Zum Hauptinhalt springen

Tonya Packt aus: Heldendumm-Newsletter #11

Servus, ihr Helden der absurden Geschichte!

Hier ist wieder eure Tonya – skelettiert, aber bestens sortiert. Zur 11. Ausgabe krieche ich mit Klemmbrett aus der Gruft, während Daniel und Philipp zwischen Statistiken und diesen anderen unwichtigen “Hauptjobs” versinken. Jedenfalls darf ich jetzt irgendwelche Steingeschichten recherchieren und hinter den Kopierer kriechen, um den Ersatzschlüssel fürs Büro zu suchen.

Also legt die Gebeine hoch, entknotet eure Synapsen und macht’s euch bequem – es ist wieder Newsletter-Zeit bei Heldendumm.

Steady-Freuden

Vielen Dank an:

Johannes, Jasmin, Korbinian, Patrick, Britta, Enrico, Milena, Lara, Simon, Jos, Dario, Nathalie, Katja, Isabella, Tina, Jeanine, Mike, Tim, Anne, Roland, HG, Amira, Kay, Andrea, Eva, Franz, Hartmut, Stephan, Andreas, Michaela, Hendrik, Cookie, Jochen, Sarah, Falk, Prokrastinator, Susanne, Katrin, Bjoern, Yvonne, Noah, Stephan, Samantha, Kai, Amelie, Marthe, Barbara, Sven, Olivier und Felix.

Danke euch allen – ohne euch wäre das hier nur halb so dumm und gar nicht so heldenhaft.

Ein wenig Hausmeisterei

Ihr kennt es alle: Manchmal kann man planen wie man will und das Leben macht trotzdem sein eigenes Ding. Warum sprechen wir es an? – Leider müssen sich die Jungs eine kurze Auszeit nehmen und einiges zu regeln. Sie haben aber die Ersatzschlüssel zum Heldendumm-Büro in kompetente Hände gegeben. Das bedeutet also, die kommende Episode wird eine Vertretung produzieren. Nennen wir es eine “freundliche Übernahme”. Und die wird richtig gut werden!

Keine Sorge, danach geht es regulär weiter. Daniel hat bereits ein sehr kaltes Thema für (kurz nach) Halloween aus dem Gefrierfach geholt.

Schon gewusst?

Sprechen wir jetzt mal über Zahlen. Keine Sorge, wir möchten euch definitiv nicht vorkauen, wie “hammermäßig” Heldendumm ist. Hier geht es rein um Transparenz, denn es schon öfter vorkommt, dass wir gefragt werden, wo wir stehen. Und die einfache Antwort ist: Keine Ahnung!

Tatsächlich ist es so, dass wir uns immer wieder selbst fragen, ob unsere Zahlen gut oder schlecht sind. Ob man unser Projekt als erfolgreich bezeichnen kann. Und vor allem, ob es wirklich so viele Menschen gibt, die uns hören.

Also wagen wir einen gemeinsamen Blick in die Welt der Excel-Tabellen.

Eigentlich schon seit Tag 1 versuchen wir die Abos von Heldendumm zu tracken. Das Ganze ist gar nicht so einfach, da es so viele verschiedene Podcast-Plattformen gibt. Als wir mit dem Projekt durchstarteten, war Spotify zwar schon auf dem Vormarsch, aber bei Weitem noch nicht so eine Krake wie sie heutzutage ist. Daher waren die ersten paar Menschen, die Heldendumm hörten, auf “wilden” Plattformen wie PodcastAddict zu finden (“wild” übrigens, da man weder genaue Zahlen noch den zeitlichen Verlauf gut einsehen kann).

Ungefähr als die Emu-Kriege bei uns besprochen wurden, tauchten die ersten Abos auf Spotify, Google Podcasts (RIP) und Apple Podcasts auf, sodass wir zum Ende der ersten Staffel bei ca. 70 Abos angekommen waren. Und da stellte sich uns das erste Mal die Frage: Sind 70 Menschen “viel”?

