FILM-KRITIK (Opens in a new window)
Es gibt ja so Filme, die eine*n von Anfang in ihren Bann ziehen, bei denen mensch zum Schluss dennoch nicht so recht definieren kann, woran genau das gelegen haben mag. So der Fall bei Paul Thomas Andersons ONE BATTLE AFTER ANOTHER, lose basierend auf Thomas Pynchons Roman Vineland, mit ganz vielen Menschen in Haupt- wie Nebenrollen, die sich hart motiviert in die recht linke Action-Farce stürzen. Das wird an der ice-igen Realität nichts anders, ist aber immerhin unterhaltsam, wie der Autor dieser Zeilen meint.
WORUM ES GEHT:
Menschen, Waffen, Geld, Abschiebung, Vergangenheit, Vaterschaft, Abtauchen, Verfolgung, Nazis, einen Christmas Adventurer Club, Kapitalismus(-kritik), viel Blut (und etwas Hirn), Witz, Autos, Gas, Erektionen, Wokeness, Bomben(attentate), Befreiung, (ironischer) Sexismus und Rassismus, keine Wiedergutmachung, da alle irgendwie recht selbstzufrieden sind und ob nun für die gute oder böse Sache, was ja subjektiv sein kann, kaum empathisch.

„Ghetto“ Pat Calhoun (Leonardo DiCaprio) und Perfidia Beverly Hills (Teyana Taylor) sind Teil der French 75, einer revolutionären Gruppe, die mit Waffen und Gewalt gegen Kapitalismus, das Patriarchat und den sog. Neoliberalismus kämpft sowie Immigranten aus Lagern an der amerikanisch-mexikanischen Grenze befreit. Bei einer dieser Aktionen trifft Perfidia auf US-General Steven J. Lockjaw (Sean Penn) – und es wird nicht das letzte Mal sein...
...ein paar Jahre und Feuerwerke später, ist Perfidia untergetaucht (oder tot) und Pat lebt als abgehalfterter, paranoider, arg nerviger und schlicht hochgradig unsympathischer Kiffer Bob mit der gemeinsamen Tochter Willa Ferguson aka Charlene Calhoun (Chase Infiniti) in der Zufluchtsstadt Baktan Cross. Doch da wir möglicherweis mit der Vergangenheit abgeschlossen haben mögen, diese aber nicht mit uns – um mal einen anderen Anderson-Film zu zitieren – kommt diese irgendwann mit aller Polizei- und Militärgewalt zurück. Immerhin gibt es Verbündete wie French 75-Kombattantin Deandra (Regina Hall) oder Sensei Sergio St. Carlos (Benicio del Toro).
WAS DER KAMPF BIETET
Vor allem dürfte Thema wie Film spalten: Es ist doch recht offensichtlich, wen und was die Buchinterpretation kritisieren, wem den Spiegel vorhalten und wen eher verteidigen will (Opens in a new window). Dagegen ist erstmal nichts zu sagen, doch kann sich das natürlich trotz der nennenswerten Star-Power negativ auf die Filmeinnahmen auswirken (siehe auch PS). Da war der sehenswerte und kurzweilige SUPERMAN so gesehen offener oder anders (Opens in a new window): Er erlaubt es eher die Feind-narrative auf dieser oder jener Seite auszumachen. (Was mit Blick auf Entstehung der klassischen Comics wie auch des Films schon konkreter wird, aber wer befasst sich schon damit?!)

Als Highlight gesehen werden darf dafür alles, was wir sehen. Regisseur und Drehbuchautor Paul Thomas Anderson und sein (Co-)Kameramann Michael Bauman haben im VistaVision-Format gedreht, das eine famos hohe Auflösung erlaubt. Die im vergangenen Jahr insbesondere in Brady Corbets The Brutalist bewundert werden konnte (überhaupt ist es ein großartiger Film). Und nun eben in ONE BATTLE AFTER ANOTHER, was vor allem im IMAX überzeugt (Opens in a new window) (erst recht in der 70mm-Vorführung).

Die Musik von Radiohead-Mitglied Jonny Greenwood ist mitreißend und zu manch allzu pathetischer Stelle passend drüber (die eine oder andere Szene ist derart bedeutungsschwanger aufgeladen, dass wir nicht recht wissen, ob das als Persiflage oder doch überzeugter Ernst ist). Die Songauswahl wirkt wie ein Kommentar zum Kommentar. Was zum Schmunzeln animiert, doch mittlerweile schon ein wenig abgenutzt respektive on the nose daherkommt. Am Schnitt Andy Jurgensens ist kaum etwas zu bemängeln. Nicht selten denken wir beim Film an Michael Manns HEAT (von der Laufzeit her passt es jedenfalls).
LETZTE GEDANKEN
Einzelne Szenen stechen in den teils unvorhersehbaren und unsere Erwartungshaltung kitzelnden knapp drei Stunden Laufzeit naturgemäß heraus. Etwa eine Verfolgungsjagd gegen Ende, die meine Begleitung mit den Worten kommentierte, es sei so, als wäre den Machern etwas eingefallen, das neu wirke, aber eigentlich einen gewissen Gaming-Faktor erfülle. Das ist nicht von der Hand zu weisen. Und eben auch Regie. Dass Paul Thomas Anderson zudem vermutlich kein sonderlich an sich selbst, seinen Ideen und dem Zweck zweifelnder Filmemacher ist, dürfte bei diversen Konzepten helfen. Vor allem, wenn sie politisch aufgeladen und ein garstiger Sozialkommentar sind.

Nun ist's aber auch bei ONE BATTLE AFTER ANOTHER zutreffend, wie o. g. Begleitung es meinte: Es irritiert ein wenig, wenn von „denen da oben“ über „die da oben“ hergezogen wird. Anderson, DiCaprio, Penn, Hall, del Toro und Co. sind halt (vermeintliche) links-woke Elite, ein wenig Elfenbeinturm trifft Geld (sowie mit Warner Bros. Pictures ein großes Studio) und arbeitet sich an den Problemen von jenen „da unten“ ab, wie als eine Art Reinwaschung. Nach dem Motto: Wir sind klug genug, um zu sehen, das wir Teil des Problems sind UND lachen sogar mit euch darüber, wenn wir derangiert durchs Bild laufen. Das ist vollkommen legitim – genau so wie das Gschmäckle, das zurückbleibt.
AS
https://www.youtube.com/watch?v=WMqIlYAWPDQ (Opens in a new window)PS: Zu sehen, ob ONE BATTLE AFTER ANOTHER sein Box Office-Ziel erfüllt wird spannend werden. Vermutet/angesetzt sind zwischen 40 und 45 Millionen US-Dollar Einnahmen weltweit fürs Startwochenende (UPDATE, 29.09.2025: geschafft). Dem steht ein Budget zwischen 130 bis zu kolportierten 175 Millionen US-Dollar gegenüber . Gabby's Dollhouse: Der Film ist zudem Konkurrenz-Neustart in den USA (hierzulande ist der bunt-miautastische Spaß ab dem 9. Oktober im Kino zu sehen, Review folgt). Da auch er von Verfolgungsjagden und manch durchgeknallter Figur mit erhabener Statur handelt, ergibt es nur Sinn, dass die direkt gegeneinander antreten... Möge die bessere Show gewinnen!
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ONE BATTLE AFTER ANOTHER ist seit dem 25. September 2025 im Kino zu sehen; Laufzeit ca. 162 Minuten; FSK: 16