* Vom Ursprung
Das ist völlig spontan entstanden. Ich war in meinem Ort unterwegs. Im Schreibwarenladen hab ich mir ein Heft geholt. So ein kleines Heft für die Hosentasche. Und einen Kugelschreiber, den hatte ich ohnehin einstecken. Aber eben kein Heft. Ohne Heft in der Tasche, da fehlt mir etwas.
Und nebenan, neben der Schreibwarenhandlung, da hat eine Bäckerei aufgemacht. Mit Café. Ja gut. Also war es für mich völlig naheliegend, mich dort hinzusetzen und einen Espresso zu nehmen. Draußen. Auf dem Trottoir. Also auf dem Gehsteig. Aber wir Kinder haben das nie so gehört. Gehsteig.
Und da hab ich drinnen die Leute in der Bäckerei reden hören. Die Verkäuferin mit den Kundinnen. Meistens eben Frauen. Und vor der Tür sind die Autos auf die Parkplätze gefahren. Oder die Kundinnen sind mit dem Fahrrad angekommen und abgefahren. Da hab ich das frische Heft aus der Tasche gezogen.

Diese Gelegenheit konnte ich mir doch nicht entgehen lassen. Das war so ein spontaner Moment. Eine der Frauen habe ich mir herausgegriffen und daraus ist dann diese Geschichte entstanden.
* Worum es geht
Um Empathie. Oder vielmehr darum, wenn sie in den kleinen Dingen des Alltags nicht vorhanden ist. Also Unachtsamkeit. Unachtsamkeit in Alltagsgesprächen. So ein Gespräch habe ich da in der Bäckerei verfolgt. und da gab es einen Moment, in dem sich eine der Frauen gedemütigt fühlen durfte. Ob sie wirklich gedemütigt war? Ich jedenfalls hätte es verstanden, wenn ja. Vielleicht bin ich zu sensibel.
Jedenfalls war das der Anstoß zum Schreiben. Und ein neues Heft war zur Hand. Und mein BIC-4-Farben auch. So fängt das meistens an. Warmschreiben auf der ersten Seite. Beobachten. Festhalten. Sammeln. Gedanken sammeln. Die Umgebung in sich aufnehmen. Sozusagen die Umgebungstemperatur annehmen.

Am Ende des Tages hat sich im Leben dieser gedemütigten Frau einiges verändert. Aber auch das Leben der demütigenden Frau ist nicht mehr, wie es war.
Der Anfang ließt sich wie eine Beschreibung alltäglichen Geschehens. Im Nachhinein erinnert mich der Anfang etwas an Georges Perecs “Versuch, einen Platz in Paris zu beschreiben”. Der Autor beschreibt darin seitenweise das Umfeld des Café de la Mairie am Place Saint-Sulpice in Paris. Herrlich!
Bei mir bricht das aber sehr schnell ab und geht über in den Weg, den die gedemütigte Frau nimmt.
* Über den Schreibprozess
Das ist nicht immer so wie bei dieser Geschichte. Das fängt harmlos an. So ein Quatsch auf der ersten Seite. Was soll das? Aber dann – auf einer der Folgeseiten – kommt der Augenblick der Demütigung. Und auch der, der ist vielleicht schmerzhaft, aber wirkt noch, na ja, verkraftbar. Also: Warum überhaupt weiterschreiben?
Und dann gehe ich dieser Frau nach. Also im Text. In der Wirklichkeit ist die Frau um die nächste Ecke verschwunden. Und dann setzt die Fiktion ein! Das ist der Moment, in dem sie in mir durchgeht! Die Phantasie!
Ich frag mich dann nicht, ob das schon einmal jemand gedacht hat. Das ist mir wurscht. Alles wurde irgendwie schon einmal gesagt. Aber nicht genauso, wie ich das jetzt sage.
„Die gedemütigte Frau“ ist das, was man écriture automatique nennt. Viel nachgedacht habe ich da ja gar nicht. Das alles ist einfach passiert – so wie das Leben in der Wirklichkeit ja auch einfach passiert. So ist dann dieser Text weitergegangen.
Notizen, Skizzen, Schauplätze, …
… bleiben den Textwerker:innen vorbehalten.