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LöwenPost 2025/26

Sino Kolumne: Diebstahl der Schwimmerinnen ~ PAP in Singapore ~ TikTok und Feuerwerk
KI-Bild erstellt mit Copilot

Im Sommer fanden in Singapore die Schwimmweltmeisterschaften statt. Ich nehme diesen Sport eigentlich nicht wahr, doch eine Meldung aus Singapore hat mich dann doch neugierig gemacht. Mitte August wurden die italienischen Schwimmerinnen Benedetta Pilato und Chiara Tarantino verhaftet. Sie haben in Singapore Ladendiebstahl begangen. Durch die Intervention des italienischen Außenministers Antonio Tajani höchst persönlich konnten die beiden Schwimmerinnen trotzdem nach wenigen Stunden aus dem Land ausreisen. Auch der Präsident des italienischen Schwimmverbandes, Paolo Barelli, zog politische Fäden, denn er ist gleichzeitig Fraktionsvorsitzender von Forza Italia im italienischen Parlament. Dieser ganze Vorgang sagt so einiges über unsere Welt aus: Auch wenn die beiden Schwimmerinnen mit einem Einreiseverbot nach Singapore versehen wurden, warum entgehen sie - nur weil sie Prominente sind - ihrer Strafe? Was ist mit dem so groß geschrieben Gleichheitsgrundsatz, der ja die europäischen Werte leiten soll? Warum stehlen hochbezahlte Spitzensportler? Es ist ein peinlicher Vorfall, der für mich charakteristisch den Zustand Europas und der westlichen Welt insgesamt abbildet, wo sogar Politiker das Stehlen in Geschäften per Gesetz als Kavaliersdelikt abtun möchten. Das Sahnehäubchen des ganzen Vorgangs setzte die Sportlerin Benedetta Pilato mit einem Post in Social Media selbst: "Ich hatte nie die Absicht, unangemessene Handlungen zu begehen, und diejenigen, die mich kennen, wissen, wie sehr ich die Werte Sport, Fairness und persönliche Ehrlichkeit schätze." Selbstverleugnung ohne Verantwortungsbewusstsein und eine hohle heuchlerische Phrase, wie er von italienischen Politikern selbst stammen könnte. Sie schätzt und fordert diese Werte sicherlich bei anderen, nur bei ihr selbst ist es nicht so wichtig. Damit ist es wirklich ein wahres europäisches Statement.

Seit Frühjahr 2025 ist Desmond Lee Parteivorsitzender der regierenden Peoples Action Party (PAP) in Singapore. Diese hatte bei den diesjährigen Parlamentswahlen eine klare Mehrheit bekommen, wobei auch die stärkste Oppositionspartei Workers Party (WP) ihre Wahlkreissiege halten konnte. Andere Parteien schaffte über die Stimmverteilung keinen Einzug ins Parlament. Lee gab nun ein erstes ausführliches Interview, wo er das Wahlergebnis bewertete. Auch wenn er grundsätzlich die Lage nicht schlecht beurteilt, so bin ich von dem Interview enttäuscht. Es fehlen mir kraftvolle Aussagen zu den Kernwerten der PAP zum Thema Leistungsfähigkeit, Korruption, Community-Nähe und gesellschaftliche Disziplin in Singapore. Stattdessen fabuliert er von Wahlprogramm und Instinkten der Menschen und betont sogar eine wichtige Rolle der Opposition. Das sind schwammige und führerlose Statements, die bei mir leider den Eindruck der "Erdbeergeneration" in der PAP verstärkt. Diesen Begriff hat mir bei einem netten Gespräch in der National Gallery in Singapore ein Angestellter der Pioneergeneration verwendet, als er die derzeitigen Führungskräfte der PAP beschrieb. Sie sind zu weich, wie Erdbeeren. Wo bleibt die klare meritokratische Ansage? Wo ist der Hinweis auf die parlamentarischen Lügen der WP hinsichtlich der Polizei? Auf die Korruption - Verzeihung, gerichtlich korrekt "Verletzung der Sorgfaltspflicht" - in den Stadtteilen Aljunied und Hougang? Diese verwerflichen Vorgänge der WP fehlten in der Wahlkampagne der PAP und haben dieser Oppositionspartei im Nordosten Erfolge feiern lassen. Und auch das Hofieren des WP-Chefs als Oppositionsführer durch die PAP verwirrt, denn er war in den Lügen- und Korruptionsvorgängen direkt beteiligt. Sogar schwächlich klingt dagegen diese Aussage von Desmond Lee: “(It) is not a permanent equilibrium... It’s ultimately for Singaporeans to decide what they want as a balance, in terms of governance versus checks and balance” ["(Es) ist kein dauerhaftes Gleichgewicht... Letztendlich liegt es an den Singapurern, zu entscheiden, was sie als Gleichgewicht wollen, in Bezug auf Regierungsführung und Kontrolle"]. Ich wünsche mir eine klare, deutlichere und kämpferische PAP im Sinne von Lee Kuan Yew, anstatt der schwammigen Aussagen mit immer wiederkehrenden politischen Phrasen. Sonst kann es bei einer der nächsten Wahlen eine böse Überraschung der Regierungspartei geben und das wäre nicht gut für Singapore.

