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KW 39 | 2025

Liebe Leserin, lieber Leser,

in der Erwachsenenbildung ist es gute Tradition: Am letzten Kurstag wird gefeiert, es gibt ein Gruppenfoto, vielleicht eine Zertifikatsübergabe oder ein Erinnerungsbild, das dann in Social Media gepostet wird. Bislang galt: Wenn eine Einwilligung zur Nutzung dieser Bilder vorliegt, ist man rechtlich auf der sicheren Seite. Doch diese Selbstverständlichkeit beginnt zu bröckeln. Die DSGVO schreibt vor, dass personenbezogene Daten – und dazu zählen Fotos, auf denen Menschen erkennbar sind – nur verarbeitet werden dürfen, wenn die betroffene Person vorher informiert eingewilligt hat.

Doch was bedeutet es im Jahr 2025, dass Teilnehmende „informiert“ zustimmen? Können sie das trotz schriftlicher Einwilligung, trotz Aufklärung überhaupt noch? Wir müssen leider davon ausgehen, dass die Antwort „nein“ lautet. Nicht einmal Fachleute können heute verlässlich beurteilen, welche Risiken mit der Veröffentlichung eines Bildes in der digitalen Welt verbunden sind und welche Anwendungen morgen Realität sein werden. Hinzu kommt, dass es in Zeiten von KI nicht beim einzelnen Bild bleibt. Vielmehr werden dank sogenannter Datenaggregation verschiedenste Informationen aus dem Netz in Sekundenschnelle miteinander verknüpft, sodass ein Foto rasch in Beziehung zu unendlich vielen anderen Daten gesetzt wird.

Wer mag, lädt einmal ein spontanes Selfie auf PimEye (Öffnet in neuem Fenster)hoch und staunt, wie schnell das eigene Gesicht identifiziert und im Internet gefunden wird. Oder Sie testen www.theyseeyourphotos.com (Öffnet in neuem Fenster), ein Experiment, das dafür sensibilisieren möchte, wie viele Informationen – aber auch Fehlinformationen – KI aus einem einzigen Bild ableiten kann.

Die Dynamik der KI hat die Bedeutung von Fotos grundlegend verändert. Aus einem netten Moment kann ein dauerhaftes biometrisches Erkennungsmerkmal werden. Selbst wenn Europa das massenhafte Scrapen von Gesichtern verbietet: Die Durchsetzbarkeit ist schwach. Das Netz kennt keine Grenzen. (Scrapen bezeichnet das automatisierte Sammeln von Daten aus dem Internet. Im Fall von Fotos bedeutet das: Bilder von Gesichtern werden ohne Wissen der Betroffenen heruntergeladen und für Zwecke wie das Training von KI-Systemen verwendet.)

Was früher nur ein Gesicht war, wird heute zum Rohmaterial für algorithmische Auswertung: Gesichtserkennung, Hintergrundanalysen, Ortung, Ableitung von Emotionen, sogar Avatare oder Deepfakes lassen sich aus wenigen Referenzbildern generieren. Die Betroffenen haben weder die Kontrolle über die Weiterverwendung noch die Möglichkeit, der KI die Daten wieder „entziehen“ zu lassen.

Für uns persönlich können wir entscheiden, ob wir mit einem Bild im Internet leben können. Doch sobald wir in einer Bildungsorganisation Verantwortung tragen, reicht diese individuelle Abwägung nicht mehr aus.

Wer weiterhin auf klassische Gruppenfotos setzt, von vorn, gut ausgeleuchtet, mit erkennbarem Setting, läuft Gefahr, in eine Praxis zu investieren, die bald weder rechtlich noch gesellschaftlich haltbar ist. Abstrahierte Darstellungen, Aufnahmen von hinten, Illustrationen oder gezielt verfremdete Konzepte können Erinnerungen ermöglichen, ohne Einzelne zu exponieren.

Die Spielregeln haben sich verändert. Gesichter sind viel mehr als Momentaufnahmen. Sie sind digitale Rohdaten, die sich anderswo wiederfinden, verarbeitet und weiterverwendet werden. Und zwar auf Arten, die wir heute oft noch gar nicht absehen können.

Deshalb lohnt es sich, als Bildungsorganisation die eigenen Routinen zu hinterfragen. Was früher unbedenklich war, kann morgen zum Problem werden. Und wer Verantwortung trägt, sollte diese Entwicklungen zu Ende denken.

Wir unterstützen Sie gern mit Workshops, Keynotes, Moderation und Coaching.
Sprechen Sie uns an.

