonturm Frankfurt sehen.
Die Performance untersucht aus tauber Perspektive das Verhältnis von Körper, Klang und Identität und wird in Deutscher Gebärdensprache mit Übertiteln, Audiodeskription und Tastführung präsentiert. Im Anschluss an die Vorstellung am 5. November findet ein Publikumsgespräch statt.
Am 7. November 2025 bietet Rita Mazza zudem einen Workshop zur von ihr entwickelten visuellen Gebärdenchoreografie an. Der Workshop richtet sich an taube und hörende Teilnehmer*innen ab 16 Jahren mit Grundkenntnissen in DGS.
Kurzrecherche:
Bei Stiftungen kann man Stipendien beantragen oder Förderung oder Projekte oder oder. Es gibt einige parteinahe Stiftungen, wie z.B. die Rosa-Luxemburg-Stiftung (DIE LINKE). Da haben wir zufällig festgestellt, dass es dort auch Gebärdensprachvideos gibt.
https://www.rosalux.de/gebaerdensprache (Opens in a new window)Anlass, mal zu gucken, welche anderen Parteistiftungen ebenfalls Interesse an Gehörlosen haben. Die Heinrich-Böll-Stiftung (Opens in a new window) (GRÜNE) hat auch Videos, die Friedrich-Ebert-Stiftung (Opens in a new window) (SPD) ebenso – und dazu sogar noch Kontaktmöglichkeit per DGS-Video per SQAT. Cool!
Alle anderen im Bundestag vertretenen Parteien, bzw. deren Stiftungen? (z.B. CDU oder die “soziale” Schwesterpartei CSU)
Fehlanzeige. Vielleicht stört Gebärdensprache ja auch im Stadtbild, who knows.
Thema Avatare:
Seit einiger Zeit vermarktet das Startup Alangu (gleicher Inhaber wie Charamel) Gebärdensprach-Avatare u.a. an Kommunen. Mit der Geschäftsidee waren sie nun auch bei Die Höhle der Löwen (Vox/RTL) vorstellig. Glücksversprechen: z.B. bei Preisanpassungen (wenn z.B. ein Bürgeramt über die Kosten für ‘nen neuen Personalausweis informiert) einfach den Preis ändern, der Avatar passt sich an, keine neue Aufnahme nötig, Geld gespart.
Wenn man Geld mit Gebärdensprache machen will, ist Expertise von Betroffenen essenziell. Dafür hat Alangu die Mitarbeiterin Christina Schäfer, taub, mitgeschickt. Die Investor*innenjury machte aber schnell klar, dass für Teilhabe auch Teilhabe nötig ist und fragt, was Schäfer für Aufgaben hat:
[Schäfer] rattert gegenüber der DHDL-Jury herunter: Teamleitung, Personalmanagement, Einstellungen, Gebärdensprachunterricht fürs Team, Motion Capture und dann noch „so kleine Nebentätigkeiten“.
Und dann Maschmeyer: „Wie viele Anteile hast du an dem Unternehmen?“
Tja, richtig, keine. Das sagt der Chef dann auch frei heraus, ohne zu merken, wie ihm das Fettnäpfchen bis zum Knie geht. Ganze Aufdröselung des Scheiterns inkl. Link zur Mediathek in unserem Taubenschlag-Beitrag. (Opens in a new window)
Der Deutsche Gehörlosen-Bund reagierte prompt – in einer Stellungnahme lobt der Dachverband die Jury: “Gut gebrüllt, Löwe!” – und findet die Ablehnung
“moralisch, kulturell und ethisch absolut richtig.”
Mit geschrieben an der Stellungnahme hatte übrigens Julia Probst, hier zusammengefasst und im Original verlinkt (Opens in a new window).
Veranstaltungshinweis:
Am 9.11. ist (u.a. (Opens in a new window)) der Jahrestag der Novemberpogrome. Anlass genug, vielleicht die Führung im Berliner Anne-Frank-Zentrum mit DGS (Opens in a new window) zu besuchen.