Bei einem Thema aus China stehe ich mit einem großen Fragezeichen im Gesicht da. Eigentlich wollte ich an dieser Stelle eine Bewertung abgeben, aber ich kann es nicht. Es geht um die Zusage der chinesischen Regierung nach einer neuen Runde von Handelsgesprächen mit den USA zum Verkauf von TikTok an ein US-Konsortium. Das Netz spekuliert über den Umfang: betrifft Tochterfirmen, Daten, nur Lizenz des Algorithmus, die gesetzlichen Voraussetzungen in China. Aber was hat China im Gegenzug von den USA zugesagt bekommen? Bis auf schwammige Spekulationen habe ich dazu nichts gelesen, aber gerade dieser Punkt ist wichtig, um die Verhandlungsstrategie von China verstehen zu können. Also warten wir ab, ob die Zukunft diese Frage beantworten kann und schwenken zu einem anderen Thema, was ein Top-Thema des chinesischen Social Media ist. Die Firma Amer Sports, ein Tochterunternehmen des Anta Sports Konzerns, hat für seine Sportartikelmarke Arc'teryx für eine Marketingkampagne im Bergland von Tibet durch den berühmten Feuerwerkskünstler Cai Guoqiang ein gigantisches buntes Feuerwerksspektakel veranstaltet. Doch die Kampagne ging komplett nach hinten los. In den chinesischen Social Media entbrannte eine heiße Diskussion über die Respektlosigkeit gegenüber der Natur und den heiligen Bergen in Tibet. Boykottaufrufe für die Firma durchziehen nun das chinesische Internet. Was bedeutet das? Einige Kommentare bewerten diesen Aufschrei als gesellschaftlichen Wandel, dass das Natur- und Umweltbewusstsein in China gestiegen ist, zumindest der städtischen Mittelklasse, die übrigens weit weg von der Natur wohnt. Ich sehe diese Welle da eher unter nicht so hochanalytischen Gesichtspunkten, denn auch wenn es neue Naturschutzprojekte in China gibt, so ist die chinesische Landschaft für eine hochgradige Nutzung optimiert. Berge werden für Bodenschätze und Bauprojekte gnadenlos weggebaggert und die landwirtschaftlichen Nutzflächen werden kaum von einem ungenutzten Baum, geschweige denn naturnahem Wäldchen, unterbrochen. Feuerwerk ist überall präsent, wenn es beispielsweise in einem Haushalt einen Verstorbenen zu beklagen gibt. So vergeht kein Tag in meiner Wohnung in China ohne das laute Knallen. Ich ordne diese Welle vielmehr als normale Nonsense-Massen-Welle ein, die es in China im Social Media so häufig gibt, Stichwort Marathonläuferin Zhang Shuihua. Dabei folgt die Masse einer Hysteriewelle, die aus Langeweile oder aus Empörungssucht, über triviale Dinge ausgelöst wird. Und so denke ich, dass auch diese Welle wieder abnehmen wird und alle Menschen wieder Sportartikel der Marke Arc'teryx kaufen werden. Und seien wir ehrlich, die Knallerei in einer öden Gesteinswüste in Tibet wird nicht gerade unseren Planeten auseinandersprengen. Keep Cool!

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