David Röthler, Christiane Carstensen und Sonya Dase

51° Nord ist eine Gemeinschaftsredaktion von Milenu (Öffnet in neuem Fenster) und Dase & Carstensen (Öffnet in neuem Fenster)
Empfehlen (Öffnet in neuem Fenster) Sie uns gerne weiter …


Was Sie im aktuellen Infobrief erwartet:

  • KI-Kompetenzen verändern den Arbeitsmarkt auch für Lehrende

  • Google experimentiert mit KI-Lehrwerken

  • Neu erschienen: Künstliche Intelligenz in der Sozialen Arbeit

  • Coursera steigt mit KI-Rollenspielen in den Soft-Skill-Markt ein

  • Podcast-Tipp: Geht KI nachhaltig oder ist es egal?

  • YouTube schaltet mehrsprachige Tonspuren für Creator frei

  • Neue Studie zeigt, wie Menschen Chat GPT nutzen

  • 20 % der KI-Budgets fließen ins Handy und wir werden anders damit umgehen

  • Gems in Google Gemini jetzt auch zum Teilen

  • Events, Tagungen, Workshops und mehr zu KI und Erwachsenenbildung

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KI-Kompetenzen verändern den Arbeitsmarkt auch für Lehrende

Eine aktuelle Auswertung des KI-Kompetenzmonitors 2025 zeigt: Stellenausschreibungen mit KI-Bezug steigen in nahezu allen Berufsgruppen deutlich an. Wenig überraschend liegt die IT-Branche vorne, doch bemerkenswert ist, dass inzwischen auch Lehrende in den Fokus rücken. Mit über 2.400 Ausschreibungen im zweiten Quartal 2025 gehören sie bereits zu den am stärksten nachgefragten Gruppen. F.A.Z. (Öffnet in neuem Fenster)

Diese Arbeitsmarktdaten sind mehr als nur eine Zahl. Sie markieren den Beginn eines qualitativen Entwicklungsprozesses im Bildungsbereich. Gefragt ist eine domänenspezifische Kompetenz, die Möglichkeiten und Grenzen von KI kritisch einzuordnen, sie in fachliche Kontexte einzubetten und Bildungsprozesse entsprechend zu gestalten. Der Kern der Veränderung liegt nicht mehr in der punktuellen Integration einzelner Tools, sondern in der grundsätzlichen Neugestaltung von Lernprozessen und Lernräumen in einer von KI geprägten Welt.

Google experimentiert mit KI-Lehrwerken

Google hat mit Learn Your Way (Öffnet in neuem Fenster)einen ersten Prototyp vorgestellt, der das klassische Lehrwerk neu denken soll. Statt Inhalte in einer kuratierten Form vorzulegen, soll eine KI den Stoff personalisieren, variieren und in unterschiedlichen Formaten aufbereiten: von Quizfragen über Mindmaps bis hin zu Audiofassungen.

Entscheidend dürfte jedoch nicht allein das Angebot sein, sondern ob es tatsächlich angenommen wird und welche Routinen Lernende in einer von KI geprägten Welt entwickeln.

Noch ist Learn Your Way ein Experiment. Es deutet aber an, dass Anbieter generativer KI beginnen könnten, nicht nur einzelne Aufgaben im Bildungssystem zu übernehmen, sondern das System selbst infrage zu stellen. Die zentrale Rolle des Lehrwerkes als kuratierter, überprüfter und in sich geschlossener Wissensspeicher stünde damit zur Disposition.

Ob dies als Fortschritt oder als Erosion verstanden wird, dürfte zu einer der prägenden Debatten der kommenden Jahre in der Erwachsenenbildung und Verlagswelt werden.

Neu erschienen: Künstliche Intelligenz in der Sozialen Arbeit

Das Buch beschäftigt sich mit den Chancen und Herausforderungen Künstlicher Intelligenz in der Sozialen Arbeit und richtet sich damit an Menschen aus der Praxis, die Orientierung in einem dynamischen Themenfeld suchen. Es zeigt, welche Funktionen KI von der Unterstützung administrativer Aufgaben über neue Möglichkeiten der Sprach- und Lernförderung bis hin zur individuellen Begleitung von Lernenden übernehmen kann. Gleichzeitig legt es großen Wert auf die Darstellung von Risiken. Fragen des Datenschutzes, die Gefahr algorithmischer Verzerrungen sowie die besondere Verletzlichkeit bestimmter Zielgruppen werden differenziert diskutiert.

