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Die Möglichkeit zu handeln

Ich glaube nicht, dass Freiheit bedeutet, außerhalb aller Ursachen zu stehen.

Ich bin nicht losgelöst von Biologie, Prägung, Sprache und Geschichte. Ich bin Teil eines Gewebes.

Die Welt existiert ohne mich. Aber die Welt, die ich erlebe, entsteht im Bewusstsein.

Auch mein Selbst ist nicht unabhängig. Es ist gewachsen im Gegenüber, im Wort in Erfahrung.

Wenn alles eingebetet ist, wo bleibt dann die Freiheit?

Nicht außerhalb der Kausalität, sondern im Bewusstsein der Kausalität.

Freiheit heißt für mich nicht: keine Bedingungen zu haben. Sondern: meine Bedingungen zu kennen.

Wer seine Muster sieht, ist nicht automatisch entkommen. Man kann Fesseln lösen und trotzdem gefangen bleiben.

Aber es entsteht ein Unterschied.

Solange ich nicht sehe, was mich prägt, bin ich identisch damit. Wenn ich es sehe, entsteht eine Möglichkeit.

Und mit der Möglichkeit kommt auch eine Verantwortung.

Je bewusster ich handle, desto weniger kann ich sagen: ich wusste es nicht.

Freiheit ist deshalb nicht nur positiv, sondern auch schwer.

Sie macht uns nicht unschuldig. Sie macht uns sichtbar.

Vielleicht ist Freiheit kein Ausbruch aus dem Gewebe, sondern eine reflektierte Bewegung darin.

Bianka Seredinski-Holzner

Zwischenraumtexte 2026

Argomento Denken und Bewusstsein