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#65 Mit Kopftuch in den Wahlkampf

Ein Selfie von mir am SPD-Wahlkampfstand, gemeinsam mit meinem Genossen Robert.

Am vergangenen Samstag habe ich eine wahnsinnig schöne und inspirierende Begegnung mit Greta gehabt, von der ich Dir unbedingt erzählen wollte.

Wir haben uns am SPD-Wahlkampfstand getroffen, weil wir beide aktive Parteimitglieder sind. (Ja, ich weiß, die gestrige Wahl in Baden-Württemberg ist für die SPD verheerend gelaufen. Ich kann mir auch denken, warum. Aber das ist ein anderes Thema. Wir engagieren uns ja nicht auf Bundesebene für die Partei, sondern auf kommunaler Ebene für Themen, die hier vor Ort wichtig sind.) Greta ist so aktiv, dass sie sogar für das Stadtparlament kandidiert. Das sorgt auch in Parteikreisen manchmal für Unruhe, denn Greta trägt ein Koptuch. Sie ist Muslimin.

Religion, habe ich gemerkt, ist zumindest in den SPD-Kreisen, in denen ich zu Hause bin, ein schwieriges Thema. Nicht jede:r kommt damit gut zurecht. Ein offenes Bekenntnis zum Islam, wie z. B. Gretas Kopftuch, sorgt zusätzlich für Unruhe.

Das war uns aber egal, als wir uns unter dem roten Schirm trafen und ziemlich schnell in ein schönes, angeregtes Gespräch über unsere jeweilige Art zu glauben vertieft waren. Sie hat geschildert, wie und warum sie sich mit 14 entschieden hat, zum Islam zu konvertieren (sie ist heute 28). Ich habe erzählt, dass ich evangelikal aufgewachsen bin und wie mein Weg weitergegangen ist, was sie äußerst spannend fand. Bei allen Unterschieden im Hinblick auf die Inhalte des Glaubens, fanden wir eine große Gemeinsamkeit darin, dass wir glauben. Ein Genosse stellte sich während des Gespräches zu uns, verschwand aber schnell wieder, als wir ihm sagten, worüber wir reden. Irgendwann stellten wir fest, dass wir uns, ohne es zu merken, immer weiter dem CDU-Schirm genähert hatten. Wir mussten lachen und rückten wieder nach links zum roten Schirm.

Ich sage es ganz ehrlich: Ich mache nicht gerne Wahlkampf. Ich drücke Menschen meine Meinung nicht gerne auf oder in Form von Flyern in die Hand. Aber das Gespräch mit Greta hat mir wieder klargemacht, warum ich es dennoch tue. Weil ich in einer Gesellschaft leben möchte, in der wir uns bei allen Unterschieden im Hinblick auf unsere Art zu leben und zu glauben offen anlächeln und von unseren Erfahrungen und Erkenntnissen erzählen können. In einer pluralen Gesellschaft mit einer parlamentarischen Demokratie ist das möglich, muss das möglich sein.

Greta hat mir übrigens auch erzählt, warum sie sich entschieden hat, ein Kopftuch zu tragen. Und ich habe es verstanden. Jetzt, nachdem ich ihr zugehört habe, finde ich es richtig gut, dass sie das tut und dass sie den Mut hat, offen zu zeigen, was sie glaubt und wofür sie steht.

Ich wünsche Dir eine tolle Woche. Bis nächsten Montag!

Dein Gofi

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