Wer konkrete Schritt-für-Schritt-Anleitungen oder Toolvergleiche erwartet, wird hier nicht fündig. Das Buch versteht sich bewusst als Impulsgeber und Diskussionsgrundlage. Sein besonderer Wert liegt in der Anregung zur Reflexion und zur Auseinandersetzung mit ethischen und fachlichen Fragen. Als Print kostet das Buch 38€, das E-Book (Öffnet in neuem Fenster)ist im Open Access kostenlos verfügbar.

Coursera steigt mit KI-Rollenspielen in den Soft-Skill-Markt ein

Coursera, bisher vor allem bekannt für videobasierte Wissensvermittlung in Bereichen wie IT, Marketing oder BWL, betritt mit seinem neuen Feature names Role Play (Öffnet in neuem Fenster) ein neues Spielfeld. Mit Role Play sollen Lernende künftig Soft Skills in simulierten Gesprächssituationen mit KI-Personas trainieren können. Szenarien wie Bewerbungsgespräche, Feedbackrunden oder Kundendialoge sollen sich dabei von Lehrenden oder Unternehmen selbst entwerfen lassen. Die KI reagiert dynamisch und gibt individuelles Feedback. Ein Ansatz, der direkt auf klassische Präsenztrainings zielt.

Für Bildungsanbieter ist das ein Signal mit Tragweite. Bislang galten Kompetenzen wie Kommunikation, Konfliktmanagement oder Führung als Kernbereich erwachsenenpädagogischer Angebote. Zwar gibt es in Zeiten von KI schon längst digitale Rollenspiel- oder Simulationslösungen, diese waren bislang jedoch in der Regel aufwendig und im mittel- bis hochpreisigen Segment angesiedelt. Mit Courseras Role Play kommt dieses Prinzip nun in den Niedrigpreissektor und wird skalierbar verfügbar.

Die Qualität dieser Simulationen muss sich zwar erst beweisen. Doch der Vorteil von Geschwindigkeit und Kostenersparnis könnte für viele Unternehmen schwerer wiegen als die pädagogische Tiefe klassischer Trainings. Damit deutet sich eine Verschiebung in der Wertschöpfungskette an: Soft-Skill-Lernen, bislang fest in der Hand traditioneller Weiterbildungsanbieter, rutscht zunehmend in den digitalen Raum der Plattformökonomie.

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Podcast-Tipp: Geht KI nachhaltig oder ist es egal?

Künstliche Intelligenz gilt als Motor des Fortschritts, doch was kostet er uns wirklich? Im Podcast (Öffnet in neuem Fenster)von Sascha Lobo ist die Politökonomin, Transformationsexpertin und Nachhaltigkeitswissenschaftlerin Prof. Dr. Maja Göpel zu Gast. Sie ordnet ein, welche ökologischen und sozialen Folgen digitale Technologien mit sich bringen und warum ihr Energiehunger eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit ist.

Im Gespräch zwischen Sascha Lobo und Maja Göpel wird deutlich, dass wir den Geist nicht mehr in die Flasche zurück bekommen. Die individuelle Nutzung steigt rasant in einem Ausmaß, das sich kaum noch bremsen lässt. Deshalb reicht es nicht, nur auf individuelles Verhalten zu setzen. Das Individuum bleibt zwar in der Verantwortung, doch vor allem die Unternehmen, die KI entwickeln und vermarkten, entziehen sich bisher allzu oft ihrer Pflicht und machen sich einen schlanken Fuß.

Maja Göpel zeichnet ein differenziertes Bild, das die komplexen Wechselwirkungen von Fortschritt, Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung sichtbar macht.

YouTube schaltet mehrsprachige Tonspuren für Creator frei

YouTube erweitert seine Reichweite mit einer neuen mehrsprachigen Audiofunktion. Nach einer zweijährigen Testphase können Creator ihre Videos nun weltweit mit zusätzlichen Sprachspuren ausstatten. Erste Tests zeigen deutliche Reichweitensteigerungen: So erzielten Videos mit mehrsprachigen Tonspuren über 25 % der Wiedergabezeit in anderen Sprachen. Die Qualität der KI-Stimmen bleibt jedoch deutlich hinter dem aktuellen Stand der Technik zurück, den Unternehmen wie Elevenlabs. Ergänzend experimentiert YouTube mit lokal angepassten Vorschaubildern, sog. Thumbnails, um internationale Zielgruppen noch gezielter anzusprechen. IT Boltwise (Öffnet in neuem Fenster)

Neue Studie zeigt, wie Menschen Chat GPT nutzen

Eine aktuelle Studie (Öffnet in neuem Fenster)liefert erstmals detaillierte Einblicke in die Nutzung von Chat GPT. Insgesamt machen Anfragen nach Nachhilfe oder Unterricht ("Tutoring or Teaching") 10,2 Prozent aller Nachrichten an Chat GPT aus.

