Servus, ihr Helden der absurden Geschichte!
Hier ist wieder eure Tonya – mit Klemmbrett, Kalender und einer Handvoll Post-its aus der Gruft gekrabbelt. Während Daniel und Philipp tief in der Staffelplanung 2026 versinken, halte ich die Knochen zusammen und sortiere, was demnächst auf eure Ohren kommt.
Heute gibt’s einen kleinen Blick hinter die Kulissen: Wir sprechen über Perfektion vs. Realität in der Episoden-Schmiede, über Ziele, die man anpeilt, und über den Moment, wenn das Leben freundlich dazwischenklappert. Außerdem wartet ein kleiner Ausflug in eine sehr britische Nacht, ein verlassener Wagen und elf Tage, die bis heute wie eine Lücke im Buch wirken.
Also legt die Gebeine hoch, schnallt den Humor fest und macht’s euch gemütlich – es ist wieder Newsletter-Zeit bei Heldendumm.

Steady-Freuden
Vielen Dank an:
Johannes, Jasmin, Korbinian, Patrick, Britta, Enrico, Milena, Lara, Simon, Jos, Dario, Nathalie, Katja, Isabella, Tina, Jeanine, Mike, Tim, Anne, Roland, HG, Amira, Kay, Andrea, Eva, Franz, Hartmut, Stephan, Andreas, Michaela, Hendrik, Cookie, Jochen, Sarah, Falk, Prokrastinator, Susanne, Katrin, Bjoern, Yvonne, Noah, Stephan, Samantha, Kai, Amelie, Marthe, Barbara, Sven, Olivier, Felix und Janine.
Danke euch allen – ohne euch wäre das hier nur halb so dumm und gar nicht so heldenhaft.
Ein wenig Hausmeisterei
Heute nehme ich euch mit in die heldendumme Welt der Organisation und Episodenplanung. Das Ganze passiert vor dem Hintergrund, dass die Jungs gerade mitten in der Staffelplanung für das Jahr 2026 stecken. Und was das bedeutet, gehen wir heute durch.
Dazu muss man sich eine übliche Heldendumm-Staffel vor Augen führen. Da der Episodenrhythmus bei drei Wochen liegt und der Podcast jedes Jahr eine kleine Winterpause macht, hat es sich etabliert, dass irgendwas zwischen 14 und 16 Episoden pro Jahr möglich sind. Das sind dann auch nur die regulären Philipp+Daniel-Episoden. Üblicherweise kommen da noch einige Bonus- und Crossover-Episoden dazu, sodass wir zum Jahresende meist an der 20 kratzen.
Eine perfekte Staffel hat zudem noch weitere Faktoren:
Der, der die erste Episode einer Staffel moderiert, moderiert auch die letzte, sodass man zum Jahreswechsel auch den Geschichtenerzähler wechselt.
Die letzte Episode ist immer in irgendeiner Weise verstrahlt.
Um Halloween wird immer eine Art Mystery- bzw. Gruselgeschichte gemacht.
Um den ersten April besprechen wir einen Streich.
Mindestens zwei Episoden, die nicht zur regulären Zählung gehören, sind Crossover mit anderen Podcasts.
Gerade Punkte 3 und 4 klappen nicht jedes Jahr. Und auch Nummer 1 ist gar nicht so einfach einzuhalten, denn jedes Jahr kommen unvorhersehbare Dinge im Hauptberuf und Privatleben, sodass die perfekte Staffel meist nur eine Richtlinie ist.
Aber nur weil es nicht immer klappt, heißt es nicht, dass man es nicht immer wieder versuchen sollte. Und da wären wir genau an dieser Stelle.
Bei der bisherigen Planung sollten 2026 16 reguläre Episoden erscheinen. Daniel wird beginnen und die Staffel auch verseucht beenden. Philipp bekommt sowohl den 1. April als auch Halloween. Was Crossover angeht, werden wir auch dieses Jahr auf bekannte Stimmen, aber auch auf Heldendumm-Fremde zugreifen, sodass sich der Podcast weiter und weiter durchs Internet fressen kann. So weit, dass irgendwann jeder schon mal (von) Heldendumm gehört hat!
Okay, das war vielleicht ein wenig größenwahnsinnig, aber so ist das nun mal mit Neujahrsvorsätzen. Man muss immer groß ansetzen, damit wenn man bei 15% aufhört, da trotzdem was rumgekommen ist! Jedenfalls freue ich mich schon auf das nächstjährige Line-up der Episoden. Ich schaue immer wieder in die einzelne Episodenplanung der Jungs und es wird wie jedes Jahr einfach großartig!
Reingehört?
In der letzten Episode wurde es mal wieder ein wenig undurchsichtig. Viele Menschen, viele Orte, viele Namen. Und am Ende auch viele Erklärungen, was eigentlich passiert ist.
Hört jetzt rein in »Noch eisigere Expedition« (Öffnet in neuem Fenster)!
(Öffnet in neuem Fenster)Heldendumm Quickie: Elf Tage
Die Nacht war feuchtkalt, der Atem hing als Nebel über der Landstraße. Gegen halb zehn verlässt eine Frau ihr Haus in Berkshire, nimmt nur eine kleine Reisetasche, einen Pelzmantel, steigt in ihren Morris Cowley und fährt los. Keine Nachricht, kein Ziel – nur Motorengeräusch in der Dunkelheit.
