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Leseförderung ab 10

Scheiße, Pädagogik!

Ich habe schon immer ein bisschen Angst vor Pädagogik gehabt, jedenfalls im Zusammenhang mit Kinderliteratur. Das geht mir immer zu schnell in Richtung erhobener Zeigefinger, lehrreiche Botschaften, man darf nicht Scheiße sagen und so. Damit will ich nichts zu tun haben. Ich bin schließlich mit voller Absicht nicht Lehrerin geworden! Sobald sich in meinem Kopf beim Schreiben ein Zeigefinger erhebt und eine lehrreiche Botschaft mitteilen will, hör ich auf, versprochen!

Verspieltes für Nichtkinder

Eigentlich schreibe ich nämlich vorsätzlich nicht für irgendeine bestimmte Zielgruppe, meine Bücher werden sowohl von Kindern als auch von Erwachsenen gelesen. Und das finde ich sehr schön.

Wenn ich schreibe, tu ich das zunächst einmal für mich selbst. Ganz egoistisch. Für meine innere Elfjährige, die in den Verlagsvorschauen geblättert und sich eigene Geschichten zu den abgebildeten Büchern ausgedacht hat. Für die 17-Jährige, die geglaubt hat, dass irgendetwas mit ihr nicht stimmt, weil sie sich immer noch für Kinderbücher interessiert. Heute weiß ich, dass das Angebot im Regal für Nichtkinder damals einfach nicht so groß war. Verspieltes hat es ja heute immer noch schwer auf dem deutschsprachigen Literaturmarkt, aber in den 90er-Jahren gab es kaum etwas in diese Richtung. Kinderliteratur war damals mein Rettungsanker, denn ich brauchte die Buchwelt, ganz dringend, und die Sachen, die wir im Unterricht gelesen haben, haben mir meistens nicht geholfen. Vielleicht auch vor allem deshalb, weil wir sie im Unterricht gelesen haben. Deswegen schreib ich das jetzt selbst, seitdem ich die Strukturen dafür habe. Obwohl sich die Literaturlandschaft auch im deutschsprachigen Raum geändert hat (nur 3 wunderbare Beispiele weiter unten!).

Lesen: ein Zuhause für alle

Ich weiß nicht, ob das Leben ab 10 für irgendwen einfach ist. Einsamkeit, sich unverstanden und verloren fühlen – für mich ist das die Definition von Heranwachsen (das hört danach nicht notwendigerweise auf, ich weiß). Bücher und Geschichten, Lesen und Schreiben – das war auch damals für mich wie ein Zuhause, wenn alles andere scheiße war. Ich glaube wirklich, dass es dafür keinen Ersatz gibt. Nicht Kino, nicht Fernsehen, nicht Netflix und ganz sicher nicht irgendwelche Social-Media-Plattformen. Nichts ist damit vergleichbar, mit sich und einem (im besten Falle guten) Buch allein zu sein. Und es tut mir ehrlich leid für alle, die das nie erlebt haben!

Es ist allerdings nie zu spät, um damit anzufangen, schätze ich. Mit dem Lesen.

Es ist aber oft zu früh, um damit aufzuhören. Mit dem Lesen. Und mit der Leseförderung. Das ist mir tatsächlich ein Rätsel, aber bisher konnte mir auch noch niemand, der oder die sich damit auskennt, erklären, warum die Leseförderung für Kinder ab 10 einfach aufhört. Was ist der Grund? Denken die Schulen, die Behörden, die Stiftung Lesen oder wer auch immer sich Leseförderung auf die Fahnen schreiben darf, will und kann, dass die Kinder es ab da dann schon allein schaffen? Oder dass es dann auch schon egal ist?

Lesungen für Kinder ab 10? Schwierig!

Es ist ja eh schon schwer. Alle klagen, wie “schwierig das mit den Lesungen geworden” sei. Dahinter steckt natürlich das Übliche: Geld und Zeit. Wie immer und überall. Kann man nix machen. Kein Personal, keine Zeit, Stress, überhaupt – erst mal irgendwie durchkommen, da bleibt nichts mehr übrig, im schlimmsten Fall zumindest. Mit Blick auf die Altersempfehlung meiner Bücher (ab 11) wurde mir gesagt, dass es in dieser Altersgruppe “besonders schwierig” sei, Lesungen zu veranstalten. Die Nachfrage sei nicht so hoch. Für Kinder ab 3 oder 4 Jahren, so im Bilderbuchalter – das wäre gefragter. Dass Kinder in diesem Alter noch gar nicht das Konzept der Autorin verstehen oder sich dafür interessieren – es könnte ja schlichtweg irgendwer die Bilderbücher vorlesen und es käme aufs Gleiche hinaus, da muss die Autorin in den Kindergarten kommen und eine Lesung veranstalten: anscheinend egal. In der Grundschule macht man sich auch noch die Mühe, Lesungen zu organisieren. Aber so ab der 5. und 6. Klasse tut man sich schwer. Kann man nix machen. Im schlimmsten Fall.

Und das ist natürlich fatal. Gerade für diese Altersgruppe wird das Unterhaltungsangebot immer breiter: andere Medien, das Internet. Gerade für diese Altersgruppe wäre es dann natürlich besonders sinnvoll, dranzubleiben mit der Leseförderung, denn hier verlieren wir die meistens Leser:innen. Aber kann man nix machen. Oder doch?

Leseförderung nach der Grundschule: Wer macht mit?!

Ich bin froh, dass die Verlage dranbleiben, zumindest bis jetzt, und das sogenannte Middle-Grade-Segment (im deutschsprachigen Raum sind damit Kinderbücher ab 10 gemeint) nicht außer acht lassen. Auch wenn es schwierig ist. Denn war wäre denn die Alternative? Dass die Kinderliteratur bei Büchern ab 8 aufhörte und dann kämen irgendwann die Jugendbücher ab 14? Und dann hoffen wir einfach, dass alle, möglichst viele oder meinetwegen auch bloß ein paar den Absprung schaffen und Leser:innen bleiben, ist ja egal? Wer kann das wollen? In der Buchbranche doch wohl niemand. Ja, find ich auch: Das wär scheiße.

Notiz am Rande: Wie findet ihr mein neues Logo? Ich überlege, das Ganze hier ein bisschen zu verändern, mal sehen …

Literatur für Kinder und Nichtkinder ab 10