Wenn man einen Hammer hat, liebe Koapier-Community,
sieht man überall Nägel. An dieses Sprichwort musste ich denken als ich in dieser Woche in der New York Times eine Geschichte fand, die ich als Antwort auf meine Frage aus dem Kapitel der vergangenen Woche las: Wer kennt sich mit Cover-Band aus? (Öffnet in neuem Fenster)
Neben Euren Antworten (vielen Dank!) entdeckte ich also diese Reportage (Geschenk-Link) (Öffnet in neuem Fenster) über die fire doors - eine so genannte Tribute-Band aus Musikern der Indie-Band “Field Music (Öffnet in neuem Fenster)”, die in den Nullerjahren in der britischen Indieszene bekannt war. Heute verdienen sie ihr Geld als Tribute- oder Cover-Band, d.h. sie spielen ausschließlich Songs einer berühmten (anderen) Band - als Hommage. Im New York Times-Text ist der zentrale Koapier-Moment der Musiker zu den Doors so beschrieben:
The idea to return to playing Doors covers “started as a joke,” David said, “then gradually didn’t become one.” David researched Britain’s tribute band circuit and found that there were already three well respected Doors acts: the Doors Alive (Öffnet in neuem Fenster), the Doors Rising (Öffnet in neuem Fenster) and the Strange Doors (Öffnet in neuem Fenster). But he thought that Field Music’s members, along with David Hyde on drums, could recreate the band just as well, if not better.
Durch die NYTimes-Geschichte bin ich jedenfalls auf zahlreiche weitere Tribute-Bands gestoßen (Nirvanher, Space Pistol, Mac-Talica) und kurz davor, dieses Projekt hier 2027 von Songs auf Bands zu übertragen ;-)
Um das Thema Tribute geht es jedenfalls auch im Song dieser Woche, den Nicola Wessinghage mir vorgeschlagen hat: eine Hommage an Greta Gerwig.
Und ganz am Ende gibt es etwas wirklich Unfassbares: die beste Tribute-Band, die mir beim Abtauchen in die Welt der Coverbands aufgefallen ist.
Gutes Koapieren!
Dirk
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“Modern Love” (David Bowie) von Zaho de Sagazin - vorgeschlagen Nicola Wessinghage (Öffnet in neuem Fenster) aus Hamburg. Sie arbeitet als freie Kommunikationsberaterin zu Themen aus Wissenschaft, Bildung und Gesellschaft. In ihrem Blog (Öffnet in neuem Fenster) teilt sie Beobachtungen zu Büchern, Medien und Podcasts, in ihrem neuen Newsletter (Öffnet in neuem Fenster) beantwortet sie jeden Monat eine kommunikative Frage und als Podcasterin lobt sie das Gehen (Öffnet in neuem Fenster) oder fragt Menschen, was Lernen ihnen bedeutet (Öffnet in neuem Fenster).
Zur Eröffnung der Filmfestspiele in Cannes 2024 singt Zaho de Sagazan, in Frankreich schon Shootingstar, erstmals ihre Version von David Bowies „Modern Love“ (Öffnet in neuem Fenster). Den Auftritt widmet sie der sichtlich ergriffenen Regisseurin und Jury-Vorsitzenden Greta Gerwig.
Der Auftritt dürfte Gerwig an die Schlüsselszene ihre Films Frances Ha (2012) (Öffnet in neuem Fenster) erinnert haben, in der sie als Tänzerin mit ausgelassenen Sprüngen und Pirouetten zu “Modern Love” durch die Straßen von New York rennt. In diesem Film gelang ihr der Durchbruch als Schauspielerin. Schon damals war die Szene ein Zitat: In Mauvais Sang von Leos Carax (1986) (Öffnet in neuem Fenster) läuft und springt Denis Lavant zu Bowies Song wild und verliebt durch die Straßen von Paris.
Zaho de Sagazan greift diese ikonische Szene auf, startet aus dem Publikum heraus, zieht ihre Schuhe aus, springt auf die Bühne, tanzt, stolpert, dreht sich, singt mit französischem Akzent und tiefer Stimme. Sie sucht die Verbindung – zum Publikum, zu Greta Gerwig.