70 Menschen sind ungefähr das, was in einen Reisebus passt. Plus-Minus natürlich. Dennoch sind das verdammt viele Menschen. Im Vergleich zu anderen Projekten, waren unsere 70 ein Witz – für uns aber völliger Wahnsinn! Spätestens aber, als bei der Kooperation mit »Ralf Grabuschnig« (Öffnet in neuem Fenster) die Episode »Besoffenes Bataillon« (Öffnet in neuem Fenster) entstand, waren die sprichwörtlichen Floodgates geöffnet. Unserer Statistik zufolge kamen ab dem Zeitpunkt nach jeder Episode im Schnitt 40 Personen dazu, sodass wir beim Finale der Staffel 2 »Eisige Expedition« (Öffnet in neuem Fenster) sage und schreibe 1072 Abos auf Spotify, Apple, Podimo und Amazon sehen konnten, die wir später zu unseren Kern-Abos deklarierten, da man sie sehr gut im zeitlichen Verlauf nachvollziehen kann (Ab hier nennen wir sie die SAPA-Abos). Zu den SAPA kamen noch einige Hunderte Abos auf wilden Plattformen.

Somit waren wir bei ca. 1400-1500 Abos. Es gab ganz sicher einige doppelte, Bots, oder Testabos von uns selbst, aber sie fielen alle nicht mehr ins Gewicht. An dieser Stelle Grüße ins Saarland, genauer gesagt nach Karlsbrunn, wo zu der Zeit in etwa genau die Menschenmenge gelebt hatte. Verrückt, oder?

Und so ging es Jahr für Jahr weiter: Zum Ende der Staffel 3 waren wir bei knapp 4500 Abos (Grüße nach Aßling in Oberbayern); Ende Staffel 4 ca. 8800 Abos (Grüße nach Schemmerhofen in Ba-Wü!); Ende Staffel 5 dann ca. 12800 Abos, wo wir Alpen am Niederrhein grüßen können, da diese Stadt ca. die Menschenmenge beherbergt, die Heldendumm zum Jahreswechsel ‘24/’25 hörte. Stand heute sind wir in etwa bei 14300 Abos, was einfach völliger Wahnsinn ist. Was ebenfalls völliger Wahnsinn ist, dass zwei Drittel aller Abos auf Spotify zu finden sind.

Das große Problem ist, dass diese Menschenmenge einfach unvorstellbar ist. Und sie ist auch nicht ganz repräsentativ. Denn nicht jeder hört jede Episode. Und auch nicht jeder hört eine Episode direkt nach Veröffentlichung. Bedeutet also, um überhaupt irgendwas zu messen, benötigt man den Faktor Zeit. Und auch den messen wir, so gut wie es uns nur möglich ist.

Leider bieten die meisten Podcast-Plattformen keine vernünftigen Tools, um genau das zu messen, was uns interessiert. Ausnahmsweise macht Spotify uns an dieser Stelle halbwegs glücklich, denn dort wird wirklich alles gemessen. Und wenn wir annehmen, dass die Verteilung der Abos sich auch auf die Menge der Abrufe der Episoden übertragen lässt, dann brauchen wir nur die Aufrufe von Spotify, um den Faktor 1,5 zu multiplizieren, um auf die Gesamtmenge der Aufrufe zu kommen. Natürlich wird die Zahl niemals zu 100% stimmen, aber mit irgendwas müssen wir arbeiten.

Da wir während einer Staffel alle drei Wochen veröffentlichen, sind 21 Tage unser Messbereich. Bedeutet für uns, der Verlauf der Abrufe der ersten sieben Tage ist uns wichtig, dann der Wert nach 14 Tagen und schließlich der nach 21.