Die Mehrheit der Interaktionen hat keinen direkten Arbeitsbezug. Nur rund 30 Prozent der Anfragen sind berufsorientiert, während sich der Rest um alltägliche Aufgaben dreht. Besonders häufig wird Unterstützung beim Schreiben gesucht, allerdings weniger, um Texte komplett zu erzeugen, sondern vor allem für Struktur, Klarheit und Feinschliff. Nutzer heben insbesondere hervor, dass Chat GPT sie bei Entscheidungen unterstützt und die eigene Produktivität verbessert, vor allem in wissensintensiven Tätigkeiten.

Fast die Hälfte aller Unterhaltungen fällt in die Kategorie „Asking“, also das Nachfragen nach Informationen, Ratschlägen oder Lernhilfen. Dieser Bereich wächst am schnellsten und wird von den Nutzenden als besonders wertvoll eingeschätzt. Weitere 40 Prozent der Nutzung entfallen auf das Erledigen konkreter Aufgaben („Doing“), während 11 Prozent der Interaktionen dem Ausdruck und der Exploration („Expressing“) dienen.

Die Studie zeigt, dass Chat GPT zunehmend als Alternative zur klassischen Websuche genutzt wird. Vor allem bei individueller Beratung, beim Einordnen von Wissen oder für schnelle Infocluster greifen die Menschen lieber auf KI als auf Google & Co. zurück.

Der anfangs deutliche Gender Gap hat sich erfreulicherweise geschlossen. Inzwischen sind weibliche Vornamen sogar leicht in der Mehrheit. Die Hälfte aller Nachrichten stammen von Erwachsenen unter 26 Jahren. Ein Hinweis, wie stark KI bereits in die Lern- und Arbeitsroutinen der jungen Generation eingebettet ist.

20 % der KI-Budgets fließen ins Handy und wir werden anders damit umgehen

Laut einer Prognose des Marktforschungsunternehmens (Öffnet in neuem Fenster) Gartner fließen´20 Prozent der gesamten Ausgaben von Endanwendern für Künstliche Intelligenz in die Smartphone-Entwicklung. Aktuell statten alle großen Hersteller ihre Modelle mit KI aus. Gartner geht davon aus, dass die Nutzergewohnheiten sich im Zuge dieser Entwicklung verändern werden. Statt wie bisher hauptsächlich Text- oder Touch-Eingaben zu nutzen, werden sich Nutzer laut Gartner künftig stärker u.a. auf gesprochene und kontextbasierte Interaktionen mit der KI einlassen.

Gems in Google Gemini jetzt auch zum Teilen

Google hat Gemini (Öffnet in neuem Fenster) um eine Funktion erweitert: Die sogenannten Gems lassen sich jetzt mit anderen teilen. Aber was genau sind diese Gems eigentlich?

Wer Chat GPT nutzt, kennt das Prinzip unter dem Namen Custom GPTs. Auch da kann man Prompts speichern und der KI einen bestimmten Stil, ein Wissen oder eine Aufgabe mitgeben. Gems funktionieren ganz ähnlich: Man gibt ihnen eine Rolle, ein Thema, ein paar Anweisungen und fertig ist der eigene digitale Helfer.

Wer also einen besonders hilfreichen, kreativen oder einfach charmanten Gem gebaut hat, kann ihn jetzt mit anderen per Link weitergeben.

Damit zieht Google mit Chat GPT gleich, das schon länger auf das Teilen der Custom GPTs setzt. Beide Systeme liefern sich derzeit ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen unter den LLM.

Terminübersicht zu KI und Erwachsenenbildung

Die vollständige Terminübersicht zu Fortbildungen, Events und Tagungen rund um KI, Erwachsenenbildung und Bildungsmanagement finden Sie hier. (Öffnet in neuem Fenster)

Neu eingetragen:

29.09.25
Lernen in Zeiten generativer KI – zwischen Erfahrung und Veränderung
#15 GLOW UP Veranstaltungsreihe (Öffnet in neuem Fenster)

vhs Weiden-Neustadt
online, 13-14 Uhr, kostenfrei

06.11.25
Global Learning and Development Knowledge Forum (Öffnet in neuem Fenster)
Speaker: Dr. Yvonne Behnke, Josh Cavalier u.a.
Online, 11.00–17.30 Uhr

25.11.25
KI-Agentensysteme in der Praxis
Potenziale für Erwachsenbildung und Gesellschaft (Öffnet in neuem Fenster)

13.00–15.15 Uhr
bifeb
online, kostenfrei

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