Am nächsten Morgen findet man das Auto an einem Hang bei Newlands Corner in Surrey: verlassen, die Fahrertür unverschlossen, im Wagen ein abgelaufener Führerschein und ein paar Kleidungsstücke. Unten lauert ein Kreidebruch, nebenan der stille Teich, der in der Gegend nur „Silent Pool“ heißt. Die Schlagzeilen schreiben sich fast von selbst. Ist sie gestürzt? Gesprungen? Entführt? Die Polizei riegelt ab, Taucher gehen ins Wasser, Suchtrupps durchkämmen die Hänge. Aus einer Vermisstenmeldung wird ein nationales Drama.
Noch ist niemandem klar, was hier genau passiert ist – nur, dass der Zeitpunkt heikel ist. Die Ehe der Frau wackelte: Der Ehemann, ein Offizier, hatte eine Affäre und kurz zuvor um die Scheidung gebeten. Während Ermittler und Journalisten jede Spur verfolgen, wendet sich die Öffentlichkeit dem Leben der Vermissten zu, als wäre es ein offenes Buch. Zeitungen starten Belohnungen, der Innenminister macht Druck, Sir Arthur Conan Doyle konsultiert sogar ein Medium – und das Land sucht wie besessen. Mehr als 1.000 Polizisten, 15.000 Freiwillige und sogar Flugzeuge durchkämmen die Landschaft. Das Rätsel schafft es auf die Titelseiten bis in die USA. Und die auffälligste Fährte ist zunächst das, was fehlt: die Frau selbst.
Die Polizei schreibt Berichte, sortiert Hinweise, protokolliert falsche Fährten. In den Akten bleibt die Nüchternheit der Beamten spürbar: Datum, Uhrzeit, Fundort, Zustand des Wagens, letzte sichere Sichtungen. Kein großer Ton, nur sachliche Unsicherheit – und die Erkenntnis, dass man im Nebel einer Sensationsgeschichte schnell den Kompass verliert.

Elf Tage lang bleibt es so. Daheim häufen sich die Gerüchte, am Silent Pool werden Schilf und Grund abgesucht, doch die wichtigste Spur liegt hunderte Kilometer nördlich – und wirkt so unscheinbar, dass sie erst spät greift: In Harrogate, einem Kurort in Yorkshire, checkt eine Dame in das Swan Hydropathic Hotel ein. Sie trägt elegante Kleidung, gibt einen Wohnsitz an, der nicht zu kontrollieren ist, bestellt Mahlzeiten, liest die Zeitungen – und reagiert nicht. Im Gästebuch steht ein Name, der niemandem auffällt: „Mrs Teresa (oder Tressa) Neele, S.A.“ – ein Name, der, so stellt sich später heraus, mit der Geliebten des Ehemanns zusammenfällt.
Erst als ein Musiker oder Kellner die Frau wiedererkennt und die Polizei informiert, ist der Spuk vorbei. Man holt sie in die Lobby, die Fragen prasseln – und doch bleibt wenig greifbar außer der Tatsache, dass sie lebt.
Was hat sie getan? Wie ist sie dahin gekommen? Und vor allem: Warum? Hier beginnt die zone grise, die bis heute jede nüchterne Zusammenfassung sprengt. Zeitgenössische Berichte sprechen von Nervenzusammenbruch, Amnesie, einem psychogenen „Fugue“-Zustand. Spätere Deutungen variieren: ein unbewusster Fluchtreflex; ein geplanter Rückzug; vielleicht eine Mischung aus beidem. Sicher ist nur, dass es nie eine eindeutige Erklärung gab – die Betroffene selbst schwieg in ihrer Autobiografie darüber. Für Historiker bleibt der Fall deshalb ein seltener blinder Fleck im Leben einer berühmten Person: tausendfach erzählt, einmal zu wenig gesichert.
Die öffentliche Reaktion kippte sofort. Aus Sorge wurde Spott, aus dem Drama eine Farce. Hatte sie alle an der Nase herumgeführt – ein makabrer Scherz, ein Rachefeldzug gegen den untreuen Mann, ein genialer Werbegag? Die Presse, die elf Tage lang eine Tragödie heraufbeschworen hatte, fühlte sich brüskiert. Die Polizei schloss die Akten mit einem spürbaren Seufzer der Frustration; die Kosten der größten Vermisstensuche des Landes waren astronomisch.
Der Ehemann reiste nach Harrogate, holte sie ab. Die Kameras blitzten, doch das Bild war das eines endgültigen Bruchs, nicht einer Versöhnung. Das Paar ließ sich kurz darauf scheiden. Sie selbst tauchte ab, erholte sich und kehrte schließlich zurück – nicht nur ins Leben, sondern auch ans Werk. Die elf Tage aber blieben das, was sie von Anfang an waren: eine Leerstelle, perfekt konstruiert oder tragisch erlitten. Es war das einzige Rätsel, das die Frau, die die größten Mysterien des 20. Jahrhunderts ersann, nie auflösen wollte.
Ihr Name war Agatha Christie.
Quelle: The mysterious disappearance of Agatha Christie (Öffnet in neuem Fenster)
Und das war’s schon für diese Ausgabe!
Bleibt heldenhaft,
Tonya Bone-ita Riesenhuber
P.S.: Wie heißt das berühmte Detektiv-Skelett?
Sherlock Bones! 🦴🕵️