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Neulich saß ich vor meiner To-do-Liste und spürte diese lähmende Müdigkeit, die einen überkommt, wenn man weiß: Das wird heute wieder nichts. Die Liste war lang, mein Kopf viel zu voll und gleichzeitig steckte mein Denken im Stau.
Und während ich da saß, dachte ich an all die Menschen, die sich in diesem Moment genau so fühlten – und die dazu auch noch Kinder haben. Kinder, die Hausaufgaben machen müssen, die Abendessen und Zuwendung brauchen, sich langweilen, mit ihren Geschwistern streiten und die nachts einen rosa Schwall spucken, weil sie auf dem Kindergeburtstag zu viel bunten Süßkram gegessen haben. Ich dachte an die Eltern unter meinen Freundinnen und Freunden, die kaum Rückzug haben, außer vielleicht (!) mal beim Duschen. Manchmal sehe ich diese tiefe Müdigkeit in ihren Augen und es ist mir ein völliges Rätsel, wie sie das alles zusätzlich zu ihren sonstigen Aufgaben jonglieren. Nicht ausnahmsweise, sondern täglich.
Also stellte ich Eltern spontan auf Social Media die Frage: „Wie SCHAFFT ihr das eigentlich?“
Nie hätte ich damit gerechnet, was als Nächstes passieren würde. Hunderte Antworten prasselten auf mich nieder. Eine nach der anderen, bis ich sie kaum noch lesen konnte. Nicht wegen der Menge, sondern weil sie so ehrlich waren, dass es beinahe wehtat.
Es ist brutal out here
„Gar nicht“, war die häufigste Antwort. Manche retteten sich in Galgenhumor. „Sollte ich da irgendwann dahinter kommen, geb ich Bescheid.“ Oder: „Manchmal hilft es, ins Kissen zu schreien – dann kann man leichter hinnehmen, dass man nicht alles geschafft hat.“
Ich las von vielen, vielen Schattierungen von Erschöpfung.
„Die Kinder schaffen mich.“
„Bin gefühlt jeden Tag kurz davor, zusammenzubrechen.“
„Ich bekomme so oft einen mentalen Breakdown.
Ich las von verzweifelten Versuchen, irgendwie über die Runden zu kommen.
„Fange alles an und mache es nur halb zu Ende.“
„Verschiebe es auf morgen. Und übermorgen.“
„Die Liste ist niemals fertig – vieles wird in Etappen erledigt.“
„Es ist brutal out here.“
„Bin schon müde, wenn ich nur auf eine To-do-Liste schaue.“
„Maximale Selbstausbeutung.“
„Alle sind völlig fertig, zeigt bloß selten einer.“
Eine Antwort, die für mich besonders herausstach: „Wir leben damit, immer defizitär zu sein – Abstriche im Job, im Haushalt, bei den Kindern, bei Hobbys.“
Jemand kommentierte dazu: „Das trifft es auf den Punkt, und ich habe nicht mal Kinder.“
So ging es mir auch. In vielen Antworten erkannte ich mich wieder. Dieses ewige Jonglieren mit zu vielen Bällen, und egal wie sehr man sich anstrengt, einer landet immer auf dem Boden. Nur: Wenn mir das normale Jonglieren schon Schwierigkeiten macht, dann jonglieren viele Eltern mit brennenden Bällen.
Zwischen den Zeilen der Erschöpfung schien manchmal auch eine Art trotziger Stolz durch. Stolz darauf, dass man es überhaupt schafft. Dass man jeden Tag aufs Neue aufsteht und weitermacht.
„Man wächst mit seinen Aufgaben“, lautete ein Kommentar. Ein anderer: „Wir improvisieren.“
Was Kinder wirklich brauchen
Die vielen Antworten auf meine spontan gestellte Frage haben mir etwas gezeigt, das über das Thema To-do-Listen weit hinausgeht. Sie erzählen von einer kollektiven Erschöpfung, die zum Normalzustand geworden ist.
Aber sie erzählen auch von einer langsam wachsenden Weigerung, diesen Zustand als unveränderbar hinzunehmen. Von Menschen, die anfangen, beim Namen zu nennen, dass man es einfach nicht schaffen kann. Die „Nein“ sagen. Die ihre To-do-Listen verbrennen und trotzdem weiterleben.
Vielleicht ist das die beste Antwort auf meine Frage vom Anfang. Man muss es nicht SCHAFFEN.
„An bestimmten Tagen gibt es nur eine einzige Liste: die TaDa-Liste. Da kommen nur Dinge drauf, die man geschafft hat, im Nachhinein“, lautete mein Lieblingskommentar dazu.
Und die Forschung gibt dieser Einstellung recht. Wie dieser Artikel (Öffnet in neuem Fenster)von Arthur C. Brooks im US-Magazin The Atlantic zeigt, ist das, was Kinder wirklich brauchen, um glücklich zu sein, keine perfekt organisierten Eltern. Keine makellosen Haushalte oder durchgetakteten Terminkalender. Die Forschung liefert laut Brooks drei klare Regeln:
Auch chaotische Mütter und Väter könnten großartige Eltern sein. Es geht nicht um Perfektion, sondern um bewusste Entscheidungen – sich aktiv im Leben der Kinder einbringen, kulturelle Anregung bieten, klare Regeln und Ziele setzen.
Bei Unsicherheit gilt: Wärme und Liebe zeigen.
Und am wichtigsten: Sei die Person, die dein Kind werden soll. Kinder sind wandelnde Bullshit-Detektoren. Was sie dafür brauchen: emotionale Wärme, Zuwendung und das Gefühl von Geborgenheit.
Unter den hunderten von Kommentaren, die auf meine Frage kamen, schrieb auch jemand eine Frage an mich: „Gibt es dazu einen Text? Also ich kenne die beschriebenen Gefühle total gut und es hilft, zu wissen, dass man nicht alles falsch gemacht hat, um in diesem Hamsterrad zu sein.“
Ja, diesen Text gibt es jetzt.
Ich hoffe, dass er etwas dazu beitragen kann, diesen Gefühlen der Erschöpfung und Überforderung eine Stimme zu geben. Und falls du das hören musstest: Du bist damit nicht allein.
(Vielleicht kennst du jemanden, der das auch hören sollte – leite diesen Text gerne weiter.)
Bis nächste Woche!
Deine Theresa
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