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being human

Das seltsame, widersprüchliche Abenteuer, ein Mensch zu sein

Eine Kolumne von Christina Emmer
#11 - Seelenheimat

Es gibt zwei Orte auf der Welt, wo ich mich auf besondere Art und Weise zu Hause fühle.

Ort Nr. 1 - Irland.

Dort bin ich gerade.

Wenn es irgendwie geht, reise ich einmal im Jahr hierher. Ich bin am liebsten im Mai/Juni in Irland, weil dann alles gerade erblüht ist und egal wie das Wetter gerade ist, es ist einfach immer intensiv grün und wunderschön.

Vorletztes Jahr - kurz nachdem ich meine Frau kennengelernt hatte - war ich mit meinen beiden Kindern hier. Ich hatte den Urlaub schon lange vor dem ersten Date mit meiner Frau geplant und gebucht. Es war nicht leicht, sie eine Woche zurückzulassen, aber ich habe ihr versprochen, dass ich sie im nächsten Jahr mitnehmen würde.

Für meine Kids war es der zweite Irlandaufenthalt, doch beim ersten waren sie beide so klein, dass sich keiner von beiden daran erinnern kann. Vorletztes Jahr waren sie 12 und 13 - das perfekte Alter um ihnen den Ort zu zeigen, zu dem es mich immer wieder zieht und wo ich auch irgendwann einmal leben will.

Letztes Jahr war ich dann gemeinsam mit meiner Frau dort. Es war für uns so etwas wie eine Hochzeitsreise, denn wir heirateten wenige Monate später im Oktober. Meine Frau hat sich direkt in Irland verliebt. Wie ich, als ich 2005 zum ersten Mal dort war.

Dieses Jahr sind wir zu fünft 8 Tage in Irland - meine Frau und ich, meine beiden Kinder und meine Stieftochter. Wir haben uns ein Ferienhaus an der Westküste gemietet und wenn Du das hier liest, dann wache ich gerade in irischer Bettwäsche auf, mit Blick aufs Meer oder wir sind irgendwo an der Küste unterwegs.

Es wird ein Urlaub mit 3 Teenagern (14, 15 und 17) und wir haben uns gut vorbereitet, Erwartungen geklärt, ein paar Regeln aufgestellt und eine gemeinsame Playlist erstellt, damit unsere 3 Kids nicht den ganzen Tag hinter Kopfhörern verschwinden.

Und diesmal passiert parallel zum Aufenthalt in meiner Seelenheimat Irland noch etwas Besonderes. Wie ich schon in meiner letzten Kolumne erzählt habe, wird mein Vortrag, den ich auf der Fuckup Night in München gehalten habe, global veröffentlicht. Er bekommt eine richtig große Bühne.

Ich bin deswegen besonders aufgeregt, weil die Bühne meine zweite Heimat ist.

Es gibt kaum etwas, wobei ich mehr aufblühe, mich mehr ich selbst fühle, mich gleichzeitig komplett vergesse und absolut im Moment bin, als wenn ich auf einer Bühne vor Menschen tanze - oder spreche.

Ich habe mir diese Bühne immer und immer wieder in meinem Leben erschaffen, auf ganz unterschiedliche Weise. Es waren nicht immer klassische Vorträge.

Ich war in Showtanzgruppen, ich habe selbst choreografiert, ich war als Faschingsprinzessin auf der Bühne. Ich habe unterrichtet, ich habe mir eine zwölftausend Menschen starke Community auf Facebook aufgebaut und ja, ich habe auch hier und da Vorträge gehalten.

Ich bin natürlich sehr gespannt, wie die Resonanz auf diesen Vortrag sein wird. Als ich ihn live gehalten habe, waren die Reaktionen sehr berührend, es war aber auch ein geschlossener, kleiner Kreis von Menschen, die nicht umsonst auf genau so eine Veranstaltung gehen. Sie gehen da nicht hin, um jemanden auszulachen oder sich an seiner Niederlage zu ergötzen.

Zu den Fuckup Nights geht man, um zu erleben, wie normal scheitern ist. Dass es einfach zum Leben dazugehört, wie ein- und ausatmen. Man geht dorthin, weil die Geschichten, die erzählt werden, zutiefst menschlich sind und weil man eine Kultur unterstützen will, die Scheitern nicht als Makel, sondern als Chance sieht.

Nun - die Welt “da draußen” - und insbesondere die Onlinewelt - ist kein solch ein “geschlossener, kleiner Kreis”. Es ist ein weitgehend ungeschützter Raum. Wie krass einen die Welt da draußen mit Hass überschütten kann - genau darum ging es in meinem Vortrag ja.

Doch seit diesem Ereignis von damals, als mich der Hass mit tausenden von Kommentaren überrollt hat, bin ich gewachsen.

Damals bin ich von der öffentlichen Bühne weitestgehend verschwunden. Vielleicht musste ich erst lernen, dass man sich eine Bühne nicht nur erschafft - sondern auch immer wieder erobern muss.

Denn genau wie Irland kommt die Bühne nicht zu mir - sondern ich muss zu ihr gehen. So oft, bis ich irgendwann ganz dort bleiben kann.

***

Alles Liebe
Christina

PS: Wow, so viele berührende Geschichten von Euch, mutmachende Worte und Glückwünsche zur letzten Kolumne! Und ein besonderes Danke an Silke, die mich erinnert hat an mein Programm “Finde Deine Bühne” mit dem ich sie und viele andere Menschen inspirieren und einen kleinen oder großen Schritt näher an ihre ganz persönliche Bühne bringen konnte. Liebe Silke, ich bin sicher: ja, Du bist wirklich so gut. :-)

PPS: Hast Du auch so einen Ort, wo Du ganz Du selbst sein kannst? Schreibe mir per Email an mail@christinaemmer.de (Opens in a new window), ich lese alle Nachrichten. 

Meine Kolumne erscheint jeden Donnerstag. Um keine Folge zu verpassen, kannst Du sie hier kostenlos abonnieren:

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