Cannes 2024 markiert Zaho de Sagazans internationalen Durchbruch. In ihrer Musik verbindet sie Chanson und Techno-Beat. Beides ist in der bisherigen Rezeption von „Modern Love“ schon angelegt: Rhythmisch, fast marionettenhaft bewegte sich Bowie in seinem Video (Öffnet in neuem Fenster). Und als wilden, emotionalen Tanz inszenieren Leos Carax und Noah Baumbach den Song. Sagazan bündelt alles: den Rhythmus, den Ausbruch, das Tempo, die Emotionen.
„Meine Welt ist eine Welt, in der alles zur gleichen Zeit passiert“, sagt sie in einem Interview (Öffnet in neuem Fenster), „Freude, Traurigkeit, Tanz und Melancholie“.
Das ist Modern Love 2024.
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(B5) “Die Kunst des höheren Abschreiben” ist ein Zitat, das Thomas Mann zugeschrieben wurde, der damit die Zitat- und Montage-Kunst in seinen Werken rechtfertigt. Ich möchte diese Kunst des höheren Abschreibens heute in der Form mit einem doppelten Eigenzitat feieren, das sich inhaltlich mit der Frage beschäftigt, wann ein gutes Zitat geklärt sein muss. Die Antwort lautet: Vorher!
Denn mit der guten Kopie verhält
“… es sich also ein wenig wie mit der Ironie. In beiden Fällen müssen vor der Veröffentlichung beziehungsweise der Äußerung die Grundlagen geklärt sein. Es ist unglaubwürdig, erst lauthals eine Behauptung aufzustellen und bei Widerspruch zu behaupten, alles ja nur ironisch gemeint zu haben. Genauso liegt der Fall bei der kreativen Adaption.Wer nicht vor der Kopie seinen Referenzrahmen benennt, wird es im Anschluss schwer haben, als glaubwürdig zu gelten.”
Das Zitat stand im Februar 2010 in der Süddeutschen Zeitung und wurde von mir ein Jahr später ins Suhrkamp-Buch “Mashup” (Öffnet in neuem Fenster) geschrieben. Und jetzt nutze ich es nochmal als Erinnerung für den Umgang mit guten Kopien. Es stammt von mir ;-)
Ob das höheres Abschreiben ist, können wir Thomas Mann nicht mehr fragen. Mit Blick auf den Umgang mit den Kopien, die KI produziert (Öffnet in neuem Fenster), kann diese Einordnung aber hilfreich sein: Woher weiß ein Sprachmodell, was es später als Antwort formuliert? Im Sinne der guten Kopie scheint es ratsam, die Inhalte zu kennen, die ein Sprachmodelle gelernt hat, bevor es sie künstlich intelligent neu zusammensetzt.
(dieser Faden zu KI & Kopien wurde hier bereits begonnen (Öffnet in neuem Fenster) und geht noch weiter)

Diese Woche stand ich etwas verwirrt im Supermarkt - vor einem Schoko-Aufsteller. Das habe ich aber erst nach ein paar Augenblicken bemerkt. Erst dachte ich: die CD ist wieder da, nur kleiner und mit weniger Auswahl: Sarah Conner (Muttersprache), Materia (Zum Glück in die Zukunft II), Cro (Raop), Helena Fischer (Farbenspiel) und die Scorpions (Crazy World) waren da zu sehen - als Cover auf einer quadratischen Schokolade. Die Tafeln sind eine Werbeaktion für Apple Music (Öffnet in neuem Fenster) und ein interessantes Symbol für die Veränderungen um Umgang mit Musik.
Harry Styles hat Tears for Fears gecovert - im BBC1-Radiostudio spielte er seine Version von “Everybody wants to rule the world” (Öffnet in neuem Fenster) ein und das ist ziemlich gut.
Turnstile haben die Stone Roses gecovert - bei triple Js “Like a Version” (Öffnet in neuem Fenster), einer Reihe, über die hier auch noch zu reden sein wird.
Und für alle, die bis hierhin gelesen haben, meine lustigste Tribute-Band-Entdeckung: Moped sind eine besondere Scooter-Tribute-Band. Sie covern nicht Songs von Scooter, sondern andere Songs im Stil von Scooter. Mir gefällt “Wonderwall” (Öffnet in neuem Fenster) am besten - aber alle Songs sind unfassbar.