Um mal ein Praxisbeispiel zu nennen – Die Episode 10 der 6. Staffel »Der Ruf des Abfalls« (Öffnet in neuem Fenster) hatte auf Spotify den folgenden Verlauf:

  • 24 Stunden nach der Veröffentlichung: 1787 Aufrufe

  • Nach 2 Tagen: 3158

  • Nach 3 Tagen: 3831

  • Nach 4 Tagen: 4262

  • Nach 5 Tagen: 4660

  • Nach 6 Tagen: 5080

  • Nach 7 Tagen: 5407

  • Nach 14 Tagen: 6871

  • Nach 21 Tagen: 7460

Wenn wir von Spotify auf die Gesamtanzahl mit Faktor 1,5 überschlagen, kommen wir auf roundabout 11200 Aufrufe innerhalb der ersten drei Wochen nach Erscheinung der Episode. Alles danach ist für uns tatsächlich uninteressant, da man sehr schlecht sagen kann, wo (bzw. wann) man aufhören sollte, die Zahlen zu vergleichen. Daher machen wir da den Cut.

Spotify zeigt uns übrigens zur Veröffentlichung des Newsletters eine Gesamtanzahl von 1.462.451 Abrufen unserer Episoden auf ihrer Plattform. Auch ohne auf 2,2 Millionen aufzuschlagen ist das eine wahnsinnig große Zahl. Laut der Plattform sollen 297.700 Stunden Heldendumm gehört worden sein. Das ist so, als ob jemand von euch 34 Jahre seines Lebens nichts anderes gemacht hätte, als sich dumme Wortwitze von Philipp und Bootsbrücken-Anekdoten von Daniel anzuhören. Und das ohne Schlaf! Völlig absurd.

Aber auch hier wieder die Frage: Ist das “erfolgreich”? Unsere Antwort bleibt die gleiche: Keine Ahnung! Schlussendlich sind diese ganzen Zahlen alles nur eine spannende Nebensache. Denn am Ende geht es uns gar nicht darum, wie viele den Bums hier hören, oder wie oft jemand auf Abonnieren/Folgen geklickt hat, sondern darum, dass wir alle Spaß haben. Spaß an Geschichte. Spaß an den absolut bescheuerten Taten von Menschen vergangener Zeit. Und vor allem Spaß an dem Rucksackwissen, über welches man sich mit Freuden bei einem Bier (oder warmer Milch!) amüsieren kann.

Denn letzteres ist der Grund, warum es diesen Podcast eigentlich gibt. Daniel fand eine bescheuerte Story, die er unbedingt Philipp erzählen wollte. Und der Rest ist Geschichte.

Reingehört?

Wo wir schon so viel über Zahlen sprechen – hier habt ihr noch mehr! Wenn jemand nämlich Zahlen produzieren kann, dann sind es die Kaninchen. Und in Australien sowieso! Also unbedingt bei »Invasion von Meister Lampe« (Öffnet in neuem Fenster) reinhören!

(Öffnet in neuem Fenster)

Heldendumm Quickie: Ein teurer Impulskauf

Der Saal ist voll, die Luft kribbelt: Am 21. September 1915 sitzen in einem Theater in Salisbury Landwirte neben Stadtvätern, Sammler neben Schaulustigen. Um 14 Uhr ruft der Auktionator Sir Howard Frank ein unscheinbar klingendes Los auf – “ein paar Acres Downland, dazu ein uraltes, rätselhaftes Monument“. Der Hammerstart liegt bei 5.000 Pfund, dann zähes Ringen. Dass dieser Nachmittagsverkauf im Ersten Weltkrieg einmal als Wendepunkt der Denkmalpflege gelten wird, ahnt hier noch niemand.

Die Bietrunde stockt bei 6.000 Pfund, Sir Howard Frank drängt: “Es ist unmöglich, diesen Ort zu taxieren.“ Dann fällt der Hammer bei 6.600 Pfund. Ein Saalordner bringt den Bietausweis, Applaus brandet auf. Der Käufer ist Cecil Chubb, ein Lokalanwalt aus der Gegend, der eigentlich neue Esszimmerstühle kaufen wollte. Auf die Frage, warum ausgerechnet er zugeschlagen habe, antwortet er nüchtern: „Ein Mann aus Salisbury sollte ihn kaufen.“ Keine großen Worte, dafür ein großer Schritt: Vorläufig bleibt das Monument in lokalen Händen – und nicht bei einem unbekannten Investor.