DEGETH:
Ist mal wieder vorbei. Am 17. und 18. Oktober gab es den ganzen Tag eine Vielfalt von Theaterstücken, die ihresgleichen sucht. Favorit der Taubenschlag-Redaktion war Rafael-Evitan Grombelkas bombastisches MYNONA, das für das Theater juteo inszeniert wurde. Die Gruppe räumte beide beste Schauspiel-Preise und den für die beste Kulisse ab. Das sehr charmante und gekonnt durchgezogene CHAOS IM RAUM von Gestus gewann den Preis für die beste Theatergruppe. Ebenso warf die Franken Deaf Show mit JENSEITS DER ZEIT die Frage auf, was man noch sagen darf – eine sehr offenkundige Verarbeitung der Kulturtage-Ereignisse. Dafür gab es auch den verdienten Publikumspreis.
JENSEITS DER ZEIT (Franken Deaf Show) wird genauso wie CHAOS IM RAUM (Gestus) am 7. März 2026 beim Gehörlosenverein Herborn (Opens in a new window) noch einmal gezeigt.
Damit ging das Fest das 9. Mal über die Bühne. In zwei Jahren, 2027, wäre übrigens nicht nur das 30. Jubiläum der ersten Ausgabe, sondern auch die 10. Runde. Doch ob es wirklich dann schon stattfinden wird, kann man nicht sagen. Der GMU, welcher das Fest organisiert, wollte sich beim Galaabend noch nicht festlegen – wenn, dann aber unbedingt in einer größeren Location, denn diesmal war es bereits nach wenigen Minuten ausverkauft.
Wer etwas weiter nördlich (und etwas eher) ins Theater will, kann DEGETH-Prominenz in Leipzig erleben: Am 14. (Premiere, ausverkauft) und 18. November (noch Karten da) gibt es “fünf minuten stille”, überraschenderweise ursprünglich lautsprachlich, wird’s jetzt in DGS übersetzt gezeigt, von echten Tauben Schauspielenden. Der Clou: das Ganze wird verdolmetscht – in Lautsprache. DEGETH? Ralf Brauns, Athina Lange und Jon Savkins sind entweder Chef der Jury, Jury-Mitglied, haben einen DEGETH-Preis gewonnen, oder sogar beides auf einmal. Man könnte fast sagen: DEGETH on tour. Wäre auch mal ne Idee, die besten Stücke… aber lassen wir das.
Mehr Infos hier (Opens in a new window).
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Grüßt:
Wille
P.S.: am Bodensee findet ein (leider ausverkauftes) Visual Vernacular-Festival statt, spannend! Link (Opens in a new window) zum Instagram-Profil. Vielleicht mal rein folgen.
P.P.S: am Europaparlament ist die Einführung eines Europäischen Tags für Gebärdensprachen im Gespräch. Berichtet (Opens in a new window) MEP Katrin Langensiepen.
P.P.P.S: die Teilhabeberatung (aka EUTBs) haben jetzt ne App (Opens in a new window).
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Taubenschlag war lange ein ehrenamtliches Projekt, ein Blog, eine lebendige Pinnwand. Zwei Jahre lang haben wir mit dem ersten DJE-Projekt (Opens in a new window) – kurze und längere, mehr und weniger tief recherchierte journalistische Artikel veröffentlicht, gefördert von der Europäischen Union. Abseits davon: Die Sparte “Übers Dolmetschen (Opens in a new window)” mit einer eigenen Webseite (Opens in a new window) ist einerseits eine für alle zugängliche Informationsquelle rund um Standardfragen zum Dolmetschen (ähnlich wie nicht-stumm.de (Opens in a new window), welches sich rund um Taubsein und Gebärdensprachen dreht) und andererseits Heimat für exklusive Meinungs- und Diskussionsbeiträge. Fehlt dir etwas? Hast du Lob, hast du Tadel? Schreib uns an info@taubenschlag.de (Opens in a new window) !
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