Chubb ist kein Mäzen aus alter Adelslinie, sondern ein aufgestiegener Jurist – geboren im nahegelegenen Shrewton, beruflich erfolgreich, lokal verwurzelt. Drei Jahre später, am 26. Oktober 1918, zeigt er, dass sein Kauf mehr war als Eitelkeit: Er schenkt das Monument dem Staat. Damit endet die Privatgeschichte des Ortes – und beginnt seine moderne Denkmalbiografie.

Die Schenkungsurkunde ist erstaunlich konkret: Zutritt für die Öffentlichkeit, ein Eintritt “nicht über eine Schilling“ pro Besuch, Erhalt des Zustands, keine Neubauten in unmittelbarer Nähe – kurz: Schutz, Zugang, Maßhalten. Es sind Leitplanken, die sowohl dem Ort als auch seinen Besuchern dienen sollten. Für den nüchternen Ton sorgt Jurist Chubb selbst – präzise, praktisch, weitblickend.

Die Übergabe hat unmittelbare Folgen. Ein Programm der Restaurierung begann fast sofort. Aus dem Sorgenkind wird ein Langzeitprojekt. Es wird aufgerichtet, vermessen, dokumentiert. Aus einem gefährdeten Wunderwerk wird ein betreutes – und bleibt zugleich das, was es immer war: ein Magnet.

Auch Chubb selbst wird nicht vergessen: 1919 macht ihn die Regierung zum Baronet – eine seltene Auszeichnung; sein Wappen trägt fortan einen Trilithen. Es ist die höfische Art zu sagen: Danke für eine Entscheidung, die das kulturelle Gedächtnis der Insel gesichert hat. Und die Region? Eintrittserleichterungen für Einheimische werden zugesichert – ein kleines, aber symbolträchtiges Zugeständnis an den Ort, der das Monument schon immer umgab.

Für das Publikum von 1915 blieb all das Zukunftsmusik. In jenem Saal war es erst einmal eine seltsame Szene: Ein Jurist aus der Nachbarschaft ersteigert eine Landschaft mit Steinen, die älter sind als die eigene Sprache. Vielleicht wirkte das wie ein Launen-Kauf – tatsächlich verhinderte es, dass das Monument in einer Zeit des Mangels und der Zerstörung noch weiter verfiel oder zersplitterte. Man stelle sich vor, das Los wäre an jemanden gegangen, dem es nur um Weiderechte ging, um das Land, nicht um die Steine. Möglich war das – gegangen ist es anders.

Und so steht heute am Ende dieser Geschichte eine beinahe unbritische Pointe: Kein Epos der Eroberung, kein königlicher Federstrich, sondern ein Auktionszettel mit einer Nummer, ein Schlag des Hammers und die Entscheidung eines Menschen, der fand, „ein Salisbury-Mann“ solle es tun. Aus einem risikoreichen Besitz wurde ein öffentliches Gut; aus einem gefährdeten Denkmal ein betreuter Schatz – bewahrt, zugänglich, gepflegt.

Falls ihr euch fragt, was der gute Chubb statt Stühlen kaufte – der Ort war Stonehenge.

Quelle: Stonehenge under the hammer: stones sold 100 years ago for £6,600 (theguardian.com) (Öffnet in neuem Fenster)

Und das war’s schon für diese Ausgabe!

Bleibt heldenhaft,
Tonya Bone-ita Riesenhuber

P.S.: Was ist das Lieblingstier eines Skeletts?
Die Klapperschlange! 🐍🦴

Kategorie Newsletter

0 Kommentare

Möchtest du den ersten Kommentar schreiben?
Werde Mitglied von Heldendumm und starte die Unterhaltung.
Mitglied werden